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Nr. 24

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erscheint täglicb. außer Sonntags. - Beilagen: Sietzener Zamttb ndlötter; UreiskIüN

sür dcn Urett Gießen.

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Erster Blatt

ch 8 . Jahrgang

Samrtag. 9 . Zebruar bl 8

poftscheMonto: Kranksurttt.M. N686

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AMlmgrrunddruck ».Verlag: Brühl'sche Unio.-Such- u.Steindruckerei ».Lange. Schristleilung, SeschästLstelle u.vruclerei: Schulstr. 7.

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WochenrückbUck.

©etDemsts^f 'hatte bei der russischen Aufforderung an die Endende, an 'Friedensverbandlungen mit den Mittel­mächten teilzu nehmen, zornig yervorgestoßen, es falle Frank­reich nicht ein, rn einer Räuberhöhle Frieden zu schließen. Das Mar ein überraschendes urrd von uns belächeltes Ein­geständnis, wie viel man bei unseren w-estlichen Nachbarn von dem Bundesgenossen des Ostens noch hielt. Deutschland ttnd seine Waffengefährten waren in der Beurteilung der Nachfolger Kerenskis nicht ganz so scharf vorgegangen; es war nicht ihre Sache, nachzuprüfen, ob von Lenin und Trotzki ein Segen über das russische Land niedergehen würde, es war vielmehr ihre Aufgabe, im Versuch einer Verständigung mit diesen zeitweiligen Inhabern! des einst­maligen Zarenthrones unsere eigne Kriegsloge zu erleich­tern. Biel Kanonenschüsse und sonstige Attacken lvaren von den Russen ja zwar ohnehin nicht mehr zu besorgen, aber die Friedensverhandlungen haben doch auf die freiwillige Auflösung an der russischen Front gewirkt wie etwa ein lösendes Mittel gegen Hustenansälle. Die Kehrseite der Me­daille aber war ein ganz ungeheuerliches Anschwellen des staatlichen Machtb-swußtseins der Maximalsten. Sietraten auf mit beherztem Schritt' und durftenüber den Bürger küyn wegschveiten wie der Feldherr über der Fürsten Haupt". Sie sandten die Funksprüche ihrer Propheten- träunrean alle'" in der Welt. Es begann von ihren Häuptern die Propaganda für die Weltrevolution auszu­gehen. Wofür die Franzosen nur grimmige Verachtung äußerten, dafür erglühte der Menschheitsvater Wilson in höchster Begeisterung; er sang wahre Psalmen auf die edlen und vortrefflichen Weltbeglücker. Nun haben, .die Mittel­mächte keine tat nge Strecke Weges mit Herrn Trotzki und den Seinen zstsmnmengehen können, denn es kommt aller Wahrscheinlichkeit nach mrt den Petersburger Gewalten kein Friedensschluß zustande, aber der Herr im Weißen Hause wird mit einem leichten Schreck zurückfahren, wenn er ge­wahrt, wohin die von ihm gepriesenen Tugendbolde ihre Gewehre und Mordwaffen verteilt haben. Jetzt gleicht Petersburg wirklich einer Räuberhöhle, und jetzt zucken auch Hertling, Kühlmann und Czernin die Achseln und gestehen sich, daß da kein Friedensschluß zu machen ist und daß eh: solcher überdies keinen Wert hätte. Man. hätte gewiß eine ganz andere Fried enstaktik der Mittelmächte sich denken können, man kann im Zweifel darüber sein, ob die ausgedehnten Disputationen überSelbstbeftimmnngs- recht" uitb ähnliches nötig und zweckmäßig gewesen sind, soviel ist indessen sicher: die bösen Dinge sind schließlich zum gnven gewendet worden. Wir haben bei den: Zerfall des russischen Reiches in Einzelstaaten ein Mit b estimm ungs- recht ausgeübt und können hoffen, daß die maxunalistischen Wegweiser in der Ukraine und in Finnland beiseite geräumt werden. Augenblicklich geht es dort noch recht bunt und schreckensvoll zu. DieRote Garde" der Maximalisten raubt, mordet, sengt und brennt und scheint beweisen zu wollen, daß nur durch Kamps zu Ruhe und Recht, nur durch Krieg zum Frieden zu gelangen ist. Rohen Gewaltsinn und Grausamkeit besitzen sie genug, aber ihre rote Sturzflut von Blut wird auf die Dauer nichts erreichen. Die letzten Nachrichten sagen aus, daß die Gegenwehr der Ukrainer, die an ihren! eignen Selbstbestimmungsrecht fefthalten wollen, von Erfolg gewesen ist. Der maximalistische Oberseldherr Krylenko, der sich wohl schon an der Spitze eines revolutio­nären Weltheerss träumte, ist mit seinem Stab gefangen genommen worden. Nach der Unterdrückung des Aufstandes oer P-olschewiki in .Kiew ist an die Spitze des neugewählten ukrainischen Ministeriums der Vorsitzende der ukrainischen Friedensdelegatton, Herr Holubowich, berufen worden, dessen Nachfolger in Brest-Litowsk die Annraßnngeu des Herrn Trotzki höchst nachdrücklich zurückgewtesen und charakterisiert hat. Der große Redestreit in Brest fyaft das einstweilige Ende genommen, daß die Mittelmächte erklärt haben, an der Selbständigkeit der ukrainischen /Delegation fefthalten zu wollen

Wenn man alt diese Dinge und ihr Ausmaß sür die .'Gestaltung der Zükunft übevbfittt, so erscheinen die Aus­gänge der Streikbewegung ip. Deutschland in einem über­aus kläglichen Lichte.' Die Mehrheit, die Herr Trotzki im eignen Lande nicht besitzt, die sollte er nach demVor­wärts" ingewaltigem Maße" beim deutschen Volke haben! Daß auch dre fortschrittlichen Fraktionen diesen Verrat an der Sache des Vaterlandes zurückgeimefen und namentlich auch die Haltung unserer Regierung dabei ausdrücklich ge­billigt haben, das tvar für die Förderer und Beschützer des Aus stand es sowie einen unverantwortlichen Erpresser-Politik ein barter Schlag. DerBorirärts" hat hinterher die Ein- fädelung der Streikbewegung als eineDummheit" be­zeichnet. Er begründ^ die Teilnahme des Parteivorstandes an der Leitung der Bewegung damit, daß die Sozialdemo­kratie als Vertreter/n der Arbeiterklassen die Streikenden nicht habe iul Stiche lasse)! können. Das Interesse der Gesamtheit wurdc- also hiitter das Klasseninteresse zurück- gestellt. Und babfli wußten die soziald e mo kra tis cben Füh­rer, daß'wohlverstandene Arbeiterinteressen hier überhaupt nicht in Frage standen. Dies offen ausznsprechen, hatte die sozia Ibtmv kratstme Parteileitung nicht den Mut. Die Ironie des Geschicks will es nun, daß die Leute von der unab­hängigen Sozialdemokratie, also die .Herren Laase, Lede- bonr. Dittmonn, ebenfalls bea Vorwurf mangelnden MuLes an die Fühxer Scheidemann und Ebert richten. Damit^ist der BolschEwE-Mut, der Mut zur Revolution, gemeint.

DerVorwärts" weist mit Ekel diese Vorhaltungen zurück urid meint, es loerde ja demnächst noch! darüber gesprochen werden, wer in Wirklichkeit die Vorsicht für den besseren Teil der Tapferkeit gehalten habe. In der Tat, es waren außer dem verhafteten und zu schwerer Freiheitsstrafe ver- urteilteu Abgeordneten Dittmann ja wohl auch noch andere unabhängige" Kräfte in Tätigkeit gewesen, die ihre Ver­dienste sorglich im Stillen gelassen haben. Im höchsten Aerger über die mißglückte Einigkeit der Vertreter der Arbeiterklassen und über die fortgesetztenStänkereien" von links her spricht derVorwärts" folgende bewegliche Bitte aus:Ihr Arbeiter Berlins, macht doch diesem Rumnrel endlich ein Ende!" DieSolidarität" spielt der beutfcfren Sozialdemo kr a lie häufiger einen schlimmen Streich gegen chr eigenes besseres Wissen und Gewissem Sie ließ ihr als geweihte Tempelstätte gelten, was in Wahrheit doch nicht viel mehr als eine Räuberhöhle ist, und ^'oer prinzipielle Glaube an den Sieg der Internationale ver­setzt mitunter Berge von Tatsachen, so daß allerhand Dummheiten" einen gewissen Kurswert behalten.

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(WTB.) Grohes Hauptquartier. 8. Februar. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Fast an der ganzen Front war die Gefechtstötigkeit gering.

Auf dem östlichen Maasufer, bei V-ezonvaur und süd­westlich von Ornes brachte unsere Infanterie von Erkundun­gen eine Anzahl Gefangerrer zurück. Tagsüber blieb die Artil­lerie in diesem Abschnitt tätig.

*

Von den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.

Der Erste Gerreralauarttermeifter Ludendorff.

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Der Abendbericht.

Berlin. 8. Fchr.. abends. (WTB. Amtlich.)

Von den Kriegsschauplätzen nichts Neues.

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Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien. 8. Febr. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlauDart:

Keine besonderen Ereignisse.

Der Chef des Generaljtabes.

Der Friede mit der Ukraine abgeschlossen!

Brest-Litowsk. 9. Febr. (WTB. Nicht-Amtlich.) Heute, am 9. Febr-uar, 2 Uhr morgens, ist der Friede zwischen dem Vierbrmde und der ukrainischen Volksrepublik ab­geschlossen worden.

*

Die verhandinngen in Vrest-Litowsk.

' Brest-Litowsk, 7. Februar. (WTB.) Staatssekretär v. K ü h l m a n n und der Minister des .Aeußern Gras E z e r n i n sind gestern abend wieder in Brest-Litowsk eingetroffen. Heute vormittag hielt die dewsch-österreichisch^nngarisch-russische Kom- mhsion zur Regelung der politischen und territorialen Fragen eine erneute Sitzung ab.

Staatssekretär v. Kühlmann kam zunächst aus die schon früher erötterte Frage nach dem Ursprung gewisser angeblich gefälschter Telegramme der Petersburger Tele»- graphen-Mgentur zuriick.

Trotzki entgegnete, er habe sich zur Klärung des Sachver­halts bezüglich des erster Telegramms alle Originale der Depeschen der Petersburger Telegraphen-iAgentur vorlegen taffen, das' be­anstandete Telegramm aber nicht darunter gestruden. Was das zweite Telegramm anlange, so sei durch die in der letzten Zeit vorgekommenen Hausiam. Unterbrechungen die Drahtverbindung mit Petersburg behindert gewesen, er werde aber, sobald die technischen Möglichkeiten gegeben seien, alles versuchen, in kürzester Zeit diese beiden Mißverständnisse oder Fälschungen aufzuklären.

Bor Eintritt in die eigentliche^ Tagesvr4>nuna. auf der die Fontsetznng der Besprechung über die Frage der Beteiligung der polnischen Vertreter an den Friedensverhandlungen stand, erhob Trotzki Einspruch gegm die, wie er meinte, in der deut- schm und österreichisch-ungarischen Pressesehr gut organisierte Kampagne", die den Zweck erfolge, der russischen Delegation eme Verschleppung der Fniodea isver handlu ngei! vorzuwerfen. TemgegeTrüber' müsse er darauf Hinweisen, daß die große Bedeutung der von der Gegenseite bekannt gegebenen Bedingungen seinerzeit eine Pause zu deren Prrlstmg durch die russische Regierung not­wendig gemacht habe. Jedenfalls haltt er es für notwendig zu er- Kcrmt, daß die Verantwortung für die Verschleppung nicht auf die russische Delagatiou falle. Gerade der .Herr Vorsitzeude der deut­schen Delegation wünschte eine theoretische Erörterung der ver­schiedenen Fragen.

Staatssekretär v. Kühlmann erklärte hierauf, er habe die Vvnr Herrn Vorsitzenden der russischen Delegation als )oohl or­ganisiert be^eichnere deutsche Preßkampagne nicht verfolgt. Dank der Oeffentlichkeit der Diplomatie, die auf Wunsch, der russischen Delegatuon im Laufe dieser Besprechungen durchaus beobachtet worden sei, habe die deutsche Presse sich aus den veröffenllichten VerhandlNngsberichten! ein eigenes llrteil bilden können. Der deut­sche Jonrnalich sei Maims genug, um sich unabhängig ein Urteil

/

bilden zu können, und wenn aus dem Urteil, zu bem die deutsche Presse gelangt sei, manches der russischen Delegation nicht gts falle, so stelle es der russischen Presse ihrerseits vollkommen frei, diejenigen Absichten zu verfechten, die sie sür richtic; halte. Er müsse jedenfalls jede Unterstellung, als wären die Vorlitzenden der verbündeten Delegationen sür eine Verschleppung der Verhandlun­gen verantwortlich, auf das nachdrücklichste z u r ü ck w e i s e n. es sich bei den Verhandlungen um Gedankm handle, die größten- . teils ireu seien, und für die weder in der internationalen Theorie n>ock) Praxis Vorbilder Vorlagen, fo sei es unbedingt notwendig ge­wesen, auch von der theoretischen Seite die gestellten Fragen! zu beleuchten. Wäre eiue Einigung über die theoretischen Punkte erzielt ivorden, so wäre mau, wie den: Herrn Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten gesagt wntde, zu einer alle und auch ihn sehr befriedigenden Lösung der gemeinsamen Aufgabe sehr nahe gekonnnen.^ Herr Trotzki habe mit Recht darauf hin­gewiesen, daß die Wichtigkeit der Vorschläge der Gegenseite ihm ein. gründlickzes Studium hätte nötig erscheinen lassen. Er glaube Herrn Trotzki dahin zu verstehen, daß es seinem Wünsche ent­sprochen hätte, wenn, wie er es ohnehin beabsichtigt habe in einer der allernächsten Sitzungen die bisherigen Ergebnisse der Verhand­lungen zusammen^faßt würden.

Minister Gras Czernin erklärte in längerer Ausführung, daß auch die österreichische und ungarische Presse ihre Anschauung gen Mer die Haltung der BolsäMäll ohne eine Beeinflussung seitens der Regierung geäußett hätte.

Nach einer nochmaligen Verwahrung gegen den Vorwurf der Verschleppung erklärte Herr Trotzki, er müsse zwar offen ein-- gestehen, daß seine Regierung während der Zeit der Revolution eine ganze Reihe von Zeitungen unterd>rückt habe, nicht weil sie an dem Volkskommissar sür auswärtige Augelegenherten Kritik geübt hätten, sondern deswegen, weil sie zu Gewalttaten auf­forderten. +

Staatssekretär v. Kühlmann wies daraus hin, daß es auch in Deutschland keine Vorzensur gebe, und daß Angriffe aus die auswärttge Politik und deren Vertreter, nne einem so gründlichen Kenner der deutschen Zeitungen, wie es Herr Trotzki sei, nicht ent­gangen sein könne, nicht zum Verbot solcher Zeitungen zu führen pflegteir. _

. Minister des Aeußern Graf Czernin stellte fest, daß die in Oejterreich und Ungarn bestehenden Zensurbehörden nicht in der Lage seien, vorsichtige Ausführungen der Presse zu veranlassen. Sie,könnten stets negativ wirkm und in beschränktem Maße Preß- crussührurrgen. die für schädlich gehalten werden, verhindern. In Oesterreich und Ungarn jei seines Wissens seit langem keine Zei­tung unterdrückt worden.

Hierauf wurde,auf Antrag des Herrn 'Trotzki das Wort dem Mitgliede der russischer Delegation Bobinski als Sachverstän­digen für polnische Angelegenheiten ertellt. Herr Bobinski verlas nunmehr eine Aufzeichnung in russischer Sprache, die von seinem Genossen R a d e k sodann in deutscher Sprache wiederholl wurde. Die beiden Herren bezeichneten in ihren Darlegungen sich als die einzigen berufenen Vertreter des polnischen Volkes, forderten die sofortige Entfernung der jetzigen Regierungsorgane in Polm und ergingen sich in Anklagen gegen die bisherige Entwicklung der Unabhängigkeit Polens. In der Auszeichnung wurde des weiteren erklärt, daß bis jetzt einzig uud allein das revolutionär« Mußlmid die wahren Jitteressen der Freiheit Polcus verteidige, föm: Bobinski und Herr Radek beriefen sich in ihren Anssührungeir auch auf die in der deutschen und österreichisch-ungarischen Armee kämpfenden Polen.

Staatssekretär v. Kühl mann richtete nach der Verlesung dieser Schrift die kurze Anfrage an den Vorsitzenden der russischen Delegation, ob das ebeca verlesene Dokument als eine offizielle Mitteilung der russischen Abordnung anzusehen sei.

Herr Trotzki entgegnete, die eben verlesenen Llnsicbten seien nattirlich nur in denjenigen Grenzen gültig, die die russische Dele­gation bei Beginn der gegenwärtigen Verhandlungen festgesetzt habe, ünd innerhalb dieser Grenzen sei sie als offizielle Erklärung an Zu­sehen. Was über diese Grenzen hinausgehe, sei nur als informato­rische Mitteilung zu betrachten.

Staatssekretär v. Kühlmann gab hierauf folgende Erklärung iab : Ich finde es merkwürdig, daß in derselben Sitzung, in der der Vollskonnmissar für die answärtigen Angelegenheiten den Vorwurs weit von sich weist, daß er die Verhandllrngen verschleppe, er uns cairch ein Mitglied seiner Delegation Ausführungen von dieser Länge vorlesen läßt, sür >die e?r daim halb nnd halb die Verant­wortung ablehnt. Mir htt die eben verlesene Erklärung den Ein- d-ruck gemacht, daß sie durchaus zum Fenster hinausge­sprochen ist. Wie der Herr Bonitzende der russischen Delegation zu der Llusfaffung kommt, daß durch derartige rein agitatorische Volksreden dem Fortschritt unserer Vcrhandllmgeu gedient werden soll, ist mir völlig unklar. Ich für ineine Person lehne es auf das bestimmteste ab, dorr seiten der rnssffchen Delegation irgendwelche offizielle Erllärungen entgegen-zünehme:!, rvelche nicht von vorn- Heren: sich als offizielle Erklcttungen der gesamten Delegation dar- stellen. Die (fseduld der Vorsitzenden der verbündeten Delegationen dürfte durch Vorgänge, täte die eben gehörten Reden eines Müt- gliedes der russischen Delegation auf eine sehr harte Probe gestellt W":rdktt, strnd es iverden jetzt wcht ntnr bei der deutschen Presse sehr eriffte Ztveifel darüber entstehen müssen, »b auf seiten 8er russischen Delegation toirklich die Msicht vorliegt, die hiesigen Bcv > handllmgen erfolgreich zun! Mschluß zu bringen.

General H o f f m a n n fügt folgendes hinzu: Ich p r o t e -- stiere dagegen, daß die Herren Bvilnnski und Radek sich anmaßen, im Namen von Aingehörigeni des dentschenHeereszu sprechen. Ich muß die Sbldaten des deutschen Heeres polnischer Nationalität, die ans allen Kriegssckiauplätzen ehrenvoll fürs Vaterland, das Deutsche Reich, gekänrpft haben, gegen derartige Versuche airs das energischste in Schutz nehmeir.j

Herr Trotzki entgegnete, er halte gegenüber den befmuttenl Willensäußerungen, auf die sich die Gegewpattei berufe, die Ansicht und das Urteil der in! Verbände seiner Delogwion vertreten mp Polen sür außerordentlich wichtig für die Stellungnahme seinep F)elegation in dieser Frag«.

Staatssekretär v. Kühlmann schloß hierauf die Sitzung mit der Bemerkung, daß den Wünschen der russischen DelegafiroH entsprecktend, in der nächsten Sitzung die Er'gebnisse der bisberi.ten: Arheit zusammensassend erörtett lverden sollen.