Nr. 219 Swetter Natt
Grs chs ir tt tLgMH mir AnSmcha« des S«ntt»gs. d
Beilagen: „Sietzener ZarmIievLlStter" und „Lreisblstt für den Nreir Sietzntt'.
167. Jahrgang
postlcheckronls: Krmttsvrt am Main Nr. 11686 . Vankverkehr: Sewerbebank Sieben.
General-Anzeiger für Gberheffen
Dienstes, 18. September 1917
Zwillingsrunddruck und Beringe
Brühl'scheUnwersttäls-Vnch-u.Steindruckerec.
R. La nge, G ießen.
Schriftleitung, GeschäftrMe und Druckerei:
Schulstvaye?. Geschäftsstelle u. Verlag: bl,
Schriftleitung: 112.
Anschrift für Trahtuachrkchtenr AnzeigerGießen.
Ms dem Reiche.
Die deutsche Antmort an den Papst.
Astts 'LxaLg, 16. Sept. Das katholische Blatt ,^hd" schreibe: Dve jüngsten Eveigmsst haben fernen günstigen Einfluß auf die FmöDerlssttmrmtwg ausgÄibt, wie ans der deutschen Antwort jünf die Papstnote hervvrgehen wird. Ursprüngliche rechnete man mit weitgehenden ZuMstänbanssen, doch unter dem Eindruck der Eroberung von Riga, der russischen Zerwürfnisse, der Wilsonnote mid iml Hinblick auf die bevorstehende gute deutsche Ernte, durch die der Leb^iÄnittelbedars Deutschlands ^wieder für längere Zeit sicherge- steltt ist, wird die Antwort an Seine Heiligkeit )verrrger günstig lauten, <cks die Pazifisten erhofft und die Alldeutschen befürchtet hatterr. Deunoch wird die Antwort keine ungünstige fein, ober tatsächliche Jugestündnisse bezüglich Belgiens, des Balkans und des Orients wird sie ivvhl nicht enthalten, statt dessen; niÄmehr die bekanntere theoretischen ErDärungen über die allgeinei- nen KrieyszieLe. Weiter wird die Antwort erllären, daß die päpstliche Note trotzdem als Grundlage von Friedensverhaudlunger^ dienen könne und ba% sich Deutschland bereit erkläre, an der Gründung von internaltronalen Organisationen zur.Verhütung künftiger Kriege rnitzuwirkeu. G H K eW ch wird in der Antwort verlangt werden^ daß die feindlichem VLachbe ihren Vernichtungswillerr gegen' Deutschland aufgeberr urü» auch davon absehen, Uneinigkeit zwischen dem! deutschen Ä>lk ttnd seiner Regierung zu stiften.
Berlin, 15?. Sept. (ÄATB.) Tie Blätternreldungen, daß der Staatssekretär von MLHlmann die deutsche Antworttiote an den Papst dein päpstlichen Gesandten in Vkünchen überreicht hat, entsprechen, wie verlwutet, nicht den Tatsachen.
Berlin, 18. Sept. Dem „B. D." wird aus dem Haag gemeldet, daß nach dem Mailänder Korrespondenten des Daily Telegraph der Vatikan die deutsche und österreich-ungarische Antwort aus seine Note empfangen habe. Man erwartet neue und überraschende weitgehende Äi-rschlag e.
Der deutsche Großhandel gegen Wilson.
Berlin, 17. Sept. (MTW.) Das Präsidium des Zeir- tr a lv^erb arrd es des deutschen Großhandels faßte in seiner jGitzuintz! nrn 17. ISepteinb-er leine Entschließung, die an den Kaiser, den Generalfeldruarfchall v. Hinden- b u r g Und den Reichskanzler Dr. M i ch a e l i s gesandt wurde. Die Entschliefturrg lautet:
Der Z-eutralverband des deutsch>en Großhandels gibt seiner Entrüstung Msdruck über die anmaßende W i l s o u s ch e Note, die in frecher Verzerrung der weltgefchühtlichest Ereignisse Deutschland die Schuld an dem Kriege aufladen will' und das deutsche Volk gegen Kaiser und .Regierung aufzuhetzens versucht. Das deutsche Volk weiß län-MMr Genüge, welcher Sefte die furchtbare Blutschuld des Krieges yufciillt. Solweit das Ausland durch die zahlreichen früheren dokumentarischen Beweise von der Kriegsschiüd der Entente noch' nicht überzeugt wurde, mußten auch ihm durch! idie erschMternde Aussage im Snchomlinow-Prozeß und den jüngst veroffeirtliichbem DelegranrnNvechsel Zwischen Zar und Daiser die Augen geöffnet werden. iUjeb-err seine .innerpolitffchen' Verhältnisse aber entscheidet das deutsche Volk in eigener, freier Entschließlmg unter Zurückrveisung jeder fremden Einmischung. Der Versuch, durch Erttzjweiung des deutschen Volkes das zu erreichen, was d-er WftHengchwalt nicht gelingt, nämlich seine Vernichtung, wird an dem unbeuglscunen Wjillsern d>^ deutschen Volkes schpitern, in geeinter Kraft s-cine Z^ltstellUmg zu behaupten.
Der Zentralverbasd des deutschen Großhandels. gq>. Kursttg, Kleinath.
*
Berlin, ,15. Sept. (« Amtlich.) Der Kaiser Ifixti die Vorträge des Reichskanzlers und des Vertreters des Auswärtigen Amtes Freiherrn v. G rüna u und empfing den Unterstaatssekretär Dr. Müller.
Berlin, 15. Sept. (WTB.) In der heutigen Sitzung des Bundesrats würde der Entwurf einer Bekanntmachung über Papier, Karton und Pappe und der Entwurf einer Bekanntmachung betreffend, die Aenderung der Bekanntmachung zum Schutze der Mieter vom 26. Juli 1917 angenommen.
München, 15. Sept. (WTB) Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, v. Kühlmann, ist heute vormittag hier eingetroffen und von dem preußischen Gesandten von Treutler, dem Legationssekretär Grafen Zech und vom Lega- tionsrat Baron v Stengel vom Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten empfangen worden. Der Staatssekretär stattete Besuche ab, u. a. beim Ministerpräsidenten Grasen Hertling, der ihm zu Ehren ein Abendessen im kleineren Kreise gibt. Sonntag vormittag wird Frhr .v. Kühlmann vom König in Audienz empfangen werden. Hiernach ist er Gast bei der königlichen Frühstückstafel. Sonntag abend verläßt der Staatssekretär München.
Berlin, 17. Sept. (WTB.) Staatssekretär v. Kühl mann wird im Anschluß, an seinen .Besuch mn bayrischen Hbf Mn Ordnung dringende Privatangebegenheiteir einige Tage in Süddeutsch l and zubrrngen.
Berlin, 17. Sept. (WTB.) Der „Reichsunzeiger" veröffentlicht eine Bekanntinachung betr. Änderung der Bekanntmachung zum Schutze der Mieter vom 26. Juli 1917, eine Anordrrnng für das Verfahren vor den Amts
gerichten irr Märtseintgungssuch«: und eine BekErtmachüng iwer Papchr, Karton und Pappe.
3tu* Stabt unb €anb.
Gießen, 18. September 1917.
, Jf* Am tkiche Persvnalnachrichten. Der 'Großherzog empfing «mr Samstag zum' Vortrag: den Staatsminister Dr. wn Ewald, den Minister des Innern von Hombergk zu Vach, den Minister der Finanzen Dr. Becker und den Vorstand des Kabinetts, Geheimen Rat Römheld. Der Großherzog hat am 15. September dem Vorsitzenden des Verbandes Hessischer freiwilliger Feuerwehven KrriSfenerwehrinspÄtor Karl Keller in Adainz die Krone zum Ritterkreuz 2. Kl. des Verdienstordens Philipps des Gro^Echen und «m 5. September d. Js. dem Rentner August Freund zu Darmstadt anlWlich seines Ausscheidens ans der Steuer- vevarstLMn^LomRrWou 1. Älbtrllung das Ritterkreuz 2. Kl. des Verdienstordens Philipps des Großmüttgen verliehen.
** Anszeichnnng. Dem LaZvwett-Juspettor-SWLvertreter Schrrdde wurde das Hefststhe MiMär-Ssuitätskrenz am Kriegs- bcmde verkiehan.
** Unsere Künstler im Felde. Hans Grosser, der hier unter denr Namen Gvosser-Braun auftrat, wurde kürzlich, durch einen G-ckwapreellschuß am Arm Vesvundet, zrnn Untervffizstt ernannt und erhielt das Eiserne Kreuz. An den Kämpfen vor und um Riga war er beteiligt.
** LsbensmittelversorMrng der Kranken. Durch die Presse gcht in letzter sZeit vielfach, die Nachlvicht, daß das! Kriegsernä'hrmrgsault rveuerdings eine anderweite Versorgung der KvcrnVen Mit Lebensmitteln angvordnet habe. Diese Nachricht beruht auf einem Irrtum. Tatsächlich richtet sich die Versorgung d«I Kranken mit iläcchvuugsnritteLr nach, wie vor nach dem Rundschreiben des Präsidenten des KriegsevnLhruingsamts vom 1. Februar 1917 !— CI997 —. Hiernach, sind Mltrüge auf Zubilligung doch Nahrungsmittel'zulagell an sich, selbst beköstigende Kranke nach wie vor unter ,AchschLuß eines' von einem Arzt ftuf vorgeschriebenem Vordruck ausgesteL-lteu Zeugnffses der ärzlichen Prüfungsstelle ein- zuoeichien. D^pe entsschßidet, vb die Anforderung überhaupt im vollen Umf.ange und auf du gewünfchile Zeitdauer zu bewilligen,', ob sie abzülelinen oder nach Menge und ZLÄdaner zu beschränken ist, oder durch, Bewilligung anderer gerade in reichlicherer Menge vorhandener Nahrmrgsmittel tzu ersetzen ist. Die den Kranken zu gewährenden MindesyntengM, von denen in der erwähnten Zeitungsnachricht die Rede ist, z. B. 4 Pfund Brot wöchentlich, 300 (Urcamn Neisth, 2 Eier, 140 Gramun Putter, täglich ein halbes Liter MM?, nronatlich 400 ,Gramm Käsie usw. jsind allgemein! nur öffenklichen. allgemeinen Krauten Häusern vorbehaltlich des richtigen Ausgleichs der Nkchrurrgsmittelzul-agen unter den Airstalts- insassen, je nachdem sie ihrer wchhr oder Minder bedürftig er-- scheinen, Mgebilligt.
** Zm rückstellungsgesuche. Der Zivilvorsitzönde der ErsatzkomMission des Kreises Gießen gibt letztmals bekamrt, daß Gesuche üm, Zicrückstellmrg vom Hoeresdwnst rechtzeitig eingereich!t werden müssen, da solche nach Zustellung eines GestellungsbefeUs nicht wLtzr berücksichrigt roetden können.
** Die Freiwilligen Automobil-Kolonnen des MgeMernen Deutschen Automobil-Clubs (F. A. K.) nehmen wieder NeuarrnreldmiFen von Herreufahrern mit eigenenl Kraftwagen und Führerschein 3 b sowie von Berufs-Waftwagenführern entgegen. Hinsichtlich des Mibtärverhältnifses gelten dieselben Vorschriften wie für Mitglieder der Freftv. Kmnkenpftege. Es können sich also auch HilfsdienstpfKchtige melden. Näheres durch die Geschäftsstelle der F. A. K. München, Neutururstr. 51.
** Die Teuerrrngszulagenffind nicht pfändbar. Narb den Verft^Mgen der Reichs- und Staatsbehörden an die Nachgeordneten Stellen sind die Kriegsbeihilfen und Teuerungszulagen als außero rden-Äiche widerrufliche Zuwendungen anzusehen, zu deren Gewährung kerne Verpflichtung Übernommen und aus die den Beamten usw. kein R-schtsanspruch emgeräumt wird. Die Zuwendungen wrterlisgen daher nicht der PfänduM.
** Zusammenschluß der hessischen Beamten. In einer am Sonntag in Tarmstadt abglchclltenen Versammlung der Vorstände sämtlicher hessischer Beamtmvereine, sowie der Vertreter der beiden in Hessen bestehenden Lehrerv«veiire wurde die Gründung eines hessischen BeamtrMartÄls beschlossen. Zweck des Verbands ist, in gemeftrsamer Arbeit und, Wenn es sein nrüsse, in gemeinsamem Kampfe, die Gehakter der Festbesoldeten im Staats- Und KoTnutumckdiensL so zu gestalten. Wie sie den jetzigen Tenerun-gsverhalturssen entsprechen. Es wurde eine dement- spvochende Entschließung gefaßt.
Kreis Büdingen.
Fc. Aus dem Kweise Büdingen, 17. Sept. In der Zeit vom 19.—24. September wird die Obsternte an den Kreis- straßenpft-anzuirgerr des hiesigen Kreises baumweise öffentlich versteigert. Der reiche Ertrag beziffert sich' diesesmäl stuf ungefähr 6660 Zentner. Es werden nur Bieter aus dem Kreise Büdingen zugelassen. Andere können nur dann an den Versteigerungeir teilnehmen, wenn sie im Befche von Beförderungsscheinen ihres Wohnortes sind und solche, die außerhalb Hessens wohnen, mir, wenn sie Beförderung^cheine der LandeSdbstftelle vorlegen.
Kreis Friedberg.
= Büdingen, 17. -Sept. Die UveWÜeste Beioohüerin der Stadt, Witwe Jjcckob K na f, starte ihren 93. Geburtstag- Starkenburg und Nheinhejseu.
I Darmstadt, 17. Sept. Wie Ms dem Großh. Kabinett mit- geteill wird, ist Professor Pellar aus der Darmstädter Müstler-
kolonte ausgetreten. D-mit hat bet WSdtft imcnÄe fffl« eine erfreulich rasche Lösung gefunden. Am vergangnen -^enstag wurde nämlich die Gattin des Künstlers twn dem f Schöffengericht zu 1000 Mark Geldstrafe vumvckeilt Nur ihrer bisherigen Unbestrafthcit l-atte sie es yu em*
Gefängnisstrafe abgesel>en wurde, wahrew) der ^
klage 2 Monate Gefängnis, beantragt tzatte-
gen ^rnaeoergerei oerain^itLL. ^x. ^
jedoch die vaterländische Gesinnung des Herrn Pellar un d force Stellung zur Erfüllung der Wehrpfticht in einer merkwürdigen Beleuchtung erscheinen und machte seine weitere Zugehörigkeit zur Darmstädter Künstleckolouie unmöglich. . „ . ... , r ,
I Darm stadt, 17. Sept. Gestern urrttag 11 Uhr erfolgte Fliegeralarm. Nach einer halben Stunde war die Gefahr eines feindlick>en Angriffs beseitigt. ^ ^ ^. r
R. M. K. Darmstadt, 17. Sept. Der Provi.nzral- an schuß der Provinz Starken bürg hielt gestern nach U :rer Pause unter dem Vorsitz des Regiermigsrates 'ü.r. Wornei eilte: Sitzung ab.
Kreis Wetzlar.
ra. Krofdorf, 16. Sept. Der lMdivirtschaftliche 5bonsum- verein Krofdorf zählte am Schlüsse des letzten Geichäftsjadres 308 Mitglieder gegen 296 im Vorjahre. Das Bankguthaben betrug 3075 MsrV und der Warenbestand 10080 Mark. Der Genwrn belref sich Ms 775,75 Mark. Ter gesamte Umsatz erreichte 15871,01 Mart.
fc. Wetzlar 17..Sept. Ter Markscheider Wilhelm Ketter dahier konnte am l.'^September stuf eine 40jährige Tätigkett im Dienste der Buderusschen Eisenwerke zirrückblicken. Er ist einer der ältesten Beamten dieses Werkes.
Hessen-Nassau.
= Bad Homburg v. b. H., 17. Sept. Eftie mrswartige Dame schenkte der Stadt zwei Hypothekeii über 100 000 Mark, die sie an eiirer hiesigen Villa stehen 'hat. Die Stadt nahm das Geschenk an und verpflichtete sich, der Speiiderrn bis zu ihvenl Tode eine Leibrente zu gewahren.
= Frankfurt a. M., 17. Sept. Geheimer Kommerzielwat Ludo Mayer ist in Bad NMheim, wo er zur Kur weilte, plötzlich gestorben. Frankfurt verliert in ihnr einen seiner hervorragendsten Bürgtzr. die Nackcharsdadt Offenbach ihren größten Industriellen und Ehrenbürger. Geheinirat Mayer -der ein Alter von 72 Jahren erreichte, ist der Schöpfer der deutschen Ehrom-Ehevreaux-Leder- Jndustrie. Seine Offenbacher Fabriken, urtter dem Namen I. Äiayer und Sohn bekannt, zählen zu den bedeutendsten Lederwerken der Welt und nächst den Heylschen ,Leder-Industrien in Worms zu den größten Unternehmungen des Groß Herzogtums Hessen.
Frankfurt a. M., 17. Sept. Der Oberpräsident hat die Bitte des Magistrats um Beibehaltung der Herbstferien abgelehnt. Die Stadt hat sich nunmehr an das Kultusministeriuni gewendet, um eine Trennung der Herbstserien von den Wei^nachlsferi-.u zu erivirken.
UniVekfitäts-Nachrichte«.
** Göttin gen, 17. Sept. Im Eftcklang mit den Grundsätzen, die. schon vor dem Krüge die Göttinger philosophische Fakultät in einer Denkschrift entwickelt hat („D«i«e Vorbereitung zum Studium in der philosophischen Fakultät" Göttingen 1914), sprachen eine Anzahl Professoren der Göttinger llnrversitat als Vertreter der Geifteswiffenschaften ihre Zustimmung zu der Leipziger Erklärung über die Bedeutung des hmnanistffchen Gymnasiums für das Studium dieser Wissenschaften aus.
vermochte».
* Hannover, 15. Sept. (WTB.^ In d-er Nacht zmn 15. September ftihr auf dem Bahnhof Vor Helm ein Eilgüterzug bei der Ausfahrt einem Güterzug in die Flanke, der im Nachbargleis stand mrd zu weit vorgefahren war. Bei dem Unfall wurden der Packmeister des Eilgüterzuges und ein Schaffner getötet, ein Schaffner schwer mrd eine Hilfsschaffnerin leicht verletzt. Ter Materialschaden ist nicht sehr hoch. Sechs Wagen und eine Ldkomotive entgleisten. ^
* Bern, 15. Sept. (WTB.^ Der ,,^ecolv" meldet aus
Parma: In der Nacht stießen auf der Station Borgo San Domino zwei Güterzügc zusammen. Acht Personen sind tot und 28 verwundet.
Ter ,/Secolo" meldet aus Padua: Ein heftiger Wirbelsturm verwüstete die Gemeinde Billa del Conte. Einige Hänfer sind eingestürzt, die Be.uohner unter den Trümmern begraben. Die Trauben- und Maisernte ist verloren. Der Schaden ist sehr beträckftlich.
*
** Ein hübsches Stückchen, für dessen Wahrheit sich der Erzähler verbürgt, hat sich in Wiesbaden ereignet. Ein Wiesbadener Junge war tum seinen Ellern auf die benachbarten länd^ lichen Ortschaften geschickt worden, um einige Kartoffeln aufzutreiben. Er brachte zehn Pfund zusammen: ans dem .Heimweg nahni sie ihm ein FeldMer ab. Der Jtunge bemerkte mm, wie der Feldhüter den Kartvffelsack in einem .Kornacker unterbrachte und weiterging. Ms die Luft rein war, schlich der Junge herbei, holte sich den Sack wieder Und erreichte damit glücklich die städtische Grenze und das elterliche Haus. Wer beschreibt nun aber das Erstaunen der ganzen Fannlie, als ste beinr Osffnen des Sackes obenauf vier Mund ffische Butter fand??!
Großherzog Ernst Ludwig von hesten und die Mufii.
Aus Mitteilungen Felix von Weingartners.
Die Festschrift zum fünfundzwcrnzigsten Regierungsfubiläum des Gwßherzogs Ernst Ludwig von Hessen ist nun so weit gefördert, daß ihre Ausgabe durch den Verlag von Kurt Wolfs in Leipzig in kürzester Zeit M erwarten steht- Eine Anzahl hervorragender Künstler und Forscher hat sich in dieser vornehm ausgestatteten und nur in einer begrenzten Zahl von Exemplllrcn hergestellten Veröffentlichirng zusammengetan, um die Wirksamkeit des Großherzogs als Kunstgönner und Kunstförderer zu schildern und ihm ihre Huldigimgen darzubringen. Wenn in der Festschrift die bildende Kunst und ihre Jirteressen an der ersten Stelle stehen, so bleibt doch mich die roerktätige Teilnahme des Großherzogs am Theater, über die der Darmftädter Intendant Dr. Paul Eger berichtet, nicht unberührt; und über das Verhältnis des Fürsten zur Musik mackst Felix von Weingartner ans eigenen Erlebnissen und Beobachtmrgen sehr anziehende Mitteilungen. Sein Eindruck ist, daß der Großherzog eine Persönlichkeit von ausgesprochener künstlerischer Veranlagung ist, die sich zweifellos zu einem hochbedeutenden Künstler entwickelt hätte, wäre nicht der Thron sein Erbe gewesen. Wenn von den künslleri- schen Interessen des Großherzogs vor allem das für die blldende Kunst weithin sichtbar und an stellend sich bekundet hat, so ist doch WeingM.'tner der Llnsickst, daß die Musik seinen! Herzen vielleicht am nächsten steht. „Es ist ungefähr fünfzehn Jahre her, daß ich die Ehre hatte, ihm vorgestellt zu werden. Er empfing. mich im kuppelarttgen Musikzimmer seines Schlosses.
Eine Reife nach Indien, die er unternommen hatte, gab seinem damaligen künstleÄschen Wesen die Färbung. Er wurde nicht müde, von der tiafen Mystik der iudrschen Legenden mtb dem überwältigenden Farbenreichtum jenes Märchenlandes zu erzählen. Und in leisen, weichen Donfolgen, die er selbst auf dem Klavier anschlug, suchte er seine Eindrücke nrusikalisch stimmungsvoll wiederzngebLN.... Das Klavier steht genau in der Mttte des Zimmers unter der Kuppel mtb ist nach Angabe des Groß- herzogs nicht nur einseitig, sondern Ms beiden Seiten geschweift.. Eine gMZ merkwürdige Ausgeglichenheit des Tones ergibt sich aus dieser Anlage des Jchtruments und aus seiner Stellung im gewölbten Raum. Die herrliche, Mch für die Singstinlme besonders glückliche Akustik erprobte ich noch im vorigen Jahre, als ich meine Frau iit diesem Raume begleitete. Die verschiedenen Tonerzevger verfchnwlzen zu einer Einheit, und schließlich weiß man kaum mehr, woher der Ton kommt, er ist eben da. Hier lickbt es der Großherzog, intime musikalische Darbietungen zu genießen und seinen eigenen Mrwgträumen zu lauschen."
Seit 1914 ist Weingartner bekanntllch in engeren Beziehungen zu Darnistadt und dem hessischen Fürsten getreten, und so fand er oft Gelegenheit, das innige Verhältnis des Großherzogs zur Musrk zu beobachten. „Es ist erstaunlich wie er oft mtt einein prägnanten Wort einen Meister oder ein Stück originell zu charakterisieren versteht. Ueber Berkvoz, den er. so wie ich, rückhaltlos bewundert, sagte er mir emmal, aus dieser Musck fühle man heraus, daß ihr Schöpfer iu seiner Natur zu wenig Schutz gegen das Leiden Hcmd, dem er dadurch im Nebermaß ausgesetzt war " Konzerten und OpernanMhruugen widmet der Geoßherzog seine lebhafte Teilnahme: er greift auch mitunter bei Opern-
und Kostümen rühren von ihm her, "wobei er stets mit der ihn Qgenen Femfuhligkett dafür sorgt, daß die Uebereinsttmmnnq mi deni musikalischen Elemente gewahrt bleibt"
^ ta»i hin. daß Grvßherz»
Ernst Ludwig sich mich sclbst als Tontetzrr bvtBigt lmt. and teil hebt er hervor^ wie sich aus der kleinen Anzahl der tem chu MMenden ^ongebilde der innerliche Entwicklimgsgang ihre Lchopser^. verfolgen laste. An der Spiße steht ein ^scherkessen ÜÄ imb ,,§nimmmgöi an Jlenskoe", Klavierstücke, zu denei den damaligen Erbgroßherzog em Aiifenthalt in Rußland «> geregt^ hat und dre stch ganz von Schumanns Einpfindungswel teigen Spater wird die Tvnsprach' individueller moderne harmo^ch« ElUfknsse, auch solche neufranzösischer Hcr sich bemerkbar Zn Gedichten von Olaf sümf de- ernste,Vertommgen. .Lm Kriege endli-i mit,tan^i sechs ©hnumntgot tw Klavier ..Draußen" betitelt - Diese schmposttiomm sinegelu das Wesen ihres. Autors ivohl au erndnmlichstcn ivredcr TrMißen. ,n, surästbaren Völkerringen ge
^r.veünat. Dir lieben Gastelte» di ihni fernegerückt sind, svrinen steh zu tönenden Mldern. die ih, geleiten mte rosteir Smi ..ldeimwich" klagt er still vor ftd wrr -^'^tevgcplauder" klrngt von ferne herüber und steigt tiefer „Seintiucitf''. Allmälilich oBn- findet sich »eb
hl TL hl , -. vuiuilUJUU; OWTl (X
Gnst rnr Gegenwart zurück Dm- „Flühlm.-Micbr'l
^i^G^ankm, die „Morgenluf^chltstirn' hciß^Stiv
und IN edlem ^rotze ftndei er energisch- schvungvolle Töne, d
seine „Hoffnung in die erwachende Welt hinaus sorgen.


