$r«IMaa<rtett der Unteroffizier Otto Steuernagel. Inhaber de- Eisernen Kreuzes. — Geiß-Nidda. Das Eiserne Kreuz
erhielt der Schüße Meisinger.
^ 4 ÄuS dem Niddertal, 8. Jan. Nachdem Schnee und
< 5 rost seit den Weihnachtstagen ununterbrochen angehalten l)atterv und das Thermometer bis auf —12° R. gesunken war, trat gestern Tauwetter ein, das den Schnee sehr rlaich wegschmolz Aber bereits am Abend trat erneut Schneefall ein: der Schnee liegt jetzt noch höher als vorher und das Tal bietet ein prachtvolles Winterlandschartsbild. Auf den Bäumen liegt eine ungeheure Schneelast.. Die Züge der Vogelsbergbahn haben infolge von Schneewehen häufig erhebliche .Verspätung, vor einigen Tagen blieb der Abendzng im Schnee stecken und kam mit dreistündiger Verspätung an. Kreis Lauterbach.
„ rr. Schlitz, 9. Jan. Am Samstag sprach in einer gut betuchten Versammlung des Gewerkte Vereins Reallehrer Kahl aus Darmstadt über den Wiederaufbau des deutschen Wirtschafts- nach denk Kriege. — Gegenwärtig hält Missionslehrerin Pflanz von der Basler Mission Vorträge im Schlitzerland ziber ihre Arbeit und ihre Erlebnisse in Kamerun während des Weltkrieges Tie Vorträge sind außerordentlich stark besucht.
Starkenburg und Rhcinhessen.
,ch. Vom Mittelrhein, 8. Jan. Zwar war es ge- lchättlich ür letzter Zeit ruhiger, aber doch wurde immer wieder Wein verkauft. Es kostete das Fuder 1917er in der Gegend von Bacharach und den Seitentälen? 521)0—6000 Mk und mehr, nördlich von Koblenz in der Gegend von Rheinbrehl und weiterhin das Fuder 1917er .5000—5600 Mk.
w ^ u s R he inhesse n, 8. Jan. Gegen den vorzeitigen
AuskMN der kommenden Spargelernte durch den Abschluß von Liese- rrrngsverträgerr tvenden rich die eingesessenen Gemüsehändler und andere Interessenten jetzt in großer Zahl. Tie erstercn warnen eindringlich die Spurgeilzüchter mib die la ndwrrtschaftlichen Vereine solchen BerHaufsabschilüsscn, da bis zur Stunde noch, keine behördliche Regelung des kommenden Spargel gcstchäfts erfolgt sei, mne solche aber sicher wie im letzten Jahre in Knast treten werde.
Gietzener Strafkammer. '
Gießen, 8. Januar 1918.
Die am 1. April 1896 zu Höringhausen geborene u. a. wegen Diebstahls vorbestrafte Dienstmagd Luise K. war angeklagt, am 27. September 1917 ju Gießen dein Reinhard P. daselbst 180 Mk. Bargeld und 2 Pfund Würfelzucker mittels Erbrechens von Behältnissen entwendet zu haben. An dem genannten Tage kam die Angeklagte in die Wohnung des P.. mit dessen Haushälterirr sie bekauiit nwi: sie traf aber ratr deren 11jährige Tochter an. Viermal schickte sie das Kind in die Stadt, zum Teil unter Ver- spiegelungeu. So sollte es im Fürsteichos bei einem Dienstmädchen eure Mark holen. Gegen 10 Uhr vormittags entfernte sich die Angeklagte. Am Abend desselben Tages stellte sich heraus, daß aus einem 40 Zentimeter hohen und ebenso breiten verschlossenen Wandschränkchen, das gewaltsam geöffnet worden war. 180 Mk und 2 Pfund Zucker gestohlen worden waren. Ein ebensolches zweites Schränkchen war gleichfalls erbrochen. Ter Verdacht lenkte sich alsbald aus die Angeklagte, die aber die Begehung des Diebstahls bestreitet. Aus Grund der Beweisaufnahme konnte sich das Gericht nicht einwandfrei von der Schuld der Angeklagten über-, zeugen und sprach sie deshalb frei.
Der Schreiner Kaspar R. IV. von Ober-Ohmen ist vom Schöffengericht Grünberg wegen Diebstahls zweier Scheite Bucken- hvlz irr Werte von etroa 2 Marl zu einem Tftg lZtzfängnis verurteilt worden. Gegen dieses Urtckil verfolgt er Berufung, um feine Freisprechung 'zu erzielen. Angeklagter bestreitet die ihm Lur Last gelegte Straftat, indessen steht aber durch die Zeugenaussagen fest, daß er am Abend des 3. Pfrngstseiertags 1915 gegen 11 Uhr beobachtet wurde, wie er sich an dem Holzplatz des K. K. III. zu schaffen mackste. 2 Scheite Holz an sich, nahm und mit dreien, das eine feuü der Schlutter, das andere unter dem Arm, weg-, ging. Als er den Hof verlassen nroUtc, rief ihm der Besibbleue M. woraus er die beiden Schickte fallen liest und fortlief. Teck Angetlagic hatte mit dem RvchtHnritbel kernen Erfolg, denn seine Berufung wurde kostrufällig zurückge>vie.sen.
^ f??* Jun0C Burschen von Nieder-Wöllstadt im Alter von 14 Jahren waren vom Schöffengericht Friedberg von der Anklage des Dausfri«Henbruchs und der Tierguälcrei freigesprochen ivar- orir. Gegen dieses.Urteil verfolgte die Staatsanwaltschaft Berufung, um eine Bestrafung herbeizuführen. Tie Angeklagten sind geständig, am 23. September 1917 gemeinsam in den Fohlengarten des Kar! Sävv. von. Nieder-Wöllstadt eingeschlupft zu sein und .dort die beiden Fohlen gesagt zu l>alün. Tie Tiere tourden io in die Enge ^M"^ben und gejagt, daß eins der Fohlen im Werte von -ca 2000 Mk. aus Ler Umzäunung durchzubrechen suchte und sich hierbei ein Stangenende in den Leib rannte, was den sofortigen Tod zur r^vl ge batte. Auch das Berufungsgericht schloß sich den Ausführungen des erstinstanzlichen Urteils an nnd rvies die Berufung der Staatsamvaltichasc zurück.
Pcrmijc^ro.
Ein Urluulwrzug verunglückt.
Landau, 8 Jiau. (WTB. Amtlich.) Vergangene Nacht um lL /t llyr tft zwlsa-en Kaiserslautern und Homburg, vor Station BruckmüMack frei starkem Schneegestöber ein Urlaukterzug aus
einen Güterzng aufgefahren. Bon den Jsn-asfien des Urturber^ugesj sind nack> den bislseri^n Feststellungen 12 getötet und 87 teilweise schMjer verletzt worden. Hilfszüge gingen sofort vvrr Homburg und Kaiserslautern ab. Die Verletzten wurden in Bruchmühlbach, Miesau und im Reservelejz-arett untergebracht. Die Namen der Toten werden baldmöglichst veröffenllicht werden.
Letzte Nachrichten.
(WTB.) Großes Hauvtguartier, 9. Januar. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
H e e r e s g r n p v e K r o n p r i n z 9! u v p r e ch t.
Unter starkem Feuerschutz stießen starke englische Er- kundungsabteilungen gegen den Lüdrand des Houtlmulster- waldeS vor. Einige Kompagnien griffen an der Bahn Boe- smghe—Staden an. An keiner Stelle konnte der Frind unsere Linien erreichen-, in unserem Feuer hatte er schwere Verluste.
Beiderseits von Lens lebhafte Artillerietätigkeit.
Qestlich von Bultecourt fanden mehrfach Handgranaten- kämpft' um kleine Grabcuposten statt.
Westlich von Flirep brachen die Franzosen am Nachmittag nach heftiger Feuerwirkung in 1 Kilometer Breite zu starken Angriffen vor. An einzelnen Stellen drang der Feind in unsere Postenlinie. Ein Versuch, über sie hinaus Boden zu gewinnen, scheiterte. Unsere Gegenstöße warft» den Feind im Laufe der Nächst überall in seine Ansgangs- stellmlgen zurück.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Mazedonische Front niid
I t a l i e n i s ch e r K r i e g s s ch a u p l a tz.
Die Lage ist unverändert.
Der Erste Generalguartiermeistcr Ludendorff.
Neue U-Boot-Erfolge.
Berlin. 8. Jan. (WTB. Amtlich.) Im! Atlantischen Ozean und im Aerm elkanal sind kürzlich von ünseren U- Booten fünfTampfer uyd einSegler versenkt worden. Mit Ausnahme eines waren sämtliche TaMpser bewaffnet und fuhren in Geleitzügen. Einern unserer U-Boote gelang es, durch zähcs Fest- llalten und geschicktes Mcmöverieren aus ein- und demselben Geleit- zitil drei schwerbeladene Dampfer zu vernichten. Unter diesen befanden sich die englisck^en belwafsneten Dampfer „B-ernard" (3682 Tonnen), mit Kohlen nach Gibraltar, „Bristol City" (2511 Tonnen) mit Stückgut, hauptsächlich Chemikalien, die nach Neuyork bestimmt waren, und uack) Au,gäbe der Besatzung einen Wert von etwa 40 Millionen Mark hatten. Der Segler war ein Bollschifs von annähernd 2000 Tonnen Größe.
Ter Chef des Admiralstabes der NLarine.
Tie Versenkung des Dampfers „Vernarb" lenkt die Aufmerksamkeit aus den durch unseren U-Boot-Krieg vollständig zerrütteten englischen Kohlenhandel. „Kohle," sagte Lloyd George in? Jcchre 1915 in seiner klassischen Rede an die Walliser Bergarbeiter, „ist das Lebensblut der Nation! Mit der Kohlenausfuhr bezahlte England eiirst einen großen Teil seiner Einffrhrschuld. Jetzt erstickt es im Kvhlenüberfluß. weil ihm die Schisse fehlen zum Transport über See. Selbst im Inland können die Eisenbahnen das durch die Einschränkung der Küstenschiffahrt gewaltig angeschwollene Verkehrsbedüftnis nicht mehr stillen. Tie schvarzen Schätze häufe?? sich aus den Gruben und drücken den Preis, zwingen, zur Einschränkung der Produktion und zur Arbeitslosig- leit und entwerten den Betrieb. Erst kürzlich mußten wiedcw 2000 Arbeiter auf einer einzigen Grube entlassen werden. Andererseits steigt die Kvhlennot in der Welt. In Frankreich werden die Theater nicht mehr geheizt, in ddeuyork herrscht abends eine Tim^lhckt wie auf einein Torfe Und in Italien mußten d'c Eiseicbahnen und sogar schon wichtige Kriegsbetriebe sich einschräni'en bis unter die Grenze des Zulässigen. Dieselbe Kohle, die in England 30 Maick die Tonne kostet, schnellte dort in den letzten fTagen im Schleichhandel auf 500 bis 600 Mark im Preise empor! Tie Kohlenuot ist eine der Klippen. ,au denen das Entftrte-Glück zerschellen wird.
Nochmalige Envciterung des Sperrgebictes.
_ B c r l i li, 8. Jan. Die „Nordd. Allg. Ztg." teilt mit. daß eine ergänzende Sperrgebietserllärung vom 31. Januar 1917 erfolgte, und zwar wird um die feindlichen Stützpunkte auf den. Cap Verdeschen Inseln und dem Stützpunkt Dakar mit den anschließenden Küstengebieten vom 11. Januar 1918 ab ein neues Sperrgebiet erklärt. Mit dem gleichen Datum wird das Sperrgebiet um die Azoren nach Osten bis über die unfern Gegnern als Stützpunkt dienende Insel Madeira ausgedehnt. Neutrale Schiffe, die zur Zeit der Veröffentlichung dieser Erklärung in. Häsen innerhalb des neuen Sperrgebiets liegen, könnew
diese Gebiete noch verfassen, ohne daß das für das cLverrgedieck angeordnete militärische Verfahren seine Anwendung findet, wenn sie bis znm 18. Januar 1918 auslaufen und den kürzesten Weg in freies Gebiet nehmen. Für neutrale Schiffe, die in das neu- erklärte Sperrgebiet geraren, ohn« daß sie von seiner Erklärung sich Kenntnis verschaffen konnten, sind misreichende Schutzfristen festgesetzt.
Die neue Eriveiterung der Sperrzone kommt, wie die „Post" meint, gerade recht in einem Augenblick, wo die Veremigten Staaten große Vorbereitungen treffen, um Mannschaften und Material nach dem europäischen Kriegsschauplatz zu entsenden. Gerade die Union, hatte gehofft, die Inselgruppe der Azoren und die Cap Verdeschen Inseln sowie Madeira zu einem ioichtigen Flottenstützpunkt auszubauen. Leichte Seestreftkräfte hätten hier genügt, um nitfer Sperrgebiet von der Flanke aus zu bedrohen. Tie Gefahr ftir diese Seetransporte großen Stiles über den Atlantischen Ozean ist jetzt über nacht ins Niesenhast- gewachsen Die Fortsetzlmg der Friedensverhandlungcn.
B r e st - L i t o w s k, 8. Jan. (WTB. Nichtamtlich. > Heule nachmittag wurde eine Vorbesprechung zwischen den Vorsitzenden der hier versammelten Älbordnungen abgehalten, an der teilnahmeni Staatssekretär v. Kühlmann, Minister des Aeußern Gras Czernin, Justiz minister Popow. Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten Trotzki, Großwesir Talaat Pascha und der ullaiuische Staatssekretär für Handel und Industrie Holubo- wytfch. Nach der Erörterung von Form- und Prvgrammfragen wurde für morgen vormittag elf Uhr eine Vollsitzung anberaumt Später fanden Vorbesprechimgen zwischen den Vertretern der Bier bnndmächte und den ukrainilchen Vertretern statt.
Lügen rwer die deutschen Friedcnsbedingungen.
Berlin, 9. Jan. Tie „Norddeutsche Mlgemerne Zellung" schreibt: „Dsea" -verbreitet die folgende?? phantastischen deutschen Friede nsbedingungeni Auslieferung der schweren Artillerie an Teutschjland, ber SckMarzmeerslotte an die Türkei: das Recht Teutsichlands ncft zollfreie Wareneinsuhr für 15 Jahre: alle von England und Frankreich na h. RußlanL einzufül/renden Waren müssen über Deutschland gehen; Demobil? siernng aller mit den Wlfterten operierender! russischen Truppen keine Einmischung Rußlands in die Angeieg n heilen zwischen bei Mittelmächten und den Alliierten. Mach nicht Her der Regelung de? serb'.sck'/n und bulgarischen Fragen: Deutschland darf im Bedarfsfälle leichte Artillerie in Rußland erwerben. Aehnliche phantastische Nachrichten sind bereits mehrfach vor? autorisierter Seite als böswillige Erfindungen b^cichnet worden. Auch diese Meldung fall natilrlich dazu dienen, die Frredensverhandlrmgen zu stören.
Der englische Botschafterposten in Petersburg.
Berlin. 9. Jan. Das „Berliner Tagebl." meldet aus Kopenhagen: Der Korrefpondenr des „Ekstrabladet" meldet aus London, daß die Ernennung Hendersons zum engli scheu Botschafter in Petersburg unmittelbar bevor stehe.
Englands Rüstungen.
Berlin. 9.. Jan. Wi^ dem „Berliner Lotalanzeiger" aus Basel berichtet wird, meldet die ententefreundliche „Neue Kor re- spenden " aus London: Nach einer englischen Mätternachricht wird es auf Gnrnd einer ztvischen Lloyd George und den Delegierten der Gewerkschaften am Schlüsse der Wnferenz vom Saiirstag zustandogckkonrmenen Verständigung möglich fein, f ün s hun de rt tausend ne ue Soldaten an die Front zu entsenden.
Ein britischer Zerstörer versenkt.
London, 7. Jan. (WTB. Nichtamtlich.) Die AdmiralUa: meldet: ,Ein britischer Zerftürer wurde im Mittel meer torpediert rmd smik. 10 Mann kamen um.
Ein tapferes holländisches Kriegsschiff.
Amsterdam, 8. Jan. (WTB. Nichtamtlfth.) Ter „Delftschc Courant" meldet: Bei der Heimwse des neulich in Holland angekommenen Kriegsschiffes „Trvmp" har sich aus dem Atlantischen Ozean s-olgender Zwischenfall ereignet: Ter Kv^ Mandant eines englischen Kriegsschiffes gab dem „Tromp" den Befehl, sofort zu stoppen. „Tramp" fuhr weiter. Taraus löste der Engländer einen Warnwigsschuß und wiederholte das Signal. „Tremp" feyte dessenungeachtet seine Fahrt fort und signalisierte zurück, ob der Engländer denn nicht wisse, daß er es mit einem holländischen Kriegsschiffe zu tun habe. Ter Engländer antwortete ihm. das wisse er wohl, aber trotzdem müsse „Twmp" stoppen, da er Passagiere an Bord habe. Darauf gab „Twmp" eine 9lntwort die dem allen Mmiral Tramp Ehre gemacht haben würde. Er signalisierte kurz und bündig: „Klar zum -Gefecht!" Starr vor Erstaunen über diese unerwartete Kühnheit wußte der Engländer offenbar nicht, was er antworten sollte. Ter Zwischenfall wurde in einer Geheimsitzung der Zweiten Kamnrer, die bald nach de? An'kunft des „Tramp" abgehalten wurde, zur Sprache gebrMchi Ern Postwagen abgestürzt.
Berlin, 9. Jan. Wie dem „Berliner LlKalanzcig-er" berichtet nstrd. ist bei einer Fahrt über die Mhänge des Meißner, des höckiften Berges in Kurhessen, der mit f ü n f Reisenden b e- setzte Postwagen abgestürzt. Tie fünf Reisenden und der Postillion erlitten sckMere Verletzungen.
Schneesrürmc in Ostpreußen.
Berlin, 9. Jan. In Ostpreußen sind, wie der „Lotial- an zeiger" meldet, ? m Schneestnrm wieder sechs Männer, eine Fran und ein Kind erfroren.
ta Granja.
Ti« Feuersbrunst, die, wie gemeldet wurde, La Granja lieirn- aesucht bat. hat euw der großartigsten und fesselndsten Schloßan- lag:n nichr allein Spaniens, sondern goirz Europas zerstört. La Eranw liegt nur 11 Kilometer vom ehrwürdigen Segooia cnt- strnt ?m Guadarrama-Gebirge am Fuße des majestätischen, gegen 2500 Meter hohen Penalara und hat ein nahezu alpines Klima Ter Reiz der Lage und der Vorzug des Klimas ließen diesen Platz zur L-ommerresidenz als be.onders geeignet erscheinen, und so geht denn die Geschichte des Sckloises bereits bis ans Kömg Hein- rich lV. zuritck, der hier im Jahre .1450 ein Jagdhaus und eine Einsiedelei anlegte. Von ihm ging dir Anlage auf Ferdinand und Jsabella über, die 1477 Jagdschloß mrd Einsiedelei den Nconchen des Seoovianer Klosters El Parral als Sommerfrische überwiesen Zw Besitze der Mönche ist die Stätte dann beinabe 250 Jahre ver- blieben. und '.oeil sie hier eine Mei^erei, spanisch Granja. eilt-, rrchtetten, so ging dieser Name aus die ganze Ansiedlung' über.
kamen die Tage Philipps V.. des ersten Bourbonen aus Spaniens Thron, der seine französische Heimat nicht vergesset konnte uitbjsen Beschluß faßte, tu La Granja sich ein Stück Frankreich, eine Lommer- und Luftvesidenz zu schassen, wo er der düsleren Melancholie des Escorial entrinnen und sich in das heitere ^ranl- re:ck zurückversetzt fühlen konnte. Er kaufte daher den Mönchen La Granw ab und begann eine eifrige und großartige Bautätigkeit, die von 1720_ an etwa 25 Jahre dauerte. Kaum war die Anlage vollendet, so starb Philipp. Eine ganze Reihe von Meistern hatte an ihr mitgewirkt; ein in Madrid geborener Künstler deutscher M- stammung. Theodoro Ardemans, hatte die Oberleitung: der Jtai.e- ner.zuvara hat die ausgezeichnete Gartenschauseite des Schlosses cnt- norw^, und auch sonst lzaben spanische, italienische und französische m luniieu m großer Zahl an dem Bau mitgewirkt. Er ist eine'eigen- tnnittch? Mischung französischer und svani'cher Elemente geworden.
bildet t>er französische Schloßstil die eigentliche Dominante, ch-cr ,panische Baüelemente mischen sich doch wieder überall hinein und geben der Architellur es ne eigene, man darf beinahe Wgen: pikante Note. Tie hinter tiefem Ehrenh-ose ausgebaute .Vauptsront ifi dadurch interessant gestaltet, daß aus ihr die hcrvortrilt, während das Schloß sein sozaisagen weltliches tvesicht in der vornehmen Front Juvaras den Gartenanlagen zuwendet.
.. . Gartenanlagen aber, die die Bergwand Hinansteigen, ne Uno es erst, oic den Hauptreiz und den größten Ruhm von La Granfa ausmachen. Nnd wieder erkennt man Versailles: in der streng arckttektonncken ffststoltung der ganzen ?lnlage und in der Benvendung^ des Wftssers %u ihrem Schmucke und zu ihrer Belebung. a.a fehlt nicht der großss Kanal; da wimmelt esl von Brrmnenanlagen mannigfachster Gestalttmg und Größe, von
der üppigen Latmra- und Neptuns-Fontäne und dem „Bade der Diana", <n? innen sich die Erfindung französischer Bildhauer erschöpft hat, bis zu bescknidenen kleinen Springbrunnen herab. In hundert Formen iss das Wasser hier gefaßt: es springt als Strahl, es rieselt als Wasserfall, sprüht, sammelt sich zu Seen, verteilt sich in Kanäle. An Rerchtum und Künstsertigkeit über!reffen die Wasserllinste sellstt die von Bersailes. In der Andromeda- Gruppe speit der Drache einen Strahl von 31 Mieter Hohe, und der Strahl der Fama-Fontäne erreicht sogar 35 Meter und ist bis Segovia sichtbar. Neben mancherlei trivialen Erfindungen findet sich doch auch sehr Glückliches, wie z. B. der Canastillo-Spring- brunnen, tvo aus einem Blumen und Fruchtkorbe 40 Strahlen aufftleigcn. Es wird berichtet, daß die Königin Philipp V., alsr er von einer Rierisc nach» Frankreich znrückkehrte, mit diesen Wasserkünsten siberrasckü habe. Auch die Wirkung, die sie ausübten, war überraschend. Bourbone sagte nur flüchtig lächelnd: „Es hat mich drei Millionen gekostet, um mich drei Minuten zu amüsieren." Jetzt liegen die Künste meist still nnd springen mir an hohen Festtagen. höchstens sechsmal im Jahre.
Aber ob sie springen oder nicht. La Granja war und blieb einei der bezauberndsten Schloßanlagen in ganz Spanien, und so hat es sich denn auch als ein Lieb-lingsanfentl>alt der Königsfamilie dauernd behauptet. Selbst, geschichtlich hat es eine gewisse Rolle gespielt: hier vollzog Ferdinand VII. jsene Uiebertragung des Erbfolgerechtes an seine damals zweijährige Dochlcr Jsabella. die die langen spanischen Bürgerkriege zur Folge hatte. Uebrigens ist La Gran?a jetzt auch bei der vornehmen Madrider Welt als Sommerausentlialt beliebt. Ihre Angehörigen nelnnen dann in dem kleinen, dichtbeigclegenen Städtck>eit Aiufentl>alt, wo es sogar a:< einem Theater und^an der unvermeidlichen Stierkampsarena nichts sehlr. Aber das Schönste bleibt die großartige Gebirgsnatur, die weithin durch gut gehaltene Reitwege erschilossen ist.
— Ein vorgeschichtlicher Fund im Kreise Harburg. lieber einen vorgeschichtlicheir Fund im Landkreise Harburg berichtet Theodor Henecke in der Zeitschrift Nietxwsachsen. In Everstorf konnte vor kurzem auf dem Grundstück eines Hofbesitzers ein wichtiger Bronzefund gemacht werden. Es handell sich um einen großen bronzenen Kessel, der Fundort ist iuooria mit sandigem Unlergrrmd, und die betreffende Stelle bildet eine leichte Anhöhe. Dort erblickte ein Hütejunge ein aus der Erde hervorschauendes grünliches Mctallstück, aus das er getreten war. Bei näherer Uiltersuchung und nach einigem Graben entpuppte sich dies Metallstück als der Henkel eines großen mit Patina überzogenen kesselartigen Gesäfy's. Obwohl keine Steine um bas Gefäß gesetzt gewesen waren nnd man auch in der Umgebungr bisher kein" Urnen sefundeu hatte, die ettutt auf alle vargeschichd
liche Begräbnisstätte hätten schließen lassen, konnte der Kessel als vorgescknchtlich seftgestellt werden. Wahrscheinlich, war er früher etwa einen Fuß hoch mit Erde bedeckt, die dann burch Regengüsse allmählich abgewoschen wurde, so daß der Heilhü bervorschaute und zur Entdeckung führte. Die Form des Bronzegefäßes gleicht so ziemlich den auch heute noch, hier und da auf dem Lande in Bauernhäusern anzutreffenden soa. Grapen, die auf offenes Herdfeuer gestellt wurden. Das Gefäß wiegt mehr als 8 Pfund, seine Höhe beträgt mit ^den Beinen 26 am. die bret Beine sind allein 9 cm lang. Die Füße sind klauenartig geformt, und die Beine lausen am Gefäß dreitäntig aus. Das Raummaß beträgt ungefäh? 5 Liter. Besondere Zieraten waren aar dem ausgezeichnet erhall tenen Kessel nicht zu entdecken. Der Inhalt bestand aus Sand und einigen Eisenstückchen, die leider beim Ausheben verloren gingen Sie werden als sehr rostig geschildert und dürsten wohl eiserne iLchmuch'ack)en,. Spangen, Nadeln. Armbänder oder Schnallen gewesen sein. Es ist anzunehmen, daß eine sachkundige Nach grabung aus dem Grundstück, die bisher noch nicht in Angriff genommen ivurde, zu weiteren vorgeschichtlichen Funden fuhren könnte.
— Tür« r- Entdecknngen. Von zwei bemerkenswerten ^ürer-Fu7i.den gibt Erich Römer im jüngsten Hefte des bei Georg Reimer erscheinenden „Repertoriums für Künstwissensckaft" Nachricht. Ter eine ist der Probedruck eines unvollendeten Stiches, den das Amsterdamer Küpfersrichkäbinett aus alten Beständen besitzt Ter Stich stellt einen thronenden Herrsck>er dar. Wettere Probedrucke sck>einen ebensowenig erhalten zu sein wie Abdrücke von der vollendeten Platte. Tie Zuschreibung des Blattes an Dürer ist wohl als sicher anzunehmen. Eö mag dafür der Name .^Kaiser der Türken" das Richtig^' treffen. Sultan war damals Baiezid II Eine Türkenfamilie hat Dürer ettoa 1479 ^stochen: er mochre nun die Absicht haben, den Sultan selbst in einem großen Blatte zu stecken Der £>tich hätte ein rechtes Flugblatt tt-r die Zeit werden können: ausgeführt ist iddoch nur der untere Teil der Figur mit reich aus gestaltetem Getvaude. während der obere Teil nur in der Linien rührung skizziert ist. Römers zweiter Fund füdrt von Amsterdam nach Dresden. Dort besitzt das .Kupferstichkabinett in der Mapve seiner Türerzerchnungen en? bisher unveröffentlichtes, wdock Zweifelsohne echtes Matt: einen wilden Mann als Wappenhalter Der Stil der Zeichnung weist in Dürers Frühzett, eiwa zwisck>en 1498 und 1500. Vielleicht ist es eine Studie zu den wilden Männern des Deckels zum Krell -Ml dnisse. Dergleichen wilde Kerle waren Dürer schon von seiner Lehrlingszeit in der Woigemut-Werkstatt her bekannt: später sind sie von den Bocksfiißlern aus Grieckwnland ver drängt worden, die 1505 zuerst eine deutsche Hand gestaltet hat Erst die Romantik hat dann diese Art von grimmig nnlden und doch zugleich herzlich milden Waldmenschen und Schraten wieder lebendig gemacht


