Aus Stadt und Land.
Gießen, den 5 . März 1918 .
** Auszeichnung. Ter Kriegsfreiwillige Pionier Andreas Hüter, der zu Weihnachten 1917 zum Gefreiten befördert worden war, wurde nurrmehr mit der Hessischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.
_ cker-,Ausgabe. Ter bei den Kleinhändlern der
Stndt Gießen besitz Zucker für März 1918 faint von Niittwoch den 6. dieses Monats gegen Vorlage des Betellausloeises zur Zuckerkarte rurd Miesernng der Znckerinarle Nr. 3 in Empfang gewoinnren 'werden. Näheres siehe BelMrntmackiiimg im Anz<-igeitteil. _ ^ Iu der Alrces chule beginnt der Kursus der HauS- haltungs,chule am 12. März ; die Meldungsfrist für die Seminare war am 15. Februar abgclaufen.
. ** S t a d t the a t e r. Für die nochl ausstehenden Gutscl>eine wird nock) eine rveitere Vorstellung in näcksster Zeit angefttzt werben. Anläßlck) des am Samstag den 9. März statt!indenden Gastspiels von vaimclore^ Ziegler vom Großh. Hof- und Nationalthoateü Mannheim dürfte eine Besprechung der Weimarischen Zeitung von Interesse sein. Es heißt da: „Eine höchst angenehme Ueberraschiiug bereitete unser .Hoftheater gestern abend seiner Stamnihörerschaft und den Freunden Terpsichores mit dern Gastspiel der Tänzerin Frl. Hminclore Ziegler vom Großh. Hof- und Natioualtl>cater in Manul-cim. Es rvar ein wahres Labsal, wieder einmal wirklicher Tanzkunst zu begegnen. Im Anblick solcher Tänze eines allerdings blühenden, selten ebenmäßig gebau en Arüöchenkörpe^ staunt man über den Reichtum der Seele und ist stolz darauf, daß maii zu dem seelenbegabten Mcnsckienaesckstecht gehört. Eine Vestalin der Tanzkunst, hingegeben mit ihrer ganzen Glückseligkeit, mit all ihrer Freildc uiid all ihrem Schmerze an eine überirdische Macht der spricht sich die .Künstlerin ans. Ohne jede Aenßerlich- oder Mack»e ist das Spiel ihres Körpers erfüllt von unmittelbarstem natürlichen! Aufgel>en in der Musik, und was sie tanzt, ist der Ausdruck ihrer schöpferischen Empfindung. Aber nichts dünkt ge- uick/ts gefühlsmäßig übertrieben, reifer Verstand schwingt mit, jener nnlreitt.rßte Bersiand, der in je'cr Kimst mit drinsteckt .die erwaS taugt. Tie Musik ist für sie eine Gottheit, die an ihr Innerstes rührt, deren Stimme ihr Leben und Tod bedeutet. Taruin überull Inhalt. Leben, Kraft, Gesundheit. Manches ließe sich im einzelnen sagen, aber es sei dihrn zusammenpefaßt, daß die uner- sckiö.'fliche Vrel'eit i gleit der Künstlerin immer neue Ausdrucks mittel gewährt. Tie schönen, rasch wechselnden Kostüme, die ihrer Entwerter in alle Ehre machm, untarstlißten den Reiz »er Bilder in ch>heni Maße, nicht minder aber auch die sich anpassende schliche Bühnenszeueric, aus deren Grunde sich die Tanzbe-veanngen so wirksam abboben wie von der Mal stäche einer gric>chisck)en Vase. So Togen Schubert, Chopin, Bach und Johann Strauß an uns vorüber. Was Wunder, wenn Wärme und Schwmg. hinreißend und doch ebenmäßig, verbunden mit Grazie, geschultem und doch so wnnde-.rM angeborenem Können das ausverkanfte Haus in helle Begeisterung versetzten, sei mm die Seele ihrer Tänze tiefer und gc>- rragener Ernst oder leichte Schelmerei. Als es zu Ende 'war, ha^te niemand genug. Wenigstens den Radebftmarsch wicderkchte die D'mßlerm leicht und frisch w'e vorher. Ihre Knust macht sie nich müde, fte nt ihre Natur. Und wem §)amre!ore Ziegler auf eaier Küustlerfahrt wieder einmal Weimar berührt, so wird man sie hier ern.mtbegekst.nl begrüßen.. Tas tyat der selten gvoße und stüriuische Beifall von gestern wohl schon be.niesen.
** Lichtspielhaus, Ba hnhvf stra ß e 34. Zoei bc- deutendc F-cknUverke stehen auf dem nennen Spiclplan. In dem Tetektivschager „Das Geh-stmnis der Briefmarke" tritt Ada von Ehlers ans und in dem Gefellschaftsdrama „Und die Liebe siegt". Ggede Nissen. Siehe Anzeige .
Landkreis Gießen.
« <*r ^auBriTigen, 5. Marz. Eine Tochter des hiesigen Dahn beamten Walter, die im Bahndienste beschäftigt ^war, verunglückte gestern auf der Station Großen-Bnseck und starb bald nack, ihrer Einbringung in die Klinik zu Gießen.
** a m^ CTT &cr?? , ^ März. 2lm Samstag wurde unter allgememer Beteiligung der langjährige Bürgermeister uuseier Gemeinde Stephan, zu Grabe gebracht. Als Invalide des Krieges 1856 war er zimächist eine Reihe von Jahren Polizei- viencr mid dami 28 Jahre lang Bürgermeister. Neben anderen Nact. rufen ^widmete auch Woovinzialdirektor Geheiinerat Tr usmgsr dem Ver)torbenen warme Worte des Dankes und der Anerkennung.
Kreis Vüdingen.
^ Ortenberg, 5.März. Das Eiserne Kreuz erhielt der Gefreite Hermann Frech; Mur Unteroffizier befördert wurde der Gefreite Georg Holzwacth, zum Sergeanten der Unlerofsisser
Kreis Friedbrrg.
Reichelsheim, 5.März. Nach längerer Krankheit stürb rer Grogh. Bürgermeister Karl Schmid im Alter von 67 Jahren. -—Nie der-Wöllstadt. Tos Hessische .Kriegsehrenzeichen, früher vas Eiserire Kreuz und die Hessische Tapferkeüsmedaille, erhielt der Landsturmmann Herinann Bernhard. — Bönstad t. Der Gefteite Friedrich Jung wurde zum Unteroffizier befördert. 7^ Dwru-Assenhei m. Tie HessinTapferkeitsmedaille, ftnher das Eiserne Kreuz erhielt der Gefreitt ddermann Lein P. — Rod- y e i m v. d. H. Das Eiserne Ki'euz erhielt der Jäger Fritz I a c o d i. — Beienheim. Zum Gefreiten befördert wuode der Fahrer Wkll>elm B o pp.
Kreis Schotten
P . rr # ® schenrod, 5. März. Das Eisente Kreuz und die Hessische tapferkeitsmedaille erhielt der Grenadier Wilhelm Schar- m a n n.
Karl Frech. — Effolderbach Zum Sergeanten befördert wurde der Unterofftzier Winter, Inhaber des Eisernen Kreuzes ww der Hessischen Tapferkeitsmedaille. — Blofeld. Das Eiserne Kreuz erhielt der Kriegsiuvalide Hermann Mogk, die Hessische Tapferkeitsmcdaille her Unteroffizier Adolf Heß, Inhaber de>- Eisernen Kreuzes, und der Reservist Rudolf Kü fe r. — E ch z el l Das Eiserne Kreuz erhielt der Gefteite Goorg M o g k XIII
Schwnrgerechi.
vom 4. März 1918.
, Wegen Kindesmord hatte sich die am 16. Oktober 1833 zu Weitershain geborene, in Bleidenrod wohnhafte Georg Ph. Ebe- srau zu verantworten. Dieselbe ist angeklagt, am 22. November 1917 zu Bleidenrod ihr uneheliches Kind in oder gleich nach der Geburt vorsätzlich getötet zu l)abcn. Ter Ehemann der Angeklagten steht seit Kftiegsbeginn im Felde. Im Winter 1916/17 hat die Angeklagte, wie sie behauptet, mit dem Briefträger von Tcckenbach öfters geschlechtlich verkehrt, was letzterer unter Eid in Abrede gestellt hat. Infolge dieses Geschlechtsverkehrs äst sie schwanger geworden. Nach dem Gutachten des Sachverständigen ist das von der Angeklagten geborene uneheliche Kind aus Mangel an Pflege, lnsbeiondere well cs nicht vor der Einwirkung der Kälte geschützt worden ist, gestorben. Tie Geschworenen bejahten sowohl die gestellte Schuldsrage, als auch die Nebeufrage nach mildernden Umstanden. Das Gericht verurteilte die vollauf geständige Angeklagte zu 2 Jahren und 3 Monaten Gefängnis, unter Anrechnung von 3 Monaten der Untersuchungshaft auf die erkannte Strafe. Tie Angeklagte erkannte das Urteil alsbald an.
Ein §av von Tollwut in Grimberg.
Der Großh. Kreisarzt 'Herr Medizinalrat Tr. W a I g e r teilt uns mit:
In Grünberg ist ein Hund verendet unter Anzeichen, die den Verdacht von Tollwut in hohem Grade u^ahstegen. Vier Personen, die von dem Huud gebissen worden oder doch mit seinem Speichel in Meührnng gekommen sind, habe ich veranlaßt, sich SW, m kJ 3 Königl. Institut für Jns^tionskrankheiten „Robert Koch nach BerUn zu begeben, damit dort Wutschutz- Impftmgen bei ihnen oorgenomTNen werden können. Diese Schutzimpfungen köimen zurzeit irur in diesen: Jnstimt stattftnden, und zwar muß dies so früh wie nröglich geschehm. Tie Behandlung erfordert ungefähr 20 bis 30 Tage wrd bestcht in einer täglich aus- genchrten, völligschm-erz-losen Einspritzungen unter die Haut. Selbst- ver,ländlich hat niemand eine Einsperrung dabei zu gewärtigen: alle lnei-itber erzählten Fabeln sind müßiges Geschwätz. Tie Ber- P legungstosten für Aulschutzpameilten im Institut betragen für Erwach)ene 75 Mk., für Kinder unter 12 Jahre?! 60 Mk. Die Be- Avndlung selber erplgt völlig kostenfrei, und da Bettruhe in der Regpl nicht nottven.d?g i,t, so kmrn icder freie Unterkunft außer- der Anstatt ivählen, wenn er in der Lage ist, höhere Ver- pjlegimgskosten crufzuioenden.
.Die Tollwut (Lyssai- entsteht beim Menschen durch den Biß toll- wutkranber Hunde oder anderer Haustiere, ivie Katzen, Mn der. Schafe, Schweine. Ter Krankheitserreger ist nock) nicht sicher bekannt, aber jedenfalls im Speichel und anderen Wsonderungerr tollwutkranker Tiere vorhanden. Ter Ansbruch der Tollwut beim Menschm erfolgt erfahrungsgemäß ungefähr 20 bis 60 Tage nach dem erlittenen^Biß. In einigen Fällen ist diese Zeit des sogen, ^nkubattoiisstadiums auch etivas kürzer, oder noch länger Die Mo-iiate Febrimr bis Juli sind in be^-ug ans die Hänsrgkeit der Wutbrlft merklich stärker beteiligt, als die Monate August bis Ja- nu«r. trre Bißverletzungen im Gesicht und an den Händen sind am ge.'ahrlichiten, wett dabei der Geiser des wutkrcmken Tieres am lelchteften in dre Wunde gelangen kann, während er beim Beißen m die durch Kleidungsstücke geschwätzten Körperteile durch die Ge- weve der Klerderstone von den Zähneii abgestreist und dadurch un- Ichadttch geniackft wird.
Vecletzte, die i ich der Behandlung durch Schlitz impsun gen in Berlin unterziehen sollen, sind von der Orisvolizeibehörde der Ti- :ektr-on des Jnstttuts für Infektionskrankheiten schriftlich oder tele-
fort getötet oder bis zu pokizeMchem Einschreiten in einem sich er « Behältnis eingesperrt werden. Ist die Tollwut an einem Hunde odev an einem anderen Haustier festgestettt. so ist die sofortige TStung des wutkrauken Tieres und all'tr derjenigen Hunde und Katzen arr- zuordnen, bei denen der Verdacht besteht, daß sie von dem rmi* kranken Tier gebissen morden find. Besteht dieser Verdacht auch für Mdere .Haustiere, so müssen diese sofort der polizeilichen Beobmtz- tung unterroorsen iverden.
Mögen des Vorkommnisses von wlttverdächtigier Erkrankims --.3 Hundes in Grmrberg ist dringend zu raten, daß alle Personen in Grünbcrg und Unigegend, die in letzter Zeit von ivgent»'
einem Hund gebissen sein sollteii, dies sofort einem Arzt mitteile» uird auch der Veterinärarztstelle in Grüuberg Anzeige erstatten. Strenge Hnndesperrc ist für Grünberg nebst allen Orlen im Ito kreis von 10 Kilometern für die Tauer von drei Monaten vom Großh. Kreisgesundheitsamt beantragt worden. Dabei ist alle» Hundebesitzern der dortigen Gegend, sowie auch anderwärts, dringend anzuraten, ihre Hunde sorgfältig zu beobachten und bei jeder auftällenden Veränderung sowohl des Gesundhütszustandes als auch des Benehmens der Hunde sofort der Rat eines Tierarste» nachzusuck-en und dem Tier gegenüber größte Vorsicht w beobachten.
«i« anzumelden! md haben sich dort unter Vorlegung eines <)Nwcr am g;scherus der Poli eibeHörde ihres Wohnortes bei der Di- re^^o^^ der Anstatt vorz-ustellen.
^ Sorgfältige Ueberwachung der Hunde, Maulkorbzwang und -Nlndpperre sind weitere ivirksame Maßregeln zur Berlnätung der Wuttlankl-eit. .ttcßerdem nühZeitige Tötung der kranken und sichere 'uosLMdcrung und Beobaclitiuig der lvutverdächtigen Tiere. Hunde i b:x justiere, die der Seuche vm'dächtig sind, müssen von
d-em Beptzer oder demjenigen, unter dessen Aussicht sir stehen, so-
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Letzte Nachrichten.
(WTB.) Grobes Hauptquartier, 8. Mürz. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppen Kronprinz Ru pp recht »nd Deutscher Kronprinz.
Lebhafte Erkundungstatigkeit an vielen Stellen der Front. Nördlich non Reims und auf dem östlichen MaaAifer war die französische Artillerie vielfach rege.
Heeresgruppe Herzog Albrecht.
Auf den östlichen Muashöhen tagsüber heftiger Fenrr- kampf. Starke französische Abteilungen brachen am Abend zum Angriff gegen unsere Stellungen östlich von Mvuilly vor. Sie wurden im Gegenstoß zurückgeschlagen. Auch a» der lothringischen Front und in den mittleren Vogesen herrschte gestern erhölffc Gefechtstätigkeit.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Die Rumänen h-den unsere Bedingungen angenommen. Somit tritt der Waftenstiilftand mit Rumänien von neuew in Kraft.
*
Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
Der Erste Generalguartiermeister Ludendorff.
* * ’
Der Vizepräsident des Reichstags an den Kaiser.
Berlin. 4. März. (MTB. Nichbcrmtlich.) In VertrLu?ng 1*9 abwesenden R-eichstagsprüsidenten hat Vizepräsident Geh. Jnftir» vat T>ove folgeiü>es Telegramm an S. M. den Kaiser gerichtet'
Euer Kaiser-lick^ und Königliche Majestät bitte ich im Namen des Reichstages der hvhen Freude Ausdruck geben zu dürfen daß durch den Friedensscktlluß mit der rissssschen Republik nun an da- Ostfront der Fineden wieder hergestellt ist. Durch die unvergleich, ltidjteu Waffentaten unserer Brüder im Felde und ihrer VerbünZ, deten, durch das Genie ihrer Führer und durch das Opfer btÄ Bottes ist die deutsche Kultur vor der Vernüftttmg bewuhrt worden, welche durch den Ansturm der im Zarenreich vereinigten Völker Massen drolste. Euer Majestät hat das zur Verteidigung des Vaters landes gezückte Sck>wert mit dem Lorbeer des Sieges umwunden.. Dankbar für das erttschÄsssene Aus harren, bis der BernichkungsR Wille auch der anderen Feinde durch die Kraft der deutscher Waffat sebvochm ist, erhofft :nit dem ganzen Volk der deutsche Reichstag, daß bald uns der allgemeine Frieden beschett sein möge, der ftÄ Bahn gibt rn ftledlichnn Wettbewerb mir den Vüst^rn unter dentz rulMreichm Zepter Euer Majestät, der Macht und der Herrlickcknt des Vaterlarches uns zu fteuen, die Wunden, die der Krieg ge* schlagen, zu heilen und für die Freiheit und Wohlfahrt des M zu arbeiten.
Der König von Sachsen ztnn Frieden.
^ Berlin Z.Mavz. (W.B. Nichtamtlich) Vom Köirkg von a ch) en ist dem Reichskan-ler folgendes Telegramm' zuao- gangen
. -Der hochbedeutende geschichtliche AngenMck, indem wir mn der ersten feindlichen Großmacht zum Frieden gelangt stnd^ bretet mir eine willkommene Gelegenheit, Euer Exzellenz meine» herzlichsten Glückwunsch und meine begeisterte, aus überguell«»- dem Rutschen Herzen stamEtide Freude ausznsprechen. _ gez. Friedrich August/
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