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Nr. 118 SWLÜL5 VsLlt

Gießen« Artzeiger (Generai-Anzeiger für Gberhessen) Donnerstag. 23 . Mar 1918

Aus $tabt und CömO.

Gießen, den 23. Mai 1918.

** Ansze ich nun g en. Für hervorragenden Anteil cm den verflossener! schweren Kämpfen wurden beim Inf.- Regt. Kaiser Wilhelm II. mit dem Ritterkreuz des König­lichen Hausordens von HohenZ>ollern mit Schwertern ausge- zeichnet: Major nnd Regimentskommcnrdenr Mansfeld, Leutn L. Res. Geck, Leudn. d. Res. Holzel und Leutn. D Res. Klinger. Kurz zuvor hatte S. M. anläßlich, eines Besuches denn Negiinent seine Airerkennung und Be­wunderung für die Taten des Regiments ausgesprochen. Der Kanonier Anton Baiser wurde mit dem Eisernen .KveNZ 2. Klasse ausgezeichnet.

L. U. Von der Landesuniversität. Dokto­randen der philosophischen Fakultät, die alle Promotionsdedingungen mit Ausnahme der Drucklegung der Dissertation erfüllt haben, kann mit Rücksicht auf die Papierknappheitz ein Zeugnis ausgestellt werden, das zur Führung des Doktortitels berechtigt, aber seine Gültig­keit verliert, wenn der Inhaber der Verpflichtung nicht nachkommt, die Dissertation vor Ablauf einer Irrst von 3 Jahren nach Beendigung des Krieges drucken zu lassen. Das Diplom wird erst ausgestellt, wenn der Bewerber die Abdrücke der Dissertation irr der vorgeschriebenen Zahl nbaelieiert bat

** Vier teljährl iche Viehzählungen. Am 1. Juni findet wieder eine Viehzählung statt. Bei der Wichtigkeit der Erhebung und der Bedeutung der richtigen Erfassung des Viehbestandes für unsere Wirtschaft sei hier nochmals ganz besonders auf die Zählung verwiesen.

** Kein Durchs nchungsrecht für Postpakete.

M er der im Publikum hier und da auftauchenden Meinung, tpakete mit Lebensmitteln von der Post selbst oder der Polizei- bzrv. Militärbehörde auf der Post geöffnet würden, ser folgender neuer Erlaß der Postverwaltung bekannt gegeben:Po-i lizeibeamten oder Gendarmen darf weder die Besichtigung noch die Oeffnung oder TurchsuckMng von aufgelieferten Paketen in den Dienstrmnnen oder auf den Bahnsteigen gestattet werden; auch ist Anträgen auf Auskunsterteilung nicht stattzugeben. Ter Zutritt zu den Tiensträumen ist den Polizeibeamten für derartige Zwecke nicht gestattet. Eine Beschlagnahme aufgelieferter Pakete oder die Auskunftserteilung darüber ist nur auf straf- oder kriegsgericht­liche Asnordnung oder aus Verfügung der Staatsanwaltschaft zu­lässig."

** Der Sauer ft off v erdirbt die Wäsche. Bei der Anwendung von SauerstvsftvasckMitteln ist, wie Professor Dr. P. Herrmann durch Versuche nachgewiesm hat,Sauerstofsfraß" in der Wäsche zu beobachten, mit anderen Worten, die Waschmittel wessen Löcher in die Wasche. Durchsckmittlich ist die SckMigung der Pflanzenfasein (Leinen und Baumwolle) durch aktiven Sauerstoff bei schmutziger Wäsche etwa doppelt so stark wie bei reiner, und etwa dreimal so stark wie bei gewöhnlichem Waschen mit 'Seife ohne Sauerfloffmittel. Baumwolle verträgt mehr als Leinen: bei Leinwand ist die Wirkung der Sauerstoffwaschmittel geradezu ver­heerend. Eine ganze Reihe von weiteren, der Wäsche schädlichen Aetzmittelin soll demnächst von Amtswegen verboten und Zuwider­handlungen unter eine Gefängnisstrafe bis zu einem Jähr (bzw. 10 000 Mart Geldstrafe) gestellt werden.

** Melde samenals Vogelsutter. Bei dem Mangel an Vogelsutter wird daraus aufmerksam gemacht, daß der Samen der wildwachsenden Melde (Atriplex! ein gutes Vogelsutter ist. Landkreis Gießen.

U Lan g - Gi^ns, 22. Mai. Dem Kraftfahrer Wilhelm Böller und dem Musketier Wilhelm Heeb wurde das Eiserne ftreu* 2 Klasse verliehen.

Kreis Alsfeld.

up. R u p v e r t e n r v d, 23. Mai. Die Fuß-Artilleristen Hrch. Meyrer mrd Karl Burg wurden mit dem Eisernen Kreuz uird der Hess. Tapferkeitsmedaillc ausgezeichnet und zu Obergesreiten

befÄckert.

up. AusdemOhmtah22. Mai. Die Apfelblüte ist nun vorüber; die spät blühenden Sorten haben über Psingsten aus­geblüht. Ter Blütenbesatz der Bäume an der Ohmstraße übertraf den vorjährigen bei weitem. Das Abblühen geschah unter sehr günsttgem Wetter, bei Sonnenschein. Die Aussichten für eine reiche Obsternte sind also gegeben. Nur Birnen dürfte es wenig geben.

Slarkenburg und Rheinhessen.

ch. Bingen, 22. Mai. Der Tarifabschluß für Weinbergs- arbeiter in Bingen und Umgebung, der 1916 zwischen der Ber­einigung Binger Weinbergsbesitzer und dem Zentralverband der Forst-, Land- und Wernbergsarbeiter abgeschlossen wurde, ist ver­längert worden. Es gab diesmal wesentliche Lohnerhöhungen für die Wernbergsarbeiter.

Hessen-Nassau.

C r o n b e r g, 22. Mai. Eine teure Pfingftreise ins Gebirg' leisteten sich sieben junge Frankfurter. Als diese nächtlicherweise die Stadt durck^ogen imb dabei ihre Zupfgeigen zu schaurig-schön erklingen ließen, nahm die.Polizei ihnen dieHölzer" ab. Erst gegen Erlegung einer Buße von 10 Mark für jeb-c Geige gab man die Instrumente frei.

Frankfurt a. M., 22. Mai. Beim Baden im offenen Main ertränkender 15jährige Schlosserlehrling Ludwig Fedke rmd der 8jährige Schüler Erich Schirmer. Der Schüler Hans Braun, der beim Baden von den Mainfluten fvrtgerissen wurde tund schon 'untergegangen war, wurde von dem Schlosserlehrlmg unter eigener schwerster Lebensgeähr gerettet.

= Frankfurt a. M., 22. Mai. Am Schlachthof fiel heute früh ein kleiner Knabe in den Main. Ter lljähriae Schüler Karl Dirfcherl, Brückenstr-aße 24, sprang dem Bürsmchen nach, ging aber beim Rettnngswerk 'mrter und ertrank. Der Knabe konnte schließlich von zwei anderen Schülern gerettet werden.

llnii>crfhäts*Tlacf>rid>£en«

Tschechischer Hochmut. Tie evang.-theol. Fakultät in Wien hatte den evang. Pfarrer Karafiat in Prag zum Ehren­doktor ^ernannt. lKaoafiat aber, ein Tscheche, hat das deutsche Ehren­doktorat abgelehnt. Hoffentlich ziehen nun alle deutsch-evang. Ver­eine die Folgerurrgen nnd geben für die evang. Tschechen keinen! Pfennig mehr. Der Evang. Bund unterstützt nur de nt sch- evang. Gemeinden.

Müllersche Badeanstalt. Wasserwärme der Lahn am 23. Mai 19° R.

vermischte«.

* Caruso, der Zivilisator. Neuerdings ist Enrico Caruso, falls die Nachrickcheu aus Neuyork nicht wieder einmal lügen, an Deutschcnsressevei erkrankt. Er soll im Metropolitan-Theater eine Rede in der Toga des Propheten gehalten haben., >vorm er die Vernichtung ibec ,-deutschen Barbarei" durch den Sieg der Zivili­sation verkündete, jener Zivilisation, wie sie die Makkaroni-Esser und die Gummikauer verstehen. Caruso, ein großer .Künstler ttotz seiner gegenwärtigen kakophonischen Arrwandlung, hat einmal gern das Geld der Barbaren angenommen, pnd wird es auch später großmütig in die Tasche stecken, wofern dann dve Deutschen nicht so barbarisch sein werden, ihm die Tür vor der Nase zuzumachen. Wir erinnern uns leider der Zeiten, da grenUe die Carusoverehnrng fauch bei uns) an Ekelhaste. Man merkt sich hoffentlich den Namen für die Zukunft.

Letzte Nachrichten.

Der neueste Bericht -er Heeres leitring.

(WTB.) Großes Havptauartier, 23. Mai. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Im KemmrLgebict hielt gesteigerte Feuertätigkcic an. An den übrigen Kampffronten lebte die Gefechtstätigkeit erst am Abend in einzelnen Abschnitten auf. Während der Nacht

lebhafte Tätigkeit der Franzosen auf dem westlichen Ufer der Avre.

Mchrfach wurden Vorstöße des Feindes abgewiesen tlnd bei eigenen Erkundungen Gefangene eingebracht.

*

Auf dem Kampffeld-e an der Lys wurden unter anderem drei amerikanische Flugzeuge abgeschossen.

Die in letzter Zeit sich mehrenden feindlichen Flieger­angriffe gegen belgisches Gebiet haben der Zivilbevölkerung schwere Schäden und Verluste zugefügt. Militärischer Scha­den entstand nicht. Durch erfolgreichen Bombenabwurf wurde ein großes Munitionslager des Feindes nordwestlich von Abbeville vernichtet.

Paris wurde mit Bomben beworfen.

Der Erste Generalguartiermeister Ludendorff.

Ein Aktionsprogramm der Sozialdemokratie.

Ber lin *23. Mai. TerVorwärts" bringt unter der Ueber- fchriftEin Mionsprogramm der Sozialdemotrotte" dar Entwurf der Kom mission zum Abdruck, welche von dem Würzburger Parteitag beauftragt worden war, auf der Grundlage der heute durch den Krieg geschaffenen politischen und wirtschaftlichen Ver- hälttlisse ein solches Programm auszuarbeften. Der Kvnrmissicm haben angehört die Genossen Auer-München, Kuno-Berlin, Keil- StMgart, König-Tortmund, Londsbevg-Magdeburg, Löbe-Breslau Pätlow-Hamburg und Wissell-Berlin.

Eine Anfrage wegen der Fliegerangriffe auf Köln.

Berlin, 23. Mai. Wegen des Fliegerangriffs auf Köln am 18. ds. Mbs. hat der Mgeordnete Kuck ho ff eine An­frage an dar Reichskanzler gerichtet, ob dieser bereit sei, eine Fest­stellung darüber zu veranlassen, ob und weshalb eine Warnung uid)t rechtzeitig habe erfolgen können.

Der Luftangriff auf London.

London, 22. Mai. (WTB. Nichtanttlich.) Reuter. Amttich. Nach Berichten sind vier von den feindlichen Flugzeugen) die London und das Südostgebiet in der letzten Nacht cmgegriffeH haben, zum Absturz gebracht worden. Es scheint ein Angriff größeren Stils gewesen zu sein. Eine bettächtliche Anzahl Bom­ben wurden abgeworsen, aber bis jetzt liegen noch keine Berichts iiber Verluste und Beschädigungen vor.

Die Angriffe italienischer Flieger.

Rom, 21. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Stesanimeldung. Der Generalstab der Marine teilt unter dem 19. Mai mit: Unsere Wvsserflugzeuge, die in der oberen Adria Erkun-- dungen unternahmen, hatten etwa 15 Meilen westlich von P o l a einen heftigen Kampf gegen zahlreiche Flugzeuge zu bestehen. Ein feindlicher Zlpparat wurde abgeschossen, einer der nnsrigen ge­troffen. Er mußte auf See niäiergehen und wurde von deni Pi- hoten zerstört, der seinerseits von einem Wasserflugzeug ausge­nommen wurde. Am 20. Mai wird gemeldet: In der südlichen Adria ibvmsbardierten rmsere WasserslugMuge gleichAeitig die militärischen Werke von Dnrazzo, Lagosta und von der Insel Curzola mit festgestelltem guten Erfolg. Sie kehrten trotz starkem Llbwehrfeuer sämtlich unversehrt zurück.

Zum Jahrestag der italieniftl>en Kriegserklärung.

Berlin. 23. Mai. Wie dasBerk. Tgbl." meidet. Inetat die italienische Regierung Nnd die KriegsrEvesseitten das Aeußerste lastf .Ulm <den Tag des Eintritts Italiens in den Krieg groß-« artig zu feiern. Offenbar aus Trängeu der Negierung werde an der Fcher auch der englische ThromöLger teiluehmen, der heute in Rvm eintrifft

Die Reguisition der Getreideernte in Italien.

Bern, 22. Mai. (WTB. Nichtamtlich.) Ein Dekret ordnet für iJtaliÄr die Reguisition der gesamten Getreideernte^ abzüglich der für die neue ^Aussaat und zum Selbsw erbrauch der Produzenten notwendigen Mengen an.