StaMTinb, dem eine ländliche, wenn auch nicht mehr so reichliche. so doch kräftigere Kost gereicht werden latm, lvird der Landaufenthalt zu einer nicht zu mlterschätzenden Quelle der Kräftigung, zunuil au chdie gesunde Luft des Landes auf das Wachstun: unserer Jugend günstig eimvirkt.
Tah dem Landmann für das Stadtkind, zu dessen Aufnahme er sich bereit erklärt hat, die^glcicken Men,gen an Lebensmitteln! belassen werden, die ihm als Selbstversorger zustehen, dafür leisten die Bestimmungen des neuesten Erlasses des preußischen Staat s- kommissars für Volksernährung Gewahr. Sind ihm die Lebensmittel schon genommen, so sind sie ihm nachträglich wieder $iir Verfügung zu stellen.
Tic im Vorjahre hier und dort mit der Aufnahme der Kinder gemachten ungünstigen Erfahrungen dürfen die Landbevölkerung nicht davon abhalten, auch in diesem Jahre unserer deutschen Jugend zu helfen. Durch die in allen Teilen des Reiches gettof- . fcnen Bestimmungen wird Gewähr geboten, daß sich die vorjährigen I Mängel nicht «wiederholen. Vor allem urirb der Kampf gegen die I meist unerwünschten und ri: ächtslosen Besuche der Müller und 4 Verwandten der Kinder mi allen Mitteln durchgefnhrt werden, s Ohne Erlaubnis der entsendenden Gemeinde und ohne Erlaubnis ^er Vertrauenspersoi: des Aufenthaltsortes dürfen Besuche über- l Haupt nicht mehr stattfindon. Erfolgt trotzdem ein Besuch, so erfolgt I ofortige Rücksendung der Kinder.
Auch die Streikbewegung, so sehr sic zu verurteile ist, darf ] der so dringend nolMndigen Fürsorge des Landes für unsere Stadt- 1 kruder nicht Abbruch tun. Tic Kinder kann man schlechterdings I nicht die politische Gesinnung ihrer Eltern entgelten lassen. Es J ist auch zu bedenken, daß' vorwiegend Jugerrdliche gestreikt l-abcn, I für d e eine Versorgung von Kindern überhaupt noch nicht in I Betracht kommt.
So möge denn die Landbevölkerung unter dem Zeichen des I nahenden Friedens sich wiederum opferbereit zeigen, zum Segen 1 des Berten, was wir haben, unserer deutschen Jugend.
Auszeichnungen. Dem Unteroffizier Kräh, dem .Gefreiten Müller, wurde das Eiserne Kreuz 2. Klasse, dem ^reiw. Krankenpfleger S t e u e r w a l d die Rote-Krenz-Mc.daille 2. Klasse verliehen. Tie 2lusgezeichncten sind Mitglieder der Freiw. Gicßener Sanitätskolonne.
** m Beförderung. Musketier Heinrich Weitzel, Sohn des Müllers Joh. Weitzel, wurde zum Gefreiten befördert, nachdem chm vor einiger Zeit das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen tooo- oen war.
** Anmeldung zurLandsturm rolle. Die im' Februar 1901 geborene:: La:ü>iturmpflicht:gen der Stadt Gießen müssen sich am 15. März d. I., vormittags um: 8 bis 12 Uhr und nachmittags ')vu 2 Vis 6 Uhr, im alten Rathaus am Marktplatz zur Landstu rn:- rolle melde::. Näheres siehe Bekanntmachung im Anzeigenteil.
** Ausgabe von Kaffee-Ersatz. Vom 9. bis 16. d. M. nnrd in den Kleinhandelsgeschäften, in denen der Abschnitt 10 der Lebensmittelkarte abgegeben wurde, gegen Vorlage der Lebensmittelkarte imb Ablieferung des Bezngsabschnittes Nr. 14 250 Gramm Kaffee-Ersatz verabfolgt. Siche Anzeigenteil.
** Diebstahl. In der Nacht zum 7. März 1918 wurde ans der Gaskompreßanstalt des hiesigen Bahnhofes ein 8 Meter langer, 16 Zentimeter breiter und 7 Millimeter dicker Treibriemen entweichet. Da derselbe stark nach Gas riecht, so müßte dies ein guter Anhaltspunkt zur Ermittlung des Diebes und Verbleib des Riemens sein. — Iw Herbst 1917 werden in hiesiger Stadt 6 Kübel Margarine im Geivicht von 130 Kilogramm aus einem verschlossenen Keller entwendet. Sachdienliche Ermittlungen nimmt die hiesige Kriminalpolizei entgegen .
** Warnung. In letzter Zeit ist mel-rfach beobachtet worden, daß sich auf deir größeren Bahnhöfen Personen hernmtreiben. die sich cn: die aus dem Felde kommende:: Urlauber herandrängen und sich ihnen z:rr Besorgung von Paketen anbieten, um diese meist Lebensmittel enthaltenden Sendungen dann zu rmterschlagen und zu ihrem Nutzen zu verwenden. Wenn unsere Urlauber sich vor schaden bewahren wollen, dürfen sie niemals Pakete an Unlv- I fcimte, auch wenn sie Beamtendien st klechung oder Beamten ob- I pichen ttagen, zur Besorguirg aushändigen, sonder:: müssen die | Sendungen immer fAbst bei den amtlichen Annahme- oder Auf- I bewahrungs stellen abgeben.
** Großes Militär-Streich-Kon zert findet am Z Sonntag den 10. März auf der Liebigshöhe statt. Siel-e Anzeige.
** D eu t s ch e Vaterlandspartei. Montag, 11. März, ß spricht :m gvoßen Saale des Hotels Fürsbenl-of Herr Tr. Koppen- j Berlin über: „Was unser Schwert erwarb und was es zu er- I halten gilt". Siebe Anzeige.
** Lichtspielhaus, Bahnhofstraße 34. Ein bedeu- I tendes Filmwerk, „Die Kinder des Kapitän Grant", bearbeitet nach | dem berühmte:: Roman von Jules Verne, steht von morgen ab auf I dem Spielplan. Siehe Anzeige.
Landkreis Gießen.
I r . 7-*— Bersrod, 8. März. Musketier Konrad Fuchs I erhwlt das Eiserne Kreriz, Grenadier B a l ß e r die Hessische ^apserkettsmedaille, Musketier Langohr das Hess. Kriegs- I ehrenzeichen. U:tterosfizier Hch. Schmitt wurde zum Sergeanten r befördert und ihm zum Eisernen Kreuz die Hess. Tapferkeits- I medaillc .überreicht. Dieselbe Auszeich:rung erhielt der bei einem I lm Westen steheiche und zum Unteroffizier beförderte Gefr.
r He: st er vom .Hofgut Wmnerod. Ferner wurden die Unteroffiziere - 2.^ 1 ubach , Spaar und Karl H o f m a n n zu Sergeanten, i Vwnier Wilh. Döring zum Gefreiten :md Gefreiter Karl Fuchs j ;::m Unteroffizier befördert.
j U Lang-Göns, 8. März. Das Eiserne Kreuz und die -vesffsche Tapferkeitsmedaille umrde dem Metzgermeister Wilh.
! Int. Bo Pf verliehen. — Karl Brnckel benachrichtigte seine ! Familie, daß er glücklich au3 der russischen Gefangensckiaft ent- j flohen sei.
** L i ch, 8. März. Musketier Karl Rau erhielt das Eiserne I .Kreuz 2. Lklasse und die Hessische Tapferkeitsmedaille.
Kreis Friedberg.
Q. Bad-Nauheim, 7. März. In der gestrigen Stadtver- ? ordneten Versammlung wurden folgende Beschlüsse gefaßt: Zur et- ' waigeu Verwendung für ibie 8. Kriegsanleihe soll bei der Landes- hypotheke:rbank ein Darlehen von 20 000 Mk. ausgenommen werden.
! — Der Verkehrskommission wird ein Bettag von 1500 Mk. bewilligt. — Das Fahren des Leichenwagens wird an Ernst Fritzel ß unter wesentlich erhöhten Bedingungen vergeben. Die Fahrt nach » Ä>er von Gießen kostet beispielsweise 110 Mk. — Die städtischen ] Anschlagsäulen, die in Friedenszeiten 1000 Mk. einbrachten, rverden | für 250 Mk. an Fritz Stamm verpachtet.
Starkenburg und Meinhessen.
I Darm stadt, 7. März. Der Schriftsteller Ernst Freiherr ! d.Wol zogen, der seit 1905 seinen Wohnsitz in Darmstadt bat, ! wird nächstens Darmstadt verlassen und seinen dauernden Wohnsitz | auf seinen: Gütchen in Oberbapern nehmen, o. Wolzogen tat seit Kriegsbegirm als Hauptniann in der hiesigen Garnison Dienst, wird | aber nun mein seinen Abschied nehmen. Der Dichter ivird sich von I seinen zahlreichen hiesige:: Freunde:: durch eine:: Vortragsabend I verabschieden, auf den: er selbst Werke in Prosa und in Versen aus I seiner Feder vorttagen :vird, während das Schirvingquartctt zwe: I Kammermusikiverke des auch als Komponisten tätigen Dichters zur [ Uraufführung bringen wird.
ch. Vom M i t t e l r h e i n, 8. März. Der Wasserstand des I Rheines geht am Oberrhein schon wieder langsam zurück. Er hatte | einen knappen Zuwachs in der letzten Zeit erfahren, der für den Schiffahrtsverkebr g<m$ willkommen kam, denn er brachte endlich yiÄ>er ettvas Wasser, nachLnm man sich durch entspreckfende La- ungseinschränkungen und Leichterungen bereits hatte durchhelfen r-üssen.
vesscn-NasslM.
-- Frankfurt a. M., 8. März. Die Stadt hat bisher für 15 990 000 Mk. Brennholz angetanst; hiervon ist bisher erst I der dritte Teil nach Frankfurt gebrockt worden. Der „Rest" konnte I noch nickt zugesührl werden, da der Eisenbahntransport sehr erhebliche Schwierigkeiten bietet, dann aber fehlt es der Stadt auch an k geeignete:: Lagerplätzen. Die Hoffnung, daß die Bürgerschaft sich
um das Holz „reißen" würde, und daß dadurch stets Platz für die neu ein treffenden Mengen vorhanden sei, liat sich infolge der hohen. Preise und der großen Feuchtigkeit des Holzes nicht verwirklicht.
G. A. Frankfurt a. M., 7. März. Im Mter von 85 Jahren verstarb hier der Geh. Justizrat Tr. Lldolf vor: Harnicr, der 1833 als Sohn des Frankfurter Senators, Schöffen, Shn- dikus und Bürgermeisters Harnier geboren worden -var. Im Jahre 1862 »vor dieser Bürgermeister 5parnier, der auch Frankfurter Bund^'stagsgejändter ivar, vom Kaiser von Oesterreich gerdelt worden. Nach Absolvierrmg seiner juristischen Studien ließ sich der jetzt Verstorbene hier 1856 als Rechtsanwalt nieder und übte feine Praxis bis et:va M:m Beginn dieses Jahrhunderts aus. Im öffentlichem Leben trat er:rur als Stadtvevordneter hervor und gehörte der Versammlung von 1879—1900 an.
G. A. Frankfurt a. M., 7. März. Mittwoch abend kurz vor 11 Uhr riß heim Passieren eines Wagens der Linie 15 am Hanplbahnbof ein Knpferdraht der elektrlschen Oberleittmg der Stvaßenbalfu, glücktichei'weise ohne jemand z>r ttefse::. Meterhoch spritzlcm die elektrischen Ficnken. Es entstand eine recht unliebsame Umrangierung einer große:: Anzahl Linien. Ter Montagewagen nmr bald z:ir Stelle und sofort wicrde noch in der Nicht an der Behebung des Schadens gearbeitet.
f Licht öer Vssitz mm GM rmö i Zr roete«. stmZem Zas BeNmKMn ' Mit Mmm SchWM öM Nabmanöe SeyvlßMMh<ü«n,«Mmas zu , | rtztMÄ Mö M beMeMDKN' L
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Die ©oIDanfaufftefle
in den Räumen dcr Lezirlsspattafse Sieben ist morgen vormittag von fö bisUhr geöffnet!
X ö a n a u, 7. März. Tie 21 Jahre alte Tochter des hiesigen Fabrikanten Kaiser hat sich in eurem Anfalle nervöser Störung von einem Bahnzuge überfahren lassen.
fc. Idstein, 7. März. Ter Kaiser bewilligte als Beittag für die Beschaffung der geplanten Friede::sglocke der^ Gedächtniskirckfe der Nanauischen Union 300 Viark cris der Sck>abulle.
X Kassel, 7. März. In der Sitznna des Vereinsansschusses 'der Landwirtsck-aftskammcr wurde auch die Heu- und Strohm-ot berührt, wobei Bürgermeister Claicß ans Ravst zhan.se n betonte, daß man im Kreise Hanrnl-Land das Stvoh und Heu mit fcer größte:: Beschleunig:eng nach Frankfurt a. M. habe fahren müssen, weil die Heeresvevuraltung es ganz drrrge>:d gebrauchte. Hier sei es aber nicht der Heeresverwalttcng Mgeflosie:, sondern in die Händcj vm: Hä:ü>lern gedommen, die nun ihrerseits zum doppelten Preise die Anlieferung an die Heeresverwaltimg besorgten. (Hört, hört!) So etwas verstehe der La:ck>7nann nicht: er liefere sehr gern cn: die Heeresverfvaltimg und .für die Soldaten, nicht aber hinten her:m: an den Handel, damit dieser nochmals seine Geschäfte macke. Jetzt seien die Landfvirte derart aller Stvoh- und 5)eu- vorräte entblößt, daß es unbedingt wichtig sei, sofort die Wälder öffne:: zn lassen, damit^ Laubstren abgefahren werden könnte und damit auch das Vieh die Möglicksteit l>abe, sich im Walde durch- znfüttern, denn hier gäbe es schon Weidegeleg>rnhcit. Oberprä- sident von Trott zu Solz sagte Untersuchimg der Beschwerde zu. Es scheine aber so, daß vm: diesem der Heeresverwaltung an- zubietenden Meibg'n: Stvoh und Hei: auch einzelne Mengen an den Handel abgegeben worden seien, damit die Industrie beliefert werde:: könne, die, rvie ganz besonders die Rüst>:ngs:ndustr:e, ja auch im Interesse der Heeresverwaltimg tätig sei. Tic Oeffnung der Wälder werde in diesen Tagen überall zur Ausführm^ kommen.
KIrcMid?« Nachrrchtea.
IsraeNtische Religionsgemeinde. Gottesdimst in der Synagoge (Süd-Anlage). Samstag 9. März. Vorabd.: 6.00: morg.: 9.00; abds.: 6.30 u. 7.05. — Israelitische ReligkonsgeseUschaft. Sabbatfeier am 9. März. Freitag abd.: 5.50: Samstag vorm.: 8.30; nachm. 3 30: Sobbatausg.: 7.05. Wochmgottesdienst: nwra.: 7.00. abd.: 5.30.
UniversitätS'Nachrkchten.
Königsberg i. Pr., 8. März. (L. Ai.) Der ordenttiche Professor der patlvologischen Anatomie, Gclfvimrat Ernst Naumann, langsähriger Direktor des Königsbcrger Pathologischen Instituts, Ehre-ndokdvr der Universitälen Tübingen und Ge::f, ist im Alter von 85 Jahren gestorben.
GericL-tssnal.
I Darm stadt, 7. März. Das Schwurgericht verurteilte nach einer bis gegen 11 Ulir dauernden Verlfandlmnx den Eisendreher Friedrich Best vm: hier wegen Verleitung zum Meineid zu 6 Jabre:: Zuchthaus, 10 Jahren El/rverlust urrd dauernder Cndes- unfähigkeit, seine El-esrau Heleste, geb. Got ta, wegen Dreineids zu einem Jahr Gesckvgnis :lnd deren Schwester, ^lnna Marie Gotta. zu einem Jahre Zuchtlfaus. Im Jahve 1914 hatte Best in einem Scheidungsverfahven gegen seme erste Frau, als diese Widerklage wegen Ehebrrcchs gegen ihn ansttengte, seine jetzige Frau veranlaßt, eidlich das Be^hn: eines intimen Verkelns abznlengnen. Ebenso hatte ihre Schwester als Zeugin wissentlich falsä)e Aussagen gemuckst. Später näherte sich bei AngeNagte seiner ersten Frau wieder und erstattete nunmehr selber Anzeige gegen seine zweite Frml u:st> deren Schoester wegen Meineids. Tiefe legten ein reumütiges Ge'täi^nis ab, gaben aber an. daß sie von B. angestiffet worden stnen, fvas jener hartnäckig leugnete. Tie VerhmMung gegen die drei Angeklagten, die bisher unbestraft waren, ivurde unter Aussckstnß der Oeffentlichkeü durcheeführt. Ter Ehefrau stand der einzige Mildcricngsgricnd, der bei Ateineid zugelassen ist. znr Seite, nämlich, daß sie sich bei >vahrl>eits- gemäßer Aussage wafen Ehebruchs selbst sttaffällig gemacht hätte. Bei ihr w::rde deSMb auf GefänMis erkannt. Bei dem verhältnismäßig :mschuldigen Opfer der beiden anderen, der Schwester, nncßte Zucht lwis ausgesfwockien werden, doch l>aben die Geschworenen ein G:ra-dengesuch eingereicht.
*
Ein Bild ans dem JnllkndqerichtShos.
Wir lesen in einem auswärtigen Blatte:
O sfen ba ch, 7. März 1918.
Er heißt Jehnda Goldstern, ist ein Flüchtling aus Tarnovol und tritt mit einer ttefen Verl^engirng vor den Jugendsenat. Auf deck Anklagebmtt' sitzen zwei Glaubensgenossen und engere Landsleute von ihm, der eine dreizehn, der andere fünfzehn Jabre alt. und ihre Namen sind ebe:: so klangreich wie die des Zeugen O^oldstein. „Erklären Sie einmal, Herr Goldstein, :vie die Sache mit dem^ Winterrock, den Ihnen die beiden da gestohlen habe:: sollen, vor
sich ging." Der Zeuge holt tief Atem, rwe einer, der in der
nächsten Zeit viel, sehr viel Luft brauckien roird. Dann beginnt er. Es ist erstaunlia^i. daß er nicht bei der Ersckiafftmg der Welt anfängt, sondern lediglich an dem Tage, an dem er seine Vaterstadt verlassen mußte, um den Rnssen „ausV:cweichen". wie er so nett sagt. Die Be- gründ:mg des Zusammenhangs dieser Flucht, die im August 1914, also bei glül>e:bder Sonuerchitze, erfolgte, mit dem Diebstahl einesi Winterrocks im Dezmnber 1917 bleibt er allerdings schuldig, aber das macht nichts. Wie ein Niagara tobt der mächtige Worffcki>wasl über seine Lippen, er redet, redet, redet.... Erzählt von seiner Frau, seinen Kiicdern, den Leuten, bei denen er wohnt, seinen! diversen Gepfloge::heilen: nur den Winterwck, der c^gcntlick- die Richter am u:eisten irtterossiert, erwähnt er mit fletnent Stabend
Wörtchen. Der Vorsitzende mackst crcklich Miene, Herrn Goldsveu: auf dieses wichtige Kleidungsstück M bringen, der Zeuge aber — Iaif! ab. „Warten Sie nur, Herr kaiserlicher Rat." sagt er und eine schöml' Geste begleitet diese Worte, v ,id)i werd' schon darauf zu sprechet kommen j" Wer aber nicht aus den Wintercock zn sprechen wmmt, ist Herr Jehuda Goldstein. Er spricht von seinen Geschäften, und, ein verklärtes Läck-eln umspielt sein vollbärttges Antlitz. Aber auch die beiden Angeklagten beginnen verstohlen zu lächeln, der Her« Justizsoldat schmunzelt, der Staatsan:oalt versteckt den Kops irt einem dicken Aktenbü:ck>el, die Beisitzer schütteln läck-elnd das Hach?t< Endlich unterbricht ihn der Vorsitzende, dieser liebenswürdiges konziliante Mensch, doch mit einem mächtigen: ,^Zetzt ve'i>en's erchlich von dem Winterrock!" lind rmn findet Herr Goldstein lediglich die fünf Worte: „Se hab'n mir ihm gestohlen." Wo dies der Fall! war. wie die Begleittimstände der Tat waren, vermochte er nichlk mehr anzugeben. ^
Tie umständliche, phanlasievolle Vorgesckstchte ts-atie seine ganz^ Rdl'efestigkeit aufgesogen, wie ein Schwamm das Wasser aufsaugt^ Und Herr Jehuda Goldstein, der phantasievolle Zeuge, mußte es M seinem Schmerz erleben, daß — die beiden kleinen Angeklagten fr«^ gesprochen wurden.
vermochte».
** Ein ganzes Haus gestohlen. Ern gar^es EiM samilienlMls ist rn Tuisburg, wie von dort geschrieben wird, von unbekannten Dieben gestohlen worden. Als der Besitzer, des zurzeit seiner Militärpflicht genügt, auf Urlaub kam, fand et von dem Hause nur noch kümmerliche Mauerrefte vor. Dach Fenster, Ziegelsteinwände. Hvlzteile, alles war systematisch ob-« getragen und gestohlen worden.
Meteorologische veobachtungen der Station CiefteiE
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Höchste Temperatur am 6. M* 7. Mürz 1918 « -f- 7,2* V.
Oliedrigste w , 1918 »- 0.1* 0.
Niederschlag 0,0 mm
Letzte Aacbricvteir
(WTV.) Großes Hauplyuartier. 8. Mär». (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplntz. Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht.
Bei DurchMnmg erfolgreicher Erkundungen wurve» östlich von Merkem 30 Belgier, nordöstlich von Festupert 23 Engländer gefangen genommen. Der Artillerie' unL Minenwerferkampf lebte am Abend in einzelnen AdschnittrL anf. 4
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz
Sturmabteilungen brachten von einem Vorstoß öftlM von La Neuville (südlich von Berich-au-Bac) eine An^lhl gefangener Franzosen zurück. Im übrigen blieb die Gefechts^ tätigkeit auf Störungsfeuer beschränkt, das sich auf dem westz- lichen MaaSuftr vorübergehend steigerte.
Heeresgruppe Herzog Albrecht.
An der lothringischen Fwnt entwickelte die französifchlt»' Artillerie zwischen Seille und Plaine rege Tätigkeit.
Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
Der Erste Geueralguaniermeister Ludendorff.
* *
*
Eine englische Stimme.
Berlin,?. März. (WTB. Nichtamtlich.) Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt unter der Ueberschrist: „Eine englisch« Stimme":
Tie „Taily News"' veröffenttickst eine bemerkenswerte Zws, schrifl des Lvrd Bmkmaster. worin dieser die letzte Rede des Gräfes. Hertling als die wichtigste Aeußcrung eines deutschen Staats^' mannes seit dem Ausbruch des Krieges bczeickinet. Tiefe zu einem Zeitpuntt gel-alte:^ als Rußlarch überwunden zu Deutsch,: laichs Füßen liege, während an der Westfvont die Ruhe vor dem Orkan herrsche, sei bei weitem die gemäßigste, die inan bisher lstirtc. Sie enthalte keine verächtlichen «der ehrenrührige ?ff^drücht für England und seine Alliierten und bebmde mehr als ein ober-»: flächliches Einverstündms mit Wilsons vier GrundbLüngungcnl für den bleibenden Frieden, wobei Hettling begreiffichcrweise vev, lange, daß auch die Mliierten diese Bedirrgungen annehmen. Nich- so vertrauenerweckend seien Hettlings Ausführungen über Belgien Zwar wieder!)vle er, daß Belgien nicht ein Bestandteil des Teat»> scheu Reick^s rverden solle, mach? aber zum Vorbehalt, daß trüb künftige Lage Belgiens es nicht zur Basis feindlicher Machend schäfte:: machen dürfe. Niemand in England habe je an oerattigLßs gedacht' aber der Vorbehalt könne ni:r angenommen werden. rvenA er mit einer völligen politischen Wiederherstellung vereinbar sei., Hertling bemerkte, daß Näheres bei einer Aussprache zn erfahre^ sei und es sei schwer, einzufehen, warum dieser Vorsckstag ab-, gelehnt rocrden solle. Auch die RickstrgSett des Hinrveises, daß eine Verständigung schwer durch öffentliche Reden zu erziele:: fei. lasse sich nicht bestteiten. Man könne natürlich die ganze Aeußc», rnng als :nmufrW,tig Md verttauMsunwürdig hinstellen, ab« wenn man jedes O?ln gebot so bel-andle, werde der Friede nio kommen. Keine schwerere Veranttvorttmg liege auf den Staats^ männern, als die, derartige Angebote unberücksichtigt und UND, gelesen zn lassen."
Diese Aeußerung verdient nach Ton wo JnhaU Bcach« tung. Es handelt sich zwar Mm eine vereinzelte Stimmt Immerhin aber ist es erfreulich, ein vernünftiges Urteil ju verzeichtren, das dem Reichskanzler Gerechtigkeit wider> sahren laßt und seinem 0>edankengange ganz ohne Boreiw» gcnrommenheit zu folgen sucht.
Unruhen in Kristianio.
Kristiania. <7. März. MTB. Nichtanttlich.) bnreau meldet: Nachmittags und abends haben an verschiedenatz Stellen der Stadt U:: r u hen statt gefunden, an de::en der Mob bo^ teiligt war. Vorwiegend chgendlichc Pcponen drangen in dül Läden und Backereien und plünderten sie, wobei die Fensterscheiberr zertrümmert w.rrden. In der Kcttl-.Fohann-Sttaße wurde eütz großer Bäckerladen gestürmt. Tic Polizei nahm mehrere Dertz Haftungen vor.
Amtlicher Teil.
Detr.: MFitärische Verwendungsfähigkeit der Lehrer.
An die Schulvorstände des Kreises.
Tiejenigen Lehr-cr. die kürzlich einer Nachnrusternng untt«. »gen worden sind, werden ersucht, uns umgehend durch KarM Sm Grad ihrer militärische:: Verweickbarkeit mitzuteilen. —^ Wir enipfehlen Ihnen, die in Betracht kommenden Lehr« auf tan*. stehendes aufmerksam zu machen.
Gießen, de.: 6. März 1918,
Grvßherzogliche Kreisschulkvmmissio« Eichen.
De. U fing er.


