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Mz Vm Reiche.

Hintzrnlnrrg in Berlin.

Versen, 12. Mürz. (WTB. Amtlich.) H indenburg weilte am 12. März zu Besprechungen in Berlin.

Die Ernennung Michaelis' zum Obe rprä, identen.

Reichskanzler und Ministerpräsident a. D. Dr. Miclxrelis vArrde, wie angekündigt, an Stelle des wegen Krankheit am 1. 4. in den Ruhestand tretenden Oberpräsidenten Dr. Frei­herr von Z i l le r zum Oberpräsidenten der Provinz Pom­mern ernannt.

Eine Erklärmrg der Daimlerwerke.

Auf die Anklagen im Hcrirptaus schuß und in der Presse der- tzoeitet die Verwaltung der Taimler-Motoren-A.-G. folgende Er­widerung:Tie im Halftttausschuß des Ateichstcup-s gegebene Dar­stellung über unerlaubte Gwinne, die in den Taimterwerken ge- ttrackft worden sein sollen, beruht einzig und allein aus Angaben ckines el-ernaligen Beamten, der von der Finna ttttöen Untreue am 12. Januar 1918 entlassen und zur Strafanzeige gebracht worden ist und sich im eingeleueten Berfa hre^i vor dem Strafrichter zu vevarrtworten haben wird. Die Eingaben dieses Beamten gehen dahin, die Daimlerwerke hätten durch Vorlage von angeblich ge­fälschten Kalkulationen von der He-eresvenvaltung maßlose Preise grändert und erhallen. Wie haltlos diese Vorwürfe gegen die DainUerwerke sind, get)l aus der Art uud Weise hervor, wie die dem Taimlerwerven bewilligten Preise festgesetzt worden sind. Die Grundlage für die Preisfestsetzung b l>eu nämlich nicht Kalkulatio­nen der Fabrik, vielmehr hat die Militärbelrörde schon in einer früheren Zeit des Kriegs nach den PfeiÄestärksn der Motoren ge­wisse Einheitssätze pro PferDekraft festgelcgt, die sie noch ihttr An­gabe für die gesamte Flugzeugnwtorenindustrie einheitlich seitsetzQl wollte. Erst am 23. März 1916, lange nach dieser Festsetzung der Preise und ohne jeden Irrsarnmenhang und Einfluß aus die Hott Vieser Preise, hat die Firma aus Marsch eines Referenten der- Militärbehörde dieser euren summarischen Kostenüberschlag zngc- schickt, ohne daran irgendwcklche Forderungen zu lüpfen. Dieser Dosteuvoviinschlag wird bei selber Naclrprübung du rch&.:chverst ändi g e bestätigt wertem. Was der anzeigende Beairrte als e^idchDi >e Kcü- ckulation ansielft irnd mit den enlwendet'M Unterlagen beleben will, sind Terlliäl^ilationen, de keineswegs die Endzahlen der tatsächlichen Kosten darstellen, in die er keinerlei Einblick hatte. Wie die Be­hauptung unrichtig ist, daß die Werke Kalkulationen falsch auf- gemackü und auf dieser gefälschten Grundlage eine Preissestsekimg erfolgt sei, eberrso trnwahr ist die weitere, daß die Firma aus dieser angeblichen Fälschung vier Millionen Mark Gewinn im VdonaL gezogen habe. Im übrigen bleibt die von der Regierung im Daupt- ausschuß getroffene Feststellung, daß die Preise der Daimlerwerke die billigsten aller Konkurrenzfirmen bei vorzüglichen Fabrikaten sind, die beste Widerlegung der gegen unsere Werke erhobenen An­schuldigungen, denn es ist Aar, daß bei der anerkannten Güte des Frbrikats das Werk rnindesrens Mit denselben Lohn- und Material­isten zu reckxncn hat. Die Drohung einer Einstellung deS BetriÄes ist von der Firma niemals gegen die Deerrsverwal- ttmg erhoben worden. Lediglich im Zusammrnhrng mit einer urr- term 12. Februar ausgesvr>ck>enen Mtte um Prnsrcviswn ist darauf Angewiesen Waiden, daß eirre leventtrelle Anshebimg der unratio­nellen NachtsclZickck eines Keinen Teiles der Be.'effchaft in Erwägung zu ziehen sei. Diese Erklärung ist zudem einige Tage später aus­drücklich znrückgenommen worden, und zwar vor den Reichstags- Verhandlungen. Don einer Preiserhöhung von 50 Prozent war überlxrupt nie die Rede, sondern es ist um eine Revision der Preise gebeten und hierbei eine Erk^bung von 10. Prozent vor­geschlagen worden, die aber nicht bewilligt worden ist. Tie Divi- dcÄenausschüttung der Daimlerwerke hängt in erster Linie mit der Politik starker Abschreibungen der Aktiven und der Ansammsimg großer Reserven zusammen, die von der Gesellschaft schon seit vielen "Friedensjahren befolgt wurde, um allen Aufgaben und Fährnissen bet Zukunft gewachsen zu sein. Es war bisher nicht üblich. Ge- sch/ffts- und FabriSattonSrätzeckheften lediglich ans die einseitigen Behaupt , m gen eines entlassenen Unterbeamten hm zur Grundlage einer öffentlichen AburteDmg zu machen und der Angeschnldigten ßeiuerlei Gehör vor einer BerurteiLmg zu gewähren. Die über­eilte Kritik und BebandLungsweiie, unter der wir zu leiden haben ft*fl-*, »ms Kl diesem Protest."

Mb. Deutscher Reichstag.

133. Sitzung vom 12. März.

Am DuAdeSvatStisch: Wallraf, Dr. Lewalv, Dr. Fried­berg.

Vizepräsident Dr. P aa s che eröffnet die Sitzung um 2,15 Uhr.

Andenken des verstorbenen Abgeordneten Stolle (Un- abh. Soz.) wird durch Erheben von dorr Sitzen geehrt.

Auf der Tagesordnung stehen zunächst Anfragen.

Abg. Dr. Quarck (Soz.) fragt nach Maßnahmen zur Be- bebmrg der Kohlennol in Süodcutschland, namentlich in Frank- mrt a. M.

Direktor im Reichswirtschaftsamt Müller: Für den Dans- vrand sind Nachtragskoblenkarien ausgegeben worden. Freihandel in &ot)len ist nicht zulässig.

Abg. Geher (Soz.) beschwert sich über Zensurvorschristen, die unmittelbar vor dein Erscheinen der Zeitung geradem undurch- Ächrbar seien.

Major v. Bergh: Es handelt sich nicht um eine Vorzensur, sondern nur um die Prüfung, ob die betrefftn.de Zeittmg ansge- führt werden darf.

Abg. Schees (Bollsp.) wünscht, daß Keinen Landwirten Gerste für den Dausbedarf belassen werde, damit sie nicht genötigt seiar. Mehl zu kansen.

Unterstaatssekretär v. Braun: Ausnahmebestimmungen sind nicht möglich.

Abg. U h l i g (So-.) beschwert sich über Maßnahmen des Reichs Verbandes für Herren- und Knabenbekleidung in Düffel vors und zu hohem Verdienst dieses Verbandes.

Direktor Müller: Dieses Vorgehen des Reichsverbcmdes ist sofort von der Reichsbekleidungsstelle beanstandet worden.

Abg Taubadel (Svh.- beschwert sich darüber, daß auch Ing-ndiiche von 14 bis 17 Jahren zum Hilfsdienst herangezogen werden.

Major v. Braun: Emo Ailsdehnung des Hilfsdienstgesetzes ist nikÄ geplant. Ss handelt sich um eine Bevordnung des Ober- Sommandos, zu der es berechtigt war.

Abg. Kl eye (nall.) smdert Maßnahmen gegen die Benach- te&i&mQ bet Landwirte Braunschweigs bei der Pferdemusterung.

Generäl V. Wrisberg: Dve maßgebenden Vorschriften

scheinen nicht genant befolgt zu sein. Prüfung der Angelegenheit

«folgt

Abg. v. Gräfe Gons.) stndert Schritte der Regierung gegeir dos dänische Borgeheu hmsichÄvch der .Lgotz. Mendi".

Ein Vertreter des 'Auswar tigen Amtes beant­wortet die Frage dahin, daß bei der dänische:: Regierung die erforderlichen Bmchielb ingen gemacht worden sind, namentlich sei die Frellaffrmg der internierten Mamrschaften gefordert roorden. Tie Antwort Dänemarks werde heute oder morgen in Berlin erwartet.

Sodann tritt däs HouS in die erste Beratung be$ Gesetz­entwurfes über die

ZustmnEnsetzmvg drs Reichstages

«td die DerhältniSwähL in großen Reich?tagÄvahlkveisen ein

Staatssekretär Wallraf: Die Vorlage entspricht mehrßrch «Sgesprochenen Wünül^m des Revckjstages, wenn auch der Bsgrifs der zirammenhänger^xm wirtschafttich-m 0>biete niiclit in das Ge­setz Mckgenvmmeir wordon sei. Die Zahl der Abgeordneten soll von 397 auf 441 erhöht werden. In den gnohcn Wahlkreisen tritt die Verhältniswahl rät. Dvei-c hat den Vorzug, daß sich die Wali-s rnehr von Partei zu Partei abspvott, die peiffönlichen Gehässig- ketten Mrsschaltet imd Stichwahlen erübrigt. Denlgegenüber ist allerdings mit einer größeren Komplizierthett des Verfahrens ru rxdfim Die rolitischmr Folgen des Gkje^s, die Vorzüge und

Vdachte^ nanrenMch kk Parieren i«r Mvchekheü stnd noch

nicht abzusehen. Ich empfehle Ihnen die wöhlwolleiche Prüfung der Vorlage.

Abg. Kuckhof^ (Zentr.): Dier handelt es sich um ern 2tückcl)en Neuorierrtierung. Es lvill die gleichmäßigere Vertettung der Abgeordneten auf gleich große Wahlkreise aulttehen, wie sre früher bestand. Eine völlig gerechte Verteilung der Abgeordneter» auf die Wahlkreise entspreclMrd der Ettuvohnerzahl ist undenkbar. Die Verhälttnsse haben sich aber nachgerade zu Ungehcuerlrch keilen hercrusgewachsen. Dem llebelsbaiü) soll jetzt abgeholsen wer­den, Die Vorlage sieht die Vennehrung der Mandate und für bif hinzukomstlenden Wal)lkreise das Berhälttliswahlsystem vor. Bcid<

yrnzuwmmenoen Lvai)_.. _ . . .

Maßnahmen begrüßen wir. Dosscntlich wird es möglich sein, diesem Gesetz sehr schnell zu verabschieden. Damit geben wir ein Beispiel, nne man solche Vorlagen zu bel-andeln hat, besorrders auch fiir Preußen. Fch beantrage Venoeisung an den Verfassungsausschuß. >.Beisatt im Zentrum.) . .

Abg. Gradnauer (Soz.): Die Vorlage ist sehr einschneidend in unser ganzes Parteilabcn. Sic stellt m:r eine Teilreform var, die nur weniger freudig begrüßen als der Vorredner. Tie Un- gereäüigkeilen, die in der Verttettrng großer Walükreise bestehen, ,'ollen beseitigt werden. Das Verlialtnistvahlsystein ist eine alte I«ozialde7nokrattsck?e Fordermrg. Danach ist die Regierungsvorlage

Präsibräi W5 e i beillest rät Schieiben 8^ Wgeordnrätt Molt Han (Ztt.), tvonach dieser aus Gesundheitsrücksrästen sea« Mandat niederlegt.

Der Voranschlag wird auf die Tagesordnrmg der morgigen Sitzung gesetzt. ^ ,

Zum Antrag Köhler betr. Abgabe von Brennholz au§ den staatliÄLn Waldungen bringt Abg. Dr. Fulda sSoz.) Magen aus settlem Wahlkreis, besonders aus Langen, vor, wonach dre Obersörstereicn die Weisungen der ObersorstbeHörde nicht in ihrem vollen Umfange durchführten.

Staatsrat v. W 1 1 b r ö n b setzte die tum der Regierung fest" gesetzten Bestimmungen auseinander. Abg. Raab (2oz.) bringt gleichfalls Beschiverdcn, besonders der Gemeirrden ohne eigenen Äalbbesitz vor. Abg. Tr. Fulda (Soz.) wünscht, daß als Min-, dcrbemittelte bei der Dolzversorgung die Leute mtt einem Ettt- bommen bis 2000 9Jtauf, nicht bis 1500 Aiark angesehen werden; möchten. Wie in Preußen, sollten für Dätibler und Verbraucher gesonderte Versteigerungen stattftnden. Der Antrag Köhler wird angenommen.

Bei dein Slntrag Raab.pnd Genoffen, Ersatz von Brandt schädetl, bittet Abg. Adelung (Soz.) Mlläßlich des Flieger-^ angriffes aus Mainz am vorigen Sanrstag um eine beruhigend« j Erklärung der Regierung über den Ersatz der Schädeir. Bei dem

ganz rrnzureickxmb, da sie Mt überaus zwiespältigem Charatter ] Angriff seien md>t, wie die französischen Zeitungen, behauptet, angetan ist. Wes7)alb geht nranr nicht zu einer vollitändigeni \ ^brl kan lagen getrosten .worden und große Feuecsbrün,te ent-.

voll i tändigeni l t

NeneinleÄung der Wahlkreise über? Mire gmraue Prüßmg der \ banden, abct es ,'eieu 10 PersMren getötet worden, andere-lwebten Vorlage im Verfassmtgsaussclmß ist nötig. Vielleickst geliirgt es. j nochLebensgefahr

die Verhältnistvahl mel-r als in der Vorlage vvrgesel-en, ein- zuführen, sowie eine weitere Vermehrung der Mandate.

Llbg. Tr. Müller» Meiningen (Bolksp.): Wir stellt der Borlnge wesentlich gürrstiger als der Vorredner gegenüber. Sie ist ein Pwvisorinm, eine Art Notgesetz, durch die die allergrößten Uugereclstigkeiben behoben werden.

Abg. Tr. Junck (natl.): Unrichtig ist der Einwand, daß die Vorlage arbeiterfeirrdlich sei. Das Gegenteil ist der Fall. Das System der gebnnbenen .Miahlli'sten versteckt gewiss er niaßen die indirekte Wahl. Ich verstell nickK, wie die Sozialdemokratie für sie emtreten kann. T-ve Berhältniswal)!l wird nanrerttlich in zwei­sprachigen Gebieten dem Wahlkampf die Scl>irfe rrehnren. Tie Wal.äpn'ffung sollte von ernenn 0>einchtslwf vorge?wMinen werden. Die Bvttage ist die loyal« Erfüllwrg der Wünsche des Reichs­tages. Wir werden uns bemühen, sie bald zn verabschieden,

Abg. Dr. v. V o i t (kons.): Wir waren auf eure Vermehrung her Mandate um 2030 gefaßt, aber nicht um 44. Leider ent-

Auch Sachschaden^ wurde angerichtct.

^ Minister v. Do mb erg k zu Vach: Zu mrserem großen Schmerz sind zunt erstenmal muh im Gvoßherzogtum Personen dnrch Fliegerangriffe getötet worden. Ich kann die beruhigende Ver-^ siclierimg abgeben, daß, obwohl der Sculßschiden nach Vtaßgabe des Reichsgesetzes vom 3. Juli 'IO 16 über sdriegsschäden vvrlagsi weise aus der Staatskasse ersetzt tvird, die hessrsck>e Regierung die Einbringung eines eigenen Gesetzes über Kriegesä-Äxm plmtt.

Nachdem der Schaden durch Feststellung, gegen die Rechtsmittel z^cr Verfügung stehen, festgesetzt ist, wird die Är

... , .nszahlung des Ersatzes!

durch die Staatskasse erfolgen, lieber die Personenschäden vcrlreft der Minister die kürzlich »eröffentlichten Reichsbeskimmungen.

Der Antrag Raab und Gen. und die Vorstellung des Vereins ^Neustadt"'-Viainz wird von dem Mtvagsteller begründet. Dve Eulschädignng müsse den heutigen gewallrg ge steigerten Bml kosten entspreclfen. Gegebenenfalls müsse eine allgemeine Erhöhung dev Versicherungssummen eintreten. VcinDer v. Donibergk erklärt, daß 'die Brandversichcrungskammer, die bisher für die Möglichkeit

fallen auf Süddeutschland nur fünf Mandate. Wir müssen an dem einer freirvilligen Erhöhmrg eintvat, sich dem Wntmg Raab ango, Grirndsatz Land und Leute festhalten. In die Vorlage muß eine j!<l)lossen habe.

Abg. Auler (natl.) fragt mr, wie es in der Zwischenzeit bis

Bestimmung hineingecrrbeitet werden, daß Umgemeindungen ohne weiteres eine Aenderung der Wahlkreisgrenzen nach sich ziehen.

Gegen die Verhältniswahl haben wir Bede^rkerr. Sie beseitigt zwar immoralische Wahlbündnisse, enthalt aber den erheblichen Nach­teil, daß Berufsparlamentarier grvßgezogen werden. Der Vize­kanzler v Payer allerdiiigs hat gesagt, es haMe sich um eine Bersuchsprobe mff die allgemeine Eürführung der Verhältniswahl. (Lebhaftes Dort, hört!)

Abg. E r d m a u n fflnabh. Soz.): Mit dem Zweck dieser Vor­lage wollen wir ilichts tun haben. Es hängt zusamnien mit dm Kriegszielen. Denn weder kommt urrs der Gedanke, wie viel besser es getvesen wäre, wenn die deutschen Arbeiter die Dnrrderttausende von Opfer, die sie gebraclst haben, im Frieden frerwillig gebracht hätten für die Eroberrmg größerer Freiheit. Die Vorlage läßt uns staunen über das Mindestmaß von Zugeständnissen an das Voll. Die Vorlage ist unzulänglich Lehnen wir sie ab, so bleiben wir der sozi-aldemokratischerc Taktik treu, die uns das Vertrauen der Bevölkerung erworben hat.

Abg. Gras v. P osadowsky-Wehner (Deutsche Frakt.): DaS Wohl des Landes hängt nickst in erster Linie vom Wahlrecht ab, sondern von vielen anderen Ditrgen, namentlich von den Män­nern, die die Wahlweise vertreten. Eine Vermehrung der Abgeord­neten verlängert die Debatte und beeinflußt die Resonanz dnrch die Presse ungamstig. Schon jetzt stellt das Parlament eine Ver­tretung der großen Städte dar. Ohne die jetzige Vorlage angreisen zu wollen die Regierung befindet sich in der Nollage wird die Regierung sich fragen müssen, ob nicht eine allgemeine Reform dos Reichswahlgesetzes notwendig ist, durch die auch Rücksicht ge­nommen wird auf die von dem Abgeordneten vertretene Fläche. Die Vermehrung der Mandate erschlvert den Apparat und ver­mindert das Interesse des Volkes an den Verhandlungen. Die Zahl der Mandate muß gesetzlich festgelegt werden, und zwar für eine längere Zeit. (Beifall.)

Damit schließt die erste Beratung. Die Vorlage wird dem Der- faffungsaussck) überwiesen.

Es folgt die erste Lesung eines Gesetzentwurfes, betr.

Abänderung des Postscheckgefetzes.

Staatssekretär Rüdlin empfiehlt die Vorlage zur Annahme. Durch sie solle die Ueberweisungsgebühr für Postschecks von 3 Pf. wegsallen und das Port» dem Msmder auserleat werden. Die Vor­lage entspreche dem Wunsck-e, den bargeldlosen! Verkehr immer werter zu fördern.

Abg. Tau badet (Soz.): Im Interesse der Verallgemeine­rung des bargeldlosen Verkehrs können wir der Vorlage im all­gemeinen zustimmen.

Abg. Schulen bürg (nat.-4ib.): Wir wünschen Bevaürng dieses Gesetzes im ReichshaushaldZausschuß.

Abg. S i e h r-Jnsterburg (Dolksp.): Die Vorlage ist geeignet, den Postscheckverkckhr den Bedürfnissen des Publikums anzupassen.

Abg. v. Brockhausen (kons.) und Abg. Vogtherr (Unabh. Soz.) erklärtet sich bereit, der Vorlage ebenfalls zuzu­stimmen.

Die Vorlage wird dem Reichshaushaltsausschuß überwiesen. Die Vorlage betreffertd die Kriegsabgaben der Reichs- ban k imrd ohne Aussprache erlckstgt. Darauf wird vertagt.

Nächste Sitzung Mittwoch 2 ll hr. Interpellation des Zentrums, betreffend den gewerblichst Mittelstand.

Berlin, 12. Mrz^ (WTB.) Der Aeltesten rat des Reickistages einigte sich heute bezüglich des Arbeitsplanes! für die nächsten Tage dahin: Mittwoch und Donnerstag soll der heute nickst zur Erledigung kmnmende Rest der heutigen Tagesord- irung durchberaten werden, dazu der Gesetzentwurf betr. Kriegs- znschläge zu den Gerichtswfteu in erster Lesurrg. Ob die Kredit- Vorlage, wie es von einer Seite geivünscht wurde, am Freitag oder wie von anderer Seite gewüitsckst wurde, erst in der nächsten Woch zur Beratung gestellt wird, wird der Äeltestenrat am Don­nerstag entschiden. Der SamStag soll sitzungsfrei bleiben, damit der Dmiptausschlß die kurländische mtt» livländische Frage erörtern rann.

f)c|jii*cr Landtag.

Zweite Kammer.

53. Sitzung vom 12. März.

Präsident Köhler eröffnet um 10 l / 2 Uhr diie Sitzung. DaS Dans ist mäßig besucht. Die Tribünen fast leer.

Am Regierungsttsch: Staatsminister v. Ewald und Minister dos Innern Dvmbergk zu Vach

Präsident Köhler: Ich heiße Sie zur FrühjahrStagnng herz­lich willtommen. Wir haben den 4. Kriegs-Voranschlag zu erledlgem Lerder hat sich imsere Hoffnung bei den früheren Voranschlägen, daß es sich um einmt bald vorübergehendetr Zustand handle, nicht erfüllt. Wir mußten unS auf eine lange Dauer des Krieges dm» richten. Da brachte der Friede mit der Ukraine ein Licht, das sich vasch über den ganzen Osten auSbreitete. Unser Rücken ist frei. Im Westen freilich ballen sich die Wolken immer schwärzer ztv- iammen. Wir wissen nickst, ob die Feinde sich im letzten Augenv blick eines besseren besinnen werden, oder ob wir zu neuem Kampfe mtt er der LosungDie deutsches Schwert und Dindenburg^ schreiten mtütssen. Aber voll dankbaren Vertrauens blicken wir cnif mrsere tapferen Truppen zu Land uud zu Wasser, wir gedenken unserer tapferen U-Doot-Maimschasten, der glücklick^en Heimkehr der kühnen Besatzrmg deS HilfskreuzersWolf". Und wir wollen die Hossirung nicht crufgeben, dtß dieser Dormischlag doch der letzte Kriegsvorainchlag sein mta. Bis dahin gilt es durchzuhalten mit deutscher Lrast mch deutschem Mutt (Lebh. Beifall.)

zum Inkrafttreten der nmen Besiimmmrgen gehalten werden sollL, Minister v. Hombergk zu Vach: Eine höhere Entschädigung kann erst eintreten. ttxntit das Notgesetz in Kraft getretar ist, aber die Differenz kann nachgezahlt werden. >

Auch die Abg. Ulrich (Soz.) und Dorsch (Bbd.) sprechen! ür die baldige Einführung des Notgesetzes. Abg. C a l m a n (natl.) regt die Esirbeziehung ^der Fliegerschädeir in das Notgesetz an. Di« 2lbg. Auler (natl.) und S t öp lc r (natl.) haben Bcdeirken gegmj die Durchführbarkeit des Notgesetzes. Abg. Raab (Soz.): ES nmrden schon ganz andere Sckstoi«?rigleiten überwunden. Es handelt ich um ein Notgesetz^ in einer Notzeit. Die Versicherungsbehörde^ eierr an der zu niedrigen Einschätzung der Gebäude schuld. (Widett vruch.) Eine Erhöhung der Prämien sei nicht sckstimmi, wenn die Schäden dadurch in ausreichender Weise ersetzt werden können.

Der Antrag Raab und Gen. wird angenommen.

Bei dem Arttrag des Abg. Uebel und Gen,, Lebensmittel­versorgung und -Verteilung betr., und der Vorstellung des Landes- Ausschusses des Kriegskonsumentenansschusses für Hessen, Richt­linien bei Festsetzung von Preisen betr., spricht sich der Abg. Eißnert (Soz.) für die Festsetzung von Richtpreisen für Rübeq aus. Die Rübenpreise stehen in kerrrem Verhältnis zu den Preises der übrigen Lehensmittel, wodurch die Gefahr besteht, daß der; Anbau der wertvolleren Feldftüchte vernachlässigt wird. Abg, Dorsch (Bbd.): Der Rüberrbau ist gewinnreicher als der Getreide­bau, aber ob er grwinnreicher ist als der Kartvffelbau, das kvmnll auf den Ausfall der Ernte an. Kein Landwirt wird aus Gewinnt- ucht den Anbau von Brotgetreide vernachlässigen. Der starK: liübemmbau im vorigen Jahr« erllärt sich daraus, daß viel Wdo, tergekreide ausgewintert war, und man konnte auf der Fläche nuv rwch Rüben bauen. Die Praxis ist anders als die Theorie. Test Antrag Uebel und Gen. wird der Regierung zatr Berücksichtigung, die Vorstellung, sowett sie sich nicht inhallltth mit dem Antrag deckt, als Material überwiesen.

Tie übrigen Punkt« der TaxMvrdnmrg werden meistatteAl den Ausschußanttägen e^ttsprechend erledigtt

Eine Vorstellung des ZenttalVerbunds deutscher Konsümver- eme, Berücksichtigung der Konsumgenossenschaften m geeigneter öffentlich-rechtlick-en JnbeveffenVertretung betr., »vird von Abg. Adelung befürwortet. Sie wird der Regierung als MateriÄ überwiesen. Ein Anttag Schott, die Erhöhung der TageSgebührenj der Feldgeschworenen bett., wird nach einer ErKärung des Mi­nisters, daß die Angelegenheft inzwischen geregelt wuräe, in dcp vom Ausschuß vorgeschlagenen Fassung angenommen.

Eine Vorstellung doS Verbandes südwestdeutscher Kvnftrm- vereine wird auf Wunsch zuritckgestellt. Der Atttrag Wiegantz (Ztt.), Malpr versah reu bett., der vom Antragsteller begründet wird, wird abgelebt. Tie Borstcllmrg der staatlich bestätigten Komurust nalforstwartt, bett. Teuerungszulage, wird für erledigt erllärtt Die Vorstellung der Gesell sckZrft für Soziale Ncsvrur in Berlin, Gcchaltsregelung der Privalangestellten im EmKang der Lebensverteuerung bett., wird der Regierung als MareriaZ überwiesen, ebenso die VorstelluTrg des Vorstandes des Landes-^ verba uds der Dausbesitzer-Vcrcine im Großherzoglmn Dessen, di« Zuständigkeit des Reichs uud der Bundesstaaten auf fteu.erlick)em Gebiet bett. Die Vorstellmrg der K. Paris in Offenbach a. M.^ Errichtung eines Erholungsheims für bedürftige Schulkinder bctr^ ivird für erledigt erllärt. Bei dem Mrttag des ^kbg. Korell^ Jngell)eim, Mainzer UmversitätssiondS bett., verwahrt ffch der Antragsteller entschieden, daß sein Antrag bc'ztweckte, den Grund«« besitz des Mainzer Universftätslonds der Bodenspekulation vmr Kriegsgewinnlern ausznliefern. Vor solcher Mißdeutung hätte ihn seine politische Vergcnrgenheit schütze^ sollen, wenn curch der Antrag ettvas salopp abgesaßt gewesen sei. Selbswerständlich Hab« er es so gemeint, daß das Gelände in Erbpacht oder einer ahnlickVt Form abgegebert würde. Der Anttag wirb für erledigt erKärtt Dvü Vorstellung des Kriegsveteranen Wilhelm Maurer zu Darmstudt, Beilstlfe bett., wird abgelehnt. Die Vorstellung des LandeSver-« bands der Dcursbesitzer-Veieftre im Gvoßherzogtum Dessen, Ab­änderung des Gemeindenmlagengesehes bett., wird der Regienmg als Material überwiesen. Der Antrag der Abg7 Henrich nutz Raab, die Zuiveisimg von Wein an die Gemeftüj«n aus den Be­ständen der Weinbaudomänen für die Versorgung der Kranken bett.- wird von den beiden Tlnttagstellern begründet, die den ablehnendettz Standpunkt des Ausschusses lebhaft bäxurern und au das Plenum appellieren. Abg. So Herr (Ztt.) begründete den Standpunkt deS Ausschusses. Auf Anttag des M-g. O sann wird der Antrag zurück gestellt.

Die Sitzung wird nm Ä / 4 12 Uhr geschloffen. Nächske Sitzung: Mittwoch, vormittags 9 Uhr. (Ans der Tagesordnung steht die all­gemeine Aussprack)e über den Staatsvvranschlag.)

Aur Stadt und Land.

Gießen, den 13.März 1918.

DaS Feldlfter braE dringend Heu und Stroh! Landwirte helft dem Heere?

** Auszeichnung. Hornist Otto Werner erhielt daS GHfente Kreuz 2. Klasse.

** AuS dem Militärwochenblatt. Maas, Obcrfc, , leutnant z. D. und Komm> des Lcurdw.-Tsez. Fricdderg, der Ab«

'^chcod mit srärer Pcusivon imd der ErlcrubM »um Tragen ta*