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Nr. 79 Sweller Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen- Zrellag. 5 . April (9(8

Ariegsgefangen in England.

Eigene Erlebnisse des Sanitätssoldaten Karl Brasch während seiner 19m>vnatig«: Gefangenschaft.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Itrfter den englischen Soldaten befände:: sich auch einige Ir­länder, die uns weiter nicht belästigten und :ms sogar Zigaretten und Fleisckkvnserv«: anboten. T:e Engländer dagegen plünderten uns aus. Sie imhmen uns Uhren, Geld, Ringe und alle sonstigen Wertsackren ab. Es ist sochar vorgelornmen, daß «fische Soldaten deutsche:: Gefangenen die Finger abgeschnittsn haben, um Ringe zu bekomme::. Ich kann dies hiermit bestätigen, da ich selbst einen Verwundeten, den: der Finger abgeschnitten wurde, verbalck). Wir wurden nun abtransportiert. Tie englischen Gräben ivaren überfüllt mit Daten und die ungeheuerliche Masse an Reserven zeigte uns, was für eine Uebermacht uns gegenüberstand. Tie deutsche Artillerie brachte hier den Engländern sck-were Verluste bei.

Von allen Seiten gut bewacht, marschiert«: ivir den: nächsten Tvrfe zu, welches ich aber nicht mehr mit Namen weiß. Bon hier aus mußten wir, trotz des Protestes, der von seiten der deutschen Offiziere erfolgte, Munition (Minen) vertragen. Sogar Verwundete mußten dabei behilflich sein. An den Kampfstellungen wieder an- gelcrngt, gerieten wir ft: das deutsche Artllleriefener, das tot-

verderbeirbring^td auf uns hernied«Zaus1>e. Links an: Wege war ein großes Massengrab. Hunderte von toten Engländern lag«: darin 'ober in der Nähe. Hier öo:rnte man w«:igstens sehe::, wÄche blutige Opfer diese Schilacht den Engländern gekostet liatte. Wir marschierte:: rviedei- zurück. Tie Verwundeten wurden auf Autos und Wagen geladen #m£> nach dem 'Städtchen Albert verbracht. Wir Unverwundeten wurden dann in einem kleinen Samvrdtlager unter freiem Himmel untevgebvacht. Das Sanitäts­personal wurde auf eine größere Beroondstelle geführt, wo wir gefangene deutsche Verwundete verbinden durften, was wir selbst- vmf'tärchlich mit großer Freude taten. Die meisten trüge:: ihren Verband schon 34 Tage, ohne daß er erneuert wurde. Tic englischen Merzte selbst nähme:: uns unsere Tafchnmufscr, svivi? Bestecke ab. Dann kamen wir wieder zu unseren anderen Kameraden zurück. .

Gegen abend brachte uns englische Kavallerie nach einem anderen Dorfe. Hier imrcfom wir in einem gvvßen Hofe, welcher mit dichtem S-vckx'ldvaHt untzäunt, und mit groß«: Lampen beleuchtet war, :mter freiem HiMm:i untergebrncht. Hier begann :rnn die eigentliche Uirterfuchung. Me scknriftlick)«: Sachen hatten ivir un­terwegs schon vernichtet, so daß den Engländern nichts Wert­volles mehr in die Hände fiel. Ich selbst konnie^meinen Sanitäts- Ausweis behalten, während einem Teil der Sa::itätÄnannschaft auch dieses wertvolle Trckmnent abg-enommen wurde. Es setzte plötzlich ein heftiger Regen ein. Unterschlupf konnten wir kernen fuchm, imd so mußten wir die ganze Nacht im strömenden Regen zubringen.

Am 4. Iiuli morgens mußte:: wir an treten und wurden ge­zählt. Nachdem jeder mit etwas Konservenfleisch :rnd Zwieback versehen war, marschierten wir :veiter nach Moriecourt. Es regnet 2 noch ftnrner. Hier cmgeöon:men, wurden wir nach etwa 3stündigen: Warte:: (wieder irnter freien: Himmel) verladen. Es wurden nuih etwa 6070 Mcmn «: einen Wagen gepfercht. An Schlaf ivar noch immer nicht zu denken, denn keiner konnte sich fetzen, viel weniger ivoch hinlegen. Auch brauchte keiner Angst zu haben, daß er umfiel. Etwa gegen 3 Uhr nachmittags setzte sich der Zug endlich in Bewegirng, nachdem :ms die ttanzösisckp Zivilbevölkerung' mit Steinenwerfen und Zurufen belästigt l-rtte. Der Zug fuhr sehr lang­sam. Fast an jeder größere:: Station hielt er, :ov Ivir immer wieder von der BevÄlenmg.beschimpft wurden. Sie warfen Steine in die offmen LurLn des Wagens oder spuckten hinein. An einer- andere:: Stativ:: .schüttete sogar eine Frau .heißes Wässer über unsere Köpfe, wodurch einige meiner Kameraden erhebliche Brand­wunden txrvvntrugcn. Kolonialtruppen, die am Bahnlwfe arbei­teten, sprcmccen nm unsere Wage.: herum und klatschte:: in die Hände wie kleine Kinder, die einen Klatschreigen auffirhcen. Sie bewarfen uns ebenfalls mit Stei'n«: >>der spuckten nach :n:s und Machten Gebärden, wir Hal^ab'chneid-en usw.

Geg«: 5 Uhr nackMittags fuhr der Zug auf einem Nebengleise in Amiens ein. Hier lvnnten ^vir a.:^steigen. Die Umgebung ftdvch :var init einem di-ck'jten S'tachKdraht umzännt. Tie eng­lischen Soldatei: verlangter: hier den uns Uniform knöpfe oder Mützen: gab 1 : 0 cm xs ihnen nicht freiwillig, so wurden uns die Sachen einfach abgerissen oder wegge:wmmen. Wir waren deshalb froh, als wir wieder in unsere Wägen ernsteigen dursten. Bald darauf führe:: ivir in der Richtung nach Le Havre weiter. Ein jeder stand in Gedanken versunken. ohne ein Wort zu sprechen, in dem Wägen. Man dachpe cm das kürzlich U("verstandene, oder an die Lieben zn Hause. Main malte sich Bilder aus, wie sie wohl auf Nachiricht von :rns warteten, :m:ßte unn doch nicht, wie lange es woA noch dauern ivürde. bis lmtn seiner: Angehörigen schreiben! durfte. IN einer Ecke stand ein bärtiger Landivehrmann, der ganz leise vor sich hin sang: ^Itchj bin so gern, so gern daheim." Lcmgscm: fiel der ganze Choc mit ein. Für einige A::genblicke vergaß man die Äogenwart. doch, das Rattern de:- Wagen rief uns bclld lvieder dahin, zurück. Eine dunkle Zukunft lag vor uns, wußten Jirir doch noch nicht. ):» :vir hinkommei: sollte::, und was :ms nockf alles bevorstand. Am nächsten Morgen, nach einer qualvollen Nacht, gelangt: wir nach Le Havre. Hier fliegen^ wir aus und marschierten durch die Hafenanlag«: nach .der Stadt zu. Auch Trier noachten uns wieder die Belästigungen der Zivil­bevölkerung sehr viel zu schaffen. Biele meiner Käureraden trugen kleinere LZerletzrriogen d-ilrch Steinwürft usw. davon. Es wäre vielleicht "noch sckstiMMer geworden, Ivenn nicht noch in: letzten Augenblicke die Wäckmommschrst die Bevölkerung zerstreut hätte. So ging es durch die ganze Stadt. Es war sehr htziß, Himger und Durst plagten uns. Endlich, irach etwa 3stündigem Marsche, ge­langte:: wir auf einen großen Truppeirübungsplatz. Hier be­kam«: wir nun Scheren und Haarschireidemaschinen. (Gegenseitig mußt«: :vir uns nun die Haare schneid«:. Auch Schuurrbärtc und Bärte fiel«: dieser Prozedur zum Opfer. Man: sah nun schon richtig wie ein zahmer Engländer ans. Dam: ivurde gebadet. War­mes oder heißes Wasser bekamen wir aber keins. Mes fand unter freiem Himmel statt. Später ivnrden ivrr zu eft:er etwas abseits gelegenen Entlausungsanstalt gebracht. Dkm: hatte jedoch mehr Läuse mirgeownkmen, als man mitbraäJte. Auch mußte imrndrr, dem es bisher noch gelungen war, seim. Uhr, Geld oder sonstige Wertsachim zu verstecken, diese Gegenstände hier cinbüßm. Selbst den Offizieren erging es nickst besser. Wir itxra~n desl>alb froh, als auch dies ertrügt ivar. Wir gingen wieder nach dem alten Platz zurück, wo uns endlich etwas Brot :md Büchsen fleisch verabrmclst rmrrdck: auch etwas warm«: Doe ließen uns die Eng- länder zukomnren.

Die nähere Unrgebmog war recht belebt. Truppen aller Waffen- gatttmgen konnte man hier sehen: auch Schotten. Neuseeländer, Kanadier, Indier, ykustralrer ustv. Eine größere Abteilung SckDtt- länLer mit ihren kicrz«: Röckchen inarschierte cn: ims vorüber. An der Spitze gingen einige Dudelsackbläser: 0 , welch' Ma:sik! Ich glaubte mich auf einen Jahrmarkt versetzt. Sv konnte man rcklerlei Beobachtung«: mach«:. Nackmrittags gegen 6 Uhr noar- schierten wir wieder roach dem .Hafen zu. Wir wurd«: wcht mehr so belästigt, da sich die Waclstnamcschaft jetzt mehr ins Zeug legte. Ein größerer Teil imserer Kamervd«: inußtc Zurück­bleiben, da sie rächt alle rmtergebracht >verden komtten. Wir wur­den nun aus ein Schiff (ehenoaliger Biehtransportdarnpferi ver­laden und zwar ungefähr 800 Mann. Hier bekämen wrr die Packräume angewies«:. Auf Deck durften wir aber :rcht gehen, ohne daß^ein Posten uns begleitete. Da wir :run alle von den groß«: Stratxrz«: stehr ermüdet waren, legten wir uns zum Schlaf«: hin, d. h. rvir streckten uns auf den harten Bod«: aus. Doch nickst lairge konnten wir uns des Schlafes erfreuen. G'gen Mitternacht ertönte die Dainpfsirene. Das Schiff fuhr ab. Hier bekamen wir geg«: ein hohes Eirtgeld, :v>er solches noch hatte, etwas heiß«: Tee. Nack) clinigem Bett«: ließ«: uns die Englärrder d«: Doe ohne Bezahlung zirkommm. Ta es in dem Schiffsraum

sehr kalt war, kam uns das heiße Getränk sehr zu statt«:. T>och der Schlaf forderte alsbald wieder sein Recht. Tie See war ruhig, uttÜ man merkte kaum, daß das Schiff fuhr: bald lagen wir in einem festen Schlaf. Am 6. Juli 1916 mittags lief das Schiff in den englischen Hafen Southamptvi: ein. Hier wicrden wir dann auckij alsbald ausgcschifft, wo uns eine neue Begleitinan::sck»Lft in Emp­fang nahm, d^achdem wir uns z:: Bieren aufgestellt l)atton^ ging's wieder d::rch die Stadt, nach einer Roll schuhbahn, die als Durchgangslager für .^briegsgcfuugene eingerichtet lvar. Die «:glische ^Bevölkerung betrrm ftch nicht so tierisch, wie die fran­zösische. Sie bet:u.chiteten uirs nur mit nengierigen Blicken. Jetzt bekam jeder '.eilt L>cmdtuch und ein Stückck^n Seife, so daß man sich wenigstes lvieder einmal n«sck)en. konnte. Hier gab es nun auch etwas Zwieback imd Büch'enfleisch. was man mit einem Heiß- hirnger verschlang.

Plötzlich nach 2 Stund«: ertönte das Kommando zun: -An- tteten. Ein Offizier, der sehr gut deutsch sprach, sagte uns, wir würden jetzt verladen und kämen nack? emeM groß«: Lager, wo wir verbleib«: sollten. Wir marschierten denselben Weg wieder nach dem Hafen zurück. IN einer groß«: .Halle stand ein Zug für uns bereits Wer beschreibt nufer Erstürmen, als wir sahem daß es ferne Viehwag«: it*tren. Ter Zug hatte Achnlichkeit mit einem deutsch«: T-Zug. Es waren Turchgangs'wagm., gelb cnrgestrichen. Ich glaubte schon, es wäre der Soi:de:-z:lg des Königs von Eng­land, und wir zlveifett«: nettü immer daran, daß der Zug für uns bestimmt sei, bis plötzlich das Kmmna:cho zum.Einsteig«: ertönte. Wir kamen zu je 6 Mann in ein Klchee. Tie Site war«: gepolst«'t. Wir fühlten uns gmrz mollig darin. Etioa eine halbe Stimde später setzte sich der Zug in Belvegung. Durch die MsttengUng, die wir hinter uns hatten, verfiel«: wir alsbaC» in einen tiefen Schlaf. Ich nmrde erst wieder wach, als der Zug cnn nächsten Morgen (am Juli) wieder hielt: doch wo befanden wir uns hier? Mäckstig hohe Berge sahen wir vor uns auftauchen. Da erschallte das Kommando zum Aussteigen. Jchl sah, daß der Zug auf offener Dtrecke hielt. Hier nahm icns wioder eine peue Begleitmannschaft in Empfang. Nun ging ps <nrf sckMalen Pfaden den Berghängen entlang, bis wir ein großes Zeltlager vor im3 austauchen sahen. Wir dacht«: schon, es wäre für uns bestimmt. Als ivir rräher heran kam cm. sahen wir. daß die Zelte mit englischen Soldaten belegt rvar«:. An den: Zeltlager vorbei gft:g cs nm: in das Innere des Gebirges. Endlich tauchte Stacheldraht in einer Talmulde vor uns auf, und als wir näl^er kan:en, sahen wir, daß auch einige Barack«: zum Borschern kamen. Das war unser neues Heim.

(Fortsetzm:g folgt.)

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 5. April 1918.

Viel hilft eine kleine Gabe!

(Rollenhagen.)

Auch bei der 8. Kriegsanleihe.

Gewinnung von Laubheu.

Durch die Bevordnmrg des Staatssekretärs des Kriegsernäh- ru 2 ogsamtes vom 27. Dezember 1917 wurden der Gewftrrumg von Laub Heu die Möge geebnet, rüden: den Laicheszentralbehörden dasVerbot des winterlichen Einschlags ft: Laubholzbestchchen" ermöglicht und den Forstementümern die Pflöckst auferlegt tvurde, Laub gegen EittgÄt abzngeben. Die gmrstigen Erfahrung«:, die seit langen 'Jahren an pll-erdings nur immigen Stellen Süddeutsch- lauds und sodann im vorigen I^ahre in größerem Umfang in Baden gemacht sind, wo etwa 4000 Doppel z«ttrrer Lmchheu ge- worb«: wurden, veranlaßt«: die Heeresvettoalteng, dieser Futter-, quelle erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden und an die Orgamsation der Laubheu gewftrnung heranzutret«:.

Diese ist in ihren Gnlndzüg«: rymmiehr abgeschloss«,. In der Laubsutterftelle für die Heeresverioalttmg beim Kricgsausschuß für Ersatzfutter wurde eine ZentralsMe geschaffen, die in allen einschlägigen Frag«: Auskunft erteilt. Die eigentlich«: Träger der Sannnlung mch Werbung sind aber die Kriegswirtschaftsäntter mrd die ^Kriegswirl schrstsstckll«:, die auf Anfordern auch ein Merk­blatt versend«:, das für die Gewinnmog und Trockmmg des Laubes- Mrweisuugen gibt. Der Bettvendu^ deZs -Lw:bil)eus zu Jtttter- zwecken wird es dabei sehr zu statten kommen, daß in den Laich- Luchen eine Aufbereitungsfiorm geffmd«: ist. welche den Trm:svort in größeren Mengen und auf größere Strecken .gestatt^. Ties ist namentlich für He-ereszwecke wichtig, aber die Jndusttie be­schäftigt sich auch bereits mit dem Gedank«: der Herstellung von Laubkucken zum privaten Vertrieb.

Zum vollen Gelingen des Planes wird cuuh auf die .Hilfe der Schul«: großer Wert zu legen sein. Tie Sammlung durch Schüler hat sich in dem letzten Fahre bereits bei Oelfrücksten mld mck>erem bewährt. Mvch diesmal wieder wird der Ruf an die Schulvertvaltungen zur Mitarbeit ergeh«:.

Da zum Trocknen des Laubes und zur Aufbewahrung bis zum 2lbttai:sport große Räume erforderlich sind, werden au vielen Stell«: Gebäude öffentlicher Körperschaften oder auch Säle bei Wirten, Lagerräume voi: Genossenschaften und ähnliches in Anspruch g«wmmen werden müssen. Tie Unterstützung durch die Forsteig«ltümer ist dabei eine rmerlaßliche Voraussetzung, wobei die Verivaltungen der Staatswaldung-en mit gutem Beispiel voran- zugehen haben. Wenn so alle Organe in der Gewinirung des Laud- lwus Hand ft: Hand arbeiten, können unsere Futtervorräte aus diesem Wege eine wesentliche Evgcmzmrg erfahren.

»

** Das G r v ß h. Hess. Regierungsblatt Nr. 7, aus-- gegeb«: Tarmstadt, d«: 30.^ 1918, fart folgend«: Inhalt: 1. Finanzgesetz für das Mchrrungsjahr 1918. (S. 67). - 2. Be-

kanntnuickmng, .Kriegsstiftung I. Langenbach u. Sölme, Worms am stiheiu betreff«:d. (S. 76.) 3. Bekanntmachung, üttreffend Aus-- ftHrungsbestimmungen zur Verordnung des Bimdesrats vom' 1b. März 1918 (Reichsgesetzb-l. 123) über den' Berkehr mit laach.mrt- schaftlichen Grinrdstücken. 'S. 77. 4. Bekam:Imachung. Anschluß­gleis für die Firma Gaudmbcrgersckje Maschinenfabrik Georg Göl»?l zu Tarmstadt 01 : das Industriegleis der Stadt Tarmstadt in der

Kirfchenallee betreff«^). (S. 79.)

Bekcn:ntmachung, Anlage

eines ^luschlußgleises für die Firma Erste Darmstädter .Herdfabrik nird Eisengießerei Gebrüder Roeder an das Industriegleis der Stadt Tarmstadt in der Kirschmoallee betveffend. (S. 79.)

** Diebstahl. In der 9?acA von: 3. aus 4. Llpril l. Is. wiwdc aus einem Geschäft der Südanlage ein großer weißer Angorahase im Werte von 180 Riärk entweichet. Wer über d«: Verbleib ^huskirnft geben kam:, wird gebeten, dies der Kviminal Polizei mitzrlbeilen.

** Rotes Kren z. Bm: der Verband- und .Kranken°-Er- frffchungsstelle des Rvttm Kreuzes am Bahnhof Gießen rour-den im Mloi:at März 1918 cm 90t durchreisende Soldaten und Ber- wurchetc Erfrischungen verabreicht: die Sanitätswache hat 852 Transporte ausgeführt und in 246 sonstigen Fällen Hilfe geleistet.

** Zum Absatz von Obstwein. Anläßlich der Freigabe des Absatzes von Heidelbecrwein rmtcr Festsetzung von Höchst­preis«: sind von der Gesck>äftsabte:lung der Reichs stelle für Ge­müse und Obst die Msatzbcdingungen im Reichsauzeiger Nr. 71 für alle übrig«: Obsttrxüne bekarrutgegeb«:. Die bisher gülttge Beklrm:tmachung vom 10. Dezember 1917, die zu Zweifeln Ver- anlasftmg gegeben hat, kommt hierdurch in Fortfall.

Landkreis Gießen.

o Steinheim bei Hungen, 4. April. Auf dem Felde der Ehre fiel der Landsturmmam: Ludivig Streb.

** Villingen, 5. April. Der Unterofftziier Friedrich Sauerweiu, seit Kriegsbegftm im Felde und bereits mit der Hessisch«: Tapserkeitsmedaille imd d«n Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichl:et, erhielt das Eisern Krellz l. Klasse.

r. Weiters Hain, 4. Aprll. 'An: 3. Feiertag hielt die hiesige Spar- und Darlehenskasse ihre diessÄhrige Generalve»

sammlung ab. Der Umsatz war den Zeitverhattniss«: entsprechend erfreulich. Das verfügbare Kapital wird restlos der 8. Kriegs-» anleihe zugeführt. Am selben 2lbend sprach in gut besuchter Versammlung Lehrer Jakob von Ober-Bessingen über ,,D:e deutsche Landwirtschaftt'. An der Ha:w zahlreicher guter Lichte bilder führte er überzeuge7Ü> aus, daß die hohe Leistungsfähigkeit- die die deutsche Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten gezeigt hat, volles ni^ingeschräntteS Lob verdient. Ihr ist es za: danken, daß die Aushungerungspläne unserer Fei:ü)e zuschand«: geworden sind. Ter beifällig aufgeiwmmene Vorttag klang in der Mah­nung -aus, daß die Landwirte nim auch in der Erfüllung ihren Pfticht bei der 8. Kriegsanleihe nicht ermüden, damit der Gegner in seiner Hosftmng auf finanziellen Zusammenbruch Teutschlands auch diesmal wieder enttäuscht wird. Zccketzt zeigte der Vortragend« ltorf) interessante Lichtbilder von der letzten Jsonzoosfensive.' Auf dem Felde der Ehre siel nach 44monatiger treuer Pflicht­erfüllung der Wehrmam: Hrch. Kaufmann. Er hinterläßt Frau und ein Kind.

Kreis Friedberg.

^ Ans der Wetterau, 5. April. Ter W-iltter hat es diesmal übercrlls gnädig mit unseren Wintersaaten gemeint. In üppigem Grün stehen Weizen und Roggen, dicht, fest und kern- gesm:d bis ins Herz. Einige harte Frosttage, die neulich noch über die Fluren strichen, Hab«: den Saaten nichts geschadet. Uebereinsttmmend melden die Fachleute, daß, wenn die Maaten- entwicklung weiterhin in gleicher normaler Weise fortschreitet, mit einer reick-en und geseM:eten E«:te zu rechnen ist. Beso:ck)ers gilt dies von der Fracht, dem Rogg«i, der jetzt, da keinerlei Gefahr mehr -zu befürcht«: ist, emeu Stand aufweist, wie seit Jahren nicht.

an $le? ß&siüfflfeßsUgn.

die Sold- und Sifkranfaufsjteüe

in den Räumen der vezirkrspariasse Eichen ist morgen vormittag von bis |2V 2 Uhr geöffnet!

Vermischte».

* Dampfwalze und Leichenwagen auf der Ham^ stertour. Tie Erftndungsgabe 1er Lebensnüttelhamster, um! den überwachend«: Behörden -ein Schettppchen zu schlag«:, scheint lmer- schöpflich zu sein. Nach dem .Kind'r,vagen mit dem' Wickelkind, das sich als ziemlich ausgc:vachs«ber Schinken entpuppte, hat man auch andere Vehikel in den Drenist des Han:sterns gestellt. So wird folgendes Stückchen aus Hamn: i. W: gemeldet. Eine größere Guts­verwaltung wollte unter der Hand von einer benachbart«: Zeche ein Quantum Ammvniak beziehen. Als Gegenleistung sollt? die Zeche ein Quantum Erbs«: erhalten. Um der scharf«: Uebertvachimg auf den Landsttaß«: zu entgeh«:, wählte inan für die Erbs«: als Transportmittel eine Dampfwalze. Leider l: sich eine Gen-« darmeriepotwuille auch durch diese:: Trick nicht täuschen. Sie ent-t deckte unter dem Kohlenvorrat der Dampfwalze acht Zsntnvy Erbsen, die natürlich der Beschlagnahme verfiel«:. Glücklicher waren zwei Gemütsmenschen aus Augsburg, die es fertig brachten- einen Leichenwagen zu Hamsterzweck«: zu mißbrauchen. Mit dem! Leichenwagen Ivurde ein in Augsburg verstvrb«:er Soldat noch dem 10 Kilometer «rfferrtten Untertürkherm übergeführt. Auf dem Heftwe wege haben:cui: die beiden Begleiter des L«ch«:ttlrnsPorts die am Wege liegenden Dörfer grurrdlich abgellopft. Alles, was sie hamsterq sonnten, verstauten sie in dem L-ftck-enwag«:. Den begegrrendent Gendarm«: kam gar nicht der Grdaüke, daß der langsam! dahänM fahr«che Leick?enwagen Lebensmittel bergen könnte. Sv Kamen diE beiden Hamsterer unbehelligt mit dom vollgefüllten Wag«: mep Augsburg zurück.

Letzte Nachrichten.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 5. April. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Wir griffen gestern südlich von der Somme lmd zu beiden Seiten von Nloreuil an und warfen den Feind aus seinen starken Stellungen. Englische und ftanzösische Re­serven stießen nuferen Truppen entgegen. Ihr Ansturm zer­schellte in unserem Feuer. Nach hartem Ringen haben wir zwischen Somme und Lucebach Hamel, sowie die Wald­stücke nordöstlich und südöstlich von Villers-Breconneur, auf den: Westnfer der Avre das Dorf Mailly genommen.

Der Feind leistete mrf der ganzen Front verzweifelten Widerstand. Seine blutigen Verluste sind daher ungewöhnlich sckftver. Wir machten einige Tausend Gefangene.

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Nach beendeter Feststellung beträgt die Zahl der von der Armee des General von Hutier in der Zeit vom 21. bis 31. März cingeln achten Gefangenen 51218. der eroberten Geschütze 729. Damit ist die bisherige Gesanttbeute auf nlehr als WÜOOGefangme und über 1300 Geschütze ge­stiegen.

*

Zur Vergeltung für die seit einigen Tagen anhaltende Beschietznng unserer Unterkünfte in Rayon durch die Fran­zosen haben wir Reims unter Feuer genommen. In der Champagne und mif dem Qstufer der Maas brachten erfolg­reiche Vorstöße Gefangene ein. Vor Verdun blieb der tags­über gesteigerte Feuerkampf auch während der Nacht lebhaft.

Osten.

In der Ukraine nahrnen wir feindlichen Banden an der Bahnlinie PoltawaKonstantinograd 28 mit französischen Geivehren und Mmition beladene Eisenbahnwagen und mehr als eine Million ArtillcricgeschÄssc ab. Im Dnjepr-TaL vordringende Truppen haben nach Kampf Iekaterinoslmv genommen.

Asiatischer K r i e g s s ch au platz.

Deutsche Tnlppcn haben im Verein mit osmanischen Kräften ei:glische nach Uebersihreitung des Jordans über Es- Salt und auf Annnan rwrgedrungene Infanterie- und Ka­vallerie-Brigaden nach mehrtägigem Kampf gegen den Jor­dan zurückgeworfen.

Der Erste Generalguartiermcister Ludendorff.

* * *

Der Notstand in Holland.

Berlin, 5. April. T^er .,Berlftver Lc^alanzeiger" meldet crus d«n Haog: Bei einem Spuzierritt der^inin Wil^ Helm in« mit dem Prinzqem'a hl und der Erbprinzessin m Amsterdam fanden mehrere kleinev- K u n d g e b n n a e n statt. Männer und Frauen rief«:: ^,Brot! Brot! Wir frimgrot!" itia KÄttgin besuchte m-ckhrer^ Z'enttalkück'«: und <mfrcvc Einrichtungen», znr Abhilfe des gvg«uvärtigen Nvtstzvrdes ft: Holland.