Ausgabe 
2.11.1917 Zweites Blatt
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vr. 258 Swettes Blatt

Erscheint IS-Nch mit Ausnahme des Sonntags.

M. Jahrgang

veila-en:Gietzener ZamlllenblLtter" und ttteisblatt für den Kreis Sietzen".

Postscheckkonto: Frankfurt am Main Nr. N68b. Vankverkehr: Sewerbebank Gießen.

GU mer AnZeiger

. General-Anzeiger für Oberhefjen

Freitag. 2. November \%l

ZwillingSrunddrnck und Verlag: Brühl'icheUnwersltäts-Bttch-u.Stelndrnckerei.

R. Lange, Gießen.

Zchrifileitung. Seschästsstelle und Druckerei:

Schulstraße?. Geschäftsstelle u. Verlag:

Schristleilung: 112.

Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerGiegen.

vorratsmangel in England.

Englairrd istjixn das .Stadium der, akuten jKnappheit getreten. Seit ttfm 15. Oktober 1917 berich,ten die Blatter übereinstimmend, vor all-em aber diejenigen der gr# Stiidte, das; Speck, SckslUken- Butter und Tee s>o knapp seien, das; sie vielfach, garnicht, vielfach, Nur in geringen Mengen verkauft werden cköirnten (Tee z. B. nur, 2 Lot). Zn dxr 'Knapp'lKt dieser Lebensmittel tritt der s-hon seit längerer Zeit vorhandene Mangel ,cm Zucker und Margariue. Das' Mort , Hungcrs:wt" (Fanckne) ftudet immer häufiger Anwmdnng. DieTinres" von: 15. Oktober 1917 stellt fest:Tie Butter- HungcrsrVt tritt stärker Mtage als je." In derTimes "vom 18. Oktober 1917 trägt ein Berich,t die fettgedruckte Ueberschriftü Die Knappheit anLebensinttteln." In einem Berich,t über die. «rnlercn Distrikte Londons wird im Hinblick ans die gefährdetcl lErniährnng der Kinder über den Mangel an kondeissierter Milch geklagt. Die Knappheit an industriellen Rohstoffen kommt in den fortschreitenden BefckfkaMahme-BMmmnngen der eng tischen Ne­gierung 'ffinm ^lsasdruck. Zu bent Mangel an einzuführenden Vor­räten gesellt sich, die KohlenknapPhseit in den Großsstäd>ten, welche ans innere Trxrnsportschwierigkeftm Mrnckz-ufühven ist. Wie die Morning Post" Dom 24. Oktober 1917 meldet, hat die Liga für

Nahrimgsniittel-Ersparnis blick ans die Knappheit an

bereits Kochikisten-Borträge ,,im Hin- Kphü'^ Mgekündigt. Die Periode des 'Krieges, in welcher nvan in England, »wenn auch! zu hohen Preisen, Lebensmittel und sonstige Maren reichlich kaufen konnte, geht zu !Ende. Afn ihre Stelle tritt die Perio^des tatsächlichen Mangels, während die englisjcha Regienmg sich nach wie vor gegenüber einer Rationiermrg der knappen Bestände ablehnend verhält

Aus St«dt nuv Lanv.

Gießen, den 2. November 1917.

** AnsKeichnNng. Gefreiter Georg Beimborn NNtrdo mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. Der Artillerist Heinrich Momberger von hier wurde mit der .Hessischem Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.

** Das Verdie n stkreuz für Kriegshilfe tourde verliehen an: Rechpurrgsrat Otto Klose, Werk- stätterworsteher Alberl Rupert, Lokomotivführer Konrad W ö! r n e r, Werkführer Ludwig Becker, Vorschreiner Karl Seibert, Wagenputzer Fusttts Kürber, Kohlenlader Konrad Schmidt.

L. U. Universitäts-Gottesdienst. Am Sonn­tag den 4. November, vormittags 11 1 / 4 , Uhr, findet in der Neuen Aula ein Universitäts-Gottesdienst znm Gedächtnis der Reformation statt, zu dem in erster Linse die Angehö­rigen der Universität eingeladen sind. Sellstversttindlich hat aber auch jeder andere Zutritt. Es sind keinerlei Plätze Vorbehalten; die Stühle stehen jedwn Besuchter gleichmäßig zur Verfügung. Die Predigt hält Herr Geh. Kirchenrat Wofessor Dr. Eck.

** Taschenlampenbatterien für Weih nachtsliebesgaben. Das Beschafsimgsarnt für Taschenlampe:: und Batterien richtet an die Liebesgaben versandstellem der Truppenteile, des Rotem Kreuzes, der Zeitungen usw. die Bitte, die Versendung von Taschen lampenbatterven als Weihnachtsliebesgaben nnr dann vor zunehmen, wenn die rascheste Zuführung der Sendun gen an die empfangende Truppe und sofortige Verteilung vorausgesehen iverden kann. Die Lagerfähigkät der zurzeit hevgestellten Batterien beträgt nur etwa 3 Monate, so daß bei vorzeitigem Versand dem Soldaten Batterien übergeben werden würden, die ihre Leistungsfähigkeit znm großen Teil eingebüßt haben. Cs muß daher darauf hingewiesen werde::, 'daß die Taschemlainpenbatterien sich als Liebes­gaben im wesentlichen nur für den Feldpostverkehr eignen

** Schlichtungsausschüsse und Abkehrschein Mkehrschein nennt man die Bescheinigung des Arbeitgebers, daß der Hilfsdienstpflichtige bei ihm die Beschäftigung mit, seiner Zu- . stimmung aus gegeben habe. Der Arbeitgeber muß ferne Zustnn- inung erteilen und den Abkehrschein geben, wenn ern wichtiger Grund im Sinne des Hilfsdienstgesetzes für den Arbettswechftl vorliegt. Andererseits ist der Arbeitnehmer darauf ange:meseu. den Mehrschein zu erlange::, denn ohne solchen kann er wahreud der ersten 14 Tage nach seinem ylustritt aus der alten Arbctts^ stelle in keinem anderen Betrieb eingestellt werden. Cm ckrbett' aeber, der ihn ohne Abkehrschein einstellt, macht s:ch ßrafbar Dem Arbeittrehmer muß daher ein Mittel za: Gebote stehen, den Mkehrschein auch dann zu erhalten,..wenn der Arvntgeber ihn nicht freiwillig gebe:: will. Das Hilfsdrenstgesetz hat, um e:es zu ermögliche, den Schlichtungsausschuß geschaffen, welchen der iArbertnehmer anrust, wenn ihm der Abkehrschein verwugert wnrd Die Schlichttrngsausschüsft sind in der Regel äußerlich den Be ^irkskommam)os angegliedert, örtlich zuständig ist der Ausschuß, in dessen Bezirk der Arbeitnehmer beschäftigt war Dem Aus­schuß gehören in gleicher Zahl Vertreter der Arbutgeb^r und Vertreter der Arbeitnehmer an; als völlig unpartensckx Behörde

soll er unter dem Vorsitz eines Offiziers darüber entscheiden, obl her Arbeitnehmer einen, wichtigen Grmck) znm Arbeitswechstl ge­habt hat. Bei der Entsck?eidung des Ausschusses ko:nmt es zwar wesentlich, aber nicht ausschließlich auf persönliche Verhältnisse des Hilfsdienstpflichtigen an ; in jedem Falle ist auch das öffent­liche lIttteresse zu prüfen, insbesondere in der Richtung, ob der bealbsichttgte Arbeitswechsel sich mit den dringender: Bedürfnissen der Heeresindustrie in Einklang bringen läßt. Im einen weniger oder überhaupt nicht kriegswichtigen Betrieb darf der Hilfsdienst- pflichtige ebensow-enig üblertreten, wie ihm der Wechsel von einem gut eiugearbeiteten, im geübten Personal beschränkten Betrieb zu einem erst einzuvichtenden Betrieb gestattet Werder: kann, voraus­gesetzt, daß die Bezahlung eine angemessene ist. Es darf nicht ver­gesse:: werden, daß die gegenwärtige Lage es gebieterisch fordert, daß Jedermann seine Kräfte an der Stelle zum Nutzen des Vater­landes verwendet, wo er am nötigsten gebrachst wird. Das Sonder- interesse des Einzelnen muß hinter dem Interesse, welches das ganze Vaterland an der Durchführung eines großangelegten, aber dringend rwttvendigen Rüstungsprograinms hat. zurücktreten. Dies gilt mich für den Arbcitswechfel. Ei" Facharbeiter Mit wichtigen Spezialkenntnissen darf nicht, wenn seine bisherige Bezahlung eine angemessene ist, um eines kleinen persönlichen Vorteils willen einen Posten im vaterländischen .Hilfsdienst verlassen. Verständige Mwä'gung des allgemeinen Interesses gegenüber den berechtigten Ansprüche des Einzelnen ist erforderlich.

** Die Heizun g der Per so neu züge. Die Eisen­bahndirektion gibt bekannt; Infolge des starken Kohlenmangels und der Knappheit an Gummiheizschläuchen wird es sich während der bevorstehenden Wintermonate Nicht immer ernröglicl)en lassen, alle Personenzüge ordnamgsmäßig Heizen zu können. In erster Linie muß aber für eine ordnungsmäßige Heizung der Fernzsige Sorge getragen werden. Wir sind deshalb notgedrungen zu dcw Maßnahme veranlaßt, die Personenzüge des Nahverkehrs wie aiuh die des größten Teils der Nebenbahnstrecken des Bezirks Frankfurt (Main') wir einer Beheizung gänzlich auszuschließcn. Den Reisenden wird desl-alb anempfohlen, sich durch Miprahme von Win de r schirtzkleidern, Decken und dergleichen vor Kälte zu 'chsützen. Es darf angenommen werden, daß die Fahrgäste den ob­waltenden Umständen volles Verständnis entgegenbringen. Be­schwerden über mangelhaftes Heizen der Züge werden im all­gemeinen keine Beriicksichftgußg finden können. ^ _

** Schorfhaltige Kartoffel w Tie Reichskartosselstelle hat unter dem 22. Oktober d. I. in einen: Aus schreiben bewertt, daß in letzter Zeit des öfteren vorgekommen ist, daß Empfangs-, stellen Klagen über schorfhaltige Kartoffeln führen und die Ab­nahme solä-er schorfiger Kartoffeln mit der Begründung ablehnen, sie seien weder zur meisschliche:: Ernährung noch z::r Brotstreckung, auch nicht zur Lagerirng geeignet. Zur AuUärung teilt die Reichs­kartoffelstelle mit, daß sogermnitte schorftge Kartoffeln durchaus Nicht etwa krank oder schadhaft sind, sondern daß diese Eigenschaft lediglich! mit den Bodeitverhilllftssen zusammenhängt, unter denen sie gewachsen si^>. Man fftidet sie in der Regel in der Nähe von Zuckerfabriken, wo die umliegenden Besitzer durch Benntzmrg von Kallschlamm den Boden.reichlich kalken. Tie so gewachsenen Kar­toffeln, die äußerlich zwar ttimZ unansehnlich anssehen, s:nd aber durckAans gesund mrd lagersest, und es bestehn: keine Bedenk«:, diese Kartoffeln, die selbst M Saatzwecken ohne jede Besürchttnp; verwendet werden, als Speise>6artoffeln oder Frrschkartoffeln zur Brotstreckuirrg der Bevölkerung zuzuteilen. _

Stör« die goldene Rüstung der Reichsbank! Sie stärkt die eiserne wehr unseres siegreichen Heeres!

Die foiaifcttifdle

in den Räumen der BeZirkssparkaffe Gießen ist morgen von \0 bis \ 2 % Ahr geöffnet?

Landkreis Gießen.

** Beltershain, 1 . Nov. Zu der ftattlick>en Zahl unserer ausgezeickMten Krieger ssind wieder einige hinMgekvmmen. Ler.tnmrt d. berm, Magel d« Reservist Hcmr La uns- vaä> soNÄe der Purmer Kail Schaltherh, die alle drei schon im Besitz der HesUchen MvferkeiWmedmlle l»rd, «hielten wr karzem anch das Eiserne Kreuz-. .Ferner wurde der MuskÄ^r deinrüh Hartniann mit dem Eisenim Kren; und der Muske­tier .Heinrich Schiifer mit d« HM,chcn ^crk«tsmcda,lle ausgcMchnet. Fast alle unser« draußen stehendm Feldgranen ftirb jetzt im Besitze von KriegsauszerüMingen

z. Geilshausen. 1. Nom Zuw ViM»a-Htm«ster der FeD- artillerie befördert wurde der U:rteroffiz:er Karl M a r g 0 l s, Sohn des Heinrich Margolf II., von hier. .

** Nordeck. 1. Nov. An die hiesige EwrfarnmelsteNe wurde:: von März ds. IS. äb bis jetzt 12 400 M^gelies^. - Von der diesjährigen ObstverstLigernng hatte die GerEN^ nnm Ertrag von 1532 Mk., wo in früheren Jahren kaum der drrtte Teck gelost wurde. Diesen Betrag zeichnete die Geweutde zn der siebenten

Kriegsanleihe. Im ganzen wurden von hier zu der siebenten Kriegs­anleihe 42 000 Mk. gezeichnet.

Kreis Büdingen.

^Güdingen, 2. Nov. Lehramtsassessor Tr. Kurt Becken vor: hier ist als Oberlehrer der höheren Bürgerschule zu Nrdda angestellt worden. Er wirkte bis Kvicgsbeginn schon mehrere Jahre an der genannten Anstalt und steht seit August 1914 ununter-- brachen :m Heeresdienst. Sein Vater ist Lehrer Hermann Becker dahier. .... ,.

/X Nidda, 2. Nov. Es werden wieder ,zwer Krreger von h:er vermißt; der zweite Sohn des Uhrmachers Theodor Lem, Schül- verwalter Julius Lev: und Schneidermeister Hch. Eckhardt.

Kreis Wetzlar.

va. Wetzlar, 1. Nov. Im Frühjahr 1914 wurde in unserer Stadt Äne Bereinigung der Freunde intt> Freundinnen des Lotte­hauses angestvebt. Wetzlar ist rnit seinen vielen 0well)e-Eruu:erun- gen auch ivährwch der Kriegs zeck viel von Frenrden besucht worden, wie aus dem Freindenbach des Lottehauses ersichtlich sst.

ra. Atzbach, I.Nov. Musketter Wilhelm Stamm wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. . ., ^ .

va. Niederauembach, I.Nov. Schütze Friedrich Desch- bei einer Maschineirgeiwelir-Kompagnie, erhielt das Eiserne Srteusu

Hessen-Nassau.

**Frankfurt a. M., 2. Nov. Am konnnendeir Somttag vor­mittag bis 1 Uhr ist der Eintrittspreis in den Zoologisckien Garten auf 30 Pfg. für Erwachsene (Kinder 20 Pfg.), Aqnarnun 20 Pfg. (Kinder 10 Pfg.) herabgesetzt. Unr 1 Uhr ^vird der Garten sill' dre Vorncktdagsbesucher geschlossen und kostet es von da an 1 Mk. für Erwackssene (Kinder 50 Pfg.) für den (harten und 50 Pfg. (Kmder 25 Pfg.) für das Aquarium. Nachmittags 4 und abends 8 Uhr finden Milrtär-Streich-Konzerte, ausgeführt von der Garirssm:- Kapelle hier, statt. Bei günstiger Witterung Reit- und Fährbetrieb für Kinder imWäldchen". .

= Frankfurt a. M., 2. Nov. M:t den verichwdene:: Em- gemeindnngsVerhandlungen, >die zurzeit zwisckMi: der Stadt u:ck» den westlich belege::en Nachbarorten schweben, dürfte, wie wir von gut unterrichteter Sette !hören, auch die Regulierung des imtereN Niddalanses luud wahrscheinlich icmch seine Schiffbar­machung in Fluß konrmei:. Durch Mlage von Schleusen :,t der Plan nach der Ansicht von Fachmä:urern teckmssch durchftihrbar, zr:mal lüuch -der Fluß genügeird Wasser hat. Wie weit bergwärts die Regulierung durchgeftcküt werden soll, ist noch nicht bemnn^

geworden. ^ ^ .. r

= Griesheim a.M, 2. 9tov. Lehrer We:denfaller vm: der hiesigen Knabe:ssckMle, der an -den Känw>fen an der We,tfront teilnrmmt, lwurde mit dem Eisernen Kveuz erster Klafft ^ge­zeichnet. . >

Briefkasten der Redaktion.

Mu»»yme Aufvagen bleiben unberü«kstchttgt.D

V. §. Nicht :rur z. k. u., sondern auch Welwfähige können znnt vaterländische:: Hilfsdienst l?erangezogen werden. Ans reden Fall kann siä, jeder Hckfsdienstpflichtige (1780 Jahve alck rcumlllg znm Hckssdienst melden. Leute ttn wehrfähcgen Alte: m.w n:cvt für das besetzte Gebiet. Meldung erfolgt beim Einbernfungsaus-t schach für die Provinz Oberhesfen, Ostanlage 11.

vermischtes.

* Himmels erschein un gen im November. Jrftüter Und Mond. Zweimal wird sich der Mond im No­vember dem Planeten Jupiter nähern und berdemal nörd­lich an ihm v>orüberziehen. Die erste Koujunktto:: erergnet sich am 1. um 5 Uhr::achn:ittags bei einem' Llbstande von 2 Grad 55', die zweite am 28. um 9 Uhr nachmtttags hex einem Abstande von 3 Grad 7'. Der Mond zeigt zwar ferne volle Phase, vermag aber trotz seines grellen Achtes u:ck> seiner großen Nähe den stark glänzenden Planeten :::cht zu überstrahlen. Das schöne Doppelgestirn wird, nmgebm: von noch andere:: hellmr Stermen desStiers" :m Westen, des Orion" im Süden, derKvittinge"- im Osten und des Fuhrmanns" in: Norden, jedesmal während der ganzen Nwcht den Httnmel schmücken. Saturn, Mars und Mond. Wer die Standorte der Planete:: Saturn und Mars kennen lernen will, dem bietet sich am 6. und 8. November gute Gelegenheit dazu. Am 6. um 10 Uhr abeitds wird der Mond, in: letzten Viertel stehend, m einem Abstand von 4 Grad 19 südlich am Saturn: u:ck) am 8. um 3 Uhr nachnrittags jN einer Entfernung v o n 16 Grad 46' süd lich vom M ars' Do rüber­ziehen. Man wird hierbei bemerken, daß der Mars zurzeit noch wesentlich schwächer leuchtet, als der Saturn; der Ab­stand unseres Nachbarplauete:: ist nämlich gegenwärtig noch sehr groß, er beträgt am 8. November noch 244 Millionen Kilometer. Später dagegen wird Mars, wem: er uns näher­gekommen sein wird, Heller strahlen als Saturn.

Am Tagliamento.

Dem «tat Dcrglimento ist der Krieg nichts b^es. Kriesie- rifcfc Völkerzüge des verschiedensten ^tanrnd^ sind über \ljn baginr Jwmcrai, nnd 1797, am 16. März, hat Bon aparte am M:ttel- wuft des Flusfts, bei Valvasone, von Westzn: kommend, d:e Oester- reicher über den Fluß geworfen nnd geschlagen. E:n merkwnrmger Stwm ist dieser Tagliamento, der, -obgleich -^rr i^l^sse auf Friauler Boden fließt, bermorfj «als der 0 1 n:

anzusehe:: ist. Er -gehört zu den her diese LaMckmft tvpsschm Dorronten", das ist jene Art lvon Wasserlcmftn, dw be: vlotzllch.m Regen oder Schwefällen mtt ungehwwer Sckmelsigkmt Anwachsen und dann, mächtig tobend, u:tw:derstehl:ch :gre Massen M ^ ale WÄzen, un: dann wieder ebenso schnell abznlauftn wrb wahrmd eines großen Teiles des Jalwes vollkommen emznttocknen ckuf wette Strecken seines Larsses bretet her Daglmmenw dann nn wahrhaft trostloses Bild: >da :st ^er ern wertes, wertes zerr: ftneo Geröllbecken, durch das sich spärlick^ Wafferaoern wmdea unb m dem sich hier nnd da ein paar dürfttge ^as- n:w Pflanzenonftn von dem kalten Weiß des Gesteins abheben. Das sieht man :hm in seiner Jugend fvahrlick, nicht wr, daß er so trcohai unter Alpcngipfeln, an: Fuße des maiestattzchenMonte Eridola. nimmt er seine:: Ursprung in e:ner Höhe von ettva löm Metern, nnd als eckKr schöner Alpenflnß führt^,er N Gewässer eilferttg durch das Bergtal wohl an bie 50 Kilometer weit gen Osten. Berge nitd ^grüne Wese:: begletten chn, \inb .Kfem Fellamssgenommen bat, so wendet ter sich gen Süden, der Fr mul er ist er ein stattlicher Fluß, in den von den umringenden Hvyen die Wasser zahlreickZer Torrenten fallen, Wenn er, dann me Ebene entgegen. Sein Tal w:rd breiter, fern Lauf begnmt sich W verändern, aber noch imnver ist der freie Sohn der Alpen wohl Ar erkennen. In der Gegend von Gemona, m dessen befestigten Ring die tapferen österrcichischmngarischen Truppen so schnell e:ne Lwcsche geschlagen haben, ist der Taglmmento nach Noäs hübschem Sliusdrucke noch cck: erniftr Fluß, bequem gebettet, und sein

Wässer von sinaraadenen: Grün, wenn, -es ihm! picht orgc

Regen in Farb-e u:ck> Gehalt verdorben wird. Noch immer halt r stch an in Stegen, bie ihm 'weit in die

und »w» si- f<fipn UMickgÄretM sind, ^ der Ftub noch

mächtig hohe User. Aber schließlich mutz er mich den letzten Ans- d's Gebirges Lebewohl sagen und damit etwa unterhalb CÄrtber Ä Mittellauf des Tagliamento. ^di « i>k träge strömenden Wass« nicht michr Msammm-

Äaltm« breitet sich in viclm Rinnsalen onä; fern »ett

UmÄ; es mißt 2000, ja an nmnchnr Stellen öfcet^OO SKetet. Ist der Fink trocken, so i,t der Uctegm.g nte ilm leicht aber merllvürdig, zumal da die Ortschaften am Ost- Ute SÄS als die am höher awetteten Wch. u f n: dieser Höhenunterschied <rrt gewissen stellen, z. B. beim

Ueberqange an der Eiseick)ahnstation Codromv nack:> der lensettigen ^allewlle Eaftrsa, selw bedeutend ist. Aber wehe! wenn er ÄlÄ W Wasser M Tale toben, wenn er nti «nj f^irr pfiffen iM'tt ausfüllt Da NN gleicht er an seinen breitesten Stellen ^^ Ä^SttbiaettSfit selbst den Po ^Breite. Darcn hämmert er gegen die Dämme, d:e von Fraforearw an sein Bett begleiten ni:d in:n:er in Gefahr und^.Durchornl^t er fte, so ist das llniland verloren, das Unheil unabiehaar. &o iU her Tag iaEtto heut, so ist er schon wr Jahrtause^en gew^cn; dem:

beim PtoleiNErs heißt es von diesem Fluß. er Tila- 'L^!1cute^E^nnd^eii ffite Me SJlarfcn dalM, »nenn er vom Schnee oder Regen wssclMllt

Je inerter

aen Siwen, desto matter wird die Kraft des Stromes. f+Vrn fnntmit ib-n das Meer mtt airSgedehitten Lagunen

Nickttlands. das für ^SRünbnng^

SSferī tat

pon Kanälen und Flußarmen, unbeschränkter Horizont, d:e Regwü der Fieber, Moskitos und Frösche. Land und Meer niengen sich; Lagunen, Sandbänke, Lachcn, Sümpfe, undurchdringliche Rohr-, dickichte, eingedänlmte Wies-en, überschwernmte Reisfelder dehnen sich meckeuwett." Und so, rühmlos, schlaff/ nutzlos mündet der Tagliamento schließlich an einsamer Küste ttrs .Adriatische Meer.

Tie Landschaftsbilder, die der Strom bietet, sind, auch ab^-. gaschen Von -emem den Alpen zugehörigen .Oberlauf, keines immer reizlos. Das Weißgrane, zerfurchte GerÄlbett des ^twmes^ in seinen hohen Ufern oder zwischen de:: Dämmen, die goldene W-eite Ebern, die sich beiderseits von iynt dehnt, blanend-e Berg« Näher oder ferner im Hintergpirnde gen Norden: der Kenner iveiß ein solich.es Bild Wohl zu würdigen. Aber einsain, einsam sind die Ufer des Tagliamentos. Jln der unmittelbaren Nähe des gefähr­lichen Gesellen mögen die Menschen sich nicht ansiedeln. N::r an! zwei Stellen übersetzt ihn dir Eisenbahn: und größere Stadt« spiegeln sich nirgends in seinen Wassern oder schauen auf sein Geröll herab. Der bedertterwste Platz im Tagliamentogebiete ist wohl das bereits genannte Gemona, das fteilich nicht an: Taglia-, inenüo selbst, sonder:: ettoas rveiter östlich, an der ihm ttttntpflicküi-^ gen Ledra gelege:: ist, Ties Gemona ist ein anziehender Winkel. Hoch droben liegt cs, denn es steht auf einem vom Monte Chiampon herabgewetterteu Schutthaufe::. Es hat sieben sLore, zeigt ^fchon v!ou weiten: sein altes Schloß und das einsame Kirchlein von 'Lant-a! Maria la belle und btkundet durch noch heut erhaltene vielfache Trün:mer alter Mauerwerke, daß der Platz scl^on seit Jabrlmndertenj den Riegel zwischen Gennmiens Berge:: mck> der Ebene WelschlandSj bildet. Blich mlcm von hier in 'die Runde, so 'fällt das .Auge über* all auf geschichtliche Mäler und Ueberreste: Germanei:bnrgen hier, flämische Siedclwrgen da, Kriegsschauplätze dann wieder, lvo di« Görzer Und die Franzosen, wo Suwovoffs Kosaken, wo die Udinesen Und die OesterveickMr gesochten haben. An solcher Stätte lvrrd man inne, daß der Tagliamento zu den weltgeschichMM; Strömen gehört.