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Eiehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Dieklstag, 9. April (9(8
Nriegsgesangen in England.
Eigene Erlebnisse des Lauitätssoldateu Karl Brasch während seiner 19mJ0QW.%en Gefangenschaft.
(Nachdruck öct&o+en.)
(Fvrtsetzmig.)
Tie Wleihnachtszeit rückte naher. Unsere Hoffnung, Wecknulchten tu Hause verleben zu können, war dahin. Man traf Vorbereitungen! für dieses schöne Fest. Der „Christ lickte Bevern junger Männer", {ber (übrigens sehr viel für die deutschen 5krregsgef-angenen tat, triftete Christbäume, sowie Schmuck und Kerzen. Jede Baracke erhielt ^men Baum. Unter welcher Stimmung all diese Vorbereitungen! getroffen wurden, kann sich, ein jeder denken. So kam der „Heilige Abend" heran. Zn unserer großen Freude wurde jedem ein Paket, welches von Ihrer Majestät der deutschen Kaiserin gestiftet war, überreicht. Tie bereits angenommenen Weihnachtspakete der Angehörigen, welche noch unberührt waren, wurden hervorgeholt, um dadurch dein Feste einen Fröhlicheren Charakter zu verleihen. Man verteilte alles brüderlich untereinander. Doch die fröhliche Stimmung hielt nicht lange an, die Gedanken lvaren zu sehr mit den Lieben in der Heimat beschäftigt. Unaufhörlich quälte sich idas Gehirn, und Sehnsucht und Hein lato er lau gen bangte in allen Herzen stärker deirn je. In einer Ecke, den Kopf m die Hände gestützt, saß der bärtige Landwehrmann. Er war der einzige unter uns, der Weib und Kinder zu Hause hatte. Ta zitterte in das Schweigen ein Geigenton, zag und verträumt, wie lvenn eine liebkosende Hand über die Saiten streicht. Leise Klänge -schwebten durch die Hütte, und schmeichelnd erklang das deutsche
Lied: „O du fröhliche, o du selige." Da horchten wir alle
auf. MämrersÜnrmen sumrmten mit, und einer noch dein anderen fielen sie mit ihrem Basse ein. Das ChristbäupuHen glänzte und strahlte bis in die letzte Ecke und zog alle zum Kreise, die einsam ins Unglück Verbannten. Der bärtige Landwehrmann, der, mit (tyott und der Welt feind, gerade noch so böse und verbissen drein sah, als er an sein Wleib und seine 4 Kinder dachte, bk nun zum 8. Male -ein trauriges Wleihnachten ohne ihn verbrachten,^ mußte sich docli die Augen wischlen. Er sang aber tapfer mit und schämte sich nickst der Tränen, die langsam über senken Bart kollerten: mitten unter den Sängern stand der Violinspieler und spielte mit lieben Heimattiedern jm Herzen: und aus dem knabenhaft harten, weickM Gesicht säumten feuchte, leuchtende Augen aut den brennenden Christbaum. Für mich ivar es auch schon das dritte Weihnachtsfest, wel<ches ich in Feindesland feiern mußte. Tie Kerzen verlöschten allmählich Man begab sich zur Ruhe und süße Träume trugen uns nach der lieben Heimat zu. Weihnachten, ging vorüber und das „Nerve Jahr" zog ein.
-Es wurde uns gestattet, bis 2 Uhr nachts Licht zu brennen Punkt 12 Uhr kündete die Musikkapelle durch das Lied „Großer Gott, wir loben dich" das neue Jahr an. Wir beglückwünscht eil uns gegenseitig. Um 121/2 Uhr war Gottesdienst, und Lager- Pfarrer Neitz hielt eine erweisende Predigt, in der er die .Hoffnung aussprach, daß das neue Jahr uns bent ersehnten Frieden bringen' rverdc. So vergingen auch diese schönen Tage, und das eintönige Lagerleben nahm wieder seinen Anfang. Ter Winter hatte neben seinen Schattenseiten auch seine guten Seilen. Durch den andauernden Schneefall war oberhalb des Lagers, an den: sich ein Anhang befand, eine schöne Rodelbahn entstanden. Leider fehlten die Schlitten: doch den' lvar sckjinelt abgeholfen. Bänke und Tijchje wurden aus den Lagern herbeigeschafft und als Schlitte!' verwandelt. 3—4 Mamr setzten sich ans beit umgekehrten Tisch und sausten den steilen Abhang hinunter, um unten unter dem größten Hallo her Zuschauer in dem Graben zu landen. Daß manaver Tisch zerbrockxm in die Baracke geschleppt werden mußte, :nf;f sich leicht denkevr. Andere wiederum bildeten Ketten von 10—15 um so m die Knie gebeugt die glatte Bahn herunter- '«.'gleiten. Daß auch das Schuhwerk sehr darunter zu leiden hatte, i.av sehr erklärlich. Aber was fragten wir danach, handelte es sich boä) für niks um eine Belustigung, die uns nicht alle Tage geboten wurde. Auch diese Freude wurde irns bald von dem Eng- !ander verdorben, und man mußte sich andere Belustigungen suchen. Gütige von uns litten besdnlders Geschick, ans denr Schnee Figuren l>erzustellen. So entstanden bald zum größten Aerger der Engländer die schönsten Kunstwerke, wie die Kaiserliche Familie, Hindenburg, Mackensen und sonstige große Männer Teutschlands. Ter Winter schwand langsam dahin.
Bis dahin hatten wir immer noch keinen großen Mangel an Nahrungsmitteln gelebt uird kamerl mit unseren täglichen Rationen ganz gut aus. Ms aber die verschärfte U-BootÄ-Blockade crnsetzte, ließen die Eügländer an den Gefangenen Vergeltungsn'aßregelu ireffen Tie Bvotratt^onen sielen von 750 Gramm auf esiva 200 Gramm, andere Lebensmittel wurden teils sehr unregelmäßig geliefert, teils bekamen wir sie gar nicht mehr. Kartoffeln sahen! wir vvnk 1. März bis Anfangs November gar keine mehr. Tagsüber bekamen wir als einmaliges Essen dünne Reissuppe. Dazu stellte sich noch ein neues Unheil ein. Bis zu dieser Zeit war es lein Zwang, zu arbeiten. Olivohl jeder gerne gearbeitet hätte, .0 hatte doch niemand Lust, für den Engländer seine Kräfte zu verbrauchen. Es meldeten sich daher sehr wenige zur Arbeit. Jetzt erst kam wahrscheinlich dem Engländer der Gedanke, seine Kriegsgefangenen anszun'il en. Wir wurden untersucht und kamen gruppenweise in ein Arbeitslager. Selbst auf das Sanitätspersonal .wurde kerne Rücksicht genommen. Zwar reichten wir ein Gesuch 'an die Schweizer Gesandtschaft ein, schon nach einigen.Tagen ■mürbe uns aber mitgeteilt, daß das Sanitätspersonal zur Arbeit he ran gezogen werden könne. (Ob die Schweizer Gesandtschaft aber dies berichtet hatte, wissen im* nicht.) J'm Falle einer wieder-, sollen Weigerung 'wurde uns angedroht, vor das Kriegsgericht gestellt zu werden. Wir mußten deshalb gute Miene zum bösen Spiel machen. Tal-er kam ich denn mit mehreren anderen Ka- -nceraden Anfangs Mai 1917 in ein Arbeitslager Loch-Tvon bei Talmellingbon. Das Scheiden von unserem alten Lager fiel uns doch schver. Es war doch immerhin so eine Sache, wenn man «aus dem geregelten Lasterleben.entrissen wird und sich einer neuen .Lebensweise anpaffan Muß. Wir erginge*.', uns in allerlei Vermutungen, wie wohl das neue Lager aussehen könnte.
Die Fahrt brachte uns manche Abwechslung. Wir bekamen auch wieder >emmat Zivilisten zu sehe:', ja sogar Frauen, welche für uns eine große SeltenIjeit geworden waren. Tie Fahrt ging über Edinburgh, Glasgow und Et)er. Ebenes Land bekamen, itnr jedoch keines zu Gesicht. Es ging immer durch Berge nud Täler hindurch. -Auf einer kleirven Station, Talurellingtvn genannt, hielten wir an und wurden ersucht, auszusteigen. Es wurde gezählt, und wir gingen mit lmjerem ganzen Hausrat und den Kosten.von: Bahnhof hinweg. Glücklich"rloeiseFla!ken auf den Straßen einige Last- autvs, die rmser Olepöck aufnahmen. Wir marstlsterten durch das Törfchen, wo wir natürlich großes Aufsehen erregten, wurden aber von der Zivilöevölkerimg weiter nicht belästigt. Bald zeigte sich zur linken Hand ein Gebirgssee. Es regnete in Strömen, so baß es» kein Wunder war, baß inan bis aus die Haut durchnäßt nwr. Endlich nach etwa 2stüu,digem Marsche, zeigte sich ein hoher Stacheldrahtzaiur, der sich als unser Reiseziel entpuppte.
(F orts etzung folgt.)
Arrs &tabt und Cattd.
Gießer:, den 9. April 1918.
Wa§ bringt zu Ehren? Sich wehren.
(Goethe.)
HelfenSie unser,: Feldgrauen u n d zeichnen Sie die 8. Kriegsanleihe!
** A 11 Szei chn u n g. Dev' Reservisten Friedrich Keßler wurde das Eiseriw Kreuz 2. Klasse verliehen.
** An m e ldun g jurSta mmr 0 lle. Die im März 1.901 geborenen Landsturm'/sichtigen der Stadt Gießen müssen sich ain 15. April d. Js., vormittags von 8 bis 12 Uhr und nachmittags von 2 bi.> 0 Uhr. im a-t.".r Ra.Hans am Marktplatz zur Landstnrn' rolle melden. S^ehe BekaNntni«s)nng.
** Gültigkeit der IEiervervrdnun gen. Man schreibt uns: In einigen rheinhessischen Zeitungen ist dieser Tage ein Urteil der Stvaflmnmer des Landgerichts Koblenz veröffentlicht worden, ivvnach die Einführung eurer Zwaugsablieserungj für Eier unzulässig und ungültig wäre, weil die Bekanntmachung des Bnudesrats über Eier, vom 12. August 1916 iit ihrem § 9 dlbsatz 2 ausdrücklich verbiete, den eigenen Verbrauch der Geflügelhalter und ihrer Familien zu regeln und zu bes-chränlen. Tliesös Urteil der Strafkammer ervegt allgemeine Verwunderung, weil die Strafkammer vollständig überselien hat, daß eine spätere Vevordnung des Bundesrats vom 24. ßlprül 1917 ausdrücklich den, § 9 Absatz 2 aufhebt. Diese Aushebung ist, wie der Präsident des Kriegsoruährnngsamtes seinerzeit mitgeteilt l>at, durch den Umstand veranlaßt, daß einige Bnndesstaateu zwecks besserer Erfassung der Eiererzeugung die .Festsetzung bestimmter Eiennengen guch für die Geflügelhalter fiir angezeigt hielten. Es fft danach völlig unrichtig, loenn im Anschluß an das Urteil behauptet ivird. die Bevordnumgeu über eine Ztvangsablieserung von Eiern seien ungültig >und Geflügelhalter könnten nicht bestraft iverden, iveil sie der Ülblreferlmgspftichlt nicht nackMklommen wären. Tiefe Ver- iovdnnngen, also auch die hessische Vevordincng, iiber die Eierab-, sieserungen bestehen sonach dnrchails zu Reck-t und sind in ihren Bcstnmmungen über die Pslicklablieseru.ug auch weiterhin gültig. Tie Geflügell-alter, toelcl)e nutter Berufung auf das Koblenzer Urteil glauben, ihre Ablieferungspftüht nicht erfüllen zu brauchen, befinden sich sionach in einen' großen Irrtum. Vielmehr mackst sich jeder Geflügelhalter, der seiner Wlieferiingspfticlst nicht nach« kiommt, st^rafbor, und wird auch für eine solche, die allgemeinen, Interessen schwer schädigende Handlicivg l'nnachsichtlich zur Ber- antwvrttmg gezogen werden.
** Annahme von Kriegsanleihe an Zahlnngs- st a t t. Bei den Verkäusen rmd Versteigerungen' aus Beständen der Heeres- und Marineverwalttmg, die für Kriegszwecke nicht mehr benötigt toerden, kann die Zahlung vorzugsweie durch Hingabe von Kriegsanleihe geleistet werden. Diese Vorschrift erstreckt sich auf alles, ivas bei der Demobilisierung zur Abgabe an die Bevölkerung frei tvird, also insbesondere auf Pferde, Fahi.*zeuge und Geschirre: Feldbahngerät. Motorl-stomottven und Kraftfahrzeuge nebst bereu Zubehör: Futtermittel und sonstige Vorräte: landwirtschaftliche Masckstnen und Geräte soivie Werkzeug: Fabrik- einrichttmgen mit den zugehörigen Masckstnen und (träten: Eisen, Stahl und andere Metalle: Holz und sonstiges Baumaterial; Web flösse und Rohstoffe aller Art. Käufer, welche die Bczahluug in Kriegsanleihe an bieten, werde,' bei sonst gleichen löjeboten in erster Linie berücksichtigt. Tie Krisgsw'leihe wird zun' vollen Nennbeträge angerechinet und bis zu er Höhe des Kauf- oder Zn^schlags^ preises in Zahlung genomnien. Als Kriegsanleihe gelten die o<y<ngeru Schuldverschreibungen aller Kriegsanleihen ohne Unterschied sowie die >ersttnalig bei der 6. Kriegsanleihe ansgegebenen IVsO/oigen auslosbaren Schatzanweifungen.
** Gute Aussichten für die diesjährige Obsternte. Nacki> den dem deutsche,' Pomobogenverein in Eisenach, dem größten deutschen Obstbauverband, aus vielen Obstbaubczirken lziigegangenen Natteisiurgiei' und nach den eigenen Beobachtungen sind die Aussichten für die diesjährige Obsternte im allgemeinen) günstig, dagegen für die Birnenen'te mäßig. Auch ans Oesterreich wird berichtet, daß die Hoffnung auf eine gute Obsternte begründet ist. Jin großen und gm'zen wird man doch, Wohl die Obstblüte und deren Verlauf abivarten müssen, ehe uns gültige Hoffnungen ansgesvrock)en'werden köm'en.
** Jude n Schwarz-Weiß-Lichtsvielen, Seltersweg 81, tritt von heute ab Hai's Mierendorf in seinem neuesteil FilnNverk „Ter WÜsteirdiamaut" auf. LlußerderN zeigt sich das .KirusbXertrio Melita Petri, Herbert Paulnrüller, Leo Peukert, in dun 3afügen Lustspiel „Liebe und Mtterivasser". Siehe Mzeige.
LnndkrkiS Glkßen.
-m. Hungen, 8. April. Bei der jetzigen Konsirnnativu in der evangelische" Knrck-e wurdeu 23 Knaben mrd 16 Mädchen eingesegnet. Prinzessin Herm-crun zu Solnis-Bpaunfels machte den 'Kon- ftr'uanden eru sinniges Geschenk: Micher voll Lebensweisheit und erbaulichen Inhalts.
** Lvndor f, 8. April. Das Eiserne .Kreuz 2. Klasse erhielt Grenadier Joh. Bott.
)( Mainzlar, 8. ^lpril. Tie Brüder Karl und Ludroig M üller wurden zu Gefreiten befördert. Karl Müller erhielt das Hessisck-e Kriegsehrenzeichen.
Kreis Büdingen.
4t Büdingen, 8. Aswil. Fürs Vaterland starb der Kanonier Karl Geiß. — Berg h ei m. Das Eiserne Kreuz erhielt kder Schütze Heinrich Kaufmann. — Usenborn. Auf dem Felde der Ehre starb Kart G ö h r i u g. — Bisses. Nach schwerer Verwundung starb in einem Feldlazarett der Kanonier Hennann Zimmer, Inhaber des Eisernen Kveuzes. — Blofeld. Bei einem Sturmangriff starb der Gefreite .Heinrich Rotb Inhaber des Eisernen Kreuzes luittd bet Hessischen Tapferkeitsmedaille.
4t Gettenau, 6. April. Das Kriegsehrcnzelch'n erhielten der hiesige Lehrer Kvnrad Hildebraud und der Gemeindeeinnehmer Georg Kriegk. — Berstadt. Tas Eiserne Kreuz, früher die Hessische Tavserkeitsmedaille, erhielt der Kanonier Herniann Storck. — Michelau. Tas Knegsehrenzcichen in Eisen, früher das Eiserne Kreuz und die Hessische Tapserkeits- medaille, erhielt der Gefreite Friedrich Raab, die Hess. Tapfer keitsmedaille. fricher das Eiserne Kreuz, der Unteroffizier Ferdinand Raab. — Bad-Salz haus en. Tas Eiserne Kreuz 1. Klasse erhielt der Leutnant und FluMmMhrer W. Engter. — Geiß-Nidda. Ter Feldtvebel Rudolf Lind wurde zum Offizier-Stellvertreter, Otto Scherer zum Zahlmeister und Unteroffizier Wilhelm Lind zum Sergeanten beföihert.
4- Ortenberg, 6. April. Den Heldentod fürs Vaterland starb im Westen der Musketier Friedrich Pfeiffer, Inhaber des Eisernen Kreuzes.
** Ober-Widders heim, 9. April. Karl Waffen- schmidt von hier entkam aus russischer Gefangenschaft.
Kreis Schotten.
O Schotten, 8. April Mit dem Königlich Preußisckien Ver- dienstkrenz für Kriegshilfe wurden folgende Herren lonsgezeichnet: Pfarrer Muhl- Schotte,', Pfarrer Römer- Ul.a, Lehrer 5l e l- l e r - Ober-Seemen, Kauftnann Rockem er -Schotten, Schreib- gehilfe Becker-Lanback).
Kreis Frledberg.
= Friedberg, 8. April. Die Frau des im Felde stehenden Kriegers Binder hatte heimlich geboren, das Kind, einen kräftigen Knaben, nach >der Geburt durch Schläge auf den Kops getötet und die Leiche.in die Ufa geworfen. .Hier wurde die Leick-e heute früh gefunden. Der Polizei gelang es in kurzer Zeit, die mrnatürliche ausftndig zu machen und' zu verliasten.
Starkenlmrn und ÜllKinhessen.
I. Darmstadt, 9. April. In einer hiesigen Wirtschaft wurden 150 Pfund Rindfleisch und 8 Hähne beschlagnahmt, die auf dem !W(e,ge des Sck)leichhandcls ans dem Odenwald ein geführt worden waren.
** Darmstadt, 9. April. Das Höftheater veranstaltet am 28. d. M. unter Leitung Paul Otteuheimers ein Kdnzert, das ausschließlich Kompositionen hessischer Komponisten bringt und folgendes Programm aufweist: 1914. Sinfonic für großes Orchester von Jol-anna Senfter (Uraufführung), Musik für großes Orchester von Rickn Stephan, 3 Klavierstticke von Ernst Ludwig, Großherzvg voi' Hessen, instrumentiert von L. Kaufmann, Hessische Volkslieder, gesungen von einen' Chor von 400 Knaben. Oessen-Ngssav.
---- F r a n k s u r t a. M., 8. Llpril. Im Spezralitätentheater „Groß-Frankfurt" trug sich ivährend der Vorstellung ein schivecer Unfall zu. Ter Artist Planet fängt eine etwa 40 Pfund schwere '„Granate", die aus einer Kctt'vne ans ihn abgeschossen, wiro. inic der Brust auf, ein Schaustück, auf dessen Gefährlichkeit von Sac!'- verslä.'idiaen sckwu wiederholt hin gewiesen wurde. Durch irgcu einen Zufall gsi'g das Geschoß diesmal etnxis höhn* als sonst üblich ist und traf den Kopf. Ter .Künstler erlitte erhebliche Verletzungen und mußte von zlvei Aerztm mehrfach verirciht werden.
Frankfurt a. Mi., 8. April. Nach den Mifftellnngen des Würzburger Kanalamts hat der Holz verkehr auf dem Main im letzten Jahrä außerordentlich- an Umfang jugenommen. Nicht weniger als 847 Flöße mit 675 Tor'nen Hartholz, 22 Tonnen Eichenrbettern, 168 533 Donnen M^ichholz und 623 Tonuear Fichtenbretöern, zusannneu 169 853 Tonnen, ivurden aus den bayerischen Wäldern tasivärts nach dem Rl-ein befördert.
Gerichts?«,«'.
i Dä rmstadt, 8. ?lpril. Kaum ans dem Zucksthaus entlassen, brach der 26jährige Taglöhner Rud. Michel vo,' Offen- bach in ein dortiges Fabrikanivefen ein und stahl 5 Treibriemen' im Wert von 5000 Mk., wodurch der Fabrikbettieb auf einige Zeit lahmgelegt wurde. Er verkaufte sie an den Former Franz Ma- zurek, der eine Schuhsohlerei ausgctan hatte. Mick>el erlstilt 7 Jahre Zuchthaus wegen schweren Rücksalldiebftahls, Ul Jahre Ehrverlust und Stellung "Tier Polizeiaufsicht, Mazurek zwei Jahre Gefängnis wegen Hehlerei. Beide nahmen die Strafe sofort an und erhielten 4 Monate Untersuchungshaft angerechnet.
VevtmUlyU*.
* Köln. Die letzte Stunde der Kaiserglocke hat nunmehr ge- schlagei'. Aus einer große,' Anzahl n'ächtiger Balken ist in den letzten 14 Tagen ein Gerüst zujammengestellt worden, das den 540 Zenttier schweren 5toloß ausnehn'en soll. Mittwoch vormittag stchrvdc mit der Demontierung begonnen. Tie Zerschneidm'g der Glocke erfolgt nicht durch das autogene Selzneideverfahren, .soudern auf elettrischem Wege chirch Bohrer, die den Glockeinnanlel zerteilen, bis er in einzelne Stücke >auseinanderällt, die dann oljne Schwierigkeit laus ■dem Turm hernntergeschafft werden können.
Unfall ans der Donau.
Budapest, 8. April. (WTB.) Meldung des Ungarischen Korrespondenz-Bureaus. Infolge eines Z u s a m m e n st 0 ß e s auf der Donau in der Näl>e von TuS iverden nach den bisherigen Meldungen 20 Passagiere des Dampfers „Trina", der 63 Reisende an Bord hatte, vermißt. 14 sind verletzt.
Meteorologische veobachtunge» der StäÜön Gietzen.
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Höchste Temperatur ain 7. bte 8. April 1918 --- -ff !3,0' Ait-brichte w ^ . . 1918 --- -ff 7.3' 0.
N'ederschlag 0,0 mm.
Nr'sfkastrn der Uedaktkon.
«Ansuvme Anfragen bleiben unberücksichtigt.»
A. 13. Die'Festsetzung der Miete ist ein wesentlicher Bestanddell des Mietsvertrags und der Vertrag kann nattirlich nicht von einem Teil willkürlich ohne zuvorige gehörige Kündigung des alten V'."ttrags abgeänderc werden, vor allen' nicht ohne Ein Haltung der vereinbarten oder gesetzlichen Kündigungsfrist. Die einseitige Erhöhung der Miete kann rechtlich wohl -nur als Offerte zu einen' neuen Mietvertrag mit höherer Miete betrachtet werden. Ist der Mieter mit der Erhöhung des Mietpreises nicht einverstanden, so kann er zum nächstei' zulässigen Termin kündigen, oder er muß unverzüglich dem Vermieter erkläre,', daß er mit der vorgeschlagenen Verrragsänderimg nicht einveriranden iit, damit nicht ern stillsch/veigendes Einverständnis unterstellt wird, den' Bevmretec andererseits auch die Möglrchkeit gegeben ist, seinerseits iwch rechtz.ittg zu kündigen. IN der Zeit, während welcher die Kündigung läuft, braucht der Mieter nach mrserer Ansicht nur den alten Mietpreis zu zahlen. Nach einer Bundesratsve 10 rdnung vom 26.J'lli 1917, bzw. durch Verfügung des Großh. Ministerinn's des Innern vom 10. August 1917 ist den Mietseinigungsämtern n. a. die Ermächtigung ertellt, ans Anrufen eines Mieters über eine Erhöhung des Mietzinses zu bestimmen. Der Antrag des Mieters ist unverzüglich nach der an ihn erfolgten Mitteilung von der beabsichtigten Erhöhung zu stellen. Er kann nicht inehr gestellt sverden, wenn die Parteien die Fortsetzung des MieiVerhältnisses vereinbart haben.
$r. HT. in S. 1. Wir verweisen auf die vorsteliende Auskunft Dw zwemmlige Erhöhung des Mietpreises innerhalb eines Vierteljahres dürfte, soweit nicht gai'z besonders trifttge Gründe vor- l'egen, unzulässig sein. 2. Die Ansicht, das Kriegs teil" elnn ern nicht gekündigt werden dürfe, ist irrig. Zugunsten der .Kriegsteilnehmer gelten hinsichltsich der Kündigung keine Ausnahmen. Es sind nur lediglick, Bundesratsverordnnngen ergai'gen, die dem Kriegsteil- nehn'er besonderen Schutz gewähren. Diese Schntzbestimmungen kommen rm vorliegenden Falle aber nur in Frage, ivenn Ihi Sohn als Mieter der Wohnung in Betracht komntt.
Letzte Nachrlchten.
(WTD.) Großes Hauptquartier, 9. April. (Amtlich.)
W e st L i ch e r Kriegsschauplatz.
An der Schlachtfront eutuiidEcIren sich melfach lebhafte ArLlllcriekämpfe. Auf dem Südufer der Oise irriffm die Truppen des Generals von Srhoellenvich den Feind ernent au. Zwischen der Oise ulw Folcmbray stießen sie über die Ailttte bis zum Oise—Aisne-Kanal iwr. In heftig-n Kürnpfen nalnnen sie den zäh verteidigten Wall östkül) von Grmay, sie erttommen im Angriff von Norden und Osten her die steilen Hänge der Höhen östlich von Concy le Chantren und ersttirmten stark ansgebaute Stellu.lgen des Feindes. Quincy und Laiidri'ourt im:rden gelwmmen. Nach besonders erbitterten Kämpfeit fiel heute früh das festui'gsartiqe Eouev le Chateau.
*
Im März beträgr der Verlust der feindlichen Luftstreir- krüfte auf dem westlichen Kricgsschmrplatz 23 Frsseldallons und 340 Flugzeuge, wn denen 158 hinter unseren Linien die übrigen jenseits der gegnerischen Stellungen adgestlirzt sind. Wir lmbe» im Kamps 81 Flugzeuge und 11 Fesselballons verloren.
*
Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
Der Erste Generalguartiermcister Ludendorff.
Die Verluste im Luftkrieg.
Berlin, 8. April. (WTB.) Im Monat März büßten unseve Gegner nach den bisherigen Feststellungen durch unsere Massen- w'rkung aus der Westfront 241 Flugzeuge und 24 Feffclballoue ein. Unsere Verluste betregcu 137 Flugzeuge und 12 Fessesi. ballone. Da sich ft'ir eine An.zalst abgeschosseucr feindlicl)cr Flug- 'bakge im Veccause der großen Schlacht in Frankreich noch irick« '..llr Unterlagen bei bringen ließen, wird sich das endgültige Er<nch- lc's der abwsckwssenen feindlichen Flugzeuge noch l>öher stelle».


