Öar bcm cxmnn Betrug, ltxle f. B. die „Times", die behauptet, man »volle ledlglrch auS den russischen Friedcrrsbcdingurrg-en den Vorteil Mehen, die Friedensfreunde in den alliierten Ländern zu bestärken und die „innere Fr-ont" der Fclltde Deutschlands zu bvecheir. Ein Fried,', nne ihn die Bolschewiki fordern, würde die Zentralmächte zu Siegern- machen, und ein Wink von Berlin würde aus Bulgarien und der Türkei alles machen känneir, was Deutschland wünsche.
Auch das Blatt Lloyd d^eorges, „Daily Chronicle schließt sich im Tone den ionservativön Blätterrr an; es behauptet, die Friedens beding migen der Zentralmächte böten nicht die geringste Garantie -gegen eine ,Wieder Holling des Krieges.
„Daily Expreß" schieint nach denr etwas ur,klaren Reuterauszng mit der Wirkung des Boykotts drohen zu wollen, der warf', schärfer angewandt werden könne, führt jedoch fort „Es wäre eine richtige Antwort für Czernin, wenn man dem deutschen Volke bewiese, das; die Alliierten keineswegs den Wunsch haln r'., es M vernichten, seine Entwicklung zu lchrdern oder seine Unabhängigkeit zu bedrohen. Wenn Deutschland dies ein- inal begreifen würde, dann würde das deutsche Volk von selbst die Vernichtung des Militarismus vollziehen, dessen Ziel die Eroberung der Wblt ist."
Tie liberale „Daily News" lehnt ebenfalls die Bedingungen ab, UTenngleich in ^reuiger scharfer Form. Sie nennt den Vorgang einen geschickten diplomatischen Zug, der es inöglich mache, das; »veder Presse iroch Politiker der Entente das deutsche Anerbieten kurzerhand znrr'ickweis-en. Deutschland verhöhne mit dieser Bedingungen nicht allein die eigenen Sozialisten, sondern es bringe in geschickter Weise die Alliierten in die Stellung von aggressiven Imperialisten, die es nicht zulichen, das; eine solche demokratische Regelung eures Friedens ohne Annexion uird ohne Schadenersatz gebilligt würde. Die Vorschläge seien absolut unannehmbar, da vitale Fragen wie die Belgiens und Seröieirs die Mängel der Bedingungen.zeigten. Auch bezüglich Elsaß-Lot h- ringens, Polens und der deutschen Kolonien seien die Bcdin gungen unbefriedigend. Auch äußere sich Deutschland nicht über den Völkerbund.
Der liberale „Manchester Guardian" zeigt sich ent- gegcukomnwud: er legt in eirrem Leitartikel dar, die deutschen Friedensvvrschiläge müstten sorgfältig erwogen, und dabei Tm’mfceu alle militärischen, politischen' und menschlichen Fak- wren in Betracht gezogen Werdau. Tie B-ädingungen seien nicht mit der Theorie eines TeutschlchM dos Siesges in Einklang zu brmgen, >mum sie auch kein Zeichen eines neiven Geistes enthielten.
Tatsache, daß ftit Elsaß-L-othrllrgen und der Türkei die Souveränität der Macht, die das Unrecht begangen habe, ausdrücklich cüufrechterh.rl1en werde, sei nicht förderlich für einen Hauer- halten vrreden Aber ein Zurückweiseu der deutsck-en Beoingungen aus den angeführten Gründen werde der Sache der Alliierten emen unberechenbaren Schaden zufügen. Die Antwort der Alliier- ben müise also derart sein, prß sie alles annehne, was in beit ochltscheu Bedingungvir annehmbar sei, und auf dieser Basis müßten, ore Mindesllord erimgen mtsgeswllt werden.
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Die Lage in Rußland.
Petersburg, ,28. Dez. (WTB.) Meldung der Petersburger Telegraphenagentur. Die große Druckerei der Zeitung „Brr shewrja Mjedomosti" wurde für die Bedürfnisse des Hauptau-ichusies des Sowjets mit Beschlag belegt.
In den letzten Tagen sind keine Plünderungen von Wie inlagern vorgekonrmen. Eine ganze Bande von Plünderern wurde entdeckt und verhaftet.
Ter Rat der Bolltzkoninttssare regelte in einem Erlasse die ''drnsiungender Eisenbahnangestellten. Ganz Rußland ^ wrrd in zirka 10 Bezirke, die Eisenhahuairge^ stellten werden m 14 Mbetterkategorien eingeteilt. Dre Bezahlung wird ;e nach , der Teuerung in ben verschriebenen Bezirken ab- gestust Tre niedrigste Bezahlung erMt die erste Arbeiterbatogorie ™ Rubel monatlich. Tie höchste Bezahlung von
o10 ätubel erhalt dre 14. .Kategorie in Petersburg. Für körperliche llrb.7l und 8 Stunden, für geistige Arbeit 6 Stunden täglich feslg-eutzt worden.
® r n i j, 27 Dez. MTB.) Meldung der Petersburger Tele- gra- ?u-Agentur. 5/ie Bewegung der Truppen des Rates der Vvllskommis,are gegen Rostow von der kaukasischen Front her kommen nvehrere Züge mit Soldaten durch Großnij.
Msaken versuchten bei dem an den Mineralquellen gelegenen Bahnu-oi. die Durchfahrt der nach stchstow bestimmten Truppen aufzuhalten. Ter Versuch ist mißglückt.
Der deutsche Ausschuß in Petersburg.
m Berlin, 28 Dez. Der „Lokal-Anzeiger" meldet aus Gent: Einer Petersburger Meldung des „Petit Parisien" zufolge ordnete der Volksrat die Instandsetzung der d e u t s d\ c u Botschaftfür die Mitglieder der Kommission am dle gestern abend von Berlin abgereist sind und voraus- ltchttlch am Sonntag in Petersburg eintreffen werden. Chinesische Truppen in Charbrn.
^ fA 011 ^ 011 ' ^7 (WTB.) Das Reutersche Bureau erfahrt min maßgebender japanischer Seite, daß nach den letzten Depeschen 5000 Mann chinesischer Trup- pen mit der Aufrechterhaltung der Ordnung in Eharbin betraut sind. Ungefähr die Hälfte der russischen Garnison Char- bms, die zujammen auf 8000 Mann beziffert wird, hat sich den Maximalisten angeschlossen.
und die Bolschewiki.
>z. /WTB.) Nach einem hiesigen Blatte
Amerika
A m fte r dam , 28.
meldet^ die ,, Lomes" aus Washington: Tie amerikanische Reaie- letzt Bewerfe dafür, daß die Lehren der B o l s ch e w i k i irach Amenka üb'evgegriffen, haben. Obwohl die amerikanisch Regierung rnchts gegen die sozialistische Propaganda einzuwenden hat bvbK Kriegführung nicht behindert, undvbwchiVdieLebeusfreilieil läppert ste llch mit der nationalen Sicherheit vereinbaren laß/ aufvttbt erhalten werderr.soll, hat Wilson doch wissen lassen, daß fowrt d r a st i i ch e M a ß n a h m e n ergreifen rvürde, wenn den Geietzen bewaffneter Widerstand geleistet werden würde oder weim fich dre Agitatoren gewaltsamer Mittel bedienen.
Aus der französischen Kammer.
Paris, 27. Dez. 'WTB.) In der Kammer interpellierte der sozialistische Abgeordnete Moutet über die Unterhandlungen zwijch'm den alliierten Regierungen, die ohne Wissen der Parlamente geflogen und jüngst veröffentlicht worden seren Er fragte, welche Maßnahmen der Regierung infolge der erwähnten Veröffentlichung notwendig erscheinen würden' Auf Zwischenrufe, insbesondere Briands, der erklärte, daß die von dm Runen oerönentlichten Verträge für niemanden geheim seien, erwiderte s Mmm, es wjgrde eilt Interesse dafür bestehen, alle Debatten der Ge'heimsitzung vom 5. Iiutt über die innere Politik Pl veröffentlichen. Pichon erklärte, da stalle Bertteter der Alliierten dieselbe Erklärung abgegeben hätten, und zwar an dem Tage, au dem Rußland eine regelrecht gebildete auf oen Willen der Nation gegründeteRegierung b^esrtzen so ird, wer den wir bereit sein, mit. chm! unsere, K r i e g s z-i e l c und die etwaigen Bedingungeir eines dauerhaften Friedens zu prüfen. Ter Sozialist Mistral erklärte, die Entent ehab eunrecht getan, den Sozialisten die Pässe für Stockholm tzir verweigern, soemr dadurch fai die Lage Kerenskis unhaltbar geivorden. Ter Redner schilp stmit dein Verlangen der Revisrron der Driegsziele der Enterrüe.
ldgeordneter Loirolle interpelllierbe über die durch den russisch Waise n stillst and an der russischen Front geschaffene Lag mr Frankreich Rach längeren Ausführungen Pichst>ns lehnte di crmmer 'mit 578 gegen 103 Stüstisten den Vorrang für die Tagesordnung Lonaiuk, wonach u. a. künftig nur vom Parlament ktu'A l'l-i Verpflichtungen als gültig angesehen werden sollen, ab und nahm mtit sämtli-chen 884 abgegebenen Stimmion die
Symian an, nach der die Mnfmer die Erklärung der Regierung b i T l [t ff £ >um i,m Vertrauen zu chr zur Tigesordnu ng übergeht. Die Sitzung tmirde aufgehoberi.
Die Nrde PichonS.
Paris. 28. Dez. Pichon führte aus: Nur unsere Feinde können uns Eroberungsabsichten zuschreiben. Wir werden uns nicht in die innere Polittk Rußlands mischen, aber wir treffen, die nötigen Maßnahmen, um unsere so wichtigen Irsteressen in diesem Lande zu wahren. Eirtsprechend den mammalistiscl>en Grundsätzen des Selbstbestuumungsrechts tteten wir mit den Bevölkerungen in Beziehung, die solche unterhalten wollen. Wir arbeiten nicht an der Zerstückelung Rußlands, sondern wir wollen einer Politik dienen, die, wenn sie allgemein zur Durchführung gelangt, Rußland selbst regenerieren wird.
, Der Minister erinnert unter lebhaftem Beifall an die besondere Pflicht, die Frankreich gegenüber dem unglücklichen Rumänien hatte das dank den Bemühungen Frankreichs in den Krieg eintrat. Trotz allen unseren Bemühungen, sagte er, konnte der Waffenstlll- stand nicht vernrieden rverden. Aber das Unglück Rumäniens sowie das Serbiens und Belgiens wird nur ein gewisse Zeit dauern. Man ersucht mich, unsere Kriegs ziele näher zu bestinimen. Sie wurdm bekanntgegeben. Sie ftnden sich in den wiederhalten Erklärungen unserer Minister, auf allen Tagesordnungen der Parlamente und in den Reden der Chefs der Negierungen: Z u e r st siegen! (Wiederholter Beifall.) Lloyd George erklärte iwch gestern, man gelange nur durch Sieg zum Frieden. Siegen, warum? Um Eroberungen zu machen icnd Völker zu unterdrücken, um zu herrschen? Ne^jn, um der Welt einen Frieden der Gerechtigkeit und der Brüderlichkeit entsprechend den Boten der Kammer und den Erklärungen der alliierten Regierung zu verschaffen. Die Restitution der uns durch Gcwall entrissenen Provinzen, d i e Rückkehr Elsaß-Lothrifigens zu Frankreich, die Friedensgarantien für Europa im völligen Einverständnis mit Wilson, das sind unsere Kriegsziele. Wstson hat unsere Gedanken zum Ausdruck gebracht: Unsere gegenwärttge unmittelbare Ausgabe besteht dann, den Krieg zu gewinnen. Nichts wird uns von diesem Ziel abbrrngen, bevor es verwirklicht ist. Wir betrachten den Krieg erst dann als gewonnen, wenn das deutsche Volk uns durch seine Vertreter sagen wird, daß es bereit ist, einen Frieden an zunehmend der auf der Gerechtigkeit und der Wiedergutmachung des angerichteten Schadens beruht. Seit uns Elsaß- Lothringen entrissen wurde, haben wir unausgesetzt in unseren! Herzen gelitten. Wir wollten niemals Bevölkerungen in irgendeiner Form durch Eroberung amrekrieren. In der Antwort der Alliierten auf die Botschaft Wilsons ist ebenfalls nicht von der Vernichtung des deutschen Vol^s, noch von der Austilgung des, Deutschen Reiches von der Weltkarte die Rede. Wir haben nicht nur für Serbien und Belgien gesprochen, sondern auch für Polen. (Lebhafter Beifall.) Unsere Älliierten wollen ein unabhängiges und unteilbares Polen (Lebhafter Beifall) mit allen Garantien eurer fteien wirtschaftlick>en und militärischen Entwicklung. Die armenische nnd die syrische Bevölkerung, sowie alle Völkerschaften, die unter einem freniden Joche seufzen, besitzen unsere Sympathie. Unsere Feinde hingegen erklären durch den Mund des Grafen Czernin, daß das S e l b st b e st i m - mungsrecht der Nationalitäten eine Frage der inneren Polittk sei. Was Uns von unseren Feinden lmta^ scheidet, ist die Anstrebung eines gerechten und dauerhaften Friedens. Man kann leicht begreifen, daß Deutschland und Oesterreich- Ungarn sich weigern, ihren annerionslosen Frieden näher zu be- süimntzen. Pichon erinnert an die .Kanzlerkrisen in Deutschland und an die deuttchen Versuckie, Friedensverfprechungen einzuleiten. Er ährt fort: Tie Frage Els.aß-Lothringen ist nicht imr eine französische Frage, sondern e i n e W e l t f r a g c. Es ist das Symbol des Rechtes. (Beifall.) Wir kämpfen nicht nur für Freiheit. Nichts wäve unrichttg^c, als zu belMipteir, wir würben den Ktteg verlängern, um unseren Egoismus zu beriebigen. Es gibt übrigens noch manckie ^andere Frage außer der elsaß-lotch'ingischen. Je nachdem die Fragen in französisckie.u oder deutschein' S.nne gelöst werden, wird ein neu>es Europa geickZaffen wenden oder nickst. Es wird, ein dauerhafter Frieden für alle Nationen entstellen oder nicht. (Beiall.) Wir haben die Eroberung Jerusalems als eine Be- neiung trugejeben. Es handelt sich hier nicht um einen englischen oder ftanzösischen Sieg, sondern um einen Sieg der zwilisiecteit Welt. Es handelt sich um die Be'reiung der Bevölkcrimg von Palästina, wo ein mternattonales Regime der Gerechttgkeit und der Freiheit ins Leben treten wird.
Pich>on erirmert daran, >daß Frankreich erklärte, daß die Ge- h e im Vectra ge mit Rußland .nickst zu Recht bestehen. Tie Beröffenllichung der Geheimverträge 'mar übrigens für Deutschland ein vollstäiidiges Fias§', insbe on ent, was die Völker de,: skändi- navischen Länder aaibettnsft, deren gute Bezielhmgen zu uns dadurch nicht gestört werdeii Sonnten. Ter Minister macht sich über die Deutschen lusttg, die Frankreich der Geheimdiplomiatie an klagten, selbst aber das Völkerreckst in Mernko, in Argenttitten und in mel-- reren andeven neutralen Länder aufs frivolste verletzten. Ter Minister fiardet geroisse Telle des WaffensttllstaardeS sonderbar. Er hofft, daß Rußland rttcht naiv genug ist. nur den humanitären Versicherungen der ^deutschcu, österreichischen, türkischen mrd bulgatt- schen Telegattonen Glauben zu schenken. Pichon fürchtet, daß Rußland dem Geschicke entgsgengelhe, von seinen Feinden umgarnt zu werden. — Es bleibt uns duber eine Hoffnung in der Erklärung Trotzkis au den ftanzöstschen Bot'chaftec in Pete - s- burg Noubens. Auf jeden Fall wird sich die Lonstttuierende Ver- sanr'mlung ^cmssprrcklen. Hoffentlich 'wird sie nicht mifgelöst werden, wie nran ihr androhte. Ter Vt inister stellt fest, daß der Bierverband die russischen Vorschläge als Tiskussionsbasis an- nimMt, daß er jedoch dem einzelnen Paragrayljen nicht zusttmmen kann. Deutschland versucht, uns in Verhandlimgen hiueinzuzieben. Nach den fürchterlichen Verlusten und nach dem Heldenmut unserer Truppen, Saim da von einem bedingungslosen Frieden, von einer Rückkehr zum Status guo in territorialer oder wirt- schastlicher Hinsicht die Rede sein? (Beifall.) Ich habe schon gesagt, daß wir, sobald uns Friedensverl)andlungen offtziell unterbreitet werben, dieselben gemeinsam mit unseren Verbündeterij erörtem iverden. Ein solcher indirekter Friedensvorschlag verdient jedoch nicht in Betracht gezogen zu werden. Entweder werden die Verhandlungen mit Rußland zum Ziele führen, was die Kapitulation Rußlands bedeuten würde, oder sie wird scheitern. Für uns wird der Krieg in beiden Fällen weiter d a n e r n. Ter Krieg ist in seine kritischste Phase eingetreten. Es fehlt uns gegenwärttg ein Verbündeter, der auf dem Punkte war, entscheidende Resultate zu erlangen. Offenbar bedeutet es einen großen Erfolg Deutschlands und Oesterreich-Ungarns, daß sie nun aus unserer Front Bewegungsfreiheit haben. Wenn uns aber ein Verbündeter fehlt, so besitzen wir dafür andere in diew Vereinigten Staaten, die mit ihren gesamten kommerziellen, industriellen, wirtschaftlichen und mllitärischen Kräften aushelfen werden. Deutschland hat eine gewalttge Aufgabe übernommen: Es wollte die Welt besiegen, ebenso wird nun umgekehrt die Welt über Deutschland siegelt uich auf die Franzosen wird ein beträchtlicher Anteil ans diesen Sieg entfallen. Wie Roosevelt gesagt hat, wird Frankreich die Seele der Wett retten. Hierzu arbeiten wir unter Ihrer Kontrolle und wie ich ferner glaube, mit Ihrer vollen Zustimmung. (Lebhafter Beifall außer auf der äußersten Liicken.) Tie Regierung erllärt sich mit einer Tagesordnung Simyan einverstanden.
Paris, 29. Dez. (Havas.) K a nt m e r. Finanznttnister Klotz verkündet«, die Ergebnisse der dritten Anleihe seien, noch unvollständig. Ter Gesamtbetrag der bisher ein gegangenen' Zeichnungen, die im Auslände gemachten nicht eingerechnet, belaufe sich auf 10 27G Millionen. Die Bareinzahlungen machten mr- gefähr die Hälfte de. Gesamtsumme laus.
Bo»» der franzvfischen Arbeiterschaft.
Bern, 28. Dez. (WTB.) .Der Pariser Presse zufolge übte der Vertreter des Metallarbeitersyndikats Merrheim in Eler- mont-Ferrcnrd an der Haltung der Confederatton generale du travail eine sehr scharfe Kritik. Er erllärte, die alliierten Regierungen hätten nach Brest-Litowsk gehen müssen. Die Ar-
beitcrllaNe wünsche nicht am Divlomatcnttsche, sondern mnerha^ der Internationale an der Friedenskonferenz teilzunehmen. TiS Schäden des Krieges müßten überall, auch in Ostpreußen, gemeinsam wieder gillgemacht werden. Einige Minderheitsleute, darunter Bourderon, vertraten die Ansicht Merrhellns noch entschiedener. Bourderon warf der Mehrheit ihre nationale Hal- ttcng vor. Man dürfe nicht vergessen, daß alle Völker in gleicher Dseise die Opfer ihrer Regierungen seien. Bourderon und die übrigen Mitglieder der Minderheit befürworteten die Polllik Lenins und Trotzkis und nahmen sie gegen die hefttgen Angrift« nnd Verlennidmigen der Enlentepresse in Schutz.
Kürz vor dem Schluß des Kongresses ergriff Merrheim nochmals das Wort. Er führte aus, die Mehrhell der französischen Arbeiterschaft habe nicht das Gefühl, daß die Polittk der Eonfede-, ration den Krieg abgekürzt habe. Die Minderhvic innerhalb dev Confederatton wolle, allm Hindernissen zuni Trotz, eine Annäherung an die deutsche Arbeiterschaft, da sie überzeugt sei, daß die deutsche Arbeiterschaft die Empftndungew und Triebe ihrer Regierung nicht teile. Auch der geringste Hoff-, nungsschimmer ans den Frieden dürfe nicht verschmäht werden. —, Merrheims Rede wurde sehr beifällig ausgenommen.
Bern, 28. Dez. (WTB.) Tie ftanzösische Presse chidmet dem Gewerkschaftskongreß, der von den reaktionären Blättern sehr scharf verurteilt wird, zahlreiche Besprechungen.
Besonders gerügt wird die Sprache der Minderheit. Das „Journal des Döbats" spricht von den Bolschewiki der französischen Arbeiterschaft. Es sei bedauerlich, daß die Mehrheit der Mlliderheit die übliche Konzession machte, so daß die Mehrheit sich nicht habe zählen lassen. „Journal des Debats" und „Temps" bedauern den Mangel jeglicher Aeußs- rungen über Elsaß-Lothringen sowie die Forderung auf Abhaltung einer Konferenz in Stockholm oder anderswo. Hervs erklärt, die defaitisttsche Minderheit des Kongresses habe immer noch nicht eingesehen, daß das deutsche Volk keine Sttmme habe nnd die deutsche Arbeiterschaft erst in dem Tage zu zählen beginne^ wo Deutschland mllitärisch geschlagen sei. Die Kriegsziele der Entente seien in der Llntwvrtnote der Miierten an den Präj> deuten Wilson enthalten, die weder Aenderungen noch Präzision nen nottveiidig mache, 9kur die Klausel betre^s KonstantiiropelZ sei hinfällig.
Wilson und feine Demokratie".
Der „Eommercial und Financial Chwnicle"' vmn 3. Noveinber gibt leinen lÄrgeren Lluszüg aus der von dem Senator La Folette vor der „Unal'häugigeir Liga" zu St. Paul gehaltenen Rede wieder, die die Zustände irr der „Demokratie" des Herrn Wilson in erng.nl merlivürdigen Licht erscheinen läßt. Da eine freie Meinungsäußerung über die Kriegsühlrung der Regierung denr Herrn Wilson nnb-eguenr ist, so soll La Folette wegen seiner Angriffe aus deny Senat -ausgestoßen werden. Eine besondere Kommission tagt Mrzcit zur Entscheidung dieser Frage.
„Die polittschen Parteien," sagte La Folette, „habeir es leider nicht zu Wege >gebrächt, dem Volke eine verfassungsgemäße Regie- rung zu geben. MsM vergißt die Opfer, die wir 1776 Und 1861 für 'die Freiheit gebracht haben! Die neuen Propheten des Patrio- ttsmus treten im Gewände von HimMelsboten auf, während sie glttchzeittg dem Teufel dienen. Die Regierimg ist von Grund mls faul. Ich weiß, daß die Kerle, tvelche die Fahne <rm meisten geschwenkt haben — voll gesogene Geldverdiener — dem 'Lande eine neue Teurokratte auf zwingen wollen, eine Demokratie, die nicht Gleichheit und Freihell zur Grundlage hat, sondern das Geld- verdieiren."
Besonderes Interesse verdienen die Ttüsführungen La Folettes über den Fall der „Lusllania", das „Recht" amerikanischer Bürger, auf Munitionsbeladgnen Schissen zu fahren, nnd durch ihre eigne Person !die Schiffe gleichsam zu decken.
La Folette «klärte, daß Deutschland vielleicht das „typische Recht" (technoal rights) der Anrerikaner (das Reifert aus Kriegsschiffen, die mll Munition beladen sind) etwas unsanft behandelst habe, doch sei es nicht der Mchshe 'wert gewesen, wegnr dieses „typische Rechtes" in den Krieg zu ziehen. Große Sensation verursachte die Aussage La Folettes, daß der Staatssekretär Bryan Wilson vor der Msahrt der „Lusitania" daraus auftnerksam gemach: stibe, daß sich >cmf dem Sckftffe Pulverfür6 Millionen Schüsse befände. Ein Fahrgast, der auf einem ftemden, mit Munition be- lüderren Schiffe reise, befände sich tatsächlich auf „fremden Gebiet". Auch sei er der lieberzeu.gunb, daß !die amerikanischen Mn-- nittonsliesevanten ihre Landsleute auftnunterten, mif diesen Schiffen zu fabwen, .um sie gewisserinaßen zu schützen.
Die amerikaniscblen Zeitungen, dartinrer selbst der gemäßigte ..Spriirgsield Republiean", wüten natürlich gegen die^e offenen Anschuldigungen des „.Herrn Senators", aber sie widerlegen dadurch gleichzeitig aufs gründlichste die Versicherungen des Herrn Wllson, daß er den .KriegsPfad" nur betreten l)abe, um die bedrohte Demv- kvatte und Freiheit -der Völker vor Dentschland zu schützen.
Die Helden aus Deutsch-Oftafrika.
Lissabon, 27. Dez. (WTB.) Meldung des Reuter- scheu Bureaus. Amtlich wird aus Mozambique gemeldet: Zweitausend Deutsche eroberten nach dreitägigem Kampfe den Berg M k u l a, der von 259 Portugiesen besetzt war, und nahmen den Befehlshaber und 25 andere Portugiesen gefangen. Die portugiesischen Verluste betrugen 48 Mann. Die Deutschen ließen die Gefangenen am nächsten Tage wieder frei.
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Spanien und die Gibraltarfrage.
Genf, 28. Dez. (Priv.-Tel.) Die „Vossische Zeitung" meldet aus Genf: Der „Madrider Jmparcial" meldet, daß Spanien verlange, sich, an dem Friedenskongreß bereili)- gen zu können, um die für Spanien wichtige Gibraltarfrage zur Entscheidung zu bringen.
Aus SfaM und Land
Gießen, den 29. Dezember 1917.
Lebensmittelmarken.
Für die Zeit vom 31. Dez. bis 6. Jan. 1918 haben nachstehende Lebensmittelmarken Gültigkeit:
Brotmarken der I. Woche, gültig vom 27.12.1917 - 6. 1.1918
Buttermarken „ 1. „ * „ 27.12.1917 - 6.1. „
Fleckchmarken . 1. „ „ „ 27.12.1917 - 6. I. „
Kartofselmarken » 1. „ „ 27.12,1917-6.1. „
Seckenmarken für den Äionat Dezember bis 31. 12. 1917 und für den -blonat Januar 1918 vom 1. I. bis 81, 1. 1918.
Ein Umtausch verfallener Marken findet nicht mehr statt; ebenso wird sttr verloren gegangene Marken kein Ersatz gewährt.
Nenanmeldnugen und Anmeldung von Rengeboreneu haben nunmehr unter Vorlage der nötigen Airsweise, insbesondere der Lebensmittel-Slusweiskarte, auf dem Lebensmittelamt zu erfolgen.
Umzüge innerhalb der Stadt und Wegzüge von Gießen nnd in den zuständigen Bezirken auzumeldeu.
Geschäftsstnnden des Städt. Lebcnomittelamtes von 9—12 Nhr vorn»., 2—4 Uhr nachm.
Markena^isgabe iür Urlauber:
Sonntag« von 10—12 Uhr vormittags.
** W u r st a u s g ab e. Die Ausgabe von unterwertiger Wurst erfolgt Montag den 31. Dezember. Näheres siehe Anzeigenteil. f — In den folgenden Wochen findet der Wurst- verkauf wieder in der seither üblichen Weise statt, so daß der nächste Verkauf Mittwoch den 9. Januar 1918 für die Bezirke 7—12 gegen Abgabe der Marken für die 2. Woche erfolgt.


