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Nr. *24 Awelles Blatt Gleßener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, 3 £. Mai * 9*8

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Die Wirtschaftsabkommen der Schweiz mit den

Nrietzsührenden.

Bern. 25. Mai. (WTBt.). Tec Bundesrat genehmigte heute ben 'Bericht über die am Grund Oer außer ordentlichen V o l 1 - machten in der Zeit vom 20. Novuuber bis heute getroffenen Maßnahmen. Nicket berückffckstigt ist im Bericht das in den letzten Tagen abgeschlossene deutschk-schweizerische Wirtsclxiftsab- Lommen, worüber in einem besonderen Nachtrag ebenfalls für die bevvrstein'nve Tagung der Bundesratsversammlung Bericht erstattet werden soll.

Ter Buntes rat erörtert im Bericht die verschiedenen mrt dem Auslande abgeschlossenen wirtschaftlichen Verein- barnngen. Zu dem im vergangenen Dezember nrit Frank­reich abgeschlvsseitzn Wirtschaftsabkommen bemerkt der Bericht, daß infolge durchaus ungenügender Zufuhr von Waren die vor­gesehenen Vorschüsse von 10 Millionen monatlich bedeutend nied­riger ausgefallen sind. Durch ein mit Frankreich und Ita­lien am 1. Mai abgeschlossenes Abkommen nmrden diesen Län­dern bestimmte Mengen verarbeitetes Holz zugesichert. Im Hin­blick aus die Notwendigkeit, die sch.oeizerischeu Waldbestände zu schonen, haben die zu exportierenden. M onats inengen gegenüber, dem früheren Abkommen eine ivesentliche Verringerung erfahrend Tie Alliierten räumen der Echveiz als Gegenleistung eine Reihe für die schweizerische Lebensmittelversorgung! wichtiger Erleich­terungen ein. Der Bundesrat erörtert sodann eingehend das be­kannte G e t re ide a b ko m m eit der Schweiz mit den Ver­einigten Staaten, durch das diese sich z-ur Lieferung von 240 000 Tonnen Brot getreide bis Ende August verpflichto- ten; von diesen 240 000 Donnen konnten bis Ende (April erst 30 000 Donnen verschfft werden. Die Haupt schwi e r i gkei t liegt in der Beschaffung des Schiffsraumes, der trotz rur- ablässiger Beinüh ungen bisher nicht in genügende in Maße erhält­lich war. Zu den bekannten mit Deutschland getroffenen Verein­barungen Wer freies Geleite der schweizerischen Getreideschiffe bemerkt der Bericht, daß dank dem Entgegenkommen Deutschlands Grund zur Annahme vorhanden ist, daß auch während i>£T drei Monate, für die Deutschland eine .Gewähr für absolut sichere Fahrt träft übernommen hat, die Gefahr für die schweizerisck>en. Getreides.chifse nur gering ist, und daß die Ver­

einbarung jetzt schon die Zufuhren nach, der 'Schweiz in günstigem Sinne beeinflussen lvird. Der Bericht erörtert cnMicf; die Frage des Ankaufes von Schiffen durch die Schweiz, worüber mit beiden kriegführenden Parteien Verhand­lungen schweben. Für Deckung des Bedarfes bet Sclnveiz mären 56 Dampfer von durchschnittlich 5000 Tonnen notwendig. Dem Ankauf neutraler Schisse durch die Schweiz hat England bis jetzi nicht Kugestimmt. Die Schweiz hat daher ihre Bemühungen speziell auf den Erwerb der in neutralen Häfen liegenden d e n t s ch e n u n d österreichischen Dampfer gerichtet, in der Erwägung, das; in deren Nutzbarmachung für die schwer zerffchm Transporte von keiner der beiden kriegführenden Gruppen eine Beeinträchtigung ihrer Interessen erblickt werden darf. Ein positives Resultat ist noch nicht erzielt worden, weil England bis vor kurzein auch diesem. Vorschlag ablehnend gegenüberstand und aus den Ankauf von Schiffen verwies, die in deutschen und österreichischen Häfen liegen. Die Zerrtralmächte wiederum erklärten, zu eurer Abtretung von Schiffen, die sich in ihren eigenen Gewässern befürden, nicht dir Hand bieten zu köirnen. Neuerdings hat nun die englische Regierung die Zusicherung gegeben, daß sie dem Kauf der deutschen und öster­reichischen, in neutralen Häsen liegeirden Schiffe im Grundsatz zu­stimme, sich aber die Prüfung der ihr zu unterbreitenden konkreten. Vorschläge Vorbehalte. Durch diese Erklärung ist die Schweiz in die Lage versetzt worden, das Projekt weiter zu verfolgen, und der Bundesrat hofft, daß ein freundschaftliches Entgegenkonrmen von beiden Seiten schließlich die Verwirklichung des Projektes ermög­lichen werde.

Das Watffsche Bureau bemerkt dazu: Man erkemrt, was den Schiffsraum anlangt, deutlich die Absicht Englands und die der Bereinigten Staaten, die Schweiz dazu zu benutzen, jetzt iroch in neutraler Häfen stilliegenden deutschen Schiffsraum oder gar in deutschen oder österreichisch-ungarischen Häsen stillgelegte Schisst hevauszulockcn, um Gelegenheit zu schassen, diese Schiffe kurz nach Wer Jnfahrtsetzung wegzunehmen. Der Verwirklichung dieses Prmektes kann von deutscher Seite keine Unterstützung gewährt werden.

Aus StaM rrnd Cattd.

Gießen, den 30. Mai 1918.

** Crinnerungsblätter zur Ludendorff- Spende. Zur Verteilung der Erinnerungsblätter sei mil- geteilt, um alle unnötigen Anfragen bei den Zeichnungs­stellen zu verhüten, daß nach Abschluß der Samm­lung die Blätter den betreffenden Zeichnern, die Anspruch auf eine Reproduktion haben, unmittelbar zugestellt werden.

** Lichtspielhaus, Bahn hv fstraße Der FilmTer tanzende Tor"' mit dem verstorbenen begabten Künstler Psylander in der Hauptrolle, gehört zweifellos mit zu. den besten Erzeugnissen der Filmkunst, die inan in letzter Zeit in Gießen gesehen hat. Ganz abgesehen von dem künstlerisch vollendeten Aufbau des Ganzen, der Echtheit der Szenerien und Bilder, dun pvackstvvllen, il'urck/seelten Spiel Psylandcrs und seiner Partner, fällt hier noch besonders die gehaltvolle Handlung, die einheitliche Tnrchsührung des tragenden Gedankens, angenehm auf. Es ist kein Roman im allgemeinen Sinne, der iM Bilde vvrüberzieht, sondern die aus dem Leben gegriffene Tragödie eines Künstlers, den, tiefer empfindend, als gewöhnliche Menschen, da^ Schicksal unbarmherzig durch ein Leben, reich an Höhen und Liefen, zum Ende führt.

Vevinischtes.

* T i e g u t e R e k l a m e. 2tn der Türe einer Fischhandbing in .Paris hängt ftn Plakat, aus dein inan in Riesenbuchstaben die erfreuliche, zugleich aber etlvas merkwürdige Ankündigung lesen kann:Langusten, extra lebendig!"

Ectzt2 AncbvrcbterT.

Dev neueste Bc rUbt dev ficcrcdciiiiiia.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 30. Mai. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

An den Karnpffrontcu zwisch-eu Bier und Oise nah:n die Gefcchts-äiiikeitv'.elf-lch zu. Oertsich Infanterieeefechtr. Der Angriff der Kmnpfarrnecn des Deutschen ."iranpriazen schei­tet siegreich mrmäris.

Nördlich der Aisne wurde in hartem Kampf lei Erecy- =uu.t& uiuuoazrö Qun lmSimrO Zuc^^-nn

denburgijche Truppen h den Söi sons genommen. Südlich der Pesle brach die in Bildung begriffene neue Armee der Franzosen in dem unaufhaltsamen Angriff unserer Divisio- uen zusammen. Wir warfen den Feind -nach hgrrnäckigcm Wideestand bis über die Linie VillemontoireFere-en-Tar- denaisCoulognesBromlletBranscourt.

Die Forts der Nordwestfront tmx Reims sind gefallen. Ter Nordteil La Neuvilles te uuo Be.hny wurde genommen. Die Geftmgenenzrchl ist auf ü!;er 35 090 gestiegen. Die Beute an Artillerie- und KriegSmattr'al ist ge:raltig. Ge'chütze aller Art bis zum Eisenbahngeschütz schwersten Kalibers wur­det: erobert. Das stürmische Voröringetr unserer Angriffs­truppen vennchrte den: Feinde, die im eroberten Gebiete auf­gestapelten reichen Kriegsuorräte zurückzu führen. Große Be­stände sielen in Soissons. Braisne und Fisnres irr unsere Hand. Ausgedehnte Munitionslager, Eisenrahnzüge. Laza­rett-Anlagen rntt zahlreichen Sauitätsausrüstnngen kamen in unseren Besitz. Flughäfen mit startbereiten Maschinen rmd Flugzeugmaterial tvnrdc erbeutet.

Bei den Heeresgruppen Gallwitz und Herzog Alvrecht lebte die Geftchlstätigkeir nur zeitweilig :mf.

Unsere Flieger schossen in den letzten drei Tagen 38 feindlickie Flugzeuge ab. Oberleutnant Berthold errang sei­nen 29. Luftsieg, Leutnant Rveih brachte in eitlem Fluge von Dirmuiden vic. südlick) von Ypern fünf feindliche Feisel- dallone brennend zum Absturz.

Der Erste Geueralguartiermeister Ludendorff.

Laon.

Berlin, 29. Vtai. (WTB. ffkichtamtlich.)^Nnch dem Tage seit dem 20. 5. tvaren Sck'i eckenstage für die Stadt wieder an­gebrochen Wieder, wie im März, wühlte sich in geringen Ab­ständen Granate um Granate in die Häuser und Kirchen. Täglich wurden Zivilisten unter den Trümnvern bei* Häuser begraben oder aus offener Straße ersck,lagen. Stumps und verzweifelt lebten die Bewol-ner in den Kellern. Am 25. Mai abends gerieten die Vor-, städte in Brand bis dichk an die Oberstadt hinauf. Tie Be­wohner mußten ingrimmig eingestehen, Rettung war nur von den Identschien Waffen, nicht von der Einsicht der Fr-rnzosen zu hoffen. T'uvcl;« den Sieg am Chemin des Tames wurde den Franzosen die MöglickLeit g.mommen, nach Laon zu schießen. Es ist eine Ironie des Sch>icksals, daß die mäckckigen, Laon beschießenden Kllanengeschützi', die in den Trümmenr von Vail'ly standen, in di« Hand der deutschen Infanterie gefallen sind. Ein Tank der deut­schen Ki'ieger, für Oavn, an dessen Schönheit sie sich oft erfreut hatten. 2lus den Kellern kriechen die Bewohn>er wie befreit und recken sich, blinzeln in die kaum mehr gewohnte Sonne und freu­dig rmd ingrimmig zugleich begrüßen sie ihre Erlösung. Auf der Rampe, die den Blick nach dem Chemin des Tames gestattet, drängen sich die Neugierigen Kopf an Kopf. Das Mrrrren der Gescheite klingt immer ferner. Mit der höher steigenden Sonne Höft: man nur nv-ch die Abschlüsse der schweren deutschen GesckMe. Die kriegsgemohutrn Laoner wissen, die Franzosen weichen. Die Frauen- gestikulieren eifrig und mit Behaglichkeit, denn sie brauchen nicht mehr aus das ' Heranps-eifen der Geschosse zu horchen. Einige klagen vor den zertrümmerten Häusern, andere freuen sich über die nickst mehr gehoffte Unversehrtheit ihres Besitzes. Tie Kinder haben! ihre gewohnten Spiele ausgenommen. Laon ist gerettet. Die Stadt atmet mit tiefen Zügen den sonnigen Dag.

Die englischen Verbrechen.

Berlin, 29. Mai. WTB. Nichtcmrtlich.) Wehrmann Conrad .H e i n z e von der 4. Komp. Reserve-Jnfanterie-Regiment Nr. 91 sagte am 14. April 1918 unter Eid aus: In der Nacht zum 25. 3. 18 geriet ich etwa 6 Klm. von Courcelles südlich von Arras bei einem Sturm ans die englischen Graben mit einem Ka­meraden meiner Konivagnie ün verwundet in englische, Gefangenschaft. Wir wurden gleich hinter den zurückflutenden Engländern abgeschnitten. Man nahm uns mit znriick bis zur vier­ten Linie, wo mich ein englischer Offizier in gebrochenem, Deutsch nack der Stärke unserer Infanterie, der Zahl der ein­gesetzten Tirisivnen und unseren Artckleriestellnngen ansfragte. Ich antwortete, ich sei erst vor kurzem in diesen Stellungsabschnitt gekonimen und könne die Fragen daher nicht beantworten. Mau > nahm unS hieraus die Mützen ab und entfernte die Sckstilcerklappen durch Abschmeiden und der Offizier richtete, während wir an der Erde lagen, ein M a s ch i n c n g e w e h r a u f u 7l s. Er gab den englischen Mairnsckxrrtien Befehle, die ich nicht verstand. Aus seinen Belvegungen sedvch ersah ich, daß die Leute an las Maschinengewehr herantreten sollten. Sie schienen sich jedoch zu tveigern. Darauf ging der englische Offizier selbst an das Maschi­nengewehr und erschoß zuerst durch zwei Kopf­schüsse meinen Kameraden, daun gab er drei S ch ü s s e aus mich ab. Ich erhielt einen Streifschuß in den Nacken und einen Durchsckus; durch die linke und einen Schuß durch die veckstc Wange, worauf ich mich tot stellte. Nach einiger Zeit^ entfernten sich die Englälrder und ließen mich liegen. Ungefähr eine Stunde später kam eine englische Sanitätspatrouille, die den! Tod meines Kamercchen feststellte mit den Worten:Kamerad, kaputt" > mich selbst aber mit meinem eigenen Verbandspäckchen verband und auf einer Trage nach Cvureell-es in eineu Schuppen brachte. Nach einundeinhalben Tagen wurde ich bei einem deut­schen Angriff aus der Gefangenschaft befreit.

Leider ist diese.furchtbare Tat tiefster Verrohurrg kein Eiuzel- sall, sie ist ganz im Geiste der nicht in der Aufregung des Kamp« fes, sondern mit kühler Ruhe und Ueberlegung geschriebenen eng- Xifrfyent Befehl. So fand sich in einem erbeuteten Angriffsbefehl gegen den Aveluy-Wäld vom Oberstleutnant W. Parkinson, Kom - mandeur der 15. Welsher Brigäde, 38. Division, datiert vom 8. 5). 18, folgender bezeickinende ä^atz: Mit den Gesmrgenrn. die Papiere oder Karten ivegzuwerfen oder zu vernichten suchen, ist summarisch zu verfahren. Was unter diesemsummarischen Ver­fahren" zu verstehen ist, zeigt die obige Aussage mit schreckliches Deutlichkeit.