Die Muffen in Amerika.
Rotterdam. 27. Mai. (B. T.) Daily Zdrqvatf) mrfbet cmi, Dashutgtvn: 200000 Russen in den Vereinigten Staaten haben ine Erlaubnis zur Rückkehr nach Rußland nachgesucht.
Leistuuqeu Amerikas.
Baris, 24. Mai. (WTB.) In einer Untern^ung mit dem Vertreter der Agenee HavaZ erklärt franjafifcf>c Oberkommisii4r Tür Nordamerika Tarbieu, der Trupvenstand des nordame- r i ka nische nHeere S werde am 1. Juni iwc i %Jti [ 1 1 r> n cn Mann übersteigen, eine weitere Ausl-ebung von einer Million Mann werde sochrt folgen. Die Ueberführung dieses gruppen sei gesichert. (?) Darauf sprach Tarduu von den geldlichen Leistungen. Die Anleihen der Bereinigten Staaten beliefen sich aus 62 Milliarden, die alle ,14 Tage aufgelegten Sckmldversckrreibungen mit kurzer Umlaufszeit tnochten 2 Milliarden aus, die Darlehen! an die Alliierten bi; zum 30. Mai übersliegens 30 Milliarden Freiwillige und gesetzlich durchgeführte Berbrauchs- einfchrmrkungen hätten einen Ueberschuß von 3 120000 Tmmen zur Ausfuhr ergeben Der Uebergang der Alliierten in Europa zur freuen Ernte sei gesichert, die Herstellung von Kriegsgerät sei kräftig entwickelt, die Betätigung der fronzösischm und englischen -Offiziere irn Heere habe Kugengnunen, sie beteiligten sich an der Ausbildung der Führer uns der Formierung der Tnrpven Die Verschiffungen von Amerika nach Frankreich in zwölf Monaten betragen mehr als vier Millionen Totrnen Getreide, Stahl, ,Petoo!eum usw Die Bedürfnisse an Kriegsgerät seien bis zum Jahresende und teilweise darüber hinaus gedeckt Dardieu schloß mit dem A'trsdrnck seiner Bewunderning für den moralischen Schwung dieses Volkes von hundert Millionen.
Rotterdam, 25. Mai. (MTB.) „Nieuwe Rotterdamfche Gouranll' schreibt über die amerikanische Heeresver-< mehrung: Bevor die drei Millionen Mann amerikanischer Truppen in Frankreich sein werden, werden n o ch e i n i g e J a h r e vergehen. Man hat gesehen, wie lange England dazu gebraucht hat, um imgesähr eine ebenso große Zahl ,über den Kanal zu bringen. Und wenn die Truppen dan nauch endlich dort stehm, dann mu ßman erst mit ihnen siegen; Koirn daß das Ansrüsten und Befördern der Trippen noch nicht dasselbe ist wie der Sieg, das hat man an dem Beispiel Englands gesehm, ganz zu schweigen von der Tatsache, daß die Schmierigkeiten im Verhältnis zu dem Mstcrnd, den die atneviSa irischen Truppen auf dem Meer zurückzu- legen haben, wachsen. Die Amerikaner gelben als Menschen der , Reklame, und man ist infvtged'.'ssen nicht geireigt, ohne weite- res zu glauben, was Amerika angekündigt. Es ist aber sicher ebenso gefährlich, jetzt die mititärischenAstrspannungen Arnerikas zu unter- schätzen, wie es sich als gefährlich ernmesen hat, England zu unterschätzen. Jedoch Amerika begitntt jetzt erst, und es wird noch lange dauern, bis es seine Kräfte entwickelt hat.
Neue Steuern in Amerika.
Washington, 25. Mai. (WTB.) Reuter. Die neuen L- t a a t s e i n r ü n f t e werden um eine Einkommensteuer, sowie Steuern auf übermäßige Gewinne, ungerrüge:rde Beschäftiarrng, LLuxtrswaren und möglickieriveise A'ckomoöile, Edilsteine und photographische Apparate vermehrt werden.
Ein englischer Ausschuß auf der Reife nach Wafchington.
London, 25. Mai. (WTB.) Reuter. Ein englischer Ausschuß unter der Führung des Prinzen Arthur von Con- naught ist auf der Reise nach Washington in Atlantic City an-
gekommcn.
Äne neue Rede Lloyd Georges.
Haag, 25. Mai. Reuter meldet ausführlich eine Rede Lloyd Georges, die dieser aus Anlaß seiner Ernennung zum Ehren- mrryer von Edinburgh dort gehalten hat. Unter crnderm sagte Lloyd George, daß zwei widerwärtige Umstände, an denen die Regierung nid# schuld sei, eingetreten seien, nämlich der Ausfall Rußlands, der durch Amerika lni ch t wettge - macht worden sei, da trotz aller Anspannulig Lünerikas die ame- riLnniche .Krie^macht gegenwärtig wir etwa den fünften Teil der Vermehrung aus mache, die die deutsche Truppenmach't durch das Freiwerden der Heere im Osten erzielen konnte. Tie andere Tatsache, die entgegenwirkte, ist nach Lloyd George der unbe- ichränkte U-Bow t - Krieg gewescnr den man nicht einmal rdh Deutschland hätte erwarten sollen. Anfänglich sei der U-Boot-Krieg nicht nur eine Bedrohlmg, sondern eine schwere Gefahr gewesen, aber die britische Handelsflotte sei die Luftröhre Ar die alliierten Heere geblieben, ohne die diese Heere nicht atmiei l Bürten. Lloyd George schilderte die Mittel, mit denen mau den U-Boot-Krieg bekämpfte, nämlich die Organisierung der britischen
Handelsflotte, die ^ttschrLnLmg der Zufuhren, oie Vermehrung der Nahrungsmittelproduktion im eigenen Lunde, die, wie Lloyd George behauptet, seit 1916 vier Millionen Acres beträgt. Tie Herstellung von Schissen sei seit 1916 verdoppelt worden, und Lloyd George glaubt hoffen zu dürfen, daß im Jahre 1918 diese Zahl vervierfacht werde. Besonders rühmte Lloyd George die Tätigkeit der Matrosen der Kanssahrtei.flotte, die fortdauernd den 11* Vvoten auf den Fersen säßen imb ihnen das Leben sauer machten. Lloyd George verlas dann einen Bericht der Aomiralität, in dem eS heißt, daß die Zusammenstöße mit den feindlichen U-Booten einen befriedigenden Verlaus genommen hätten. Lloyd George sagte bcdentutcgsvoll, das sei lediglich bio offizielle Sprocks. Der Marine- süab bosie, daß in diesem Jahre die alliierten Flotten mehr feindliche U-Boote in den Grund bohren würden, als Deutschland bauen könne. Im April habe man mehr feindliche U-Boote als je zuvor unschädlich gem acht und eine Nelordzisfer erreicht. Zum ersten Mal im 1916 habe auch die Fertigstellung von 5)and.'lssch:ffeu in der ganzen Welt die Verluste übertrvfsen und es sei ein Netto übersckiuß z-rgunsten der Alliierten und der Neutralen eingetreten. Das (W-Bvpt ^sei also jetzt nur noch eine Bedrohung und nicht mehr riare Gefährt Immerhin solle es iVch sckpver ins Gewicht, um Schoden M stiften, ober ein Mittel, um den Krieg verlieren zu macker, sei^ es nicht mehr. Deutschland lxrbe nun erkannt, daß der U-Boot-Krieg mißglückt sei, und deshalb sei Deutschland zur Offensive als letztem RettuugÄnittel gezwungen worden. Ein großer Angriff si e b e bevor, aber diejenigen Pepouen. die Kenntnis von allem hätten, seien voller Vertrauen über den Verlauf. Lloyd G'Drge kenn frun auf die Einheit der Befehlsfüh- rung zu sprechen und wunderte sich, daß mat: so viele Monate (rnd so lebhafte Kämpfe notig hatte, bis man zu dieser Einheit der Besehlssühril.ng gekommen sei. General Fock: sei einer der gläit- zendsten Strategen dieser Zeit. Jetzt, wo das dritte Stadium des größten Kampfes nahe, der jemals gekämpft worden sei. könne man sich darüber Irenen, daß ein so tüchtiger Mann wie Fach cm der SplV der iStveftkrüfte für die Freiheit stärrde. ES handle sich um einen Kam pf z w: s cheu H i n d e n b u r g u n d d e in Präsidenten Wilson, und die Derctschen spannten jede Dtuskcl an, iim bat Amerikanern zu vorzukommen. Nun. wo man sich dem EntscheidirngSkamps näbeve, dürfe man der Neuerung nickst mit Nadel > sichen kommen. Lloyd ©eorge fuhr fort: Wenn ich geglaubt hätte, daß wir mit irgendeinem sicheren oder ehrenvollen Mittel d-.escnr Kampf hatten vermeiden und zu einem rascheren, E-Äe Hütten brirrgen körmen, so würde ich mich jetzt nicht nur voö Angst krümmen, sondern ich stände auch mit Schuld beladen da.
DpnN mit bestem Gewissen sagen, daß die Regierung kein möglfthes Mittel vernacblüjsigt hat, um in ehrenvoller Weife aus
Schrecken und Greueln dieses Krieges herausznkommen. Ruß- lanp ist - eine der Lehren dieses Krieges. Der Russe wurde aus der Komerenz von B r e st - L i t o ws k gebrochen und seiner schönsten Provinzen beraubt. Wir wollen keinen Fehler machen. Wir haben e3 mit dem mitleidlosen preußischen Despotismus zu tim, der nur auf Plündern rmd Ranben ausgebt, dem Verträge heute ebenso wenrg bindertd sind, wie am Tage der Vergewaltigung Belgiens, ^te Deutsck^en lyab-at nicht die 9lbsicht, den Krieg zu beendigen, bevor [te ihren Korb möglichst gefüllt haben. Ich verweise aus das Schicksal R u s; l a n d s. Jeder, der den. Wahn hat, daß die '(.rwhei.t und S,chNheit der Welt erbalten 'werden könne, ohne daß man me Bi acht des^ preußischen Militarisinits bricht, muß daran denken, wie die russische Demokratie zugrunde gfttg.
Ein späteres Reirtertelegramm meldet noch folgende Stellen aus Lloyd Georges Rede: „Es gibt z'.vei Tvvcn von Menschert. ou in jedem .Kriege die E x t v c nt i ft en darsrellcn. Ter Friedensextremist fft Lein rvahrer F-rerwch des Friedens, fan4 oent cm Hmdernis für den Frieden und eine Ermutigung für den illernd. Die Krie-gsextremisten dagegen betrachten jeden Gedanken «n den Friede:n als Verrat gegenüber dem Staate. Ter Weg der WeiSbeit wrd der Sicherheit, den die Rogienorg gehen muß. liegt zwischen diesen freiben Extremen. Im vergangenen Jahre gab eS in England Und in den verbündeten Ländern eine sehr große Anzahl von Menschen, die der Ueberzeirgung ivaren, es sei mög- luh, einen ehrenvollen Frieden ohne Sieg zu erzielen. Ich glaube, daß die Zahl dieser Menschen sich ram verringert hat, und die Tatsache, die alle redlich denkenden Menschen auf andere Gedanken gebracht hat, ist das Sdstcksal Rußlands. Es gibt Lewe, die den Reden der StaatSntmincr der Zentralmächte zuviel Aufmerksamkeit widmen. Aeußerlich genommen, scheinen es wohl gerechte Reden zu sein, und zahlreiche Personen in England und anderen Ländern sagen: Warum wird aus diese Anregimgcn nicht gc-antwortet? Nun, wir halben darailf geantwortet, und in dem Augenblicke, in dem wir antworteten, fäm die &egenanttt>oit der deutschen Geschütze. Warum? Niclzt, weil die deutschen und österreichischen S t a a t s m ä n n. e r uns in nrutwilliger Weise irre Ährten, ich will sie dessen nicht beschuldigen, sondern lediglich, well sie von den militärischen Führern beem-
Nit §. M. hilsrttiegsschiff „Gieren" in Finnland.
(Schluß.)
In Hjangv geschah dasselbe wie auf Eckörö. — Mit dem Anlaufen der ersten Schiffe verließen die Roten die Stadt. Sofort begann die AusschifsUng der Truppen und energische Verfolgung der Noten. Tie Operationen vertiefen planmäßig; die Roten leisteten Widerstand, doch unseren Trttppen waren sie nicht gervachsen. Immerhin machten das schwierige Gelcutde und der Bandenkrieg genug Schwierigkeiten.
Wir gingen bald an Land, ch betrat hiermit ftnnischen Boden, den ick» nun rvoiterhin liebgewonnen habe. Ich ttaf unsere finni- schcin Begleiter wieder, wurde in Familien eingeAhrt. Ich wurde mit dem Besten bewirtet, was im Hause war, was sic nur bieten chrnteu. Htler waren die Roten in größerer Zahl gewesen, hatten alles „requirierttft vor allen Dingen mangelte es an Brot, Butter und Zucker. Tie weiße Garde, die bis jetzt ohne Waffen geduldig dcjn Roten hatten zusehen nrüssen, wurde sofort organisiert, es kam Ordnung und Sitte m die schöne Stadt. Am Sonntag kon- Kerticrte die Kapelle eines Linienschiffes auf dem Marktplatze, die tzanze Stadt war auf den Beinen, lleberall dankerftlllte Blicke, überall nur Freude.
Doch unser Schiss verließ bald Hmtgö, wir fuhren nach N e - v a l. War uns die Sauberkeit und das lielste Wesen der finnische Städte und Or-r in Aaland und Finnland ausgefallen, so hatten wir hier gleich den Eirrdruck des Russischen. Schon der Menschenschlag war anders, Kleidung, Benehmen usw. Bei näherer Betrachtung zwar, uill> in der Stadt selbst fühlt man durch, daß Reval deutsch lvar, im Grunde deutsch ist, die Russifizierung oberflächlich. Ich sah mir die Stadt an. vor allem gefiel mir die alte estländische Ritterschaftskirche. — Alle alten Wappen und Fahnen aus der Tcutschordenszeit schmücken diese wundervolle Kirche. Das Leben spielt sich aber schon garrz ab wie im Frieden. Die.Straßen, Kaffees sind belebt, ÄnwoKrer und Deutsche: dazwischen russische Offiziere und Mannschaften, zwar ohire Waffen, aber sie können ruhig chres Weges gehen. Spuren deS Kampfes sah man in der C^egend der Stadt, wo die Roten Gardisten ihren Sitz hatten. Auch hier war der Deutsche der Befreier und der Retter.
Die Krönung Aeses Bewußtseins kam aber in H el fing» to r s. Hier kamen wir am 14. April an. Schon die Einfahrt in den Hafen mit den gewaltigen Festungswerken ist großartig. An diesem und am Porhergehenden Tage hatten rwch Straßenkämpfe stattge- rnrnden. Wir machten am Kai fest und sahen da die Einschläge nuferer Schiffsgefchütze in den umliegenden Häusern. Gerade am Hafen war ein Hauptwest der Roten; hier hatten sie sich verzweifelt gewehrt. Leider veirloren wir im Sttaßenkampf ungefähr 60 Dcanir,^ banmter auch einen Offizier. Im Arbeiterviertel tobte der 5kampf noch längere Zeit, hin urid wieder hörte man immer noch Schüsse, die hinterrücks aus den Häirfern fielen. Als die Stadt zum Betreten freigegeben war, gingen wir an Land. Hier, wo die Roten ihr Hauptquartier hatten, sah es ganz übel aus. Wie hatten sie gehaust, ein richtiges Schreckensregiment! Hmrs- Acbnngen nach Alkohol, Essen waren an der Tagesordnung. Te- nDlierte ^Wohwun§en, zerschossene Ladenscheiben, sinnlose Zerstörung. Aber die Stadt selbst bot einen ganz herrlid-en Anblick. Diese breiten Straßen, diese Anlagen, diese Sairberkeit! Wir nxrrcn erstaunt über die Schönheit der Anlagen und der Bauten. Dabei herrlid/ster ^Sownensd)ein? Waren wir hierdurd) schon angenehm berühr^ so kanrtte das .Verhalten der Bevölkerung keine .Grenzen
tu ihrer Begeisterung für die Deutschen. Mit Blumen wurde man überhäuft, alle: Männer, Fraiunt, Kfttder riefelt uns zu „Hell Deutsche? deutsche Offiziere!" Eine alte Dante kam auf meinen Kommandanten und mich zu tmd erzählte uns, daß sie 1854 schon die Besetzung durch Rußlartd ntitgemacht. jetzt endlich kämen die Deutschen, die Befteier, jetzt könne sie ruhig flerben. Mit Tränen in den Augen schüttelte sie uns die Hand. Mit Liebesgaben wurden unsere Matrosen überschüttet, man sah nur fesllid) gekleidete Men- scheti, frohe Gesichter, begeisterte Freude.
Inzwischen waren auch unsere ftnnischert Freunde hier mit der Armee cntgekommen. Ms sre das Schiff „Gießen" sahen, kamen sie sofort zu uns an Bord. Am gleichert Tage besuchten uns dann npch Offiziere von einem Gardc-Fuß-Art.-Rcg., die wir nach Hoitgö gebracht hatten. Sie erzählten uns von dem Vormarsch bis Helfingfors. Vor allen Dingen ivaren sie aber gekommen, um mit suns die schönen Stuirden zu erneuern, die wir mit ihnen an Bord S. M. S. „Gießen" verlebt, eine Verbrüderung der Armee und Marine ohnegleichen. Sie.rvaren des Tankes und Lobes voll über die Seefahrt im allgemeinen, und besonders bei uns auf oer „Gießen". Wir gingen alle mit an Land wrd feierten im ersten Hotel, darauf in der Wohnung des einen Finnen das Bündrn^ im lleinen zwischen Deutschland und Finnlcmd. Welch begeisterte Rede hielt unser finnische Freund! Er deutete nur auf all dre Tatsachen, die wir in den Straßen erlebt.
>Am folgenden Tage besirchten tms die Finnen in der Offi- ziersmes^e zu einer lleinen Feier. Ein Hwrr brochäe seine Gattirl ünd 2 Damen mit. Eine der letzteren erzählte uv.s, was ffe erlebt, wie die Weißen gelitten unter den Roten, wie sie verhaßt gewesen n>aren usw. Sie selbst hatte in ihrem Zimmer in den messingnes Gardinenstangen ein Lager von Patronen mtgesammelt, außerdem krusH 4 Gewehre versteckt. Als die Weißen Waffen bratrchten, als dvaußrm unsere sck>weren Geschütze van Land und von See sch-sscn, llAg sie nsit ihrer Mutter aus die Sttaße, beide tru.gen untex dem Mcnttel je 2 Gewehre und Munition zu den Orten, wo sie wnßlen, »daß .Werißie chjarrn. Wir nt Deutschland wissen gar nidjt, wie der Mob, tvie der Pöbel sijch benimmt und welche Zustände herrschen, wenn diese zum Regivient kommen.
Am Mittwoch früh erlebtett wir ein ttaurigeS, aber großartiges Schauspiel. Auf dem alten Friedhof, inmitten der Anlagen, wurden unsere gefallenen Helden neben denen der Weißet: silarde beerdigt.. Das Grab, ein großes Massengrab, kotmte nicht geschlossen werden vor lauter Blumen mtd Kränzen. Es blieb offen bis zum nächsten Tag. Wie dieses Opfer aufgesaßt wird von den Finnen, vvrt unseren Freunden, von trenen, guten Menschen, das fömtt Ihr ersehen aus dem Nschruf, der den Helden gewidmet ist in einer finnisdien Zeitung:
„Bei der Beerdigung der deutschen Helden.
Heute empfängt in seinen Sckwß das finnisd)e Vaterland die deulftlsen Mätnrer, welck-e im Kampf für die Befreiung unserer Hauptstadt ihr Leben hingegeben haben.
Das ferne unbekarmte Land in seinem grauen VorfrüMng, das sie wahrsdseinlich zum erstenmal sahen, sollte also das Land werden, wo sie zum letzten Male das Tageslicht erblicktet! und Ibefleu Erde, noch verfroren, ietzt über ihre kalt geloordenenj Herzen fällt.
Mit tiefer Dankbarkeit und wohll'ewußt feiner Berpffichtirng, nimmt das sinnisck)e Volk das teufte Opfer entgegen, n>elcl)es diese Söhne des tapferen, glorreichen und sittlich großen Volkes lund das gesamte deutsche Volk uns dargebracht haben.
num werden, wenn es dreien in den .Kram Pasft. Man ließ sie tfes
Friedeusrollen abnnckcln, bis der Wllrd günstig genug war, um die Atmosphäre in der Ridstung der Alliierten zu vergiften. Tcr Ver- ttaa von Brest-Litowsk ist das beste Beispiel für die Funktionen gewesen, die die mllitärischc Kaste in den Mittelmächten rmre hat."
Mexiko und Cuba.
Amsterdam. 25. Mai. (WTB.) Rerwermeldmkg. Wie cruS der mex frnllchcn HauptfLdt genr..li)et wird, bestätigt das dortig« austvärtige i>lnrt die Nud)rick)t, daß Mexiko die öiplomati^ sche n Beziehungen zu Kuba abgebrochen l)abe. Ter mexikanisd>e Gesd>äftsttäger in Havamm und der kubanische Ge- schäftsttägcr in Mexiko sind zurtirLvrufen worden.
Rotterdam, 27. Mai (Prirwttelcgr. L. A.) Aus London wird gemeldet: lieber dent G r nn d des AbbrivtlicZ der diplomattschen Beziehutrgen Mexikos zu Kuba ist nichts bekarrnt geworden. Ta aber Kuba zu den alliierten Mächten zählt, ist es klar daß das Verhältnis Mexikos zu den Alliierterr gettübt ist.
Eine Klage der französischen Urlauber.
Amsterdam, 25. Mai (WTB. Nichtamtlich.) .,Petit Pa- risien" berichtet, daß Urlauber voir der Front sich allgemein darüber ^ beschwewen, daß sie die A r m e e j o it e nur nachtsj verlassen können, denn die aüsahrenden Nrlauberzüge würden von den deutschen Flugzeugen in außerordetlt'icher Weise mit Bomben und Maschinengewehren beschossen. Tie Urlaulwr, die in den Schützengräben dem Tode entronnenj seien, könnten so auf dem Urlaube den größten Gefahren begegnen.
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Italienische Truppen in Frankreich.
Bern, 24. Mai. (WTB.) Wie „Petit Parisien" berichtet fcrab die für die französische Front bestimmten italienischen» Truppen alle in Frankreich eingettosfen. Sie besinden sich augenblidlid) no-ck- in einer Stadt Mittelsrankreick)s^vereinigt, N>o sie von dem Vertreter Italiens im Versailler Kriegsrat, General Robllant, besichtigt wurden. Die italiemschen Trippen werden vn den nächsten Tagen aus die fraitzösische Front verteilt.
Vergebliche englische Flngangriffe auf Zeebrügge.
London, 25. Mai. ^WTB.) Aom 20. bis zum 22. Mai Abrten Telle nnseror Lnststreitkräfte Mnnbenm:tevirehmun- gen gegen Zeebrügge. die Mule, be.i .Stützpunkt der Wasserflugzeuge und die in Wache liegenden feindlichen Schisse, ferne« gegen Thourvut und den fcindlidien Flugplatz von St. Denis -Wett rem aus. Es werden z!oei Volltreffer auf seind- lidMt Torpcd>>bootsz<wstöwrn geo'eldet, mit dem durch phvtogra- Pb'schc AusTv-th-nen festgestellten E daß ein Zerstörer ge*
nnm ist. s 2iix euöc.u wurden irei feindlich? Fklgzeu.ze steuerlös l-eruntergetrieden. Alle urrseve Ftttgzeltge >ind uubesd>äoigt zurückgekehrt.
Hierzu erfährt das Wolfshtwean von zuständiger Seite, daß in d^r latit amllicker englllchw NLeldu.ng anoerzebeuen Zeit twm 20. bis 22. Mai zwar mehr ach Nie?,eranswsi,c an i Zeebrugge und seine Umgebting vom Gegtver ausge ührt worden sind, irgendn^lche Erfolge bliebet: dem Gegner jedoch versagt. Bei dem Flieger* angrirf zwei Tage vorher, am 18. Mai, auf die Werst von Zeo* brügge erhielt eines unseoer Torveiwlwoie durch eine Flicger- boinbe leichte Schädigmtgen. Es ist keines rmserer Torpedobootq gesunken. Tio^ EirglÄrder ^ verlova: bei ihren vergeblichen Bemühungen, tmseret: il-aichcischen Stütztunllen dtrrch Fliegerangriff« Schaden zuzt^ügen, allein vom 18. bis zum 22. Mai fünf Fln^ zeuge. Ein weiteres manche zur 9LotlanduM gezwungen und döe Besatzung gefang«tgenvmmen.
Ein Bortrag PaafcheS in Sofia.
Sofia, 24. Mai. (WTB.) Im vollbesetzten Natwnaith«rtW hielt der Vizepräsident des deutschen Reichstags Paasche einen Vortrag vor den Ministern, Übertretern des Hofes. Offizieren und Politikern, in dem er die wirtschaftlichen Lehren deF Weltkrieges behandelte. In fesselnder Weise beridstete der Jicdner von den technischen Errutrgenschaften Deutschlands inmitten der Kriegsnot, die den Eirdsieg für die Staaten des Vicrbundes gewährleisteten. ^ Ein enger wirtsd>aftlicher Zusammenschluß aller GlicHer des Vierbundos sei notwendig, um in Zukunft nicht einem Hungerkriege ausgesetzt zu sein. Der Vierbutid müsse ficf> vom Auslände unabhängig niad>en. Der Reimer wies turch, wie wertvcül Bul g a riens wirtschaftliche Mtthllse für sich und die Verbündeten gewesen sei und wie segensreich diese Tat seine Zukunft beeinflussen werde, daesdie Einfuhr Deutschlandsaus Jta- lienablösen werde. Wirtsd-astlick-cr Zusainmcnschluß und Ford-
Der Grabhügel, der heute unter den Bäumen unseres ältesten Friedhofes im Herzrm der Hauptstadt zugeschüttct tvird, gehört zu iunseren teuersten Gräbern. Es n»ird bis auf künftige Zeiten das Unterpfarch des brüderlick-en Bündnisses ztvischen dem deusid??^ tnnd dent finnischen Volke gegen die Tyrannei und Barbarei bil- ldeit. An diesem Grabe sd)wören wir den Eid, der von künftigen! Generationen ernertcrt werden wird: nie soll der Fuß des Unterdrückers die Erde betteten, wo neben den gefallenen finnischem Helden als Unterpfand der Freil)eit die Asche der für die Menschheit und Kultur gefallenen deutschen Krieger ruht.
Der Se^en des Suomi-Volkes über diese Ruhestätte!"
_ klerneZ Entgelt luden hie Herre:: der Artillerie am MittNVch nachmittag uns in ihr Quartier ein, einem Schloß, ungefähr 1 Stunde von Helsingfors. Dies war vorher von den Rotcn> besetzt. Die Spuren waren traurig. Sinnlos waren Möbel, Bilder, Teppichs, Kristall-sMonbeudster zerschlagen, Möbel aufgebrochctj und bestohlen, wrmdervolles japcunschrs Porzellan in Stücke geworfen. Alles lag wirr durd)cinander. So fmtden unsere Kamcvaänk die Räume vor. Zuerst mußten sie Ordnutrg schaffen, um überhaupt hier leben zu können. Zufällig war au diesem Nachmittag eing Tochter des Besitzers von Heliingfors auch herausgeLmmet:, um nach ihrem Besitztum zu sehen. Mit welch wehmütigem Blick betrachtete sie du Zcrltörung, wie dankbar war sie Ar die Erlösuitg chres Wohnsitzes.
Für utts sdstug bald die Mschiedsstunde. Zu Ehren der „Gießen", rm unserem Wschied, war ein größeres Fest arrangiert. Evwa 20 finnpche Touren und Herren mit den obcuettvähilten Herren der Artillerie waren zusammetrgekomnren, um fidj von uns, von der „Gießen" zu veralüchieden. D e r N a m e „G i e f> e n" klingt hoch in Finnland, der Name „Gießen" verkörpert in ihnen eine Ernmernng für das Leben. Sie haben uns alle gebeten, im Friedetr wieder zu fommett, im Frieden ihr schönes Land zu sehen. Ich habe es versprochen, und ich werde it* meinem ganzen VekatttrtcnkreiS darauf aufmerffam madion, wie sd)ön Finnland ist wie wir hier Letrto haben, deren Herzen für uns schlagen; wo wir hinfahren müssetr, um in Verbindung zu bleiben. Warum uad) dem Süden, warum nach Ortete reisen, wo wir doch, wie in der Schweiz, noch als Fremde angesehen »verdeu? Hier werden wir mit offenen Armen empfange::! Bis früh feierten wir Llbfchied, dann gingen wir in See — mit dem sl>ewußtfein. hier Freunde zt,rückzulassen, die uns unvergeßlich sftrd, die uns aber cud) nicht vergessen werden. Es sind nicht einzelne, es ist das Volk, das uns zujtchelt. Denn die Rote^ waren nur niederster Mob, zum «größtet: Teil überhaupt keine Finnen. Die ganze Bewaffnung um amerikanisch, englisch, japanisch und russisä). Enten Leos fixiere sollen sie ausgebildet und nsit Geld unterstützt haben, besmchers Engländer, deren Nasional- stvlz sv weit gesunken: ist, dag sie sich hergell-a:, mit Straßnp- rauben: und Bartditen Seite an Seite zu kämpfen! O. du stolzeSj Albion. wie bist di: in deiner Hilflosigkeit gesunken!
Wie Ihr seht, bin ich begeistert von Finnland, aber ich glaube. :ch Inn es nut Reclft, denn ich persönlich habe hin glänzende Stunden verlebt, eine Auftvahme gesunde::, tvic sie ihresglerchen sudst. Lecher ries uns unsn Kaiser, der von den Finnen nur mit Staunen urch Bewntrderung gemn:nt wird, zL einer neuen ?Asgabe, über die id* nickst schreiben kann und bi* ain£ vielleicht noch längere Zeit von tcr Heimat ferichatt.


