Er. 222 Zweiter Blatt
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag».
(67. Jahrgang
Beilagen: ..-ietzener ZamiliendlStLer" und „Rreisblatt für den Urei; Giehrn".
Postscheckkonto: Frankfurt am Main Nr. U686. Vankverkehr: Gewerbebank Stehen.
Giehener Anzeiger
Seneral-Anzeiger für Gberhejjen
Zreitag, 2 [. September \9U
ZwillingSrunddr-uck und Perlag.
Brühl'scheUnweriüätt-Buch-n.Stunde, ckerei.
R. Lange, 6)ießen.
Lchriftleituna. Geschäftsstelle und Druckerei:
Schulstraße?. Geschäftsstelle u.Verlag:
Schristleilung: 112.
Anschrift für Tra htnachrlchtenr AnzeigerEießen.
i An» Stadt und Land.
Dießen, 21. Sevtcuiber 1917.
**\$ artosselhöch stpreis. Tie L and eskart o s sel stet l e hat Ken Erzeugerho chstpreis für Dinter-Speisekartosseln auf 6 Mark für den Zentner einschließlich SchneUigkeits- und Anfuhrprämien
Zentner: dazu kommen ,wck die von der Reichskarlosselstelle vor geschriebene Schuelligkcitsprümie mit 50 Pf. und die ebenfalls von dieser Stelle festgesetzte AnfuhrPrämie. Biele Landes- und Pro- vinzial-Kartossel stellen sind über den (Grundpreis von 5 Mark hin
lich Schnell igknts- 'und Ansuhrprämie Deckung ihrer Unkosten müssen die Kommunal verbände einen Aufschlag von etwa 80 Pfeinria für den Zentner erheben. In Hessen kostet sonach der Zentner frei Keller 6.40 bzw. 6.80 Mark, je nachdem die Anfuhr aus eine Entfernung bis zu 3 Kilometer oder darüber erfolgt. Tiefen Preis kann auch der Erzeuger beanspruchen, n>enn er frei Keller liefert. Die vom Händler bezogenen Kartoffeln stellen sich noch etwas teurer. Ter Kleinhandelshöchstpveis beträgt 9 Pf. für das Pfund. _
** Steuog rap h i e. Der hiesige Gabolsverger ,che ^>tcrro- graphenvevein non 1861 und TcnueustVereiu „Babelsberger" er- öffnet Anfang Otz»ber im „PostkMer" einen neuen Lehrgang Tür Knfänger in der bewährten Gabelsberger'scheu Stenographie. Tie Mck-tigkeit und Bedeutung der Kurzschrift für Jedermann rst lvohl hinlänglich bekannt. Näheres ist aus der heutigen >Anz-erge zu ersehen.
** In der Vortrags Vereinigung iKaunuannncher und Ortsgewerbeverein) spricht am Samstag, 22. Sept, abends 8' st Uhr Pcivaldozent Dr. Spethmanu aus Berlin über „Der Kanal und die Oftküste Engsauds, der Kampfplatz unserer Flotte". Siehe
Anzeige.
** Größte S-orgfalt in der Aufschrift und Verpackung der Postpakete wird von neuem dringend empfohlen, um Absender und Empfänger vor Schaden zu bewahren. Unbedingt erforderlich ist, den Bestimmungsort der Pakete sorgfältig und deutlich mit hervortretenden Schriftlichen niederzuschreiben und zu unterstreichen. Qsf empfiehlt sich ferner, daß die Absender in den Paketaus schriften nicht nur die amtliche Bezeichnung der Postorte artgefwt, sondern — abgesehen von den Orten mit dem Sitz einer Ober-^Pofidrrccktion und sonstigen allgemein bekannten großen Städten — auch zusätzliche Bezeichnungen Ober-Pc^tdirektionsbezirk oder Kreis, Provinz, Bundes staat, Fluß, Gebirge oder dergl.) hinzusügen, um den jetzt rm Berteiltm-gsdienst beschäftigten, wenig geübten Hilfskräften die richtige Leitung zu erleichtern. Biel zu klagen ist über die ungenügende Verpackung der Pakete. Täglich kommen bei den Postcrnstalten Hunderte, ja Dausende von Paketen mit so schadhafter Berpackirng vor, daß der Inhalt bloßgelegt ist und neu verpackk werden muß. Im eigenen Vorteil der Postbenutzer liegt es, die Pakete unter Verwendung guter und ausreichender Zutaten^entsprechend der Besörderungsstrecke, dem Umfange der Sendung und der Beschaffenheit des Inhalts, recht haltbar und sichernd zu fertigen. Dabei nrutz stets ein Doppel der Aufschrift oben auf den Inhalt des Pakets gelegt werden, damit dieses auch dann dem Empfänger zugeführk iverden kann, wenn die Aufschrift abgefallen ist.
** Preise von Schlacht schweinen. Nach einer neuen Verordnung des Herrn Stellvertreters des Reichskanzlers können bei der Abnahme aller Schlachtschweine stets die Grundpreise für je 50 Kilogramm Lebcirdgewicht gefordert werden, die bisher als .Höchstpreise für Schweine im Lebendgewicht von über 85 Kilogramm galten. Damit werden für geringerg-wichtige Schnieine die niedrigeren Höchstpreise aufgehoben. Diese Regelung tritt jedoch nur vorübergehend bis zum 30. s 3h>t>entkcr 1917 in Kraft. Der Zweck der Vorschrift ist, daß die Landwirtschaft baldigst alle Schweine ohne Rücksicht aus die Höhe des erreichten.Mastzustandes abstoßen kann, wenn ihr erlaubtes Mastfutter nicht zur Verfügung steht. Dieser Fall wird, da die Gerste beschlagnahmt ist und zur Schweineinast nicht sreigegeben werden kann, vielfach eintreten. Die Freigabe von Gerste zur Mast ist nickst möglich, weil der geringe Ertrag der Ernte für menschliche Ernährungsziveckc, für den Heeres bedarf Und die Fütterung der Arbeits- und Zuchttiere Vorbehalten bleiben muß.
** E i ii weiterer Ersatz für ausländische Gespinstpflanzen Im letzten Jahre haben unsere feldgrauen Lazarettinsassen und unsere Schulkinder Brennesseln in großen Mengen gesammelt, weil deren Fasern einen brauchbaren Gespinststoff liefern Jetzt hat sich der Ressel eine andere bei uns wildwach
sende Pflanze zugcsellt, deren Stengel- und Blatttippenobexhaut auch einen verwendbaren Faserstoff abgibt. Es ist dies die Pestwurz (Petasitrs offizmaW), die in den feuchten Borgebirgewiesen im August und September oft ganze Strecken überzieht. Sie hat große, dunkelgrüne, herz-nierenförmige Blätter mit starken Stielen. Tie Pflanze blüht schon im März, während die Blätter später erscheinen. Tie purpurrotcn Blütentrauben stehen auf blattlosen, schuvpigen Stielen Auf den ersten Blick ist das Blatt leickst mit dem des verwandten Huflattichs 'Tmssilago sarsara) zu verwechseln. Während aber das Blatt der Pestwurz herznierensörmig, groß und-leicht zerreißbar ist, ist das des .Huflattichs herzförmig, kleiner, lederartig und aus der Unterseite mehlig weiß. Tie Gewinnung der Faser muß jetzt geschehen, da sie mit Beginn Oktober unbrauchbar wird. Tad Verfahren ist sehr einfach: Man schneidet den Blattstiel dicht am Erdboden weg und zieht seine Oberhaut von der Schnittstelle aus nach der Blattspitze zu langsam über die Blattrippen hinaus ab, bis der ganze Stengel rundum abgezogen ist. Tic gewonnenen Faserstteiien weiden mit ihren breiten Enden zusammcngelcgt, an ihrem dicken Teil zu kleinen Bündeln zu- ammengebunden und an einem lustigen, schattigen Orte zum Trocknen aufgehängt. In den seuchten Wiesen und an den Gräben bei Krofdorf, am Gleiberg, bei Heuchelheim, Annerod, Rödgen und an andern Stellen bei Gießen, wie in ganz Oberhessen, wächst die Pestwurz in Menge.
** Z um Absatz verbot für O b st ko n ser o c n. Die Kriegsgesellschaft für -Obstkonserven und Marmeladen gibt folgendes bekannt: Infolge der neuen Fassung des tz 8 der Verordnung über die Verarbeirnng von -Obst vonr 5. August 19l6 erstreckt sich das Absatzverbot für -Obstkonserven nicht nur aus solche Hersteller, deren Erzeugung im Jalwe mehr als 100 Doppelzentner beträgt, sondern ans sämtliche gen>erbsmäßige Hersteller von Obstkonserven, sowie aus olche nichtgewerbsmäßige Hersteller, die im Jlähre mehift als 20 Doppelzentner Herstellen. Ms Obstkonserven gelten: .Kompott
früchte, Dunstobst, Obstmus, Obstmark, Belegfrüchte, kandierte Früchte, Gelees, Früchtsäste, Fruchtsirupe, Obst kraut, Dörrobst und Marmeladen, die aus Obst oder unter Zusatz von Obst oder Fruchtsäften hergestellt sind. Die gewannten Hersteller unterstehen daher sämtlich der Aufsicht der Kriegsgesellschast für Obstkonservew und Marmeladen, Berlin S.W 63, Kochstraße 6. Sie werden aus gefordert, ihren Betrieb und ihre vorhandenen Vorräte bei der genannten .Gesellschaft umgehend anznmelden.
X ** Ermittelung der Herbstkartosselernte. Das Lebensmittelamt weist wiederholt auf die Betarrnttuachung über die (ßpinittclung der Herbstkartosselernte. im Blatte vom 15. September A.917, hin. Danach muß jeder Kärtosselerzeuger, der mehr als 200 Quadrattneter Kartoffel!and besitzt, die Ernte in eine besondere Kartoffelliste eintragen. Die Listen sind auf dem Städti schen Lebensmittelamt, Zimmer 12, erhältlich.
was bedeutet Goldschmuck angesichts dessen, was für das Vaterland auf dem Spiel siebt!
Sie Goldankausftelle
in den Räumen der BezirkssparWe Gießen ist morgen von 10 bis \ 2 % Uhr geöffnet!
Landkreis Gießen.
** Lauter, 21. Sept. Der Gardesüselier Hermunn Peter, Inhaber des Eisernen' Kreuzes, erhielt die Hessische Dapferkeits- Medaille. _ , ,
** QueckVo rn, 21. Sept. Bei der Gemerndeobstverstmgerung wurde die hohe Einnahme von 3912 Rdark erreicht.
Kreis Büdingen.
QRidda, 21. Sept. Bei der hier abgehaltenen Versteigerung der Gemeindeäysel wurden nngemsein stöbe Preise geboten. Im ganzen löste die Stadt annähernd 11 000 Mark für Aepsel, 1300 Mark für Zwetschen und etwa 700 Mark für Frühobst und erzielte somit eine Gesamteinnahme von 14 000 Vhark. Dieser Betrag ist in früheren Jahren niemals erreicht morden.
Kreis Alsfeld.
Fc. Alsfeld, 20. Sept. Unter -eigener Lebensgefahr errettete der 12jährige Schüler Wiltn Ebcke ein-gleichaltriges Ferienkind vom sicheren Tode des Ertrinkens.
Kreis Schotten.
R. Burkhards, 21. Sept. Ms dem Felde der Ehre siel dev Musketter Heinrich Haas von bier.
Kreis Friedberg.
R Z Bad-Nauheim, 21. Sept. Ein zeitgemäßer Vortrag steht für nächsten Dienstag den 25. d. M. im Kurhaus in.Aussicht. Der bekannte Redner Herr Sonderburg wird über seine „Erlebnisse als Gefangener in Frankreich" und über Deutschlands industrielle Zukunft sprechen. Ter Redner, der 10 Jahre im Auslande tätig
war', wurde bei Ausbruch des Krieges verhaftet und hat,18 Wjv nate in drei verschiedenen Gesangenlager znbringen müssen, bis es ihm gelang, über Spanien zu cnlslichcn.
Starkenburg und Mcirihen'en
** Dar m stabt, 21. Sept. Tie Kriegstagung des Verivak- tungsrats des Hessischen Hauptvereins der Oöustav-Adols Stiftung fand am 13. September nachmittags im Landessynodalgebäude zu Tarmstadt statt.
Hessen-Nassau.
T. Z. Tillen bürg. 20. Lept. Die Stadtverordneten beschlossen in ihrer letzten Sitzung, als Antwort aus die bekannte Wilwn-Rote, nachfolgende Entschließung an dm Reichskanzler ab-zu senden:
„Tie Stadtverordnetenversammttmg Dill eich urgs weist eftr- mutig und einstimmig die plump-dreisten Fälschungen und Verdrehungen vergangener und gegenwärtiger Geschichte durch den Präsidenten Wilson, die seine Antwort auf die Friedensnote des Papstes enthält, mit Entrüstung zurück und spricht ihre Empörung aus über den Versuch dieses Ausländers, die Vorzüge unserer staat- lichmr Einrichtungen h.uabzusetzen, über die Anmaßung, seine Auffassung von S:aat'ideal den Deutschen aufzudrängen, und über die nichtswürdige Absicht, Zwiespalt nnd Unfrieden zwischm Volk und Herrscherhaus zu stiften. Tie Verttettmg der Bürgerschaft unserer Stadt, aus der die Schwere des Krieges nicht minder lastet, als aus anderen deutschen Städten, ist durckidrungen von der Nottrendig'keit unbeugsamen Siegeswillens bis zur Erlangung eines deutschen Friedens und hält fest in un.vairdelbarer Treue an Kaiser und Reich !"
X Gelnhausen, 21. Sept. Zum Regierungspräsidenten in Koblenz ist der Geh. Oberregierungsrat und Vortragende Rat im Ministerium des Jrrnern, von G r ö n i n g , der vor seiner Berufung in das MinisteriuUr lange Jahre Landrat des Kreises Gelnhausen war. ernannt worden.
X H a n a u , 21. Sept. Ein Bürger, der ungeu-rnnt bleiben will, hat 10 000 Mk. für die Säuglings- und Kinderfürsorge gfipendet.
— H o s h e i m i. T., 21. Sept. Ter hochbetagte Landlvirt Thomas Kippe rt, ein Veteran von 1870 71, stürzte beim Obstbrechen von einem hohen Baum ak Er erlitt einen Bruch der Wirbelsäule nnd starb nach wenigen Stunden.
Fc. Marburg, 20. Sept. Ter Jnstitutsdiener Ger lach von hier wollte aus einem Baume an der Straße Bauerbach—Ginseldorf Aepsel pflücken. Dabei stürzte er so unglücklich ab, daß er bald daraus seinen schweren Verletzungen erlag.
ra. Bon der Lahn, 21. Sept. Das Hosgut .Hausen bei Nassau, das bisher Eigentum des Vereins Nässauischier Land- und Forstwirte war, ist zum Preise von 500 000 Mark in den Besitz des Fabrikanten Mols Teves in Frankfurt a. M. über gegangen/
Arrchlöche Ncrchrrchterr.
Israelitische Religionsgemeinde. Gottesd. i. d. Synagoge iSüd- Aulage). Samstag, 22. Sept. Borabd.: 6: morg.: 8.30: abds.: 6.35 u. 7.10. — Israelitische Religionsgesellschaft. Sabbatseier, den 22. Sept. Freitag abd. 5.55: Samstag vorm. 8.00 Predigt: nachm. 4.00: Sabbatansgang 7.10. Wvchengottesdienst: morg. 5.15 und abds. 5.30.
vermischte».
** Die preußische Vcrlustlrste R r. 941 und die bayerische Rr. 359 sind soeben erschienen.
wöchevü. Aedersicht derCodeMüs i. tz. Stadl Sietzen.
35. Woche. Vom 26. August bis 1. September 1917. Einwohnerzahl: angenommen zu 33100.Sterblichkeitsziffer: 32,97 Nach Abzug von 14 Ortsfremden: 10,99 °/ 8n .
©r* * Kinder
Es starben an Zus.
tm l. Lebens- vom2 bi» wachsene 15. g, a t, r
Angeb. Lebensschwäche
1 U)
—
1 (l)
-
Altersschwäche
1
1
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Lungentuberkulose
1
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—
Lungenentzündung
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1 (I)
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1
Krankh. der Atmuugsorgane
1
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—
Krankh. d. KreiSlaussorqane
4 (2)
4 (2)
—
•—
Krankh. d. Nervensysteins
2(1)
1
1 (l)
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Maaen* und Darmkatarrh
2(2)
I (1)
—
1 (1)
an Krankheiten der Ver* danunqSorgane
2(2)
2(2)
—
-
Krankheiten der Harn- und Geschlechtsorgane
2(2)
1 (1)
—
1 (1)
Krebs
1 (1)
1 0)
—
anderen Neubildungen
1 (1)
1 (1)
—
and. benannte Krankheiten
1 (1)
1 0)
—
Summa:
21(14)
10 (10)
2(2)
3'(2)
Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an. wie viel der Todessälte in der betressenden Krankheit aus von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
Dcröiientluhung des Großh. Kreisgesnndbeitsamts Gießen.
Dr. W a l g e r. Med.-Rat.
5um Gedächtnisse eines deutschen Landschastrmeisters.I
Toni Sttidlfr f.
Toni Stadler — so hieß er «ülgemattl in München, aber sein amtlicher Rcame lautete Professor Anton von Stadler. ,Toch nenne man ihn. wie man walle — soviel ist gewiß, daß die deutt'che Kunst in ihm einen ihrer eckstesten, reichsten und anziehendsten MeistarI'orloren hat. In der .Kimst wie im Lebm ist er ein Freund der Sttlle und ein Feind alles Lauten gewesen: nnd so hat er sich denn auch redlich mühen und lange genug niarten müssen, bis die Anerkennung den Weg zu ihm fand. 50 Jahre war er schon alt, als er endlich „entdeckt" wurde. Er ist von Gebrrrt ein Niederösterreicher, stammt aus Göllcrsdors, wo er am 9. .Jicki 1850 das Lickst der Welt erblickt &at, und hat sich nach abgeschlossener Schulbildung zmrächst dem Studium der Bi^)izin und der 'Raturlvissenschasten zugewMtdl, bis die Neigung zur Malerei siegte ürrd alle Bedenken überwand. Er war über schon 23 Jahre alt. als er sich der Kunst zuwandte. Zuerst studierte er in Berlin, wo ihm Pmil Meyerbeim lvoblwollcnd entgegen!<rrn; 1878 siedelte er dann nach München über, das ihm seitdem zur zweiten Heimat geivorden ist. Zu seinen Lehrern bot auch Schöuleber gehört, aber' die Meister, die ihn lvirttich in die Schule nal-men, das nmeu die großen Landlchaster voir FontainMeau, vor allein Theodor Rousseau, in deren Studium cr sich tief versenkte. Späterhin ist seine Rattrrarrfsassung von zwei Vtalersreunden, die ihm aus seinem Lebenswege begegneten, von den beiden Sckstveizern Adolf Stäbli und Otto Frölicher, daz:l auch vom Meister Hans Tboma, zu dessen grvßerr Verehrern er gehörte, beeinflußt lvorden. Stadler nahm alle diese Enttlüsl^ willig und still in sich ans und blieb doch ganz ein Eigener.. In ihm lag ein gesundes, festes Bestreben, sich vor allem ent einmal des edlen .Haninverks in der Malerei sichen zu 6emfl.dv tigen. Das ward ihm freilich um so sckilwerer gemacht, als er iu seinen ersten Münchener Jahren unter so besthränkten Berhältnisseu lebte, daß er nicht einmal in der Lage lvar, Oelstudien twr der Natur zu machw So, der Not gehorchwd, begnügte er ^ sich damit, vor der 9ratur zu zeichnen und eignete sich auf diese Weise eine sehr prägnmite und sichere Zeickstiuiig an. ES sollte den
Fanatikern der Natnrskizze zu denke,i.geben, daß Stadlers Land- schaftcii erst imch diesen Zeicknuiligen in der Werkstatt hergeUellt zu iverdrn pflegten. Diese Landsebaften mrn, was ihnen bie Wacht, die Tiefe und die Eigenart gibt, das i,t ihre gewaltige Rämnlichkeit. Auf oft kleinen. Formalen welch ein mächtiger Raum, der sich wie in tiesrn Atemzügen zu heben Mid zu dehnen scheint u,id die Seele mit sich zieht ins Unendliche! Am reinsten und schönsten kam diese seltene Fähigkeit Stadlers zum 'Ausdrucke, nachdem er liach manchem UmHerichweifen rn der näheren und weiteren Welt zum künstlerischen Entdecker des Landes um und vor München geworben lvar. Da hatte er seinen eigensten Stoß .gesunden, „tiefe Horizonte, hoher Himmel, ein lvetteS fluckles Land und darüber lvunderbare Wolkensormattonen oder verschlvebelide Dunstflöre": das ist etwa nach Jobairnes Guth- maiins trefßmder Schildemmg das klassisck>e Motiv ^tadlersck>er Landschaft. Aber wie schwer ist es mit Worten zu ^schreiben, welch" Fülle voll Reizen sich in dreien anscheinend so eiNfackicn Schöpfungen vereinigt! Tie Ausgeglichenheit der Gründe, die ec mit seltener Meisterschaft beherrschte, die kräftige und doch immer zurückhaltend abgestdmnle Farbengebung, die iwnrge JnttMitat. durch die er selbst die größte Rxuimbildung doch wieder ^zu bmden wußte: das alles wirkt zusammen, um die Werke Dieses schlickt beobach>tr,iden Meisters zu Erzeugnissen echter Landlchaftspvelw
zu stempeln. .. ^ ,
Noch eins aber daps nicht vergelle.n werden: die stme, hohe Kultur die in allen Schüpftm^en Stadlers fühlbar ilt. Das^ttt ein gcnrz pefiönlicher Zug, denn Stadler war ein Mann von wrnster allgemeiner Bildung und Kulttrr, ein gediegener' KunsMnner. cm geschmackvoller und glücklicher Sammler. Und dazu.ent Mensch von seltener Güte, und Reircheit der Tat und der Geftmiung. schwer riuaeude junge Talente fanden keinen uneigennützigeren, wohl- wMenderen Gönner als ihn. Zur Anerkennung Thomas hat er krRg mit gewirkt. An Stäblr und Frö locker hat er die Dankes- MmJb abgetragen, indem er fidM»r «rnmtgatemg itog päMnisLusstMingeil annahm, uwfe als Tschndl im* München ttrm da war es Stadler, der ihn am besten verstand und ain elüschwümsten zu ihm trat Ta»m, war es ganz liattn'lich datz cr mich rschudis vorzeitigem Lode *etfmeü>£ lern Nachchtger uls Gialerielertcr wurde; cs gab tvopl m München k«r»Lll Oveiten
Mann, der in dem Maße wie cr. sich bei allen kün,tierischen Parteien und Persönlichkeiten des Vertrauens und Ansehens erfreute. Und ,'v trauert denn auch setzt an seiner Bahre das ganze künstlerische München, und mit ihm die ganze deutsch- Kunst- weit. Es ist einer unserer Besten, den wir da verloren haben.
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— Steinzeitmalereien in R0 r w ege n. Die Altertumssammlung der Universität Cbristiania hat den schwedischen Mtertunissvrscher Gustaf 'Hallström eingeladen, in ihren Ver - össentlichimgeii eine Beschreibung der Maklereien aus oteiit zu geben, die er im Sommer dieses Jahres bei Msservang in der LMidstbaft Telemarkeii gefunden hat mtb die er der von ihm so oenanulen „arttischen" .Kärltur zunxstst, die während der Steinzeit Norwegen beherrscht haben soll. Herr Hallsttöm will in seiner Abhandlung die bisher in Norwegen gefundenen Malereien aus dem Swinaltcr zusammen fassend behandeln. Es sind dies große Seltenheiten: vor der jüngsten Hallströmschen Entdeckung war. fonreit bekmlnt, nur eine einzige ähnliche Malerei aus Stein in Norwegen entdeckt nwrden. Sic findet sich aus dem Hofe .Hind- dämmeren in der Landschaft stiordmör und zeigt vier Renntvre aus einer Felswand. Die Zeichnungen, die an Ort nnd Stelle längst bekannt waren, galten dort für Arbeiten der Mannschaften eines Kriegsschiffes, das lange in der Gegend vor Anker gelegeir batte: in ihren Mußestunden sollten die Matrosen sich mit diesen Kritzeleien vergnügt haben. Bor etwa einem Jahrzehnte entdeckte jedoch Herr Hallsttöm. daß diese Felszeichnungen die grösste Aehnlicksteit mit drei in Schweden gefundenen Felszeich- iruugen aus dem Steinzeftalte^ zeigten, nnd wies daher auch die norwegischen Bilder der Steinzeit zu. Bekanntlich ist in Südfrankreich eine große Anzahl zum Teil sehr lebensrvller Aialereien aus der Steinzeit gesunden morben. Ihnen stehen die Zeichnungen aus Hinhammererr an Frische der Beobachtung surnd Schlagkraft der- Formgebung pveisellos erheblich nach, lvähreird die Malereien aus Msservand einen mehr dekorativen Eharaller lyibax. Jedenfalls aber baubett es sich um k>stttn'- geschichtlich sehr- lnteressante Ueberreste, derer: näherer Erwr- schung man mit Spannung erttgegenselwn darf.


