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11.10.1917 Zweites Blatt
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Nr. 259 Zweiter Blatt J6Z. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Verlagen:Sletzener ZawilkenblSttrr" und Lreirblatt fftr den Kreis Gietzen".

poftfcheSronto: Zranffurt am Main Sr. Nl»8d. Vantverkehr: Sewerbedank Giehen.

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General-Anzeiger für Gberhesien

Donnerstag, Oktober \9JZ

ZwiüingSrunddruck und Verlage Brüht'fcheUniversttäts-Buch-u.St-'ludrucrerei.

R. Lang e, Gießen.

Lchristleitung. Seschastzstelle und Druckerei:

Schulstraße?. Geschäftsstelle u.Verlag: E-Wtzbl, Schriftleitung: 112.

Anschrift für Trahtnachrlchten: AnzeigerGtäßen.

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Oefientliche rkundgebung zur I. Kriegsanleihe.

Girßen, den 11. Oktober 1917. ist schioir Wer den. Wert und die Bedeutung Der rvemen Kriegsanleihe gesagt worden. Nicht oft genug kann aber davanf hrrrgeweesen werden, daß gerade der Erfolg dieser Anleihe, die als FinLnzschlacht im wahrsten Sinne des Worbes betrachtet 1 verdau innß, ausschlaggebend sein wird. In dwsfem Senne, und um Vertreter der Wissenschaft, des Becrmterrtu.ms, des DauLwIs und Gewerbes hierüber zu Worbe konrmeu zu lassen, hatte der Oberbürgermeister gestern abend in den großer: Saal des Gasthofes Fürstenhvf zu einer öffentlichen Kundgebung eingeladen. Zahlreich hatte die Bürgerschaft der Aufforderung Folge geleistet und leb­haft war das Jitteresse und der Beifall der Anwesenden zu dert Ausführiuiger: der verschiedene«: Redner. Ir: Eröff­nung der Bersmmiilung tva:lltte sich- Oberbürgermeister K e l t ex mit folgenden Wörter: an die Hörer:

Als wir am weisen Male hier versammelt waren', hat wo bl mmrcher^ geglaubt, 'die 6. Kriegsanleihe werde die letzte Kriegs­anleihe sein. Es ist anders gekommen und nUhrlbchl nicht durch unsere SchM». Trotzdem militärisch irnsere Fwrttei: dank dem oft ans Märchenhafte grenzenden HelbenMut unserer Kämpfer rvie ein eherner Wall dasteherr. m Ins über Riga hinaus vorgetragen inorden sind, trotzdem unsere wirtschaftliche .Kraft dank fleißiger Arbeit in Landwirtschaft, Industrie, Handel und Ge­werbe sowie sparsmnen Haushalts aller BolkSkreise nicht zu er­schüttern ist, trvtzdem wir finanziell viel günstiger dastchen als alle mrsere Feinde, die recht in Verlegenheit sind, wie sie neue Anleiher: unterbringen sollen, tcofebam wir unsere Bereitschaft erklärten, den uns aufgezwirngenen Krieg, der: wir zur Verteidi­gung, nicht zur Eroberimg führen, durch einer: ehrenvollen Frieden zu beendigen, trohdern also die Vernichtnngsabsicht unserer Gegner bnrte, nach mehr als dreijährigem Kampfe allenthalben als ein ^ehlschlag zu bezeichn^:: ist, trotz alledem nimmt dieses unselige Ringen seinen Fortgang So groß der Haß mW die Müt unserer Feinde, so triumphiert Wahnsinn über Vernunft, Ber- blendrmg über Einsicht bei unseren Gegnern. Also weiter in diesem nxchnsinnigen Tun: der Friede ist :ms noch nicht gegönnt: frei von Schuld, können wir es nicht ändern. Aber die dlntnwrt können, müssen und wollen wir gebe::: stark und unerschütterlich zu sein, jeben Muskel gespannt, tri(c Kräfte bis zum äußersten gestählt, iede Arbeit verdoppelt, jede Leistung vervielsackch. alles Denke:: :md Tun, alles Sinnen und Trachcher: für die einzige, große, teilige Sache, das deutsche Baterlmw! Liebe Mitbürger, es ist eirt_ zoahres Glück, daß wir in der Heüniat diesen Wille:: und diese Kraft ab und zu bei unseren Kriegsarlleihen sichtbarlich be­kunde:: können. Das wirkt aus unsere Feinde wie ein deutscher Sieg aus dem Schlachtfelde: denn je länger je mehr ist dieser Krieg auch W einem Messen der wirtschaftlichen und finanziellen Ktäfte gemmden. und bei dieser Mobilmachung des Geldes muß die letzte, rttifäi&enöe, den Frieden bringeitte Milliarde die deutsche Mil­liarde sein. Das wirkt auf unsere Kämpfer draußen wie eine Reservearmee. die zu ihrer Unterstützung heranrückt: denn sie er­kennen daraus, daß die .Heinrat der Front die Treue hält, daß auch die Heimarmee ihre MehrMichit erfüllt, so Mutig, so ausdauernd, w opferwillig )vie die Front. Das wirk: auch a::s die Lauen und Mauen bei uns rvie eine öffentliche Brandmarkmrg; deirn ivenn diroch hoffnungsvolle Zuversicht ein MilliaSdeuergebnis zu­stande kommt, so mich Schamröte ihnen bis zum Stirnwand steigen, wenn sie ihr verfügbares Geld statt wie anidere es dem Baterlande zu leihen, in Kisten und Kasten, in Schränker: und Strümpfen verborgen gehalten habe::. Darum, den Feinden zur Wehr, den Kämpfern draußen zur Ehr, den Miesmacher:: zur Lehr': heraus mit dem GeDe aus den Altar des Vaterlandes für die 7. Kriegs­anleihe. Es ist kein Opfer und nicht riskiert, es ist nichts rveiter als Wlycht und Schuvdigkeit. Pflicht und Schuldigkeit auch noch aus einem anderen Grunde. Bei der Aussichtslosigkeit, uns militärisch, wirtschaftlich oder finanziell vernichte:: zu können, unsere Fesitte einen neuen Plan, uns niederzicringen, er- Ern wunderlicher Mann, einer der größten Heuchler der Schichte, der Präsident von Amerika, Wilson, hat ver­nehmlich ihn verlarttbart. Die Drachensaal der Zwietracht will mau säen zwischen dem deutschen Volk :mb dem Deutschen Kaiser, ivill dem deutscher: Volke unter dem Scheine der Menschenliebe v« Freiheit bringen und Einrichtungen aufzwingen, die letzten Endes Unr dazu di-en-en sollen, das deutsche Volk zu zersplittern und zum Spielball des Auslandes werden zu lassen. Auch, hierauf tvollen mir eine einnrütigc und deutliche Arrtwort geben: die inneren Freiheiten von der Gnade der Kriegshetzer Llotzd George, Pom care, Wilson und ihrer Hintermänner verbitten wir uns. Den Weg zur inneren Freiheit, zur Teilnahme am Staat, zu größerer Sclbst- verwalttrng, den bahnen wir uns selbst: und nicht bloß zur Freiheit im Innern, auch und erst recht zur Freiheit irach außen, zur Freiheit der Meere, des Handels, der wirtschaftlichen Betätigung, mm Atemvaum in der Welt, kurz, zu jeder Lebensmöglichkeit. Von unserem Kaiser aber, dem Friedenskaiser, kann uns keine Macht der Erde scheiden, wir halten ihm die deutsche Treue in Glück mtb Sonnenschein wie in Sturm und Wetter, in guten wie in bösen Dagen, :urch den: Spruche: Treue um Treue. Alle Versuche, uns wankend zr: machen in der Treue und Liebe zu Kaiser und Reich wollen wir erwidern durch herzhafte, aller Welt ver- nehmbare Tat, indem wir dem .Kaiser und dem. Reiche geben, was des Kaisers mrd des Reiches ist, den letzten Groschen für Kaiser und Reich Deirn, wenn junals, so ist in diesem Welt­gewitter uns klar geworden, daß der Einzelne heute nichts mehr bedeutet, daß jeder Einzelne mit seürer Arbeit und Kraft, seinem Leben und Gut «nur dem großen Gm^en <u:gehört, daß ivir nur in «und rnit dem großen Ganzen uirser Sein und Haben bewahren und ans diesem Völkerkriege retten können. Auch das ist uns deutlich geworden, unfc wir wollen uns 'heute abend recht daraus besinnen, daß eine ungeheuer große VeraNttvortung aus unsere Schultern gckat ist: die Bevanttvortung für das Schicksal des deutschen Volkes auf'lange Zeit, vielleicht für immer. Darum hallen wir aus, so ,tvem so fest, so einig wie wir nur können, ein jeder an seiner! SbeÜr, ein jeder im Dienste urrseves Volkes und irnseres Vater landes. Jedes Versagen würde den Krieg vertäu gern, uns die vollen Früchte des mit kostbaren: Blute BehaMtkten und Er mngenen verkümmern und viel mehr Leiden bringe:: als alle Schnecken des Krieges. Die Zukunft des deutschen Volkes ist in unsere Hand gelegt. W*hlon. tvir wollen sie gestalten: ein blühen­des glückliches Deutsckies Reich, gesichert und stolz nach außen, einig und frei im Innern, ein Deutschland der Wohlfahrt und Ge sittmrg, ein Deutschland der Arbeit 'und Kraft. Dafür kmnpfen ivir, dafür halben wir aus, dafür zeichnen wir Kriegsanleihe!

Sodann ergriff LandtagsaL geordneter G r ü n e w a l d das Wort und führte n. a. a::s: Am 28. August 1914, als unser ge­samtes Wirtschaftsleben erst langsam begann, sich von der Panik M erholen, in die der Krieg es versetzt hatte, durfte ich die Ueber- zengung aussprechen, daß es sich einrichten werde auf de:: .Krieg, dch Deutschland zwar wie eine Insel abgeschlossen sein, daß es aber ans sich die Kraft sirrden:vird, alle Schwierigkeilen zu über zdauern, daß Arbeitslosigkeit nicht cintreten alle .Kräfte vielmehr mieva^ezogen werben müßten zur Bekämpfung des Feindes und zur Aufrechterhalturrg des tvrrtschaftlichen Lebens. Ich ermahitte damals die hiesige Industrie, nickst stille zu stehen, sonder:: mit aller Kvast aus Vorrat ui arbeiten. Ich habe am 17. April d. Js. die Ächerz6US«ng au^ge-»»chen, daß mit Wer G. Äftea&mkibe das

fünfte Tutzerrd der Milliarden voll werde, nachdem die 5 ersten Kriegsanleihen 47 Milliarden erbracht hättem Diese Neberzeugung wurde irrcht :ruc bestätigt, sorwern wurde durch die Ereignisse libertrossen und heute propheUwe ich, daß 3 / 4 Hundert Milliarde:: erreicht werden mit Einschluß der 7. Kriegsanleihe

Ich habe ferner die Behauptung aufgestellt, daß wir einer guten Ernte entgegensehcn, imb der Erfolg hat mir recht ge- gsben. Zwar ist die Mrnerernte wcht ganz nach Wunsch aus­gefallen, aber sie hat eine glückliche Ergänzung erfahren durch die Erträgisisse RumäurenL Heber alle Erwartungen gut ist die Ksirtofseleritte ausgefallen und ebenso die Ernte an Obst. Ten Leistimgeu der deutsck)ei: Landwirtschaft muß volle Anerkennung nn: so mehr gezollt iverden, als sie mit unzureicherwen Arbeits­kräften an Menschen und Tieren mrd mit vermircherten Dünge­mitteln diese glänzende Ernte erzielt hat.

_ lieber das Teckmische der 7. Kriegsmrleihe karu: ich mich kurz äußern: Es harwelt sich wieder um zwei Arte:: des Papiers, 5 Prozent Kriegsmüeihe zum Ki:rse von 98 und 4^2 Prozent aus­lösbare Reichsschatzanweisungen. Läßt man die SchilldVerschrei­bungen ms Samldbuch erntrvgen, so ermäßigt sich der Preis um 20 P. sür je 100 Mk. Nennwert. Tie Verzinsung ist etwas höher als 5 Prozent. Die Sck?atzanweifungen werden nach einen: Til- gui:gsplane ausgeloft, der sich spätestens in 50 Jahren ab­wickelt. Bereits vom Jahre 1918 ab erfolgt die Auslosmrg, zufolge

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welcher die Stücke mit 110 Prozent zurückgezahlt werden. Vor dem Juli 1927 ist Kündigung seitens des Reiches nicht zulässig. Wird gekündigt, so hat der Inhaber das Wahlrecht, enttoeder 4prozentige Schatzanweisungen oder den Nennwert zu fordern, die bei der ferneren Auslosung mit 115 für je 100 Mk. Mnnwert zurück gezahlt werden.

10 Jahre nach der ersten Klündigung ist iwch einmal eure Kündigung seiterrs des Reichs möglich, die den Inhaber berech­tigt. statt der baren Mickzahlung zum Nennwert Zsispro-zenüge, aber mit 120 Mk. rückzahlbare Säwtzanweisungen zu verlangen. Tie Aussicht auf Auslosungsgttvinu wächst also und zwar in höhe­rem Maße als die Hevabsetzm^ des Zinsfußes. Jeder Zeichner neuer, Isi^prozenttger Schatzanweisungen kann daneben Schuld- r-erfchreibungen oder Schatzcmweisimqen der früheren Kriegsan­leihe:: Umtauschen, und zwar jeweils das Doppelte des neuest Zeichnungsbetrages. Meine früheren Bemerkungen über die Verwertlwrkeit des Papieres haben eine wichtige Bestätigung ge­stochen durch die Mitteilung des^ Reichsibäirkpräsidenten Haven- stein, daß große und wirksame Vorkehrungen getrosten werden gegen die Ueberfüllung des Marktes mit Kistegsanleihen. auch it-nm Verkäufer an Kriegsanleihen kommen, die nach Milliarden zählen, so findet eine Aufnahme derselbe:: seitens der Reichsbank in: Einvernehmen mit der gefamten Bankwelt statt, so daß eine Minderung des Kurswertes der Kriegsanleihen nicht zu befürchten ist. (Jrrterventionssyndikat.) Ich glaube sogar, daß die Kriegsan­leihen später sehr gesucht sein werden.

Daß eine SönderstÄler aus die Kriegsanleihen eingeführt wird, ist stuf das Bestimmteste vm: der Regier:o:g verneint worden. Eine .Herabsetzung deS Zinssilßes kann, ttric wiederholt festgestellt, nicht stattsinden, da der Anleiheverttag mit den Bestimmungen über Verzinsung u:ch Rückzahlung Reckstswirkunge:: zwisck>en dem Reiche :o:d den Anleihezerchnern erzerrgt, die einseitig n:cht ge­ändert werden können.

Bedeutsamer ist immer noch die Behandlung der Frage, ob das Papier genügende Sicherheit bietet, und ich weise auch jetzt wieder darauf hin, daß die Kriegsanleihen nründelsicher- sind und daß der Staat vermöge feiner Stenersouveränität in der Lage ist, das gesamte Eigerrtum be6 9teiches und aller Staatsbürger heranzuziel)-en zur Deckung der Zinsen und Amorti­sation. Ter Staat gewährt de:: Zeichner:: erststellige Gesamt­hypothek auf das gesamte Reichsvermögen. Das Dvlksver- mögen wftd beziffert ans 875 Milliarden, das jährliche Einkom- nven auf 43 Milliarden, der Jahres vermöge::szwoachs auf 10 Mil­liarden. Auf den Kopf der Bevölkerung entfällt in Deutschland ein Spar8assmgutlüben vow.272,2 Mk., in Frankreich ein solches von 113,4 Mt., in England ein solches von 106,2 Mk. Die Ein­lage:: bei den Banken betragen gegen das letzttarrfendie Jahr mehr als das Doppelte, der Stand der Reichsbank ist ein vorzüglicher, der Eoldzusluß wächst immer noch in steigendem Maße. Tie deutsche W-ieMachnhe fort üfo-m ich fo va ü ckrr s durch alle SStffcfe

fälle und Fährnisse des Krieges pollbehalten, während die erste errglische von 95 auf 84, die zweite, die zu 100 aufgelegt war, auf 91 gefallen ist.

Vergleickst man die Airleihekurse Deutschlands und seiner Geg­ner, so ergibt sich, daß die Zprozenttge Deutt'che Reichsanleihei von 76,20 wälzrend des.Krieges gefallen ist auf 66, die ftanzösische Goldrente von 83,05 aus 61, die englischen Kvnsols von 73,25 auf 55,25; das deutsche Papier hat sich also am besten behauptet.^

Jmm/er wieder Muß ich entgegeittreten der Ansicht, dcHß bei Zerchnjung der .Kriegsanleihe es sich um ein Opfer handelt. Ich muß ferner wiederhole::, daß eine Verärgerung über die po­litischen Verhältnisse oder irgendeine Erscheinung unseres wrrt- sckxlfllichen Lebens kein Grund ist, der Beteiligung an der Kriegs­anleihe sich zu entziehen. Ich ärgere mich jeden Dag, sei es über die .Kriegsvevordnungen und deren manchmal rigorose Handhabung, se: es über das Parteigezmrk in: Deu1sck>en Lande, sei es über bäi Reichstag, der immer :rur ein paar Tage zusammentritt und dann wieder^ auseinderläuft, ohne den wichtigste:: Dinge::, den Ge­schehnisse:: bes Wirtschaftslebens, der Dätigteit der Kriegsgesell-- schaften, der Frage, wohin die großen Gelder kommen, die diese Kriegsgesellschaften erzielen, seine Aufmerksamkeit und seine Kvw- wolle M widmen; aber i ch ärgere mich und zeichne Kriegsanleihe.

Wichttg ist für die Burteilung der Sicherheit der Kriegsan­leihen die wirtschaftliche. Lage des Deutschen Rei­ches. Die gegenwärttge Lage zeigt regstes Leben aller arbeits­fähigen Personen. Was früher deutsche Manneskraft geleistet hat, vollbringen in der Landwirtschaft Mütter, Frauen, Kinder und Greise: am Feuer der Esse schmieden Männer, Frauen und Mäd­chen die Waffen für daS Heer. Reicher Verdienst lohnt die Arbett. Zu der hohen Belastung des Reiches, insbesondere mit der VerMn- siung der Kistegsanleihen und der Heimzahlungspflicht, ist zu be­merken, daß Deutschland weit günstiger dasteht als die anderen Staaten, die vom Auslände geborgt haben. Tort sind es ja ftan- zösstche, japanische, mnerikanisck)e, englische Geldquellen, aus denen man geschöpft hat und denen man verpflichtet ist, dort geht das Geld, Zinsen und Ainorttsation i\x§> Ausland. Dort sind's fremde Glärrbiger das Deutsche Reich ist nur seinen Bürgern, seinen Volksgenossen verpflichtet, und was es an sie zahlt an Zinsen und Rückerstattunge::, das bleibt im Linde, geht von Hand zu Hand, wirkt werbend und fruchtbar.

Das ist der große Vorteil der Mschließnng des Deutschen Reiches, daß es ztvar nickst viel hereinbekam, daß aber auch kein Geld hin- crus strömte. Das deutsche Wirtschaftsleben wird nach dem Kriege zunächst und auf J-ahre hinarcs reichliche Beschäftigung ftnden im Inland. Vieles ist zerstört, alles ist abgebraucht, Reparaturen! und Nenanlagen, welche Gegenstände inan auch betrachten will, sind nottvendig. Der Sck-istsbcru, der Kvble::- mrd Erz-Bergbau, die Aöaschiuen- und 'die Eisenbal-nrnateri.aliei:, alles dies wird reich­lich Arbeit bringen. (

Was aber am wichttgsben ist, ist dies: Der .Krieg hat sich als der größte Lehrmeister erwiesen Und es hat sich das Wort des Dichters'bewahrheitet: ,JmKriege selber ist das letzte nicht der Krieg."

Die Not kehrt :richt nur beten, sie hat auch arbeiten gelehrt, sie hat erfinderisch gemacht.

Der Redner führte im einzelnen weiterhin aus, wie die deutsche Industrie durch Erfindung und Verbesserungen sich geholfen und der Absperrurkg von außen her $u begegnen gewußt habe.

In der Landwirtschaft gehe:: große Umwälzunge:: vor sich. Erst in diesen Tagen hat ein Gelehrter in Breslau ^sgespwchen, daß der Mshrertvay durch die Sttckstostdünguny in Zukunft ganz außermdeittüch sein werde.

Ich habe früher schon darauf hingewiesen, daß die deutsche Hüttenindustrie sich eingerichtet habe, ohne den Bezug aus- ländischer Erze auszukommen, und daß im ganzen Deutschen Reiche alte Erzbergwerke wieder in sthngrist genommen, neue ausge^> schlossen wMÄen si:rd, so daß in Ankunft die Millionen und Milliar­den, die ins Ausland bezahlt werden mußten, der deutschen Volks­wirtschaft erhalten werden können. Nimart mim zu der Veredlung nnsever Jivdustrie, wie sie der Krieg gezeittgt hat, hinzu, daß das t l.'utsche Volk auch spfrren gelernt hat, so leuchtet es ein, daß unsere wirtschaftlickien Verhältnisse nach dem Kriege eine ungo-j heure Besserung erfahren werden. ,

Von der allergrößten Bedeutung für die Zukunft unserer Wirtschaft :md die V e r t r ä g e , ^die wir beim Friedensschluß imb nach den:selben schließen müssen >Mit unseren Verbündeten, mit den neutralen Völkern Md mit unseren gegenwärtigen! Gegnern. Die Wiedcr'herstellung des Handelsmarktes, die Wiedererlangm:g des Auslandes als Käufer unserer^ Pro­dukte ist ausschlaggebend für die DurchsÄhrnng unseres Eristenz- kampfes. Die bestien Köpfe der Nation, Sachverständige aus allen Bvamtfen müssen hin zu gezogen werden, wenn es sich um die Vor­bereitung und den Abschluß dieser Verträge handelt, und beim tJstiederrsschluß sind Bedingungen zU setzen, die die Msperrrmg des dQttscken Handels vom Ausland vethsitdern. Schon hieraus ergibt sichj, daß der Friede, den tmr schließen, ein Berständigungs- friede sein Muß, wie denn überhaupt der Begriff Friede eine Verständigung voraussetzt: ein Vergleich im Prozeß, ein Friedensabkommen unter de:: ^Völkern setzt voraus, daß dir Parteien sich verstiändigen. Daß ß)ie deutsche stöaticm die B»> dingnngen, die sie wünscht, erzwinge, dqß sie ihren 26 oder jetzt 29 Gegnern den Fuß auf'den Stacken setzt und sie nötige Mr Llbtre- tung von Ländern, zur Gewährung von Erttschädigung, das ifÄ unmöglich'!. W'Are es aber auch zu erzielen, so lvürde nach nur ganz kurzer Zeit die Gegnerschaft von neuem über das Deutsche Reich shersalben. Ich billige die Friedenspolitik deck Regierung, die ich so verstehe, daß den gegnerischen Völkern durch wiederholte Er- klürmigen die Friedensbereitschaft des deustchen Volkes deutlich vor Augen geführt wird und daßin die Seele dieser Völker die Erkenntnis geleitet wird, daß das deutsch: Volk eivrstlich zum Frieden bereit sei. Und ich verstehe die Polittk der Regierung weiter dahin, daß neben der Erllärun^ der Friedensbereitsck-aft, die selbstverständlich von den Gegnern als Schwäch gedeutet rvird, kriegerische Akttonen von größter Energie und schwerster Stärke einhergehen; im Sinne dieser psychvl o g i schen Ei n wi r knn g auf die ftemder: Völker wird der Erfolg der diesmaligen Kriegsanleihe von besoiwerer Be­deutung sein, er wird wie ein Fanal aufleuchtend den Völkern! klar machen die finanzielle >ll n e r s ch ö p f l i ch k e: t de- Deutschen Reiches?

Ich kann nicht glauben, daß emstlich jemand die Annektwn des pemden Landes wünschst, auch nicht die von Belgien. Ich versiehe unter Annektior: die s?lüfli>eb:lng der Hoheit und der Selbständigkeit des fremden Staates, tvährend ich nicht banmter verstehe, daß einzelne Landesteüe ztum Zwecke wirstckxlstlicher oder in: Sinne der Landesverteidigung notwendiger Sicherung abgc- treten, ausgetauscht, im Wege der Berstärwigung überlassen lverden. Bezüglich de:- Stveittgkeiten im Jünern habe ich, in der vorrgenj iBersammlmrg die Arrsicht ausgesprvck-e::, daß es besser sei, alle inneren Refornren zurückzustellen bis nach Beendigmrg des .Krieges, nickft »veil ichl sie :richt wünsche, sondern weil ich sie auf breitester sGru:rdlage ulrd unter Mitarbeit imserer hein:kehre::den Krieger wünsche. Ich bin der Ueberzeugung, daß sie von selbst kommen, Ibafr die großen Ausgaben, die das d«ltsch<e Volk zu erfüllen bat. :rur erfüllt toerden können, wenn jeder einzelne Bürget! sich, eft:s fühlt mit dem Staate, den Staat als seine, Veranstaltung empftüdet, wem: alle Lkräfve, die im