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Erster vlatt - 168. Jahrgang - . > . Montag. \]

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Montag. Zebruar 1918

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Auch der Friede mit Rußland hergestellt.

Brest-Litowsk, 19. Febr. Die dentsch-österreichisch-ungarisch-rnssische Kommission für die Be­handlung politischer und territorialer Fragen hielt gestern und heute Sitzungen ab. In der heutigen Sitzung teilte der Vorsitzende der rnssischen Delegation mit, das; Rußland unter Verzicht ans die Unterzeichnung eines formellen Friedensvertrages den Kriegszustand mit Deutschland, Oesterreich-Ungarn, der Türkei und Bulgarien für beendet erklärt und gleichzeitig den Befehl zur völligen Demobilisierung der russischen Streitkräfte an allen Fronten erteilt. Für die aus dieser Lage sich ergebenden weiteren Besprechungen zwischen den Mächten des Vierbundes und Rußland über die Gestaltung der wechselseiti en diplomatischen, konsularischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Beziehungen verwies Herr Trotzki ans den Weg unmittelbaren Verkehrs zwischen den beteiligten Regierungen, ans die bereits in Petersburg bestehenden Kommissionen des Vierbundes.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 9. Februar. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Nördlich von PaSschendacle und westlich von Oppy vmchten wir in kleinen Infanteriegefechten Gefangene. Das Borfühlen einer schwachen Erkundungs-Abteilung bei tzontaine-les-Croiselles lüste beim Feinde auf breiter Front heftige Feurrtätigkeit aus.

Heeresgruppe Herzog Albrecht.

Am Osthange der Eotes Lorraines hatte ein Handstreich gegen die feindlichen Stellungen nördlich von Ronvaur Er- folg.

Die französische Artillerie war in einzelnen Abschnitten zwischen Maas und Mosel tätig. Nördlich von Livray wurden Amerikaner gefangen.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Der Frieden mit der Ukraine ist heute 2 Uhr morgens unterzeichnet worden.

*

Bon den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.

Der Erste Generalquarticrmeister * Ludendorff.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 10. Februar. (Amtlich)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

An einzelnen Stellen der Front Artilleriekampf. In Erkundungsgefochien wurden nahe an der Küste Belgier und Franzosen, nordöstlich von Ypern, sowie zwischen Cambray und St. Quentin Engländer gefangen.

Heeresgruppen Deutscher Kronprinz und Herzog Albrecht.

Im Maasgebiet, beiderseits der Mosel und in einzelnen Abschnitten nordöstlich und östlich von Nancy erhöh e Tätig­keit des Feindes. Französische Erkundungs-Abteilungen drangen in der Sette-Niederung vorübergehend in unsere Linien bei Allendorf ein: in der Gegend westlich von Bla- nwnt wurden sie vor unseren Hindernissen abgewiesen.

Bon den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.

Der Erste Generalquartiermeister Ludendorff.

Die Abcndberichte

Berlin, 9. Felrr., abends. (WTB. Amtlich.)

Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues.

Berlin, 10. Febr.. abends. (WTÄ. Amtlich.)

Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues.

. Wie lernst, groß und feierlich ist die Stunde! Das W- Friede ist uns zum zweiten Male eingeläutet worden, de wenn auch. Herr Trotzki dieses Wort nicht ausdrücklich a: gesprochen hat, wenn er vorläufig auf eine förmliche V' kragsschließung verzichtet, in der vonFrieden und Freu:

die Rede ist, so bedeutet seine Erklärung, die die wrtrge Demobilisierung aller Fronten einschließt, nichts c t]h av *? ic ® n ff cn ivrtan ruhen und der Friede ei teort. Die Politik unserer Unterhändler ist von einem gros Erfolge gekrönt! Trotzki wollte allem Anschein nach eiw Ultimatum der Mittelmächte zuvorkommen, und er hat e geset^n, daß nach den: Frieden, den die ukrainische Vol republlk abgeschlossen hat, auch dem nördlichen Rußla niasts anders übrig bliebe, als den Frieden anzunehuu ciL} a A^ewaltigung ist, sondern eine dauernde V söhnung der bisherigen Gegensätze. Der Krieg hat gewaltigl Umfior7nmrge-n aeschaffen, als MeasschM-ngeist es je vermo hatte. Das große Zarenreich des Ostens, das durch Erol rungs- und Machtwttlen zusammengehalten worden war, z fallt rn seine natürliche Teile, und das große Kulturp, blem das unter dem Selbstherrscher aller Reußen niem< zu lösen gewe,cn war - Rußla,id ist groß und der Zar mt geht letzt seiner Lösung entgegen. Was will Tro

mehr? Er hatte, wie einst der Zar, einen ungeheuren Er- oberungswillen. Er wollte das große sozialdemokratische Zu­kunftsreich alter Völker grüiiden. Aber nun sieht er ein, daß er die Macht dazu nicht besitzt. Wir kennen seine und seiner Mitregierenden intimsten Gedanken und Wünsche noch nicht. Sicherlich ist es das harte Muß, dem er zunächst gehorcht. Aber wenn schoweinmal die g ro ßen Pläne zerflattert sind, wenn es keinen Zweck mehr hat, angesichts sich mehren­den ungeheuren Schwierigkeiten uicd Wirren im Imwrn des russischen Reiches noch hohen Weltbeglückungsabsrchten nach-- zugehen tsollte Trotzki dann nicht wenigstens eine Mission annehmen, die besser und ruhmwürdiger ist, als einfach unter­zugehen, unter den hvchgehenden Wogen des Volkes wieder zu verschwinden? Das von den Petersburger Herren aus­gesprochene Wort wirkt demonstrativ, wirkt diesmal wirklich wie eine hocherfreuliche Kundgebung. Diese geht über die Be­deutung einer Sonderabmacliung weit hinaus. Mit seinem schnellen Entschluß, der Ukraine in ihrer Friedensrat auf dem Fuße nachzufolgen, scheint die Petersburger Regierung den bisherigen Verbündeten Rußlands zurufen zu wollen:Gebt euch keine Mühe mehr! Die Welt ist reif für den Frieden! Wir können ihn den Deutschen nicht diktieren, denn sie sind stärker als wir!"

Ob Trotzki so gedacht hat, wissen wir nicht. Aber auf dieselbe Wirnurg wird sein Vorgehen hinansfemmen. Wie es heißt, sind die diplomatischen Vertreter der Enterrte aus Petersburg ab gereist. Die künftigen Beziehungen zu Ruß- land sind noch nicht so abschließend im einzelnen ge­regelt, wie in dem hsute veröffentlichten Wortlaut des Friedensvertrages mit der Ukraine. Trotzki verwies die Mittelmächte auf die in Petersburg tätigen Ausschüsse. Es herrscht wohl kern Zweifel, daß das Vorbild der Ukraine auch hier nützlich und fördernd wirken wird. Jnr übrigen sind die neuen Wirtschaftsregelungen, die mit der Ukraine getroffen worden sind, weit bedeutnngsvvller als die mit Petersburg $u erwartenden Abmachungen. Denn die Ukraine ist die Korn- und Vorratskammer des alten Rußland ge­wesen. Die junge Republik hat sich in affen wirtschaft­lichen Fragen zu einem durchaus freu:idsck)oftlichen Ver­hältnis zu uns bequemt. Das nxrc freilich selbstverständlich, da ihr die Sieger keine Kriegsentschädigung u:rd auch keine Landabtretung aufgenötigt haben. Wir werden höchst be­deutsame ivivtsch,östliche Erleichterungen zu erwarten haben, und die Westmächte mögen ihre Zukünstsrochnung noch einmal revidieren!

Wir stehen in einer großen, feierlichen Stunde, gehobe­nen, aber nicht jauchzenden Herzens. Der Friede hat uns noch nicht alles gebracht, was uns die Zukunft glättet uni» uns die Sicherung des Reiches verheißen kann. Es ist erst ein Teilfriede, die mit England im,Bunde stehenden Völker verharren noch im Kriegswillen. Noch lösen nicht Gesang und Tanz die blutigen Schlachten ab, noch prangen nicht Altar und Kirche im Festesglanz. Aber beinahe noch weihe­voller und herrlicher ist dieser Tag, als es eine ausgesprochene Vollendung des geschichtlichen Schaffens wäre. Der Herr hat Großes an uns getan. Wir haben uns nicht geirrt: Der Sieg wird uns und unseren Bundesgenossen bleiben! Mit tiefer Bewegung lesen wir die Hamburger Rede unseres Kaisers. In erhebender Stunde ist «er uns wieder ein Herold, ein lange gesuchter Weiser unseres Volkes.Es hat unser Herrgott ent­schieden mit unserem deutschen Volke noch etwas vor!" Er sprach) von den großen Weltreichen, die wieder zusammew- gefallen seien, weil sie auf dem falschen Wege gewesen seien. Nun hat er uns Aufgaben gestellt." Das Wort wird heute nur geringen Widerspruch finden, der in der be­geisterten Zustimmung des deutschen Volkes verhallt. Wer kann es bestreiten und nicht wollen, daß:vir eine große Weltaufgabe lösen, indem wir alle unsere nationalen Kräfte gegcm neidische und tückische Hemmungen siegreich entwickeln? Wir wollen, so sagte der Kaiser, ,chas Rechte und das Gute". Wir wollen es, und wir k ö n n e n es auch, zum Siege führen! Wie viel zuversichtlicher klingt das stolze Wort des Kaisers an unsere Nachbarn, die Frieden und Freundschaft von uns haben können, wenn sie den Sieg dev deutschen Waffen anevkagurt habere alA der neueffe

Rütlischwur der Franzosen, von dem uns heute gemeldet wird! Hier, bei uns, nach siegreichem Teil frieden, ein Auf­lodern ungebrochene:: Mutes zu neuen Taten, dort ein letztes Aufraffen der Kräfte in Aengsten und Verzweiflung!. Aeußerlich erinnern die in der Sorbonne gelvechselten Reden an die Rürkerischeu Strophen:Wir schwören: stehen zu tvollen den Geboten des Lands, des Mark wir tragen tn hat Röhren: und diese Schwerter, die wir hier empören, nicht effr zu senken als vom Feind zerschroten." In Wahrheit fühlen die Franzosen sich aber keineswegs auf sich selber gestellt. Wllt Äoyd George, gibt Wilson das Zeichen zur Friedenswällfahrt was wollen dann die Franzosa: sich :wch groß empören? Wir aber werden, wie der Kaiser sagte, unseren Frieden auch weiter hm unter unserem großen Hindenburg erfechten. Wir wollen uns aber dazu auch die Worte der Franzosen merken, daß jetzt auch in der Heimat Entscheidungsschlach­ten geschlagen werden

Die österreichisch-ungarischen Tagesberichte.

Wien. 9. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart:

Kerne Kampfhandlungen von Bedeumng.

Heute 2 Uhr vormittags wurde in Brest-LitowSk der Friede mit der ukrainischen Republik abgeschlossen.

Der Chef des Generalstabes.

Wien, 10. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart:

Auf der Hochfläche der Sieben Gemeinden und ösllich der Brenta lebhafte Artillerietätigkeit.

Der Chef des Generalstabes.

Die Unterzeichnung des Zriedensver.'rages mit der Ukraine.

Brest-Litowsk, 10. Febr. (WTB.) Bei Enrtritt der letzten Berhandlungspause konnte bekannt gegeben werden, daß die Grund­lagen für den Abschluß eines Friedens zwischen dem Vierbnnde und der ukrainischen Volksrepublik gesimden seien. Nach der Rückkehr der Telvgation rmch Brest-Litowsk war auf diesen Grundlagen weiter verhandelt worden. Dank energisa>er, unermüdlicher Arbeit aller Kommissionen und dank dem Geiste der Versöhnlichkeit und des Enütegcatkommens, der alle Teile beseelte, war es im Laufe des gestrigen Tages gelungen, eine Einigung in wesentlichen Punften herzustellen, so ha« zur Schluß,rcdaktiou der Vertrage imd zu deren Untxnzeichnunig geschritten werden konwe. Tic mitcher Herstellung von bims Vertragssätzen verbundenen teckinischen Schivierigkeiten führtet: dazu, daß die feierliche Sckilußsitzung und die Untersertigung erst 'in de:: ersten Morgenstunde!: des 9. Februar möglich war.

Staatssekretär v. Kühl manu eröffnete als Vorsitzender die Sitzung kurz vor 2 Uhr nachts mit folgender Anftwache:

Meine Herren? Nieinand von Fhnen wird sich der historischen Bedeutung dieser Stunde twrschließen kötmen, ii: der dic Vertreter der vier verbündeten Mächte mit den Vertretern der ukrainischen Volksrepublik in diesen: Saale znsa:nme::gekoiünre>: sind, um de:: erste:: Frieidm zu unterzeichnen, der in diesen! Weltkriege zustarche komnl t. Daß dieser Frieden^ unterzeich ne t tvi rd mit bem jungen Staatsivesen, das ans den Stürmen des großen Krieges hervor- gegangen ist, gereicht den Vertreten: der verbüntxfen Delegationeir Kur besonderen Genugttmng. Möge der Fri.'den dw erste v-on einer Reihe segensreicher Friedensschlüsse sein, segensreich sowohl für die verbündeten Mächte, als auch für die ukrainische Volksrctmblik, für deren Zukunft wir alle die besten Wünsche l-egn:!

Der Vorsitzerlde der ukrainischen Delcgatwn, Herr S s e w r i n k> entgcgnete: Mit Frendn: stellen wir fest, da,ß vom heutigen Tage an der Friede beginnt zwischen dein Vierbunde und der Ukraine. Mlerdnrgs sind wir hcrgercist in der Hossirung, es zu einem all- gcinernen Frieden bringe:: zu kon::cn und ein Eiche zu mackien denr bnidermordnchen (lriege. Die politische Lww ist über so. daß nicht alle Mächte sich hier znsammcngesimden habei:, um enren allm>. nveinen Frieden zu rmterzeichnen. Beseelt von dcr glül-e d'en Liel>e ztn wiser-em Volke mW in der Erkenntnis, daß dieser Lange Krieg die kulturellen:md nationalen Krä'tc unseres Volkes erschöpft !«t. müssen wir nunmehr alle Lkvait darmcf verwende:: n:ch das Unsere tun, Irin eine neue Zeit der Wiedergeburt Ocrtviur'iHnvn. Fn Nt festen Ueberzengnng, daß wir diesen Frieden abschlicßen im Fute: - esse unserer breiten demokratischen Mafien imd daß dicher Friede beitragen ioird zur allgemeinen Becndigimg des großen Krieges, sPllvn wirr hier gern fest, daß die lcrirge und schlvrre Arbeü, die h«tr in Brest-Lüowsk geleistet lvurdc, von Erfolg getüjnt ist» ivft