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Erscheint IV-tich rnit Ausnahme de- Sonntags.
vetla-en: ..Gietzener ZamUiendlStter" und „Nreisblatt für den Ureis Gietzrn".
PȧscheStonto: Zrankfnrt am Main Nr. \\m.
Vankverkehr: Gewerbebank Bietzen.
167. Jahrgang
»etzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhejjen
Donnerstag. 29 . November (917
ZwillingSrunddnrck und Verlag:
Brühl'fcheUnlvers!läts«V»lch-»i.Stnnd»> ckerei, R. Lang e, Bietzen.
Schristleitvng» GefchästrsteKc und Druckerei:
Schulst» atze7. Geschäftsstelle n.Verlag: 6 l,
Schriftleitung: 112.
Anschrift für Druhtnachrrchten: AnzeigerGieiren.
ver Nationaltommifsar für Rußlands auswärtige Angelegenheiten.
Uns wird geschrieben:
An Aus und M der russischen Entwicklung, die »»ach mt ttjcm einem Wirbel frfSimmft, iveckxseln nicht tun die Namen der M^^>en Persö»»lick!kerte»». sonder»» auch die Namen der Aemter. Das Rußland Lenins, das Rußland der Maximalisde-n erhielt den Drtel eriber N'epublit. »»nd diese MiLpuWif hat feine Minister mein, y rnorm ^."cntronalldmmiisare". Seit den Tagender großen franzö^ Revolutlon Txtt mail bei den llmftirrjbowstiaiiTeil in den verfchveden,:en Ländern rin Aenßerlichen das französisck)« Vorbild feftMchal den go»:: chl. && der ^aUimial= oder Rvgi«rm»g<? ton» missar °viL und Rvbespierres wenigstens dem Sprach
gebrauch nach über mancherlei Umwegen in die Zeit Lenins gelangt. Neben dem g^Mnunärtigen Vorsitzenden der von Peters ln »vg .aus ihre Macht verbreitenden Revolntionsr-egiemmg, neben dem ernsti- Akn s ibirischen Verbannteil Jljrtsch Lenin, stellt der ‘KatinmaH n>iiiiui)ftre für die anÄmirligen ")lNgelyge»»l)«rten der russischen Rnpubli'k, Tvotzki. in vorderster Linie. Es ist kein Zufall, daß in Men und Szenen des »urssischen Dramas, in allen Phasen seit bemStnrze dcr ^liomcrnosss zugleich mit Lenin fast immer auch TrotzK genannt lvulde. Tenn beide ergänzen sich in ganz merkwürdiger Weise, und man könnte — vielleicht ohne allzu grüße Kührcheit — belxvupten, daß einer allein zur BollbrinMNg des Maximalillenftreiches nicht fällig gewesen mär«.
Muck) Lenin gehörte zu jenen russischen Inaktuellen, denen unter dem jalwlMiderbelangen Truck der politische .Instinkt bet Gegenwehr auf dem Umweg über Generationen angeboren war. Auch er gehörte bereits in der Sckxnlzert versckncdensten Geheim Winket, revolutionären Komitees und Tebattierkllrbs an, auch er träumte unreife und später reif« Form gelpinnende Pläne von einen künftigen „Freren" Iinßland, auch er grub sich mit In- W, Scharfsinn und Leidenschaft in die dunklen Tiefen der innerrussisckren Politik, der Mlarchrstenbündlerei. der hinter Nebelschleiern regierende!» Revolutio-nstaMk. Me Biele intellektuelle. Russen sckzari sozialistischer Richtung, wurde sckiiließlich anch Twtzki Sezwungen. den lleimatlichen Boden zu verlassen. Mährend des Krieges lebte er in 9km«riAa.
Lenin ist durch das unerbittlich Extreme seiner Anschauungen im Wesentlichsten zu charakterisieren. Er wollte stets und will auch heute nickü weniger, als das Programm der radikalsten Sozialisten — mit einbegriffen die sozialistische Utopie — in praktische Wirklichkeit umsepen. Zweifellos ist er ein politisck-er Kops, aber dies öommt lei ihm bestenfalls in zweiter Linie in Betracht. Tiefer fast Verne, breitschultrige Mann ist stets zu Stoß und Sprung geduckt. schärffter. härtester Wille treibt ihn vorwärts. Für ein Abwägen der Situation, für diplomatische Geschmeidigkeit, für das Künstlerische und Technische politischer Mrksamkeit ist er weniger geschaffen. Gerade seine elementare Leidenschaft aber hat ihm stets eine besondere Sfceftmg gesichert. Ganz anders Trotzki. Kern hemmungsloser Fenerüopf, kein unbedingter Himmelsstürmer, verfolgt er Lenins Ziele mit gedanklicher Ruhe. Darum, weil er immer auch die Gegenzüge erwog und diplomatischer dachte, stand er weniger exponiert. Nock, während des Krieges war der Name Trotzkis verhältnism äßig wenig bekannt. In Nauyork arbev- tete er mit Ueberlegung und zäher Voraussicht, vor allem journcv-- llsttfch
Ms die Nachricht von dem Sturz des Zaren von den Zeitungs- kwrgen auf der Broadway ausgesfchrien wurde, rüstete Trotzkr jcklbswerständlich sofort zum Ansbruch. Aber die Engländer nahmen wa in Halifax fest. Nur dnrch ziemlich verwegene Flucht war chm die Fortsetzung der Reise möglich. In Itnstland schlossen sich dann Lenin und Trozki zusammen, das Ziel der völligen Befreiung im Auge. Vielleicht sagten ihnen die Instinkte, daß ihre
Arbeitsmethode, ihre Talente und Demperamente sich gegenseitig am besten ergänzen müßten.
Der Sprung vom „Misgewanderben Russen" auf der Neu Yorker Broadway zum National komnriffar der russischen Republik wurde m erstaunlich kurzer Zeit vollbracht. Lenin wurde die treibende Mast der Mchchnalistenbewegung. Trvtzki der diplomatifckv Sldju- tam. Wollte man Politik mrd Demagogie in militärische Be Zerichnungen einkleiden, ^ so wäre Lenin der Mvximolisten-Kom manoeur zu nennen, ein nach einstigem Brauch vor der Front
Armee tzosstürmender General: Trotzkr aber ist der General- stabschef. der die Pläne durcharbeitet und di« geistigen Fäden knüpft.
Aus $taöt und Land.
Gießen, den 29. November 1917.
# Di« Beisetzung der Asche unseres am 21. Februar vorigen Jahres zu Köln-Mühlheim verstorbenen Ehrenbürgers Tr. phil. Dr. ing. h. c Exzellenz Feodor G n a u t h ans dem Friedhof am Rvdberg fand am Montag- ^^achmittag in aller Stille im Beisein der engsten Familienmitglieder und in Anwesenheit des Beigeordneten OKHcimen Kbrnmer- zienrats Em melius als Vertreter der Stadt Gießen statt. Das an der östlichen Mauer im Vorhof zur Friedhofskapelle aufgestellte Tenkmal für den Verstorbenen zeigt das wohl gelungene Bildnis des ehemaligen Oberbürgermeisters in Reliefmanier aus Musckiel- kalk gemeißelt. Die Plakette wird von einem arckpiteftonisch go sck-inackvoll durchgebildeten, aus poliertem schwarzen Synrt hergestellten Rahmen wirkungsooll gehoben. Tie Urne ist aus dem gleickien Gestein verfertigt.
** Goldenes Lehrerjubiläum. Am 1. Tczember d. I. begeht der Gymnasiallehrer N. L e w y von hier sein 5 0 j ä h - riges Tienstjubiläum, um damit gleickHeitig in den wohlverdienten Ruhestarrd zu treten. Von seiner Wirksamkeit entfallen allein 37 Fahre auf die Vorsckmle des Gymnasiums in unserer Stadt. Lehrer Lewy zeichnete sich ganz besonders als ttlchtiger Pädagoge im Unterricht der Ansanger aus und hat es zu einer wahren Meisterschaft gebracht, diesen kleinen Anfängern Verständnis und Freude für dre Schule beizubringen. Ter Jubilar begeht seinen Ehrentag in Hamburg im Kreise seiner Kinder.
** Holzabgabe. Nachdem die Abgabe von Tannenholz an die Bevölkerung mit einer Gesamtmenge von 50 24 Ztr. erledigt ist, wird zurzeit das bestellte Buchenholz an die Bevölkerung abgegeben. Vorerst erhält jeder Besteller bis zu 10 Ztr., »md sind in dieser Weise bereits 6 6 6 5 Ztr. verausgabt. Da weitere Zufuhren aus dem Stadtwalde mxh erfolg»m, wird anschließend an die erste Verteilung eine weitere Ausgabe erfolgen, so daß nach und nach voraussichtlich die gesamte bestellte Menge zur Ausgabe gelangen kann.
** Lausschlachtungen. Nach der Bekanntmachung des Oberbürgermeisters in der gestrigen Nummer unseres Blattes können Hausschlachrungen außer Donnerstags an jedem Werktag von 8—2 fllhr unter Vorlage der Genehmigung erfolge!». Gleichzeitig wird daraus hingewiesen, daß der Antrag auf Hausschlachtung bei dem Städt. Lebensmittelamt münd- tich gestellt werden muß, damit die zur Ausfüll»mg des vor- gesckniebenen Vordrucks erforderlichen Angaben gemacht werden kömien: ein schriftliches Gesuch um Erteilung der Erlaubnis genügt nicht.
** Die Auszahlung der F a m i l ie n u n t e r- stÄtzungen an dre Angekwrigen der zum Heeresdienst Einberu ßenen für 1. bis 15. Dezember 1917 bezw. November 1917 ftndel »n den nächsten Tagen statt. Siehe Bekanntmachung im Anzeigenteil.
^ Goldankaufstelle. Das Krieasbureau
des Rerchsbankdrrektorrums hat als Prämie für die Anlieferer von kraut
^oldsachen von dem Gemälde des Professors Arthur Kampf „Gold gab »ch für Eisen, Volksopfer 1813" Mezzotintogravüren JJ. Oerborragenb kimstlerisck^r Ausfertigung in der Bildgröße, oo X 25 cm Ijerftenen nnd auf fernstem Büttcukarton aufzichen lajjen. Der Karton ist juit einer Widmung ausgestattet, die von der Goldankaufsstelle auf/den ^tarnen des Preisträgers rrusgefertigt werden wird. Diese Kunstblätter werden je 1 von 100 Ein- lreferern von Goldschmuck als Elirengabe dargeboten werden. Die .^'kr^^ki^er lverden durch das Los ermittelt. Die Vornahme der Venosung rst auf Samstag den 15. Dezember 1. I. in Aussicht genommen. Näheres über Ort und Zeit nnrd demnächst durch < ln zeige m der Täges presse öffentlich bekanntgegeben. Die Gravüre wird in den Schaufenstern einiger Geschäfte ausgestellt werben.
** Beschlagnahme von Dörrobst. Ter starke Bedarf, des Heeres und der ilAarine an Dörrobst konnte bisher nwft bttrredrgt werden. Tie Reichsstcklle für Gernüfe und Obst hat dalnw den sofortigen Aufkauf aller nur irgendwie erreick,Imr«n P^'ugen vou Tmwobst durch die Landes-, Provinzial- uard Bezirks Obsp. Mlcn apgaordnet. 20 v. H. der auf dies« Weise aufgelauften Mengen sollen zur Versorgung, der Zivilkrankenhäus-er verwendet weui^r. Infolge dieser Anordnung .5at die Geschäftsabteilm»p
Reichs --Obststell e bereits den Ankauf von Dörrobst aus Zwet- schen, Pflaumen, Aepfeln und Birnen in di« Weg« geleitet. Ferne»' rst das von der Kriegsgesellschaft für ObstLonservcn am 5. Oktober d. I. erlassene i?lbsavv«rbo 1 für Dörrobst dadurch erweüert »vorden, daß aller dkbsatz von Dörrobst sowohl durch gewerbsmäßig« wie nutzt g^verbsmäßige Hersteller von Dörrobst verboten ist.
Dre Unterkleidung der Soldaten. Das Reichs- amt des Innern antirwrtet« aus di« Anfrage Keil (So*) über die Versorgung der Truppen mit warmer Unterkleidung, daß laut Verftigung an die ltellvertretenden 0Kneralkom»nandos die Ersaß-- tcichpenteil« mrznweisen sind, für baldige Rückgabe jeglicker Nnt^- llerdung der zum Heeresdienst Einberufenen an ihre Angehörigen zu sorgen und Bezugsscheine für WL-, Wirk- und Strickwaren sowie Schuhzeug für Uirteroffizioere und Mannschaften nicht mehr auszustellcn, da die Versorgung dieser Personen &ad;c der Heeresverwaltung ist.
** Konzertverein. Das auf Sonntag den 2. Dezember angesetzte Orgelkonzert muß, weil der daftir gewonnene Komponist nnd Organist, Herr Karg-Elert aus Leipzig, an diesem Tag per- hrildert ist, auf «inen andern Dag nächster Zeit »zerlegt wmden. Näheres darüber wird noch bekannt gegeben. Tageg»'»» findet nun- melw am Sonrttag den 9. Dez. ein Solistenabend statt, in dem flch erstmalig in Gießen die Kammersäng»wrn Frau Gerttud Foerstcl (Sopran) aus Wien und Herr Hofkonzertmeister A. Schiering (Violine) aus Tarmstadt hören lassen.
** Im Cafe Ernst Ludwig findet heute Konzert statt. Siehe Anzeige.
Landkreis Gießen.
** Inheiden, 28. Nov. Dem Schützen Karl Münch von hier wurde das Eiserne Kvauz 2,. Masft verliehen. Die Hefsisch« Tapferkertsmedaille hat er schon vor längerer Zeit erhallen.
Starkcuburg und Nheinhessen.
ch Von der Bergstraße, 28. Nov. In Dossenheim und Umgebung wird das Laub der Kirschbäicnre zur Verarbeitung in de»» Tabaksabrrken gesammelt. Tie Händler bezahlen für den Zentner getrocknetes Laub 20 Mark.
M.T. Via»n z, 29. Nov. Der unter Ueberschreitung der Höchstpreise arbeitende Schleichhandel mit Weißkraut wird zurzeit pol»ze»Iich streng überwacht. In den letzten Tagen sind in Riarnz nnd Umgegend beslvilders Wiesbadener und Frankfurter Händlern^ giwße Ri engen von Weißkrant abgenommen und den stadti sck«nr
Veickaufsstellen zngetviesen worde»». Tie Händler hatten das tseiß- raut als „Ge»nüse" deklariert und per Expreßgut expediert.


