Nr. 150 Sweller Vlatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)
Samstag. 6 Zull $$
Der Thronwechsel ln der Türkei.
Nrrr fünf Monate lmiger als sein un: zwei J'cchre älterer Bruder Abdul Hamid, der int F-etzruao dieses Jahres gestorben ist. hat Sultan Mohamrned V. gelebt. Ec ist am! 3. Number 1844 zu Konstantinopet geboren, hat also ein Alter voir 74 Jahren erreicht. Sultan Mohammed galt als eine schlichte, anspruchslose Natur, «sein etwas selbes und vorsichtig zurückhaltendes Wesen entsprach der jahrelangen Mgeschlossenheit, in der unter der Regierung Abdul Hamids die Prinzen des kaiserlichen Hauses wie ängstlich gehütete Gesungene bewacht wurden. Erst die jungtürkische Revolution, die den Sturz Und die Absetzung seines Bruders brachte, gab mich dem zu seinem Nachfolger erwählten, bereits 64 Jahre alten Prinzen die Freiheit. Mohammed Reschad Esfendr. wie er, damals hieß, also einfach: Herr Reschad, besaß nicht einmal den Titel eines Paschas, als ans ihn die Wahl fiel. Cr ivar allerdings als ältester Prinz des Hauses der legitime Thronfolger, doch dass auch die Jungtürken seine Kandidatur unterstützten, hatte wohl hauptsächlich seinen Grund darin, daß Mohammed Reschad als ein ruhiger, politisch nicht sehr interessierter, im übrigen aber freiheitlichen Gedanken durchaus zugänglicher Mann galt. Sultan Mohammed, der diesen entscheidenden Kampf irm den Bestand des von seinen Vätern gegründeten Reichs geführt hat, war eigentlich durchaus keine kriegerische Natur. In Uniform hat man ihn imx äußerst selten gesehen. Fast stets trug er den einfachen sä Warzen Rock. Der Beiname „der Gütige", den man ihm gleich zu Beginn seiner Regierungszeit beilegte, entsprach seinem schlichten Wesen besser als,der volltönende Titel des Siegreichen ,,el Ghazi". den er auf Bitten des MinisVerrates im April 191b annahm. Iw Februar 1916 ist der Sultan, der damals erst sechs Jahre Soldat war, auch Feldmarschall des deutschen Heeres geworden.
Der neue Sultan.
Kon ftantinopel, 5. Juli. (WTB.) Meldung unseres Sonderberichterstatters. Mit großer Feierlichkeit fand am 4. Juli vormittags die Piat genannte P r o k l a m i e r u n g des Sultans Mebmed Vl. im Palast Top Kapu statt. Üm 10.50 Uhr trat der Sultan in den Throeisral ein, worin der Thronfolger Abdul Medsänd Effendi, die kaiserlichen Prinzen, der Großwefir, die Minister, das Parlament und der Khedive ix'rsammeft waren. Nachdem der Sultan einen Mgenblick Mif dem Sessel neben dem Throne Platz genommen hatte, begann die Zeremonie, wobei die Anwesenden das Satschk, das die Hand des Padischahs darstellt, küssen. Hieraus nahm der Sultan auf dem Throne Platz. Abgeordnete aus dem Nordkankafus und Aferbeidschjan wohnten der Feier bei. Auf das Biat folgte die Beisetzung der Leiche Meh- m eds V., die zu den Waschungen nach dem Palast Top Kapu gebracht wurde. Der Sultan solche dem mit reichen bunten Decken behängten Sar<^ bis an das Tor des Palastes. Dann begab er sich auf seiner Jacht nach Zjnb, wohin die Leiche ans einem Motorboot geschafft wurde. Dort fand die Beisetzung in dem von Meh- med V. errichteten Grabmal statt.
An- utt& C cntb.
Gießen, den 6. Juli 1918. 41/4 bis 41/2 Prozent Zinsen.
Die Kriegsfinanzierung des Reiches erfordert es, daß alle flüssigen Gelher dem Reiche zugesührt werden. Das Reich
gibt daher Reich§schatzanweisungen in Stücken zu 5OO, 1OOO, 10 000, 10O000 und 1 Million Mark aus und vergütet dafür an täglichen Zinsen 4 1 /* Prozent. D ie Zinsen werden sofort beim Einzahlen des Kapitals für die Zeit der Anlage im voraus entrichtet. — Die Reichsbankstelle in Gießen ist bereit, den Ankauf solcher Schatzanweisungen kostenlos zu vermitteln und die beschafften auf Wunsch kostenlos aufzubewahren. Ebenso wird die Einziehung der Reichsschatzanweisungen bei Fälligkeit von der hiesigen Reichsbankstelle kostenlos besorgt. — Wer also zurzeit irgendwie über freie Gelder im Betrage von mindestens 5O0 Mark verfügt, kann sie auf diesem Wege ohne Risiko und ohne irgendwelche Spesen oder Unkosten täglich durch die Reichsbankstelle in Gießen zu 47* Prozent, bei weniger als 30tägigec Laufzeit zu 4 Prozent Zinsen an- legen. Wird die Rückzahlung des Geldes vor Fälligkeit der Schatzanweisungen gewünscht, so kann dies jederzeit geschehen. Die Reichsbank übernimmt in diesem Fall die Schatzanweisungen selbst, sie kürzt alsdann Zinsen bis zum Fälligkeitstage, und Awcrr zum jeweiligen Banksatz, gegenwärtig 5 Prozent. Sonstige Kosten erwachsen durch die vorzeitige Einlösung nicht. Diese überaus günstiges nur aus der Kriegszeit heraus gegebene Gele ge n heit zu einer Kapitalsanlage, die hochverzinslich ist und dabeidoch täglichflüssiggemachtwerde n kann, ist bereits von weitesten Kreisen wahrgenommen worden und findet täglich mehr und mehr-Anklang. Falls jemand sich verpflichtet, die Gelder für die nächste Kriegsanleihe zu verwenden, so werden 472 Prozent Zinsen vorweg vergütet. Die Einzahlung der Gelder auf die Kriegsanleihe erfolgt zur ge- gebeiren Zeit kostenlos. Zur näheren Auskunft ist die Reichsbankstelle Gießen in den Vormittags-Dienststunden von 9 bis 1 Uhr gern bereit. 5059V.
Babenhausen 11. u. Lich (Fürstlich Lich'sche Giitsverwaltung) gezüchtet fiitb und dem gestellten Zuchtziel entsprechen, versteigert. Dir zur Versteigerung gelangenden Böcke sind von einer Kommission von Fachmäimern ausgesucht. Oberesfischen Gemeinde-, Gesell- schafts- und PrivatsclKfereien, die Schasböcke ettteigern, werden aus Antrag Zuschüsse durch den Landwirtschaftskaiiuner-Ausschuß bewilligt. Tie diesjährige Versteigerung findet in der Fürstlichen Feldscheune in Lich — Gießener Straße — statt. Zur Versteigerung gelangen ca. 70 Lammböcke, ferner ein Anzahl Schafe und Mutter- lämmer. Näheres siehe Anzeige.
Landkreis Gießen.
** Allendorf a. Lda., 6. Juli. Der Hilfsschaffner Heinrich
Ablieferung getragener Manneroberkle?bung!
Mühlstrahe 3
täglich, anher Somstcgs, 8 l / a —12 und 2—4 Uhr.
Schluß: Dienstag den 16 . bs. M§.
** Freibank. Montag den 8. Juli 1918 von 2—4 Uhr von Nr. 501—580.
** Anlage musik findet Sonntag den 7. Juli, vormittags 11 Uhr, in der Nord-Anlage (bei günstiger Witterung) mit folgender Spiel-Folge statt. Jubel-Ouvertüre von ^Chr. Bach. Der Wanderer, Lied, von Frz. Schubert. Potpourri a. d. Oper: Czacrr und Zimmermann, von A. Lortzing.
< „L-chmeichelkätzchen", Salonstück, von R. Eilenberg. Treue um Treue, Marsch, von Blankenburg.
. ** Schwarz-Weiß-Licht spiele, Seltersweg 81. Bon heute ab bis einschließlich Vdontag tritt Erich Kaiser-Titz mit feiltet Partnerin Kitte Hank in dem Filmwerk „Die Stricknadeln" auf. Außerdem erfreut Paul Heidemann in einem Lustspiel die Besucher. Siehe Anzeige.
** V erstei ger ung von Schafböcken. ..Wie bekannt, hat der Landwirt schaftskammer-2tus schuß für die Provinz Ober- hesseii im Verein mit pem Oberhessischen Schaft üchterve rein sich bie Aufgabe gestellt, dos Vogels bevger Landschaf planmäßig mit Bocken der Eotswoldsrasse zu kreuzen und auf dem Wege der AielWvattonsireuzmlg ein wmhsigeS Schaf von leichter Ernahr- barrnt, beTriÄngeildem Wollertvag und guter Anpassung an die besie.-enden Halttmgsverhältnisse in Oberhessm heimisch zu machen. Leit Jahren werden Böcke, die in den Stamm schiiseceien Götzen,
M a is wurde mit dem Verdienstkreuz für Kriegshilfe ausgezeichnet, u. Heuchelheim, 5. Jüli. Zur Ludelidorsf-Spende sam
melten .die Beamten und Arbeiter der Firma Rinn & Cloos unter sich die schöne Summe von 1220 Mark. Der Inhaber der Firma. Herr Ludwig Rinn, überwies für den gleichen Zweck 20 000 Mark.
** Lich, 5. Juli. Die Sammlung für die Ludendorsf-Spende ergab in hiesiger Stadt den Misehnlichpn Betrag von 2993,40 Mark.
Kreis Alsfkld.
e. Kirtorf, 4. Juli. In Bech.'heim lRheinhefsen) starb die Frau Sanitätsrat Dr. Jost Witwe im Alter von 76 Jah^n, deren Mann in unserer Gemeinde lange Jahre als praktischer Arzt segensreich tätig gewesen ist.
Kreis Schotten.
e. Schotten. 4. Juli.» Das hiesige Kreisamt stellt zur Zeit Erhebungen an über die Zahl der in den einzelnen Gemeinden' durch die. hessische Organisation untergebrachen hilfsbedürftigen: Stad'.linder, damit den Pflegeeltern, einerlei ob Selbstversorger oder Nicktselbseversorger, die bei Unterbringung der Kinder zugesagten Lebensmittel für die Zeit ihres Aufenthaltes zugewicstm tverden können.
Hessen-Nassau.
1l Biedenkopf, 5. Juli. In der Hosvitalkirche fand am
Mittwoch unter dem Vors'ne des Herrn Dekans Christian d:e diesjährige Kreissynode statt. Nach Erstattung des Berichts über
die kirchlichen und sittlichen Zustände des Synodalbezirks nmrdcn als Abgeordnete für die Bezirkssvnode außer dem Vorsitzende^
Herr Bürgermeister Grünewald-Biedenkopf gewählt. .Im Lause
der Verhandlungen wurde ein aus der Mitte der Versammlung gestellter Antrag aus Abschaffung des Klingelbeutels den OKmeinden überwiesen. Ebenso besprach man die einheitliche Einfübrnng des neuen Wiesbadener Gesangbuches mrd die 400
mterhalb —-- .. ~ „-
Fische erschienen plötzlich cm der OeertlS.se, schnappten nacki- Lust und schoßen dann p .eilgesch.mud da.stn, bis sie sich verendend auf
die Leite legren, oster i.
Sprung aufs Ufer sich,
dem wtüringenden Element entzogen. Dort wurden sie massenweise einges-ammelt. Vermutlich, sind Fabriklvässer die Ursache des Fisck)- slerbens, die, vnc schon früher, auf Jahve hinaus die Till entvölkerten.
=-. Frankfurt a. M., 4. Juli. Ans einem Poftpaket- Eisenbalmneagen, der regelmäßig ohne Begleitung von lster Nlgch Hamburg rollt, wurden stets zahlreiche Pakete gestohlen. Trotz schärfster Aussicht komrte jedoch niemals der Dieb entdeckt werden. Da ließ sich mit Erlaubnis seiner Vorgesetzten ein hiesiger Oberpostschaffner mit in den Paket- wagen „einbcnlen" und machte die Reise nach Hamburg mit. Und er hatte Glück. Kaum stand der Wagwn aus dem. Hamburger Bahnhof, als er mich sckwn von dem geheimnisvollen Dieb besucht wurde und ausgevlündert loerden sollte. Ter Täter war eilt im Dienst ergrauter Rangiermeister, der sich seit langer Zeit an dem fremden Gut vergriffen batte.
mr. Frankfurt a. M., 5. Juli., Die Arbeiten an der Kaiserbrücke wurden neuerdings, nachidem sie anfänglich ganz hätten; eingestellt werde'.: sollen, mct verstärkten, Kräften wieder ausgenommen. Man will vor alle!: Dingen die Fischprlöcher, deren Grundwasser die Bel^nbanten immer wieder überflutet, ausfüllen, um dann die Kaimauer aus der Fvarkksurter Seite sertigzusüellen. Gleichzeitig wird enn Abbruch der le cken, Psei'-erresde der Alten Brücke gearbeitet, die noch dm Grundstein mit den werftwllen Tocknmenten enthalten sollen, dem: bisher l-at man trotz eifrigen; Forsckens noch ^keinerlei Schriftstücke, die über den Bau Auskunft geben, in den Brückenresten gefumdm.
X Hanau, 8. Juli. In dem KoEurse über das Vermögen der Firma „Hessische Flugzeugwerft", Herm. Demnth in Bruchköbel, fand heute vor dem Amtsgericht Hanw.! die erste Gläubigerversammlung statt. Aus den gegebenen Darlegungen ist zu eut- nebmen, daß die Passiva rund 400000 Mark betragen, darunter 146 000 A'ark Hypotbekenschulstau. Der Wert des Grundstückes ist auf 200 000 Mark veranftUagt. Ein Flugzeug ist fertig- gestellt, jedackn nockj> nicht abgenommen.
sc. Vom Taunus, 5. Juli. Im Vergleich zu den Vorjahren fällt die Waldbeerenernte in diesem Jahre recht schlecht aus. Der Frost im Frühjahr hat den Beeren sehr geschadet. Auch die Dürre hat die Entlvicklung der Beeren sehr gehemmt.
I D a r m st a d t, 5. Juli. Tie Strafkammer verurteilte ein 14jähriges Mädchen von O s s en b a ch wegen Betrugs zu 1 Monat 2 Wpchen Gefängnis. Es hatte durch gefälschte Zettel einer Frau
in drei Fällen Beträge in der Gesamt höhe von 137 Mk. entlcicft.' Dtts Gericht nahm an, daß die Einsicht für schwere Urkunden
fälschung nock) fehle. Das Kind stammt ans traurigen Familien Verhältnissen. Die Eltern leben gettennt. Der Vater, der den Schaden ersetzte, hat selbst Fürsorgeerziehung beantragt. — Der Spengler Leonhard Bär und der Schuhmacher .Heinrich Ennl M lö l l e r von Offenst a ch haben in einem dortigen Geschäft 15 Ueberzieher und 6 Anzüge gestohlen und sie an einen nichtermittel- ten Abnehmer für 330 Aik. verkauft. Beide erhalten wegen Rücksall- diebstahls, B. 2 Jahre, M. 1 Jahr 6 Monate Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust. Bärs FrMi erhätt wegen Begünstigung 1 Monat Gesämgiffk' und Möllers Schwager, der Schreiner Gustav Wolf K ü nt m e l, wegen Hehlerei 2 Monate Gefängnis.
^kirchliche Nach richte:»,
Gottesdienst »am Sonntag den 7. Juli (6. nach Trinftatis '.
Evangelische Gemeinde.
.In der Stadt ki r che. 8: Zngl. Christenl. f. d. Neukonftrm. ans d. Match.-Gem. Pfi.-Ass. Liz. Rennittg; 9V,: Pfr. Schwabe: 11: Kinderk. f. d. Mark.-Gem. Pfr. Schwabe. — In der I o Hanneskirche. 8: Zngl. Christenl. f. d. Neukonftrm. aus d. Luk.- Gem. Pf!r Bechtolsheinier: 97s: Pft. Ansfeld: 11: Kinderk. f d. Joh.-Gem. Pfr. Ausfeld: 8: Bistelbespr. im Johannessaal. Mittwoch 10. Juli, aüds. 8: Kriegsbetstunde. Pfr. Bechtolsheim er. —' Kirchberg. Born:.: 10: 1t: Christenl. f. d. weibl. Jugend. — Mainzlar. Vorm.: 10. — Lollar. Abds. 87 2 : .^driegsbetst.
Uatholische Gemeinde.
67s0 Gel. z. hl. Beicht; 7: Hl. Messe, gemeinsch. Komm. d. >mngfr.: 8: Aust. d. hl. Kommt; 9: Hochamt m. Pred. ; 11: Hl. Messe m. Pred.: 2: Christenl., darauf And.: 47 2 : Jnngsr.-Kvngr.; 8: And. z. hl. Aloisius. Dienstag u. Freitag, alws. 8: Kriegsbüt- apd. Samstag 13. Juli, nachm. 5 u. abds. 8: Gel z. hl. Beicht. — Tiaspora-Gottesd. am 7. Juli: Laubach 10, Lich 97 2 .
Lioch-chulnaeh-ichien. ^
. = Frankfurt a. M., 4. Juli. Dem ocoentlichen Proftssov
m der medizinischen Fakultät der Unwersität Frankfurt a. M., Tr. Neißer, wurde der Charakter als Geheimer Aceoizinalrat verliehen.
Letzte Aachrichten.
Der neueste Bericht der L^eere. leitung.
(WTB.) Großes Hauptquartier, 6. Juli. (Amtlich.) *
Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupp recht.
Mehrfache Angriffsversuche des Feindes westlich von Langemarck scheittrten. In d.m Kampsabs-hnitt südlich der Somme blieb die Artillerielätigk-ü tagsüber gcste gert. Am Abend lebte sie auch an der übrigen HeereSgruppen-Fwnt auf.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
. Zwischen Aisne und Marne und südwestlich von Reims zeittveilig erhöhte GefechtstätmkZt. Stärkere Vorstöße des Feindes oep,en den ClignonMbschnitt wurden abgewiesen. Erlundungsgefechte in der Eharnpagne.
Leutnant Bolle errang seinen 20. Luftfi^g.
Der Erste (v e er l uar iermeister Ludendorff.
DeuSsche pressrstimmm zu wi^onr neuen Phrasen.
Berlin, 6^. Juli. Zu den Phrasen Wilsons am Grabe Was- hingwns bemerkt die „Morgenliost": „Herr W.lckn ist noch immer dem deutschen Reichskanzler die Antwort schuldig aus d.e Rede, in der dieser sich in allem Wesenttichen mit den damaligen vier Punkte.: einvecschnden erklärt hatte. Wem: Wilson wirtlich daran! gelegen wäre, einen dmreeiden und gerechten Frieden zusLrnd«- znbringen, so hätte er, statt die Friedensfoeunde in seinem Lande zu veriolge: und den Pöbel gegen sie zu ijeyen, doch txn Anregungen des Grafen Hertlcng nachgehen sollen, um zu sehen, wie weit sie vielleicht auf Grund ferner damals aufgegelltcn Benin gung-en eine WdöglichjZeft für den Frieden etthielten. Ein holländisches Blatt bezeichnet Löilsvns .Rede als eine akademische Rede. Sic sei jedoch keine Rede, ncft der ein Staatsmann Politik treibt, und ist auch Misere Meinung."
Die „Post" sagt: Von diesem Bluidwerk glänzender Phrasen, mit denen Wilson am Grabe des Gründers der ameriLrni! chen! Union die wirklickssn Ziele seiner Krieg spul ft ik zu ' verschleiern sucht, verdient allein die Forderung eines .indernatMialea Sck-ieds- gerickfts'lwfes Diochtnng. Meier die Erfahrungen, die mit dem Haager Schieds<;erickMhof gemacht wurden, sind l. hrreich genug.
Ter „Vorwärts" führt aus: „Die Reden Wft.on l und Ehr r- chills köimen in keiner Weise dem Frieden dienen. Warn beide Staatsmänner für den Friedensschluß die Bedingung^ l bei eig wM entsckMdenden Waffensieges voraus fetzen, so hat das deu st che Volk gegenüber einer solchen Zumutung nur ein glattes nnan^ n eh mbar. Alte Verschlungen, daß Teutschlmid'nach seiner Besiegung gar nickfts Schlimmes, sondern nur Gevechfigkeit widerfahren würde, sind hinfällig für den, der auch mir über einen tleinenj Schimmer geschichtlicher Kenntnisse verfügt. Wenn, da Wilson den Kanft-s aus Leben mrd Tod proklamiert, so kmrn niemand dem deutschen.Volke znrmtten, daß es fveiwillig sich mit dem Tode einverstanden erklärt. .Bei solchw Gesinnung der Gegner bleibt ihm nur der entschlossene Verteid i g u n gs kam pf übrig, bis sch auch.die ^Gegner überzeugt haben, daß nicht der .Endsieg, sondern nur die Versta'udig'nng die Aiöglickckeft für eine gedeihliche Zukunft der Menschheft bietet."
Gründung einer sozialistischen Akademie in Rußland.
Berlin, 5. Juli. (WTB. Nichtamtlich.) „Nasche Slowo" vom 3. Juli meldet, daß im Rat der russisck>en Volkskommissare die Gründung einer sozialisttschen Akademie erwogen wurde. Einstimmig wurden zu Mitgliedern erwählt Bucharin, Largin, Stud- setka, Radek, Riasknow,' Bogdanow und Lenin (Lenin lehnt die Wahl ab) AusTeutschland lvnrden gewählt Rosa Luxemburg, Georg L e d e b o n r, Karl K a u t z k y, Franz Mehring und Karl Liebknecht, aus Oesterreich Otto Bauer. Tie ebenfalls als Mitglieder vorgesehenen Russen Koni Kwpatkin und Plechanow haben kategorisch abgelehnt.
Neue Haussuchungen und Verhaftungen in Irland.
London, 5. Juli. (Reuter.) Die Polizei nahm an: frühen Morgen in der Grafschaft Galway und den anschließenden Grafschaften ausgedehnte Haussuchungen nach Waffen vor. Die Stveiszüge erstreckten sich über einen Umkreis von 50 Meilen um Ballinasloe herum. Es wurden Hunderte von Gewehren und andere Waffen beschlagnahmt. Im allgemeinen ergaben sich keine Schrvierigkeilen. In einigen Fällen, wo ftcb Widerstand zeigte, wurden Verhaftungen vorgerommen. DlSfuhrverbot fiir LVertpapiere aus Frankreich.
Genf, 5. Juli. (WTB. Mchtamtlich.) Ter ftanzösische Finanzminister Klotz hat die Ausfuhr von Banknoten! Frankreichs, Rußlands und der Vercftligten Staaten durch Personen ans Frankreich verboten, abgesehen von Beträgen bis zrl 100 Francs. Dieses Verbot wird wahrscheinlich noch weiter auf die Banftwten der anderen Alliierten ausgedehnt werderr. Diel Ausfuhr verschiedener Wertftmpiere, besonders von Aktien indu-^ strieller Gesellschaften in Rußland und den Ballanstaaten wirb gleichfalls verboten werden.
Vrantings Aruß-erungen.
Stockholm, 5. Juli. (WTB. Nickftamtlich.) Wieder Pariser Berichterstatter von „Stockholms Tidningen" mcltzet, erklärte Brau-
ting in Paris einem Redakteur des „Petit Parlsicn'n Ich glaube m: die Zukunft der Demokratie und Iwsft, daß duldenl>ft-e Offensive zurückgewiesen werden wird. Wenn Schweden auch neuttal ist, so besitzt die Sack-e der Demokratie doch Sympathien bei der großen Vdenge. Die deutsche Bewegung hat sich einen AugenbluI lang bemerkbar gemacht, ist jetzt aber stark geschwächt und noch wernger zu fürchteil als jemals. Llußcrdein sprach Brmtting seine Freude darüber .aus, daß sich unter den Amerikanern, die ihre Bemühung mit derjenigen der Entente vereinigen, so viele sckme- disck-er Absttmniung seien. Im Anschluß hieran bemerkte er: Ich hoffe, daß die Haltung der sckpvedisck-en Amerikaner einen, großen Einfluß auf die Bolksmeiimng in Äcwveden ausüben toird.
Anmerkimg des WTB.: Mit den hier miedergegebeneti Aeuße- nntgcit hat Bvanting in Paris nur das wiederholt, was er sckwn in Lcmdon gesagt hatte. Wenn er den Wunsch miS-peicht, die Ml der fianzösisck>en F-rvnt kämpfenden mnerikanisa)en Schweden möchten die öffentliche Meinung Schwedeils beeinflussen, so ent- sprickft das ganz der ihm eignen Neutralität intb Kriegssreundsüxrft. Nackidem bereits sein Llustreten in London \xm der sckpvedlschen Regierung sck>arf mißbilliift und lredmiert worden ist, stellt B:an- ting sich durch sein neuerlick-cs dluftreten in Pa:fts vor aller Welt als das hin. was ex ist, nämlich als lächerlicher. un^nnUwort- lichr Schvätzer.
LL'D
Sehrheg^ni ira Csbraadi.
beliebtes HsusmiSSöl für ScSiwache, ÜBlioras beitete,Nervöso."


