Ausgabe 
29.10.1917 Erstes Blatt
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DampferMaut" sowie bic engtiscven DampferEsknrere" undW. M. Barkley". Ersterer hatte, nach Art der Explosion zu urteilen, Munition gelabert, letzterer führte Mer nach Liverpool. Ferner, waren unter den versenkten Schiffen zwei englische tiefbeladene Dampfer, non dewen einer bewaffnet mar. Der Chef des Admiralsbabes der Marine.

Aus dem Reichs.

Die Kanzlerkrisis.

Berlin, 29. Okt. Wie der L.-A. erfährt, hat sich der Kaiser für den Rücktritt des Reichskanzlers Dr. Michaelis entschlossen, lieber den Nachfot-ger ist bis zur spüren Abend­stunde nichts bekannt geworden, doch dürfte sein Name im Laufe des heutigen Tages amtlich veröffentlicht worden.

Pour le mente.

Berlin, 28. Okt. (WTB.) Der Kaiser verlieh dem Kmmnandeur der 12. Infanterie-Division, Generalmajor Lequis imd dem bereits im Heeresbericht vom 27. Oktober genairnten .Leutnant S ch n i e d c r wom Jnfanterier-Regiment

63 beit Orden Pour le nrerite. Schnieder war am 2. Sep­tember 1914 zum Offizier befördert worden.

Eine Kriegstagung der christlichen Gewerkschaften.

Berlin, 28. Okt. (WTB. Mchtanrtlich.) Im üehrervereins- han.se traten die ch r i st l i ch e n G c rn e r k s ch a f t e n unter ge­waltigem An dränge zu einer Kiiegsdagung als deutsclfer (christ­lich-nationaler) Arbeiterkvngretz Mammen, Unter den Ehrengästen befanden sich: StxZatssekretär Dr. Schwcmder, Präsident des Käiegs- ernährungsomtes, Unterstcratssekretär Dr. Non Braun, Präswent des Kriegsamtes Generalnt-ajor>euent, Mimsterialsekretär Dr. Caspar, Majdr Keim als Vertreter des Kriegswirtschaftsamtes, viele Reichstags- und Landtagsabgeordnete aller Parteien. In Vertretung des erkrankten Vorsitzenden des Reichstagsabgeordneten Bebens eröfsnete Generalsekretär Stegerwald den Köngreß ntit einer kernigen Ansprache. Vielfach von starkem Beifall unter­brochen. wllndt-e er sich entschieden gegen den Streit über die Kriegsziele,^ er ims nicht weiterbringe, den feindlichen .Kriegs­hetzern aber Wasser auf der Mühle seien; aber auch Friedens- bcttcleien würden nur als Schwäche ausgelegt. Die in der christlich-nationalen Arbeiterorganisation vertretenen eineinhalb Millionen evangelischen und katholischen Arbeiter und Angestellten snrden sich zusammen in der Forderung, den Krieg mit größter Rücksichtslosigkeit' fort zu führen, lbis der Vernichllrngswille unserer Feinde gebrochen sei. Nicht Spaltung der Kräfte, sondern Samnllung der Kräfte sei die Losung. Die Deutsäien'seien mit Kaiser und Fürsten hinansgezogen, mit ihnen wollten sie auch wieder heimkehren. Etwa 75 000 Mitglieder haben den Heldentod erlitten.

An den Kaiser und den Generalfeldmarschall von Hin- d e n b u r g wurden Begrüßungstelegramme ab'gcschickt.

Im Namen des Reichskanzlers richtete Staatssekretär Schwan­det an den Kongreß marine Worte der Begrüßung. Er rief auf zum festen Dnrchbalten, treuen Zusammenhalten und treuer Pflicht­erfüllung. Nicht eine Stunde kostbare Arbeitszeit dürfe ohne Er- ückmg tvirtschaftlicher Werte vorübergehen. Dieser Arbeiterpfllcht siehe naturgemäß gegenüber die Fortsetzimg dev sozialen Politik. Diese habe aber Rücksicht zu nehmen auf die Leistungsfähigkeit unserer Wirtschaft und auf unsere Konkurrenzfähigkeit in dem künftig in noch erhöhtem Maße einsetzenden Wettkampfe der Völ­ker aus wirtschaftlichem Gebiete. Das Arveiterrecht müsste frei von umrötigen Hemmungen ausgestaltet werden und den Ar­beitern und Angestellten die Mitwirkung und Vertretung im StaatÄeben genau wie allen anderen Berufsständen offenstehen. Die Deutsche Arbeiterschaft und Angestelltenschaft kenne m diesen Tauen mir die eine und höchste Pflicht, bis zur äußersten Grenze ilwer Kraft alles zu tun, was zum ed-gültigen Siege Deutschlands dienen und helfen könne. _ .

Genevabmafor Scheuen überbrachte Gruße des Krtegs- nriuisters und der Obersten Heeresleitung. Der Ver- nichtungswllle des Feindes werde scheitern an dem deutschen Arbeiter, an seiner Widerstandskraft. So eins wie unsere Formt in Ost und West, so eins müsse daherm die große.

allgemerne ArbellerLuneradichast jeuc, zielbewußt, sicher, zuversicht­lich. Jede ^verfälmrtte Stunde sei eine Sünde an den dar gebrachten Opfern, eine Sünde an dem geineinsamerr Vatxwlande.

Ter Präsident des KriegserEwungsamtes Braun begrüßte die Versammlung und betonte die ^Notwendigkeit, die Rationierung der Lebensmittel für die Tauer. des Krieges aufrechtzuerhallen, sonst sei das Turchhalten nicht möglich. Die große Opferwilligkeit, das Pflrchtbewußtsein und die Entfagungsfähigkert, mit denen die "bisherigen Lasten getragen protben seien,. seien unoerwellliche Rschmesblatter für alle Männer und Frallen, die sich dem unver­meidlichen Zwange willig fügten.

Schließlich richteten .Vertreter der Reichstagsftvttwnen Gras Westarp, Lic. Mumm, Dr. Pieper, Jckler und Weinhausen Worte der Begrüßung im Namen ihrer Parteien an den Kongreß.

Generalsekretär Siegerwald-Berlin erstattete ein Re,erat über die deutsche Arbeitersämst im entscheidenden Stadium des Welt­krieges. Er führte aus, daß der Gedanke, den Krieg zu einem guten Ende zu. führen, allen anderen politischen Erwägungen voranzu- stellen sei. Die Arbeiterschaft müsse erlangen politische Rechte und Gleichheit aller Staatsbürger im inneren Staatsleben. Mit Klassen und Privilegien müsse aufgeräumt werden. Auf dem Gebiete der Volksernälwung sei Gleichmäßigkeit anzustre- beu, ebenso die Herstellung eines vertraglichen Verhältnisses zwi­schen Llrbleitgebenr uird ArbeitnelMern in der Rüstungsindustrie, der deutsche Arbeiter aber müsse alles l)ergeben zur Versorgung des Heeres mit Kriegsmaterial. ' Das Koa l i ti o n s r e ch t sei von allen Ausnahmebestiinntungen zu befreien. Die Arbeiterkammlern könnten iricht länger -auf sich Watten lassen. Nach dem Kriege könne die deutsche Industrie große Streiks Und Aussperrungen.nicht er­tragen. Alle Not und EntbelMrng sei zu tragen leichter als Jahr- 'hunderte des Frohndieinstes für die Engländer. Jetzt l>eiße es: Nerven gestrafft und die Zälwe zuscynmen gebissen, beseelt von dem imbeugsamen Willen: Wir dürfen uns nicht unterzwingen lassen, komme, was da wolle. Deutschland Muß leben trotz alledem. .(Brau­sender Beifall.)

Redakteur Iov s-Mi'rnchen-Gladbach sprach über die christlich- nationale Airbeiterbeivegung und Lebensfragen von Volk und Reichs. Der Redner wandte sich gegen die Vorrecht der Besitzenden im Staats- und Geineindewählreckft; andererseits lehnte er den Parla­mentarismus ab und gab ein uneingeschränktes Bekenntnis der chiristrichen Arbeiterschaft zum monarchischen Gedanken kund.

Die Verhandlungen werden am Mdntag und Dienstag fort- g<^tzt.

Gespaimen besseres und frostfreies Wetter noch nötig und sehr zu gönnen. Wie stark die nächtlichen Stürme der letzten Tage waren, zeigt ein Mld am Weiher der Osb- Anlage, wo eilte alte, mächtige Weide entwurzelt am Boden liegt, ein aller Zeuge des Wallgrabens vom befestigten Gießen. Durch das Verschwinden des Baumes wird das schöne Landschaftsbild in der Anlage beeinträchtigt; viel­leicht läßt sich der Vaum wieder aufrichten.

** Unteroffizier-Vorschäler. Es werden noch junge Leute des Jalwgcmges 1902, die vor dem 15. Oktober 1917 das 15. Lebensjahr erreicht haben, zur Herbsteinsdellrmg in llnteroffi- zier-Vocschnlen angenommen. Nähere Auskunft erteilt das Be­zirkskommando Gießen.

Dessen-Nassa».

= Bad Homburg v. d. H., 29. Okt. Der Magistrat setzte die diesjährigen Stadtverordnetenwahlen für die dritte Abteilung auf Montag, den 12., für die zweite und erste Abteilung auf Diens­tag den 13. November fest. Es sind zu wählen in der dritten Ab­teilung vier, in der zweiten zwei und in der ersten vier Stadt­verordnete. Im Stadtteil Kirdorf sind >ans der dritten und zweiten Abteilung je ein Stadlvewrdn-eter zu wählen.

-- Frankfurt a. M., 29.Okt. Die Stadt hat in Gemein­schaft mit dem Bremischen Staat leinen Vertrag init der Landes- fettftctle für das Grvßherzogtum Oldenburg über Errichtung einer Milch trocken st elle abgeschlossen. Von bem auf 650 000 Mk. bemessenen Kostenaufwand trägt Frankfnrt 60, Bremen 40 Prozent. Bei der städtischen Milckwrzeugung hat sich bei einem Kosten­aufwand von 2 800 000 Mk. ein Fehlbetrag von 1 300 000 Mk. ergeben. Dieser Mindererlös soll auf den städttsclien Kriegsfonds übernommen werden. Gleichzeittg sollen diesem zur weiteren För­derung der städtischen Milcherzeugung abermals 500 000 Mk. über­wiesen werden.

Nur Stadt nnb Land,

Gießen, den 29. Oktober 1917.

** Die cher. In .der lsenttgen Nummer unseres Familienblattes beginnen wir mit dem Abdruck eines neuen Romans von Hermann Wagner, bettteltDie Rächettä Der Verfasser hat sich bereits durch seine NovellenAus der Tiefe" und den RomanBekenntnisse" einen Namen geschaffen. Sein nettes WerkDie Rächer". tmrb zweifellos den Leser nicht nur fesseln, sondern auch bleibende Eindrücke hinterlassen, da es neben der äußerst spannenden Handlung eine scharfe, tiefgreifende Analyfierung der Charaktere auf­weist.

Auszeichnungen. Gefreiter Karl Gerstenberg,

Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet.

** Reformationsfeier. Auf die BeröffeMlich-ung der Universität und den Aufruf des evangelischst Gesamtkirchenvor- standes int Anzeigenteil der iheutigen Nummer wird hingewiesen.

** Der Winter naht. Nachdem die Vorboten des herannahenden Winters sich nach und nach eingestellt haben, trat bei starkem, kaltem Regen rtnd Sturmwind ein Tem­peratursturz ein, der Frost befürchten ließ; so waren heute früh die Höhen um Gießen mit Schnee bedeckt, ein Anblick, der viel Veranlassung gab zu Unterhaltungen über den Ern­tritt eiites frühen Winters, die Kohlenknappheit nsw. Hoffentlich, ist dieses winterliche Mld nur vereinzelt und vorübergehend, denn auch den Landwirten ist zu ihren Feldarbeiten bei dem Mangel an Arbeitskräften und an

An die evangelischen Bewohner

unserer Stadt.

Mittwock den II. Oktober dieje; Jahre; begehen wir mit, der gesamten evangelischen Christenhelt lerfilllten j^errens die Vierhundertjahrseier der Reformation. Die schwere Zelt, IN welcher wir leben °erb7etZ?°n selbst größere Fest'lichb'eiten. , Umsameh^dag -wartet^ werden,

Gemeindeglieder an den von dem Gesamtkirchcnoorstand beschlossenen kirchlichen Veranstaltungen be ♦eiligen, damit diese zu möglichst eindrucksvollen Feiern werden. m ,, ..

^Insbesondere bitten wir, daß die evangelischen Geschäftsinhaber während der Fesi-Gottesd,enste ihre Läden schließen und daß die Arbeitgeber durch freundliche Rücksichtnahme den von ihnen Ab­hängigen Gelegenheit geben, die Kirchen zu besuchen.

Im Einzelnen ist vorgesehen: Dienstag den 30. Ottsber. abends Mittwoch den ob Gttober. vormitt.

vormitt.

6 Uhr

7 Uhr 9V, Uhr

vormitt. 117* Uhr nachmitt. 2 Uhr: abends 6 Uhr:

Einläuten des festes.

Lhoralblasen vom Turm der Stadtlürche. Zest-Gottesdienste in der Stadtkirche u. Iohanneskirche. Jugend-Gottesdienste in der Stadtkirche u. Johannes- Kirche.

Uinder-Gottesdienste in der Stadtkirche u. Johannes- Kirche ,

Liturgischer Gottesdienst in der Stadtktrche unter Mitwirkung des Kirchengesangvereins und der Kapelle des Ersatz-Bataillons.

Gießen, den 28. Oktober 1917.

Mr den evangelischen Gesamtkirchenvorstand:

. Das mitausführende weltl. Mitglied:

- 7 " T'X ' «-».», e-nd,-ach,»-.

Schwabe, Pfarrer.

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Die italienische Niederlage und das Mittelmeer.

Sofia 28.Okt. Das ArmeeblattJsvaslla" schreibt: Wie kennen nicht das Ziel der Opevationen, die sich jetzt mit so schla­gendem Erfolg an der Grenze nbspielen. Wir ^ wissen nicht, ob sie unternommen wordeit sind, um die lange feindliche Front. zu verkürzen und die von den italieirischen Truppen besetztet Gebiete zu befreien, oder ob sie den Zweck verfolgt, Italien einen ent­scheidenden Schlag zu versetzen. Jedenfalls ist das Erscheinen deuffcher Truppen cm dieser Front ein Merkmal des Ernstes der ms Werk gesetzten Offensive. Alle italienischen Offensiven haben aus­schließlich die Stadt Triest zum Ziele gehabt. Das Mittelmeer bespült die Küste von drei Kontinenten und diejenigen, die Herren des Küstengebietes sein werden, rverden auch die Welt beherrschen. Nun bilden die italienischen Gestade die beste Position für die Be­herrschung dieses Meeres, und somit nähert uns jeder Zoll Boden, den die Mittelmächte gewinnen, viel mehr dem Siege und dem FriÄ>en, als Kiloineter, die an anderen Punkten des Kriegsschau­platzes erobert werden.

Italienische Maßnahmen.

Basel, 28. Okt. Von der italienischen Grenze'wirb gimreldett J!n einer Bekanntmachung wird die Zivilbevölkerung in lldine dar­auf anfmerkfam gemacht, daß lldin e von dem Feinde bedrol)t wer­den könnte und es deshalb den Einwohnern freigestetlt werde, dre Stadt zu verlassen. Die Bekanntmachung hat große Beunruhigung hervorgeruferr. Viele Einwohner reisten,bereits ab.

Ferner wird gemeldet: Die italienisch,e Heeresverioaltung hat alle Urlaubsbewilligungeneingeste llt. Sämtliche aus Urlaub beftndliche Soldaten müssen zu ihrem Truppenten zurück?' kehren Die in Norditalien befindlichen hsefangenen werden nach Mittelitalien gebracht. Es kann daraus geschlossen werden, daß man in maßgebenden Kreisen mit einer militärischen Ope­ration in Oberitalien rechnet. Nach Schweizer Blat­tern ist die ftanzösische Grenze gesperrt.

Eine Liebig-Büste in der Walhalla.

' M ü nchen, 28. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Der König hat 'die Aufstellung der Büste des Großmeisters der chemi­schen Wissenschaft Justus von Liebig, dessen hohe Verdienste für die deutsche Volkswirtschaft gerade während dieses Krte- gens so eindrucksvoll hervorgetreten sind, in der Walhalla

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