Nr. 93 Zweite; Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Montag. 22. April (9(8
Mt). Deutscher Reichstag.
149. Sitzung, Sonnabend den 20. April, nachm. 3 Uhr.
Tie Reichspostverwaltung.
Die Aussprache wird fortgesetzt.
Abg. Kuriert (UnM). führt Beschtverdc über Ber-
letzmrg des Postgeheimnisses in .Halle. .
Staatssekretär Rüdlin: Die vollziehend« Gewalt ist im Kriege in der Hand des Militätbes-ehlshobers. Tie Zivilbel-örden haben nicht zu prüfen, ob dessen Anordirungen anwendbar sind oder nicht. Das Reichsgericht l?at auch cutsckstckden, dass der Militär- befelsts Haber aus eigener Machttwllkommenhett im Jtrtevesje der öffentlichen Sick-erheit Verbote aller Art erlassen kann.
Llbg. Kiel (Fortschr. Volksp.^ waritt davor, dm Titeln zu viel Bedeuttmg beizulegen. Dmwn wird keine Brrefträgerfamrlle satt.
T>amtt ist die Anssprache über die Postverwalttmg erledigt.
Beim Haushaltsplan der Reichsdruckerei bringt Abgeordneter Tr. Q u a r ck (Soz.) Gehalts- !und Urlanbstvünschc der Arbeiter vor.
Verwaltung der Reichs eisenbahnen.
Mg. Co st mann (Ztr.): Tank gebührt, den Essenbahnern für ihre oufopseruugsvvlle Tätigkeit. Länder wird.das Perional sehr 77vangel!xcft ernährt. Einer Nachprüfung des Vertrages mit Normer Hobbing stimmen Wir zu.
Abg. Fuchs (Soz.) führt BesckMcrde über Passschmerigkecken. Ist die Verteuerung der Schnelkzugszuschläge als dauernde Ern- richttmg g^>ackst? Dtrrck> den Vertrag mit Reimer -Mobbing sind Millionen zwecklos verschenkt worden. , ,
Abg. Haußmann (F. Vp.): Ueber den Eisenbahnmotwpol- Rellamevertrag nrit der Firma Reimar Hvbbing hat auch dea ReickMag mitzureden. Dieser Vertrag muss Bedenken erregen. Schon das Stalkesche Monopol ist lwchst weitgehend. Tae Presse überhaupt, ohne Rücksicht auf die Parteirichtung, ilt dura) Dtc)c ^Ronopolisierung stark in Mitleidenschaft gezogen worden. äw Firma Hvbbing hat die N. A. Z. mit 3000 Abonnenten übernommen, jetzt sind es 15 0O0, meist Zwangsabotmcnten m den Aemtcrn. Herr Hobbing besitzt mrsserdem sck-on ein VerlagdmonoPol für anrlliche Verlustlisten und für alle Schriften d?s Kriegsernahnnig^- amtes: auch der „Reichsan-eiger^' wird von Hobbmg gedraickt. Die ganze Sache soll aus den Vortragenden Rat im Muicsterauni des Jmaern Berger znrückzuMren sein, der früher Redakte ur u n Verlag Hobbing war. Wir erlubm Einspruch gegen dresen vertrag und beantragen seine Nachprüfung. ^ ^ ~
Abg. Schwabach (Natl.): Durch die Verblutung ber ve A. Z. in den Eisenbahnobteflen, von idenen sicher 200 000 tm Betrieb sind, ttnrb eine grosse Vermehrung der Anzeigeii dieses Blatte^ eintreten. Mich die polititck-e Richtnng, die der Verlag Hol'bing vertritt, wird dadurch wirk-ani Norden. Der Vcrttag stellt temc glückliche Lösung der Eisciibahnreklamesiage dar.
Minister v. Breitenbach: Die Reick^iseNbahnverwallung hat für die Nöte und Sorgen ihres Personals ein warmes, Herz. Tie Beamtengehälter werden nach dem Kriege in einer Wesse ge regelt werden, dass die Stellung des Bcamtensixmdes rm Staate sich aus der Höhe hält, die ihnr gebührt. (Beifall.) Für die Arbiter werden Anzüge uub Schuhe beschsssl werden. Tie Bezrrrsaus- schiisse haben in Lohntagen der Vettvaltnng wertvolle Unterstützung geleistet. Der Vertrag mit Reimar .Hobbing hat keinerlei ^wlitisä-en Beigeschmack. Unser Ziel war nur, durch die Reklame ein crlMiches 'Stück Geld etnzunehmen. Politische Zeisschrrsten und Zeitungen dürfen in die Züge nicht eingelegt lvcrden. Ueber die Art der Reklame weiLe ich Besttmmnngen treuen.
Abg Werner- HerSield (D. Fr.) bringt Becrmtcnwünsckst vor.
Sckstuß W Uhr. Rioittag 3 Uhr: Weiterbevati,ng. ReichSeiscn- bahmrmt, Reichstag.
begegnen, hat es sich als ersordetlich l>erairsgestellt, den Eisenbahntransport aller von der Reiclssgetreidestelle bewirtschafteten Gitter unter eine besondere Uebeitvachung zu stellen. lUn eine Grundlage für die Zbontrolle zu schaffen, wird bei allen Bahnsendungen von Getreide, Hülsenfrücksten, Buchweizen, Hirse sowie den Erzeugnissen wus diesen Früchten durch Verordnung des Staatssekretärs des Kriegsernälwungsamts die Teklorottonsps licht eingeführt. Wer die in der Verordnung näl>er bezeickriteten Güter mit der Eisenbahn in Wagcnladrmgen, als Stückgut oder als Expressgut versendet, hat dm: genauen Inhalt der Sendung auf dem Frachtbriefe oder dem sonstigen Beförderungspapier (z. B. der Eisenbahnpaketadressc ber Expressgut) anzug-eben. Um der Eisenbahuverwaltung die Prüsung zu erleichtern, ist un § 1 Abs. 2 für die selteneren Getrerdeartcn, ferner für die Hülsenfrüchte, für das Gemenge und die Erzeugnssse aus Getreide und Hülsenfrüchten die Beifügung eines Kentrwortes auf dem Frachtbrief oder dem sonstigen Bejördernugspachere vorigesehen. So hat der Versetrder bei Versetzung von 0)emenge atts Getreide, auch in Mischung mit Hülsen, rüchten, sowie bei Spelz — Dinkel, Men — Einer, Einkorn die Bezeichnung „Getreide , ber Hülsenfrüchten die Bezeichnung „Hüsseufrüchite", bei Erzeugnrlsen jaus Getreide die Bezeichmmg „Erzengtrisse aus Getreide' und ber Erzeugnissen «tü§ Hülsensrüchten die Bezoichirnng „Erzeugnisse cur? Hülsenfrücksten", bei Frischten, die zur Aussaat bestimmt siud, die Bezaichrrung „Saatgut" lstnzuzusügen. Tie wissentliche irnd dre fahrlässige Verletzung der Deklarationspslicht fällt unter dre Strafe des § 2 der Beiordnung. , ^ ,
** Die Anstellung der Post- und Telegraphen- g e h i l f i n n e n. Ueber die Anstellnny der Post- und Telegraphen- gehilfssmen hat das Reich?--'Postamt rume Bestimmungen m Me Tien stau Weisung arlsgenonimeir. Die kündbare Airstellung b-cx Ge- hilsinnen ist in eine unkündbare umznwandeln, wentr sie sich ern- tvandfrei geführt rmd eine GesamtdienstFeit von 15 Jahren zurück- gelegt haben. Dabei ist aber der Vorbehalt M macken, dass rm ssalle der Verheirattrrrg das Dienstverhältnis mit dem Tage der Eheschließung ohne toeüeres aufl)ör-t, Tie Versiigung wrrd an die Gehilfinnen persönlich. gerickOet. Bei der^Berock/nung der Trosst- zeit nnrd die Zeit in der etatsmässigen stelle und swe Trenstzett l-erücksrchtigt, die für die etatömässige Anstellmrg anrechnungssahrg ist. Wenn Post- oder Tel egra plMrgelstl sinnen in chretn drenst- lick«n und ausserdietistlichen Verhalten nicht befriedigt liaben, so srnd sie so lange von der imkündbaretr Anstellung auszatschkliessen. bis keine Bedenken mehr bestehen.
Ans SLa-L Land.
Gießen, den 22. April 1918.
** Arni lr che P e.r son -a 1 n achrich 1 en. Ter Gross- Herzog emofina zum Vertrag: deir Staatsminister Tr. von Ewald, den Minister des Innern Tr. von Hombergk zu Dach, den Vorstand des Kabinetts Wirll. 0>ehünrerat v o n R ö m - Held. — Ter Gross Herzog hat dem Bricsttäger Konrad Gr eb Ln Butzbach das Allgemeine Ehrenzcickien mit der Inschrift „Fiir langjährige treue Treuste" vecklieheir.
** Verteilung von Leinennähzwirn. Die Reichs- beveidungsstelle veröffentlicht eine Bekanntmachung über Verteilung von Leinenmihzüvirn. Mit Rücksicht auf die geringe zur Verfügung stehende Menge können nur Verbraucher, nicht auch Verarbeiter, berücksichtigt werden, und auch mix solck^c Verbraucher, die nach näherer Bestimmung des Kommunaloerbandes. infolge ihrer wirtschasilick)en und sozialen Lage durch besonders starke Inanspruchnahme ihrer Kleidung (z. B. dirrch schwere Arbeit) den Zwirn zur Instandhaltung der Kleidung besonders nötig haben. Diese Verbraucher erl>alten vom zuständigen Kommunalverbandc einen Bezngsausweis ausgestellt und müssen sich bei einem der vom Kommunalverbandc bekanntUigebenden Klcsschändler in die Kundenliste eintragen und ihren Bezugsausweis abstempeln lassen. Die Kleinl>ändler sind verpflichtet, die Kundenlisten beim zuständigen sbommun-alverbände-einzureich.m utrd erhalten von diesem eine Bezugsüerechtigung ausgestellt, die der Kommunal verband an die zuständige B^irksstelle tveiterreicht. Die Bezirksstelletr sind die gleichen toie bei der Verteilmrg vmr Baumwollnähfäden Sie liefern dre in der Bezugsberechtigung angegebenen Mengen an die Äeinhärchler. Diese haben den in ihre Ktmdenliste ein- gettageiren Verblxiuchern >die aus sie entfallenden Mengen gegen Ablieserimg des Bezugsaustveises zu dem voni Kommnnalver- bande oeröfsentlickuten Einl>eitspreise auszuhändigen.
** Nora Mengelberg hat mit ihrem gestrigen Bortr-agsaberrd die gehegten Erwartungen in hohem Masse erfüllt. Ihre Vortragskunst, unterstützt durch ein rvunder voll weiches, dunkles Organ, vortrefflich geschult und aus gebildet, ist schlechthin vollerrdet, und es ist sick>er nicht zuviel gesagt, wenn man die Künstlerin schon heute in die erste Reihe aller lebeichen Rezitatorinnen stellt. Wenn man dieser schönen Madchenstimme, die mit so viel Klangfärbung pitd Ausdruck zu erzählen vermag, lauscht, dann wird man nicht nur gefesselt, sondern förmlich aus der Gedankenwelt in eine Welt der Bilder entrückt. Das gesprochene Wort tönt nur von ferne noch an das Ohr, während vor dem geistigen Auge int Bild die Gedankenwelt des Dichters entsteht. So erreicht Nora Mengelberg als getreue Sckiülerin Emil Milans das Ziel ihres Meisters: zum Dichter zu gehen, zur Entstehung seines Werkes, und dieses so wiederzugeben, wie er, der Dichter, es wiedergegeben hätte. Alle Schwingungen und Färbungen, die höchste Ausdrucksmöglichkeit, die man an den Rezitator stellt, sind der Stimme der Künstlerin zu eigeu, gleichgültig, ob sie mit leichter Schalkheit mrd feiilem, iunigem Humor eiu duftiges Märchen erzählt, oder ob sie eine Ballade oder Klopstocksche Ode zum Vortrag bringt. Bon den Vorträgen der Künstlerin im gestrigen Progrannn seien besonders die zwei reizenden An- dersenschen Märchen „Die Teekanne" und „Der Sch-metter- ling" sowie die packende Vers-Novelle „Die Brüder" von P. Heyse erwähnt. Stürmischer Beifall veraillaßte noch die Zugabe von Goethes „Wirkung aus der Ferne". —m.
** Stadttheater. Jü letzter Zeit hot ein Mann, der sich als Souffleur des Stadtthcoters ausgibt, unter Abgabe eines geschmacklosen Zettels, an die Gutherzigkeit des Publikuins appeliert Es sei festgestellt, dass die betrefsetlde Person, die schon im vergangenen Jal>re diesen Unfug betrieben haben soll, in keinerlei B^ielmng zum Sbadtthieoter steht.
** Deklarationspslicht für Lebensmiltel-und Fu tterm i fte l sen du u g en. Um den unserer Ernährungs- Wirtschaft durch deit Schleichl)anL«l besonders auf dem 0^ebtete der Bewirtschaftung des Getreides wird dar HAsensrüchte sotvie der Er- AeugMsse aus diesen Früchten drohenden Ges ähren wirkt a vier zu
öMLhMV«b^ Erms ü
W rmö VeMrZDal T
Die Gslö- und SübemnfötffsSleHe
in den Räumen der VeMssparlasie Eichen ist morgen nachmittag von 2 bis 4 Uhr geöffnet!
Landkreis Giessen.
** Grossen-Linden 19. klpril. Tie hiesige Sammel- ieitinig vemnstoldtte eine Satnmlimg von Frühgemüse. Tie jugend- lickten Sanrmler brachten über V/t .Zeu.tner Spinat, Kohlsprvssen und Lauch zusaanmen, die deni Reserve-Lazarett rn der Alten Klinik zu Giessen überwiesen wurden:
Kreis Lautcrbach.
** Grebenhain, 22. Aprfl. Dem beim hiesigen Postmnt sMchäftigten Ober-Postschaffner Hessrrich Ru hl wurde das Pren- ßssü-e VerdieNsckretlz für Krieg shflse verliehen.
Kreis Schotten.
rü Schotten ,22. April. Auf deni Felde der Ehre starb der Musvetter Hermann Bös. — Eichelsdorf. Fürs Vaterland starb der Unteroffizier Heinrich Ran, Jnl-aber de? Eisernen Kren- z-es. Das Eiserne Kretiz erhielt der Gefreite Otto Schmittberger. — Betzenrod. ^ Zum Vizeseldwebel befördert Mirde der Unterofsizier 5>einrich Zimmer mann Inhaber de? Eisernen Kreuzes, der Hessisck-en Tcrpserkeitsmedaille und des Hessischen Kriegsehrenzcickiens.
Kreis Frievberg.
4t Friedberg-Fauerbach, 22. Aprfl. Tie Hessische
st a b t. Ter Gefreite Georg S ch m i e g e l wurde zum Unteroffizier befördert. — Fauerb ach v.d. H. Ten Heldentod fürs Büter land starb der Lehrer Willy Lehr, im Inf.-Regt. 116. Starkenbnra und Nheinhessin.
IGross-Gerau,22. April. Tic Reichs-Obst- und --Gemüse stelle üramftaltcie am Freitag für Behörden und Presse eine Führung durch die hiesigen Helvetiawerke, an der ungefähr 60 Per sonen, darunter sehr viele Tmnien, teilnahmen. Atls lNlfllärends Borträge folgte ein Rundgang durch die Fabrik, welck)e bekanntlich die grösste Öbstckvnservensabrik Deutschlands ist. Me Teilnelimer waren von deni Gefelienen sichtlich befriedigt. Eine devartige Auf llärmrg ist in jeder Hinsicht nur zu begrüben.
Desscn-Nnssau.
M(r. Frankfurt a.M., 19. Llpril. Tie Frankfurün Tele- sshvnaussprack)e soll nach einer Mitteiliung aus Wien beim dortigen Delephonmnt ein geführt werden., da sie sich von allen Arten der Uebernssttelung atn besten bewährt hat.
Jlldustrie und Reichstag.
-- Frankfurt a. M., 20. ApriÜ J!n der heuttgen General, vcrsantmlung der Buderus'schen Eisenwerke A.-G. Wetzlar, ergmg sich Generaldirektor Bergrat G r o e b l e r-Wetzlat in längeren Ausführungen über die Beschlüsse des Unterausschusses des Reichstages, dem die Gewinne der Industrie anscheinend W gross geworden seien. Man strebe eine „Egalisierung' und Beschränktrng des Getvinnes an, !vas. nattrryemäss den Tätig keitÄtrang der Industrie lähmen müsse. Wenn die Industrie heute bessere Ergelnsisse ^zeitige, so müsse man dabei bedenken, daß damit eine Verwüstung von Material und Arbeitskraft, die der Krieg mit sich bringe. Hand in Hand- gehe. Lange könne auch die Industrie diesen Zustand nicht anshalten, und wahrscheinlich werde er auch nickt iviederkel/ven. Es sei durchatts berechtigt, tvenn unter diesen Umständen die Industrie hötiere Geivinne mache, imd gegen die ?lb- sichten deö Reichstages müsse Hcsl-alb energisch Stellung genommen werden. Geschäftsbericht und Rechtmngsabschluss, Entlastung des Vorstandes und Asttssühtsrates wtcrden genelnnigt. Ebenso ttmtbc einstimmig die Errichtung einer Ruhcgeldkasse, deren Grundstock vorlünsig mit einer Million Mark ausgestattet wird, beschlossen Tie ausscheidenden AjussickMratsMitglieder Karl F. Stiebel-Frankftirt a. M. und Apotl)eVer Mbert Seyberth- Wiesbaden wurden wiedergewäthlt.
Keeichtssaak.
I Darm stadt, 21. April. Ein ernstes Sittenbild entrolltr eins Verhandlung, die dieser Tage unter Ausschluß der Oeffetttlich- keit statt fand. Eine KriegerSfvau Pvn hier, deven Mann im Felde steht, war in einenr Heeresbetriebe beschäftigt. Ihr Vorgesetzter knüpfte ein Liebesverl-älttris mit ihr an. Jnrtümlicherwnse (!) nahm sie an, dass dieses nicht ohne Folgen geblieben sei tvandte Abtreibungswittckl an. und verlangte brieflich von ihrem Liebl-aber stärkere Slbtreibmrgsmittel. Dieser Brief zog ihr eure Anklage zu. Während des Borversal)-rens machte sie nun die Tummheit, den Untersuchtmgsrichter durch einige Pfund Butter und eme Anzahl Gier (!) bestechen m wckleu. Wrgeu d-L Versuchs eines Verbrechens
gegen das keimende Leben wurde sic zu 4 Monaten Gesangtlis' verurteilt, die versuchte Richterbestechung bringt sie vor das chwurgericht.
** Berlin-Steglitz, 22. April. Heute vollendet einer der bekarrntesten theologischen Hochschullehrer, Professor D. v. .Haering, Ordinarius für Togumtik, Ethik und neutestamentliche Exegese in T ü b i n g e n, sein 70. Lebensjahr.
Spielplan des Giehener Stadttheaters.
Tienstag (in Bad-Ncmheim) 23. 9lpril, 8: „Das Dreimäderl- haus". Donnerstag 25., 7^: Gew. Pr. „Der Verschwende^^ Scrn^stag (in Bad-Naul«im) 27., 8: Neuheit! „Drei alte Schachteln". Sonntag 28., 3Vs: Gew. !Pr. (erm.). „Alt-Heidelberg^^. 71/2: Erh. Pr. dteuheit! „Drei alle Schachteln".
spielplan der vereinigten Zrantturter Stadttheaier
Gperntjau5.
Montag 22. April, 71/2: Borst, f. d. kricgsbeschäft. Aicheiterjch. (Kein Karte-nverk.) „Die Fledermaus". Dienstag 23., 7: „Die Jüdin". Viittwoch 24.: Geschlossen. Donnerstag 25., 6V2: Bei aus geh. Abcmnem. Zum 1. Mal (Uraufführ.). „Die Gezeichr ten". Freitag 26., 7y 2 : Volksvorst. „Hoffmamrs E^ähkungen". Sams- ILag 27., 7: „Undinck^. Sonntag 28., 6Vrf: „Die Gezeichneten^^ rchausplelyanr.
Montag 22. April, 71/2: „Tic Schule der Prinzessinnen". Tienstag 23., 7: Bei ausgeh. s 1uw>imcm. 1. Gastsp. v. P. Wegen« v. Tisch. Tl)eat. in Berlin. „Othello". Mittwoch 24., 6: Bei aus- geh. ?lbonnem. 2. Gastsp. v. P. Wegener. „Don Carlos". Tvn- nerstag 25., 7: 3. Gastsp. v. P. Wegener. „Judith". Freitag 26. - 7: 4. u. letztes Gastsp. v. P. Wegener. „Otliello". Samstag 27., l x h‘. „Tvaumulus". Sonntag 28., 3: Sondervorst, f. d. kriegs-« beschäft. Arbeitersch. (Kein Kartenverk.) „Wilhelm Tell". 7: „Äll- Heidelberg^^.
vertnNcheeO.
* Reste deutschen Volkstums im Friaul. Während die italienischen Irredentisten unauchörlich von der „Erlösung^^ jener Gebiete sprechen, auf die sie Mrspruch erbeben zu müssen glauben; ist fast nieinalS von der deutschen Vergangenheit in den österreichiisch!-italienisck)L!N Grenzgebieten die Rede, deren Go chickflc sich noch m zahlreichen interessanten Ueberresten kundtut. Dabei T>at das im österreichischen Grenzgebiet sesshafte und oft halb vergessene Deutschtum seit Ial-rhunderten einen sckMeren Kampf gegen eine plamnässige RomanisieXung seines deutsck-en Stammes geführt. Tie BereckMgtmg des Kampfe? tvtirde bereits vielfach durch deutsche Forscher erwiesen, die, wie Tr. Eugen Meller auf Grund bisher teilweise noch unbekawtten Materials in der Qesterreichischen Rundschau ausführ:, in Südtirol, iin Friaülschen sifterrzgebret. im adriatischen Küftionlcmde, aber auch jenseits der österreichischen Reichsgreuze, in Veuetietr und der Lonrbardei ein altes deutsches prcvck^ebiet entdeckten. Merdings besindet sich heute das Deutschtum im Fricrul in der Minderheit, jedoch nur infolge der rück- ichtslvsen Denvelschung der Irredentisten. In den alten Urkunden tötzt man aber immer wieder auf rein deutsche Orts- und ^ Fluvi narnen, die sich durch ihr ck-arakterissisches Gepräge miszeichnen, tvährend sich im sog. „Zimbenllande" fast nur Naturnamen finden. Zweifellos handelt es sich hier um eine alte germanisck>e Siedlung, die auf der Zugehörigkeit des Landstriches zum Herzogtum Kärnten beruhte. Die deutsckMn -Ortsb^nermunaen ergaben die taffeln auf deu Straßen, die gernurirische, besonders bajuwarische Kaufleute und säckssische Fräckster im Tale der Jsenz—„Jßnitz"— I sonzo bis nach Görz siU/rteu, von da und von Triest nach Fiume. In Aquileja herrschten Deutsche als Patriarchen, vom Beginn des 11. Jahrhunderts bis zu Bertchold (1218—1251) saßen hier deutsche Kirchenfürsten. In der Herrsckiast Görz und Gradiska regierte das dettsiche Geblüt der Eppensteiner, ihnen folgte das Geschleckü der bajuwarischen Grafen von Sirrngcrir bis 1500, deren Erben die Habsbttrger waren. Das deutsche Görz weist einen Kvauz eckst germanischer Ortsname auf, in der furlanischen Ebene saßen deutsche Herrett und Bauern unter der Herrschaft deutscher Patriarchen, in den Städten der istrischeu Westküste saßen von Triest bis Polo deutsche Kaufteute aus Nürnberg, Ulm und Leipzig, Ratsgc- 'chlechter von Dresden und Köln. Den Hauptsitz der Frankfurter .Händler aber bildete Kleniaun, das italienische Corniona. Deutschen Ortsiramen begegnet man auch im ganzen Vippachtal, und in den Tälern bet Issnitz (Isonzo) trifft mau überall altgermanisch Spuren. Wie im Frimck und an der Adriaküste, so wurden mich in Südtiwl und im sog. Zimbernlande die deutschen Kolonisten zwangsweise latinisiert. ?lber selbst Rovereto, zu deutsch „Rovreit" oder „Rvfreitth das die Italiener besonders gerne „erlösen" möchten, toeist heute noch starke Spuren einer germanisck-en Mltur aus. Als nrdeutsche Siedlung hat die neuere ForsckMNg auch das in heißen Kanipsen oft genannte „Viclgerettth" sestgestellt, die meisten Ein« wohner smd hessisch-schüoäbischer ^lbstammung. Mit bewimderungK, werter Zähigkeit haben die Bewohner der „Sieben Gemeinden".das germanische Sprachut gegen den lateinisch! Einfluß beschützt, uock^ heute roird dort von einem guten Teil der Diorfbewohner die Spi'ach der Ahnen gesprochen. Tlls ganz besonders^ eigentümlicher deutscher Schlag aber erhielt sich das sog. ^ Zimberntum. Heute ist dieses eigenartige Sprachebiet nur tvenigen /Deutschen bekannt, aber auf dem ganzen Gebirge zwischen dem Etschtale und dem Suganasattel. von .Verona bis Bassano, von Trient. bis Vioetws, wurde früher die sog. „Cimbvo"-Mundart, allerdings in viel reinerer Redeweise, gespvochetr. Vezzena hieß damals „Wiescmalpe", Asiago hieß „Schleen", Verona hieß „Bern". Mich dar Thpus der Bewohner ist raxln als tirolisck>-chyrisch zu erkennen, auffallend sind die pausbackigen blonden Kinder mit himinelblmien Augen, döochj vor denr Kriege gab es^ in Italien eine deutsche ^rredenta, einen deutschen Volksbnnd der Zimbern- leute, aber das Deutschtum sonvhl an der Donau wie am Rhein hat leider nichts gegen die getvaltsanrc und systematische Ber- n»elschtmg dieses zähen VölkckLns unterriiomrm'n.
Letzte Nachrichten.
neueste Beviclit öer Heeresleitung.
(WTB.) Grosses Hauptquartier, 22. dlpril (Amtlich.)
W e st l i ch c 1 * Kriegsschauplatz.
An den Schlachtfronten örtliche Jnfanterieunter,ich- mlmyrn. Versuche des Feindes, Wer den La Bafsse-Kanal iwrdw"ft!ich voll Bölhuue vorzudringcu. scheiterten in un serein s ?r. Nördlich von Albert nahmen wir 88 Eng länder, darunter 2 Offiziere, aefallgcn und erbeuteten 22 Minenwerfer mld cinißr Maschinengewehre. Der Artillerie- kampf lebte mir in lvcnigen Abschnitten auf.
An der Wrigen Fwnt blieb die Gefechtstätigkeit m mä- ssigen Grenzen.
SWtveftlich von Alttirch machten wir hei einem Er- kunduntzSvorswss Gefangene. ^
Von den anderen Knegsschallplätzen nichts Neues.
Der Erste Generalaltariiermeisler Ludendorsf.
* * *
Die Gefahr eines Aufstandes in Irland.
London, 21. Apnl. (WTB. Nichtmn llich) Reickermeldmrg. Die Polizei entfernte gestern alle Waffen und Munition aus den B üchse n m a cherlädcn in Dublin. Wie gemeldet wird, ist evne >ähnlick-e Maßregel in ganz Iickcmd durchgeMrt worden.


