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Aus Stabt und Land.

Gießen, den 24. Mai 1918.

** Amtliche Perf ona lnachrichten. Der Groß- h>3 enrpsing 5mm Vortrag: den Geh. Legationsrat Dr.

- art, den Vorstand des Kabinetts Wirfl. lZ>eheünerat v. Romheld; außeroein den Major Banr de Betaz und den H-cruptpastor Lampe der Deutschen St. Petri-Gemeinde in Kopenhagen.

** HausbranoVersorgung. In den letzteil Tagen hielten Vertreter deutscher Städte eine Bcsprechimg der neuen Hausbrandverfiissung des Reichskohlenkommissars ab. Hierbei wurde beschlossen, ivegen erhöhter Hausbrandliefe­rungen in den Sommermonaten Schritte zu tun, da die deutschen Städte eine Wiederholung der vorjährigen Schwierigkeiten für äußerst bedenklich halteil würden. Weiter wurden dem Reichskommissar eine -Reihe von Wünschen wegen Beschlagnahme, wegen Mitteilung der Bahnsperrcn, wegen Versorgung der Gaswerke, sowie wegen Versorgung der militärischen Anstalten überreicht, auch wurde der Wunsch die Brsinnstoffsorten n<pch «ihrem Heizwert be­rechnen, wiederholt Ferner wurde eine Reihe von Fragen sprachen, die für die örtliche Regelung der Brennstoff­versorgung von Bedeutung sind. Besonders geklagt wurde Mer die Behandlung der Bezugscheine durch die amt­lichen Der teilungsstellen, die eine Verzögerung der^ Be­liefern ng befürchten lassen. Dabei wurde betont, daß die beabsichtigte vorzugsweise Beliefemmg Süddeutschlands sich nur glatt durchführen lasse, wenn erhöhte Zuweisung^ an die Händler erfolgen. Die StÜdteverlreter waren zwar der Meinung, daß eine öffentliche Bewirtschaftung der ../oh len grundsätzlich dem System des Reichskommissars vor- zuziehen wäre, sie stellen sich aber angesichts der Tatsachen aus den Boden der Versugmrg des Reichskommissars mit dem Vorbehalt, daß bei der Versorgung nicht einseitig die Interessen des Handels berücksichtigt werden, sondern daß die großen allgemeinen Interessen vorangehen müssen.

** Versandscheinzwang im Gemüsever- tehr. Hierzu erfahren wir von zuständiger Seite: Wie im vergangenen Jahre, so ist auch für alle Sendungen voll Ge­müse bei einem Gewicht von mehr als 10 Kilogramm von einem Ort zum andern ein abgestempelter Versandschein der Hessischen Landes-Gemüsestelle erforderlich. Die Versand­scheine werden von den örtlichen Vertrauensmännern der Landes-Gemüsestelle, oder soweit solche nicht bestellt sind, von der Landes-Gemüsestelle ausgestellt. Für jeden Versand- lchein wird eine Gebühr von 20 Pfg. (bei Spargeln 50 Pfg.) für je angefangene 100 Kilogramm erhoben. Für die Ver­sendungen von Gemüse aus hessische W 0 ch c n m ä r k t e dient ein besonderer gelber Versandschein, den diejenigen Marktver­waltungen bzw. Städte, denen die Ausstellung übertragen worden ist, im Namen der Landes-Gemüsestelle unentgelt­lich ausgeben. Der Versandscheinzwang besteht für jede Art der Beförderung, insbesondere sirck) die Eisenbahnstationen angewiesen worden, keinerlei Gemüsesendungen ohne den er­forderlichen Versandschein anznnehmen. Versendungen ohne Versand schein ziehen Strafen nach sich.

** Heimathe er Deutscher Frauen. Ein soeben er- 'chiervenes Merkblatt stellt in treffender Weise die Pflichten der Rutschen Frau zusammen imb sagt u. a.; Es ist die Pflicht jeder deut'ckxm Frcrir: In strenger Selbstzucht sich aller Aeußmungen, die die Stimmung vergiften oder reizen könnten, zu enthalten: zum Ausharren und Durchhalten aufzrrmnntern und jede Gelegenheit rur Hebung des vaterländischen Geistes zu benutzen: in der Oeffent- lichvert jeglicher flcPmacherischen Aenßerung entgegenzutreten:

' lagen und fsierüchte) die geeignet sind, die Stimmung nachteilig zu bncknflussen, zur Kennttris der Kriegsberatungsstelle zu bringen: in Theaterni und Kinos stimmungshebende Vorführungen durch leb­haften Beifall zu unterstützen; um die Verbreitung von Plakaten und Flugblättern in geeigneter Form bemüht zu sein; sich zu er­beben, wenn die Nationalhymne gespielt wird.

** Abhanden gekommen ist am Freitag den 17. 0. M. eine dem Roten K'renz dahier gehörige, fahrbare Krankentrogbahre. Wer über den Verbleib derselben Aus­kunft zu geben vermag, wird gebeten, dies dem Roten Kreuz oder der hiesigen Kriminalpolizei mitzuteiten.

** Das große Los der preußischen Klassenlotterie .700 000 Mark siel aus die Nr. 11568.

** Eine zweite Adresse in Pakete! Viele Paket­adressen lösen sich infolge schlechter Klebstoffe von den Paketen ab, die Pakete gehen infolgedessen verloren. Um das -zu verhüten, lege man in das Paket eine zweite Adresse ein.

** Schließt Liefe rungs vertrüge! Wie die Neichs- stelle für Gemüse und Obst bekanntgibt, wird alles nicht durch Lieserungsverträge gebundene Herbstgemüse der Zwangserfassung unterworfen. Die Anbauer, die 5?erbstgemüselieferungsverttäge Schlüßen, haben danach aus höhere Preise für ihre Erzeugnisse zu rechnen als diej-enigen, die es unterlassen, solche Verträge zu schließen. Es ist also der Abschluß von Lieferungsverträgen allen Erzeugern zu empfehlen.

** Licht spielhaus, Bahnh 0 fstraß e. Die Filmwerkc * ,,Tie Försterloui" und ...Komtesse Stallmagd" stehen von morgen ab auf dem Spielplan. Vom 28. Mai ab gelangt der FilmDer tanzen.de Tor" zur Aufführung. Siehe Anzeige.

Landkreis Gießen.

** Lang-Göns, 23. Mai. Leutnant Albert Brückel erhielt das Eiserne Kreuz 1. Klasse.

** Muschenheim, 23. Mai. Der Gefreite Wilh. Müller, Sohn des Johannes Müller I., Inhaber des Eisernen .Kreuzes und der Tapserkeitsmedaille, wurde zum Unteroffizier befördert.

Starkenburg und Rheinhesfen.

I T arm stadt, 23. Mai. In der Anstalt für Epileptische km benachbarten Nieder-Ramstadt erlitt ein zwmrzigjähriger Zög- lmg während des Essens einen Anfall und fiel mit dem! Gesichi tm den Napf mit heißein Brei. Die Verletzungen schienen unbedenklich! zu sein, aber tags darauf starb der Patient offenbar infolge der er­littenen Aufregung an plötzlicher Herzschwäche.

Hessen-Nassau.

mr. Frankfurt a .M., 23 .Mai. Eine interessante Berech­nung wurde beim Statistischen Amt vorgenommen. Es handelte stch darum, festzustellen, mit welchen finanziellen Mäkeln augen­blicklich eine Familie mittlerer Bürgerkreise auskommen kann, d. h. welche Auswmcdungen sie in einer Woche durchschnittlich für den notwendigen Lebensunterhalt ausgeben muß. Es wurden natur­gemäß nur die Ausgaben für Nahrungsmittel festgehalten, Aus­gaben für Genuß,nittel wie Bier. Zigarren usw'. blieben außer Eracht. Es stellte sich heraus, daß eine sechsküpsige Familie, um nuSrncpeno m leben., täglich etwas über 11 Mark ausgeben muß, me genaue Zahl ist 11,21 Mt., während in den letzten Friedens- lobren cm Betrag von 4,555,05 Mk. im Durchschnitt vollkommen ausrna-end mau. Bemerkt muß werden, daß sich obige Ausgaben, mir aus die städtischer sechs zur Verfügung gestellten Lebensmittel ocziet-en, tvas die Families etwa von Bekannten oder Freunden Luuauicn, wurde nicht in Betracht gezogen. Eine weiwrc auf- MtenLe Tatsache hat sich herausgestellt, daß in Arbeiterkreisen yeiue lur Nahrungsmittel viel höhere Beträge angelegt werden, wie Ul .* o t W 1 ^ Mittelstandes, was wohl auf die Versorgung

^.ebensmitteln durch die Fabriken zu rückzuführen ist. Wie stark nch me Teuerung bemerkbar mackst, ersieht man auch daraus, daß heute /rammen jür eine Mahlzeit Gemüse denselben Preis, oft sogar noch mehr anlegen .müssen, wie in Friedenszciten für die ganze Woche.

0 r öji f f u t a. M., 23. Mai. Am Mittwoch siel der achtrahnge Schüler Franz Dahlen beim Spielen am Schau- mamkai in den Main und ertrank. Ferner wurde der elfjährige

Schüler Karl Di scher l beim Baden an der Deutschherrenbrücke im Main von den Fluten fortgerissen. Auch er wurde ein Opfer seiner eigenen Unvorsichtigkeit.

= Frankfurt a. M., 23. Mai. Der Fabrikant Oskar S t e i d i n g , der am Dienstag in seiner Wohnung aus Eifer­sucht von dem Tapezierer Johann W i t t m e r niedergeschossen wurde, ist seinen Verletzungen erlegen. Tie Untersuchung ergab, 'daß Steiding m'tt der Frau Witpners ein intimes Verhältnis unterhalten hat, von dem der im Heeresdienst stehende Mann Kennt­nis erhielt.

'** Frankfurt a. M., 24. Mai. Ter Feuerversiche- run g'sverband hessischer Lehrer hielt am 22. Mai cm Storch" seine diesjährige Hauptversammlung ab, die der Zeitverhältnisse halber nur mäßig besucht war. Nach dem Rechen­schaftsbericht wurden im abgelaufenen Geschäftsjahre 15 Brand-- schaden mit Mk. 1155,80 reguliert. Ter Verband zählt 2168 Mit­glieder. Das Versiche rungs kapital ist auf Mk. 13 541076 ange­wachsen. Von dem Mk. 8919,24 bettagenden Reingewinn werden Mk. 600 der Ludwig- und Alice-Stiftung und Mk. 291 dem Lehrer­heimVogelsberg" zugesührt. Auch soll die Hilfskasse hessischer Lehrer bedacht werden, wenn die Notwendigkeit im Laufe des Jah­res sich ergibt. Ter größte Teil des Reingewinns wird dem Reserve­fonds zu geführt, der auf Mk. 71597,48 angewachsen ist. Nach einer Mitteilung des Vorsitzenden wurde der seither noch zu Recht bestehende Berttag zwischen dem hessischen Landes-Lehrervereint ünd derProvidentia" in Mainz gekündigt, an deren Stelle nun­mehr der Feuerversicherungsverband hessischer Lehrer tritt. Das dadurch längst erwünschte und erwartete innigere Verhältnis zwi­schen den beiden Standesvereinigungen wurde von der Versamm­lung mit Freuden begrüßt.

mr. F r a n k f u r t a. Ms, 24. Mai. In dem zerstörten Teile der Umsormersiation unter dem Schillerplatz wird mit fieberhaftem Eifer gearbeitet, um vor allem den Straßenbahnbetrieb und die elektrische Beleuchtung der- Hauptstraße in Ordnung zu bringen. Die Zeil und Kaiserstraße sowie die Hauptwache werden von kleinen Oellämpchen notdürftig erleuckstet. Daß diese Art von Be­leuchtung, die für ein kleines Dorf schon unzureichend ist, für eine Großstadt wie Frankfurt mit ihrem starken Verkehr ganz unhaltbare Zustände hervorruft, läßt sich denken. Auf dem Markte erschienen die ersten Kirschen. Freilich tonnte sie der größte Teil der Markt­besucher nicht kaufen, denn das Pfund kostete noch 4 Mark. Der Magistrat bat für die Kriegsbeschädigttn umfangreiche Lände­reien bereitgestellt, wo sie sich mit Gartenbau beschäftigen können. Tie Geräte werden, wenn die Leute wenig bemittelt sind, leih­weise völlig unentgeltlich verabfolgt.

= Kassel. 23. Mai. In einem unbewachten Augenblick ent­wichen aus den: Zuchthaus an der Fulda sieben Strafgefangene. Ihre Verfolgung blieb ergebnislos. Ferner sind zwei.weitere Straf- gefangene, die auf einem d!achbargpte beschäftigt waren, flüchtig gegangen.

X Kassel, 24. Mai. Zur Bereitstellung gesunder und billi­ger Wphnungen für die Bevölkerung, besonders auch für die becm- kehrenden Krieger und für die Kriegsbeschädigten, ist im Landkreis Kassel die Bildung eines Kreiswohnungs-Bauvereins^ in Aus­sicht genommen. Ter Kreisapsschuß hofft, dem Kreistage im Herbst 1918 einen Vorschlag hierüber machen zu können.

= Wiesbaden, 23. Mai. Auf dem hiesigen Wochenmarkte wurden die ersten Frühkartoffeln mit 1,80 Mk. das Pfund bezahlt, später kletterte der Preis auf 2,50 Mk. Ter Vorrat fand im Hand­umdrehen willige Abnehmer. Im vorigen Jahre zahlte man für das Pfund als höchsteii Preis eine Mark, in diesem Jahr dem­nach 150 Prozent mehr. Fast alle Kartoffeln 1918er Ernte wan- derten in hiesige Hotels.

©cvicbt^aai.

Wie eine Fuhre Mehl von 859 Mk. auf 15 996 Mk. stieg.

kp. Frankfurt a. M., 23. Mai.Fahrbuvsck>e sofort ge­flucht. Brotfabrik Günther^, lasen zlvei 16jährige Birrschen ihrem Freunde, dem 26jährigen Schlosser Paul Hartwig aus dem Inse­ratenteil einer Zeitung vor.Das wäre etwas für Dich, Paul," sagten sie,da kann man so schön Brot und Mehl mtterschlagen!" Hartwig bewarb sich um den Posten, wurde airgenommen und er­hielt schon am nächsten Tage den Auftrag, zwei Fuhren Mehl von je 21 Sack am West Hafen abzu holen. Tie erste Fuhre lieferte er ab, von der zweiten Fahrt aber kehtte er nicht wieder. Diese Fuhre werde verkauft, hatten die beiden Sechzehnjährigen, zwei für ihr Mber schon leidlich gar gekochte Leute, gesagt, sie hätten schon» jeurcrnd dafür. TerJemand" war der 44jährige, aus Friedberg gebürtige Makler Karl Dielst. Die'ca ehrliche Makler wurde rasch .um 6000 Mk. handelseins, obwolst ihm gesagt wurde, das Mehl sei bviß, d. h. durch strafbare Handlung erworben. Er verkaufte das sofort an den Wirt Karl Schab in der Ottastraße, der hin­wiederum den Marler Karl. Schmidt, Höbensttaße 8, als dritten) Käufer lstnter sich ttufstellte. Jetzt erst wurde da? Mehl am Hasen abgeholt und.die ganze Ge'ellschast fuhr nach Höchst, wo Scknnidtz als die repräsentabelste Erscheinung mit den Farbwerken über den Ankauf diesesAuslandsmehls" verhandelte. Tie Farbwerke waren nicht knauserig trmd erstanden das Meist um den Betrag von 15 096 Mark, während der eigentliche Wert 840 Mk war. Je 2000 Mk. bekamen die beiden Sechnchnjährigert und de- Fndrm run, 3610 Mk.

verdiente Tiehl, 1360 Mk. Schad und 4096 Mk. Scl Nach- d«em man den Raub geteilt hatte. schLug sich die Ge' seit­wärts in die Milche, Pferde und Wagen an einer St::: ' )öchst

stehen lassend. Am wideren Mvrae.: klingelte die Firn: . nt her

die Polizeidirektionen der umliegenden Städte ab und siagte nach ihrem 0!eschirr. In Höchst stand es. Dort wußte mau zu. dieser Frist auch schon, daß das Malst ian den Farbwerken abceladen wor­den war. Tie Farbwerke haben es wieder be-ausgeben müssen. An der Strafkammer taten Dielst, Schad und Schmidt, als hätten sie genlwubt, es sei holländisches Meist, das von Duisburg per Schiff hierher gekommen wäre. Tas Gericht aber war der Mei- Tvrno, daß sie <rics dm Umständen hatten erkennen müssen, daß das Mehl durch eine strafbare Handlung erworben war. und verurteilte wegen Helsterei in Verbindung mit verbotener Auskichr lind wegen Preiswuchers in Verbindung mit unerlaubtem Hcmdel mit Lebens­mitteln den Tiebl zu zwei Jahren und sechs Monaten hse'ängnis, 10000 Mk. Gcldstta^e und fünf Jahren Ehrvevknst, Schad zu drei Monaten irrch zwei Wochen OHfängnis und 5000 Mk. Geldstrafe tzmd Scbn'.i'dt zln. drei Mionaten und zwei Wochen Gefängnis und 10 000 Mk. Geldstta'e. Hartwig erhielt we^en Unterschlagung und verbotener Ausfuhr ein Jahr und neun Monate Gefängnis und -inner der S-ck>?ettnäbriaen wegen .Helsterei und verbotener Aus­fuhr zehn Monate Gefängnis. Ter andere Sechtzelmiahrige be- sindet sich i'.r der Erziehungsanstalt.

es sich um den einzigen Ernährer handelt. Entsprechend begründe­ter Anttag ist durch Vermittlung der Bürgermeistern mr den Herrn Ziml vor sitz enden der Ersatzrtom Mission für den Kreis Gießen zu richten.

M ü l l e r s ch e 24. 9Dtai 18° B.

abcanftalt Wasserwärme bft Lahn am

vermischtes.

Berlin, 23. Mai. (Priv.-Del.) Wie derLokalanzeigett" mellet, zerstörte eine Großfeuer große Teile des Fleckens Kolbiel im Gouvernement Warschau. 70 Wohnhäuser und viele Schuppen verbrannten. 3 Kinder fanden in den Flammen dor Tod. 1600 Obdachlose wurden auf einem nahegelegenen Gut vor»- läufig untergebracht.

*

* Ein Wodan-Ovfer in der Gegenwart? Von einer eigentümlichen ElntdeÄung, wahrscheinlich der eines Wodan- Opfers, das sich bis in die Gegenwart erhalten hat, mackst Jwiedv Witte in der bei Karl Sck:iünemann in Br euren ersck-einenden Zeit­schriftNiedersachsen" Mitteilung. Bei seinen Streifzügen durch die Heide kam Wckte auf einen Bauernhof, der weit ab vom Ver­kehr liegt jund in Bauart und Umgebung rockst ursprünglich geblieben ist. In der Nähe des Wohnhauses, nahe der großen Diele, entdeckte er über dem niedrigsten Aste einer alten Eiche ein selt­sames Ettvas, «das zu beiden Seiten herunterhing. Augenscheinlich waren es vertrocknete, von Wind und Wetter ausgelaugte, verfaulte! Fleisichmassen. Beim genaueren Hinsehen konnte er feshstellen, daß die wenig appetitliche Masse aus verschiedenen Schichten bestand. Die älteste lag unten, die neueste, noch frische, zu oberst. Auf die an den Bauern gerichtete Frage:Wiat is dat?" lautete die Antwort,Tat is de Wvvd." Beim weiteren Naichforscheu erfuhr Witte, daß^ hier seit langen Zeiten die Nachgeburt der Kühe über den Stamm gesichilnngen wurde; man wußte nichts Näl-eres anzugeben und sagte, diese Sitte bestände seit undenklichen Zeiten. Witte ist wohl auf d-er reickst.en Spur, wenn er mrnimmt, es handle ! sich hier um den Rest, eines aus den ältesten heidnischen Zeiten stammenden Wodan-Opfers. Ursprünglich tvaven die Tiere selbst für das Opfer bestimmt, vielleicht Neugeborene oder Erstgeboreim, Und in späterer Zeit ließ man es mit diesem -Ersähe als Symbol bttvenden: eine prakttsch-schlaue Unigelping des eigentlichen Opfers, die in ähnlickMr Form bei allen primitiven Völkern auf bestimmter Entwicklungsstufe wi'ederkehrt.

* Feldpaket verkehr für Angestellte der Kriegs- gesellschaften. Am Privatpaket verkehr über die Militär-Paket- Aiemter dürfen jetzt dik reichsdeutschen Angestellten der Kriegs­gesellschaften in den besetzten Gebieten teilnehmen, soweit die Ge­sell schoflen zum Geschäftsbereich des Kriegsamtes gefrören. ES sind dies die für Metall, Leder, Wolle, Baumwolle, Wollhandel, Flachsbau, Riemen, Hadern, Hanf, Flachsabrechnung, Leinengarw Papierho'z, Seide, Oele und Fette, Textilbesck-afftmg. die Z. E. G. für Belgien und das deutsche Industrie-Mireau. Die Sendungen gehen durch die Hände der Vorsteher der (Gesellschaften.

* Verschwundene Glocken. Wie derKurjer^Plotzki" berichtet, sind in den Kirchen iit Rokita, .Bondkowice und Sobolvice die Glocken abchuiden gekommen. Bis zu ihrer Wiedererlangung werden der Pfarrer und die Mitglieder des Mrchenrats, angesehen^ Dorfbewohner, in Haft genommen.

Letzte yachrtchten.

Dev neueste Bericht der Heeresleitung.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 24. Moi. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Die Lage ist unverändert. Im Kcmmelgebiet, beiderseits der Lys und der Searpe, südlich von der Somme, sowie Awischen Moreuil und Montdidier lebte die Artillerietätig­keit am Abend auf und war auch während der Nacht teb- h.rft. Die Jnfanterietätigveit blieb auf Crkundungskümpse beschränkt. Eigene Unternehmungen südwestlich von Bucguov mW an der Oise brachten Gefangene ein.

Der Erste Generalguartiermeister Luden darf f.

Arbeiterunruhen in Bristol

Basel, 23. Mai. lieber große Arbeiteiintiui ,t\\, die in Bri­stol statt sau den, wird gemeldet: Zur Wiederherstellung dm öfsent» lichpn Ordnung mußte Militär aufgeöoten werden. Dabei kam es zu listigen Sttaßerrkämpfen, denen 14 Arbeiter, darunter d« Vorsitzende des Transportarbeiterverbandes, zum Opfer fielen. Größere Unruhen fanden accch in Sioansea unb Cardiff statt.

Lillers geräumt.

Genf, 23. Atai. Die unweit B e t h u n e gelegene Stadt Lillers wurde gleichiwlls geräumt, rveil sie dem deutschen Bombardement ausgefetzt ist. Anfangs Mai suchten die ans Be- thune geflüchteten Familien in Lillers Zuflucht, wo jetzt zahlreiche überaus wertvolle Anttquitäten fort geschafft tverdcN.

Heimkehr der Zarin-Mutter nach Dänemark.

Wien, 23. Mai. DieNeue Freie Presse" meldet aus Kopenhagen: Nach einer Information des Eksttabladet begibt sich die russisckic Kaiserin-Wftlve bi allernächster Zeit über Oesterreich- Ungarn Dänemark zurück.

Die fnrnifchr Verfassung.

Stockholm, 23. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Der ftnursche Senat hat wtfh einer Meldung aus Helsingfiors anTagens Nheter" dem Verfassung saus schütz des Landtages nntgetellt, daß er ihm einen Vorschlag zu einer neuen Rec-kernngsforur auf monarchischer Grundlage unterbreiten werde. Nachdem der Aus» sichuß hiervon 'Kenntns genoimmen hatte, beschloß er mit 9 ,gegen 8 Stimmen die Behandlung der vor der Revolution eingebrachden» Verfassungsvorlagen auf revoltionärer Grundlage wieder-, aufzunehmen. Für diesen Beschluß stimmten die Mtfmnen und die SciIvedcn, dagegen die Jungfnrnen und die dlgrarier.

Amtlicher Teil.

Nttttft und wigeirfchaft.

1 Tarmstadt, 22. Mai. In der .Kunsthalle am Rheintor ist eine G e d ä >cht n i s - An s ste l l u n g für den 1916 in München im hohen Alter von 93 Jahren verstorbenen Kunstmaler Paul Weber eröffnet worden. Weber ist ein geborener Darmstädter. Die voriährige Gedä'hitnis-Äkusstellung im Münchener Glaspalast hinterließ einen starken Eindruck. In der Kunsthalle am Rlwintor sind 150 Oelgemäkde, Zeichnungen und Aquarelle ausgestellt, zum größten Teile aus dem Nachlaß, zum Teil auch aus dem Be­sitze des Grvßherziogs. der Stadt Darmstadt und des Landes* museums stammend.. Landschaften bilben die Hauptsache, daneben Figürliches und Tierstücke.

Airchlrche rrachrr^tssr-

Israelitische veligionsaemeinde. Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage). Samstag 25. Mai. Vorabd.: 8.30: morg.: 8.30; abds.: 9.35 u. 10.15. Israelitische Nelrg?on5gef:llschLft. Sabbat­seier am 25. Mai. Freitag abd.: 8.10; Samstag vorm.: 8.30; nachm.: 4.30; Sabbatausg.: 10.15. Wochen göltest).: iNorg. 7.00, abds. 8.00.

Briefkasten der Neöaktion.

G. N. Die Versetzung in die Etappe oder dergl. kann u. a. er­folgen, wenn die Anaehömgen des betteffenden Kriegsteilnehmers durch die Folgen dos Kr.isges bereits schwer heim gesucht wurden und

Betr.: Gewinnung von Laubheu.

An die Herren Leiter der Ortssammelstellen.

Montag den 27. Mai 1918, nachm. 37» Uhr, findet im Hotel Schütz zu Gießen eine Besprechung über die Gewinnung von Laub- hteu statt. Wegen der besonderen Wichtigkeit dieser Sache ist voll­zähliges Erscheinen dringend erwünscht.

Gießen, den 23. Mai 1918.

Für den Kreissammelausschuß Gießen.

Dr. Alles.

Aufsorderuilg:

Die folgenden Einlagebück>er der Bezirkssparkasse Gießen: lautend auf die Namen:

2) Nr. 41 315 Auguste Müller

b) Nr. 34 471 Elisabeth Groh

c) Nr. 62 930 Dlofa Geißler. Richard Frau sind abhanden gekommen.

Die etwaigen Inhaber der genanmen Bücher werden auf-> gefordert, ihre Ansprüche an diese binnen drei Monates vom Ersck>einen dieser Bekanntmachung an bei uns geltend zu' machen, cnrdernfalls die Kiastloserklärung erfolgen wird.

Gießen, den 23. Mai 1918.

Der Vorstand der Bezirkssparkasse Gießen:

Za cheis. 3MD