Nr. 125
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Elfter Blatt
168. Jahrgang
LreiLag, 31. Mai 1918
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Solffoiis genommen; Mm pari bedroht.
Vormarsch zur Name.
(WTD.) GroheS Hauptquartier, 39. Mai. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
An den Kampffronten zwischen Yser und Oise nahm die EeftchtSläligkcit vielfach zu. Oertliche Infanterie ge fechte. Der Angriff der Kampfarmeen des Deutschen Kronprinzen schreitet siegreich vorwäriS.
Nordlrckr der Alsrre wurde in hartem Kamps bei Crecy an-Mont, Jnvigny und Cuffins Gelände gewonnen. Bran- dentmrgische Truppen, hlben Soissons genommen. Südlich der Beste brach die in Bildung begriffene neue Armee der Franzosen in dem unaufhaltsamen Angriff unserer Divisionen zusammen. Wir warfen den Feind nach hartnäckigem Widerstand bis über die Linie Villemontoire—Fere-en-Tar- denoiS—CoulogneS—Brouillet—VranScourt zurück.
Die Forts der Sdordweftfront von Reims sind gefallen. Der Nordteil La Neuvillette und B-eihnry wurde genommen. Die Gefmrgenenzahl ist auf über 35 000 gestiegen. Die Beute an Artillerie- und Kriegsmaterial ist aervaltig. Geschütze aller Art bis zum Eisenbahngeschütz schwersten Kalibers wurden erobert. Das stürmische Vordringen unserer Angriffs- truppen venvchrte dem Feinde, die im eroberten Gebiete aufgestapelten reichen Kriegsvorräte zurückzuffihren. Große Bestände ftelen in Soissons, Braisne und Fismes in unsere Hand. Ausgedehnte Munitionslager, Eisenbahnzüge, Lazarett-Anlagen mit zahlreichen Sanitätsansrüstungen kamen in unseren Besitz. Flughäfen mit startbereiten Maschinen und Flugzeugmaterial wurde erbeutet.
Bei den Heeresgruppen Gallwitz und Herzog Albrecht lebte die GefcchtstätiKeit nur zciw-eiiig auf.
Unsere Flieger schossen in den letzten drei Tagen 38 feindlicli-e Flugzeuge ab. Oberleutnant Berthold errang seinen 29. Luftsieg. Leutnant Roc h brachte in einem Fluge von Dixmuiden dis südlich von Ypern fünf feindliche Fesselballone bvennerrd zum Absturz.
Der Erste Generatguartiermeister Ludendorff.
* Der Trvendbericht.
Berlin, 30. Mai. al^nds. (MTV. Amtlich.) Südlich von Fere-err-Lardcinis nähern wir uns kämpfend der M a r n e.
Der gestrige Tagesbericht der Obersten Heeresleitung hat alle auf Grund der letzten Nachrichten gehegten Erwartungen übertroffen. Soissons wurde von Brcindenburgi- schen Truppen geuonmren und auch auf dem äußersten, östlichen Flügel der Kampffront sind durch die Eroberung der Vorwerke von Reims anßerordörtliche Fortschritte ge- macht worden. Mer ein Blick auf die Karte, die wir hier veröffentlichen, zeigt, daß unsere Offensive daniit vorläufig noch keineswegs znm Stillstand gclmigt ist. Cs ist vielmehr ein weiterer Durchbruch durch die in der Bildung begriffene neue Front der Franzosen erfolgt. Also nicht etwa kampflos wnroe die im Heeresbericht genannte Linie Villemontoire — Fbitt - en - Tardenois — Coulognes —Brouillet—Br ans court erreichä! Und doch/welch sclMellen räumlichen Fortschritt hat dieser dritte Schlachttag ergeben! Der -neueste Llbendbericht nennt das nächste Ziel -unserer obersten Führer: die Marne! Me wird den Franzosen diese Paroüe Hindenburgs sich aufs Gemüt legen! Die Marneschlacht im Jahre 1914 wer ihnen zu einer Quelle vou Zuversicht, Trost uud Stolz geworden, wenn trübe Tage durchzurnachen waren. Was wollen die Deutschen nun an der Marne? Es hat gewiß etwas für sich, wenn Erich v. Salzmmrn, der militärische Mitarbeiter der „Voss. Ztg.", in diesem Blatte meint, allmählich nahe das Ende des Grabenkrieges, der Bewegungskrieg beginne. Etwas ähnliches deutet wach der frühere Oberst Gädke im „Vorioärts" an, der aus die ungeheure Augrifsssront verweist, die von Arras über Albert, Ainiens und die Oise hinüber bis in die Gegend von Reims reiche und ettva 180 Kilometer breit sei. Gädke erklärt demgemäß, von allen Schlachten der Welt habe nur die von Mukden im März, 1905 eine ähnliche Ausdehnung erreicht, doch seien diesmal aller Wahrscheinlichkeit nach sehr viel stärtere Kräfte am Werk.
Ein doppelt denkwürdiges Gepräge erhalt die gegenwärtige Schlacht dadurch, daß es sich um ein historisches Gelände handelt, über welches v. Salzmann folgende Betrachtung anstellt:
ist klassischer Boden, auf dem hier gefochten wird. Unsere Divisionen nähern sich wieder den Katalaunischen Gefilde n. ans denen oft gemta über das Schicksal Europas und def Menschl>ei.t gewürfelt wurde. Unsere Divisionen steigen bald ins Lal o>cr Dcarne herab, an der ebensooft die Entscheidung über Frankreichs Schicksal siel. Wie lange noch, und auch der berühmte Septembergeist der^ Marne von 1914 wird in Paris aufs neue beschworen werden müssen. Als unsere Truppen an der Weichsel standen, als sie die Donau vor sich hattm, imd als der Togliamento vor ihnen lag, da sprach inan vom Geist der Marne. Alle Heere, die m_ geschichtlichen Zeiten den Vormarsch auf die seindlulx, Haupffladt Paris an traten, fochten in bm Gefilden, in benen unx fei den letzten Tagen siegreich nmren. Tie Schlachten, die wir aus der Geschuhte kennen, gesck-ahen allerdings alle im Bewegungskrieg. Trotzdem kann man lzeute sagen: die Si'annung aus der gesamten Westfront ist eine so ungebeure geworden, die Möglichkeiten sind zurzeit so außerordentliche, daß der Grabenkrieg tiefa twr seinem endgültigen Ende an gekommen sein muß. Hindenburgs kmd Ludendvrsfs Genius gelingt e$, den Fluß in die Massen zu. dringeil, den rvir all.: erhomen, der allein die gewaltige lieber-' fcm ertDri . t deutschen triegcrischen GeistttS pffMbaren
Hälfte der Westfront ist hatte praktisch bereits in Bewegung, das heißt der Teil von der Nordsee bis zur Suippe. Der Teil von der Suippe bis zur Schtveizer Grenze ruht noch, obwohl auch dort die kriegerischen Teilhandlungen das Maß des Gewöhnlichen weit übersäireiten."
1914 waren es die Reiter der 3. Armee, die die Vesle, cm der Reims liegt, überschritten hatten und am 3. September mit Husarenpatrouillen der Brigade Suckow zuerst in das verlassene Reims einritten. S o i s s o n s wurde, wie in der Voss. Ztg. ausgeführt wird, berühmt durch die Dreitage- schlacht bei Soisfons vom 12. bis 14. Januar 1915 unter General v. Bülow. Unsere Linien gingen damals auf den Erhöhungen nördlich des Aisneusers im Angesicht der Stadt ent- l(mg. Die Stadt liegt tief und blieb daher mit unsenon: Willen in französischem Besitz. Wenn der Wind herüber- stand, konnte man in den deutschen Gräben die lüstige französische Musik der in Soissons liegenden Truppen deutlich l/ö,rcn. Beide Städte, Reims uno Soissons, sind wichtige Eisenbahn- und Straßenknotenpunkte, deren Verlust die Franzosen äußerst schmerzlich berühren wird. Der neueste uns bekannte Havas-Kominentar vom 29. Mai gibt sich noch gewissen Tröstungen hin: „Die Dcntsck-en haben heute allerdings einige Fortschritte erzielt, konnten jedocb andererseits keine Bresche in unsere Linien schlagen. Die ganze Front hält fest. Ein Trost liegt darin, daß der Vormarsch, seitdem unsere Reserven eingetroffen sind, sich beträchtlich verlangsamt hat. Nach Maßgabe des Eintreffens der Reserven wird das Gleichgewicht wieder hergestellt werden. Bald wird die deutsche Welle adgeevbt sein." Die Prophezeiung ist nicht cingetroffen; die französische Front har nicht gehalten. Wir sind gespannt, wie das amtliche Frankreich die Lage heute beurtellen wird!
Der österreichisch-ungarischr Tagesbericht.
Wien. 39. Mai. (WTV.) Amtlich wird verlautbart:
Die Kämpfe im Tonale-Gebiet dauern an. Auf dem Adamello-Gebiet fLeigexte fick) das feindliche Ar- tillcrirfcuer. Mhrere fnndlickxe Angriffe auf unsere Stellungen südlüh des Prosena-GletfcherS wurden abtzeMagcn. Ein feindlül)>er ErkuudungSversuch über den Piave nördlich Dona mißlang.
Der Chef des GeneralstabeS.
Der dritte Schiachttag.
Berlin, 30. Mai. Unaufhörlich, einander fast überstürzend, gingen auch am dritten Schlachttage Truppcnmeldunger: von neuen Erfolgen ein.
iv niere stürmten fer die Stadt, verhinderten die erstörung der Brücken durch den Feind mtf> erbeuteten; zahlreiche unversebrte Vorräte. Weiter oberhalb wurde der Aisne- übergang erkämpft mid das Plateau südlich Soissons cireicht. wei Ciiry mußte ein geschlagenes französisches Bataillon die Waffen streckcn. N a m v t e u i l mid Dranges wurden nach hartem Kampfe genonimen. Lonpeige, Mareuil, Trag- v e g n h wurden durchschritten. Bei I o n ch e m y wurde die Vesle überwunden rmd T h i e r r y besetzt.
lIm Lause des Tages wurde mehrfach heftiger Widerstand an stark verdrahteten altvn rückrvärtigcii Stellungen gebrochen uni) der Feind bis über die Linie V i l l e m o n t o i r e—F errc-en- Tardenois zurückgeworsen uud damit ein großer Teil der Straße Chatea u—T hierr y—S oissons besetzt. Ein starker ftanzöstschcr Gegenangriff, von Danks und Schlacht- Vitrnx jlMtkrMtzt, Ü tete te wtex hohen FemdlpQchistcn, Losott
nckchstoßende Infanterie entriß dem Feind wetteves Gelände. Auf
dem öulichetn Teile des .Kampffeldes fielen die Fortsder Nord- West front von Neinrs in unsere Hand.
Feindliche Kraftwagen- und Infanteriekolonnen wurden von Iden deutschen Flistgern angegriffen und von der LÜrtillerie zu^ sammengesckiossen. Tie Beute an Gefangenen, an Artillerie und Kriegsmaterial wuchs ständig. Das rasche Vordringen der deut- lchen Sturnitruppen ließ dem Feinde keine Zeit, die ungeheurem Vorräte und Werte aus dem bedrohten Gelände zurück;uffihren« Südlich la Ville-au-Bois fielen allein 33 Feldgeschütze^ vvn denen acht durch Volltreffer beschädigt tvaren, in unsere Hand. ^i.ördlich Breuil-sur-Vesle wmden zwei unversehrte Eisen-, bahngeschütze mit Lokomotiven erbeutet. Im Aisnetal blicbens zahlreiä>e schwere und leichte Geschütze stehen. Bei Pinvn eroberten die Deutschen eine voll verwendungsfähige ftanzosisch^ 14,5-Ztm.-Batterie samt Virmition uud zugehörigen Kraftwagen^ Westlich Reims ffelen mehrere Eisenbalmzüge mit Lokomotiven und Geschützen in deutsche Hand.
Die Einwohner der unzerstörten Dörfer sind in wilde« Flucht ins Innere. Tie wenigen Zurückgebliebenen sind in faslungsloser Wut auf die Engländer, denen die Schuld an der Niederlage zugeschrieben wird. Auffällig ist die geringä Zahl der deutschen Verwundeten.
Die zwischen den Erigländern eingesetzten Franzosen leisten stellenweise zähen Widerstand. So hielten sich die Franzosen noch auf der Butte de Prouilly, obwohl die Engländer bereits rechts und links gelv-ick-en und die Deutsck)en schon bei Jvncher über die Besbe gesetzt waren. Die blutigen Verluste des Feindes sind an den Stellen besonders schwer, wo tapferster Widerstand nnd RHerven das deutsche Vordringen auchalten sollten. Bon dem ganzen Sckilachlfelde mehren sich die Meldungen über die Größe der Beute. Bei Jvncher ffele^ den Dentschon große Depots an Berpslegungs- und Futtermittels vor allem an Hafer und Gerste in die Hände.
Das 11. französische Korps fast geschloffen gefangen genommen.
Berlin, 30. Mai. (WTB.) Fast allen an der Aisnefwnk eingesetzten feindlichen Divisionen war Ruhe versprochen worden^ auch denen, die Hals über Kvps im Verlauf der Schlacht in den» Kampf geworfen wurden. Eine dieser Divisionen blieb zwei Tage ohne jede Verpflegung. Das aktiveil. französischeKorps ist fast geschlossen in Gefangenschaft geraten. Tie diesem KorpS. unterstellte amerikanische 1. Division wurde ohne Artillerie-Untevi stützung emgebrackit und war anscheinend ungenügend mit Jnstm- rerie-Munition versehen. Tie 3 9. Division kann schon jetzL nach zwei Tagen durch Verluste, hauptsächlich aber infolge rinaj lwhen Einbuße an Gefangenen als aufgerieben gelben. An vielcni Stellen leisteten die Franzosen luftigen Widerstand. Bei bet Barbarossa-Höhle wehrte sich ein französischer Ma- j o r, indem er unaufhörlich selbst Handgranaten auf unsere Sturmtruppen tvars. 9tur mit Atiche gelang es, den tapferen Offizier zu ülrertvältigieu. Tie überall vorl-andenen großen Höhlen undj Klüfte dienten zum Verbergen der Grabcnbesatzungen mü> Bereitschaften. Unser wohlgezieltes Arllllerieseuer gestattete es ihncrtz nicht, ihre UnterschliU.)fe zu verlassen. Als das deutsche Feuer nach- ließ, standen die Angreifer bereits mit Maschinengewehren vor den Eingängen. In einer dieser Höhlen wurden allein 350 Gefangene gemacht. Bei Vaudessin siel ein Regiments st ab v0 deutsche Hand.
Gefangennahme de- Kommandeurs der 59. englischen Division.
Der^ DivisiiTnSkommandeur der 50. englischen Division Sir Re e's ist in der 9tacht zum Dienstag gefcmgen g-nwmnren nxrvbcn. Tie Verbände seiner Division waren au Sein andergech'sen und überall fluteten die englischen Truppen zurück. NachnäKen vvn und cur Nachschubtruppen blieben aus. Da entschloß sich Sir E. Rees, mit seinen beioen Brigadekommandeuren persönlich zu Fuß in den französischen Nackcharabschaitt zu gelten, um sich dort zu orientieren^ was eigentlich gesä)ehen sei, wie die Känrpe bei den Franzosen ständen imd was Iveiter beabsichtigt sei, bzw welche Stellungen weiter rückwärts gehalten werden sollten. Tie hö'.re iFührung hatte ihn jcdock) vlme jede Nach'ickst gelassen. ES gelang ihm nicht, irgend^ einen höheren ftanzösisck>en Osffzier miszusinden. Uni>errichtcter Tinge mußte er den Rücllivg anttetni An dcw Aisne wurde er vvv den beiden ihn begleitenden Brigadekommandeuren getrennt. Etz selbst ftel, allem zurückgehend, einer stärkeren deutschen Patrouille in die Hand.
Französischer Bericht
vom 29. Mai. abends.
Die Schlacht nahm besondere Heftigkeit an. Auf unserem lrnkert Flügel in der Gegend von Soissons haben unsere Truppen nach erbittertem Widerstande imd Straßenkämpfcn, die oic Ai» strengungen des Frindes während mehrerer Stunden anfhielten, die Stadt geräumt, von wclck^r sie noch die Westausgänge b» setzt halten. Im Osten von Soissons spielte sich die Schlacht mrs den Hochflächen ab, ivelck^ vvn Bellen, Sept-Ätonts, Ambrief unü Elwcriie be.rrenzt w-rden, während wir unter dem Druck dcÄ Feindes in der Gegend vvn Lrupeigne im 9Lorden von Frrs^Td- TardenviS Boden verloren. Weiter östlich gelang es ffanz«ö- sisch-englischen Trupl>en, ihre Stellungen an dcr Linie Brouillet^ Savigny nnd Tillvv zu behanpberc. Auf dem rechten Flügel wurde« die Truppen, die Reims decken, hinter den Aisne-Kanal nottw wesllich der Stadt tzurückgcuonuncu.
*
Der Kaiser an den Kronvrinze«.
Berlin, 30. Mai. (WTB. Amtlich) Se. Maj. der Kai sei! sandte an den Kronprinzen fvlg<mde Drahttrng:
„Seiner Kaiserlichen Hvlieit dem Kronprinzen, General der Infanterie und Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Kronprinz Angesichts der großen Erfolge, welck)e die tapferen und kanipfer-i probten Trupl>en der Dir untcstellten HeewSgruppe in diesen Tagen unter Deiner Führung errungen lyaben, verleihe ich Dir den Stern der Großkomture des Hausordens von Hohen^oller« mit Schuxrtern und sprech' Dir zu dieser lZvhen und wohllnrdienie« ApSÄcickprung Meine herzlichsten Wünsche aus. gez. Wilhelm. I. k."
*
Die Wiener Presse zur Offensive.
Wien, 30. Mai. Die Blätter würdigen die gewaltige Größe des dentsck)en Offensipei-folg^ im Westen. DaS „Fremdenblatt" sagt: Die Folgen des siegrcichm Vorstoßes sind nocb nichS abzusehen. Es ist eine sehr ,ck)were 9tiederlago, Pix die Alliiea«^ relittnt


