Nr. 262
Swetter Blatt
Erscheint täglich rntt Ausnahme des Sonntags.
Beilagen: „©te&cner Zamlltenblatter" und „Krtisfrtatt für den Kreis Hießen".
Postscheckkonto: Zranksiirt am Main Nr. ^68ö. vanknerkehr: Gerverbebank Gietzen.
162 . Jahrgang
Eemral-Anzetzer für Gderhefsen
MMwoch, 7. November M
ZwMingsrundoruck und Verlag:
Br ü husche Universikäls-Buch-u.Strindructerei.
R. Lange, Gießen.
Zchckftleltung, Geschäftsstelle und Druckerei:
Schulstraße7. ^.Geschäftsstelleu. Verlag: «rqK-i, Schristlellung: 112.
Anschrift für DrehtrachrlchtenrAnzeigerTießen.
Aus Hessen.
Mangelhafte Wildversorgung in Hessen.
Aus Mainz wird aus geschrieben:
Die Aussichten !der städtischen Bevölkerung in Lessen auf Dildl>rÄsloisck sind in frfcfcm 'Sinter »erimicr leim jc T«s ist um so Mmuerinfcr, iml ^MiKtzr BwÄ'Knmg im Gegensatz »“. *P- J^nrntitarten^reuWirfin! Städten schon seit Mvnatoü <mf äußerst iparlia>e ^teiichratronen angeiviesen ilt und wohl mit Nvä',l «mm Ausgleich durch Zuweisung von Wlildfleisch erwarten könnt«. Schon tim vorigen Jahre lieft die Wildversorgrmg in den hei)tsch«i Städten, sehr viel m wünschen Wckg, weil die meisten iJwier die behördliche Regelung der Verteilungssrage in geschickter Werse &ü umgehen verstanden und durch allerlei Kunstgriffe den Anteil ,der Kreise üird Städte möglichst herabzudrücken suchten On diesem Jah're wird bae Zuweisung von Wild an die Kreise und Städte kaum reichlicher ansfalken, ckmnal weil durch den Frühlinqs- frwt der Nachwuchs,gelitten hat, besonders aber infolge der hessischen Bejtimmnngen üb-er Llle Ajbgabepflickft der Jagdlltliaber. '
Während nämlich;, die- reichsgesehliche Berrrdi»mg über den Berkehr mit Mld vorn 12. Juli 1917 kurz uitb klar ist und mir anordnet, daß pbt angemessener Dell der Jagdbeuten de Bc Horden zur Wckderlellung .an den Verbrauch zu überlassen sei erschwert die ArMchrringsverordmmg der hessischiM Behörde diese-ri Verkehr durch, eine 'Reihe v-mi Bedingungen.
Zunächst tritt die dlbgabepslicht des Jagdinhabers nur dann ein penn die Bezugsberechtigten (Kreis oder Stadt) binnen längstens zwei Wochen nach Erlast -der Bekcnmtmachung dem Jagdinhaberckne bedingungslose Erklärung übersandt l-aben, dast sie auf die jeweilige Jagdbeute Anspruch erheben. Der Zweck dieser Bestimmuna ist unergründlich, ihre Folge für Kreis und Stadt unerfreulich- denn es \\t in vielen Fällen auch ohne Verschick düng des Wscnders der verlangten Erklärung gar nicht nwglich. in dieser kurzen Zeit den Anspruch rechtzeitig dem Jügdin Haber zuznstcllen, namentlich wenn dieser sich im neutralen Auslände, an der Front oder im besetzten Gebiete befindet. Durch diese Verspätung erlischt aber der Anspruch, denn die Erklärung muß in längsten - zwei Wochen über- sandl. nicht. ab gesau dt s e in.
?lber weiter: Während die Reichsverordimug den zuständi- .gen Behörden einen ang^ssenen Teil ieglichr Jagdbeute überhaupt zustchern will, sind die hessischen Ausftchrnngsbestimmnngen unr aus Treibjagderi zugeschnitten und erkennen hier wiederum die Pgabepflickst der Jagdinbaber'nur für gröstere Wildstrecken an, d. h. der „angemessene Teil" .beginnt erst bei eimem Jagdergebnis von 60 Lasen, wobei ein Stück Edelwild gleich 29 Lasen, ein Stück Damwild gleich 10 Hasen uird ern Stück Rehwild gleich 6 Hasen gilt.
Gestützt auf diese hessische Aussührungsbestimmung, haben nmr, wie ja voranszuselen war, die meisten Jagdinhaber den Kreisen und Itädten erklärt, da st sie in -diesem Jahre überhaupt keine Treib-- iGden abzubälten gedenken. Dementsprechend ist, wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, in einem größeren Bezirke, in dem sonlt alljährlich nahezu hicndeck Treibjagden veranstaltet wurden, der zuständigen Stadtbehörde bisher nur eine einzige Treibjagd gemeldet worden.. Und doch könnten die Herren Jagdinhaber sich ruhig dem Vergnügen ihrer Treibjagd hingeben, ohne gezwungen zu sein,, von der Beute auch nur ein Stück abzuliefern. Die folgende Bestimmung -der hessischen Verordnung bietet ihnen dazu die Möglichkeit: -
„Ten Empfangsberechtigten ist mindestens am Tage vor Abhaltung jeder vermutlich (!) eine gröstere Wildstrecke ergebenden Jagd unter Angabe des voraussichtlichen Streckenergckmisses" Mitteilung zn machen
Was hindert den Jagdinhaber daran, keine „größere Wildstrecke", sondern beispielsweise nur 59 Hasen zn „vermuten". In diesem Falle braucht er die Empfangsberechtigten überhaupt nicht von der beabsichtigten Jagd in Kenntnis zn -setzen, und die Jago- beutc, selbst wenn sie eine größere Wild strecke ergibt, steht zu seiner ausschließlichen Verfügung.
In Preußen beginnt bei allen Nixderwildstreckcn die Abgabepflicht bereits bei 10 Hafen, gleichgültig, ob es sich um Treibjagden
Buschierjagden handelt.
» Durch eine solche Ausnützung der hessischen Ausführung sbe- Mrmmnngen inruß es ganz naturgemäß dahin kommen, daß die Madtische Bevölkerung in diesem Jahre kaum Wildfleisch erhalten wird, wenn sie.es sich nicht auf dem Wege des Schleichhandels zn hohen Preisen verschafft.
'£. , f Soviel wir wissen, h<tt eine Versammlung v-^n ^hessischen Städten fick mit diesen Zuständen befaßt niid um schleunige Aenve- ruug der Bestimmungen ersucht. Mit welchen! Erfolg, bleibt abzuwarten.
A,»s Stadt «nS Lanv.
Gießen, den 7. November 1917.
Gietzener Stadttheater.
Der Herr Senator.
Lustspiel von Franz von Schönthan mid Gustav Kabel bürg.
™ Weisheit, daß der tzainMrg-r Se-
5# bildet, die ftatnrgemäf; auch iW Jfkdjtc verlangt, haben die bekannten Anfasser der „Gold'-
seschrickc-i, das aber trotz « , m ^li ^ ^894 b« Buhne beherrscht und MIN eisernen Bestand, MVÄ 1 * Laßt man, wie gestern abend dieser Kmnodic an sich vmEerMhen, so muß man sich daß das Stuck im Lause der Jahre nichts von nngebuizt hat und nach wie vor imstande ist, über d^.^nden hrwvegMtmischen. Ter Grund ist wohl allein in
5 t ovL n * le ^4 ud,, t n ; ^.dt^ beiden Autoren einerseits mit groszer Li^e und Sorgsalt an die, wenn auch einseitige Zeichnung oer Lharartere herangegangen sind, andererseits «her dem einzelnes
Messung und Ausgestaltung S Ä Ke $$[Vl WlElt : ^ «sentlrch alles gesagt. Lust-
stiele dieser Art stehen und fallen mrt den Schcrnjpielarn, die den tpnolg allein in 5^anden haben und das Publikum nach sich ziehen tonnen xyt Kämst des Extempvrieiens, die ja eigentlich heute verpönt sein sollte, spielt gerade hier keine unwesentliche Rolle, unD wir haben auch genügend Beispiele dafür, daß geschickte Dar- steuer verstanden, aus einer an und füv sich wchtigen Figur euie Bonibenrvlle zu sck-affen. Zu bedauern ist nur, daß der Sckmu- 1 vieler, wie dies oft der Fall ist, sein bestes Mnnen für ernen wenig wertvollen Stoff einsetzen muß. —
Emen prachtvollen „Senator" bot Willy Borchardt. Hier war kein strich zu wenig und keiner zu viel. Dieser Senator Anderson wirkte überzeugend und gab ganz richtig eine komische, aber keine lächerliche Fgur ab. Als durchaus harmonisch ange- pahte Senatorin zeigte sich Luise De l o s 6 a, hie in feiner Zuri'ick- haltung die Wirkung der Rolle ihres Partners, des rechthaberigen Gatten, zn steigern wußte. In Herta Ellenhausen fand die „itorddeutsche", über die vielen „st" stol.pernde Agathe eine gewandte Darstellerin. Karl Stein Meyer als „Mittelbach" und Oskar Feigel als „Dr. Gehring" erfreuten durch ihr frisches, uugezwuugenes Spiel. Allerliebst war Helene Kallmar, die dem Nesthäkchen der Senatoren-Famllie, Stephanie, größte Llnmut und Liebreiz, verlieh. Zn erwälMen sind noch Hermine Wossidlo (Sofie) und Kürt Lerch (Tr. Steiner). Dem Bühnenbild wäre mit Hinsicht ans den exklusiven Herrn Senator eüv-as mehr Gediegenheit zn wünschen. — w m —
*
** Auszeichnungen. Dem Major Stephan vom Ins.-Meat. Rr. 116, jetzt Kommandeur der Unteroffizier- Vorschule in Annaburg, Prov. Sachsen, wurde das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen. — Der Gefreite Karl N o l t e von ' Gießen, beim Res.-Jrrf.-Rgt. 2% wurdenachdem ihm vor kurzem das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen worden war, zuin Unteroffizier befördert. -
** Iung wehr. Für die erste 'Abteilung findet heute abend Turnen, für die zrneite Abt-eibing Jmstrucktions stunde statt. Die Uebuug am nächsten Sorrntaig fällt aus.
Landkreis Gießen.
** Groß en-Bus eck, 6. Nov. Dem Schützen Heinrich S t e - phan ltvurden das Eiserne Kreuz 2. Klasse und die Hessische Tapfer- keitsmedaille verliehen.
Kreis Büdingen.
^!. O rtenberg, 7. Nov. Den Holdenivd für das Vaterland starb der Kriegsfreiwillige Ernst Hirschmann von liier. Er war im Besitze des Eisernen KrsuH-a! 2. Klasse. — Pionier Wllhelm Günther von hier, der seit Beüwr des Krioges in der Front stcht. erhielt das Eiserne .KreuK 2. Klasse. Im Besitze der Hessischen Tapfepkeitsmedaille befindet er sich schon längere Zeit.
Kreis Schotten.
# Schotten, 7. Nov. Das .^iegsehrenMichen in Eisen, früher das Eiserne Kreuz und die Hessiische Tapferkeitsmedallle, erhielt der Sergeant Möller.
e. Bvbenhausen V. Mücke, 7. Nov. Der Unteroffizier Gustav S dm cf) er b, Sohn des hiesigen Lehrers Schuchard, wurde zum Vizefeldw«bel und OFizievsaspirantan befördert.
e. Eichelsdorf, 7. Nov. Ter Grenadier Ludw. Möser erhielt das Eiserne Kreuz 2. .Klasse.
# Eichelsachsen, 7. M)v. Firs Vaterland starb der Musketier Otto Schmittberger.
e. Einar ts h an se n , 7. Nov. Mll dem Eisernen Kveuz 2. Masse wurde der Ersatz-Reservist Otto Rinkenberger, Inhaber des Ehrenzeichens für Kriegs Verdienste, ansgezeickmet.
1^. Lardenbach, 7. N^v. Da unser seitheriger Lehrer Ar ras wieder zum Heere eingezogen- worden ist, so war unsere Schule wieder ^ einmal verwaist. Sie wird jetzt, wie auch den Organistendienit, von Lauback, aus versehen.
L. Laub ach, 6. Nov. Gestern, fand unter großer Beteiligung der chesigen Einwohmuschast und dich Lehrer und Schiller des Gymnanums und der Volksschule die Pflanzung einer „Luther-, ^ ein lrlten Friedhofspliatze in der Nähe der Toten-
kapelle statt.
L. Laubach, 6. Nov. Kanonier Leidner, der im Mri dieses Wahres verschüttet wurde und seit 2 Monaten wieder im Felde steht, erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Tie Hessische L.apserkeitsmedallle hat er schon früher erhalten.
e. Ober-Seibertenrod, 7. Nom Im 20. LebenSjahve starb den Heldentod fürs Vaterland der Musketier Wilhelm Semmler. ' •* i
Kreis miedberg.
** Friedber g, 6. Nov.. An; 2. November waren 100 ^ahre seit der Gründung des Lehrerseminars in Friedberg verflossen. Bei einer Gedenkfeier hielt der Direktor der Anstalt, Geheimer Schulrat Tr. Karg, eine Rede, in der er eine übersichtliche Darstellung über die Gründung und Entwicklung des Seniinars gab. Darnach gab Geh. Schulrat Dr. Karg dis zahlreichen Glück- wunsch,schreiben, Begrüßungen und Gaben bekannt, die dem Seminar -aus nah und fern zugegangen waren; und jchi-lost -die öebatEfeter mit dem Gelöbnis, daß das Seminar auch fükderhin bestrebt s^in werde, in tteuer Pflichterfüllung mitzuarbeiten an und zu dem Wöhle des Ganzen. .
# Friedberg, 7. Nov. Zum Marino-StäHsarzt d. R. wurde Dr. med. O. H. Becker von hier befördert. —>Das Eiserne Kreuz erhielt der Fahrer Karl Schertet. — Das Verdienftkreuz für Kriegshilfe erhielt der Betriebswerkführer Kern von dev hiesigen Betriebswerkstätte.
Hessen-Nassau.
X .H anau , 5.' Nov. Der im Dienste des Vaterlandes gesattene Fiegerleutnant Heinrich Gontormann hat seine militärische Laufbahn im thüringischen Ulanen-Regiment Nr. 6 in .Hanau begonnen, in das er am 5. August 1914 als KriegsfreiwiNiger ein* getreten ist. Mit dickem Truppenteil rückte er nach erfolgter Ausbildung ins Feld, kehrte anfangs des Jahres 1915 wieder nach Hianau zurück, um von den Folgen einer ^Kvankhckt Genckung zu silchen. Am 20. April 1915 wurde er in Döberitz zum Offizier befördert und einer Mcaschinengewehr-Kv mpagnie zugeteilt. Mit dicker rückte er äm 21. Mai 1915 wieder ins Feld, trat aber bald zur Fliegertruppe über. Die hervorragenden Leistungen als Flieger- leutnant erbrachten chm am 7. August ds. Js. nach Abschüßen des 25. Flugzeuges den Orden Pour le meckte. Im gleichen Monat hat er die Zahl seiner Luftsiege -auf 34 erhöht.
]l Marburg, 6. Nov. Ein weit bekannter Mann, der frühere langjährige Lckter der hickigen JägerkapelVe, Oberrmrskk-l meister N o a ck, feiert am 8. November seinen 80. Gel»rrtstag.
vevmL?chter.
^ Eichendorffbund. Ter am 7. September 1917 qe* gründete ^,Eichrndorffbnnd" hielt am 27. Oktober in Müiuhsr seine eckte Hauptversammlung >ab. Nach dem Beckcht des Vorstandes^ zählt er heitte schon gegen 500 Mitgilieder aus allen Gegenden Mitteleuropas. Tas romanttsche Jahrbuch „Eichendorff-Kalender" (1918) kommt soeben zur Versendung. Ansterdem^ beginnt ab Neujahr 1918 (ebenfalls im Verlag Parcns L Eo., MünckM) eine vornehm ansgestattete Vierteljahrschckft „Der Wächter" für Literatur, Kunst und Wissenschaft zu erscheinen.
Amtlicher Teil.
Detr.: Zurückstellung der Landwirte.
An die Grosth. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Sie werden an sofortige Erledigung der übergedruckten Ver^ fügung vom 29. v. Mts. ecknnert. Es wird daraus hingewiesen, daß für jeden bis jetzt auf Anttag vom Heeresdienst zurückgestellte» Lmrdwirt oder Verwalter ckner Landwirtschaft ein Formular nach dem Ihnen zugegangenen Muster ausgefüllt werden must.
Gießen, den 6. November 1917.
Großber^oglicln's Krei^infk Gießen.
Kriegs-Wirtschaftsstelle.
I. V.: H emm erde.
rtrsnft nnd
/ — Geflügelte W orte Lut h e r s. Zn den Liedern, deren
Anfanitsvers gleichsam zum geflügelten Wort geworden ist, gehört vor allein Luthers religiöses Truchlied: „Ein feste Mirg ist unser ibiott". 9cker nicht nur die Eingangsworde des Luther liebes haben diese Bedeutung >erlangt, oft lvird auch angckührt .„Mit unsrer Macht ist nichts getan", „Und wenn die Welt voll Teufel 'war", „Das! Wort sie solle:! lassen stähn". Das verzichtende und zugleich so, zuoersälilliche „Last fahron dalchn" hat Schiller sogar in seinem» JRereilieb'' in „Wallensteins Lager" angewandt. Ist dies Lied in Anlehnung an den 46. Psalm gck>ick<et, so veröftenllichLe Luther im Ecknrter „Enckiridion" von 1524 ein Lied in A,nlehnung an den; .130. Psalm, dcklen eicklü Zckle auch ein geflügeltes Wort geworden ist: „Aus ckcker Not fchvei ich zu Dir." Aus seinem Katechismus a'»r stammt des Verlangen, daß wir alles zum Besten kehren sollen, ixiti) in der Erklärung der vierten .Bitte des Vaterunsers lieht das Wort von den guten Freunden, getreuen Nachbarn imd desgleichen, die zu nnchrem tägliochen Bftot gehören, und im 4. Hanprstlück finden wir „Wasser tnt's freilich nickst". Mit Reckst ^dürfen wir zu den geflügelten Wprten auck^j mehrere feiner Reimsprüche zahlen, l B. „Isst >oas gar ist,/ Trink, roas klar ist,/ Red, was lvahr ist!" Md „Ein jader lern seine LÄtion:/ So w?ch es wohl im Hansa ftWCii." Ter 'ivmpssoohe intb 'hoffnungsreiche Litther aber spricht aus denl Bckefe vom 21. Amust 1524 an die Fürsten zu Scchftii „v«i dem anfrürerisch^n Geiste" (Thomas Münzer): „M«n lasse die Gckster aufeinander platzen mrd treffen.... n» ein Streit und Schlack)t ist, da müssen etlich fallen und wund tverden. Mcn aber redlich, sch:,! nstrd gekrönet werben." Wjie es aber geht, daß dem. der viel hat, noch, gegeben wird, so steht es auch mit Luther: man hat chm geflügelte Morte Mgefchjrickben, die er nickst gesprochen hat. Ta ist vor allem das berülstnte Wjort: „Hier stehe ich,. Ick) kann nicht anders. Gott hckfe mir! Minien", mit dem! Lutlier seine Reda stör dem Reickistoge in Worms am 18. LÜpckl 1521 gesthloisen haben >«ll und das auck> am Wormser Lukl»rdenkmal fseht. Aön dGs rhcko- rtiche Patt-os dieses Satzes zckßt eigentlich wenig Ml Luthers ^nlck', und neuere Forschung hat es sehr wahckck-einlich gemacht, daß, er ^.">Lch, mit den damals sehr üblichen >Wjorten: „Ötott helff mrr, Amen!" schlossen, in -der Rede selber wohl die lateinistlL Fman r>ngen'andt ha>.»e. Schlickstich sei noch des Sprujchtss gedacht: „Wer nutz! liebt Wieib. Wern unid Gesang,/ .Der blecht ein Narr sein Leben 'wbi." Duich ster Spruch wird Lntcher zilgeschrieben, so allgemein rit'vkw Gta.Ni e. daß man ihn in lder Lutherstube auf der Wartburg an E Wand' gefchrickien hat. Doch ftndet er sich nirgend in seinen!
Schriften. Erst 1775 bringt der Wan^sbecker Bote in Nr. 75 in der „Devise an eirven Posten" zmn Schloß diö bckden Becke mit dvraw- gchämgtem „Sagt Dr. IMftrtin Luther". Die Verse rühren wahv- sck'cknlich^ von Johann Hernrich Bo-H^ nrchl von dem Wandsbeckev Boten dRatthras Claudius ’fjet, der noch zweiEl Luther als Verfasser der Verse nennt: -er hatte sich dmnit ins eigene Fleisch gw schnitten: 5eamLurger Pastoren sähen in derr Versen eine Herabsetzung Luthei's uird vereitelten Vossans Mahl zum Lehrer am Jvhannenm. Das eckimert daran, datz mvch tz^-athe die Becke ver> dacht Worden sind: „(Zs tmr eine Ratte im Kellernsst,/ Lebte nur von Fett und Butter,/ Hatte sich cin Mbnrz5efti crnyemästft,/ Als wie der Dr. Luther." Rechst wenig ges-cbmuckvoll hat man, um den Anstoß zu vermLiden, auf manchen Bühnen dafür gesagt: Das kommt vorn Alton Futter, stürf Futter hat übrigens der Verfasser der „Devise" den Nanchn das .Reformators gereimt, und dieser Rckmzwang ist vielleicht überhaupt die Kckm^lle der Erstndimg.
— 'Luther und die Chemie. Weickg bekannt dürfte sein, daß Mrrttn Lutller, wie Hermann Peters in der Chemiker-Zeitung bemerkt, insos-ern -ein starker Fördever der chemischen Wissenschaft mar, als er in seinen Schriften auf sehr drastische Weise scharf ztckscl-en der Ehrlichen Arbsit der „allgemeinen .Scheidekünstler" und dein betrügerischen BorgeSßen der „Goldmacher" nntcckchied. Er naemte zwar berde Gruppen Alckstmisten, stellte den Weck der echttei Eftemie jedoch so hoch daß er ihn in gewissem Simm sogar mit ber höchsten religiösen Moral verglich. So schckeb er in ckner Abhandlung wit dem Titel „Der jü.ngste Tag ivird voneinander schckden die Gererhtvli und Gottlosew^ wie folgt: „Die rechte Kunst der 'Alchynrve ist wahrhaftig die PAfolopk.ck der alten Wcksen, die mir sehr wohl gckällck, nicht alleine umb ihres Nutzes^ willen den sie mllbringet, dw MckalLe zu schnelzeir, zu scheiden, auszn- sieden und zuzurichSen: item Kräuter, Wurzel und Anders zu di- stllliren und zu sublinstrvn, sondern auch nmb der AltagmeiOl und heimlichen Deutung wtNon, die iwemus schön ist, nämlich die Auferstehung der Tadten am jütngsten Tage. Denn qickckrente in einem Brennofen das Feuvr aus der Materie zeucht und scheidet, was am Besten ist, ja den Sprritnm, Gckst, Leben, den Saft und Kraft fsthrets in die Höhest wie mim solches ckchck, wenn man Ldreuter- Wasser brermot oder daß man sonst etwas drstiMeck: da schwiimnck das Fcknste empor, arid das Beste schwebet altert oben. Acer die unreine Materien und Hefen läßts im Grunde bleiben, als ein todt Aas uird uickstig DiT^g. Also auch, wenn man gebrannten Mein machet, da wird die ganze Substanz und Wesen durchs Feuer aus- gezogen und Wmpt di« Kraft in dis Hbhe; was übrig zjst, blckbt
Unten im Grunde, und es raucht noch schmecket nicht, sondern es ist ckn unförnllich Wasser. Eben derglckchen wird Gott auch tbun durch den jüngsten Tag und letzte Geckcht; darmit wird er, als durch öä F mer, ab scheiden, absondern und abthcklen die Gerechten von dar Gottlosen. Die Chcksten und Gerechten -werden über sich im Himmel fahren, und dacknnen ew>ig leben: aber die Gottlosen und Der- Lampten werden -als die Grundsuppe lnnd Hefen in der HLlLe blckben und darinnen perdanrpt sein; Und im Tode ewig blckben." Sckne Ansicht über die Bestrebivngeii der Goldmacher aber brcschde Llsther in denr Spruch zum Ausdruck:
,^Jch 'wckß ein Wock, das hat ckn L, (Gold)
Wer das sieht, der begehrt es schnckl;
Wenn iaber das L weg und ab ist.
Nichts Bessers im Himmel und Erden ist!"
— Deutsche Knnstfür sorge im Westen. Man schreM uns aus dem besetzten Gebiet im Wckten: Tie deutsche KunstMv- sorge hat in Nordfrankrckch die weckvollften Schätze nicht nur auS St. Quentin nick) dcksen Umgebung, zum Tckl zu einer klcknen, aber geschmacksicheren Neuanfstettnng in Maubeuge (Museum zsim „Armen Teufel") gebracht, sondern jetzt auch mit kundiger .Hand dkr Perlen aus dem Stadttnusenm in Lille zur größeren Srchermrsj ins Museum Valenciennes übergefühck. Es verdient die mit er- hebtick)en Schvieckgkeiten verknüpfte Bergung von alten Mckste». werken, Gemälden, Bildwecken, Möbeln und Kirck-enfenstern and der Gotik alle Anerkemrnng: die Sammlung von PastellportvaLö! de La Dour's ans der Zell des Louis XV. (im oberen lichtv-olteNi ^Saal des „Pauvre diable") ist ckne Sehenswürdigkckt, ebenso wie die kostbaren ftandckschen und französischen Wändtcppick?e (Gobelins) in Maubeuge und Balenckennes. Hier hängen nun die Decken aus Lllle (z. B. die beiden Goyas) neben den berühmten al tflav- dckschen und niederrheinischen Mckstern, den pckmitiven und den gewalttgen Gcmäldeu von Peter Paul RubenS. . . Auch Ste ernsteren Lesestesf wird im besetzten Gebiet Sorge g«tevg«r. So hat die gvoße Bücherck des Liebesgabend^epots 2 vom Roten Kreutz in Balenckennes tmssenschaftliche und künsllecksche sowie geschtchb-, lichet Wecke zur Benutzung für unsere FeldgraiKn ettvvrbcu: u. a. die viel gelckenen, im 8. und 10. Tausend enschtenenen GesämL- schckste Siir Roger Casements in der neuen erweiterten, bei I. Huber erschienenen Aus<iabe, sowie die Sammlung Blämischer Lieder in der Verdeutschung durch Prof. Schölermcmn. NeuardMasl macht sich für Kunst und Lesestoff höherer Ack eine steigende Nach* frage im Felde fühlba. Tos Bckspiel der Bücherei vom Rotcp Kreuz verdient Aneckeruinng und Nachahmung cm allen Fronten.


