Ausgabe 
30.11.1917 Erstes Blatt
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nt. 282

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Erster vlatt

167. Jahrgang

5reitag, ZS. November 1917

popscheEfonl«:

Zranksurla.»:. 11686

General-Anzeiger sür Oberhessen

vankoertehr: Sewerbebank Siesten

Lwillin-«r«»»-ruck ».Verlag: vrühl'schc Unio.-Vuch- «. Steindru«kerei «.Lange. Zchristleitnng, Seschästrstelle u.Druckerei: Schulftr. 7.

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särnlllch in Gießen

ver Reichskanzler vor dem Reichstag über ein russisches Angebot des Wassenjtillitandes.

(WTB.) KrvfteS Hauptyuartier. 29. Nov. (Amtlich.) . ,

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Bayerische Sturmtrupps holten östlich von Merckem einen Offizier, sechsimdvierzig Mann und zwei Maschinen­gewehre aus den belgischen Linien. Tagsüber lag starkes Feuer bei Poelcapelle und zwischen Becrlaere und Gheliivelt.

Oeftlickr von Arras erhihte Artillerietätigkeit.

Südwestlich vvn Cambrai nrhte gestern der Kampf. Zwischen Monumes und Bourton. bei Fontaine und Crevc- coeur war das Feuer zeitweilig gesteigert. Auch C-ambrai wurde von den Engländern beschossen. Kleinere Vorfeld­gefechte brachten Gefangene und Maschinengewehre ein.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Aus beiden Maasufern lebte das Feuer am Nach­mittag auf. Eigene Erkundungen verliefen erfolgreich. Bei Dieppc wurde ein französischer Borswß abgcwiesen.

Oeftlicher Kriegsschauplatz und Mazedonische

Front.

Keine gröberen Kampfhandlungen.

Italienische Front.

Italienische Angriffe gegen unsere Gebirgsstellungrn auf dem Weftufer der Brenta und auf dem Monte Tombo scheiterten.

Der Erste Generalguartiermeister J' - Ludendorff.

Der Abendbericht.

Berlin. 29 Nov.. abends. (WTB. Anttlkh.)

Startes Artilleriefeuer bei Poelcapelle.

Westlich von Bourlon ist ein englischer Angriff ver­lustreich gescheitert.

Bon den anderen Fronten nichts Neues.

Ts war eän geradezu festkicher Tag für die Antrittsrede des Reichskanzlers Grafen Herbling, dan 'er dem Reichstag Mitteilung davon macl-en konnte, daß einer unserer Haupt- gogner, Rußland, im direkter Verkehr mit Berlin durch Funksprnch einen Waffenstillstand vorgeschlagen hat. Zwar ist derselbe Vorschlag buch an die Adresse unserer übrigen (Gegner, an die bisherigen Verbündeten Rnßlands, ergangen, allein wir kennen die voraus gegangenen Vorgänge, und nnfsen, in welche erbärmliche Verlegenheit die Häupter der Entente versetzt werden. Wir dürsim danim ju dem Funtspruch Trotz kis und Lerrttrs und der Erklärung des Grafen Hertling ein doppelt freudiges Ja aus sprechen Unsere Zustimmung zlu dem Drrech der gegenwärtigen Re­gierung Rußlands, mag sie auch auf noch! so unsicherere Füßen stehen, mit der Errbente bedarf keiner langen Uebdr- legung. England und seine Genossen haben den Vorschlägen der Maxirnalisten kein Gehör geschenkt, und nun siud diese Vorschläge nock) einmal verstärkt worden dadurch, daß sie auch an die Mittelmächte direkt gerichtet tverden. Wird man in England wird Frankreich sich das gefallen lasiert? Aller Augen sind setzt auf die Schritte gerichtet, die Herr Lloyd George, Herr Clemenceau und Herr Wilson tun werden. Sie haben gedroht: werden sie ihre Drohungen aussühren? Schicksal, du bist im Zuge!" Herr Wilson, der große Vor­kämpfer für Menschheitsfrieden und -sreiheit, wird vielleicht keinen Schritt tun. sondern einfach stillhalten. Mer auf ihn werden'die fragenden Augen der Engländer und Fran­zosen länger als je gerichtet sein. Denn Amerika ist ja eben an der Reihe, es soll jetzt eben den Krieg neu beginnen. hundert wütenden Mieden wurde das von allen Beteiligten arrgekündigt. Und'jetzt sollten die großen Meer- und Welt- behcrrscher sich mit dem Inhalt des russischen Funkspruchs zufrieden geben? Undenkbar! Also hatte der Reichskanzler recht mit seiner ruhigen, schlichten, unirmwundenen Zustim- muugserklärung. Die Gricudlagen zu Verhattdlungert siud vorhanden; wir hoffen, daß wir mit den Russen ins Reine kommen können. Der Reichskanzler hat nicht nur in die an­geborene Hand eingeschlagen, sondern er hat, nicht stürmisch und aufdringlich zwar, die andere Hand selbst dem bisherigen Gegner entgcgengeftreckt. Das SelbstbestimmungSrecht der Länder an der Ostsee soll geachtet tverden. Wie seltsam aber, daß es noch Leute gibt, die dem Reichskanzler bei diesem Anlaß zumulen möchten, seinerseits etwas zur Versöhnung Wischen den Maximalisten und den Herrschenden in der En­tente zu tun! Als ob der a l l g e m e i n e Friede, dessen bal- mgen Abschluß wir alle wünschen, nicht auch aus die andere, von Hertlmg vorgezogene Weise herbeigesührt würde. In der Frankfurter Zeitung aber steht es:In diesem Betracht um J® nicht ganz glücklich, daß der Reichskanzler in diesem Augenblick hart zwischen Rußland und den anderen Mächten der Entente unterschied, so berechtigt das auch an sich ftm mag." Wir aber haben keinerlei Besorgnis, daß Eng- brnd und Frankreich bei dieserUnterscheidung" des Reichs­

kanzlers zu kurz kommen! Wir halten es für eine sehr glück­liche Welldung des Reichskanzlers, daß er den haß­erfüllten Gegnern sch-arf die Freibriefe zur Fort- setzimg des .Krieges versagte! Wenn jetzt zwischen Rußland auf d er einen, England und seinen Ver­bündeten auf der anderen Sette nnberschieden werden k a n n. so darf, soll und muß sogar unterschieden werden! Es bleibt mm abMvarten, ob die Maximalisten des Reichskanz­lers Aufforderung, beglaubigte Vertreter zu Verhand- lrmgen zu entsenden, baldigst nachkonrmen werden. Wenn heute auch noch vieles unklar und unübersehbar ist in kurzer Zeit wird sich eine größere Fernsicht einstellen!

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien, 29. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautdart:

An der Brenta und auf dem Monte Tomba wurden italienische Angriffe abgeschlagen.

Sonst ist nichts zu melden.

Der Chef des Generalstabes.

Mb. deutscher Reichstag.

127. Sitzung vom 29. 'November 1917.

B e r l i n, 29. November.

Präsident Dr. Kämpf eröffnet die Sitzung um 3 Uhr 15 Mi­nuten.

Präsident Tr. Kämpf gedenkt der großen Erfolge unserer Truppen aus den Inseln des Rigaischen Meerbusens und in Ita­lien, sowie des. ungeheuren Widerstandes aus der ganzen West­front. (Bravos.) Hiermit wetteifett das Volk in der Heimat. Der Erfolg der siebenten Kriegsaiüril>e beweist dies. Von dem bisherigen Reichskanzler Dr. Michaelis scheiden wir mit dem Ausdruck des Tankes für die lwl)>en Eigenschaften, die er wälirerrd stäner ganzen Laufbahn dem Vaterland gewidmet hat. lBeisall.) Möge die Tä­tigkeit doS Grafen Hettling gesegirei sein für das Vabettand. Das Haus tritt hierauf h\ die Tagesordnung ein.

Erster GegensjaTid der Beratung ist der Gesetzentwurf b^-tressend die Frstftellung d<^s dritte,' Nachtrags züm Nerchshausl^allStnat sür das Rechnungsjahr 1917 (Keediloorlage von 15 Milliarden Mark).

Reichskanzler Graf Hrrtlrng:

Meine Herren! Nachdem Seine Vtajestät mich cm diese Stelle berufen hat, habe ich die Ehre, den Reichstag zu begrüßen. Ich möchte sofort Ihrem Herrn Präsidenten meinen. Dank für die freundlichi'en Worte ausdrücken, die er in seiner Ansprache an mich gerichtet hat. Acögen die von ihn, ausgegangenerc Wvrtc gegen- seittgen VcttraucnS in allen Verl-andluugen nachklingen. (Beifall.) Meine Herren! Wie der Herr Präsident b.anerkt hat, bin ich Ihnen ja kein Fremder. In zwei durch sechsjährige Fr. l getrenn­ten Mfchnittttr bin ich mehr als M Jahre Mitglied dieses Dauses gewesen. Ich habe auf verschiedenen Gebieten mit Angehörigen aller Parteien zusammengearbeitet. Als ich im Februar 1912 an die Spitze des blayerischen Atinisteriums berufen wurde, wodurch meiner parlamentarischen Tätigkeit ein Ende geinackst wurde, ging ich von hier mit dein Bewußtsein, viele Freunde, manche polittsche Gegner, aber, wie ich vertraue, keine persönlichen Feinde zuttickzulassen. (Lebhafte Zustimmrmg auf allen Seiten.) In diesem Vertrauen und in dankbarer Erinnerung an jene Jahre trete ich jetzt vor Sie lstn. Wenn ich mich in sturmbnvegter Zeit entsä>lvsftn habe, das sclwere und verantwortuargsvolle Amt des Reichskanz­lers zu übernehmen, wenn ich gewichäge Bedenken zurückgedrängt habe, die sich allein schon aus meinem vorgesckwtttenen Älter er­geben könnten, so leitete mich dabei die Ueberzeugung, daß es Pflicht sei, die ungesucht an mich l^erangetteteare Aufgabe nicht abzulehnen, und daß es Pflicht sei, dem Vaterland jedes, auch das sckwerste Opfer zu bringen. Stolz mtf> dankbar stelle ich fest, daß fast überall unsere Massen, smoohl die unsrigen wie auch die un­serer Verbündeten, von Erfolg l>egleitet gewesen sind. Im Westen, worauf auch schon der Herr Präsident hingewiesen hat, geht die Flandernsckstacht fast ununterbrockaen seit Juli d. I. fort. Nahezu das gesamte englische Heer ist in der flandrischen Ebene-in zahlen­mäßiger Ueberlegenheit gegen unsere Front angesetzt worden. Auch mehrere französisck>e Tioisioneit haben an dem Kampfe teilgenom­men. Mer unsere Flandernsront steht trotz des Verlustes einiger Dörfer und Höfe in sich unerschüttett fest. Der Feind steht seinem Ziele, der Erreick-nng der flandrischen Küste zur Unsck!>ädlichmachung unserer U-Bovt-Basis nach wie vor fern. In Erkeirntnis ihrer nutzlosen und ver- lustteichen Angriffe in Flandern suchen die Engländer jetzt bei Cambvai die Entscheidung. Ans dir tage lange Feuervorbcrei- t'ung, die bisher ihren Angriffen vorausging, haben sie diesmal verzichtet. An ihre S.elle ist der Masse.reinsatz von Tanks ge­treten. Trotz ihrer Ddasjle 'habeir die Tanks dce Hofftmngen, die En.gla.nd aus dieses Kriogsmittel gesetzt lut, nicht erfüllen köniren. Als Opfer unserer erfvlgreichen Ablve.w liegen sie zerstört aus dem Kampffelde. (Lebhafter Beifall.) Tie englischen Anfangserfolge wurden durch das EingroiM unserer Reserven pariert. Die Schlacht ist Noch in vollem Gange, aber unsere Führer und Truppen sehen der: siegreichen Ausgang mit berechttgvem Vertrauen entgegen. (Leb- Hafter Beifall.) Die Franzosen haben nordöstlich Soissons urrd Verdun örtliche Erfolge gelabt. Diese auszubauen ist ihnen aber nickK gelungen, da auch hier schnelle Gegenzüge unserer Führer dem Feind jede strategische Auswertung versagt lttben. Die kriege,ischen Ereignisse im Osten, die zur Eroberung von Riga und Jakobsladt fül-tten, stehen in Ihrer aller Gedäckftnis. Das ruhmreiche Vor­dringen der verbmcd'eten Armeen in Italien hält die Welt noch, heute in Spamcung. Ueberwältigendes wurde doch in überraschend schnellem Turchbruchsaugnfs durch schroffes (^sebttgSgebiet gelöst. Italiens Heer hat einen erheblichm Dcnl seines Ntanw'cha tsbe- stmtdes und nlindesteirs die Hälfte seiner siüntlichen >kriegsmittel eingebüßt. Es lsat rviclie Vorräte lreprnde Landstrich,' verlvrcn. Tie Beute zn bergen, ist bisher noch nicht möglich geweßm. Wenn

wtt den gefaulten Gewinn in Gold umrechnen würden, so würde er jrch aus Milliarden beziffern. Ein weiterer Erfolg unserer Siege am Jsonzo bis zum Piave war sür uns die w,rksamste Elltlastung unserer Westfront. In gleicher Weise machen sich unsere Siege auch rn Mazedonren fühlbar, wenn der Feind die geringen Erfolge, die ec lvestlrch des Ochrida-Sees errungen hat, sreiivillig aufgab. Vor ^^Auar-Halbinsel operierten die englischen Truppen gegen die türttschen Truppen in Palästina und 1-aben dort anfangs gewisse Erwlge zu erringen vermocht. Einen Einfluß auf die militärische Gesamtkrcegsläge haben diese Erfolge jedoch nicht. Aus den Kriegs­schauplätzen in Kleinaften und im Irak hat sicb die Lage nicht ge- andett. Unsere Flotte lM die.auf ihre runge Kraft gesetzten Hoff­nungen durchaus erfMt. Tie .Hochseeslottr und deren rastlose Tätig- vert, die sich vielfach den Micken entzieht, haben den Tank des! Vaterlandes verdient. Sie bat nach VNger Pause seit der ruhm-- reichen Schlacht am Skagerak bei der Wegirahme der Inseln Oesel, ^ago und Movn in vorbildlick)er Zusammenarbeit mit dem Heer mrd bei Idem kurzen erfolgreick-en Gefecht in der dentschrn Bucht der Soordsee gegen.erbebliche Uebermacht ihre stete Kcnnpsbereitschaft von neuem bewiesen. Ms Schutz und Rückhalt steht sie hinter un­seren U-Booten. Sie deckt ihre Stützpunkte und sichett ihnen den Weg ms freie Meer.

, -Boot-Seehandelskrieg übt tatsächlich ferne ge- walttge Wrttlung aus. (Lebhafter Beifall.) Er war und ist das einzige erfolgreich durck>go^ifende Mittel gegen den uns ausge^l zwungenen Wirtschaftskrieg gegen die führende Macht unserer Geg­ner, um sie in ihrem Lebensnerv zu ttessen. (Lebhafter Betsalb' Er richtet sich gegen den feindlichen und den dem Feinde dienstbares Schiffsraum. Wenn auch unsere Gegner seit emiger Zeit die ge- ttchlteten Bestände ihrer Handelsflotte mit neutraleir Schiffen, die sie i'itfi durch Hungerblockade und andere Druckmittel gewaltsam erpreßt haben, auszufüllen suchten, so läßt sich Uickses Versal/rew doch nicht beliebig fottsetzen und wird bald seine Grenze erreichen. Und noch bei so angespanntem Schiffsbau unserer Gegner wird die Versen kungsziffer die Neubauziffer stets übersteigen. So geben alle Bsobachitun^en den überzeugenden Beweis, der U-Boot- Handelskrieg das ihm gesteckte Ziel erreichen wird. (Lebhafter Beifall.) #

Wrr können nicht der Kriegslage gedenken, ohne mit dem Gefühl unauslöschlichen Dankes daran zu erinTrern, wem wir diese Erfolge und unsere günstige Lage verdanken, mrserer glorreichen Armee, iljren genialen Führern mrd den heldenmüttgen Truppen. (Beifall .) Sie nässen, keine unserer siegreichen Offensiven, weder die in Mchland imd Serbilen 1915, noch, die in Rumäürien 1916, noch die gegemoättige siegreiche !und neue Siege vcwl)eiße 7 rde iiij Italien hätte mit solcher Kraft durchgeführt werden können, wenn nicht die, eherne Mauer im Westen auch den schaoersten ötiirmm standgehalten hätte. (Beifall.l Unvergessen sei auch, die helden­mütige Tapferkeit unserer Schutztruppe in Ostaftika (Lebhafter Deifall), mit den braven Eiusiedlern mrd Eingeborenen. daS Volk in der Heimat, das mit gleichem Siegeswillen erfüllt ist wie das Heer. Auch, ihm gilt mein Dank. Unsere Methode der Kriegführung lxrt sich, in erfreulickier Wi^ift bewährt. Nahezu 73 Milliarden Mark sind bisher durch fteiwillige Zeichnungen aufgebracht und zu, Zwecken des Krieges vern>endet worden. (Bravo.) Der Miletzt von dem hohen Hause beivilligte Kredit nähert sich, strnW^Er­schöpfung. Ich habe deshalb die Ehre, dem hohen Hause zur vcrfassungsmäschgen Beschlußfassung einen Nachtragsetat mit einer n e u e ü K r e d i t f o r d e r u n g m der gleichen Höhe wie die letzte vorznlege,r. Ich, bitte, der RerckStag wolle durch wine Zn- sttmmmrg nüedernm zu erkerrnen geben, daß auch, er zu jedem O^er bereit ist, daß auch er unbeirrbaren Willens ist, alles zu tun, um die Mittel zur Fottsetzung des Krieges berettzustellen. Die Flüssigmachung des Kredites, zu der die Vorlage mich er­mächtigen soll, wird in derselben Weise erfolgen wie bisher. Daß der Krieg, zunräl ein so furchtbarer .Krieg, wie ihr die Welt bishe, nich,' bannte, nicht nur liefe Spluren int Volksleben zurücklassen sondern auch neue Aufgaben stellen tvürde mrd zu N e u g e st a l. tunger, Inn führen würde, das mußten wir erwarten, auch wetrn nickt die Geschichte früherer Zeiten darauf oorberritet hätte. Ein ungeheures Erleben l-at unser gesamtes Volk ergriffen und in ihm mein* als je das Bewußtsein der Zugehörigkeit ausgelöst. Die Be­griffe von V'lk und Staat, von Vaterland und Nation sind niiit mehr ein überkommenes Msitztum, das tvir gewvhtrheitsgemäß weiterführen. Dalmer darin auch das große Interesse, das allerottear sich für die staatlichen Instittitionen zeigt. Man tritt an sie hcrmr mi^t der Frage, ob sie die Probe, ans die der Krieg sie gestcllr hat, bestanden habe, oder ob sie neuen Einrichtungen Play macken müssen. Hier vor allem gilt es, das Richtige zn erkennen und das Erkannte mit fester Hand durchzuführen. Es gllt, sich nicht durch Schlagworte beirren zn lassen urrd die Emrickftungen fremder Nationen jllavifch nacknuahmen. l§s gilt das zu tun, was den realen Bedürfnissen unseres Volkslebens, dem deutschrn Geiste und der deutschen Eigenatt entsprichst. (Beifall). An den Grundlagen unserer ,Reichsver fassung ka nn und soll nichts geändert werden. Sie ist eigetrtlvch aus dem geschichtlich?^: Charakter des bcitt'rfyn Volkes jntb seiner verschiedenen- Stämme herrwrgenwch'en. Und -die pariameirtariiche Vertrettmg .im Reiches- tage steht ans der deükbar breite'l«r Basis. W-ün treue Ansgabdtc sich ergeben, toenn neue Be>ürsirisse sich Herausstellen im Nähmen der Rerchsverfassuirg, so wird die ReichÄeittcng den Anregungen die >aus di cf,nn hohetr Harffc vomuretr, jederzeit, deß bin ich gctviß. ein geneigtes Ohr lei Herr und sie sachgemäß prüfen.

Selbstverständlich muß die Sozialpolitik, mit dm Deutsckstand allen Lärrderrr der Wett vorairgegmrgetr ist und au deretr ersten Anfätrgen ich als ReichStagSabgLvrdrttter mftarlxtten konnte, m der nrhigen Wftife fottgeführt uttö nach Bedarf werten ausgebaut tverdetr. Dem Reichstage wird bei Jefcicnt nächsten Zu­sammentritt der Entwurf eines Gesetzes zur Errichtung vv-rr Ar­beit S k a m m e r n vorgelegt tverdett. (Beifall), d^n mt die Ar-^ britett der Rrich-ZtagMmmission von 1910 Mrknüpst. (Lebhafter Beifall.) Ebetrsv wird evr Gesetzetlttmrrf voriierritet, in dem die Beschränkungen der K o a l i t i o n S s r e i b e i t dttrch. den 8 153 der ReicktSgetverbvordnung beseitigt werden solllen. (Leb - haf.str Beifall.) Auch dieser Gesetzentivtrrs toird dent RricktStage bei seinem nächsten Zusammetttteteti zugeh.m. Daß atch die Recsiermt- gen der BmrdeSstaaten die gleichen Atrffaffmrgen teilen, die ich Jhwetr foelvin mlwickell habe, ist sicher, ^ie werdvr wissen, ffr