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8.11.1917 Erstes Blatt
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Ur. 263

Der Sietzener Anzeiger

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Donnerstag, 8. November \ 9 #

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Bürgerkrieg in Nutzland.

Beim Vormarsch in veneiien die Livenza-Linie erreicht.

(WTB.) Grobes Hauptquartier. 7. November. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Zn Flandern wurde gestern erbittert gekämpft. Nach dem gewaltigen Trommelfeuer am frühen Atorgen traten englische Divisionen von Passchendaele bis zur Bahn YpernNoulers gegen die Höhen von Becelaere und Ghelu- velt zum Sturni an. Nördlich von Passchendaele brach der Angriff in unserem Abwehrfeuer zusammen. In Passchen daele drang der Gegner ein. In zähem Ringen wurde ihm der Ostteil des Dorfes wieder entrissen. Gegen mittag führte der Feind frische Kräfte in den Kampf, die die Einbruch stelle bei Passchendaele örtlich erweiterten. Unsere Stellung läuft am östlichen Dorfrande.

Der gegen die Hohen von Becelaere und Gheluvelr mit starken Kräften gerichtete Ansturm zerschellte meist schon vor unseren Linien. Einstedrungener Feind wurde im Nahkampf überwältigt. Die Wirkung unseres Vernichtungsfeuers hielt später sich vorbereitende Angriffe nieder.

Auf dem Schlachtfelde dauerte starker Artilleriekamps bis in die Nacht hinein an.

Bei den anderen Armeen der Westfront lebte die Artil- terietätigkeit an vielen Stellen auf und steigerte sich' besonn ders auf dem östlichen Maasufer und zeitweilig im Sundgau zu grotzer Heftigkeit.

Auf dem

Oeftlichen Kriegsschauplätze

Ntw an der

Mazedonischen Front keine gröberen Kampfhandlungen.'

Italienische Front.

Im Gebirge und in der venetiaurschen Ebene wird die Verfolgungfortgesetzt. Einigetausend Gefangene sind eingebracht worden.

Der Erste Generalquartiermeister Ludendorff.

»

Der Abendbericht.

Berlin. 7. Nov., abends. (WTB. Amtlich.)

In einzelnen Abschnitten der flandrischen Front ge­steigerte Fenertätigkeit.

Zm Sundgau örtlfthe Kämpft bei Ammersweiler und

Heidweiler.

Zn der venetianischen Ebene ist in der Verfolgung die Livenza-Linie erreicht. Mehrere tausend Gefangene.

fe*» 1 V C i r L le ^ C - ^ an ersieht aus den tiulawnben Nach

bmn her auf schwachen Füßen steht,

cbutet£ r mib m ?°J b , a t enrat verfügt über Truppen und Maschinengewehre. Vielleicht haben die Radikalen in dem Ministerpräsidenten mit vollem Rechte einen eitlen Wind- V^r und Vergchlepper der notwendigen Schritte erkannt.

Volksstimme nicht zum Worte kommen und ichiebt die verfassunggebende Versammlung immer weiter hinaus. Seme Phrasen und Reden verfangen nicht mehr, fraglos haben die Aufständischen jetzt auch in der Ueber- zeugung gehandelt, daß die Vertretung Rußlands auf der Pariser Konferenz ungenügend und einflußlos bleiben würde. -uZas wir aus den Beratungen des Vorparlamentes darüber vernahmen, war ja auch recht schwach und fadenscheinig. Die gegen die Negierung Kerenskis Anstürmenden wollen eine kräftiger^ Sprache gegenüber England und Frankreich. Wir haben daher keinen Grund, die Barrikadenkämpfe, die in Petersburg ausgebrochen sind «als schrecklich und abscheulich zr; bedauern. Kereuski ist reif zum Abgang von der politischen Buhne. Ob der Druck auf die Westmächte nun stärker wer­den wird, ob er sich in Sonderfriedensbestrebungen umsetzen konnte, darüber läßt sich schlecht etwas Voraussagen. Warten wir geduldig und hoffnungsvoll ab!

Wenn man heute vomkranken Mannes sprächt, so meint man nicht mehr die Türkei, sondern Rußland. Ruß­land macht in der Tai eins viel schwerere Krankheit durch, als der Besitzer des Bosporus sie jemals zu erleiden gehabt hat. Als vor beinahe zehn ^Jahren in Konstanlmopel die große Staatsurnioälzung erfolgte, da erholte sich der Kranke bald wieder; freilick- konnte es dem Balkanbunde einfallen, ihm einige Glieder zu amputieren. Das bettlägerige Ruß­land aber ist schwerer daneben. Außerordentlicher Blut­verlust hat es bedenklich geschwächt,erschöpft", wie Herr Kerenski vor -einigen Taget! den Bundesgenossen sagte, die immer wieder fordern, Rußland solle das Krankenlager verlassen und tun, als ob es gesund wäre. Der iKrreg bläst wie ein böser Zugwind an das Krankenlager. Wie im Fieberwahnsinn beginnt Rußland sich selbst zu zerfleischen. Kerenski, der selber leidend ist, hat sich auf die unzuläng­lichsten Heilmethoden verlegt. Ruhe und Friede wäre das Nächstliegende, aber da gibt es Quertreiber und englische oder amerikanische Einflüsse, die dies immer wieder hinter- kreiben. Der neue Streit zwischen Neaierungsgewalt und den Anhängern des Arbeiter- und Soloaterrrates hat jetzt Mn Ausbruch von Tätlichkeiten geftihrt. Die Brücken der Verständigung sind abgebrochen, im buchstäblichen Sinne, Denn die Regierung hat die Brücken zerstören lassen, die dre Arbeiterviertel mit dem Zentrum der Hauptstadt ver­dürben. Der Arbeiter- und Soldatenrat scheint in einer An­wandlung von Mißtrauen verlangt zu haben, daß die Mili­tärbehörde ihre Schritte und Aimrdnungeu vom Rate kon­trollieren lasse und daß der Rat an den militärischen Kon-

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien, 7. Nov. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart:

Die Italiener sind in vollem Rückzuge gegen die Piave. Unsere Verfolgungsoperationen verlaufen plan­mäßig. Umfassendes Zusammenarbeiten österreichisch-unga­rischer Gebirgstruppm zwang südwestlich von Tolmezzo einige Tausend Italiener, sich zu ergeben. *

Im

Osten und in Albanien nichts von Belang.

Der Chef des Generalstabes.

gegen die Deutschen beginnen zu können. Am 6. No- nach wieder einem Monat fast ununterbrochener ver^wei- l0 k be 5 englische Führer seine tiefgegliederten, nlZ ZT", Eruer noch gegen ein und dieselbe Flandernfront, " dieselben Stellungen anrennen. Mit ungeheuren ;normte der an Zahl vielfach überlegene Gegner lediglich 30 * npf l r ^ Passchendaele erkämpfen, den er bereits am

a 4l ur ^ ^it in Händen hatte. Auf der gesamten! nvrigeir Angriffssront brach der engli,che Ansturm restlos und unter^unerhvrt i chweren Feind Verlusten zusammen.

upi 7 Uhr vormittags begoniienen Trommelfeuer, das - 1 i arf) crJ c ?r Cbcri und Süden ausgedehnt hatte, lolgten starte englr,che Massenangriffe gegen unsere Stellungen Poelcapelle bis einschließlich Passchendaele, sowie gegen die Hohen von Becelaere und Gheluvelt. Im erstell Ansturm gelang .^bgner, unter fortdauernd anhaltendem Trommelfeuer, Pasichendaele zu nehmen. In hin- und herwogendem erbittertem Kampfe wurde der Ort jedoch von den deutschen heldenmütigen Flanderntruppen wieder erobert. Erst ein erneuter Angriff des Gegners, zu dem er geigen Mittag ohne Rücksicht auf Menschenver- Ast? starke, frische Kräfte einsetzte, brachte den Ort wieder in seinen r Versuch, btefcit Anfangserfolg zu erweitern, schlug

sthl Nachmittags hielt bis in die-Dunkelheit hinein im Mschnitt Msfchendaele besonders hefttger Artilleiäe- und Jnfanterieangriff an, vei dem der Gegner keine weiteren Vorteile erringen konnte.

Ter feindliche Airgriff 'gegen Becelaere und Gheluvelt brach rn unsrem Abwehr- und Sperrfeuer zum größten Teile bereits vor unseren Lrnien zusammen. Wo der Gegner an wenigen Stellen emdrrngen konnte, wurde er durch wuchtige Gegenstöße wieder hin ausgeworfen. Spätere Angriffsabsichten des Gegners wurden durch unser wirksames Vernichtungsfeuer vereitelt.

Nordöstlich von Soissons nahm gleichfalls die feindliche Ar- tttlerietattgreit tagsüber zu und blieb auch nachts zeitweise beson­ders in Gegend Courtecon rege.

^ Oestlich der Maas' in Gegend des Chaume-Waldes und im Snndgau von westlich Gebweiler bis zur Schweizer Greirze war das feindliche Feuer stark und steigerte sich gegen 9lbend zu großer Heftigkeit. Im Sundgau ließ es auch nachts nicht nach. Ein grö­ßerer^ feindlicher Patrouillenvorstoß wirrde abgewiesen.

Iw Mazedonierr lebte zwischen Wardar und Dojran-See Mt- weitig das Feuer auf.

.. Vw Italien steigerte dilch bei den Verfolgungskämpfen unserer siegreich im Gebirge und in der Ebene vordringenden Truppen dauernd die Gefangenenzahl und Beute.

Der türkische Bericht.

Konstantinopel, 6. Nov. (WTB.) Amtlicher Tagesbe­richt. Syrien: Die der syrischen Mste vorgelagerte Insel Arwad .wurde wirksain unter Feuer genommen. HierÄn wurden die auf der Insel befindlichen französischen drahtlosen Telegvaphenstattonen sowie zwei Geschütze zerstört. In dem Hafen Arwad befindliche Schiffe, 5 Segler, ,ein Danipsboot und zwei 4000 Tönnendampfer umrden durch Treffer versenkt.

Srnaiftont: Jtn Gazaabsckmitt heftiges, im mittleren und am linken Abschnitt leichteres Arttlleriefcuer.

An den übrigen Fronten keine besonderen Ereignisse.

Die Lage auf öen Ursegrschauplätzen.

Berlin, 7. Nov. (WTB.) Nach dem Großkampftag am 4. Oltvber hatten die Engländer behauptet, jederc Lag den Bv-

Der Sieg in Italien.

Rom, 6. Nov. lWTB.) MÄdung der Agenzia Stefani. Mehr als 350 in Rom anwesende Abgeordnete haben einen Auf­ruf an das Land erlassen, in dem es u. a. heißt: Italiener! Die harren Kriegsereignisse haben es dem Feinde erlaubt, öen äußersten Teil des Bodens des Vaterlandes zu betteten. Vertteter der Nation! Laßt uns unseren ersten Gruß der in ihpenr historischen Vatrivtis- mus bewunderungswürdigen Bevölkerung V en e t i e n s entsenden, die so erhaben ihr unverdientes Unglücks ttägt. Mjöge jeder an di6 unheilvollen Folgerl der Entmutigung und Zwietracht denkenst Lassen wir alle Uneinigkeit. Laßt 'uns wieder mit erneuter Zuvor- ickit die Ueberlieferungen unserer Väter aufne'hmen. Rufen wstr Uns die ruhmvollen Tage 'btt nationalen Erhebung wieder ins Gedächtnis. Italien kann nicht ^besiegt werden? Es muH in der Welt eine zivilisatorische Aufgabe weiter erfüllen !

Genf, 6. Nov. (WTB.) DasJdurnal de Genöve" schreibt: Die brutale Tatsache besttht, daß die italienische Armee 2 00 00 0 Mllann verloren hat. Dies kommt ungefähr dem Kontingent gleich., das man von den ,Dereinigten Staaten von Amerika als Hilfeleistung erwartete. Dabei werden die $&erehtigtatf Staaten von Amerika diese 200 000 Mann nichjt so schnell in die Linie stellen können.Tribüne de Gönö've" erLärt, die Stunde ei für Italien sehr ernst, .aber Italien habe sich wieder gefaßt. Tie Italiener hätten jetztLa noshra guerra" beendet und 'würden! j-etzt kurz und bündig Krieg fühtren. Das Eintteffen der Engländer« lünd Frantzoftn in Italien ^habe keine andere Bckeuttmg.

Im Italienischer Heeresbericht

vom 7. November heißt es u. a.: Angesichts der Schfvievigkeitat einer Verteidigung- am Tagliamento, dessen Wasser gegen-' wärtig niedrig sind, haben wir unsere Linie nach der SH* denza zurückverlet. Unser im Norden wirksam durch unsere Tecknngsabteilungen und im Süden durch unsere Nachhuten ge­deckter Rückzug konnte sich, in guter Ordnung vollziehen. Unsere! Flieger schossen vier feindliche Flugzeuge ab. -

Wien, 7. Nov. (WTB.) Fortsetzung. Am 31. Oktober gelang es der Tvrpedoflottille, sich, der Insel San Anidrea zu beinäckttigen und dadurch den Gegner eines wichttgen Sttdtz^ pimktes zu berauben. Daraufhin wurde die energisschci TättgSeik gegeu die Taglianrentvmündung fortgesetzt.

Wien, 7. Rcov. Anläßlich der jüngsten Siege in Italien hat Kaiser Karl teu Generalobersten Frhr. v. Kvbatin zum Gene­ral feldmarschall «ernannt.

Italienischer Beirat für Cadorna.

Berlin, 8. Nov. Wie der L. M. aus Genf berichtet, wurde nach einer Pariser Blättermeldung der französische General Foch zum ersten Dettat Eadornas ernannt. General Deuch^ne befehligt das französische Hilfskorps. Auch, General Mangin soll in Italien! Verwendung erhalten.

Bilder ans Ndine.

Berlin, 6. Nov. (WTB. Nichchrmtlich.1 Als am frühes Morgeir des 28. Okttber nach der Flucht des italienischen Haupt- , guartters werttragende deutsche Flachseuergcschütze ihre schwer«^ jGranaten auf 41 di ne warfen-, brach die Panik in der- unglücklichst! Stadt aus. wo wie vor 'herernbrecklender Hochflut alles sinn- und sassungslos aus dem Ort nach Westen stürmte, diachdem die letzten italienisichen Tric'ppbn, Mck^ügler und Maradeure, bereits