rrr. 223
Swetter Blatt
I6Z. Jahrgang
Gilajfml täglich mit Ausnahme des Sonntag?.
veclagen: „Sletzener ZamüiendlStter" und ..lLreisblatt ]ia btn Kreis Sichen".
postfcheckko«to: $r«nffnrt am Main Nr. U686. BanfBerfe^r: Sewerbebank Stehen.
5am§tag, 22. ZeptLvrdcr M
Zwcklingsrunddruck und Ve»nrg. BrühlrfcheUmoersuäts-Äuch-n.Stcindi ckerei. R. L an g e, Gießen.
General-Anzeiger für Gberhesjen
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Schulstraße?. Eeschäf:: e'ieu.Verlagbl, Schriftleitung: 112.
Ans chrift fü r T r ? htn a chr ich ten: Anzeig er Eie s e n.
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Dir deutlchen Spartasien und die kommende Kriegsanleihe.
In der Bewegung der (Umlagen bei den deutschen Sparkassen Spiegeln sich die wirtsckxlstlichen Verhältnis^ der breiten Schichten oer Bevölkerung Ueber diese Bewegung tverden wir wrtlausend u nt erri ch tet durch die Mo na ts statt sri ken, welck-e in dem Amtsblatt des derntschen Sparkassenverbandes, der „Sparkasse", erscheinen. 'Diese Monatsslatistiken beruhen im wesentlichen aus Schätzungen, xnax aber ein umfangreiches Material zugrunde liegt, das die grdfr oam d eutschen Sparkassen allmonatlich zur Verfügung stellen. Die Bearbeitung erfolgt regelmäßig durch den derzeitigen Direktor der Berliner Sparkasse. Die Monatsstattstiken haben sich bisher stets als zuverlässig erwiesen- fite telegen sehr vorsichtig zu sein und geben Schätzungen, die eher Hl niedrig als m hoch sind.
Zn der Monatsstatistik zeigt sich nun, welche gewaltigen Beträge den Sparkassen, besonders seit Krtegsbegiirn, Monat für Monat zrEctzen. Im Anfang des Krieges war man wohl versucht, an Vine vorübergehende Erscheinung zu glauben. Man erblickte in ihnen im wesentlichen die Wirkung «des Liguidattons-« Prozesses unserer Volkswirtschaft, der naturgremäH auch aus die kleinen und kleinsten Betriebe übergegrifsen hat. Llllmählich zeigtq es sich aber, das diese Erklärung doch' nur eine beschränkte Berechtigung 'hatte. Der .stapttal-ustuß zhr den Sparkassen nahm namlrch nicht ab, sondern bewegte sich in aussteigender Linie, lvahrend die Vorräte an Rohstpfien irird Waren fast durchweg längst erschäpst sind. Man hat auch sestge stellt, daß der steigende Zuwachs an Kapitalien seinen Ursprung nicht nur im vermehrt^ Zufluß von Einlagen, sondern in der Abnahme der Rückzahlungen trat. Dazu kommt, daß die Zahl der Sparbücher während des Kriege- eine ganz gewaltige Vermehrung -wfahren hat, und daß diese Verrnehrung besonders den gering fyuttyabe it zugute ge-* lammen ist. Neben dem steigenden Erwerb in den. breitesten Schichten der Bevölkerung geht also eine lrvif? kEinschräntung in den Ausgaben nebenher-.
Wenn man aus diesen Exsich,tspunkten heraus die gewaltigen Dconat^isfern betrachtet, gewinnt man ein besonders erfreuliches und beruhigendes Bild.
Es mögen .'hier die Zahlen folgen, n-elche die „Sparkasse" iur die versessenen Monate dieses Jahres mitgeteilt har in Gegenüberstellung zu den entsprechendst Ergebnissen der gleichen Monate des Vorjahres.
Es sei dazu bemerkt, daß hierbei die Abschjceibungen der zur Zeichnung auf die Kriegsanleihe verwandten Spareinlagen natürlich nickt in Abzug gebracht sind. Auch And die Riesenbeträge der am tstahresschluß den Sparern g-ttgeschviebeuen Zinsen, die alsiährlich ctiva 700 Millionen Mark ausmacheu, incbr berücksichtigt.
Es betrug der Zuwachs der deutschen Sparkassen:
1917 1916
Millionen Mark Millionen Mark
endlosen „Polonaisen" vor den Geschäften milmachte. Ein Mittagessen in einem bescheidenen bürgerlichen Soeisehaits kostete 24 Mk.. in den besseren Gasthäusern, in denen freilich alle Delikatessen zu haben waren, lohnte es ohne HX) Mk. gar nicht anzufangen. Der junge Offizier hatte eine Art Lektorat in einer Unteronstzierssbulc und erlebte es jeden Tag, daß von seinen 200 Unterofsiziersschülern keine zehn zum Dierrft kamen. Die Kameraden machten sich lustig über ihn, daß er Dienst tue. „Aber ich kann nicht anders, ich muß hingehen," sagte der Offizier zu seiner Iran. Das waren die Deutschen, die angeblich Verrat übten und doch immer — wer kann aus.'einer Haut — bis zum letzten Augenblick ihre Pflicht taten. Dabei war das Leben eines pslichteisrigett Offiziers keinen Pfifferling wert ....
In den Julitagen durchrasten die Lastautos, auf-denen Soldaten und beoafntctc Arbeiter itxmten oder lang lagen, die Hauptstraßen ^und schossen wahllos in die Menschen hinein. Man sprach mehr von der „Newa-Front" als vvu der gegen die Deutschen. Freilich aus schweren Kamps gegen die Truppen der provisorischen Regierung ließen es die Aufständischen an dcr „Newa-Front" nicht ankommen, sie unterhandelten, und die Newa war wieder svei. Wähnend der Schüsse und der blutigen Tunnckte saßen Offiziere und Damen in beit eleganten Hotels und ließen sich das Trinken aus das Wohl des Vaterlandes viel kosten. Es kannte freilich passieren, daß ein einfacher Soldat eintrat, erst
Januar
600
500
Februar
300
300
März
160
140
April
300
275
Mai
300
250
Juni
200
110
Juli
300
255
zusammen:
2160
1830
dem Offizier, dann seinen Damen die Gläser sortnahm und sie
habe jetzt kerne Zeit!" Mer sein .Schreiber, dem er einen Beseht diktieren wollte, entgegnet seelenruhig dem Volksmann: „JetzH gebe ick c/stn. Bürger Gefreiter Romnr," und der große Gefreive rügte sich sthn<eigenid. Recich hat der, der -gut reden kann, das war schon gesagt. Als ein Deutscher währerrd.der -Revolutionszeit bei einem Prozeß erklärte, matt könne es ihm rticksi übelnshmen, frafi er Sympathien mit Deutschland habe, er sei deutschen Bbttes, und Rußland habe ihm alles genommen, ihm immer nur geschadet,
htMm'fv«, rrw»rf SlV^rtMHT<Vn tT*'t 1TW7TfTl 1?W!
lieÄnaii ihm das rulng hingehen, weil Meinungen frei wären und er seine gut vertreten habe.
Aus dem Kongreß in Moskau sprang ein Mann aus die Redi«r- tribüne :rnd schrie in den Saal: Ich/bin Monarchist^" Es sah
znnö-chst'. aus, als ol der Mam: in Stücke gerissen werden würde, tzann aber sprach er weiter, „trotzdem .schätzte ich den A - und S.-Rvt und die Provisorische Regierung sehr. Man iveist, daß unsere Eisenbadum c .schinen alle todkrank sind, das; uttsere Bahnichwieris- keiten die Wurzel alles Nebels si.nd. Eine leichtsinnige Regiermrg» würde mit schnelleren Taten dem abzuhelfen judym. Unsere Provisorische Regierung ist vorsichtig. Sie berät ein solch wichtiges Problem erst ordentlich. Sie betrachtet alles Für und Wider, sie arbeitet .wochenlang, um eine Kommission zusommenzubekom
men, uno pre Kommission braucht einen Monat, um einen VorsiWi as erste Beifallsklatschen dröhnte auf, .und
austrank. Aus empörten Zuruf antwsrtetc der Musch-ik ganz ruhig: „Weißt du incht, daß cs verboten ist, Alkohol zu trinken?"
Kerenski kam nach Riga. Voui Automobil aus hielt er seine igen und mitreißenden Ansprachen. Zu Tausenden standen dir
leurtgen und mttreinenden Antvrachcn. Zu Daus enden ltanoen die Soldaten der 12. Armee um ihn herum. „Nur in der Freiheit kann Rußland sich ja: einem schöne::, mächtigen Lande entwickeln, die Freiheit tvird nicht nur auf den Plätzen Rigas verteidigt, sondern dort, wo die Deutschen stehen, die der russischen Demokratie den Todesstoß versetzen wollen. Dort von der Front holt euch die Freiheit . . Und der Diktator malte die Genüsse der russischen Freiheit bunt aus. Da stand ein Soldat aus: „Dort an der Front fliegen die Kugeln, die Kugeln bringen Ttzd. Ein toter Mann hat von der Freiheit gar nichts. Ich pfeife auf die Freiheit zu sterben. Ich will Frieden." „Herr Oberst," rief Kerenski pathetisch, „schicken Sie diesen Mann nach Hause mit dem Zeugnis, er wäre ein Feigling, die Armee brauche ihn nicht mehr?" Ter Oberst griff an die Mütze: „Ich könnte harndert solche Atteste airsschreiben,..' „Wir wollen es vorläufig bei dem einen bewenden lassen." Im übrigen harten gerade die Letten beschlossen, den Mann, der nicht gemig Sympathien sü» die lettische Republik, deren Wappen sauber gezeichnet vorlag, zu zeigen geneigt war, nicht aus Riga zu lassen, und mit knapper Not entrann Kerenski dem Anschlag lettischer Bataillone.
In diesem Jahre haben also die Zuflüsse zu den deutschert Spar- r affen die zweite Milliarde bereits erheblich, iibettdritten und che entsprechenden Ergebnisse des Vorjahres weit überholt.
Es eröffne^ dies für die kommende Kriegsanleihe die besten Aussichten. Schvn vor der letzten Kriegsanleihe konnte die „Sparkasse" Lms Grund der Mlonalsergebnisse einen besonders guten' Erfolg der Anleihe in Aussicht stellen. Diesmal liegert die Verhältnisse aber noch erheblich günstiger. Noch niemals waren die Sparkassen vor einer Kriegsanleihe so gekräftigt, wie jetzt;—noch: niemals waren vor einer Kriegsanleihe die.Gelder in den breitesten Sckiä^en der Bevölkerung so flüssig wie di-smal. Das berechtigt zu der Erwartung, daß die siebente Kriegsartleihe in ttoch stärkerem Maße als die früheren eine wahre „Bolksanleihe" werden wird.
Von
Ariegzhriefe aus dem Osten.
unserem zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatter. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verbotrn ) Hinter der russischen Krönt.
Riga, Mitte Septenlber 1917. Lor kurzer Zeit noch waren alle die Menschen, mit denen man tetzi rn Riga im Eafe, am KwaS-Tisch (denn Bier gibt es seit Mo- naren in Riga keinen Tropfen), in ihrem .Hause bei summender Te-nnaschine Mammensitzt, hinter der russischen Front, hatten Beziehungen — wenn auch oft n>Hj freundliche — zur russischen!
Armee, Mr russischen Politik, *ir Petersburg, zu Moskau. Sic
haben alle ein gutes ^Gedächtnis, und ihre Beobachtungsgabe ist durch vre Not der Zeit
geschärft, so kommt in Einzelzügen und Geschichten ein deutliches Bild des Rußlands hinter der Front heraus, ein Bild, das den kaum mehr aufzuhaltenden schnellen Verfall deutlich zeigt.
*
In Petersburg war eine junge Frau mit ihren: Pkarm, dwtsch-russisctzem Offizier, während der letzten Juliunruhen. Die Verpflegung war mehr »als krrapp. ES gab Lebensmittelkarten, aber man beünn keine Lebensmittel darauf, wemt man auch die
Auch der französische sozialistische Minister war in Riga. Er versprach sich viel von seinemEesuch an Wirkung ?ut die lettische sozialistische Partei. Aber an der Dronk hatte man bald heraus, daß der Franzose zum förieg Hetze. Ta nahm man Hmrdgranaten! und beirillkommnete damit das Auto des großen Phrasenmannes Er kam in düsterster Stimmung zum Festmaht am Abend in der Stadt. Während feiner großen Rede an der Galotasel kam er immer mehr in Rülprung über die Ereignisse des Tages, die ihn an Rußland verzweifeln ließen. Schließlich begann ec zu schluchzen. General Tragomirow weinte, die Damen waren in Tränen gebadet. Nur Nadko-Timitriew blieb unbeweglich. „9hir u^r den Russen kennt, wird diese Geschichte ganz verstel)en," sa.<- man mir zur Erläuterung dieses Festmahls.
Als die rigaische Schloßbrauerei noch bewacht wurde, gaben die Posten so viel von den Biervorräten heraus, daß doch noch immer ganze Kompagnien betrunken waren. Da beschoß man, die Kesicl zu zerstören und den Inhalt der Fässer in die Gosse lausen zu lassen. Die Rinnsteine schrammen von dent köstlichett Naß. und die Kirgisen, deren Juchten-Lager dicht vor Riga stand, legte:: sich lang auf die Erde, um zu trinken. Die andern ahmten das gute Beispiel nach, und bald sah man das sonderbare Bild ganzer Scharen cmi der Erde Liegender und sich betrittt'cnder russischer Soldaten. Trotzdem sind tvohl in einigen Brauereiett noch kleine Vorräte geblieben, denn als sich die Armee von Olai zurückzog, wurde eine Kompagnie in eine Brauerei gelegt, betrank sich unmäßig und war nicht zum weiteren Marsch zu bewegen, ^.cr Hausmann ioar verwundet. Da ging seine Frau, eine frühere rmmche Schwester, die schon draußen bei der Truppe gewesen war. in den Raum, hielt den Revolver hoch und sagte: „Ich führ? ;etzt die Kompagnie! Wer noch einen Sckstnck trmkt, üen er,chietze ich. Ncbmt die Gewehre nnd Marsch!" Tie Kompagnie ichrie „Hurra , und die Frau Hcmptmann führte die Kompagnie ustd rttt an ihrer Spitze nach der großen Rückzugsstraße nach Wende,'. Reo-eu dem charakteristischen russischen Merkmal des völligen Lttmmungsum- schlogeo vor der Entschlossenheit zeigt die Geschichte aber auch den großen russischen Ossiziersmangel, der es dazu kommen laßt, daß eine Frau eine Kompagnie im Felde führt.
den zu /vählen." _ _ _ . . .
so ironisierte der Mann, der sich öffentlich als Atonarchnt erkläre hatte, vor dem Führer Rußlands erbarmimgslos das herrschende System, -und der Saal ,var erfüllt von den Beisallrufen der entzückten Hörer
Aus diesen Gesckichten spricht Rußland, Rußlands irrende, suchende, zerrissene Seele. Aber auch .aus^ der siavischen. mst hysterischen Selbstaufopferung der Kornilowichen Todesbat ntt-me bei Stanislau sprat Rußland. Sie wvtlei: Pen FriÄ>en. und pe wollen den Krieg Altes ist schwankend. ...Wir kömvtr fest nur aur uwere Kräfte rechnen und rechnen danrit," sagte anir Geneval^ seldmarschall Hi:U>enöurg einmal. T-a liegt der Kern: eine siegreiche deutsche l?lnnee im Osten bringt uns dem Kriegsende mit ^Rußland auch aus politischem Gebiete näher Das .hat uns der «ycill von Riga und seine Bedeutung für Rußland gezeigt.
Rolf Brandt, 'Kriegsberichterstatter.
Ans Stadt »nd Land.
Gießen, 22. September 1917.
** In Sturm und Stille. In der nächsten^NittnmeL des Familieichlattes beginnt ein neuer Roman: „In cs-tumt und Stille" von Mar Treu. Ter Verfasser, welcher bekannt ist durch die Tiesgründiakeit seiner Auffassung, die Starke der Eharakterisierung, die lebendige Schilderung, die feine Herausarbeitung spannender, psychologisch tvertvoller Momente, dürste auch unseren Lesern nicht fremd sein, und drese neue Probe sekster Feder wird sicher allgemeinen Beifall stnden.
Ter .Kampf Kornitow-Kerenski, der sich im großen Mts großer Bülu'-e abrollt wurde täglich übevM im kleinen gekämpft. Macht stand gegen Macht, die Masse jubelte dem zu, der gerade sprach. Der Gefreite Romm, der Vor,ik-ende des.A- und. >s.-Rates von Rina sprach wenn ihn ein General televhonpch xrnriet, nach Abheben des' Hörers, so daß ihn der andere verstehen nrutzte:' Ml der alte Esel loieder von m:r
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mrd laut nvitcr: „Ich
ncrozssme bb'^
** Stiftung. Geheimer Kommerzienrat Heichelheim hat unter bem Namen „Josephine Heichecheinv- Stiftung" der Sto.dt Gießen den Betrag v-on 20000 Mk. s stir Zwecke von mnegspateiischasten zur Berfügiing ge- stellt. Die Stiftung ist dem Andenken der verstorbenen Gattin des- Stifters gewidmet.
**DieDienftstundendesChemischenUnrer- suchungsamts türme Provinz ObSRhessen sind für die Wintermonate (1. Oktober 1917 bis 1. Mai 1918)^ ans die Zeit von 8 Uhr morgecks bis 4 Uhr nachmittags, Samstags bis 12 Uhr mittags, festgesetzt.
** Sitzungen des Schwurgerichts für das dritte Vierteljahr>1^17. Am Montag, 24. Seplr, vormittags OV 2 Uhr. ivird gegen die aus Hauswurz gebürtige Sabina Vogt wegen Meineids verhandelt. Die Verteidigung hat Rechtsamvalt Peters übernommen. Am Dienstag,'25. Sept., vormittags 81/2 Uhr, kommen zur Anklage: Emma Be lz aus Dauernheim (Verteidigung durch Justizrar Dt. Rosenberg- und Jda Bullmann crirs Leidhecken (Verteidigung .durch Justizrat Grünelvald, beide roegen Kindestötung. Tie Anklage vertritt an beiden Tagen Gerichtsassessor Dr. Eckert. . . ^ .
** Wirtschaftliche Vereinigung Krtegsbe, cha- digtcr. Die Beratt'.ngsftunde findet amtzSoirntag, den nli. Sept, vormittags ab 9 1 /.. Uhr im Bereinssaale pes Fürstmthores statt.
Lichtspielhaus, Bahnhofstr. 34. Von heute bis einschließlich Montag gelangt der Filnt „Streichhölzer, kauft Stteichhölzer". in dem die beliebte Künstlerin >se!la Maja aufiritt, zu: Borsührnng. W/itcrhin ,r»eist das^ gute Programm ein Triirfic* Lustspiel „T/lephonkätzchen" tun. Siehe Anzeige.
■ Im Schwarz-Weiß-The ater, Selterswa U. :?ird vvn heute bis einschließlich Mvntas dser.Film „Tie qrofe Wette", cm phantastisches Erlebnis aus dem (Jahre .2000, oorgesührt. Mßabem enthält die Spiel folge noch ein Drama „Ansgeopfertt" sowie die neuesten Aufnahmen von den Kriegsschauplätzen.
** Spart Kohlen! Das Kriegsamt bringt folgende Brr- öffentlichimg: Spart Kohlen! Umfassende Maßnahmen sind ge- twfien worden, um dent Kohletwerbrmlck) so weit zu decken, bafc für den Jndifitricbedarf und den Hausbrand die unbedingt not-
SVE.CS
Glüäwunschurkunde der Landftände znm Aegierungsjubiläum des Grof;her;ogs.
Die Glückwunsch,urkunde der Lanbstände znm Regirrungs-
jubiläum des Großl-erzogs, mit der zugleich 6ic Ueberreichung der
setzt auf 2 634 204 .Mark angewachWen Jubiläumsspsnöe für hessische Krieger, die der Erl-oliung .und Kräftigung chedürßen/
Ä , wurde a*.u Jnbiläumstag, in Hestform lalligraphi!ch tzer- übergeben, da sie iw der .endgültigen ..Form des Krieges und der danrit verburtdenen Schwierigkeiten trogen nicht rechtt- zeitig fertiggestellt werden konnte. Nachdem nunmehr die Urkunde selbst, wie auch der Schrein, in dem sie ausbetvahrt uni'b, hcrgestellt sind, wurde dieses Ktutstwerk, dem: als solches stellt es sich^ dar, von dem Präsidenlet: der Zweiter KamNver in den letzten ttxtgen - dem Großherzog überreicht, der sich höchst anerkennend über das - Ganze äußerte. . , ^ „
Die Urkunde befindet sich rn ebnem rechteckigen Kasten mit abgestumpstem Satteldach. Ter* Küsten ist 38 Zentimeter lang, Z J > Zeirtöneter breit und 17 Zentimeter hocli: außen ganz mit . gucüwatisck>en Elfenbeinplattieit belegt und an den Kanten mit schmalen (Nienliolzstteifinl eingefaßt. Die untere Ebenbückante ist verbreitert utrd mit Elfenbein eingelegt. Innen besteht der Lasten Mls Zitroneti- wid Ebenholz. Alle übrigen Teile sind aus vergoldetem Silber, so die reich geschnittenen Füße, die Fasnin- gkn zu der emailtierwc Wappen, die darcl>brochene Jnschr^ Matte und die drer Löwen,'die am Deckel angebracht sind. Die Jwchrist- Platte trägt die Worte: „Seinem geliebtei: Größter zog Ernst Lnd- * wig nrnt 2.ojährigen Regierung nnbiläum in Dxrnkdvrkeil und '.'.reue da; Hessische Volk." De»- Hauptschmuck sind die beiden als Banker «ruKachikdeten Schnappschlösser an der Vorderseite des Kastens, ^te stellen Krieg und Friedet: dar, ausaedrückt durch eine nrännluhe und weibliche Mxur, mit den chavakteristisck-en Emblevie:: in durch-
bwchcner Arbeit. Dleie Stticke ,md "Ut B-^>it unterlegt. ^,e Ur- tautK- selbst ruht in »ivei rathgraruertcu ^bcrk-wteln Äitimm und Ausjühnmg der MetlllUrrbeckcn >uck »sn Prv'. Er»,.. .^t«gel> .. >ln <n,-«,-rtio«>t Mitglied der Darmltueter »Itnstlttkolome. vol u"d Menbcin-Arbeiten oon Schreinermeliter Jo,et Wew-Minichen.
^ie Urtutide stellt die laiidstmiditche Glückwinrichadrepe zum 2öjährigen Regientngsjubiläum Seiner Königl:ck>en des
Großherwgs dar. Sic ist bt Rudolt Mch ickter uni J^tcm
Enttrurs von Koch durch einen Schüler desselb«!. .^rm-ann d?tter rn Osscnback. künstlerisch Mtgisterttgt wvrden, Dre K^'len mc daS Kunstwerk belasten itirfd die Großherzog-Ernl Ludtoig.Julnlaums-
SSSSTÄn sind wir Mtdorrr. Ä-tl- lUxnt-nnm«. n--rd«
Aiißer dem vorgedachten plastiiclt-ftzgurlichen schmuck tragt 'i u i J ■ . Uiov sTHirr >w»r ^rnrheriette Nimmt
SS wJüic StoatSwwni des Ärpscherzogs tne Mitte dn gmizen Metern Fläcde eb^. Jhnt sind die W^ppeiischilde der fünf größten Städte des Latches, Darmstadt nnd Gießen, darunter.'.cainz.Otten- wch Womch beigeordE. Die anderen Flachen zieren bte ^küde der übrigen 13 Kreisstädte des Großher'.ogtnms ^nt der Form toi- sie von dem Gr 0 scher zog licket: Daus- nnd Ltactts- 2' dahier festgestellt smd. Jeder Schüfst durch cm reich-
Bcrjierto ÄP
rtäri:c orftijbt unb jrist, i» Enmtl
Bilder der vielgettalttgen hesscschen. ^«tadl etvap t^n. ^ Neben ^dcr Stilisierung der einzelnen Schild 'rgurKttzdie dem Kmrsttcr trc'iltch gelungen ist, verdietrt die Art der Verteilung "nd Anordnung aus die acht verfügbaretc Hin-eMachen, dw emc aufstwn-dentlich feilt abgetönte Farbenrwirkung errett, gaitj beioichere ünerkenirung.
Das Kmtstwerk wird mit Gcwehmigirng seiner.Kontgsichen Hoheit des Großherzogs dennmchst snr emtgc Zeit rm Landtz- museum it: Tarmsip-dt zur Besichtigung ausgestellt werden. Es erfolgt daaüber noch nähere Mittemorg.
* Ein unveröffentlichtes Gedicht Emanuel Gei bei s. In Geibels Heimatstadt Lübeck ist vor einiger Zeit ein imDeröffentlichktt's .Gedicht des Dichters gefirnden worden, das anscheinend in seinen spätere^ Jahren entstanden ist und wohl deck ersten Entwurf zu einem prächtigen Weinliede darstellt. Die bei der Deutschen Verlagsanslalt in Sttutgart ersckrtinende Wochsn- schrift „Uebei- Lmrd und Meer" ist in der Lage, das Gedicht mit* Anteilen. Es lautet:
Weitilied.
Oh, tvohl trüb ist die Zeit, tvo der strämlicbe Gast,
Wo mit frostigem Arme das Lllter uns faßt.
Und die feurige Lust, die noch jüngst uns beseelt.
Wie ein Miärchttc uns dünkt, das am Herd man erzählt. Dock, der Wein bringet wieder.
Was »it rasch uns entfloh.
Bringt Ertiinerung und Lieder,
Mtes .Herz, altes Herz, und tvas glüheti du so!
Grün wäret: die Lauben und sonnig die Stund',
Da mein Miädchen ich küßt' aus den srisciwoten Mund,
Da nichts Sichres ick mußt', als ihr Auge so blau —
Ach, der Herbst kommt z>un: Wald, wtb die Locft luarb grau. Dock', der Wein bringet wieder.
Was zu rasch uns entfloh.
Bringt Jugend und Lieder,
Altes Herz, altes Herz, und tvas glühest du so!
Keine Drätts, Herzensbruder! Wir scktmtit von den Höhn Nach der sinkender: Sontt', und verglüht sie nicht schön?
Heil uns, daß uns »wirb, tvas der.Frühling uns gibt. Diesen Bcker der Liebe, die einst tvrr geliebt!
Denn der Wein bringet wieder.
Was zu rasch uns :mtfloh,
Bringt Lieb' uns und Loeder,
Mtes Hjevz, altes Herz, und was glühest du f»!


