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30/10/1917 Erstes Blatt
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Erstes

Blatt

167 . Jahrgang

Dienstag. 30 . Oktober

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Zusammensturz der ganzen italienischen Jsonzofront.

(DTB.) Grobes Hauptquartier. 29. Oktober. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Nupprecht.

Dunst und Nebel schränkten ln F l a n d e r n die Kanlps- tätigkeit ein. Trotzoem war längs der Yfer das Feuer leb­haft. erreichte besolrders bei Dixmuiden nachts große Heftigkeit. Vorstöße feindlickrer Abteilungen nördlich der Stadt scheiterten. Zwischen dem Honthoulstcr Wald und der Lys belegte der Gegner unsere Kampfzone mit einzelnen starken Feuerwellen. Englische Infanterie, hinter Trommel­feuer und Rauchgranaten vorgehend, griff nördlich der Bahn svoesingheStaden an. In unserer Abwclmvirkung brachen die Sturmwellen zusammen.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Am Che min des Dames stürmten starke fran­zösische Kräfte nach heftiger Artillerievorbereitung zweimal bei Brayc an. Vor unserem Feuer, an einzelnen Stellen durch Gegenstoß unserer Grabeubcsatzung. mutzte der Feind zurückweichen Cr hatte schwere Verluste und liefe Gefangene i» unserer Hand.

Bei den anderen Armeen nur stellenweise auflcbende Geftchtstätigkeit.

Seit dem 22. Oktober verloren die Gegner durch Luft- kampf und Abwehrfeuer 48 Flugzeuge, davon drei im Hei­mat gebiet

L-eutnaur Müller schob den 30. und 31., Leutnant vw v B ü l o w den 22. und 23. feindlichen Flieger ab.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Keine Ereignisse von Bedeutung.

Mazedonische Front.

Im Be^en von Monastir. im Ccrnabogen und vom Wardar bis zum Doiran bekämpften sich die Artillerien lebhaft.

Italienische Front.

Der durch die Erfolge beflügelte Angriffsgeist bei den lleutschrn und österreichisch-ungarischen Divisionen der Armee des Generals der Infanterie. Otto von Velow hat die ganze italienische Jsonzofront zum Zusam­mensturz gebracht.

Die geschlagene zweite italienische Armee ist rm Zruültfluten gegen den Tagliarnentt.

Die d r i t t e i t a l i e n i s ch e A r m e e hat sich dem An­griff auf ihre Stellungen von der Wippach bis zum Meere nur kurze Zeit gestellt; sie ist in e i l i g c m R ü ck z u g längs der adriati Wttn Küste

Auch nördlich des breiten Durchbruchs ist die italienische Front in Kärnten bis zum Plöckcnpatz ins Weichen ge­kommen.

Feindliche Nachhuten versuchten vergeblich das un­gestüme Vorwärtsdringen der verbündeten Armeen zu hemmen.

Deutsche und österreichisch-ungarische Truppen stehen vor U d i n e. dem bisherigen groben Hauptquartier der Italiener.

Oesterreichflch ungarische Divisionen haben C e r m o n s genommen und nähern sich im Küstenstrich der LandeSgrcnze.

Alle Strafen sind mit regellos flüchtenden Fahrzeng- kolonnen der italienischeil Armee und Bevölkerung besetzt. Die Gefangenen- und Beutezahlen sind dauernder Wachsen.

Heftige Gewitter, verbunden mit schwcrw Niederschlä­gen. entluden sich gestern über dem gewaltigen Kampffeld der 12. Jsonzos-chlacht.

Der Erste Generalguartiermeister Ludendorff.

*

Der Abendbericht.

Berlin. 29. Ott., abends. (WTB. Amtlich.)

In einzelnen Abschnitten der flandrischen Front und dem Chemin des-Dames lebhafter Artilleriekampf.

Fm Osten nichts Wesentliches.

3» der italienischen Ebene gute Fortchritte.

S Der große Sieg über die Italiener fart wie eine End­ung gewirkt. Nutzt nur auf das feiirdliche Auölmrd, dem rtt auf beit prahlerischen Mund geschlagen worden ist Lecher war ja mich rm Jmrern Dculschlanos manch einer ^ seinem ('»Lauben an die ungldvo<chem' Sieges traft der

Mittelmächte ein wenig irre geworden, und unsere Mehr- heitspolitiker, wenn sie mit ihren anderen Gründen der Friedenstaktik nicht dnrchdcangen, pflegten darm vielsagend dre Augenbrauen hochzuziehen und den Kopf zu wiegen. Wenn ein großes demokratisches Blatt dazu noch gelegent­lich ganz affen die Meinung kundtat, daß der Kriegunent­schieden" sei und unentschieden ansgehen werde, so konnte man sich dabei jedes Minenspiel aus­malen. Und nun muß fcstgeftellt werden, daß wir noch in der Blüte unserer Angriffskraft sind. Auch derVorwärts" freut sich dessen und richtet cm das feindliche Ausland die bewegliche Bitte, uns doch nicht fortgesetzt zu solchen Siegen zu zwingen, da wir uns ja nur unserer Haut wehren wollte::. Der Sieg am Jsonzo könne auch nur dann ein Schritt zum Frieden sein, wenn die Formel vom 19. Juli hochgehalten würde. Es ist noch nicht ganz klar, ob derVorwärts" auf Grund des neuen Ereignisses eine neue deutsche Friedensnote wünscht, ob er glaubt, daß unsere Regierung in den Kaffee des neuen Sieges, noch bevor er kalt wird, die Milch der Reichstags- mehrheit gießen foUe._ Sehr viele im Reiche werden aber den erfrischenden Kaffee o ine die kalte Magermilch oes Vorwärts" genießen wollen.

Es ist recht leicht möglich, daß auch bei der veränderten Weltlage der Reichstag immer iroch die alten Töpfe ans den Herd stellen will. Man spricht luxfy immer von der Kanzlerkrisis, und es heißt heute nicht nur, der Kaiser habe das Rücktritts gesuch des Herrn Dr. Michaelis angenom­men, sondern er habe das Kanzleramt bereits d?m Grafen Hertling, dem derzeitigen bayerischen Ministerpräsidenten, angeboten. Hertling, der im Kerne konservative Zentrums- diplomat, dem nach dem Sturze Bethmanns schon einmal der hohe Posten angeboten wyrden sein soll, hat am Sonn­tag beim Kaiser, angeblich zugleich mit Michaelis, eine Audienz gehabt, und soll auch schon in Besprechungen mit den Reichs tags fr aktiv neu eingetreten sein. Nun zeigt sich erst, daß das Milchmischungspoodult der Reichstagsmehrheik doch gerade keine Begeisterung erweckt. DerVorwärts" stößt die Tasse zurück, indem er erklärt:Graf Hertling ist schon wegen der ablehnenden Stellung, die er zum Parla­mentarismus und zur Selbständigkeit Elsa^Lothringens als Bundesstaat einnimmt, für die Mehrheilslinke unmöglich." DasBerliner Tageblatt" verzieht gleichfalls den Mund: Er ist der Kandidat derjenigen, die nur darauf ausgehen, die heutige Mehrheit zu sprengen, und es ist begreiflich, daß die gesamte Linke seiner Kandidatur mit Mißtrauen gegen­übersteh!". Dagegen zeigt dieFrankfurter Zeitung", die auch nicht für Hertling schwärmt, am gedeckten Tische eine vornehme Wohlerzogenheit; sie entgegnet der vorlauten Ber­liner Schwester:Das glauben wir nicht, wir glauben viel­mehr, die Kandidatur Hertling ist entstanden, weil man an maßgebender Stelle ohne Nebengedanken ihn für den geeig­neten Mann hielt, die Geschäfte des Reiches in so schwerer Seit zu übernehmen." Man kann zusammenfassen, daß die Kandidatur Hertling bei den Vertretern der Mehrheit mehr oder weniger grobe Zurückweisung, ferner vorsichtige und elegante Bedenken aller Art findet. Wenn die Entscheidung gefallen ist, wlrv man mehr darüber hören . . .

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien, 29. Ott. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart:

Italienischer Kriegsschauplatz.

Am 24. Oktober früh begannen d e österreichisch-unga­rischen und deutschen Streitkräfte des Generals Otto von Be low und der Nordflügel der Heeresgruppe des General­obersten von Boroevic ihren Angriff. Gestern, am Abend des fünften Schlachttages. war alles Gelände zurück­gewonnen, das einst der Feind, jeder Quadratkilometer mit ettrsi 4W Mann Verlusten erkauft, uns in elf blutigen S chlachten mühsam ab gerungen hat.

Auf der Mrsthochfläch stießen unsere Tnlppen. den Monte San Michele nehmend, an den Jsonzo vor. Unsere Abteilungen übersetzten den hochgchenden Fluß.

Görz wurde im Straßenkampf gesäubert. Die Podgora wurde abends erstürmt. Der Raum von Orla- vija. der Monte Sabott:w und die Höhe Korada bildeten den Schauplatz von mitunter sehr heißen Kämpfen. Jedweder Widerstand der Italiener war vergeblich. Die Verfolgung des in größter Verwirrung zurückweichenden Feindes führte uns über Cormons und den Monte Quarin.

Deutsche und österreichisch-ungarische Truppen stehen

udin c.

Auch im Bcrglende nordwestlich von Eividal« sind - in raschem Vorschrciten begrsfftn. Die iialiciiisch« rntner-Front ist in den wichtinsten Abschnitten er- ittert In Schnee und Sturm entrissen unsere Truppen n Feinde seine durch 2'/- Jahre ausgevauten Grenzstel- ideit südwestlich von Tarvis bis Pontafel im Plöcken- iet und auf dem Groben Pal. Das rasche, alle Hindcr- se brechende Vordringen der Verbündeten »»achte es un- alw über die Zahl der Gefangenen und die unausgesetzt Monde Beute einigermatz-n^ Sicheres initruttilr». Im ume südlich mm Plava nmrven allein 118 italienische «Se- itzc aller Kaliber eingebracht. Eine hier oorgeliendr Dwi- >, nahm dem Feinde in wenigen Stunden 60 OfMiere. 10 Mann und 00 Geschütze ab. Das an Kriegsgerät m ^sonzoschlacht erbeutet wurde, übersteigt das Beute- levnis unserer galizischen E-umneroffrnstvr 1015.

Oestlicher Kriegsschauplatz und Albanien.

Unverändert.

Der Chef des Generalstabes.

Wien, 29. Okt., abeirüs. (WTB. Nichtamtlich.) Amt- Im wird verlautbart: Der Vormarsch unserer Truppen in oer ltalrenischen Ebene ist in günstigem Fortschreiten.

Der türkische Bericht.

. K o n st a n t i n o p e l, 28. Okt. (WTB.) Amtlicher Tages­bericht.

Sinaifront: Am 26.Oktober wurden an der Gazasront Angrijssversnche des Gegners erkannt. Unser Artitleriesener ver- tzl^derte ihre Ausführung. Unsere Truppen, die am 27. Oktober in ber Mitte ber_ Sinaisront vor gingen., trafen auf den Höhen von Kessel-Bassal fünf feindliche Kavallerieregimenter, die mi! sch.oeren Verlusten für den Gegner znrückgeschlagen wurden. Zwe darauf folgende feindliche Gegenangriffe schlugen fehl. Der Gegnei ließ 200 Tote zurück. Zwei Offiziere nnd zehn Mann wurden ge­fangen genommen und ein Maschinengewehr wurde erbeutet. Ein feindliches Flugzeug erhielt einen Treffer von unseren Llbwehr- gcschützen nird stürzte dicht hinter den feindlichen Linien ab. An den übrigen Fronten keine Ereignisse von Bedeutung.

Der grohe Lieg am Jsonzo.

Berlin, 29. Okt. (WTB.) Der große Sieg der Verbündeten am Jsonzo nimmt immer gewaltigere Ausdehnung an.

Deutsche und österreichisch-mngarische Truppen stehen bereits dicht vor dem wichtigsten Eisenbahnknotenpunkt U d in e, während österreichisch-ungarische Divisionen Cer- m a n s eroberten und sich im Küstengebiete der Landes-« arerrze nähern. Unter dem Druck dieses gewaltigen Vor- driu.gens, bei dessen Siegeszug sich die Beute an Gefangener (irrte (schon »gemeldet auf 100 000 Mann und 700 Gchchütze gesteigert hat und die stündlich znninrmt, ist auch die ita­lienische Front in Kärnten ins Wanken geraten.

Die prahlerische Siegeszuversicht in der Rede des ita­lienischen KriegsministersMögen sie kommen, wir fürchten sie nicht," die tosenden Beifall erweckte, ist schnell zu­schanden geworden. *

Die italienischen Zeitungen wollen die Welt und das eigene Volk über die gewaln.gen Geschehnisse täuschen und erklären es fiir absurd, dem Angriff größere Bedentung beiznmessen, da die von den Verbündeten eroberte Stellung nur eine Vorpostenlinie sei und die italienische Führung sich die deutsche beweglicl>e Abwehrtaktik zu eigen gemacht habk Zweck der Rückzugsbewegirng sei, italiemsche Operations Massen zu sparen. Inzwischen ist ein ganz erheblicher Ter dieser Massen in deutsch-österreichisch-ungarische Gefangen« schaft geraten. Auch die italienische oberste Heeresleitung versucht noch, den Zusamwenbrnch der gesamten Jsonzo­front dem eigenen Volke, seinen Verbündeten und den Neu­tralen zu verheimlichen. So hat der imlieinsche Oberbesehts Haber E a d o r n a den täglichen italienischen Heeres­bericht, dessen Uebersetznng in englischer und ftanzösischer Sprache verboten wurde, für die Veröffentlichung gesperrt.

Ferner versucht General Cadorna nach einem Funk- spruch vom 28. Oktober 4,40 nachmittags nach dem Beispiel Kerenskis die Schuld an der ungeheuren Niederlage der Feigheit seiner zweiten Armee znznschreiben, die kurz vor dem Airgriff in öffentlichen Ministerreden über alle Maßen gelobt wurde.

In Flandern war trotz des unsichtigen Wetters längs der Äser die feindliche Feuertättgkeit stark. Mit beson derer Wucht lag das Feuer in der Gegerck von Dixmui. den. Nach heftigster Feuervorbereitnng v-orswßende feind­liche Abteilungen wurden nördlich der Stadt unter schwersten Verlusten zurückgeworfen. Auch zwischen dem Houthoulsver Walde und der Lys nahm das Feuer eine große Stärke cm. Nach heftigstem Trommelfeuer braclien um drei Uhr nach­mittags nördlich der Bahn Boesinghe-Staden dre Eng­länder in dichten Wellen zum Angriff vor. Er brach blutrg in unsenn Maschinenzewehrfener zusammen. Auch am Chenrin des Dames scheiterten nach heftigster Artillerie­vorbereitung zweimalige statte französische Sturmangriffe bei Brahe, wo unser wirksames Feuer die Lttrgreifer bereits vor den Hrnderniffen niedermähte. Der Feind wurde durch Gegenstoß geivorfen. Die znttickflutenden Angreifer faßte vernichtend das Feuer unserer Batterien und fügte itznr schwerste Verluste bei. ZahlreickM Gefangene bliebeir in unserer Hemd.

'In Mazedonien lebte stellenweise das Artillerie feuer aus.

Wien, 29. Okt. (WTB.) Aus dem Kriegs pressequartier wird mittags genieldet: Gestern drangen unsere Truppen aus der Karsthvchfläche über den San Michele vor. Auch die P o dg o r a - D ö h e wurde geuomrnen. Im Ceglio- Gebiet rnrb bei Cividale erfolgreiches Vordringen. Mct, nordwestlich von Cividale sind unsere Truppen im schnell­sten Fortschreiten: am Karnischeu Kamm wurde in Schnee und Sturin der Große Pal erstürnrt.

Wien, 29. Okt. (WTB. Nichtamtlicki.) 9lus dem >krieqsprene- qnartler wird genreldet: Italienischer Kriegsschauplatz: Dermnt un­erhörter Wncbt geführte Stoß im Verbündeten aus dem Raume Flitsch-Tolmem zeitigt bereits die naturgemäßen Folgen. WLdrend am linvon Flügtt der Armee in Kärnten, Generaloberst FRnherr von 51'robatin. der südwestlich von Raibl, am Ende des See­bach Tales gelegene 9Letica^S<rttel sowie der Somdogna Sattel nord­westlich des SeisevL-DaLcs, welch letzterer wiederholt der Schauplatz