Ausgabe 
10.11.1917 Zweites Blatt
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Lr. 265 Sweltes

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Beilagen:Giehener HamMenblStter" und Ureisblatt für den Ureis Kietzen".

Postscheckkonto: Hcankfnrt am Main ttr. U686. Vankverkehr: Gewerbebank Sietzrn.

Blatt tt>Z. Jahrgang

Gietzener Anzeiger

Eeneral-Anzeiger für Gderhetzen

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Samstag. \\ November ;9tf

ZwlÜmgsrunddruck und Verlag: Brühl'scheUnlveriuätS-Buch-u.Stündruckerek.

R. Lange, Gießen.

5chrif1Ieitmig. Eeschästsstelle und Druckerei:

Schulstraße?. Geschäf.Silelleu.Verlag: e*&61, Schrift leitung: 112.

Anfchristfür Drahtnachrichten: AnzetgerGteßen.

Ans» Stndt nnbms&.

Gießen, den 10. November 1917.

** Anlag enko nze r t. Tie Gcnnisonka pelle spielt am Sonn­ig von 11 Va Uhr nn in. der Si'i da nlage.

** Oesfen tliche Bücher Halle. Im Oktober nurdeN 1968 Bände ansgelielni. Darwn kommen ans: En äh lende Litera­tur U77, Zeitschriften 149, In>iendschriften 191, Literaturgeschichte 18, Gedichte und Dramen 45, Länder-- und Völldriunde 49, Kultnr- lichte 21, Geschickte und Biograplüen 101, 'ftmstgeschichte Uh Mvissenschast und Technologie 80, Heer- und Seewesen 1.5, Haus- innd Laiü>,virtschast 12, Gesundheitsletzre 16. Religion und Philosophie 42» Steatswisseirschast 15, Fremdsprachliches 14 Bände. Nvch auswärts kamen 34 Baude.

** Erzeugung des Kriegsmaterials durch Eisen - und Stahlwerke. Durch die Bekanntmachung Nr. L. 452/10. 17. K. N. A., betreffend Erzeugung des Kriegsmate­rials dirrcl'. Eisen- und Stahlwerke, ist den Eisen- und Stahlwerten zur Mich! gemacht, Aufträge. deren Ausführung von der Kriegs- Äohslvfs-Abteilung des Königlich Preußischer! Kciegsnünisteriums Berten oder -einer von dieser betz-eicheeten Stelle, als im kriegswirt- ßhaftlicheu Interesse notwendig gefordert wird, unverzüglich, auszu- sthren. Kann ein Wlerk den Auftrag nur aus führen unter Zurück­setzung anderer Aufträge auf Kriegsmaterial, so entscheL-et aus eine form Werk obliegende unverzügliche .Benachrichtigung die Kriegs- Nbhswss-Abteilimg oder eine von dieser bazeichnete Stelle über Reihenfolge der Ausführung der Aufträge. Ist ein Werk der Ein­sicht, daß betriebstechnische Hindernisse der Ausführung des Auf­trages entgegensdehen. so'kmm es innerhalb einer Wache die Ent- sckieidnng bei' beim DeutsAMi Sbajhlbund in TlüsfÄdarf zu bilden­den Ents-ck^eidungAkl-nnnission an rufen. Alles Nähere ergibt sick> Ms der Bekanntrncvchlng selbst, die in der heutigen Nummer un­seres Mattes eingeseycm werden kamr.

** % i c Handwerkerberatungsstelle des Ort s- gewcrbevereins wurde im Monat Oktober von 12 Per­sonen in 14 Fällen in Anspruch mmommen. Die erteilten Aus- fstnste erstreckten sch aus folgende Gebiete: Kriegsversorgnug, son­stige militärische Angelegenheiten. 4, Angeh örigennnterstütznng 5, Wuerfrage« 5, Verschiedenes 4. Tie Zahl der durch die Hand- weckerberatin?gsstolle im -Monat Oktober angesertigten Schrift­stücke betrug 15.

** Die Verwnndetenberatunqs stelle wurde im Monat Oktober von 40 Personen in 43 Fällen in Anspruch ge- WBimen. Beraten wurden in der Sprechfttmde 25, ,n den Laza­retten 8, -christlich 7. Von den erteilten Ansonsten betrafen: Arbn.croersichrung 24, Kricgspersorgung und sonstige militäri- s4e Angelegenheiten 7, Angehörigennnterstützung 4, Sonstiges 8. Men der ErteÄmrg von Rat und Auskmrft wunden durch die Per­le auch im Monat Oktober die nvtwerrdigcn kostenlos angefertigt.

** Der Verband wirtschaftlicher Berernisun- Sriegsbeschädigter für das Deutsche Reich, Essen, schreibt uns: Vor kurzem brachten wir die Nachricht, der rkanzler habe verfügt. daß den im Staats- oder Kvnnnunal- drenst tätigen Kriegsbeschädigten, die gemäß § 36, des M.-B.-G. vvrgesckwiebe,ten Rentenabzüge unter 20 !mrd über 60 Prozent nicht vtestr gearackck werden sollten, die Renten vielmehr neben Dem Ern- imrrnm ungekürzt zu zalLen seien. Wie uns von zuständiger Seite kmlspeteilt worden ist. bestem sich dieser Erlaß nur auf die in Htacttsd^enstcn als Acheiter tätigen Ktticvöbeschädrgten. Da iw Härte des Nentenabzngs rür dir als Beamte bzw in der Eigen- schwt -als solche beschäftigten Kriegsbeschädigten sonnt weiter fort- gestellt, ist der Verband wiederum beim Reichskanzler, Bundesrat und Reichstag vorstellig geworden und hat um Beseitigung dieser ,großen .Härte für alle Betroffenen^ Arbeiter wie Beamte, gebeten.

** T i e Gründung der Deutschen Vaterlands- Partei, die für Oberhessen bereits geschehen war, ist nunmehr in ganz Hessen erfolgt. In einem Aufruf, der in diesem Blatte Mbgedrnckt ist, fordern angesehene Männer, deren Namen im »stentlichen Leben unseres Hessenlandes einen guten .Klang haben, Die Bevöllenmg zum Beitritt auf. Sie wenden sich au die An­gehörigen aller Parteien und Konfessionen, die des inneren' vaders überdrüssig sind imd nach der Bekundung eines krast- vollen Volkswillens Verlangen haben. Sie sordern die Männer und Frauen auß sich der Deutschen Vaterlands pari ei anzuschließen in der Erkenntnis, daß vor dem Gebot der Stunde Parteien und Klassen znrückzutreten haben. Die Deutsche Vaterlandspartei er­strebt, daß bie ganze innere Front das Auge gegen den Feind itrib aus Deutschlands Zukunst richtet, die sich jetzt entscheidet: sie will dazu helfen, daß das feindliche Ausland aus dem deutschen Antlitz wieder den eisernen Willen der Entschlossenheit liest. Süe ist gewiß, daß, wie in den übrigen deutschen Bundesstaaten sich An­gehörige aller Parteien ihr angeschlossen haben, auch in unserem Großherzogttrm Hessen, das seine deutschnationale Gesinnung in geschichtlicher Zeit des öfteren hervorragend erwiesen hat, eine machtvolle Bewegung diesen starken deutschen Volkswillen be­kundet.

Mcn derErtÄung vc wuvtetenbe^r. i:ngsstell< ÄfriftMcte (25) kosten

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Reichs!

_ ** Licht spiel Hans, Bahn Hofstraße 34. Nur Samstag, 'Sonntag und Mo'ntag wird der 2. Film der Kronen-Klasse BolKnre" vorgeführt. Dieser Film schildert ntit außerordentlicher 'Reichhaltigkeit die Leiden !u.nd Fveuiden der Bohsnie. Für den Humor sorgt die so sehr beliebte humvristisiche Schallspielörin, lA.nna Aiüllev-Lrncl-e in ihrer neuesten. Fstnrposse in 2 AktenDie linkische Anna'5 Stehe Anzeige.

** S ch warz - Wie i ß- Thea te r, SelterÄveg 81. Das Pro- granzm Von Sams^agi, 10s. Nk>v. bis cs.efchließiLch Dienstag, 14. Nov. bringt ein Spiouage-Drama ans unserer ZeitDeutsches blnt". Außerdem steht nvb, das LustspielIvette heiratet/' aus dem Spiel plan. Siehe Anzeige.

Lanutrcis Gießen.

B. Gr o ß e n- B u s e ck, 9. Nov. Mar Ha c o b, welcher seit lKriegsbeginn im Felde steht und schm ans sämtlichen Knegs- schauplatzen kämpfte, ivnrve mit der Hessischen Tapserteitsm-edaillc ausgezeichnet. Hei'irrich C o n st a n s erhielt das Eiserne Kreuz zweiter Klasse. Die Hessische Taps-erteitsmctzaille erhielt er schon srül)er. Dem Schützen Heinrich Stephan, welck-er jetzt im Lazarett liegt, wurde die Hessische Tapserkeitsmedaille und das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verliehen. Wilhelm Siegfried, Sohn des Karl Siegfried, nmpfoe zum Leutnant befördert.

l_I Lang-Göns, 10. stöov. Gesr. W!. Dern erhielt das Ocsterreichsche Verdienstkreuz in Eisen sowie b;ie Hess. Tapfer­keitsmedaille. Sein Bruder Karl Dern wurde zum Unterosstziew befördert.

L! Lang-Göns, 10. Nov. Die in der heutigen Nummer dieses Blattes veröffentlichte Bilanz unserer Spar- und Leih­kasse zeigt so recht, ioa)s bei umsichtiger und sich ihrer Verant­wortung bewußter Leitung erzielt lverden kann. Nachdem im Jahre 1913 Th. V anbet, Bücherrevisor aus Gießen, durch energisches Eingreifen in die damalige Geschäftsführung unsere Klasse vor dem völligen Ziksammenbruch rettete und die Bilanz aus 1913 aus einer vollständig neuen Grimdlage ansbaute, konn­ten die Mitglieder nach der kl ebernah me des hieraus enthandenen Fehlbeträge-? uneber etwas freier au PA men. Mer auch dann noch waren außerordentlich große,Schwierigkeiten zu überwinden. Das Fortbestehen der Kasse hing von einer zielsicheren, gewissen­haften Gesck)ästssichrung ab. Lehrer Merkel übernahm im August 1914 das oufcerft »ruhevolle Amt des Rechners zu einer Zeit, da niemand mehr an den Bestand der Stoffe glaubte. Die heutige Bilanz mit einem Reingewinn von annähernd 7000 Mk. ist das Ergebnis angestrengtester Arbeit und nie erlahmender Geduld, unterstützt dnrck» das Vertrauen aller Beteiligten. Neben reich­licher Zurückstellung für zweifelhafte LluSstände konnte die all­gemeine Rücklage ans 5000 Mk. erhöht werden, und austcrdenl ist die besoirdere Rücklage mit 1000 Mk. belvertet. Die Ncitglieder- guthaben bzw. derer: Anteile erscheiuerl wieder in voller Höhe. Nicht uiierwähnt soll der ungemein grmstige Stand der Zinsen­rückstände bleiben, die in früheren Jahren *u einer bedenklichem Höhe angewachsen waren. Es ist mit Sicherheit mixunehmen, daß, werm mal, fernerhin in gleich umsichtiger, das Wohl des Ganzen ins Auge fassender Weite gearbeitet wird, molrt tit abseh­barer Zeit an weitere Erleichterungen den Mitgliedern gegen­über wird denken können, damit die ihn«n infolge der früheren Mißwirtschaft auferlegten Lasten weniger fühlbar werden.

Kreis Büdingen.

^»-Eckartsh>ausen,9. Nov. Der von hier stammende See- st<dat ®cdt« Boß wird seit einu»er Zeit vermiht. Er ist nach einer Mltrillmg seines Rk-.nt'»e»rt6 wckhrsch«,U«ch in englisclL ^VklangenH^fl geraten. SM/rate der Unterricht m den Schulen der Umgegend überall wieder im lK.cvge ist, hat er in unseren Gemeinde immer moch nickN begim«m tärrnen, da einmal noch kein Heizmaterial vorhruden i>t, sodann aber die Masern noch sehr in unterem Torfe grassieren. WMzen Segen übrigens eine Gcmeind<^ sch,wester für ein Torf bedeuten kann, kamt man jetzt hier bei der errvähntm Estide^:te rrchit deicklich beolxrchtsn. Beti den in de^ meisten Bauern hänfen i harschenden, höchst primitiven hygienischen Verhältnissen und bei dein Mangel an Kenutttissen in Bezug auf die Belsaudlung eines Kranken kann eine erfalirene unv tück,tig-^ Sch.,wester, wie wir sie hier besitzen, unendlich viel Gutes stiften und erreichen.

Kreis Schotten.

. O Gedern, 8. Nov. Karwnier Hermann B o p p, Sohn des gl eickstalls im Felde stehenden Taglöhners Ein il Bvpp, wurde mit deni Eisernen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet.

Kreis Wetzlar.

ra. K ö 1 s ch h a u s e n, 10. Nov.'Unser Lehrer Heinrich S ö h n- gen ist am 26 Oktober auf dem Felde der Ehre gefallen.

ra. K l e i n -- R ech t e n b a ch. 10. Nov. Die hiesige Pflege- anstalt, welche jetzt auf ein 20jähriges Bestehen zurückblickt, hat z. Z. 65 Psloglstrge.

HcsskN-Rassav.

mr. Frankfurt a. M.. 10. Nov. In der letzten Sitzung des Lebensmittel am tes wurde mit<:eteilt, daß tragen Mangels an Zu-- führ lebenden Viehes, insbesondere wegen des fast ganzlichm Fehlens

der Schweine nur noch alle vierzehn Tage Wurst an die Einwohner­schaft verteilt lverden kann Ms Ersatz gibt es gefrorares >vpan- ferkclfleisch. Uni dem Gänsewuck-er zu steiern, wurden HöchfLprerse für lebeirde und gesckstackstete Gäirse festgesetzt.

= Frankfurt n. M., 10. Nov. Privatdozent xx. K. L o m me 1 erhielt einen Ruf als außerordentlicher Professor für illdogennauische Sprachwrssausclmst an die Universität Frmlkfurt

Gerichrsicral.

[} M arbu r g . 10. Nov. In der Nacht vom 11. zum 12. Okt. v. I. ging bekanntlich in dem benachbarten Bergstädtchen Amöne- lmrg das althistorisck>e Stistsgebäude, das als Pfarrer- und Arztivohmrng diente und in dem auch die dortige Lateinschule ihre Räume hatte, in Flammen auf. Ein gewaltiger Trümmer­haufen auf Bergeshöhe neben , der Kirche bezeichnet die Stelle, lvo es gestanden. Herrte beschäftigte sich das hiesige Landgericht in mehrstündiger Verhandllmg mit der Ursache des Brandes, der ans fahrlässige Aufbewahrung der Asche seitens des Arztes Dr. Gronau und seiner Haushälterin, der Frau Werner, zurückgeführt werden sollte. Die Verhandlung, in der der greise Dechant Kteah der Kaplan, der Bürgermeister, sowie sonstige Zeugen aus Amöue- bürg und Feuerivehrsachocrstänoige aus Marburg, Gietzen und Kassel vernommen wurden, endete mit der Freisprechung der beiden Angellachen. In der Urteilsbegründmrg wurde aus die vielen Möglichkeiten hingewiesen, durch welche das Feuer entstanden sein könne. Außerdem sei mich festgestellt, daß das Ascheloch, wc^ es als Mflüß für das SMwasser diente, stets feucht war.

5p-rip!an des Gietzener Stadttheaters.

Sonntag, 11. Nov., nachm. 3^2.' Gew. Pr. (erm.).Das. Wintermärchen". Mds. 7Vr: <^ew. Pr. (enn.). Neuheit!Die Konich?t per Luftth Dienstag, 13., abds. 7Hz: Gew. Pr. (erm.), Die Brcnck txm Messina". M ittwoch, 14., abds. 7'st: Smrder-vorst. f. ix kriegsbeschäst. Ärbeitersch.Tie Bixrut von Messina". Frei­tag, 16., abdS. 7st.: Gero. Pr. (erm.).Der Herr Stmatvr". Sams- tag, 17., abds. 8 (in Bad-N<rnheim):Der Herr Senator". Souir tag, 18., nachm. 3D: Kl. Pr.Die verlorene Tochter". Mds 1 \ : : Goiv. Pr.Das Treim äderlhaus".

8pielp!an der vereinigten ^rantsurter Stadttheater.

.Opernhaus.

Sonntag, 11. Nov., nachm. 3Vs:Das Dreimäderlhaus". Abds. 7>st:Tiefland". Montag, 12., abd. 7 1 / 2 : Volks-V.:Medea". Dienstag, 13., abds. 7>^:^Hansel und Gretel". Mittwoch. 14., abds. 7:Die Rose von Stambul". Donnerstag, 15., abds. 6sS: Tannhäuser". Freitag, 16.: Geschlossen. Samstag, 17.^ abds. 7: Frühlingslufttst Sonntag, 18.. nachm. 3V*: >,Die Fledermaus", Abds. 71/2:Die toten Augen".

Zchausplelhaur.

Sonntag, 11. 3Lov., nachm. 3i/s:üftfaten". Abds. 7V*:Der Bforusttehs". Montag, 12., abds. 7^: ,,Wienertmren". Dienstag,

13., abs. 7*/*: Zum ersten Male.Dyckerpotts Erben". Mittwoch,

14., abds. 71/2:David". Donnerstag, lo., abds. 6V2:Egnwnt". Freitag, 16., abds. 7y 2 :IolMtnisfeuer". ^Samstag, 17., abds. 71/2: ^,Dyckerpvtts Erven". Sonntag, 18., norm. 11 Vst: Vortrag von Jul. ^Zab, Königsberg i. Pr.:Expressionistisches Drama" Hierauf:Rezitationen" (C. Ebert). Nachm. AV2: 'Das Enkel­kind". Abds. 7 V2:Dyckerpotts Erben".

Giesjenev Ktadtthearev.

Die Braut von Dtessina.

Trauerspiel von Friedrich von Schiller. , Massiker-Vorstellung! Höchste Erleben heit, patriarck>ale Fürst- llchkeit und Größe drückt Äes eine Wort schon aus. Gibt es für 'uns Kulturmensaien deS 20. Iahrlylnderts etwas, das melw gei­stiges Gemeingut wurde, als der Massiker? Wohl kaum? In ihm fließen alle Regungen zusammen. Dem Pennäler ist der Klassiker ein Greuel, weil er ihn in der Sckplle lesen und Aufsätze mit ellenlangen .Dispositionen sck-rMen nmß, der Alldags-Arbeits- niensch geht ziemlich gleichgültig an ihin vorüber uird weiß nur, baß es min einmal zum guten Tvn gehört, ^Interesse zu l>aben vud Anerkennung zu zvllen. der Banause gesteht zwar innerlich, Mi der Klassiker ihn langlveilt, stellt aber doch seine Werke neben Dieyers Lexikon in den Bück-erschrank und besucht die Vorstellung, der verstehende Mensch bewundert, geht in den Sck>öirheiten des Aafbaus und der Schack-e auf, und der Enthusiast begeistert sich. Kurz, ein jeder hat seine ureigensten, verschiedensten Empfindungen, die er aber für sich 'behält intb nach außen nur seine Ergriftenheü, feine Wertschätzung für den Dichter zeigt, schon um sich nicht zu blamieren. Und doch, läßt man ein Trauerspiel wieDie ^raut von Messina" an sich vorüberziehen, muß da der denkende, ewpiindende Mensch nicht in tiefster Seele ergnäfsen wmben, muß ec sich nicht rückl-altlos beugen vor der Wucht, Größe und Vedeu- drng des Gesehenen und ckichörren? Alfred Polgar,*der in einer der letzten Nnmrnern der^cl>aubühne" über die Musiker-Vor- stellangplaudert", hat nicht imrecht, rvemi er sagt:Zn der llas-. ns6,eu Vor'stellnng herrscht die Lcndensäxrst olyre das Gemeine, Häßliche, Verzerrende, das Patl)vs ohne Schlacke. Der Schau- pieler geht nicht, sondern säuertet. Er setzt sich nickst, sondern er sich nieder. (H: ist in tedcm Augenblick ein Denkmal. Ein Denkmal des Zorns, der Trauer, der Ergriffenlieit, der Freude." Doch fei dem wie es sei, der hierfür empfängliche Hörer wird selbst empfinden. Für ihn besteht auch nicht die Notwendigkeit, chh zurOrientierung" über den Klassiker mit Büchern zu befassen, ^ Leben und Werke zerpflücken, analysieren nrrd deuten. Er braucht mir auf stch wirken zu lassen und die entgegenfallendeu Achänheiten in sicy auszunehmen In welch hohem Maße Edles und schönes auf einen lleinen Raum zusammenaedrängt werden kün- dafür gibtTie Braut von Messina^ den besten Bcnreis. A wohl mcht Mviel gesagt, wenn mau dieses Trauerspiel rho-

torisch mit zu dem Besten zählt, was Schiller je gescl-affen hat. Weichster Wohlktang und prächtigste Rhythmik sind auf das wunder­vollste harmonisch miteinander verwoben. Dazu kommt, wie auch Bultl>aupt in seiner Dramaturgie aussührt, daß über deni Ganzen eine Mirde, ein Ernst liegt, den keine Tragödie so misschließlich wie diese von Anfang tes zu Ende bewahrt. Tie rSiwache der Ch.a- rakteiistik ist gewiß nicht zu verkennen, denn sämtliche Rollen, mit Ausnahme der Fürstin, erscheinen wenig individualisiert. Was bedeutet das aber gegenüber der urwüchsigen Kraft und dem pul­sierenden Leben dieses Traueifpiels, das von Szene zu Szene, von Akt zu All sich steigert und den Hörer gefangen nimmt und eniporreißt zu höchsten Höl)eir. Schiller sagt selbst in seiner Vorrede zurBrmit vmi Messina":ES gibt keine höhere und keine ernst­haftere Aufgabe, als die Mensckicn zu beglücllm. Die rechte Zfunst ist nur diese, welckx den höchsten Geruch verschafft. Der höchste Ge­ruch aber ist die Freiheit des Gemüts in dem lebendigen Spiel aller seinem Kräfte." Hieran denke man und vergesse diese Worte nie!

Gegen die gestrige Mfführung läßt sich mancherlei erinnern. Vor allem die Königin-Mutter Jsabella! Das garrze Trauerspiel enthalt keine Figur, die so prägnant, so sckrarf umrissen gezeichnet ist, wie die der Königin. Sie beherrsckst den Raum, die Zeit und gibt dem Gairzen die Grundfärbung. Sie steht als einzige hinrmelbvch über allen Beteiliaten urrd verlangt demgeniaß vollste Kvaftinn- setznrrg. Viktoria Sandor ließ es zwar an scharfer Charakterisie­rung und verinnerlichter Auffassung nickit seblen, was dieser 5tzö- nigin aber sckhlte, war die iiberzeurMnde siickiere Größe. Erst in den letzten Allen hatte die Mnstlerin, t^ren achtunggebietende Leisttmg keineÄvegs verkannt werden soll, die sctevankeirde Haltting verlrnen und war in ihre Rolle liineingewackisen. Dasselbe gilt von Oskar F e i g e I (Don Manuel) und Adolf Falken sDon Cesar). Besonders rhetorisch ließe srch hier noch manches seilen. Im übrigen sei den beiden Darstellern DingelstedtsMünchner Bilderbogen (Berlin, Gckbr. Paetel, 1879) II. ?lbschnitt zur Einsicht­nahme empfolstem Aenßerst annmtig, voll Wärme urrd Schlickstheit in Spvacl-e und Spiel war dagegen Frtedel Doerr alsBea­trice", die garrz richtig das liebende Mädchen besonders betonte. DemCajeban" Kirrt Wenzels, der darstellerisch vortrefflich war, wäre nur eine Herabsetzung des allM Pathettsck-en zu wün- sckxm, Wilhelm Stengel war Mr den jugeirdlichenBohemund" eckoas zu gesetzt.Ehrfurcht gebührt, 0 I ü n g l i n a, meinen Jahren!", ruft ihm Cajetan an einer Stelle pik Willy Bor- chard, Kurt Lerch, Emil S&atfcen, Äkd Steinmeyer

mrd Otto Conrad i paßten sich gut an und trugen nxfentlieft znrn Gelingen der Vorstellung bei. Nicht unerwähnt bleibe auch die freudige Mitwirkung von Schülern des Gynmasiums in den Chören.

Tie Vorstellung war durch Hofrat Herirrann S t e i n g 0 e t t c r auf daS sorgfältigste vorbereitet und geleitet und hinterließ er- steulichettveise einen recht ttefen Eiridruck. w. m.^

*

EineDanziger Mühle aus der Ordens ritte r- zeit. Uns wird gesch:-icL«n: Zu dm vielen Alt-Danstger SelenS- würdigkeitm. die der einstigm Hansastabt zu dmi BeinamenVas Bmedig des Novdeus" vertestfeu haben, gehört ein vierstöckiger Vfübilenbau am Radcrmiekanal. Es ist dieGroße Nt ü h l e" die 1-ier durch das Wasser des schneilsließeudeir Geüirgsslüßcheus Radaune getrieben wird. Diese NMftle stemmt schon aus der Ordms ritt er zeit und ist heute noch im Betriebe. Die Ordensritter lMenstelckte Mühlen in einer Anzahl von Orten der altpreußifckxm Prvvrnzen angelegt: wir habm es hier mit einem Stück Kultur^ arbeii des Ritterordens zu tun. Der Orden Itat genw Hirt ich Die ^tder ausgebvackst und tüchtige Müller zu Pächtern oder Eigea- ttmvern dieser Müllen gemacht, die später keinerlei Beziel-ungeu niehr zum Orden hatten. Vor der Großm Mühle in Danzig steht nock, das alte MüllergeiverkSlteuö, das eine der geschnitzten 'Kau- zelrll cruftveist, wie sie in dllt-Danzig vielfach als Zugang zum oberen Stockwerk üblich waren. Es besitzt ein sehr schönes altes Herbergs sch,'ld. das an einem vom Wedel l-erausreichcudcn Balken hangt, der in einem Drackieneops endet.

Die Etitdeckuug einer antiken Baiilcka. Ein anttkes Denkmckl wurde, wie das Journal des DöbatS meldet, durch ur der Nähe des Ortes Termini unweit von Row mweckt. Mf der Bahnlinie RomsReog^l wurdcm wegen Ver- lckinttung der Strecke Gralnmgsarbeitcu vorgenommen, wobei plötz­lich nne anttte Basilika zutage kam. Tie Basilika ist dreiteilig, die Decke wird von Pfeilern getragen. Die Wände urrd die Pfeiler sind au ^ Sttick lic deckt, die z>. T. ganze my­

thologische Szenen, z. T. religiöse Gegenstände' und auch Orna- mmttk darstellm. Ter Vorraum ist gleickisalls mit Stuck geschmückt mw mit Mosaik gepflastert. DaS ganze Gebäude lvar von einer Galerie umgeben, mit deren Frellegirng mun g^rmüntetig ix* schäftigt ist.

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