Englische Lügenachrichren.
y A m ster dam 25. yt&nt. (WTB.) Nach einer 3teutenmei* comi} iyus Ämrdon wurden, in England offenbar sehr übertrie- biene Gerüchte über' den Erfolg des engllschen Angriffs aus Kwrügge verbreitet. Zn rückgekehrte Matrosen des Angrisfsge- schtaaders sollen u.a. erzählt haben, daß alle Geschütze, Schuppen uuo Mumtionsvorräte ans dem Hasondamm zerstört worden feien Mnz«rne Matrosen versick-ern sogar, daß die Deutschen bei ihrer Landung gerufen hätten: „Tie Amerikaner kmnnren!" und davvn- QBunifeii seien. C&3 wird auch behauptet, daß die Schlertseittore in vieLuft gesprengt wurden. In den Hasen eingedrungene englische Zerstörer sollen einige verankerte deutsche Zerstörer geentert haben, Msvauf die an Bord befindlichen deutschen Matrosen erschlagen wur- fcwn. Ein deutscher Zerstörer, der zu fliehen versuchte, sei gerammt inü) tn ztvei Stücke zerspalten worden. Die Pressekommentare sind dementsprechend begeistert.
(Das Wolffsche Bureau bemerkt hierzu: Reuter spricht gxrr selbst von „sehr iiDert riefraren Gerüchten", verzeichnet aber c« fcingesponnenen Erzählungen glücklich hcrmgekeprter )Natrosen rmt sichtlichem Behagen.)
Noch eine amtliche deutsche Feststellung.
Berlin, 25. April. Amtlich. Nach Reutermeldungen sollen Nach 'England -urückgekehrte Leute der Lan- dungsri b te ilung .des gegen Zcebrügge eingesetzt gewesena: .«grckfsirech^vaders «rusyesagt haben, daß alle Ge,'.stütze, 'Schiffe
MunrtlonÄvvrrLte auf l>em Hafardamm zerstört und dre schleuse, rtore m die Lnft gesprengt worden seien.
Diese Behaupttingen sind von Anfang bis zu Ende frei er- jTiin!ben, außer der^ geringfügigen, bereits ausgebesserten Zerstörung tan der ?7äolenverbindung lxrben die Engl linder durch ihre Unter- n^bmung nicht das Mindeste erreicht. Es ist nicht eine einzige der Es der Rtole kresindlichen militärischen Eiurichttmgen auch nur in Mitleidenschaft gezogai worden. Bis auf die bereits gemeldete lachte Beschädigung eines einzigen Torpedobootes sind auch keinerlei Zerstöruibgen .an rrgendeffrem U-Boot, Torpedoboot oder tnnftigem Fahrzeug erreich worden. Auch an die Schleusen ist der Feind weder nrit Sprengungen noch durch .Geschützfeuer yrnargei'ummen. Tie gefanrten Hafeneinrül^tungen Zcebrügg-es sind vielmehr völlig unversehrt und voll betriebsfähig.
Na ck Gefangenenaussagen hat der Feind das gleich Unternehmen bereits viermal durchzusüstwen versucht. In der Wachsamrät unserer Vorpostenboote und unserer Batterien sind sie aber rweSnurl zur Umkehr gezlvungen worden. Wenn es ihnen diesmal verang, an die Angriffsziele näher heranz-uÄmmen, so verdankt Der Feind dies dem Zusammentreffen für ihn besonders günstiger umst ände. pierbti spielte das neblige Wetter und die Windrichtung' trm enticheidaide Rolle. Letztere führte der in größerem Umfangs verwendeten künstlichar Nebel vor dem Angreifer her immittelbar jtmf die Angriffsziele zu. Unsere Abwehrmittel kontrten daher erst m Tätigkeit treten, als der .Kreuzer „V i n d i c t i ö e" aus nächste Erttsermmg in^ Sicht kam. Ihre Wirkung setzte dann mit solcher PMrcht ein, daß es dem Kreuzer bei aller Anerkennung des von seiner Führmtg gezeigten seemännischen Geschicks nicht gelang, die Pär die Unternehmung bestimmten vier Konipagnien Seesoldatem W landen. Tie wenigen Leute, denen es unter Führung ihreÄ MMzrcre möglich war, auf der Mole Fuß zu fassen, wurde von der topsevm Verteidigung medergemacht oder ins Wasser ge- worsen bis auf etwa 12 Manu rmd einen Hauptmonn, die sich als befangene in unseren Händen befinden. Mit ihnen sielen zroei Marrrmemva-fer, zivei Maschinengewehre und sonstige Nahkampf Waffen in unsere Hände. „Vrndietive" rmtßte unter dem vernichten bat Fener vielmehr wieder von der Mole abbiegen.
Die zur Sperrung der Kanalnnfahrt bestimmten .Kreuzer v?urdei;i gleichfalls beim Hevaustreten aus d-enl Nebel unter verachtendes Feuer genommen. .Es gelang daher, sie zu nt «Sinken zu bringen, bevor sie die für die Spren-
t unq angestrebten Plätze erreicht halten. Die von * Engläi^ern mit schwerem Personal- und Material opfern ein- tsat&xn Mittel haben dennoch in keiner Meise den Erfolg erzielt, den der Feind erhofft hatte. Insbesondere ist seine Absicht, die iMchchrt W unseren U-Bootsstützpunkten zu sperren, vereitelt dmrden. Reuter ncag mit Recht die Unternehmungslust und die Tapferkeit der an dem Unternehmen beteiligten Engländer loben. WvS vermag er aber die Genugtuung darüber nicht zu nehmen, daß dank der Tapferkeit unserer Bertadiger der Gegner sein Ziel nicht erreicht hat.
Die österreichisch-ungarische Hilfe im Westen.
Berlin, 25. April. (Priv.-Tel.) Die Gerüchte, daß Verschiebungen österreichisch-ungarischer Trup- frtn nach dem Westen stattgefunden haben, sind, wie aus »vderlässiger Quelle bekannt wird, aus der Luft ge vriffen.
De«tfche Gerichte für Flandern und Waktonien.
Brüssel, 24. April. lWTB.) Durch gemeinsame Vervrd- tosatQGt des Genevaigouverneurs und des Generalguartiermeisters werden für Flandern und Wal lonien d eu t s che G eri cht e Soingesetzt. Der Artende Gedanke bei der Neuorganisation war bei m5glirf?ft sparsamer Persönalverwendung in Straffachen die Be fd&äutimci cur das im Interesse der Aufrechterhaltung der öfsent lrchen Ordmmg Notwendige, in Zivilsachen der Schutz der privat «chlluhen Interessen der Deutschen, Verbündeten und der Neu- tvÄen. Es .verden deshalb Kaiserliche Bezirksgerichte eingerichtet, die materiell nach den Landesgesetzen oder unter Anwendung des Varffchen Prozeßrechtes in Zivil- und Strafsachen urteilen werden. Dre Justiz Verwaltung liegt wie bisher in den Händen des Bcrwal- dOrgschess.. Die Bezirksgerichte smd mit Eftczelrichtern besetzt, nur bas, wv es sich um eine mit dem Tode oder mit einer FreihmlMrafe von über fünf Jahren bedrohte Straftat handelt, erfolgt die Ent- tzch^ung tn emer Besetzung mit drei Richtern. Das Ermittlungs- v^ahren liegt in den Händen der Staatsanwaltschaft, die aber die nur da erhebt, wo dies im öffartlichen Interesse geboten ist Mihrcud eine Berufung in Strafsachen nicht statt- ßrndet. gibt eS in Zivilsachen eine solche bei einem Streit- W^, der 5(JOO Fr. übersteigt, lieber diese Berufung entscheiden die SvarfeNrchen Obergerichte m Brüssel mrd Nannrr. Wichtig ist, daß nun au ein in Deutschland vollstreckbarer Tftel auch in Flandern und Wal lonien vollstreckbar ist und daß in dai größten Städten für die Vertretung der Interessen der Deutschen, der Ver- »üvdeten und der Neutralen Beamte Parteivertreter und Justiz- Kv-lmmssarc bestellt werden. Die Einberufungen für die neuen Gerichte werden in der nächsten Zeit beendet stm.
Die Reform des englischen Oberhanscs.
L o n d o n, 25. April. lWTB.) Der Bericht Lord B r y - 'cesüberdic Reform derZweitenKamm er (Ober- Haus) ist heute veröffentlicht worden und empfiehlt, daß Hie Zweite .Kammer aus zwei Abteilungen bestehen solle. Die «Hr Abteftnug soll aus 246 Mitgliedern bestehen, die auf Mrrmd von Listen aus Unterhausmirgliedern (by panels of prember commons) eingeteilt in geographische Gruppen, ge- «AUt werden sollen, die andere Abteilung aus Personen, die Hnvch gemeinsame Kommission beider Häuser gewählt wer- sollen, rhre Anzahl soll einschließlich der Mitglieder, die Von Amlswegen der Zweiten Kammer angehören, ungefähr ein Viertel aller Mitglieder der Zweiten Kammer betragen. Ss wird empfohlen, daß die Wahlperiode der Mitglieder der Lwerten Kammer aus zwölf Jahre festgesetzt wird, und zwar, daß ein Drittel der Mitglieder in jedem vierten Jahr aus- jchiidet. Die Neuernennungen sollen durch Wahlen vorge- »mmttt werden. Wenn sich eine M ein ung s ve r schiebe n heit zwischen den beiden Kammern erhebt, soll bas betreffende Gesetz einem freien Ausschuß von 30 Mid- »lwdern beider Häuser übenoiesen werden, um eine Verständigung herbei zu führen. Wenn die Vertreter von Irland errbezogen «oerden, lvürde die Gesamtzahl sich um 27 Mid- -lreoer erhöhen und auf ungefähr 273 steigen.
Der Friedensfchluß mit Rumänien.
. Berstin, 26. April. Staatssekretär v. Kühlmann ist über Wien nach Bukarest gereift. Wie die „Deutsche Tageszeitung" aus parlamentarischen Kreisen erfährt, wird unmittelbar nach dein Abschluß des Friedensvertrages mit Rumänien der Reichskanzler im Reichstag illrer die politische Lage sprechen und sich dabei eingehend mit den durch den rumänischen Friedensschluß erreichten Abschluß der gesametn Oftfragen für Deutschland befassen.
Die Schwierigkeiten des Kabinetts Seidler.
Wien, 25. April. (WTB.) Wie die „Slawische Korre spvndeirz" meldet, hat sich eine Abordnung des tschechischen Verbandes und des südslawischen Klubs Kenn Mrnisterpräsidenten Dr. v. Se i d le r einaesunden, um lhn zu fragen^ ob die deutschbürgertichen Parteieir tat sächlich der Regierurrg einseitig nationale und auf die Der- solgurcg der Tschechen urrd Südslawen gerichtete Forderungen vor gelegt haben und ob der Mirn. \ terpräs ib ent gewillt sei, sie erfüllen. Ministerpräsident v. Seidler gab zu, daß über die bekannten Fvrderuirgen verl-andelt worden sei, erklärte jedoch, daß bisher keine Entscheidung getroffen worden sei. Bon Ungerechtigkeiteii gegenüber irgendeinem Bollsftanrm Wrne hierbei selbstverständlich keine Rede sein. Dce Abordnung betonte, daß jedwede Verfolgung ihrer Volksstäinuve und die einseitige Erfüllung der deulschbürger- licheri Forderungen auf stärksten Widerstand stoßen und den Bestand des Parlamentarismus in Frage stellen würde.
Wien, 25. April. (WTB.) In der gestrigen Sitzung der deutfchradifalen Pertei isternstimnr^g folgendeEur- schlleßung angenommen worden: Die deutschraditale Partei kam: nur eine s-olche Regierung uirterstützen, die erstens eine Bürgschaft bietet, daß die auswärtige Politik von dem verantwortlichen Minister des Aeußemi unter Llus- schluß aller Beeiirflusstritg von urrverantwortlicher Seite in der^bisherigen Richtung im engsten Eirwernehmen mit dem verbündeten Deutschen Reiche weitergefühitt werde und zweitens die Selbstandigbeit und die Selbstverwaltung Deutschböhmens unter Durchführung der nationaleri Abgrenzung verwirklicht wirb.
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Die Neubildung de- ungarischen Kabinetts.
Budapest, 25. April. (WTB) Blättermeldungen zufolge durfte die Kabinettsbildung unter dem Ministerpräsidenten Josef S^terenyis auf der Grundlage erfolgen, daß der Gesetzentwurf über die Wahlreform erst im Herbst im Abgeordnetcnhaiis verhandelt werden soll, tedoch^müßte die Regierrrng die GÄvähr bieten, daß, falls ^ gelingen sollte, den Gesetzentwurf in der jetzigen Form rm Parlamente durchMrdringen, das 'Haus aufgelöst und Nemvahleir angoordnet rverden sollerr. Die sogeicamite-n Wahlrechtsparteien des Abgeordnetenhauses haben dem Vorschlag zstigestimmt. So wird der ernannte Mllnsterpräsident vermutlich sckp>n nwrgen in der Lage sein, die Ministerliste dem Karser zu unterbreiten.
Aus dem Reiche.
Hindenburg und die Presse.
c er ^ Eiril. (WTB.) Die besonders um
saffende Werbetätigkeit des Vereins deutscher Zeitungsverleger für die achte Kriegsanleihe wurde von .Hlndenbürg in folgendem Telegramm anerkannt. „Aus dem mir überreichten gesammelten Werbe- m 1 ' ?^t en Kriegsanleihe ersehe ich den Anteil, wel- cherr der Verein deutscher Zeitungsverleger an dem glänzenden Ergebnis dieser Kriegsanleihe hat. Für die erfolgreiche Mitarbeit an den Aufgaben des Heeres durch den Verein deutscher Zeitungsverleger, die hierin erneut zum Ausdruck kommt, bitte uh meinen Dank enlgegenzunehmen."
Die Führer der Parteien bei Staatssekretär v. KÄHlmann.
Berlin, 25. April. Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Dr. v. K ü h l m a n n machte heute den Führern der Parteien des Reichstages vertrauliche Mitteilungen über die Bukarester Berhaiidlungen. Nachdem er geschlossen hatte nahm der V i z e p r ä sid e n l D r. Paasche das Wort, um dem Staatssekretär für seine Ausführuirgen zu danken urrd rm Namen der anwesenden Abgeordneten dem Bedauern und dem Unwillen darüber Ausdruck zu geben, wie von der (n - u * i y> e n 3 c i t u tt g" gegen den Staatssekretär des Auswärtigen Amtes mit persönlichen Verdächtigungen vorgegangen werde. Er sei überzeugt, daß keiner dem widersprechen werde, daß dieses Sineinziehen versön- licher Verhältnisse rn den politischen Kamps mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden müsse. Diese Aus- führun^nr wurd«i imL lebhafter Zustimmung ausgenommen. Im Anschluß gab der Vizepräsident persönlich sein lebhaftes Bedauern darüber kund, dag ans die glnche Weife auch eines der kenntnisreichsten und fleißigsten Mitglieder des Reichstags in der gehässigsten Form angegriffen werde. Die Zeitungen aller Richtutigen hätten sich ja auch schon dagegen gewandt, daß man in dieser Weise das persönliche Gebiet in den politischen Kamps hinemziehe.
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Mb. Deutscher Reichstag.
153. Sitzung. DwmcrStag den 25. April 1918, nachmittag IM, Ufe Emgegangen ist ein Begrüßungstel«Mmrm des ungarischen Mia grvatenhau ses, rn dem Mts die unerschütterlickie Bug des treue b~r Mtttelmachte hmgewiesen wird. Ter Reichstag wird in gleichem Sinne antworten. ^ ^
Die Getränkefteurrn.
Dritter Tag der Stenerrrussprack-e W handelt sich um das Gesetz über den Bierzokl, das Wei 2 i^ -euergesetz, cne Aendernng des Dachaumweinsteuergesetzes die Besteuerung von Mineralwässern, die Erhöhung der Zölle für Kaffee Tee, Inkao und Sck)okolade und um das Branntweinmonopol
Wofern: Tie neuen Steuenr sollen 124° Milltouen Mark mehr emünngeu, als die bisherigen, so daß wir in Zukunft auf diesem Gebiete 1600 Millionen Mark einnelmiew würden. Ich würde mach -aufrichtig freuen, wenn die 1600 Millionen bm vierten Teil der llurftigen Reichssteueru darstellen würden xer Schatzsekretär wendet sich dann den einzelnen Getränkcit'meus zu. Wegen des erschwerten und niedrigen Betrages bei der Malz- mußten mir zur Fabrikationssteuer beini Biere ülxrgehe'i Beim Boauntwevi drängte die ganze Entwicklung auf das Monopol tun. Wrr schlagen eine Verstaatlichung der Spirituszenttale vor ^ie durch das Monopol betroffen werdenden Angestellten und Arbeiter Men angemessen entschädigt rverden. Beim Wein schlagert wir ec ne Weinsteuer vor. die wir möglichst wertali vom Prodiizenten und möglichst nahe an den Verbraucher verlegen uwllen. Einzel- stauten, die Wein versteuern, müssen m\ die Besteuerung verzichten und dafür eilte Entschädig,mg erhalten. Durch die Besteuerimg, der Zbellerbestände werden die seln großen Weimiersteigerungen der letzten Jahre noch nachträglich zur Weinversleueruikg herangeM>gen_ Die SchaumweinsiDier ist aus einen Einheitssatz von 3 Mark erhöht ivorden. Tie Steurer cmf Mineralwässer und Limonaden wird von den ^Brauereien als Ausgleich gesordett. An die ErlMmg der Zölle auf Kaffee, (Dqe luud KaLao hätten wir am Schlüsse des Krieges unter allen Umständen Herangehen müssen. Wir müssen jejft ganze Arbeit machen, damit man nicht bei der Gesamtabrerp- mniä «noch vinmal kommen Muß mw Mcüverk gemaclft hat (Beifall.)
? Adg .Herold: Die Staffellmg der Biersteuer begrüßen wir im Interesse der kleineren und mittleren Betriebe. Ihre i'lrt muß noch geprüft werden. Gegen die W-ünsteuer habeir wir keine Bedenken. Die Schaumweiusveuer wirb leicht getragn: werden. Die Slauer auf Mftveralwässer könnte der Zwischnchandel übernehmen. Der Kaffee verbrauch wird durch die Zoller Höhung stari' zurück- gehen, da sich die Bevölkerung an die Ersatzmittel' gewohnt hat. Durch das BranTrtweiumonopvl wird eine große Anzahl selbstäu-- diger Existenzen vernichtet werden. Die Beiteuerung ist im Ber- HÄtnis zu den Erzeugungskosten ganz außerordentlich hoch. Unsere SteuervcrhLltnisse sind gesund. Die Besitzsreuern im Reich müssen rvock» mehr ausgestaltet werden. *
Afrg. M ü l l er- Reichenbach (Soy.): Vom Bier als dem flüssigen Brot ist heute nicht nuchr zu reden. Die Geränkesteirern nehmen keine Rücksickft auf das schwerbcdrängte Gastwirtsgewerbe. Der fünfte Teil aller Weinräusche wird künftig in die ReichÄasse stießen. .Die Weinsteuer geht an eine Kommission.
Abg. Tr. Blunck (F.Vp.): Die Erfahrungen mit den Kriegs-- gesellschaften haben die Sympathie für Vionopole erheblich abgv- kühlt. Wir werden dafür sorgen müssen, daß das BranTttwernsi mmwpolffncht einseitig vom agrarischen Standpunkt aus behandelt wird. Die Kartoffeln dürfen nicht zur Erzeugrmg von Spiritus vertvendet werden. Die Weinsteuer halten wir für die beste. Mit der Fabriksteuer beim Bier sind wir einverstanden, auch der Bestem' 0 - rung alkoholfteier Getränke sämmcn wir grundsätzlich zu.
^lbg. Sch uleuburg (nätl.): Die klemen Brewiereien müssen geschützt werden. Die Weinslruer erscheint ims für die lleinech Weine zu hoch. Gegen die Besteuerung der Frilcht- und Beeren^ weiiie l)aben wir Bedenken. Die Bierpreise sind so hoch gcstäe.gen,. baß ernte petitere Steigerung aus volkswirtschastlickxm Gründenj nicht erwünscht ist. Der Gerstenpreis sollte herabgesetzt werden, um eine >vettere ,Vetteuerung des Bierpreises lnntwrzuhallen. Gegast tne Steuer aus Mineralwasser und Limonaden haben wir die allerschwersten Bedenken. Der Schaumweinstcuer stimmen wir $u, ebenso der Zollerhöhung aus Kaffee, Kakao und Tee.
Abg. Dr. Roesicke (kons.): Beim Bier ist die Fäbrikatsteu.er der einzig mögliche Weg. Es ist zwar unMrgenehm, Kaffee und Tee. zu öerteuem, aber diese Lasten sind zu erttagen. 20 Prozent Steuer auf den Wein sind außerordentlich hoch, mmi sollte nicht über 10 Prozent gehen. Die Weinsteuer muß ur,bedingt vom Winzer weg urrd nur auf den Verbraucher gelegt werden. Es ist unrichtig, wenn behauptet wird, daß das Brannttveinmmwpol nach agrarischen Wünschest gestaltet sei. Die Landivrrtschaft hat nur das Interesse, die Kartoffeln möglichst gut yn verwerten. Ohne Alkohol, kommen wir nicht aus, schon vom Standpunkt der Hvgiene aus. Es wäre sehr bedenklich, wollte man dieses wickstige Gewerbe zerstören. In dem zu schaffenden Beirat müssen auch die Brerrnereien Einfluß erhalten.
Abg. Wurm (U. Soz,.): Bei den vorliegenden Steuergesctz-' entwürseil legt die herrschende Masse den Bel>errschten die Lasten, mff. Das Branntweinmonopol ist eine Liebesgabe an die Brenner. Dem idroht: jetzt .eine große Gefahr durch das Kalzium karbid, aus dem man Alkohol machen kann. Darum wurde rasch das Monopol geschaffen.
Abg. Mumm (D. Fr.): Man darf tne Steuer Vorlagen nicht nur nach ihren Erträgen beurteilen, sondern mich nach ihren Wirkungen auf die Vvlksnürtscliast. Adolf Wagners Gedanke von der: Bedeutung der Morivpote ist mm zum ersten Male verrvirllichd Beim Branntweinmonopol sollte man die Entschädigungen nie!# ratenweise, sondern aus einmal zahlen.
Die Aussprache schließt. Damit ist die erste Lesung sämllickicr Steuervorlagen beendet. Die Umsatz-, .Besitz- mrd Verkehrssteuern gehen an den Hauptausschuß, die Geträrrkesteuern au eitlen Ausschuß vort 26 Mitgliedern, haS Branntweinmonopol an einen besonderen Aussä)ub.
Freitag 1 Uhr: Anfragen, Bittschriften. Sckstuß' 7 Uhr. Berlin, 25. April. (WTB ) Der A e l t e st e n r a t de^ Reichstags beriet heute den Arbeitsplan für ditt nächsten Tage. Matt einigte sich dahin: Am Freitag diesen Woche sotten die dem Ausschuß für Handel und Gewerbe überwiesenen Petitionen aus die Tagesordnung gesetzt werden. Samstag, Montag und Dienstag der nächsten Woche bleiben sitzungsfrei. Der Mittwoch und Donnerstag bleibt der Beratung sozialpolitischer Gesetze Vorbehalten. Freitag und Samstag bommt der Haushalt des Reichswirtschaftsam- tes zur Beratung, anschließend daran Aiontag nächster Woche und in den solgertderi Tagen die Fragen der Üebergangswirt- chaft usw.
Aus Stadr und
Gießen, den 26. April 1918.
Nprilwetter.
Dürrer April, ist des Bauern Will, sagt eine alt Bauernregel. Damit lvar os dieses Jahr nichts. Seit 'Tagei hängeii schwere Wolken am Himmel, der Regerl llatsch vom Winde getriebeil wi'.der die Scheiben Mid die frischen Lartgrünen Blätter der Bäume und Sträucher hängen mat herab, gleichsam fröstelnd. Auf die ersten warmen 'H-riltage die verführerisch das junge <^rün hervor lockten und in derer Sonnen glanz sich Schnee glöckck)en und 'Anemonen leicht in Winde rrftegteu, ist der übliche Kälterückschlag ein getreten eirverttTeil der Obstbaumblüte unliebsam überraschend. Wi jedoch aus allen Teilen des Reiches berichtet wird. l>aben di- Nachtfröste nirgends ernstlick>en Schaden an gerichtet. Di Kältrperiode sck)<eint überstanden zu sein; dafiir liegt abe eine andere Gefahr in der allzu reichlichen Regenmenge die den Sämereien und Krvollengewächsen schaden kamt Wärme tmd vor allem Sonne wärert jetzt dringend zi nmnschen, damit nun, wo die Erde mehr wie gettügeni Feuchtigkeit aufgenommeu l>at, die Samen mrd Ge'.vächst zur Eiitwicklung kommen tönrten und nicht im Schlamn ertrinken. Bon jeher war der April als ein rauher Bursch ohne Rücksichten bekannt: das unfreundliche, nasse Wette darf uns daher nicht allzusehr verwnndertl. Auch dauer es ja nur noch wetttge Tage und der Mai, der eigentlich Lenzmonat, hält seinen Eirtzug und mit ihm hoffentlich eil blauer Himmel, lichter Sv-irnienscheiri, Vogelgesaiig und di- ganze Pracht des üppig blühenden Frühttngs.
Starkkuburg und Rheinhessen.
Fc. Aus dem Rheingau, 24. April. Das Austreiben de Reben hat bereits begonnen. In geschäftlicher Hinsicht machen sic! jetzt vor allem die Weinbergvinsttigerungen geltono, die sehr gu abschließeu, meun auch bis jetzt die Preise durck-aus dem Bcrhältui- der vergangenen Jahve entsprechen. Ter freihändige Verkauf if ruhig. ^
Kreis Wetzlar.
rc. Niederguemboch (Kreis Wetzlar),' 23. irhpril. Leut uant b. Res. (Semömrilt) Wilhelm Zimmer mann starb io Alter von 21 Jahren den Chreutod.
Dessen-Nafsau.
mr. Frankfurt a. M., 26. April. Die Reichsstelle sü' Gemüse un.d Obst l>at die Preise für das Gemüse in diesem JalW für die Städte Hanau und. Kassel höher festgesetzt wie für Frankfur a. M. Es besteht nunmehr diie Gefahr, daß Frankfurt uamentliö Mts den außer preußischen G'bieteu kein Gemüse :nehr erhält, dal eine starke Ablvanderung nach den Städten mit höheren Preise erulriU. Der Magistrat protestierte deshalb aus Beranlassun. der Stadtvcrordneteitverstrmmlung -ohne daß bisher eine Aetlde rimg von seiiteu der Reichsstelle eingetreten wäre.
Hacl>rtd>tc.8»«
Israelitische Neligionsgeineinde. Gottesdienst in der Shnagog (Süd-Anlage). Samstag 27. April. Bvrabd.: 8.15: morg - 8 30 abds.: 6.50 u. 9.30. — Israelitische «ellgiourgesellschast. Sabbat
87. April. Freitag afrd.: 7.35; Samstag vorm.: 8.30 hacym.: 4 30: Sabbalmtsg : 9.30. Wochengott^enst: Morg. 7.00 abds. 8.00.


