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Nr. 2 Zweiter Blatt

Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Donnerstag. 3 . Januar \%$

Kriegsbriefe aus dem Osten.

Von unterem zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatter.

Aluberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Waffenstillstand an der Ostfront.

Bei Krewo. Ende Tezember.

Der Schlitten fuhr durch den dicken, grauen Winternebel, aus ban die schwerb e reif den 2xtmtat und Kiefern blauweist heraus- ftchm, um schließlich hinter den Nebel tück-ern zu verschwinden. Ter war im Nebel und auf der Schneedecke gestorben, nur die Schnittenglocke klingelte ein leises, gleiches Läuten durch dre stumme, Wrkmngene Einsamkeit. Au der Strotze hob sich aus dem Wald eine Rodung, auf der Kreuze gesät zu sein schienen. Man sah nur die ersten Reihen, dickt! Töte junge Schonung, dann verbarg sich der Umrist der russischen T'oppellreuze hinter den wertzen Wänden, und man hatte den Eindruck, dost immer weiter, weiter aus Meilen und Meilen die russischen Grabhügel in der unendlichem gvauen Traurigkeit des Winter,ra chm ittags lägen.

Wir schwiegen. Tiefer ehemalige russische Eiappenfriedhof barg nur Teile von Teilen der gestorbenen russischen Armeen. Ich dachte an das Wort eines grasten Chefs einer deutscl-en Armee, das er im letzten Sommer in Bukarest gesagt hatte, als nur vm! der Mkssifchen Revottrtion sprack^n.Ihre Geburt wirrde verkündet in der Winter schacht, und sie ist geboren worden cruz den wol- hynischen Schlachtfeldern." Wie in einer Vision sah ich hinter den Kreuzen im Nebel das Schlachtfeld bei Kretin. ^er Bauer hatte dort seit zroei Jahren nicht mehr gesät, auf dar bunten Untraut- faldern, wt von wilden Wohn, lag grauenvoll dicht dte braune, russische Dotenernte. Mcrrm rieben Mann und oft in dieser! ent­setzlichen 'berfnäitltert Hansen, in denen die noch Lebenden unter den Daten starben .... .

Ter Schiiten falte loetter, der starre Wald lag wie ern Werstes Ungeheuer wieder vor den Kreiczen. Am nächsten Tage ful>r rch zur Front. ^

Ter Tag war hell, die Sonne glitzerte in den lnstigen meisten Zweigen, als wir die qroste Straße nach Krewo zu lnnsausten'. lAm 23. Juli war hier der letzte große Kamps' gewesen: nt starten! Arüwall hatten die russischen Tödesbatalllone die dünne deutsche Linie zirrückgedrückt, die alte mächtige Ruine der Wnigsburgmon Krewo war in ihre Hand gefallen, und es hatte einen Augenblick, bis die Reserven kamen, ernst genug ausgesehen. Erst nach fünf Tagen war der Einbruch wieder ganz ausgeglichen. Zum letztenmal an diesem Teile der Ostfront hatte die russische Artillerie immer neue starke Wirbel geschlagen, aber die Kaukasier im Nachbar- abischnitt hatten schon erklärt, sie machten nickt mit, nnd die russi­schen Reserven marschierten nich, um den Einbruch zum <meg zu erweitern. ^

Tann kam die Zeit der Stille. Statt der Granaten flogen Worte herüber und hinüber. Am 24. November fiel an diesem alten Bremrpimkt der Nvrdftmtt der letzte Schutz der russischen Artillerie. _

Jetzt am 16. Tezember l waren alle Strotzen frei. Es ist ein inerkwürdiges Gefühl, wenn man den Weg. der zwei Jahre lang nur des Nachts zu benutzen war, bei glitzernder Sonne fährt, und wenn die Tamienkulissen, die gegen Sicht decken sollen, wie dürre, zcrtrocknete Erinnerungen des Krieges am Wege stehen und durch ihre kahlen Zweige den Bück fteigeben hinüber zur russischen Stellung.

Am nächsten Tage erschollen .Hurras bei den Russen. Ter Wassenstill stand trat nt Kraft. Bon der Höhe des Ruinenberges sah fthj eins die vielgegliederden russischen Stellung eit, aus die ,^reuttale Zone" zwischen den Hindernissen. An einemVerkehrs- Punkt" standen etwa zwei Tutzend ^Russen Mid schneehallten sich. Aus der Höhe zwischen ihren Linien schienen sie eine ArtGreisen" zu spielen. ,L)ier formte keine Nase hoch," sagte der Infanterist und liest sich vergnüglich die Sonne aus das Gesicht scheinen.

Wir stiegen 'hinunter. Ein paar russische Offiziere erschienen gleichfalls amVerfohrspunkt". Freundliche Begrüßung beider­seits. Vorstellung.

ES gibt viel zu fragen, und es kommen merkwürdige Ge­spräche zutage. . . fa lener Nacht," sagt ein Russe, ..streß ich mit einer Patrouille von Ihnen nicht weit von hier zusammen."

Tie führte ich," sagt ein deutscher Leuttrant.

Sie warfen eure Handgranate, aber die explodierte nicht."

Hm," sagte der Teutsche.

Ach, es ist doch ganz gut so," meint der Russe, ,üvas sollte sonst aus Ihrem Kaviar werden."

Die Geschichte mit dem Kaviar ist nämlich die, daß der deutsche Leutnant zu Weihnachten Heiratsurlaub lzat und daß der Russe nach Minsk schicken will, um ein paar. Pfand Kaviar für das Hochzeitsmahl zu besorgen.

Die Russen ihrerseits möchten gerne französische Spielkarten haben. Im ganzen Bataillon ist nur noch ein halb zerrissenes Spiel im Gebrauch, und die Winterabende sind lang.Wird besorgt!"

Wie sieht eigentlich Ihr Hindenburg jetzt aus?" Man holt ein paar Bilder. Die russischen Soldaten drangen sich förmlich um die illustrierten Zeitschriften.

Die Dolmetscher beider Seiten können kaum schnell genug über­setzen. um jedem zu seinem Berständigungsrecht zu verhelfen.

Wir gehen zurück. Die russischen Offiziere greisen an ihre Mühen, denen die Kokarde fehlt, wie ihren Uni sonnen das Osfi^iersachselstück und selbst die .Kriegsorden. Die Mannschaften hrüsten unsere Öftrere in auffallend guter Haltung beim Ab ichied.

Seit ein paar Tagen," erzählen mir unsere Heroen im Batalllonskasino,find die Abzeichen abgeschafft. Es sollen Arm­binden ,angelegt werden mit der Bezeichnung:Bataittons- fa&rer",Regimentsführer",Mme-eführer" usw.

Mir werden ein geruhsameres Weihnachten haben, als alle d« Jahre. Herr Gott, man glaubt manchmal gar nicht an das Schweigen der Arttllerie..."

Wir trinken auf Weihnachten.

Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

Aus Stadt «nd Can&«

Gießen, den 3. Januar 1918.

** Amtliche Personalnachrichten. Der Grohherzog empfing zur E.ttgeqennahmte der Neujahrsglückwünsche: die Mini­ster, den Generaladjutanten, den Flügeladiutanten, den Ordens- kanzler, die Oberhofck>argen. den Borstand des Großherzoglichen Kabinetts, zum Bortrag: den Mdursster des Innern Dr. von Homberg! zu Bach, den Vorstand des,Kabinetts Wirll. Geheimerat Römheld; außerdem den Generalleutnant Freiherr von Lüttwitz.

** Auszeichnungen. Dem Krankenträger Karl Töpfer wurde das Hessische Verdienstkreuz am Kriegsbande verliehen. Unterossizier Ludwig W a ck und Kanonier Heinrich Müller, beide Inhaber der Hessischen Tapferkeitsmedaille, er­hielten das Eiserne Kosu-. Dieselbe Auszeichnung wurde verlieben : Vizefeldwebel Hoboist M. Blau, Schütze Hrch. Gelsebach, Musketier Friedrich Rein st e i n und Ers.-Res. Otto K o in p f.

**Brautlega1derHerz-Baruch-Stiftung lieber die Vergebung des Legats siehe die Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil.

** Rotes Kreuz. Von der Verband- und Kranken-Erfri- lchungsstelle des Roten Kreuzes am Bahnhof Gießen wurden im Monat Dezember 1917 679 durchreisende Soldaten mit Kaffee er­lischt, die Sanftätswache hat 362 Transporte ausgeführt und in 219 sonstigen Fällen Hilfe geleistet.

** Das Großh. Hessische Regierungsblatt, Stet läge Nr. 21, ausgegcban den 29. Deyember 1917, hat falgenbert Nchalt: 1. Ueibersichl (über die in den (Gemeinden des Kreises Bensheim für das Rechnungsjahr 1917 zu erhebenden Gemeinde Umlagen. (S. 257.) 2. Uebersicht über die in den Gemeinden» des Kreises Erbach z/d erhebenden ,Gem e n ldeumla gen für das Rechnungsjahr 1917. (S. 259.) 3. Namensveränderungerv (S. 263.) 4. Ordensoerleihungen. (S. 263.)

** Vorläufig kein Aushang der Fahrkarten­preise. Mit Geltung vom 1. Januar 1918 ist verfügt worden, daß auf den Stationen die Preise der zum Verkauf au fliegen­den Fahrkarten nicht mehr ausgehängt zu werden brauchen. Wird vom Aushange abgesehen, so Häven dic Fahrtarten-Ausgabö- bellcn über die Preise auf Verlangen Auskunft zu erteilen. Die Maßnahme ist infolge der bevorstehenden Aenderung der Personen­tarife mit Rücksicht auf den verminderten Personalbestand und zur Papierersparnis nötig geworden.

** P ostanwei s ungen an Kriegsgefangene in Rußland. Tie Schuieiz hat den Postanweifungsverkehr^ für Kriegsgefangene mit Rußland vom 1. Januar 1918 ab eingestellt. Postanweisungen an die Oberpostfonttolle in Bent für deutsche Kriegsgefangene in Rußland können deshalb vorläufig bei den deut- sckfen Postanstalten nicht angenommen werden. Postanweisungen für diese Gefangenen sind zurzeit rrur auf dem Wege über das schwedische Postamt in Malmö 1 zulässig.

** Di e alte ft e Chorschule int Großherzogtum Hessen ist der von Hoiorganist Müller geleitete Knaben­chor in der Groh.* Schlostkirche zu Tarmstadt, der dieses Jahr aus .ein 200jähriges Bejtthon zurückblickt. Seine Gründung erjolgto auf Befehl des Landgrafen Ernst Ludwig (16781739), der 1718 verordnet, daßjährlich 6 tüchtige Schüler aus den Paeda- gogicis, welche von Gott und der Natur mit guten Stimmen be­gabet und den Takt baöiii zu obseroiren fahr; sind, unter das Direktorium des Cammpr-Miufici Knöchel gegeben werden sollen^ damit durch dieselben in der fünllichen Hofkapelle der gewöhnliche Choral-Gesang in rechter Mensurr uttd Harmonie löblich geführt werden könne." lieber ein Jahrhundert beschräntte sich die Mitwirkung der 6Choristen" aus die Führung des Gemeinde- Gesangs. Ms später die Liturgie enveitert und in den letzten Jahren auch mehrstimmige Gesänge für die Knaben eingeschaltet wurden, erhöhte sich d»e Zahl der Chorschüler, die gegenwärtig 52 beträgt und allsonntäglich den Gottesdienst durch einen Chor- gesanq einleitet.

** E in Vergleich der Geschäftsergebnisse der Sparkassen des hessischen Sparkassenoervands zu Ende 1916 mjtt dem Stande von Ende 1915 ergibt lautMit­teilungen der Großh. Hessischen Zenttalstelle für die Landesslatistik" (Beilage zurDarmstäidter Zeitung"), Nr. 984 ein Anwachsen des Betrags der Spareinlagen innerl>alb eines Julwes von 427 727 090 (aus 445 519 000 Mark, mithin um nahezu 17 4 / 5 Millicw'" Mark: die zinsbare Anlegung der Anlagen hat besonders bei Genreindeck und sonstigen Kvmmunaloerb-änden zugenommen (um Mark), aber noch erheblich größer ist die ZmUthme der Anlagen in Wertpapieren (wohl Kriegsanleihe), wobei eine Sleigermtg des Be- ttags um 42 409000 M^trk auf 119 4M 000 Mark vor!regt, wäh­rend die Anlagen in Hytt>theken, KaufgeDern und gegen Schuld­schein prozenttial zurückgegangen sind. Bei den einzelnen Kassen er­geben sich binsickiitlich der zinsbaren ))hnlegung der Bestände grotzk Verschiedenheiten. Der Kasse in Oppenheim mit nur 24,2 Prozeitt Hypotheken steht Osfenbach mit 84,5 gegenüber (Darmstadt: 74,4 einschl. Kausgelder), wogegen Oppenheim 47,8 Prozent; des Bestands in Kcnifgeldern angelegt hat gegenüber nur 0,2 Pnoz^rt in Erbach. Die Alsfelder Kasse hat nur 4,1 Prozent ihrer Bestände in Jtn haberpapieren angelegt. Höchst dagegen 49 8 Prozent (Darmüodi: 24.3>. Hinsichtlich der Anlevgung bei (sstnindn und sonstig! Kvm'- munalverbänden steht Darmiivdl mit 1,1 an letzter und Seligenstadt mit 31,5 Prozent an erster Stelle. Der Zinsfuß beträgt bei der großen Mehrzahl der 'Kasse,n 4 Prozent, eine kleine Anzahl gewährt 3 3 / 4 Prozent, während Darmstadt allgemein rmd Alzey bei Ein­legung lleinerer Beträge noch den 3V.>Motz-entigan. Zinsfuß haben.

LnndkreiS Gicsten.

** Bel tershain. 2. Januar. Dem Leutnant d. R- und Kompagnieführer Petri, Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Klasse und der Hessischen Tapferkeitsmedaille, wurde vom« Kaiser daS Eiserne Kreuz 1. Klasse persönlich überreicht.

z. Geilshausen, 2. Jan. Gefreiter Wilh. Niebergalll Inhaber der Hessischen Taifferkeitsmedaille. erhielt das Eiserne Kreu^ 2. Klasse. Sein Bruder, Wehrmann Hch. N i e b e r g a l l, erhielt die Hessische Tapferkeitsm<Hcrille.

** Grosten-Buseck, 3. Januar. Postschaffner Karl Größer, der das Eiserne Kreuz besitzt. wutHe zum Unteroffizier befördert und mit der He»tzsisck>en Taptz^rkeftsncedaille ausgezeickmel.i

** 5)olzheim, 2. Januar. Musketier Georg Rertz erhielt das Eiserne Krec^ 2. Klasse.

** K l e i n - L i n de n , 3. Jan. Ten Brüdern August und Karl L u h wurde das Kriegsehrenzeick^n und Wühelm L u h das Kreuz für Kriegs Hilfe verliehen.

** Stangenrod, 2. Jan. Dem M^csketier Emil N a u, der erst kürzlich die (HeMsche DapterfoitsmadaÄe erhielt, wurde das Eiserne Kreuz verliehen.

Kreis Bübtnaen.

4t Büdingen, 2. Jan. Das Eiserne Kreuz erhielt der Landfturmmann Adolf Lehn in g. Mittel - G ründau. Zum Leutnant d. R. befördert wurde der Lehrer Heinrich Kühl, seither Vizefeldwebel in einem Inf.-Regt. Eckartsborie. Tie Hessische Tapferkeitsmedaille und das Eiserne Kretrz erhielt der Fahrer August Schuchmann in einem Art.-Regt. R i n- derbü g en. Vier starb nach kurzem, schwerem Leiden der 2. Leh­rer Hermann Eckert im 59. Lebensjahre. Der Verstorbene wirkte vorher längere Jahre in Burgbracht.

Kreis Schotten.

Lau bach, 2. Jckn. Bon Gliedern der hiesigen Gemeinde, die in Hoevesdtemten ftanben, starb-rn im Jal-üe 1917 den Helden­tod fürs Vaterland: WlllMlm Desch, 5>eim7ich-arf, Wilhekm Fitz- ler. Ernst Töll, Hermann Strauß, Wilhelm Schoerl, Hermann Göbel, Friedrich Rühl, Friedrich Becker. Hectrrich Tohm und Augnft Schon: letzterer an den Folgen einer schweren Erkranftmg in einem Lazarett in Nürnberg, nachdem: ihm im Mai sein Sohn im Tode vorausgegan.gen war. In englische Gefangenschaft geriet Her- mmm Schmidt, in französische Gesangeusch^ift Forstassessor Wilhelm J-ock?em, Christian Frank, Friedrich Frank, Wilhetm Foank, Fried- ri«l) Knees. Als vermißt gilt Friedrich Sertz. Durch ?lus- tzausch von Sanitätsmannschaften kmn Wühobn Stotz, als Schwer- vevwundeter Emil .Höhmann aus französischer Gefangenschaft zurück.

# Ra inrod, 2. Jan. Das Kriegsehrenzeicheu in Eisen er­hielt der Gefreite Karl Sei ber t.< Rludi ngshain. Das> Eiserne Kreuz und die Hessische Tapferkeitsmedaille erhielt der Musketier Otto Müller.

up. Ausdem Vogelsberg, 3. Jan. Der letzte Weihnachts- fvierlag war auf dem Lcmde seit uralter Zeit der Tag des Gesinde- Wechsels Früher vollzog sich dieserWechsel unter nun verschwundenen/ Volksgebräuchen. Im 4. Jahr des Wtltkrieges ttat er in aller Stille ein. Tie Geldentwertung durch den Krieg hat auch die Ge- sindelöhne auf eine früher nicht dagewesene Höhe gebracht. Eine Tienstmagd, die früher 300 Mk. Lohn bekam, erhält jetzt über 500 Mk. Knechte unter 17 Jahren erhalten schon 500 Mk., ältere entsprechend mehr.

Kreis Frkedberg.

44 Rod he im v. d. H., 2. Jan. Zum Leutnant d. Rest beför­dert wuüde der Schülverwalter Jakob Bernhardt, Inhaber des Eisernen Kreuzes und der Hessischen Tafterfoitsmedaille. Jlu erschreckender Weise nehmen hier die Vieh- und Geftügel-Dieb- stähle überhand, ohne daß bis jetzt der oder die Täter ermittelt werden konnten. So wurde.! bei verschiedenen Landwirten Schweine geschlachtet und dann fortgeschleypt.

Starkeuburg und Rheinheste«.

M. Z. Mainz, 3. Jan. Das Ergebnis des Mainzer Opfer­tages liegt nunmehr abgeschlossen vor: es druckt sich in der impo­santen Summe von 206 618,17 Mark aus und setzt damit dem Mainzer Bürgersinn ein Denkmal, wie es schöner nicht gcdacht wer­den tan. Besonders erfreulich ist es, daß in diesem Jahre auch die Ämdgemernden des Kreises sehr stattliche Summen zu dem Main zer Opfertag beigesteuert haben.

Kreis Wetzlar.

** W i ß m a r, 3. Jan. Ter Holzhauermeister Balthasar Ufer von hier wurde mit dem VerdieujÄceuz für KriesShilse ausge­zeichnet.

Hessen-Nassa».

R> M. K. Frankfurt a. M., 3. Januar. Ein bisher nicht bekannter Ueberfall wird uns nritgoteilt. Danach kam eine Frau, die in der Nähe der Allegasse in Fca.cksurt ein kleines Geschäft betreibt, vor den Feiertagen spsth abends aus dem Odentoald zurück und eilte durch die A^stegasse ihrer Wohnung zu. Plötzlich wurde sie von einem fremdem^ Mmnr mrgehalten und zur Hergabe ihres Paketes aufgefordert. Sie weigerte sich zunächst und wurde! dann von dem Kerl gap^ckt, gegen die Mmrd gedrückt und ihr dev Mund zugehallen, danftt sie am Schreien verhindert ivar. In ihveck Todesangst ließ sie btrtnt das Paket fallen, das der Räuber an sich nahm urid verschwand.

, F r a n k fu r t a. M., 2. Jan. In der Ncujahrsnacht stahlen drei Feldgraue aus der Fabrik von Goldschinidt & Löwenick drei fette Schweine. 9lus dem Transport der Tiere nach Sachsenhausen! fielen die Diebe der Polizei in die Hände. Während zwei slüchtenl konnten, wurde der dritte samt den Schweinen in polizeiliche Obhut gebracht.

= Usingen, 2. Januar. Bei einen! Einbruch in den Bazar der Kreis-Lebensmittel stelle erbeuteten bisher nickt ennitlelte Tirbft 175 Pfund Bohnen, 50 Pfund Haferftockeu., 150 Pfund Sckzokolade. 990 Stück Seife und größere Mengen Kakao. Die Ware hat ernen Wert von etwa 4700 Mark. »

= Aus der Rhön, 2. Jan. Dic Münchener Technische L)ochschule hat dem General der Infanterie von nnd zu der Tann-Ratsamhcmsen ans Tann die Würde eines Ehrendoktors! verliehen.

Nriefkasten der Nedaktisn.

iAnouvme ?infragcv bleibe» uoderückitchtt-t^

Gffiziersleüoertrcter 8t. Zu 1. Dem OssizieritellVertreter wird in diesem Falle nur mitAugen gerade aus" gemeldet. Zu 2. Der Ofsizierstellverttcter tritt nickst ein, wenn der meldende Osftzier- stellvertteter (Konipagnieseldwebel) dienstjünger ist.

Amtlicher Teil.

Vaterländischer Hilfsdienfi.

Aufforderung des Kriegsamts zur freiwilligen Meldung gemäß § 7. Absatz 2 des Gesetzes über den vaterländischen Hllssdierrft.

Helfer für die Etappe!

In dem gewaltigen, von unterem Heere besetzten feind« lichenGebiet werden zur Berlvendung bei Militärbel-ördenmoch zahlreiche Hilfskräfte benötigt. Das Interesse deS Vaterlandes verlciugt, daß taugliche und entbehrliche .Kräfte der Heimat sich> zu diesem Etappendienst zur Verfügung stellen. Zahl- reülie kriegsvenvendungsfäihige Militärssersouan müssen im bo- setzten Gelnet raxh für den Dienst an der Front fteigemacht werden.

Die Lebensbedinglmgen im besetzten Gebiet sind durchaus günstig. Gute Entlohnung und reichliche Verpflegung nvrden go» währt. Und tvas bedeutet die Notwendigkeit, sich> in fremde Ver­hältnisse einzngcwöhnen, cTegenüber dem Maß von Opfern und Env- behrungen, das untere Krieger seit Jahren freudig ertragen!

Männliche Hilfskräfte jeden Alters, auch JugendlickM. können, «wenn sie geeignet befunden werdim, Beschäftigung im besetzten Go- lnet im Westen finden und zwar für: Gerichchsdienst, Post- und Telo» graphendienst, Botendienst, Tachnisckien- und Eisenbahndienst, als Kutscher, Bäcker, Schläckster, Handwerker tebre Art oder als .HitfS«- schgeiber, sowie im Sicknercheitsdienst (Bahnschutz, Gefangenen^ und Ges än g nisbewachunq).

Personen mit französischen und flämischen SprocWrmrtmfferc werden lvsonders berüch'ichtigt.

Wehrpflichtige können nicht angenommen werden, mit Aus­nahme der 50o/o oder mehr erwerbsbefchräntten Kriegsbesckfadigten.

Als Entgelt wird gewährt: Freie Verpflegung oder Geldend, sckädigung für Selbstverpssegung, freie Unberkimst, fteie Eijenbahw« fahrt zum Beslitmmungsort und zurück, freie Benutzung der Feld­post, freie ärztliche und Lazareltbehandlung sowie ein angemeisener Dienstlohn.

Bis zur endgülligeir Ueöerweisung an eine bestimmte Bedarfs- stelle wird einvvrläirfiger Dienstverttag" geschilossen. Tie end- gMtige Höhe des Lohnes oder (^el>altes kann erst im Anstellungsver- trag selbst festgesetzt werden. Sie richtet sich nach Art imb Dauer der Arbeit sowie der Leistjimgsfähigkeit des Betreffenden. Eime auÄ< kömmliche Bezahlung wird zu gesichert. Falls Bedürftigkeit vorliegt, werden außerdem Zulagen für die in der Heimat zu versorgenden Famllicnungehörigen gewahrt.

Die Versorgung derjenigen, die me KriegsdienftbeschDigung erleiden, ist besonders geregelt.

Meldungeri nimmt entgegen: vezirkskommando Gießen ; daher sind twfliegen: Etwaige Militärpapiere, BesckfaftigungsausweiS oder Arbeitspapiere, erforderlichenfalls Abkchrsckiein. Es ist anzu­geben, wami der Bewerber die Beschästigrmg antteten kann. Eine porläuftge ärztliche Untersuchung erfolgt kostenlos bei dem Bezirks­kommando. Jseder Bewerber hat sich, den erforderlichen Schutz- irnpfangen zu unterziehen.

80168

Uriegramlstelle Frankfurt a. M.

Bekanntmachung

betreftemd die Entrichittcng des Warenumsatzsdempels für das Kalenderjahr 1917.

Aus Grund des 8 161 der Ausfültz-ungsbestimmungen zum Reichsstempelgesetze werden die zur Enttrchtmrg der Abgabe vom Waremunsatze verpsluchleten gewerbetteibenden Personen nnd Ge­sellschaften der Fnran-zamtsbezivke Gieße.r, Butzbach, Grünberg irnd ^! 7 rgen aufgefordert. den steuerpflichtigen Jahresbetrag ihres Warenumsatzes für das Kalenderjahr 191? bis spätestens zum Ende des Monats Januar .1918 den Unterzeichneten ss-inanzänttern schriftlich oder mündlich anzumelden.

Ms steuerpflichtiger Geioerbebetrieb gilt auch der Betrieb der Land- und Forstwirtschaft, der Viel)zucht, der Fischerei und des Gartenbaues sowie der Bergwerfsbettieb.

Beläuft sich der Jahresumsatz auf nicht mehr als 3000 Marf. so besteht eine Berpflichttmg zur Anmeldung und eme Mgabepfljcht nccht.

Wer der ihm obliegenden ?'lnmeldungsverpflichttmg zuwider- handelt oder über die en!pfangenen Zahlungen oder Lieferungen wissentlich unrichtige Angaben macht, bat eine Geldstrafe verwirft, welche dem zwanzigfacheu Betrage der hrnterzogenen ^lbgabe gleich» fommt. Kann der Betrag der hinterzogeneu Abgabe nicht fefi> gestellt werden, so tritt Geldsttafe von 150 Mark bis 30 000Mk. ein.

Zur Erstattung der schriftlicher! Anmeldung sind Vordrucke zu verwenden. Sie können bei den Unterzeichneten Finanzämteriy sowie der zuständigen Bürgermeisterei kostenlos entnommen werden.

Steuerpflichtige sind zur Anmeldung ihres Umsatzes verpflich­tet, mich wenn ihnen Anmeldungsvordrucke nickt zugegangen sind.

Tie Abgabe ist alsbald nach ihrer Festsetzung mr die zuq ständige Kasse stelle zu erttrichten. 8956V

Gießen, Butzbach, Grünberg, Hungen, den 8. Dezember 1917.

Tie Gvotzherzoglichen Finanzämter.

Steinhäuser. Flath. Wenzel. Map.

Be Ir.: Unfall- und Haftpflichtversicherung für Sammel- und Helferkolonnen.

An die Schulvorstände der Landgemeinden des Kreises.

Die Erledigung unserer Verfügrmg vom 28. Avril 1917 wird mit Frist von 3 Tagen erinnert.

Gießen, den 28. Dezember 1917.

Großherzvgliche Kreisschulkommission Gießen.

2.93 : Lan germaun.