Aus Stadt und Land.
Gießen, den 4.Mär- 1918.
Fm landwirtschaftlichen Hilfsdienst.
Am 7. November 1917 frühmorgens um» 7 Uhr trat meine Klaffe, die Unterprima des Gymnasiums in Gießen, ihre Tätigkeit im Dienste des 'hiesigen lLndnürrsck>aftl:chen Instituts an und wurde -is zum 17. November von den verschiedenen Arbeiten dort in Anspruch genommen. Im' Gegensatz zu den übrigen Klassen, die in den vorhergehenden Monaten auf Larrdarbeit gewesen waren, hatten wir mit dem Wetter Unglück. Zuerst hoffte mlcm, der schneidende Regensturm werde am nächsten Tage aufhören, und beschäftigte uns derweil mit Kartoffelauslesen. Aepfelschäleu, und anderen kleineren! Arbeiten. Ms aber am dritten Tage das Wetter anstatt besser zu werden, nur noch schlimmer wurde, da half alles nichts. Wollte man die Kohlrüben auf den Meckern nicht verderben lassen, so mußte man sie unverzüglich, ehe Schnee und Eis kamen, aus machen und in Sick?erheit bringen. Ich hoffe, daß der, der diese Zeilen liest, weiß, wie das Wetter im November sein kann. Frühmorgens war alles bereift und die Krautstengel eiskalt, und mittags bildete der muti aufgetaute Acker einen wahren Morast. Eisiger Regen und schneidender Ostwind machten die Lage auch nicht angenehmer. Trotzdem haben ivir sticht über das Normalmaß hinaus geschimpft. Ja, so merkwürdig es auch klingen mag, wenn es am tollsten herging, dann vMt unsere Stimmung am vergnügtesten. Das l>abe ich Überhaupt schon manchmal gemerkt. Je größer die Schwierigkeit, mir desto größerer Freudigkeit machen wir Iungcns uns an ihre lleber^ Windung. Auf jeden Fall Achtung vor den Bauern, die solche Arbeit das ganze Jahr hindurch leisten müssen. Unser Verhältnis zu den Arbeitern, die mit uns beim Rübenausmächen beschäftigt waren,! war gilt, auch zu den für ** i ut artet end- n z-iä-g. g-". arge en, bei denen wir unsere französischen Sprackckeirntnisse eriveiterten.' Dabei arbeiteten wir auch tüchtig, so daß Inspektor nno Aufseher wohl zufrieden sein konnten. Als wir dann, wie oben schon gesagt, nach 10 Tagen wieder zur Schule zurückkehrten, da war zwar keiner von uns darüber unzufrieden, dem: es wurde immer kälter. Aber feiner von uns. wie ich glaube, möchte wohl die Grnmcrnng an unsere Landarbeit missen. Wenn es daher wieder etwas für uns zu tun gibt, sind wir wieder zur Stelle. F. H.
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** Amtliche Personalnachrichte n. Der Groß- Herzog hat am 23. Februar l.J. dem Pfarrverwaltcr Friedrich Vogt zu Herchenhain die evangelische Pfarrstelle daselbst übertragen und den von Sämtlichen Riedesel Freiherren zu Eisenbach auf die evangelische Pfarrstelle zu Meiches präsentierten Pfarrassistenten Peter Bock zu Bosenheim für diese Stelle bestätigt. — In den Ruhestand versetzt wurden: der Maschinenaufseher .Heinrich Reinhart in Mainz und der Wagenaufseher Friedrich Riemer in Mannheim, beide in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinsck>afL, vom 1. April 1918 an.
** Auszeichnung. Der Heizer im städt. Schlachthof Mols Dietz, Inhaber der Hessischen Tapferkeitsmedaille, wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet.
** Verhalten bei Fliegerangriffen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß bei nächtlichen Fliegerangriffen bei einem Teile der Bevölkerung die Neigung besteht, die von ihnen bewohnten bzw. ausgesuchten Räume zu erhellen. Die plötzliche Verstärkung der Lichtquellen sonst gut verdunkelter Städte gibt dem angreiferrden Gegner s ie Möglichkeit, sich zu ^orientieren und zu einem gezielten Bombenabwurf ziu gelangen, ist also geeignet, den Wert der Verdunkln n^s Vorschriften mit einem Schlag hinfällig zu machen. Das muß unter allen Umstanden vermieden werden. Im eigensten Interesse der Bevölkerung liegt es, gerade während eines nächtlichen Fliegerangriffes die Verounke- lnngsmaßnahmen aufs peinlichste durchzuführen.
** Von der Post. Die ordnungsmäßige Bearbeitung und pünkliche Besorgung der Briefe wird der Post durch die übergroße Verschiedenheit der Briefform, durch die Ungleichmäßigkeit im AufNeben der Freimarken und durch die oft geringe UeberjichUichkeiL der Aufschrift in lästiger Weise erschwert. Im eigenen Interesse benutze man daher nur rechteckige Briefumschläge mittlerer Größe — die geeignetste Form ist 15 Zentimeter lang und 12 Zentimeter breit — klebe die Marke in die rechte obere. Ecke, schreibe unten recht deutlich den Bestimmungsort nieder und unterstreiche ihn. Wer seine Briefumschläge mit einem Vordruck für die Adresse versehen läßt, der lasse auch gleich ein Feld für die Marte und einen starken Strich für d:e Angabe der Bestimmungspostanstalt unten rechts mit Vordrucken.
** Besitzwechsel. Konditor Ludwig D ö l l erwarb das ehemalige Boriraäffersche Anwesen Rodheimer Str. 30 für 78 000 Mark. — Getreidehändler Leopold Meyer kaufte für 86 000 Mark von Max Hochsteller Witwe deren Haus Bahichofstraße 71.
** Preußisch-SÜddektsche Klassen-Lotterie 'Die Erneuerung der Lose zur 3. Klasse muß unter Vorlegung des Vorklassenloses bis zum 6. März abens 6 Uhr geschehen. Auch müssen bis zu diesem Termin die Freilose gegen Rückgabe der Gewinnlose in Empfang genommen werden.
** Stadttheater. Auf die heute stattfindende Auf- sührimg von „Liebelei" von Arthur Schnitzler sei auch an dieser Stelle nochmals ganz besonders hingewiesen. Ferner sei bemerkt, daß heute die letzte Vorstellung ist, in der Gutscheine verwendet werden können. Am Samstag den 9. März wird Frl. .Hannelore Ziegler vom Großlierzoglicheu Hof- und National -Theater Mannheim ein Gastspiel geben und an diesem Abend „Eigene Tänze" vorsühcen. Frl. Ziegler hat mit ihren „Eigenen Tänzen" an fast sämtlichen .Hof- und
Stadtthcarern Deutschlands gastiert und sowohl bei Publikum wie Presse hervorragende Erfolge erzielt.
Landkreis Gießen.
** Obbornhofen, 3. März. Am Freitag feierte unser Bürgermeister. Konrad Le sch Horn und seine Ehefrau das Fest der goldenen Hochzeit.
Kreis Lnutcrbach.
rr. Schlitz 3. März. Kaufmann Georg Tböt und Ehefrau feierte:: in Frische und Rüstigkeit das Fest der Goldenen Hochzeit. Der Großl)erzog ließ sein Bild mit eigenhändiger Unterschrift überreickfen. und der Vorstand der hiesigen Darlehnskasse, deren längs übrigrr Direktor der Jubilar ist, erfreute Herrn Thöt mit einer nxntvollen Uhr. — Winterfrucht wie auch der Klee haben im Sctstitzerland bis dahin ausgezeichnet übervftUert und ist der Stand der Wuttersaat hier ein viel günstigerer, als vor Jahresfrist. In frtsä-em, saftigen Grün heben sich die Saatfelder vom dunklen Ackerland ab mrd eröffnen für die Ernte verheißungsvolle Aussicht«:. ___
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Die ©oi&anfaufffeüe
!n öcit Räumen öcr veMssparkat-e Stehen ist morgen nachmittag von 2 bis 4 Ahr geöffnet!
Kreis Friroberg.
~= Bad Nauheim, 3. März. Zu den fünf Kandidaten, die sich ani 26. März um das Mandat des Landtagslvahlkreises Butzbach—Bad Nauheim l>eiverben, hat sich noch ein sechster gesellt. Es ist der Landtvirt und Bürgermeister Die hl aus Hochveisel, der als politisch Unabhängiger aufgestellt ist. Nunmehr stehen sich gegenüber ein Nationalliberaler, zwei Sozialdemokraten, ein Zen- trumomaim, ein Bauernbund ler und ein Unabhängiger. Ob die Fortschrittler iroch einen Kandidaten aufftellen, ist bisher nicht bekannt.
Slarkenburg und Mtinhesskli.
I. Darm st ad t, 2. März Auf der Pellaswiese wurde aus dem Ausflußrohr eines städtischen Kanals die Leiche eines neugeborenen Knabeu mit zertrümmerter Schädeldecke gesckAvemmt, die schon mehrere Wochen im Wasser gelegen haben bürste. Das Kind bat gelebt.
I Darm st a dt, 3 März Eine Bürgermeister- V -rsammluug des Landkreises Darm stad t beschloß die Bildung einer Fleisch-Rücklage. Es tvird zu diesem Zivecft ein Teil der dem Komuuuraloerband Angewiesenen Rinder im Tarmstädter Schlacht lwi gesckstachtet und m den dorttgen (Gefrierhäusern eörgefroren.
I Alsbach, 3. März. Zur ^Zesatzrmg des glücklich hei',ngekehrten „W olf" gehört auch ein dllsbacher, der Obermatrose Friedrich Bo hn
I Griesheim b. Darm st., 3. März. Durch die Lektüre von Schundronunren verdorben, überschwemmt gegenwärtig eine Bande von Lausbuben hiesige Familien mit anonymn Schmäh- und Drohbriefe:: des nnssätigsten Inhaltes, in denen sie unter Tod^sdroHungen Geld zu erfwessen suchen. Unterschrieben sind die Briese mit ,.Die Schwarze L^and". „Luch?. Pnoatdetektiv" und ähnl Hoffentlich gelingt es, den dummen Buden bald das Handwerk zu legen.
Kreis Wetzlar.
ra. Hochelheim, 3. März. Infolge Nichtbeachtung der Kriegsgesetze wurde die hiesige Genosstnschaftsmühle I amtlich geschlossen.
Hessen'Nassau.
X Hanau, 3. März. Der zwanzigjährige Aushilfsbeizer Gustav Feite aus Orleshausen (Krei? Büdingen) tourde im Bahnhose Hanau-Ost beim Ueberschreite:: der Gleise von einem einfahrenden Güterzuge ersaßt und sofort getötet.
Zpielplon des Eichener Ztadttheaters.
Montag 4. März. 7 i/ 2 : ölew. Vr. (emt.V Gutscheine haben Gültigk. „Liebelei". Samstag 9., 7y 2 : Gew. Pr. Einm. Gastsp. d. Tanzkünstlerin Hannelore Ziegler v. .Hosthcater Manuhüm. Dazu: „Wcmn foir altern". Sonntag 10., 3‘/2: Kl. Pr. „Othello". 7 1 /,: Gew. Pr. (erm.). „Unter der blühenden Linde". Montag 11., 7:/ 2 : Sowdervorst. f. d. kriegsbesch. Arbeitersch. Kein Kartenverk. „Im weißen Röß'l".
vermischtes.
Doppelmord im Pfarrtzauft.
Köln. 2. März. Im Pfarrhaus des Dorfes Karten, Bchw- station Heinsberg, wurden in der Nacht jum 1. Märy der Pfarrer Theodor Fischer und s e i 71 e H a u s h ä l t e ^ i n e r m 0 r d e t. Der Ermordete war der Neffe des slar i als Fischer von Köl 1 und ist 42 Jahre alt gewesen. Bei'murlich liegt Raubnw.o vor.
Köln, 3. März. (Pritxtttelegvamm.) Ten Blättern zufolge hat die neunzehnjährige Katharina Nentz, Tochter eines kleinen Bauers, kwigestanden. den Mord an Pfarrer Fischer nnd dessen Haushälterin verübt zu hrben. Das Mädchen war als Schreiberin «wittmin: Brief' sestgestellt nnd 0 ? war ihr v>m Pfarrer eine dreitägige Frist gestellt, dem Bürgermeister die Verfehlung einzngesteheir Kurz vor Wstanf der Frist, abend? 8 Uhr, begab sich das Mädchen mit einein Beil und einem Brotmesser bewafsiret.
lns Pfarrhaus, um) sie zuerst die Haushälterm und dann den Pfarre:' erschlug Md diessm den Hals durch schnitt.
Ein Bergwerksunglück in Westfalen.
Herne, 2. März. lWTB., Donnerstag früh 1% Uhr erm* netc sich in der Schachtanlage I/II der Zeche „Friedrich der Große" auf Flötz Hugo eine Explosion schlagender Wetter. Bis nachmittags 4 Uhr waren 2 6 Tote geborgen D-er Betrieb ist mir vorübergehend gestört. Be-cginspettoe Üirchcrn« und Oberbergrat Höcker vmn Oberbergamt Dortmund waren an UnsaMstelle.
Gwße Schnerfätte in der Schweiz Bern, 3. Mär^. Aus der ganzen Schweiz wervei: g r & ß e Schnee fälle gemeldet, die vielfach Unterbrechungen der Bahn- urkd Telegraphenverbindungen l-erbeiführea. Auf oer Lötsrdber^ rinne ist die SchiroeWeu^dermasckstne durch eine ^Staublawine gänzlich zugedeckt U7w die elektrischen Leitungen sind teilweise iveg- gerissen worden, ebenso bei der Goltharottnie. Tie Schneehöhe betragt bis 2 V 2 Meter. In Wallis blielban die Züge stecke,: Ter Bahnhof Brig ist ohne Berkdhr. Schni7wn, Ställe und selbs! Wohnhäuser' wurden eingedrückt. %zc Schaden ist groß. Auf dev Gotthard ging eine Lawine nieder nnd begrick) zwei Mann, fru denen eine,.- tot ist. Die LLvureugerahr iii l - . 'ct] fein zroß.
Letztc NKcbrichtcn.
(WTB.) Großes tzauptguartier. 4. Mürr (Amtlich.)
H eeresgruppen Kro npri nz Rupprechr und Deutscher Kronprinz.
Eine eigene Stunnüvieilnug drang an d<'r f,\tx m feindliche Linien und nahm eine Anzahl Belgier gefangen. Starkem F^uer folgten an mehreren Stellen der flandrischen Front englische Borstötz.:: sie wurden ab gewiesen. Im übrigen blieb die Gefechtstätigteit auf Artillerie- nnd Minenwerfer kämpft in einzelnen Abschnitten beschränkt.
Heeresgruppe Herzog Albrecht.
Auf den östlichen Msashölteu waren französische Artillerie und Minenwerfer zeitweilig lebhrst.
Bei kleineren Nnternchmungen nördlich vom Rhein Marne-Kanal, westlich von Blamont und südlich von Metzeral wurden 27 Gefangene eingebracht.
Oestlicher Kriegsschauplatz
Infolge Unterzeichn »mg des Friedensvertrages m.t Rußland wurden gestern die militärischen Bewegungen in Grotz-Rußland eingestellt.
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Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
Der Erste Generalgnarriermeistcr Ludendorff.
Presftsttmmen zum Frieden Sfchtnß.
Berlin, 4. März. Zum Friedensschluß mit ))tußl<md sagt die Boss. Ztg/': „Tie übermächtige Koalition, die uns gegen- übersiand ist gesprengt nwrden. Mckitärisch wer der: die deutschen Heere nach dem Osten nicht inehr zu kämpfen !-aben und wenn auch Rumänieu zum Frieden gezlmmgen ist. tz iteht für Derftichltznd der- Feind nur noch im Westen. Ter weitere Kanrpl ist oernmacht/
Die „Kreuzzeitung" schreibt: „Gewaltiger stämpfc hat e* deSmrft, bis wir vor diesem Ereignisse von ^ltgeschichttickier Bedeutung stehen dtirftm. Wenn nach menschlrchem Erinessen die uns im Osten drohende Gefahr als beseitigt gelten kann, so danken wir diesen herrlick-en W-rffmrersolg unseren Truppen unter der genialen Füllung Hindenbuogs, dessen Name mit der Niederloer- ftmg des östlichen Gegners rn ganz besonderer Weise verknüpft ist,"
Der „Berliner Lokalanzeiger" sagl^ „Mr lenken unsere dankbaren Micke pach dem Harrptguartter zum Kaiser, der Hindenbura und Ludendorff freie Hand schaffte und zu diesen beiden genr<cken und tatkräftigen Männern selbst. Aber auck) dem Grafen Hertlmg und dem Staatssekretär von Kühlmann danken wir. Ihnen war durch unsere Wiaffen glänzend vorgearbeitet. Sie liaben sch ihrer Aufgabe mit Festigkeit und zäher Ausdauer entledigt."
„Mit rmgeahnter Bollftnnmenheil." schreibt die „Post", „Hai das Sckriwert gearbeitet. Hindenburg und rmsere Trnpven haben das Ziel, um das es getan werden nrichte, erweicht. Ein Friede der derr Lebensnotwerchigkeiten der Mittelmäck>tc irr der äugen-, Micflidreu Lage vollauf Reärrurrg trägt, ist mit den derzeitigen! Machthabern in Rußland geschossen worden. Das ungeahnt freie und freudige Aufatmen, das heitt reden Deutschen mit Blicken, nach dem Osten erfüllt, kann erst der ermessen, der im Geiste r-Dckmrals die Tage und Jahre von Tcmrrenberg bis Reval uni Kiew an sich vorüberziehen läßt. In ihm erst wird klar, welchr Gefahr Deutschand errtvonnen ist rmd was wir erreicht haben."
Die „Tägliche Rundschau" meint: „Mag vielleicht der Friede den Charakter eines Provisoriums haben, sv gibt uns doch die Kriegsmüdigkeit und Erschöpfung Rußlands, das Erstarken der befreiten Randstaaten und das Verbleiben unserer Trirypen in den bchetzten /Zaudesteiven die Gewähr, daß auch die bald kommende andere russich Regierung sich scheuen wird, den regelrecht ab- geschlossenen Frieden zu brechen"
Amerikas Krftgskosftn.
New-Bork, 2. Mäi^z. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Neutersckjen Bur«rus. Der Werbefeldzug für die d r i t t e „F reihe i t s a n l e i h e" wird am 6. April, dem Jahrestag des amdci- knnischm Eintritts in den Krieg, beginnen. Der Zinsfuß usiv. stehen noch Tricht fest, doch werden nxrhrscheinlich mehr als 3600 Millionen Dollars ausgenommen werden.
Eine amtliche Aeußerung des Schatzamtes gibt die kaufenden Kricgskvsten der Bereinigten Staaten auf ettva KXXl Millio-neir Dollars monatlich an. Jin Februar betrugen sie 1 002 878 608, wovE 665,4 Millionen regelrech e Kviegskosten und 325 Millionen Darlehen an die Miierten darstellen
Giesjcner Uonzertverekn.
Gießen, 4. März 1918.
Wenn wir Maria Philippi im Oratorium oder Kvnzert- faal begegnen, so drängt sich uns immer der Vergleich mit Jeimv Lind aus, obgleich es uns Jüngeren nicht mehr vergönnt gewesen ist, die vielgepriesene schwedische Nachtigall zu hören. In der Tat stehen loir einer einzigartigen Persönlickcheit gegenüber, deren Übermis sympathischen Erscheinung und se't.n künslei'ch' Vorzüge sckMt allein hinreichen würden, uns mrt der größten Bew>m- derung zu ersüllen. Aber ist ies nur das edel klingende Organ, das nicht nur eine satte Tiefe, sondern auch vortreffliche Törie in der Höhe namentlich im piano, aufzuweisen hat, ist es nur die ausgezeichnete Atemtechnir und Stimmbildung, die sie aus der Schule vou Julius Stockhauscn mitbringt, ist es das hinreißende crescendo im Affekt von mf zuni ff, wie es namentlich in zweien der Brahnisschen Lieder so überzeugend zum Llusdruck kam („Wehe, so willst du mich wieder", „Die Mainacht"), ist es insgesamt die pon vornehmem Geschmack zeugeTide, auf tiefstem textlichen wie musikalischen Verstel)en begrüirdete Äuffasfting, ist es das allein, waS uns so ergreift? Ueber dem allen liegt vielmehr die Majestät einer reinen Seele ausgegossen, die sich dem Hörer mit bezwiTugender Macht mitteilt, sein Inneres lvundersam in Mitschwingen versetzt imi> ij>n bis ans Eiche gefesselt hält: hierin wurzelt Maria Philippis hehre Kunst. So erscheint sie für Brahms prädestiniert und auch für Schumarm. Ein näheres Eingehen auf die zum Bortvag gebrachten Lieder erübrigt sich in Anbetracht der Vünstlerisck)en Bollendmrg. in der wir sie hören durften; nur mögerr von den Schumannschen Liedern „In der Frenrde", „Intermezzo". „Schöne Fremde" und „Frühlingsnacht", aus der Gruppe Brahms „Geistlickies Wiegerckied", „Kdmm bald", „Wel)e, so willst bu mich wieder" und ,,Mainacht" als besonders gelungen erwäbu-t sein. — Die Künstlerin durste sich nach jedem Vortrag herzlichen Dankes erfreuen und war am Schluffe Gegenstand
lebhafter, auch für das beifallsfreudige Gießen außergewöhnlicher Ovatirnren, loofür sie sich ourch 3 reizerch gesungene Zugaben: „Ständchen" ,Iöiegenli<d" von Brahms und schweizerdeitt- sck-es Volkslied von Niggli erkenntlich zeigte.
EiTw angenehme Abwechstung brachten die Vorträge des Herrn Ph. Neeter-Stuttgart auf der Viola d'amore, einem bratschenartigen Saiteninstrument, dessen Blütezeit sich an den Namen Stamitz knüpft und dos beute außer Gebrauch ist, mit Ausnahme der Nomcrrrze t>?$ Raoul in Metierbeers „Hugenotten", too es zur Begleittmg verwendet wird. Neben sieben Grisfsaiten befinden sich hier 7wch siebm mittöuende Resonanzsaiten unter Steg und Griffbrett, die je irach Bedarf in einen anderen Akkord umgestimnit werden können. Daraus ergebe:: sich allerlei reizvolle ?brsdrucks- Möglichkeiten (Arpeggien, Doppelgriffe, Strich urü) Pizzikato aut demselben Ton usw.), die den an sich etwas dünnen Ton des Instruments wettmacben. Weniger traten diese rn der zu Anfang gespieltei: Sonate in A-Dur von 9lriosti als in dem A:ck«nte und Menuett in D-Dur vor: Milaudre l)ervor: diese letzter«: Stücke wurden besonders l^rzlich ausgenovrmen und veranlasckeu die Zugabe von Padre Martinis etwas hausbackenem ,^Zicbcsverg7Ulgen". Herrn: Ph. Neeter lag cuich die Solobraffche in der: kleiden Brahmsgesängen ob: säintlickier Vorträge erledigte er sich mit schönem Otlingen, und wir sind ibrn für seine interessanten Darbietungen auf der Viola d'anwre zu besonderem Dank verpsliästct.
.Herr Professor Trautmann hatte ivieder' um den Erfolg des Abends durch vorzi'igliche Begleitung der Instrumental- und Gesangsuummeru großes Verdienst: aus letzteren müssen die „Frühlingsnacht" und das Brahmsscl>e „Wehe, so willst du mich nneder" als besondere Leistung notiert tverden.
Schliesstich nmh 3 Fragen cmS P::blikum. Ersten-: Ist eS nötig, daß die Programme rmtlei: im Vortrag der einzelnen Nummer so geräuschvoll umgcwendet werden, zumal diesmal Ceitte typo- araplstsche Notwendigkeit dazu vorlag'? Zlveitens: Ist es nötig, haß in den Pausen ein gegeirseitiges Be sieden und Hin- uitb
Herlausen stattftndet. eine Gepflogenheit, der sich namenllich die Jugend befleißigt? Drittens: War die Viola d'amore allein fcluild, daß auch diesmal wieder einige im Konzertsaal recht übcrslüssigO Operngläser an: Werke waren? * Dr. G. R.
mr. Frankfurt a. M., 3. März. Im Opernhm:s fmtfe Sonntag abeick> die erfolgreiche Erstarmührung von Julius Vitt- ners Oper „Höllisch Gold" statt^ die starken Beifall errang. Die Musik des jungen üsterreichssckxn Bezirksriästcrs erinnert vitckfach an H7:mperdiuk, mmnl)«mal glaubt man anch Weisen einer altfvanzösisck)ien Operette zu hören, deirnock) sind manä)e Sätze streng modern, :m Sinire d«^ heirtigen Musikdrainas. Was besonders ailsprach, war die einfach-:raive u:ch trotzdem wirk:mgS- volle Halchlung, die legendenhaft die Rettung der jungen Frau durch die OwtteSnrittter offenbart. Gustav Bracher meisterte unt sicherer Hm:d den umfangreüchm Orcke'terkörver, ivährend Robert vom Scheidt (Mmm). Rtagda Spiegel .Frau), Hern:a:m - b. amm (Teufel), Ermna Holl (Das alte Weib) uud Erik Wir! (Ephraim) den Intent ion des Komporüsten lebenswahre:: Ausdruck verliehen. Auf die Oper folgte, ebenfalls erstmalig aufgeführt. das Rciinv» drama „Tie letzte Maske" von Karl Dtürrzer, mit der Musik von Wilhelm Mauke. Das Drama schildert den letzter: Besuch eines Maskenballes dirrch Viola, cntcS jungen sühnen, aber Herzkranken Mädchsens. Hier streiten der ivnße u:ch der schvarze Picrrot um ihre H-unst. Viola verschmäht de:: schvarzen und sinkt tum weißen Piervot in die Arme. Der schrvarzc Pierwt. in Wirklichkeit der Tod, ninimt Roche. :md Viola sinkt entseelt auf bmt Wege nach Hause zu Boden. Der weiße Pierrot komntt hinzu, erkennt in der Tote:: seine Gesiebte und stirbt gleicl^alls. von Schnierz überwältigt. Tie Mmikc-fche Musik betont d::rckx:us das Moderige. Tie Darsteller, vor allem Frärlleru Mftrmaw: als Viola mrd Herr Benselcr als weißw Pierrot, wurden neba: den: .Winponiiten :nrd .Kapelln:eiste:- mehrfach gerissen


