Seichrtagsabgeordneler Möller über verftändtgungr- srieben und Freiheit.
Gießen, 3. Februar.
Die sozialdemokratische Parteileitung des Kreises Gießen hatte im Gasthaus „Fürsten Hof" eine Versammlung einberusen, in der der Reichstagsabgeordnete Hermann. Müller -Berlin über „Verständigungsftieden und Freiheit sprach. Durch seine Abführungen suchte rt den Beweis zu erbringen, daß seine Partei, die bekannt- !ich einen annexionslosen, aus dem Selbstbestimmungsrecht der Völker ruhenden Frieden ohne jegliche Entschädigung befürwortet, bis jcyt alles getan 'habe, eiinen baldigen Frieden z-u bekommen. Vieles, was vor dem Kriege allgemein richtig gegolten habe. hätte sich als falsch erwiesen, so auch die Meinung, daß ein Weltkrieg nur von kurzer Tauer sein könnte. Richtig aber sei die Politik gegen den Krieg gewesen, die seine Partei stets befürwortet habe, und die auch in Zukunst stets eingehakten toerden müsse. Roch Lonne keine restlose Bilanz, des Krieges gezogen werben, aber schon !M Frühjahr 1917 habe die Sttldiengesellsck>aft in Kopenhagen festgestellt. daß der unselige Krieg schon 7 Millionen Tote gekostet.
5 Millionen Ganzinvalidcn geschossen und 350 Milliarden Kriegs- kosien verursacht habe. Und obwohl sicher kein Bolk dabei aus seine Rechnung komme, so sei trotzdem zurzeit noch nicht bas Ende ab- ?,usehen, denn es stehe eben zu viel aus dem Spiele aus allen Seiten Ilm die Friedenssehnsucht des deutscher! Volkes zu offenbaren, hätte die Regierung auf Veranlassung der sozialdemokratischer Partei verschiedentlich Friedensangebote gemacht. .Tie Friedensresolution der Reichstagsmehrheit vom 19. Juli vorigen Jahres könne keineswegs als Schwäche ausgelegt werden, denn, unsere Er folge hätten das Gegenteil bewiesen. In der darauf gegründeten Vaterlandspartei hätten sich die Reaktionäre aller Schattierungen, die Reichsparteiler, Antisemiten, Cchwerindustrielle, überhaupt alle Volks feindlichen Elemente zufammengeschlofsen, um, wie sie sagten, Stellung zu nehmen gegen einen Verzicht- oder Hungersnedcn -Seine Partei habe von allem Anfang an den Krieg als Verteidigungskrieg aufgefaßt und alles ausgeboten, daß das deutsche Voll 7richt vergewaltigt würde. Ebenso aber forderte ftcj. daß kein anderes Volk vergewaltigt, also ein Verständigungsfrieo-en geschlossen tverde. So müsse Belgien wieder ein neutraler Staat werden, und zwar auch um unseretwillen, denn der Besitz der flandrischen Küste und die deutsche Herrschaft über Belgien trage von vornherein der Keim neuer Verwicklungen und einen baldigen Krieg mit England in sich, und gerade das müsse vermieden, werden. Einen Hnnger- srreden erhielten wir bestimmt, wenn ein Gewaltfriede geschlossen werde, wie ihn die Vatertandsparteiler haben wollten, denn dadurch werbe ein Wirtschaftskrieg heraufbeschworen, durch den die Industrie Deutschlands, die doch aus Rohstoffversorgung durch d Ausland angewiesen sei. vollständig lahmgelogt toerde. Wenn auch zwischen den Verhältnissen Rußlands und des Teutschen Reiche, ecu großer Unterschied bestehe, so müsse dock rückhaltlos anerkannt werden, daß den Bemühungen der Bolschewiki ein Ivelthfttorisckcs ^'Verdienst zuzuschreiben sei. Tenn sie hätten dem Frieden .ine breite Bahn gebrochen, und diesen Ideen müsse entgegengckommei' und die Forderungen rückhaltlos und ehrlich erfüllt werben. Für uns habe .Kurland, das sich sicher zu 96 Prozent gegen Deutsch fand ausspreche, geringen Wert, für Rußland einen um so größeren Alle Völker seien lricgsmüde, und wenn wir mit Rußland zn einem Frieden gelangten, so würde diese Tatsache in den ander!' uns feindlichen Ländern für die Friedenssache sehr wertvoll sein Unsere innere Politik wollten wir selber besorgen, davon sprächen unsere Gegner auch nicht mehr. Aber cs sei endlich an der Zeit, taß das Treiklassenwa hl recht in Preußen beseitigt und durch das allgemeine, direkte Wahlrecht ersetzt werde, auch für die Frauen, die doch in diesem Kriege AußerordenUiches geleistet hätten. Redner gebt dann kurz aus den Ausbruch der Streiks in Berlin und in anderen Städten ein, der nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus rwlitischen Ursachen entstanden sei. Preußen müsse endlich mit seinen alten Methoden brechen. Praktisch habe der Streik der Landesverteidigung nicht geschadet. Aber die Mißstände müßten rasch und bald abgestellt werden, die zn solchen Zuständen führten. Tie Pa misten mehrten sick nach dem Kriege sicher, und es sei zu wünschen, daß auch Deutschland als Hort der Freiheit in die Reihe und Gesellsä)ast der Friedensstaaten eintrete.
Als erster Diskussionsredner hatte sich Stadtv. Krumm zum Wort gemeldet. Iw durchaus sachlicher, treffender Weise führte er aus, wie sich die Vaterlandspartei nur zum Ziel gesetzt habe, einen für ims dienlichen Frieden zu erlangen, und von da besten Absichten ausgehe. In innere politische Fragen mische sie sick nickt. Tie Reaktionäre hätten vorher bestanden nnd beständen auck in Zukunft. Auch die Söhne der Mitglieder der Vaterlandspartei kämpften für das Vaterland. Tas Selbstbestimmungsrecht der Völker habe auch seine Schattenseiten, das l)abe man bei der Kleinstaaterei im früheren Teuffchlarrd gesehen. Tie einzelnen Nationen müssen sich zu lammen schließen. Es sei die ^Auffassung weitere' Schichten un'ercs Volkes, daß die ReichstagSrc'olntwn vom 19. Juli 1917 die Friedenssache nicht gefördert habe Tas habe die Vaterlands varwi auf den Plan gernfen. Man solle sich nun nicht aufs Sch im fen verlegen, sondern sich zu verständi-e^r suchen. Das iverde dem Gemeinwohl dienlicher sein. Auch hätte die Reichstagsmehrheit sich der Regierung gegenüber viel energischer dafür ins Zeug legen dürfen, daß endlich einmal dem ungeheuerlichen Gebaren der KriegswuckMr ein Ende gemacht tverde.
Kassenkontrollenr Beckmann führte dann mrs. wie eine von den Anhängern der unabhängigen sozialdemokratischen Partei in Gießen beabsichtigte Versammlung infolge der Beschränkungen der Regierung nicht zustande gekommen sei, und benutzte die Gelegenheit, sich mit den Mehrlxütssozialisten auseinandcrzusetzcn. denen er varwars. von dem Parteiprogramm abgenuck-eu zu sein und ihre Schuldigkeit nicht getan zu haben.
Professor IX t ft a b t stimmte dem Redner des Abends in allen wesentlichen Punkten zu und ist: der Ansicht, daß die Partei der Mehrheitss-ozialisten aus dem reckten Wege sei. Er schlägt es dieser Partei um ,o höher an, srch restlos für einen baldigen L^n-ständi- gungssrieden eingesetzt zu lwben als gerade die Arbeiter vielfach« sich durck den Krieg zweifellos pekuniär be'ser stellten, was man von den Beamten nicht sagen könnte. Für einen Verständignngsfrieden sei auch die fortschrittliche Volkspartei, doch müsse die Unversehrtheit des deutschen Gebietes Vorbedingung sein. Solange unsere Feinde immer noch auf dem Standpunkte ständen. El'aß-Lothcinecn vom Teut'chm Reicks boszureißen nnd unsere Kolonien zurückzubehalten. könne von Friedensrerlraudlirngen keine Rede sein. Für unsere Kriegsin validen irgendwelches Siedärnas'and zu erwerlüm, sei unzweckmäßig Durch Aufteilung des Großgrundbesitzes könne allen geholfen iverden. Ter zur Zeit ausgebrochene Streik sei törichd, denn er bereitet der Regierung SchoarigHten. hebt die SHmrmm/» unserer Feinde und gefährdet die inneren Reformen. Tas Interesse des gesamten d-entÄisu Vaterlandes erfordert, daß alles zusammengeht. Tie Temokvattfterimg sei mrr durch einen demokratischen Reichstagsb'ock möglich. Das herrlich deutsch Rmcksgebäude wüßte so ausgebairt werden, daß es ''e'^em darin gefallen könpe. In seinem Schlußworte ging der Reichstagsabgeordnete Müller auf die Führungen der eiw-elnen Diskussionsredner naher ein, die er zu widerlegen suck»'e. Eiirc von dem Vvrsttienden vorgesehene Resolution die de'! StaTrdrunkt der sozialistisckien Mehr Huts Partei wiedergibt, fand Annahme.
** Besitz .vechse t. Brauei-eidirektor LouiS Semm6 erwarb für 48 000 Mk. die Billa von Professor Leist, Ecke Moltkestraße und Kaiser-Allee. — Die Besitzung der Frau Rentier Witwe Schmidt, Seltersweg 67, ging für den Preis von 65 000 Mk. an die Firma Chr. Inderthal über.
Mrw OMö ZMß Kr? Ms VateMmö Mtmrenl
Im €eldciiifa.m^ficfexv \ yäfim v&Mim 0Mwm
Die Golöankaufftelle
in Sen Räumen dcr Sezirkssparkaffr Giehen ist morgen nachmittag von 2 bis 4 Utzr geöffnet!
Lnndtreis Gießen. -
** Birklar, 2. Feb. Wilhelm Engel, Sohn des Gast- nnrt Engel, erhielt das Eiserne Kreuz zweiter Klasse.
** Taubringen, 2. Febr. Die Schwesternspende, die an Kaisers Geburtstag von unserer Lehrerin erhoben wurde, ergab 153,30 Mk.
** Großen-Buseck, 2. Feb. Heute feiert Bahnhofsauf- seher Volpert von hier sein 25jähriges Tienstjubiläum.
ö L a n g - G ö n s, 1. Feb!. Ter Kanonier Willi Keßler erhielt die Hessisch Ta pferkeits Medaille; gleichzeitig wurde er zum Gefreiten befördert.
** Lich, 2. Febr. Ober gefreiter Max Chambre wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet, nachdem er vor einiger Zeit ;«!£ Hessische Tapserkeitsmedaillc erhalten hatte.
Kreis Schotten.
0 Gedern, 3. Febr. Durch die Gendarmerie wurden auf dein hiesigen Bahnhof Pakete mit großen Vorräten von Wurst ausgesunden. Wie dife Nachforschungen ergaben, war die Wurst im benachbarten Burkhards gestohlen nwrden. Die Diebe, die mit 5er gestohlenen Ware Weiterreisen wollten, ließen diese beim Hercmnahen der Gendarmerie auf dem Bahnhof stehen und machten .ich aus dem Stabe.
Starleubury und Meinheslen.
1 D a r m st a d t, 3. Febr. Die Großherzogin besuchte letzten Donnerstag abend IOV 2 Uhr die Verpflegungs-i stelle vom Roten Kreuz am Bahnhof. Sie beteiligte sich bis uach Mitternacht an der Ausgabe der Speisen und Getränke und verteilte Liebesgaben an die durchreisenden Soldaten. (
I. Darmstadt. 2. Febr. Die Frauenh'lfe hat zusammen mit der städtischen Kriegsfürsorge im .Hallenscbwimmbrd versuchsweise eine Wäscherei, Flickerei- und JnstandsetzungÄverkstätte eingerich- et, bei der alle Kiiegsunterstützungsberechtigte. auch Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene, ihre Wäsch: besorgen lassen können.
Hessen-Nassau.
W. Weil bürg, 1. Febr. Durch die Bezirksfettstelle ist den Gemeinden Eubach. Langenbach und Seelbach ein künstlerisch ausgestattetes Diplom verliehen woroen. als Llnerrennung für ihre gute Ablieferung von Milch upd Butter zur Milderung der Er- nährungsschwierrgketten in der retzigen schweren Zeit.
Spielplan des ©tefjener 5'odttheater-..
Montag 4. Feb., 7y 2 : Sondervorst, f. d. lriegsbeschäst. Arb. Kern Kartenverk. Neuheit? „Meine Frau, die Hoischanspielerin". Samstag 9. Feb., 7 \/ 2 : Gew. Pr. (erm.). 14. Freitag-Monnem.- Vvrst. „Ein unbeschriebenes Blatt". Sonntag 10. Frb., 3 1 / 2 : Gew Pr. (erm.). Neuheit! „Tie Königin der Lufttd 7y 2 : Gew. Pr. Gcrstsp. von Mathieu Pfeil vom Schauspielh. Frkst. a. M. „Eol- berg". Montaig 11. Feb., l l k : Gew. Pr. (erm.). 14. Dienstag- Alonnem.-'Borst. Neul-eit! „Tie Straße nach Steinayck"
~ Aschasfenburg, 3. Febr. Der Distrikt Aschafsen- 'burg stellte dem bayerischen Königspacrr aus Anlaß der goldenew Hochzeitsseier zur Errichtung einer Krieget- und Krieger-Hinter- ^liebenensürsorge 100 000 Mark zur Verfügung.
Ectzt' 2Iaa riv^ten*
(WTB.) Großes Hauptquartier, 4. Februar. (Amtlich.)
Westlicher Krtegsschauplatz.
An vielen Stellen der Front Artillerittä-igkrit. die sich namentlich in Flandern zwischen dem Houthoulster-Walde und der LyS, sowie beiderseits der Scarpe gegen Abend steigerten.
Westlich non Bellicourt scheiterte ein starker Erkuw- dmrgsvorstoß d^r Engländer.
An der Ailette nördlich von Braye drangen die Fran- zosm vorübergehend in unsere Postcnstellung ein. Eigene Infanterie und Pioniere lwlten nordwestlich von Be^onvaux 19 Gefangene aus den französischen Gräben.
In Lustkämpfen und von der Erde aus wurden in den beiden letzten Tagen 18 feindliche Flugzeuge und 2 Fesselballone zum Absturz gebraM.
Italienische Front. z
Zwischen Etsch und Piave vielfach Artitteriekampf.
?üon den anderen Kriegsschauplätzen nichts.Neues.
Der Erste Generalguartiermeister Ludendorff.
* *
Neue N-Boot-Erfolge.
Berlin, 2. Febr. (WTB. Amtlich.) Dicht unter der englischen Ostküste wurden durch unsere Unterseeboote bei starker Bewach«ung und Gegenwirkung kürzlich sechs Dampfer sowie der englische Schlepper „Desire" mit zwei Motorleichtern versenkt. Die Dampfer waren iaft durchweg tief beladerr, einer von ihnen mit Holz.
Der Chef des Admiralstabes der Marine.
B er lin, 3. Febr. (Amtlich.) U-Boot-Ersolge auf dem nördlichen Kriegsschauplatz; 18 000 Br.-R.-T. Die Schisse waren fl^ft sämtlich tiefbeladen und zum größten Teil im Aermelkanal vernichltet. U. et. wurde hier ein großer Frachtdampser in gewan.dtem Angriff ans einem Geleitszuge herausgeschossen. Namentlich festgestellt konnte der englische Dampfer Hunsgrove (3063 Tonnen) werden.
Der Chef des Admiralstabes der Marine.
Frankfurt a. M., 3. Febr. Die „Franks. Ztg." meldet aus dem Haag; Hier ist die von neutraler Seite stammende Nachricht eingetroffcn, daß am 26. Dezember ein großes englisches Kriegsschiff, das von einigen Torpedosägenc begleitet war, in der 9?ähe des Kriegshafens im Firth os Forth auf eine Mine gelausen und gesunken ist.
London, 2. Febr. (Amtl.) Der bewaffnete englische Truppentransportdampfer Louvain wurde im östlichen Mittelmeer am 21. Januar torpediert uird ist g e s u n ke n. Sieben Offiziere und 217 Mann sind ertrunken.
Berlin, 2. Febr. MTB.) Zum Jahrestag des uw eingeschränkten Tauckfbootkrieges hat der Kaiser dem Chef des Admiralstabs v. Holtzendorfs und dem Chef der Hochseestreitkräste Admiral Scheer das Eichenlaub zum Orden Pour le merite verliehen.
Englische Windbeutelei über den U-Boot Krieg.
London, 2. Febr. 'Muter.) IN einer Unterredung mit einem Vertreter der Associated- Preß sagte der Erste Lord der Admiralität Sir K. Gedde s über das Ergebnis van 1 2 Mona ten u neiiH geschränkten U-Boot-Krieges u. c.: Das U-Boot ist inv Schach gehalten. Die Versenkung von Handelsschiffen ist setzt aus ein niedrigeres Maß gebracht worden als vor dem uneingeschränkten'. U-Boot-Krieg. Wtt hoben in der betztLn Zeit U-Boote ebenso chneÜ versenkt, als Derttschland sie bauen ckann. Wir bauen jetzt Handels-' schiffe in größerer Zahl als in unseren Rekordzeiten vor dem Kriege, und bevor das Iah?- 1918 vorbei ist, werde:! nur Sckiffe aller Art im doppelten Umfange jenes Rekordsahres bguen. Die Zernörung von Sckiff^n der Alliierten nimmt ständig ab, wäb^end der Bau von Handelsschiffen ständig tzrurimntt. Das Versenken deutscher U-Boote nimmt ständig größeren Umfang an. Tic deutschen' offiziellen Feststellungen über U-Doot-Erfolge enthalten Ueber- treibungen. In diesen Berichten sind Sckiffe mir gezählt, die torpediert, dann aber noch, gerettet wurden. Ss>temn fügte der deutsche Admiralstab' jedesmal einige Tausend Tonnen zur Abrundung Mit dem Nacklassen der deutschen Erfolge, im Juli, August nnd Septenrber sah sich, der deutsche Admiralsiab genötigt, seine Angaben immer offenkundiger zu fälschet, am dem deutschen Volke die Ue'berzeugun-g beizubriugen, daß der U-Boot-K'riog ern \ort<F# letzter Erfolg sei. Die deutsche Behau aarng, daß die Zahl der aus-- fahrenden Schiffe zurückgegangen sei, ist falsch. Die rvchrflsau^ führten sind genau so zahlreich wie im Jäbre ^zuvor. In seines Verteidigung der englischen Politik der völligen Geheim ha! tu NH! der U-Bvots-Berscknknngcm sagt Mddes: Ich bin der Änsrcht, vast diese Politik stark mit dem beständigen Sinken der moralischen Widerstandskraft der deutschen U-BootS-B.chatzungen MsammenhängL. Zum Schluß sagte er: Auch die deutschen Tauchbootskommandanto, seien nicht mehr das, was sie waren. Tapferkeit und kühne Leute unter ihnen seien die Ausnahme. ^ _ _
Z-u per Rede Geddes' bemerkt das Wolff-Burenu: Was Srr Geddes mit vielen Worten auseinandersetzt, ist nicht neu Es ist lediglick eine Auszählung altbekannter unbewiesener und durch die Tatsacken widerlegter Behauptungen, die in der persönlrck gefärbten Variante der gegenw'ärtigen vielredenden Drahtzieher in England iinmer nneder in bestimmten Zeittäumen austauchen.
Neu ist allein die Begründung für die von der brittschen Admiralität geübte Geheimhaltung der Versenkung von N-Booten. Wenn Sir (iseddes als mutiger Optimist von so kleinlichen Mittelchen ein Sinken der mmalischen Widerstandskraft unserer U-Boots-Be- satzurrgen tatsäckstick erwarten sollte, dann dürste er damit eben- sonwnig Glück haben wie mit seinen Bluffversuchen dem deutschen Volke gegenüber, das längst erkannt hat, daß die Heimlichtuerei: der Englmcker nichts anderes ist als der Ausdruck verlegenen S-chwächegesühls.
Zur Beachtung!
Maggi's Würze nurd infolge Robüoffmanqels zurzeit nur noch in befchräutten Mengen hergestellt. Die Lieferung an die Händler eciolgt aber in altbewabrler Qualität und zu Friebensoresteu. Für Maggi's Würze dürfen daher auch nur Friedenspreise verlangt werden Es wird gebeten, hierauf zu achten, da vielfach Suppenwürze anderer Loerkuust in geringerer nnd zu höherem
Vreije in Rtagg'staschen feilgebalten wird.. Dies ist strafbar. 849V
Ans Stadt nnd
Gießen, den 4. Februar 1918.
** Amtliche Perf-onalnachrichten De" G oß Herzog empfing ?um Vorlrag. d n StLatZministec Dr. von Ewald, den Mnister des Jmteen Dr. von .Honlbergk zu Vach, den Finanzm!7nstvr Dr. Becker, den Vorstand des Ka.binetts Wirkt Geheimerat Romheld. Außerdem den Oberleutnant Buddebe.
** Auszeichnung. Dem Vizcse^dwebel Fritz Dunkel wurde das Eiserne Kweuz 1 Klasse verliehen.
** Beförderungen. Dizefeldivebel Pl0ch und V ze- tvachttneister Pflanz wurden zu Lcutrurnts d. Res. be- fö-rdert.
** Die Silberne Hochzeit feierten am Samstag de« 2. Februar der Gastwirt W. Mayer und Frau.
Gieszenev Stttdttheate^
Die Straße nach Steinaych.
Eine ernsthafte Komödie von Wilhelm Stückle n.
Frau Linde Sekurins hat eine Tochter, die sie seMverstünd- lich möglichst gut an den Mann bringen möckste. Aber die kleine Viga macht es ihr recht sckstver, denn fte ist, nne ftc selbst sagt eine niederträchtig schlechte Tochter, eine von icnen, die man mck einem Bündel Barck-entwäsche unterm Arm aus die ^-ttape setzt. Lmmig, unberechenbar, eine Hedda Eßrbler ohne Hysterie, itebt )\t zwischen drei Männern, dem arnien Assessor Mnne, dem reichen Fabrikleitcr Minthe und dem achtfacheii Mttlionär ^-chnödigt, dem Besitzer der Herrschaft Steinaych. Oh. sie ist klug, die kleine Viga, gerade so klug wie chre Mutter, nnt der sie sich nur deshalb nicht verträgt, weil sie ihr so ähnlich ist und,innerlich dieselben Wmische hat. Sie rvcitz wohl schon lan^e, daß rhr Weg me Sttaße nach Steinaych ist, daß sie Schnödigl. den Millionär, heiraten wird, aber sie will sich selbst erst nock etw<^ kennen!
lernen, will sich selbst noch etwas pn'ifen --an den Männern.
Sie ist ja jung, schcki, verwöhnt, und bevor sie fteiwlllkg die Straße nach Steinaych geht, soll ihr ein Erlebnis die Notwendige Seit dieser Klugheit, vor der sie felbst erlchcmert, beweisen .sie ist unsinnlick imd bebt daher nach Grottk, fte hat keme Jlluftoneiü und verlangt daher nach Enttäuschimgeu. Alles das wird ihr. Der? Assessor Klönne und Klänge aus Tristan versetzen sie m nnew kurzen Sinnenrausch, aus dein sie erwacht und enttäuscht ist, der Skandal, das Duell zwischen Minthe und Klönne zu guter Letzt beweisen ihr die Klugheit ihres heimückwn Wunsches, nach ^-chnö- digl, der Nummer in dem Rechenexempel „Versorgimg", zu greisen Die Beweise, die sie haben wollte, hat fte nun. und lvenl» sie sich äußerlich auch noch etwatz «ziert, so betritt sie doch mit sestzm Schritten und offenen Augen die Sttaße nach Steinaych. auf der sie innerlich schon lange stand. ^ . . .
Man wird sagen können, diese Brga ser pathologisch, je: ein Lnteressanter Fall für den Psychiater. Aber gleichgültig; wie fte
dastcht, ist sie keine Bühnenftgur, sondern ein Mensch, ein Mensch, so wundchwoll gezeichnet und nuanciert, ivie ihn nur ein Dichter,- den! ein guter Geist die reiche Gabe der Gestaltungskraft verliehen hat, wiübergeben konnte. Tiefe Gestaltungsgaüe zeigt sich auch bei den übrigen Personen, die fast nichtssagend, alltäglich sind und doch durch die prachtvolle Eharakterisierimg so imgemettl! wirken.
Die Aufführmlg am Samstag unter der Leitung von Hoftat Hennann Steingoetter bewegte sich aus einer anei^kermenK- werten Höhe, die um so mehr beachtenswert ist, da das Stück Darsteller erfordert, die für die feinsten Abtönungen empfänglich fam müssen. — Friede! D 0 err gab die „Viga".^Mit viel Liebe hat sich die Künstlerin in das eiKentüniliche Seelenleben deS jungen Mädchens eingelebt. Ihr Spiel stand daher auch, vom Akt zu Akt sich steigernd, unter dem Eindrücke eines tiefen Ver-, ständnisseS. Werm fte mitunter, wie z. B. im 3. Akt. im Dialog, nril Schnödigl, etwas wenig chaubwürdig wirkte, so lag das vielleicht an der sedlenden Mimik. Gin so launiges, unruhiges Geschöpf wie Big« verfügt zweifellos auch über äußerst lebhafta^ G^sichtszüge, aus welchen viel, mitunter alles herauszulesen ist.: Mit seinem „Schnödig?" gab -Kar! Bol ck ein' Probe feinster, unaufdringlicher Charakterrfterimgskunst. Adolf Falken zeichnete den Assessor prachwoll. Dieser „Klönne" war so echt uitts wahr empfunden, daß man an der vortrefflichen Darstellung nur; seine Helle Freude haben konnte. Weniger am Platze wir Oskar Feigel als Minthe. Während die Wiedergabe im ersten Akt noch durchaus sympathisch! und überzeugend war. verlor fte in der Folge durch ein imnatürliches Pathos mck die Anwendung wenig angebrachter Posen. Viktoria Sandvr spielte die Mlttter miH viel Wärme, ohne jedoch Symt>athie erregen zu können £,,rt Wenzel als Geheimrat führte die kleine Rolle fein durch. Willy Borchardt versuchte den Regienmgsrat Landgrebe zu ckyrnck- terisieren. Zu erwähnen wäre rwch Hernunm Stichel als treuherzige „Dornigkeit" -w,m.-


