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29.10.1917 Erstes Blatt
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Kt. 254

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Der «ijcheiömde Lieg «der die Italiener.

MTB.) GrotzrS Hauptquartier. 27. Okwkrer. (Amtlrch.)

Westlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht.

Die Franzosen und Engländer setzten gestern tagsüber auf dem Kampffelde in der Mitte der flan­drischen Front von neuem starke Kräfte ein. um die Echlachtentscheidung M suchen. Der Erfolg blieb un­ser: Vergeblich haben die feindlichen Divisionen sich in un- sercr Abwchrzonr verblutet.

Gesteigerte Artillerietätigkeit lag aus dem Kampf- gclande, ehe der Feind zum Angriff schritt. Hinter der sich vorwärts schiebenden Feuerwalze brachen seine Sturnttrup- pm vor.

Nördlich von Bixschootc gelangten die Franzosen bis Bultelwek; von dort warf sie unser Gegenstob ins Trichiter- fetd zurück. Zwischen der Straße KLerkenPoeleapellc und der Bahn NoulersYpern drangen in wiederholtem An- sturnr die Engländer r-or. Nach, hin- und herwogenden Kämp­fen. die westlich, von Passchendaele besonders erbittert waren, nmjjfce sich der Feind mit wenigen Trichterlinien vor seiner Ausgangsstellung begnügen.

Abgesetzt vom Hauptaugriff wurden mehrere englische Divisionen gegen Misere Front von Becelaere bis südlich von Gheluvett vorgefichrt. Anfänglich brachen sie in den Park von Paezelhoek und in Gheluvelt ein; doch wurde der Feind nach unserem kraftvollen Gegenangriff bald wieder über die alte Linie zurückgeworfen.

Teilkämpfe dauerten bis in die Nacht; das starke Feuer ließ nur vorübergehend nach.

^Truppen ans allen Teileil des Reiches haben nchm- «llen Anteil (tut dem für rms günstigen Ausgang des Schlachttages.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

In wenigen Abschnitten am OiseAisne-Kanal nahm ver Artilleriekamps größere Starke an; die feindliche In­fanterie versuchte gegen Abend vergeblich, an mehreren Stel­len auf dein yiordufer des Kanals Fuß zu fassen.

In der Champagne und an der Maas steigerte sich viel- ftrch die Feucrtätigteit in Verbindung mit Aufklärungs­gefechten.

Auf dem

Oestlichen Kriegsschauplätze

und an der

Mazedonischen Front ist die Lage unverändert.

Italienische Front.

Die unter der persönlichen Oberleitung Seiner apostoli- : Majestät des Kaisers Karl von Oesterreich, König .n Ungarn, vorbereitete Operation gegen die Hauptmacht der italienischen Armee reift unter der unvergleichlichen Stoßkraft deutscher Truppen, die Schulter an Schulter mit ihren tapferen Waffenbrüdern am Jsonzo in den Kampf traten, großem Erfolg entgegen.

Die zweite italienische Armee ist ge­schlagen !

Durch) gutes Wetter begünstigt, drangen über die Höhen und durch die Täler, vielfach zähen Widerstand des Feindes brechend, deutsche und österreichisch-ungarische Divisionen mmufhaltsam vor.

Der scharfgratige Höhenrücken des Stol wurde von der k. u. k. 22. Schützendivision genommen. Der 1641 Me­ter hohe,, stark befestigte Gipfel des Mt. Matajur fiel schon am 25. Oktober, 7 Uhr vormittags 23 Stunden nach) Beginn unserer Angriffe bei To lmein durch die hervorragende Tatkraft des Leutnants Sch n i e d e r, der mit vier Kompagnien des ob-erschlesischen Jnfanterie-Reginients Nr. 63 den starken italienischen Grenzstützpunkt stürmte.

Kampf- rrnd Marschleistungen aller Truppen, die durch die Vorberge der Jütischen Alpen der italienischen Ebene Zuströmen, sind über jedes Lob erhaben.

Die Zahl der Gefangenen hat sich auf 60 000 Mann, die der erbeuteten G eschütze a uf 45 0 e rhöh 1.

Unübersehbares Kriegsgerät muß aus den genommenen Stellungen der Italiener noch geborgen werden. 26 feind­liche Flugzeuge sind in den beiden letzten Tagen abgeschossen worden.

Die italienische Jsonzosrontwanktbiszur Dippach; auf der Karsthochflache hält der Gegner.

Der Erste Generalgnarliermeister Ludendorsf.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 28. Oktober.

(Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rnpprecht.

In F la nd e r n war die Feuertütigkeit längs der Yfer- Niederung wieder stärker als früher, insbesondere bei Dir- nmiden.

Zwischen Blankaart-See und der Straße Menin Ypern schwoll der Artilleriekampf zeitweilig zu großer Hef- ttgreit an. Morgens griff der Feind an der flachen Ein- druchsstellc südwestlich des Houlhonlstcr-Waldes erneut an, ohne größere Vorteile als am Vortage zu erzielen.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

.... Am Oise Aisne- Ka n a l verstärkte sich die Feuer- Öt Brmnou.rt und Anizy le Ehateau. Nachmittags Meßen starke französische Kräfte tiefgegiiedert am Ehemin des östlich von Filain »,nd iwrdwejtlich von Brape gegen wlstre Linien vor. Sie wurden überall blutig abgewiesen.

Bei Souain, Dahnre und Le Mesnil in der Champagne durchs Un ^ m ^dtrupps erfolgreiche Unternehmungen

,, östlicher: Maasufer unterhielten die Franzosen

starkes Feuer auf die von uns im Chaume-Wald kürzlich ge­wonnenen Grüben.

Ans dem

Oestlichen Kriegsschauplätze

und an der

Mazedonischen Front keine größeren Kampfhand luugen. ß-

j Italienische Front.

Die schnelle Weiterfführung des gemeinsamen Angriffs am Jsonzo brachte auch gestern volle Erfolge

Italienische Kräfte, die unseren Divisionen den Aus- trrtt aus dem Gebirge zu vermehren suchten, wurden in kraftvollem Stoß z u r ü ck g e w o r f e n.

Wends drangen deutsche Truppen in das brennende E i v r d a l e, die erste Stadt in der Ebene, ein.

, ^ Die Front der Italiener bis zrcm abriati scheu Meer ist ins Wanken gekommen. Auf der ganzen Linie sind unsere Korps im Rachdrängen.

Görz, die in den Jsonzo schlachten vielumtämpste Stadt, ist heute ftüh von österreichisch-ungarischen Divisio­nen genommen worden! .

Die Zahl der Gefangenen ist auf mehr als 8 0 0 0 0 g e st i e gen, die Zahl der G e schü tz echat sich auf mehrals600erhöht.

Der Erste Generalguartiermeister Ludendorff.

Die UVendberichte. .

Berlin, 27. Okt., abends. WTB. Amtlich.)

In Flandern heftige Artillerietütigkeit. Am Süd­westrande des HEhoulster Waldes örtliche Jnfanterie- kämpfe. UM'

Am OiseAisne-Kanal nichts Neues.

Im Osten kerne größere Kar pfhandlm-g.

An der italienischen Front auch hertte gute Fortschritte. Die Gefangenenzahl von sechzigtausend fft um einige weitere Tausend gesttegen, die Zahl der erbeuteten Geschütze hat sich auf imehr als 500 erhöht.

Berlin, 28. Okt., abends. (WTV. Amtlich.)

In Flandern lebhafte Feuertätigkeit bei Dipmuiden und am Houthoulster-Wald.

Am OiseAisne-Kanal bei Filain örtliche Kämpfe.

Die italienische zweite und dritte Armee sind im Rückzüge nach Westen.

Unsere Verfolgung ist vom Gebirge bis zum Meere imfchnellen F o r t s ch r e i t e n.

An Gefangenen sind bis jetzt 100 000. an Ge­schützen über 700 gezählt.

Zur Rede Sorrninos, des italienischen Ministers b&s Auswärtigen, die dem Sturz des Kabinetts Boselli voraus- gogaugeu ist, hat die Weltgeschichte selber einen Kommentar geschmÄen, der alle Menschenwovto übertrifft. Italien steht vor einer furchtbaren Enttäuschrng, vor einein Schrecken, der sich! zwar jetzt schon tn feiner Kresse spiegelt, aber

wahrscheinlich noch große Nachwirkungen haben mtrb. Die ganze italimüsche Jsonzo-Front bis zunc Meere ist erschüt- tchtt, gebrochen und tm Znrückwanken begriffen. Unermüd­lich, in schneidig ein Siegesmarsch, stehen unsere und unserer Verbündeten Tvupperr in der Verfolgnng. Ueber das bren­nende Cividale werden wir mittlerweile schon hrnairs- gedrungen sein, und die strategische Lage liegt auch dem Laienverständnis so weit offen, daß es zu erkennen vermag, wre der schnelle Vormarsch eine Anfrollung oder Umgehung ^r gegnerischen Front tu die Wege leiten kann, eiue" wahre Katastrophe für die italienische Hauptmacht, die zrim Wider­stands zu orgarlisiereu^ Herrn Cadorna so schrrell nicht ge- lrugen wird. Es wird ihm unnröglich sein, eine rückwärtige Linie zu beziehen und zu befestigen, denn die Faust, die seine Truppen erfaßt hat, hat so schnell irnd kraftvoll M- gestoßen, daß die Kugel rollt imb vorläuftg nicht aus­gehalten werden kann Ueber 100 000 Gefangene ilnd 700 Geschütze das sind Ziffern, die alle Trostesanivandliingen be! den Italienern im Keime ersttcken werden, ihr Mut er­starren lasseii, ihre Augen wie Sterne aus ihren Kreisen schießen machen, ihnendie verwobenen krausen Locken trennen und sträuben lassen jedes einzle H>aar wie Nadeln an dein zoriigen Stacheltier". Man darf annehmen, daß die blutigen,Verluste des Feüides ebenfalls beträchtlich sind.

Die Wirkung und Bedeutung des Durchbruchs am Jsonzo wird vielleicht nicht geringer sein, als die des Schlages von Gorlic'e, der uu§ Galizien reinfegen hals. Es handelt sich hier weniger darum, die Italiener von dem durch sieeroberten" kleinen Landstrich wieder zn ver­treiben. Man ermißt die Leistung der Mittelmächte schlecht. lvenn man sagt: was der Gegner in 21/2 Kriegsjahren ge­wonnen hatte, das ist ihm in drei Dagen wieder fortgenom­men worden. Nein, hier ist mehr getan und erreicht! Der Ferrid ist nicht nur zurück gedrängt, sondern niedergeschla­gen ivorden. Wir können nicht wissen, wie weit unsere Truppen in die oberitalienische Ebene hineinsteigen, aber die Tatsache, daß dort Städte und Dörfer bereits grunumt werden, ist vielsagend. Der Quadratkilometer Landes hat für den Besitzer und Sieger dort unvergleichlich mehr Wert als in Galizien oder der russischen Einöde. Schon spricht es ein bulgarisches Blatt aus, daß der Sieg über Italien uns gute Handhaben geben würde, das Mittelrneer noch mehr zu be- herrjchen als bisher und der englischen Seegeltnng dort den Rest zu geben. Dvch^ das sind kühne Zukunftsträume, denen wir nicht nachgehen wollen. Aber Freude soll überall herrschen auch in deutschen Landen, denn was an der Jsonzo- Front geschehen ist, kommt nicht nur unseren Bundes­genossen sondern es verstärkt unsere eigene Stellung und wandelt die gesamte Lage rwch weit mehr ziu unseren Guw ften, als sie bisher tatsächlich und offensichtlich schon zu un­seren Gunsten stand. Man darf frohen Herzens sagen, daß mit dem Sieg im Süden die gesamte Entente nicht nur ge­waltig aufs Haupt, sondern auch schallend und klatschend auf den Mund geschlagen worden ist. Auch dem Einfältig­sten wird es jetzt zuni Bewußtsein kommen, in welch schreien­dem Mißverhältnis bei unseren Geg^rern Worte und Taten standen.

Wem gebührt das Verdienst, diesen Schlag gegen Italien zuerst geplant und vorgeschlagen zar haben? Noch wissen tvir es nicht urrd wir brauchen es auch vorläufig nicht zu wissen. Vielleicht gebührt dieses Verdienst wieder den: deutschen Generalstab, der ja auch die deutschen Kräfte dafür zur Verfügung gestellt hat. Der junge Kaiser Karl hatte die Oberleitung. Sonst sind bisher keine Namen genannt worden. Uns aber ist es schon ein stolzes Bewußtsein, daß die Nennung der deutschen Hilfe allein schon zerschmetterird gewirkt hat. Wir sind nicht spät oder noch rechtzeitig zur Entscheidung erschienen, sondern tvir waren am Anfang dabei. Die englischen Redner haben wieder Grurrd, über dieseabscheittiche militärische Macht" zu zetern!

Die österreichisch-ungarischen Tagesberichte.

Wien, 27. Okt. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wirk» verlauttzart:

I t a l i e n i s ch e r K r i e g s s ch a u p l a tz.

Der rmter der persönlichen Oberleitung Seiner Majestät unseres Kaisers und .Wnigs gegen die italienische Hauptnwcht geftihrte Schlag reift gewaltig aus. Unsere kampf­erprobten, ruhmreichen Jsonzotrnppen und die mit unüber­windlicher Stoßkraft vorgehenden deutschen Streitkrüfte Huben einen vollen Erfolg errungen. Die Waffenbrüderschaft der Verbü^rdeten, geschmiedet auf ungezählten Schlachtfel- deni, besiegelt durch das Blut unserer Besten, bewährt sich aufs neue in unvergleichlicher Weise.

Am oberen Jsonzo haben unsere alpenländischen Truppen altbewährte Infanterie-Regimenter, Kniser- jäger, Schützen aus Steiermark und Tirol in den Fels­geb ieten des Rombon und des Caniil und auf dem Monte Stoll in zäher Ausdauer und Tatkraft das Gelände und den Feind beMungen. Südwestlich von Karfreit erstürmten Preußisch-Schlesicr den hochaufragenden Monte Matajur. Dort, wie westlich von Tolmein wird durchrvcg auf italie- nischem Boden gefocksten.

Auf der Bai nsiz za-Hochfläche wehren sich die Jtalrener Schritt für Schritt. In heftigem Kampfe wurden die feindlichen Stellungen südlich von Vrh. die einst so heiß umstrittene Höhe52" bei Vodice und der in Italien als Siegespreis der elften Jsonzo Schlacht so sehr gefeierte Bronte Santo erobert. Söhne aller Gaue Oesterreichs und Ungarns wetteifern an Angriffsfreildigkeit. Bei Eanaleund