Ausgabe 
21.12.1917 Erstes Blatt
Seite
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Ans Stladt und Cnnw.

Gießen, den 21. Dezember 1917.

Sammelvornruudschaft.

Neben der durch Ortssatzimg! vom 31. JLiruar 1913 in der

^nLSz~' ri ' urntbe aleichzckbia,

alr Erganrmlg, die Stadt. Sammelvvvnrundschast eiugesührt. Wäh-

f*-*-. ! x lw ' i. ; iiift uuit lvegeu nur aus die

UN der ofpentlrchm Ärmnrpflege imrterg-ebrachtcn Mündel

zu erirrecken hat, umtztzt die SalMmclvormimdschast die Minder- Mrigen, deren Verhältnisse es wünschenswert ers-chmn-en lassen bai* ihre filtere neu, uiSbesonderc die AprsprückZe an ihre Erzeuger von reä t-'t.lndiger stelle ans ru vollem Umfange und nacb^rüctlichst uellerch gemacht werben ^ Die MmrdelzaU der Sammelvvrnrimd- ichast t|t seit Krregsausbruch von euva 100 auf rund 310 gestiegen Die Bettelluing erfolgt nach Prüfung der Sachlage durch das Bor- MM^ichastogerrcht Ostesxn (Amtsgerichtsrat Gros) in jedem Falle einzeln. Bei dem ifaiö wachfanben Umfang kann sich die Tätigkeit des Vormundes neben der Wahrnehmung aller vormdgeusrecht­lichen Interessen nicht auch noch, ans die Sorge um die Person des Mündels erstrecken. Im Juli 1916 entsandte daher die Zentrale für Mutter- und Säuglingsfürsorge in Tarmstadt eine Kreis- Wiege rin, Sckuoesvkr^ Anita Hermanny, zur Ausübung der Klei utiiüx* rfürsorge. Iuzwiscl>en wur beu ihr noch roeitere Fürsorge- züoeige übertragen, so daß, ihr die Aufsicht über alle jenen Rkündel, Omral ihr Wirkungsbereich lockt über den Kreis Gießen hinaus­geht. nicht mehr möglich wurde. Man ging daher im 5>erbst dieses Jahres dazu über, Damen aus bürgerlichen Kreisen znzuziehen, die ur der Salnmeloornruindsch.sst in der Wckse tätig sein sollten, daß sie mcht nur die Pflege, Entloickelung und Erziehung der Mündel übecioackKN, sondern auch den Angehörigen oder Pflege­ellern her Mündet nach BvnHnren mit dem Vormlund in alten^ die Person des Mündels betreffenden Aingelegenllxeiten mit Rat und Tal zur Seite stehen.

^ Die Aufsicht wird bezirksweise von nachstehenden Damen aus- geübt! ^nt 1. Arnvenpflegebezirk Frau Geh. .tzorat Pv)f. Tr. Go- favius, im 2. Armenpslegebezrrk Frau Lewer Schnöbe! Witwe, im 3. Arnumpileg-ebezirk Fräulefa Berta Korell, Lehrerin, im 4. Ar- meupslegrbezirk Frau Kaufnuanu Krumm, im 5. Ärmenpslegebezirk Fräulein Mcrrgrit BickKer, im 6. Armenpslegebezirk Frau Post- iekretär Dalumer Witive^

Für die katlolisck^i Mündel Frau BanLdirekdw Arnold namens des Eli labet>' .uu-ereins als dessen Borschmd?, neben dec noch tätig lind: Frau Direktor May, Fvau Dr. Mues, Frau Drogist Kilbinger und Frais Bauunternelimcr Schieider.

Für die Mmitdel des israelitischen Bekenntnisses Frau Kauf­mann fcefe.

Für die dNündel bis zum 2. Lebensjahre einschließlich, ohne lttckersched der Religion, die Kreis Pflegerin, Schwester Anita ©emMtittoJ.

Da diese auch an der Mütterberatungsstelle teilnimn'.t, konn­ten für etliche Mündel bereits vor ilirer Geburt die Unterhalts­ansprüche, farmt dies nach dem Gescttz zulässig ist. sichergestellt.

22. d. M. bis einschließlich Mrontag den 24. daS große FilmwerkDu soll st keine fremden Götter haben . . .? mit Albert Bassermann in der Hauptrolle zur Ausführung. Mit einem flotten Lustspiel schließt der Spiel­plan. Siehe Anzeige. _ _

Letzte Nachrichten

(WTV.) GroßesHauptquartier.21. Dezember. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

In Flandern blieb bei dichtem Nebel die Arlillenetcmg- keit meist gering. Nördlich von der Stras-e YpernMenin trat am Nachmittage erhebliche Feuer steig crung ein. In er­folgreichem Erkundungsgrfecht südlich von Hollebcke wurde eine Anzahl Engländer gefangen.

Heeresgruppe Herzog Albrecht.

Bei Hyrzach, südlich von Altkirch, fielen bei gelmrge- nem Vorstoße in die französischen Linien 31 Gefangene in unsere Hand.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Nichts Neues.

Mazedonische Front.

Kerne größeren .Kampfhandlungen.

Italienische Front.

Siebenmal stürmten italienische Kräfte gegen die von den österreickäsch-ungarischen Truppen in den letzten Tagen erkämpften Höhen rvestlich mn Monte A olone, dreimal gegen den Monte Portica an. Alle Angriffe scheiterten unter sthweren Verlusten.

Gleiche Mißerfolge hatte ein feindlicher Angriff auf Monte Solarolo.

Lebhaftes Feuer h^elt während der Nacht und am frühen Morgm in ben Mmpfab schnitten an.

Der Erste Geucralguart ermeister Ludendorff.

Der Rci-chskanzlrr und die Parteien.

Berlin, 20. Dez. - (MDB. Nichtamtlich) Ter Reichs­kanzler empfing h-eutt Nachmittag Vertreter sämtlicher Ne i chs t a g s p a r t c i e n M einer vertraulichen Be­sprechung üler die durch dein Beginn der Feiedensverhaud- lungen mit Rußland geschaffenen politischen Lage. Der Reichs­kanzler teilte mät, daß der Kaiser ilM das Mandat zum Abschluß der Friebensverhanblnngen erteilte und daß er den Slaatss-et'retär van Kühl mann als Unterhändler bestellt habe. Der Staats-

den Mmrdelmüttern die Wochenbeibil "und den Kindern isekretär des An sw artigen Amtes gab einen lieber^ die ^iegsunterstützimg gesichert werde,:. Obschon die Mündel der ' blick über den geplanten Gärig der zukünftigen Verhandlungen und Sammelvormundschast v-?rnnegenö mittellos sind, beläuft sich das ^ legte die Gesichts pst. fat e dar, von denen die Regierung sich daUt verwaltete Gefamtvermögen aus rund 55 009 Mk., das sich aus leiten lassen wird. Nach eingehender Aussprache wurde die Zu- Tie Kriegs unterstütze mg einschließlich .Kriegs- ! st i m m u n g aller anwesenden Abge ordne ten zu den

ja - rtV,,j c n- _-..r t ! in den Ausführungen des Staatssekretärs dargelegten allgemeinen

Richtlinien se,.gestellt. Mm: einigte sich ferner dahin, daß die nächste Sitzung des Hauptausschusses des Reichstages am 3. Januar stattsinden soll.

Neue U-Boot-Erfolge.

Berlin, 21. Dez. (WTB. Amtlich.) Wiederum wurden durch unsere U-Boote im Bristollänal, im Aerinelkanal und in der Nord­see vier Dampfer, ein Segler und drei englische Fischersahrzeuge vernichtet, darunter ein bewaffneter englischer tie'beladener Dampfer, sowie der beroassiiete französische SchovnerLe Pierre", der mit Kohlen von Cardiff nach St. Malo untenvegs war. Bei zwei versentten englischen Fischersalw-eugen konnten die Namen fa,tgestellt werden:Courage" undGazelle". Eiiiem nach dem Bristol-Kanal einlauseifaen Frachtdampser wurden mehrere Artillerietrefser beigebrackst.

_ Der Chef des Admiralstabes der Marine.

130 M üiidel verteilt

N'aisenrei te wird für 74 Kindec erleben. Mit der Einführung der Schutzaufsicht durch die berianmten Damen wurde bei der Sammel- VvrnriindsckZast eine weitere Nenierung getroffen. Tank hochherziger Ammidungeil seitens des Herrn Laudgerickstsdirektorsa. T. Bücking, der Gießener Kindrr'fürsorge und der Gewerbebank Gießen ließ sich kür di^ in Gießen unter gebrachten Mündel bis zum 14. Lebensjahr eine Mäl':!achtsbescherung ermöglichen. Jedes Kind erhält neben Weihnackstögebäck nsw ein seinen: Alterund Ge ch'echt entsprechendes Spielzeug oder dergl. Tie Bescherung erfalgt durch die einzeluor Aussichtsdam-en.

*

' ' m Fahrplan Gießm»Kassel sind eprige Aenderungen err^ ckreren. Wir verweisen ans die Bcurnntmachung der Eisenbahn- dircktion im heutigen Anzeigenteil.

**AlbertBassermannimFilm! Im Schwarz- Weiß-Theater, Scltersweg 81, gelangt ab Samstag den

Berlin. 20. Dez. (WTB. Nrchlamtlich.) ^kürzlich wurde im Golf von B i s c a y a aus einem G e l e i t z u g em 5 0 0 0 £, o n. ^ neu großer tiefbeladener grau gemalter Fracht dampfer hcrausgesch offen. Tarain enpland un i ;clntiuß ein wildes Durcheinander, die Dcmrp'er eröftncten au! da- seknoyr ein aufgeregtes Feuer, ohne einen Treffer zu erzielen. piiiaf Torpedo in der Mitte getroffene Dampfer füllte sich schnell mrt Wasser und kenterte nach vier Minuten, dabei rrß er me in r.ee (die dem Winde abgekelwte Seite des Schisses)^ liegenden Rettungs­boote mit in die Tiee: ein neuer Beweis dafür, daß viele Berluwe an Menschenleben bei Schisfsversrnkungen auf die eigene unQtityifc lichkeit der Besatzungen zurückzuführeu ist, weil sie sich nrcht schnell genug mit den Booten vom sinkenden Schisse entfernen.

J-apan rüstet!

Petersburg 19. Dez. (WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Petersb. Telegraphenagenttrr. Eine Meldung aus Wladi­wostok vom 18. Dezember bestättgt, daß die Japaner, keine 5Vieindseligkei ten begonnen haben. Sie versuchen aus jede Weise geschäsiliche und Handelsbeziehungen zu unterhalten, dn toegen des großen Rubelsturzes und der verschiedenen Verteidig gungsmastnahmen gleich Null waren. Vom nächsten Januar ab beginnt Japan mit der Ausführung ungeheurer neuer

t läne, die auf die Vervollkommnung der Land - und ee streit kraft hinzielen. Das Programm sieht eine Er­höhung der Menge und der Stärke der militärischen Einheiten? vor. Die Gebirgsartillerie wird vermehrt, die sich im gegen­wärtigen Kriege als eine besonders wertvolle Waffe erwiesen! hat. Es werden besonders Automobil- und Flugzeugverbände geschaffen. Die Japaner ke:men aus Erfahrung die Verwendung erstickender Gase und die Abwehrmittel gegen solche Aügrisfa, Ans diesen Vorbereitungen geht hervor, daß Japan besttmmt den gegenwärtigen Krieg in Europa nicht als einen Ausbruch deS Militarismus ansieht, der endgültig von selbst zu Ende geht. Im Gegenteil vervollkommnet Japan seine Streitkräste unb rv weitert sie, um sich seine Stellung unter den Völkern der Erde zu begründen.

Aus dem englischen Unterhaus.

Rotterdam, 20. Dez. TerNieuwe Notterdamsche Cou­rant" meldet aus London: Tie liberalen Blätter üben viel Kritik an der Balfour-Rede. Ter Parlammts- korrespvndent desDaily Chvonicle" schreibt, Balfaur habe übev die Kriegsziele nichts gesagt mtb /eine Zuflucht zu unbestimmten. Allgemeinheiten genommen, und Uila hinter den Präsidenten Wil- fan verschanzt. Tie Debatte sei durch Sir William Collins mit einer Rede eröffnet worden, die sowohl wegen ihrer Gesck-icklichkeit als auch ivegen ihrer Mäßigung und Beredsamkeit bemerkenswert war. Balfour habe jie vollständig ignoriert und sich ganz aus Ponfanby, den er offenbar wegen seiner pazifistischen Bergan ge kt- f/etr als eine geeignete Beute betrachtete, gestürzt. Es sck^bemer- kvnL.'vert, daß in der Debatte eine Anzas/t von einflußreichen, Abgeordneten, denen man ' Pazifismus duvckchuS nicht vonverfen könne, von der Regienrng allen Ernstes eine nejic Feststellung der Kriegszckle verlangten. hatten tvaraitT gedrungen, datz oas turaomett steü'en fntpena; stischeu Ehrgeiz fallen lasse und an Englands ursprünglichen, uneigennützigen Äriegszrelen fast­halten und die Idee des Wirtschaftskrieges nach dem Kriege ablehnen möge. Sir Edward Car son wurde dem svorrespondent« desDaily Chronicle" znfalgc scharf bekrittelt. Es ^wurde be­merkt, daß einzelne Redner Carfans Erklärung, daß Deutsch- lmid, ehe über den Frieden verhandelt wird, seine Armeen nach dem rechten Rheinufer zurückziehen müßte,. zu tragisch aufsassen. Tie Bemerkung Earfans sei nicht so sehr seine Unfältigl-eir als Staatsmann denn auf^ sewve geographische Ungebildetheit zurückzuführen. Der Korrespondent dee>Dailu Chronicle" sagt ferner, daß Pringle eine wichtige Rede gehalten habet aus die der eine oder der andere Minister hätte antworten müssen. Pringle habe an die Regierung deut­liche Fragen gerichtet. Er habe die Minister gefragt, ob sie nicht Anhänger des Völkerbundes seien, und was. wenn sie das seien, Carfan ,mit dem sich falbst genügenden britischen Reich und mit den leindlichen Tarifen Inn wolle, die zu einem Wirtschaftskriege! verwendet werden würden. .Pringle fragte, ob die Regierunz den Aussass'unAN des Präsidcnden Wilson und denen des Sir Edmard Carson zu stimme.

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