Ausgabe 
18.12.1917 Erstes Blatt
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. c ^rragstMeßende Partei erpßt eine Ausfertigung

?E)er^ Vereinbarung in deuttcher und russischer Sprache, die von den Bevollmächtigten unterzeichnet ist.

Drelt-Liwwsk, 15. Dezember 1917 (2. Dezember 1917).

^ _ (Unterschriften.)

Zusatz -um Waffenstillstandsvertrag:

^ -3u^ Ergänzrurg und zum weiteren Ausbau des Abkommens Wer den WaffensMstccnd kamen die vertragschließenden Parteien überein, schnellstens die Regelung des Austausches der

Ausschusses z!u veröffentlichen. Tie Erörterung der Kammer findet, am Donnerstag oder früher statt.

Englischer Bericht aus Palästina

vom 16. Dezember: Der linke Flügel und das Zentrum .'nordöstlich ^n!dd) rückten fünf Meilen in der Breite vor, der erstere bis zu einer Tiefe von l l / 2 Meilen, ohne auf Masten Widerstand zu treffen. Klflbbrah, Klnbmlneb, Elbornet und auf dem reckflen Flügel über

r v i l g e f a n g en en und der dienstuntauglichen, Ellireh lflnansoagendes Gelände nmrde besetzt

genen unmittelbar durch die Front in Angriff M nehmen. Hierlxi sou die Frage der Heimscbafftmg der im Laufe Erreg^ Kunrckgehattenen Frauen und Kinder unter 14 Jahren m erster Linie berücksichtigt lverden. Die vertragschließenden Par-

Die Prophezeiungen Lloyd Georges.

Berlin, 17. Dez. (WTB.) Um 'zu veranschaulichen, daß dis

tft rar tti.'Tiff/i hirttii -YY' __ CSX^! . m l .

teien werden sofort rltr eine tunlichste Verbesserung der Lage der ^^ckikt lftchss^m Krstge veriteheil mrd völlig unMig sind/ bcrdenerttgen .Kriegsgefangenen Sorge tragen. Dies soll eine der > ^ Wechsel nde pvl ms che Kriegslage M ertasten, gibt Dottoni

vornehmsten Aufgaben der beteiligten Regierungen sein

Um die Friebensver ha ndlnnge n zu för der n und d« der Zivilisation durch den Krieg geschlagenen Wunden so schnell wie möglich zu heilen, sollen Maßnahmen zur W i e d e r he r st e l - lung der kulturellen und wirtschaftlichen Be­ziehungen zwischen den vertragschließenden Parteien ureffen werden. Diesem Zweck soll u. a. dienen: Die Wie der-.ru f-

lev folgende Erklärungen des PremierminWrsLloyd George; wörtlich wieder:

1. Ende Juni 1917 sprach, ^Lloyd,George in Glasgow über die russische RVvoftttion und verftckterttz uns folgendes: Die Revo- buttvn hat den Sieg rwch bollständiger gemacht als je: sie hat die Qualität des Sieges, den wir-erringen werden, noch, verbessert.

2. Im Herbst 1917 sagte Lloyd George: Der östliche Himmel

nähme der Post, des Hand el s v e r ke hF ch der Versand und.drohend. Die Sterne srnd durch Molken verdeckt,

von Büchern, Zeittmgen und dergleichen iirnerlmlb der durch deu ^ ^lrachte den stur wischen Horizont Besorgnis aber nickst Waffenstillstand gezogenen lZftenzen. Zur Regelung der Einzel- E Fingst. Heute tan urch sehen, wie das Morgenrot einer \m\ni

heiten wird eine gemis chte Kommission von Veirrttcrn den^Himmel färbt. Dbe Deutschen bei ichvem negceichei

sämtticher Beteiligten 'demnächst in Petersburg Mrminen- ^'marsch wpftn nicht, was sie tun. Mögen sie sich hüten, den^ treffen. I entiesfeln Rnpstand mit ihrer gewaltsanven Art, zersprenge i

Brest-LitVwsL, 15. Dezember 1917 grundsatzilW genehmigt ^5cund sprargen die Mtte, die um das sl-ar^ und unter Vorbehalt der endgilltiaen Fvrnrulieruwr untennämet. ruim-ck«.- Bvlk gelegt wurde. Die Deutsciien selbi.t »chmieden dass

(Untersthriften.)

Die beginnenden Ariedensverhandlungeu.

Berlin. 17. Dez. (WTB.) DieNorddeutsche All gemeine Zeitung" meldet.' Wie wir hören, wird Staatssekre

Sck.'oert, das sic vernichten wird, und befreie?! das starke russische ', das dieses Schwert nrit kräftigem Schlage gegen sie führest wird.

Graf tzertling über Lloyd Georges Rede.

Deutsche Kampfflieger.

Berlin, 15. T?

tär v bl mann sich im U ^ r I i n r 17. Dez. (WLV.) .Vcv Reichskanzler Dr. Graf v.

WTB.) Der Reichskanzler Dr. Graf v.

Friedensverhandlungen nach Brest-Litowsk begeben.

Berlin, 17. Dez. (WTB. Amtlich.) Die Negierungen

Telegr^-chischem Bureau. Tr.' Mantler, zu einem kurzen Ge spräck - empfangen. Ter Gegenstand war die letzte Rede Lloyd

Deutschlands, Oesterreich-Ungarns und der Türkei werden be- ! Gevr. Ter Herr Reiclskvnzler äußerte sich folgenderrnaßen:

m .L4. t'Liu ^^ Cy .. r. . . .t I . . , C....... .. ,:x ...j. ,-»r >. . r c " < , . m t

rettä m den nächsten Tagen in Friedensverhandlungen mit Rußland eintreten. Die 2lb reise der deutschen Bevollmäch- Ngten erfolgt demnächst. Unverbindliche Vorbesprechungen

fragen mich nach meiner Antwort aus die letzte Rede des englischen Premierministers Lloyd George?

Herr Lloyd George nennt uns in seirrer RedeVerbrecher und

über die Friedensbedingungen zwischen den schon u> Brest- ^^^^chEck>ti^ nnc ch>n einmnl irn ReiÄ^oge er- Litowsk anwesenden Vertretern der beterlraten Reg.errrngen | Ä Ä K SSÄ Ä

sind bereits im Gange.

Nikolaus II. entflohen.

Krrage nickst gewormen, vielleicht aber verlängert, denn das ist nach diesen Schmähungen Lws englischen Ministerpräsidenten klar: Für uns ist ein Verhandeln mit Männern vonderarti- ger Gesinnung ausgeschlossen. Für den auffnerkfamen

Va se l, 17. Dez^Havas berichtet aus Petersburg: Nach Beobachter konnte seit geraumer Zeit kein Zweifel mehr bestehen, emer Nachricht aus Solny (?) soll der frühere Zar ent- daß die englisckie Regierung unter Führung von Lloyd George flohen sein. Das revolutionäre Komitee ordnete die Ent- den Gedanken eines gerechten Berständigungsfriedens vndmrg von 15 Wag.'n mit 500 Matrosen nach Tscheljabinsk v o l) k o m m e n u n z u g ä n g l i ck war. Wtzun es in den breiten an. Zu diesem Zwecke wurde die ganze Linie freiaeüalten r X r 0e f[ cntI _i rf > F nt eines schlagenden Beweises hierfür be-

1 , :. . - wr ° ( T . ,rT '.CWJtiJUUeri. ^ T f*p_ fn er Sjirrh h r <»ttrr!4fr!wvr,

dürfte, so ist er durch die neueste Rede des englischen Staatsleiters geliefert.

,, v ,s CT? rt+ ;_ ^ Vc ^rv; ^ . .Sie wissen, daß ich erst seit kurzer Zeü an die Spitze der

munter ^zsmatlowskt und Pelrogradskt erneu Entschluß zur Reiäsregrerung getreten bin, daß mir aber meine bisherige Stel- «fv nrgen Gefangensetzung der Famllre Romanow in der Pe- lung Gelegenheit gab, die aus!värtige Polittk mei??er Vorgänger

Unmittelbar ncsck) dem Eintreffen der Nachricht von der Flucht des früheren Zaren faßte die Vereinigung der Regi-

fcrc Pauls^Festung oder in Kronstadt, um sie gründlick) über wachen und ihnen jedes Vorrecht entziehen zu können.

und der verbündeten Staatsmänner von einem besonders guten Beobachtungspasten aus zu versalgerr. Und da kann ich als Staats-

Äeiite japanischen Truppen in Wladiwostok.

bürg, er hat das. was wir seit Ende Juli 1914 wußten, der Welt mit absoluter Deutlichkeit llargelegt: die Ursache des Welt­kriegs.^ den dem Zaren Nikolaus II. oon geunssenlosen Ratgebern abgenötigten Befehl zur Gesamtmobilmachung. der uns den Kvmps

Genf 17. $e$. Die französischen Zeitungen veröffenttichen nach zwei Fronten aufzwang, eme Mrtteckung der japanischen Regierung, worin die L a-n d u n g | Vor wcniaen Tagen war es ein Jahr, daß wir mit unseren ?apanr> cher Truppen in Wladmwswk dementiert wird. > Verbündeten den Feinden die Hand zum Frieden boten

Sie wurde zurückgestoßen. Inzwischen hat unsere Antwort aus die

Aus Spanien.

Papstnote unseren Standpunkt erneut ausaesprock»en. In dem Augenblick, wo ich die Nachncht erhalte, daß die M a f-feni-,,

Caiklaur.

Baris 16. Dez. (WTB. Nickstamtlich) Der Llusschuß der Aa m mer stimmte mit neun Stimmen bei zwei Enthaltungen der Aufhebung der parlamentarischen Jmnrunüät von Caillaux und Loustalot zu und ernannte Paisant zum Berichterstatter.

Baris 16. Dez. (WTB. Nichtamtlich) Meldung der Agence

gelegt. Sie ist die Antwort des heutigen englischen Kabinetts aus die Papstnote.

Unser Weg im Westen ist demnach klar.

Nicht Llotst) E>eorge ist der Weltckchter, sondern die Ge­schichte; ihrem llrhtl können wir. wie am 2. August 1914, so auch heute mit Ruhe emgegenselien."

*

Berlin, 18. Dez. (Der Hauptausschuß des Reichs

Havas. Vor dem parlamerttarisck^en Ausschuß zur Pnlsung der t a ge s nnrd lautO^erniMna" a n Donnerstag oder Freitag zu

'.Angelegenheit Caillaux ecklärte Clemcnceau unter Hin-' mrm -

weis auf die diplomatischen Sch-ckftslücke, daß die Anwesenheit Caillaux' m Rom die italienisiche Regiereun beun­ruhigt habe. Sontrino habe dies den Bvffckftftern Frankreick)s,

En^ands. Rußla??ds und dem rumänischen Gesandten mit geteilt.

Eleme noeau setzte hinzu: Werm die gegen Eaillanr vorgebrachten Bermutungen irgerrd euren einfachen Mrger betreffen wärd-n, so würde es keine Erörterung geben. Tie Regierung hat ihre Verant­wortung übernommen Die .Kammer wird die ihrige tragen Wenn die Kamntz.tr die Strafverfolgung Eaillaup' ablehnen sollte, so würde die Regierung zurücklreten. Der Ausschuß

samm-entreren. Man .r>erde vielleicht nickst seUip-hen, anzunehm^-n daß nun nach Abschluß drs Wa fenuiilLandes in Often F^teiens- fragen den Gegenwand der Berat-mgei lild«! w.rden. Auch dürfte sich ö7ele(7enl.eit bieten, die V rgänge.zu erörtern, die den englischen Siedens:übler vorn Septencker rm Sande verlauftm liefen.

Besprechung d s Kanzlers mit den Fra tionSführcrn.

Berlin, 17. Dez. (WTB.) Reichskanzler Gras von Hertling hat die Führer der Fraktionen des Reichstags zu einer Besprechung für Donnerstag den 2$. Dezember, nachmittags 3 Uhr, eing, laden. Von dem

horte hierauf Caillaux an. Er Umntte ^siodam! für bk Ä rfhrchung Ergebnis dieser Bespreck)ung wird es ebhängen, ob und wann der Immiumtät Caillaux' und besck.iliosr, die von der Regierung der Haushaltsausschuß des Reichstages demnächst zusam mitgeterlten Scknrttstücke sonne den lte?wgraphtschen Bericht dc^s! mentritt.

'WTB.) Erfolgreiche deutsche Kamps-

sliegcr. Dre Zahl ihrer Lustsiege bis zum 1. 12. 1917: Rittmüßer Frhr. v. Riästhosen 63: Leutnant Müller (Max) 31; Leuttuuu Buckler 3s>: Hauvtmonn Berthold 28; Leutnant Bernert 27: LeuL. nanl Frdr. v. Ricbrhoien 26: Leulnanr Wüstboss 26; Oberleutnant Tostler 26 vermißt ; Oberleutnant Schleich 25: Leurnrmt iftülotoi 25: Oberleutnaitt Ritter von Tulscchck 23: Leutnant Bongartz 23- L'.'ltnanl Klein 21: Ober!'ninant Bethae 18; Leutnaru Kistcnt^ntz 1&; Leutnant Göttich 17; Leutnant Heß 17; Oberleutnant Leerzer 17: Oberleutnant Göring 16; Leutnant Sckmütt (Julius) 15- Vizeieldwebel Menckhoff 15: Leutnant Thoy 15; Leutnant Udei 14; Leutnant Krell 14; Leutnant Hansdein 13: Vizefeldwcbek Then 13: Oberleutnant Buddecke 12; Vizeseldweb-el Bäuzer 12

Mit dem Orden Pour le me rite wurden ausgezichner: Rstt» meister Frhr. o. Zuchthofen, Leutnant Max Müller, Leutnaw Buckler, Hauvtmann Berthold, Leutnant Bernert. Lcmnant Frtg' v. Richthofen, Leutnant Wüsthoff, Oberleutnant Tostler, Obe»^ leutnar.t schleich, Leutnant Bülow, Oberleutnant Ritter o. Tut- sckxck, Leutnant Klein, Oberleutnant Buddecke.

Seefrfeg.

Neue U-Boot-Erfolge.

.Berlin, 48. Dez. (Amtlich.) Eines unserer U-Boote, Kommandant Kapilänleutnant Rose, hat am 5. Dezember inr Aer melkanal den a m e r i ka n i sche n Z e r st ö r e r I q, ccb J o nas vernichtet und dabei zwei Matrosen ge­fangen genommen. Das Boot hat dann den Handelsverkehr mit gutem Erfolg bei stärkster feindlicher Gegenwirkung an­gegriffen und dabei insgesamt acht Dampfer mit über 22 000 Brutto-Register-Tonnen versenkt. Allein vier größere Dampfer sind ihm aus stark ge. sichertem Geleitszug zum Opfer gefallen, darunter der englische Dampfer Festlands (3112 Tonnen), mit Kohlen von Leith nach Nantes, und der englische Dampfer Nhanza (4053 Tonnen). Ein einzeln fahrender, bewaffneter Damp­fer wurde aus starker Bewachung herausgeschossen. Gegen den englischen Dampfer Harlswoord (2353 Tonnen), der durch Bewachungsfahrzeug gesichert unter der englischen Küstc westnwrts fuhr, wurde ein Torpedotreffer erzielt.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

Kopenhagen. 17. Dez. (WTB.) Das Ministerium des ^Auswärtigen meldet: Der dänische DampferPeter W i l l e m o ft", auf der Fahrt zwischen England und Däne­mark mit Kohlen, ist in der Nordsee versenkt worden. Der Kapitän und 16 Mann der Besatzung wurden in New Cast^ gelrrndet. Der erste und der zweite Maschinist wurden getötet.

0 Aus Hessen.

I. Tarmstadt, 1-. Dez. Im Kriegsausschuß dek Zweiten Kammer bemrtwortete lscute die Regierung zunrM dre Anftage Dorsch, welcher lreanstaudet baue,' daß den Bei lorsüngsbevechttgteu im Monat VU Pfund W eiz en mehl zu- gebilligt worden sei. während die Selbstversorger gar nichts er-» hielten, dahin, die Anfrage Dorsch beziehe sich nur aus den munalverbcrnd Friedberg, wo übrigens nur 1 Pfund im Sep­tember und 1 / 2 Pfund im Oktober »erteilt worden sei. Ten Selbst­versorgern stehe es frei, bei den Bäckern ihr Roggenmehl gegen' Weizenmehl umzutauschen oder Weizen aus Mahlkarte beim Müller mahlen zu lasten. Eine Anfrage Dorsch wegen der Oel- mühlen mit Wasterkraft und ein Antrag Grünewald über Zusammerckegung der Oelmühlen gab der Regierung Anlaß zu der Erklärung, auf ihr Betreiben sei allen in Hessen in Bettacht kommenden Oelmühlen das Oelschlager: geftatter worden, ocdf wurden dabei vom Reiche die Auslagen gemacht, daß die Mühlw mit Wasserkraft betrieben ivürden, kein Bahntransport der Ock» frückste erforderlich sei und kckne ftemden Militär-- und hilssdienft- pflick»ttgen Personen in den Mülsten beschäftigt würden. Eine Anfrage Adelung über Fleischbelieferung bemängcktc. daß die benackcharten preußischen und bayerisckien Städte die volle .Wock-enmenge von 250 Gramm bekämen, die hestisck>en manchmck nicht die Hälfte. Tie ungleiche Belieferung, erklärte die Regiermg, rührt davmi cher, daß der Regierungsbezirk Wiesbaden Zu- I chußbezirk für Fleisch ist, Hessen aber nicht. Tie Fleischlikseruug war in Hessen sehr erschwert, weil das Vieh meist in mrreifem Zu­stand geliefert wurde, es werde jetzt besser werden, da die Futter- ernte nickst ungünstig ausgefallen sei. Vom 1. November bis h. Februar sei Hessen von Fleischlresernngen mrs Heer befreit wjorden. In Zukunft würde folgender Verteilungsschlüssel oon Reichs wegen in Kraft treten: Städte mit oita 100000 Einwohner und über 50 Prozent JnLustriebeo ölkerung 250 Gramm, StÄ»te von 50000 bis 100 000 Einwohner 200 Gramm, Etat von 2000 Rs 50000 Einwohner 150 Gramm und das flache Land 100 Gr. Tie Rindviehbcstände müßten Msckwnt werden, dagegen sollen die Schweinebeständc bis aus die Zuchttiere ab ge schlachtet werden. Ein Antrag Heerdt über Zwiebelhöchstpreise wurde «- rückgezogen, als die Mgierung auseinander fetzte, daß sie M durch die Landesgemüsestelle Zwiebeln herbei zu schaffen bemühte, aber kaum Erfolg !>atte. Eine Vorstellung des Ortsausschusses und Ernährungsbeirates der Gemeinde .Hirsckhorir beantworteie die Regierung, daß die Gemeinde selbst an de» von ihr gerügten Uebclständen in der Milchversorguug schuld sei. Sie sei bislier gut mit Milch versorgt'gewesen und habe deshalb

Gietzenee Aonzertvereß«.

Gießen, den 18. Dezember 1917.

Das vierte Konzert vermittelte uns die BeSanntschast dreier leipziger Künstler, des Herrn Siegfried Karg-Elert, der Scprarnstin Frau P s ei s e r - S i e g e l und d^s Soleslötisten des GsEdhausorck-Tsters Herrn Bartuzat. Das Pr"g.amm >oies neben seltener gehörten Werken Sebastian Bachs im znui.en Teil nur Kompositionen von Siegfried Karg-Elert ans. seiner ersten Nummer, Partita C-Moll für Orgel, führte sich Herr Karg-Elert vortrefflich ein. Das oberste Prinzip seines Spieles ist Klarheit, Klarheit um jeden Preis, selbst in den schnell­sten Passagen und beim Gebrauch des organo pleno; da fällt nichts unter den Tisch unte wird auch nichts verwisckst Miß­stände, von denen selbst das Spick namhafter Virtuosen niüt frei- zusprechen ist. Eine zweite Eigentümlichkeit Karg-Elerts liegt tn der außerordentlich gewählten Registrierung. Es ist ja wahr, wir rannen^ heute. Dank der ungeheuren Fortschritte im Orgelbau, Bach viel differenzierter wvck)ergeben, als es ihin selbst aus weniger vollkommenen Instrumenten möglich war; insofern hat es eine Berechtigung, wenn beispielsweise in dem einleitenden Choral fast . rede Zeile anders registriert erschien, wenngleich eine derartige Ausbeutung moderner Klangessekte anderer seit s auch nicht über­schätzt werden dack und daneben! die streng historische Auffassung nrit vollem Recht bestehen bleiben muß. Zwei weüere kleine Stücke ftcr Orgel, Capriccio F-Dur und Echo H-Moll zeigten anss neue, wie Karg-Elert die Orgel mrt allen AusdrucksmöglickMten völlig beherrscht. Er steht unbedtnat in erster Reihe der jetzt lebenden Organisten. Weniger Glück hatte Frau Pfeifer-Siegel mit ihrem einleitenden Bachoortrag. Ihre Stimme zeigte gute Schulung imo hat in der unteren Lage einige wirklick) schön zu nennende Töne, treinolierte aber nach der Höhe zu so stark, daß der Duktus der Melodie oft in Frage gestellt wurde; Bachs kom­plizierte Melodien, schon ohnehin Verzierungen aller Art ge­sättigt, verlangen eine klare, ruhige Tongebung nrrd stellen gerade in der Sopranlage unendlich schwere Aufgaben. Eftie gute Unter­stützung fand die Sängerin m Herrn Bartuzat, des'sen obligat« FlöEnpartte den Gesang wirksam umrahmte. Bon ihm härten wir dann, noch bk schone Sonate m F-Dur für Flöte und Orgel. Der

Vortrag di^eses Werkes war ein einzig artiger Genuß. Wgesehen vom rein Xa[) chch n. waren das herrliche Crescendo uns Dimi­nuendo. die last klariw'twmhaste Würrne des Tones, die aus­drucksvolle Kftntilene des A-Moll-Mittclsatzes besonders frappant, das Ganze eine wolst nicht zu überbietende Höchstleistung.

.Im zweilen Teile lernten wir da.uc den Komponisten Karg-Elert 'kennen. Er bel-andelt die Orgel durchaus orche­stral und zieht insbesvüdere die Farbe als Ausdrucks- mittel he:a i, geht damit also dieselben Woge, die RrckMrd Strauß in.der B'haw.ckung des Orchelers b-eZwitten hat. Stilistisch ist seine Eigenart destoegen s-l,oer zu fasten, weil sie nicht, ivie bei Reger, w.rs als fertiger, origineller Typus eirtgegentrüt, sondern sick- neben Origütellem, was rricht geleugnet lverden soll viel lach als Konglomerat einer ganzen Reil)e von Einflüssen zu eck.-irnen gibt, die einstweflcn noch ziemlich rrnveruritbelt neben- einandcrslehrn; da sind außer Bach. Hecktor Berlioz und Franz Liszt, vo-, Modernen besonders die Skandülaoier zu hören: neben Sttauß selbst habe^l vor allem die Nenfranzosen tüchtig Pate gestanden. Gelegentlich finden auch Kirchentonarten Verweirdung: so hörten wir mehrmals pstrygich? Schlüsse. Harmonisch sältt, ähnlich wie bei Reger, die Vorliebe für allerierte Aköorde im all­gemeinen und den übermäßigen Tr-ecklcrng im besonderen stark in die Augen, während das ,oeite Feld der Nonelwckwrdc nnmiger kultiviert zu sein scheint; ähnlich nne zuweilen bei Reger, erschcartt auch seine Melodik o-st sekundär bedingt, d. h. di« Melodie ist rein akzidenttckle ober^ Vor Hindun gÄinie n ebenerncrudergestellter Akkordpyramiden, die Farbe, die Harmonie (vier auch: Dis­harmonie) -ist das Prinürre. Geitailtende, die Urzell, aus der die Mtzbodie e'ttlpringt. Daß aber seine Melodik trotzdem von Reger ginnidwepchieden ist. braucht wolfl bäum gesagt -u werden. Tie vIle Cchn>art d-s Knmponishm trat bei der ,.Grablegung Christi" in die Er'chckmng. Tie BeljwMu'ng des Resttativs.' die oon der f»erköm7nldchn, ?lrt natürlich gänzlich verschieden fst. schien uns nich' immer glücklich: so trat z. B. die Stelle:Das war in einen Ftzls gel^ane^r" ungewöh^ckch ails dem Rah:nen des übrigen heraus, nwchr sich ein Gnmd 'chv.w wird fftrben lassen. Tos folgende A üo'o, de-'fm Sckiblß ">anz im Sinne des alten Rezitativs ge­halten ist hinterließ einen günstigeren Erndeuck und zeigte,

daß der Schwer pimckt der Begabung Kavg-Elerts im Lyrischen liegt.

Hier erschien zugleich Frarr Pfeifer-Siegel in einen: ganz neuen Lichte. Vückleicht hatte sie eine anfängliche Jndisposüwv überwimden, jedmisalls aber bennes ihr Vortrag dieses Stückes wie auch der beiden anderen Gr^änge. des prächtigenÄbend^em" >e n?m mnsftschm Schevanke.: znnlchen Fis-Dur und F-Dnr und des auch von Bach so iimig vertonten steh an deiner Krippe hier". ta:> im zweiten (Soloflöte) mrd dritten Vers (Knabechtimmen) ;u unseren! schönsten Weihnackstslied kanirapunktiert, daß moderne Gesänge ihr eigenstes .Feld sind und die Möglick^cktm ihres Organs, das jetzt bedortend ruhiger und sickierer anspraä', erst voll zur Geltung bringen können. Wenn es überhaupt ge' artet ist, noch einmaligem Hören unbeLannter Kompositionen cii- Wett­urteil zu fällen, so möckien <n/ic dicken beiden Stücken die Palm« ziuerkeimen. Hier treibt Karg-Elerts Impressionismus,ci*4 schönsten Blüten. Es ist eine Kuwst des Unbestimmten, Ahnungs­vollen, dänttnernd Schabenden; an Stelle scharfer Konturen stehen weiche, unbestimmte Uebergange, die Linien oerschwrmmerr abstcht- lflt'. gehen sogar in mehreren Tonarten parallel zu einander, bas ganze Empftnden ist visionär eingestellt auf ein Ziel in nebel­hafter Ferne. In diesem Sinne wirkte auch Nr. 6, die den be­zeichnenden NamenPastell" führt. Hier ckam besonders der Ueber- gang von Capriccio zum Clwral und dann dieser selbst zu großer, orcheyraler SBirftmg. Etwas abseits standen dir Stticke, in de«» sich, der Komponitt besondere Fesseln mcherlegl.hatte: das war der Fall in den drei reizenden StüMpn rms derSuite im altaß Stil", die von seinem tmttrapiMkttschen .Können erne hohe Meftnmg erweckten und deren mittleres in Es-Dur seinen ansängliftS» Sarabandenchorakter zugunsten einer frereiien Satzwei'e abstvckfte: ferner tn der noch strenger gebildeten Passacaglia G-Mvü. die Härrdel^ stellenrveise sehr nahe kam -und erst gegen Ende in gewal­tiger Steigerung die Msdrv.ckswerse nröderner KompvsttümsteftnL sich, zu eigen machte. Dr. G. R.

. »

Berlin, 17. Dez. (WTB.) Der Kaiser hat den Oberprüsft denten der Provinz Hessen-Naffan. Staatsmimsler Dr v. Trott zu Solz, znm Senior der Kaiser-Wilhelm-Gesellskhait zur FSr- derung der Wissenschaften für die Zeit bis Endc MidH 1921 bt> rufen