Vr. 255
Erstes Blatt
|6T. Jahrgang
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Mittwoch, 31. Oktober IW
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(WTB.) Großes Hlruptguartler. 30. Oktober.
(Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Krönprinz Nupp recht.
In F l a n d e rn war die A^illerietütiHkcit im AhMntt von Bixschoote nnt kurzen Unterbrechungen lebhaft.
Zwischen dem Hmtthoulster Walde und dein Kanal von Aren in—Ypern erreichte der Feuerkampf gestern zeitweilig xrM Stärke. Gr btieb auch nachts heftig nutz hat sich heute morgen znm Trsmmelftiter gesteigert.
5)eeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Beiderseits vv« B ra ye und am E tze m i n d e s D ä = mes fafcten die Franzosen gegen abend ihr Feuer zu kräftiger Wirkung zustmmren. Nach vorübergehendem Nachlassen
fick die Artilirrietmrkung nach Tageeaichrrxh dsrl wieder verstärkt.
Auch in anderen Teilen der Westfront war der Einsatz dir Artillerien grösser als in den letzten Tagen.
Auf dem rechten Maasufer brechen bewährte Kampftruppen nmh wirksamer Fenervorbereitung in die feindlichen Stellungen ^wrdrmstlich von Bezonvaux ein. Die etwa 1200 Meter Breite eroberten Gräben wurden gegen vier bis in die Nacht wiederholte Angriffe starker französischer Kräfte gehalten. Mehr als 200 Gefangene und eingebracht worden. Der Feind hat schwere blutige Verluste erlitten.
*
Brr den anderen Armeen riefen eigene und feindliche Erkwdttngsvorstötze mehrfach lebhafte Artillerietätigleit
hervor. *
Auf dem #
Oestlichen Kriegsschauplätze
und an der
Mazedonischen Front keine größeren KampshaLdlangen.
Italienische Fro nt.
Ud i n e ist von den verbündeten Truppen der 14. Armee 6enommen ! Der bisherige Sitz der italienischen obersten Heeresleitüng ist somit am 6. Tage der erfolgreichen Operationen in unsere Hand gefallen.
Unaufhaltsam, keine Anstrengungen achtend, drangen unsere Divisionen der Ebene, dem Laufe des Tagliamento, zu.
An den wenigen Übergängen des durch die Regengüsse hochemgeschwollenen Flusses vollzog sich der Rückzug des geschlagenen feindlichen Heeres.
' Die aus Kärnten vorgehenden Truppen haben auf der ganzen Front venetiattischen Boden betre- len und sind im Vorwärtsdringen gegen den Oberlauf des Tagliamento.
Der Erste Generalquartiermeister Ludendorff.
*
Der Aberidbericht.
Berlin, 30. Okt., abends. (WTV. Amtlich.)
Dem Trommelfeuer auf dem Schlachtfeld in Flandern folgten starke englische Angriffe beiPasschen- daele. Das Dorf ging verloren-, kraftvoller Gegenangriff warf den Feind wieder hinaus.
Bei Ghcluvelv brachen stütz und nachmittags Angriff der Engländer blutig zusammen.
Auf Cheml.n des DLmes und auf dein Ostustr der A«s lebhafter Artilleriekampf.
Im Osten nichts Wichtiges.
In I ta l i e n geht es vorwärts.
nrmr e§ gelben lasserr, dcarn es homdtzkbe sich dabei inn iir^ jprüngtiche Menschenrechte. Sein Lehrgebäude blieb der- besserungsbedü-rftig, aber fern Geist Und Wesen war be- Lebend teie die Sonne, die wirkt und schafft, auch wenn sie hinter Wolken geht oder der Winter ihr Begleiter ist. Uhland fand das schone Mort dafür: „O Strahl des Lichts, du dringest hinab in rede Gruft — o Geist der Welt, du ringest hinauf in Licht -und Luft!"
Fern M es uns. Andersdenkende, Andersgläubige heute M verletzen «oder zu kränken. Sie mögen behalten, was sie für richtig und gut halten. 2!ber der Geist der rechten Freiheit, der uns das Volks- und Staatsleben erneuert, der uns die herrlichsten Kräfte des Deutschtums erweckt hat, ochre den unsere 'größten deutschen Männer, Dichter Und D«rker undenWar wärerr, der gehit zurück an die Tür der Wittenbarg-er Schloßkirche, von der er ausgegangen ist. Furchtlosigkeit rmd Tatkraft haben chn damals geleitet. Und wenn wir die Erinnerung an diese große Zeit im Sturm des Weltkrieges begehen, so wird uns das Herz warm beim Gedenken Luthers, des deutschesten Mannes! Was hat er für unsere-Sprache geleistet, wie war er einReformatoranch des d e u t sch e n Volkslebens! Zurück zu ihm, wenn wir Trost und Zuversicht in schweren Zeiten brauchen! Ein seltsames Spiel der Geschichte will es, daß an dem Errnnerungstag der Wittenberger Tat dam deutschen Volk im Weltkriege ein neuer Führer, ein neuer Kanzler, bestellt werden soll, und daß nns dafür der Name eines Mannes genannt wird, für den Luther nicht als der große Segen- und Krastspender gilt! Es ist darum beim größten Teil der Deutschen keine rechte Freude über die Absicht dieser Ernennung, die ja noch nicht vollzogen und in letzter Stunde wieder in Zweifel gestellt ist. Auch die Mehrheitsparteien zaudern. Wir halten es diesmal mit dem „Vorwärts", der einer etwaigen Kanzlerschaft des Grafen Hertling achtungsvolle Gegnerschaft entgegenbringt. Denn wir wissen, daß der Graf auf die Dauer doch nur ein Programm verfolgen kann, das von dem Geiste des Zentrums getränkt ist, einer politischen Partei, die Glaube und Politik miteinander vermengt. Luthergeist möge uns führen, Lutherwille, Lutherkraft!
fvsrrx* «KOTeot
Irr eilte sturmbewegte, gärende Zeit klingen aus einer Entfernung von 400 Jahren die Glöcklein der Neforination hinein. Da will uns seltsam zuMrto sein. Das war ein harter, schwerer Kampf, den Luther ausgenommen hatte. Fast so schwer, wie der Kampf, den Deutschland gegen so viele Feir.de aufnehmen mußte. Der Sieg ist ihm geblieben: fein Ziel, Fveiheit des Glaubens und Gewissens, hat ihm wobl so leuchtend vorgeschwebt wie unserem Volke heute die Freiheit der Meere, die Abschütteilung eines unerträglichen «gnurtischen Druckes. Luthers Anftveten folgten Kämpfe, die Jahrzehnte ausfülÄen, ja, die sich bis in die heutige Zeit forffetzten, und ein rechter Verständigungsfriede ist bis aus diesen Tag nicht erreicht worden: Wir haben die ^AaubenLspaltung behalten. Mer einen unermeßlichen Gewinn schließt das Wort Reformation ein. Wir können uns schwer eine.Vorstellung davon machen, wie die „Witten- bevschche Nachtigall" auf die Gemüter ihrer Zeit gewirkt habe,r muß, welche Quellen, von Lebenskraft und -freuve der dtmali^en Menschheit erschlossen wurden, wir ahnen es, weil wir wissen und fühlen, daß das, was Luther uns gebrüht Hai:, uns fo unentbehrlich geworden ist wie Licht Und Sr war ewt rechter Eroberer, und bei ihm durfte
Der Ssterrelchisch-ungarische Tagesbericht.
Wien, 30. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlantb-srt:
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die durch die zwölfte Jsonzoschlacht geschaffene Lage wirkt bis in das Gelände westlich vom Dagliayiento zurück, wo die Kärntner Armee des Generalobersten Frcitzerrn vonKrobatin, jeden Widerstand überwindend, auf vcne- trmrijichmn Boden rasch südlich und w e st l i ch Raum gewinnt. Die Streitkräfde des Gmerals der Infanterie Alfred Kraus lMen schon am 28. Oktober mittags die erste Bresche m das weit ausladende befestigte Lager vom G emo na geschlagen, indem sich das tapfere steierische Schützenregiment Nr. 28 durch Handstreich des Panzerwerkes auf dem Monte Lanza bemächtigte. Das entscheidende Vorgehen der verbündeten Truppeii des Generals von Below ist durch den Gewinn von Udine gekrönt worden. Weiter südlich wälzen sich gedrängt durch unsere im Küstenland vorgetzcnden Armeen, die regellosen Massen desge'chlagenen Feindes gegen den hochgehenden imteren Tagliamento zurück. Der Raum hinter den Fronten der Verbündeten erhält durch lange Ge- fangenenzüge und durch die Kriegsbeute vielfach das Aus- ! fetze» eines italienischen Heerlagers.
Oestl ich er Kriegsschauplatz und Albanien.
Nichts zu melden.
Der Chef des Generalftabes.
Die Verfolgung in Italien und die neuen «ämpse im Westen.
Berlin, 30. Okt. (WTB.) Das geschlagene italienische Jsonzv-Heer wälzt sich in wilder Flucht auf allen Straßen dem Sumpfgebiet des Daglra- mento zu. Der Mrckz.ua wird erschwert durch den Strom der flüchtenden Zivilbevölkerung, die mit vollem Entsetz-en westwärts zieht und mit Hab und Gut die durch den Gewitterregen, anfgewcichten Straßen bedeckt. Bereits drängt sich an den wenigen Uebergängen über den verästelten. Fluß der Strom flüchtiger .Heeresteile und Landesein- lviohner znsannnen. Die wichtibe Stadt Ndine, der bisherige Zeutralpunkt der italienischen Heeresleitung und der Bersorgnng der Jsonzo-Armee, liegt schon bald rm Rücken der siegreichen und nngestürn vorgehenden - Verbündete n. Alüb an der Kärntner Front gibt der Femd dem konzentrischen Druck nach und weicht in der Richtung auf den Obmlauf des Taglicrmeirto, von unseren Diviswnen verfolgt.
Die italienische Presse sucht weiterhin ban Bolkedie Kata- s^vophe zu verheimlichen und spricht von «einen Vorteilen
der Verbündeten, die in keiner Weise die starke italienische Verteidigung erschüttert hätten.
Auf dem Großkampfselde in Flandern hielt beidw- serts Dixmuiden das gesteigerte feindliche Feuer an. Längs der Mer-Front verschärfte sich die PatronÄlentätigkeit dos Gegners. Mehrere^ englisch-belgische Gvoßpatronillen tvUr- den südlich Dixmniden zum Teil im Nahkmnpf abgewiesen. Auch zwischeir Blankaartsee und Ghelnvelt nahm das Feuer in den Morgenstunden in mehreren Abschnitten zeitweise große Heftigkeit an. Südöstlich ZooiEbeke warfen im Voi> gelände eigene Patrouillen starke feindliche Grknndrrngs- abteilnngen zurück. In Gegend Dirmuiden wie zwischen Blankaartsee und Kanal bei Hollebeke hielt das Feuer nachts Über mit großer Stärke an und steigerte sich tun 7 Uhr morgens vom Ostrand des Honthoulsber Waldes bis zum Kanal von Hollebeke zum Trommelfeuer. Unsere Flieger bewarfen in der Nacht vom 29. $imi 30. Oktober feindliche Munitionslager an der Bahn Apern—St Omer und Mmn- tionsdepots hinter der feindlichen Front aus-giebig mit Bomben. Weiter südlich hat sich auch im Artois und in der Gegend St. Quentin das feindliche Artillerie- und Minenfeuer erheblich verstärkt. Englische Großpatrouillen wurden verlustreich für den Gegner abgewiesen, eigene Patrouillen kehrten mijt Beute zurück. '<
An der Aisne-Front beiderseits von Bratze blieb auch in den Frühstunden des 29. Oktober das feindlick)« Störungsfeuer kräftig und verstärkte sich im Laufe des Bormittags besonders in Gegend Neuville und nördlich Hurtebise zu größerer Heftigkeit. Mit kurzen Urrterbrechuw gen auch nachts anhaltend, hat es seit 4 Uhr morgens heute mit erneuter Kraft eingesetzt. Die Gegend der Kathedrale von Laon erhielt feindliche Treffer. Bei lebhafterem Feuer auch aus dem Westteil der Front drangen östlich der Maas unsere Strrrmtrnppen am Vauxkreu^ in 1200 Meter Breite in die feindliche Stellung ein und hielten sie gegen vier feindliche Angriffe. Ueber 200 Mann und 2 Offizier' wurden als Gefangene eingebracht.
Der Schlag gegen Italien.
Italienischer HeereStzertcht
vom 28. Oktober.
(llebermittluUg verzögert.) Tie Heftigkeit des Angriffs und der imgmögende Widerstand einiger Wteklirngen der z'Veitcn Armee gestatteten den österreisiftsthdentschen Kräften, lmseren linken Flügel an der julifcherr Front zu durchbrechen. Ten tapferen Lln- ltzrengungen der anderen Truppen gelang es nicht, den Gegner zu hindern, ans dem heiligen Boden des Vaterlandes vorzndrmgen. Tie Magazine und Depots in den geräumten Gegenden wurden, zerstört. Tie Tapferkeit, die unsere Truppen im Verlaufe vieler denkwürdiger Schlachten zweieinhalb.Jahre hindurch bewiesen lmt, gibt dem Ob'edkoimrmrndo jdie Sicherheit, daß auch! diesmal die Armee, der Ghve ilmd Heil Lvs Vaterlandes innvertraut sind, ihre Pflicht zu tu!n wissen wird.
vom 29. Oktober. Die vom Oberkontmxmdv ungeordneten Bewegim- gen nehmen einen normalen Verlauf. Die Truppen, die dcanftragb sind, sich dem Feinde entgegenziustelleir, erWlen ihre Pflicht, indem sie den Einfall der feindlichen Kräfte in die Ebenc^vcrlangsmnen,
Ein Tagesbefehl des Kaisers Karl.
Wien, 30. -Okt. (WTB.) Ter Kaiser hat nachstehenden Armeebefehl erlassen:
In harten Kämpfen errangen meine braven Truppen, vereinigt mit den tapferen Verbündeten, in wenigen Tagen glänzende Erfolge. Freudig bewegt sage ich allen für ihr zielbewußtes heldenmütiges Verhalten in schweren Kämpfen mcineir wärmsten Dank und spreche allen Führern, allen Kommmrdanten urä) allen Truppen meine vollste Anerkennung aus. Mit Gottes Hilfe weiter
Ansprache im österreichischen Herrenhause.
Wien, 30.Okt. (WTB.) Der Präsident des Herren*« Hauses eröfsnete l?eute die Sitzung des Hauses mit der folgendes Mitteilung:
Hohes Haus! Durste ich in der gestrigen Sitzimg die Wiedergewinnung der heimatlichen Landstriche dem hohen Hanse nrit- teilen, so bin ich heitte in der glücklichen Lage, ent? Grund einen mir UilTekommenen authentischen Mitteilung dem Herrenhause zu verkünden, daß Udine genommen ist. lLebhaster Beifall. Hälwe- klatschlen, Hochirufe.) Eine der größten Wtionen des Weltkrieges ist im vollen Zuge. Wir Oesterreicher dürfen aber nicht vergessen, daß sie nicht möglich gewesen wäre, wenn unsere Helden cot der Südwestftont nicht standhaft Abwehr gehalten hätten gegen den Feind, der sich das Ende des Krieges nicht ohne Aimepionen und Kompensationen dachte. (Lebhafter, langanhaltender Beifall und Händellatsäien.)
Der Einzug in Görz.
Görz. 30. Okt. (WTB Nichtamtl.) Der Kaiser ist hen^ in des ivieder befreite Görz eingeziogen. Der Gegner lMt die Stadt zuni größten Teil zerstört und geplüitdert und die Bevölkerung verschleppt.
Die englische Presse.
Amsterdam, 30. Okt. (WTB.),Tie „Times" schreibt zur Offensive gegen Italien: Italien darf nicht das Schkckssl Rumäniens und Serbiens teilen! Tic „Morning Post" spricht von dem Achttlngserfolge Teutschlands. „Daily C h r o n i c l e" entartet noch viel von der Ueberzahl Italiens und warnt vor ickvr- cllter Schwarzseherei.
Eine Aeußernn- de- „Temp-".
Paris, 30. Okt. (WTB.) Meldamg der Agence Havas. Bei Besprechung ber Ereignisse an der italienischen Frmtt schreibt der „Temps": Die Truppen der Alliierten werden dvr iiatts»i- fcf>eit Arnree ifyrc Uittersttitzung gewähren. Diese nürd am Dagkia* menw eine Widerstandslrnic finde::, wo nran hoffen kann, die Lage sich wieder Herstellen zu sehen, rvie die unsrige an der Marne. Wir glauben, daß die Lage südlich der Alpen weit davon entfernt ist, verzweifelt zu sein.


