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13.9.1917 Zweites Blatt
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Nr. 215 Zweites VM 167. Jahrgang

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General-Anzeiger

Donnerstag. 15. September V9\%

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Zwillingsrunüsruck und Nerlag: Brühl'fcheUnwerlnäls-Bnch-u.St'mdruckerei. R. Lange, Gießen.

Zchriftleilung. Geschäftsstelle und Druckerei:

Schulstraße?. CÄefd;är--teile n. Verlag:

Schriftlcnung: 112.

Anschrift für Trotzt lachrichten:Anzeigerb;iei>e».

A«» Stavt und Land.

Gießen, 13. September 1917.

** Allsteichnun g. Anschließend an(zursere am 22 . v. Mts. gekrachte s J£oti# imrrbc dem Herrn Justiz rat Wilhelm Grunewald, LMidtagsabgeordneten und Beigeordneten der Stadt Gießen, das Preußische Berdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen.

** Beschädigung der Leitung der Elektri­schen Ueb-erla n d a n l a g e der Provinz- Ober­hessen. Seit einiger Zeit häufen sich die Klagen darüber, daß die Einrichtungen der Elektrischen Ueberlandcnilage der Provinz Oberhessen, wie z. B. Leitmrgsdrähte, Porzellan- Isolatoren, Transfonnatoreuhäuser, und zwar hieran die Tüven, Fenster und auch Teile der inneren Einrichtung mut­willig durch Werfen mit Steinen, Holzstücken usw. beschädigt und zerstört werden. Meist sind die Täter halbwüchsige Burschen. Dem Bedauern über die allgemein zünehmende Berrvtmug der Jugend müßte sich die tatkräftige Mithilfe aller einsichtigen Leute Hinzugesellern, damit nicht nnr die 'Wer möglichst auf frischer Tat ertappt werden und rasch die verdiente Strafe erhalten, sondern auch um die Beschädi- gungen zu verhindern. Me Ersatzteile für zerstörte Einrichtungen sind jetzt, wenn überhaupt, nur sehr schwer und mit großen Opfern z'u beschaffen. Nach den bestehenden Verträgen hasten zwar die Gemeinden für den entstehenden Schaden. Wenn aber die Gemeinden nicht alles tun, um die Schädigungen zu verhindern, und lvenn iricht alle Genreinde- Mitglieder hierbei in der- UeberzeugUug mithelfen, daß es sich schließlich dock) um ihre eigne Angelegenheit handelt, dann haben es sich solche Gemeinden, in deren Bezirk die Storungen nicht anfhören, selbst zjuzuschreibeoi, wenn die Elektrische lleberlaridanlage im Interesse der Allgemeinheit sich künftig gezwungen sieht, diese Gemeistden so lange abzu- schalben, bis dauerrrd geordnete Zustände eintreten. Es er- geht deshalb an alle Beteiligten die dringende Mtte, für einen wirksamen Schutz der heute doppelt wichtigen. Ein­richtungen der Elektrischen lleberlandcrnl-age im öffentlichen und persönlichen Interesse energisch miteinM treten

^ Sbadtttheate r. Auch an dieser Stelle sei auf den Aufruf zum W onn e m eirt für die kommende Spielzeit hingeroiesen, der im heutigen Anzeigenteil veröffentlicht ist. Mstnrdere Karten find an die 'Abonnenten der letzten Jahre bereits verschickt uwrdeu. Trotzdem Die endgültige Entscheidung ibber AufrechterHaltung des Betriebes erst vor kurzem getroffen werden konnte, ist es dem Leiter unserer M8hnc, Herrn Hofrat Sterngpetter, doch noch ge­lungen. d u rch pe rsünÜ che Verhandlungen in Berlin eine Anzahl wertvoller HeMckräfte M verpflichten.

** Mißbranch der AufschriftFeldpost" auf Briefen und Karten. Wie die zahlreichen, tagtäglich von den Pvstansmlten festgestellten und zur gesetzlichen Bestrafrmg ge­brachten Verstöße gegen die nur den Heeresaugehörigen in ihren eigenen Privatangelegenheiten während des .Krieges gewährten VorwvergLustkgungen leider ersehen lassen, machen sich anscliernend manche Personen, die dem Heere nicht anaehören, insbesondere rtiyfy pmgje Mädchen, fern Gewisiew daraus, ihre Briefe tmd Post- farten, die nicht an Heevesangehörige gerichtet sind, widerrechtlich mit einem der PortofreiheitsvermerkeFeLdpostbrief, Feldpost­karte oder Feldpost" M versehen und aus ihnen einen Heeresange- mit erdichteter Namens- und Truppenleilbezeichnung als au zugeben. Daß eine solche betrügerische Handlungs­verboten und strafbar ist. bedarf keiner weiteren Erörtern ug.

Viel fast» findet auch eine unrechtmäßige Inanspruchnahme der Porto freibeit iit der Weise statt, daß die Postkarten und Briefe der Heeres angehörigen von Zivilpersonen, insbesondere von Familienmitglledern der- Mseudar wemc<auch, in gutem Glauben, daß dies statthast sei zu eigenhändigen schriftlichen Mitteilungen mitbemctzt werden, oder das; Heeresangehörige veranlaßt werden, sich lauf Briefen und Postkarten als Absender rrur zu dem Zweck arczugeben, um für diese Sendungen durch die widerrechtliche Kenn­zeichnung als Feldpostsendurrgen. portofreie Postbeförderung zu erreichen. Dia sich derartige Fälle in der letzten Zeit sehr mehren, hat das .Kriegsmimsterium die Heeresaugehüeigen kürzlich deshalb verwarrren lassen. Aber auch das Publikum wird tvarnend daraus hingewiesen, daß die Gebührenvergunstigungen im Feldpostvertehr nur den Heeresangehörigeir selbst für den Schriftwechsel in ihren eigenen Privatangelegenheiten gewährt sind, nicht aber st: An­spruch genominen werden dürfen, trenn weder Absender noch Emp­fänger der Sendungen .Heeresangehörige sind. Es ist- daher unzu­lässig, daß Milstärpersonen usw. von ihren Angehörigen ausgehende Sendmigen mst dem VermerkFeldpostbrief" versehen, auch dann, wenn sie selbst kurze Zusätze beifügen. Desgleichen ist es unzu­lässig, daß Heeresangehörige auf den von ihnen selbst ausgehenden Sendungen an Nicht-Hoeresangehörige durch andere Personen, die auf Porto Vergünstigung keinen Anspruch haben, Grüße oder persönliche Mitteilungen hinzu fügen lassen. Verstöße gegen die bestehenden Bestimmungen tverden wegen Pvrtohmterzsthung straf- vechtlich verfolgt.

D. Z. Ziegen- und Kaninchenzucht. Es soll die Aüf- Üng verbreitet sein, daß den Haltern von Ziegen und .Kaninchen Butter-, Fett- und Fletschkarten entzogen .werden sollten, anche Halter solcher Tiere sollen hierdurch zur Abschaffung -oder Schlachtung __ber Tiere veranlaßt worden sein. Was die Ziegenhalter betrifft, so find diese allerdings bei der Milch- und Fettversorgung als Selbstversorger anzufe^n. Es. wird ihnen oenMchvlge Butter nicht xugewiesen, und sie werden von der Zuweisung Vv^ .Vollmilch aussgeschlofsen, insoweit ihre Ziegen entsprechend Milch geben. Ter ButvnentMg wird jedoch in durchaus wühlwiMender Weise gehandhabL, Nnd es wird bei der .Fettzu- weistmg auf die jetzt immer mehr akmehmende Milcher^stbiKit der Ziegen Bedacht genommen. Jim übrigen Lnnmtt für die Hatter von Ziegen eine BeschränRmg zur Zest mcht in Frage. Der Vollständige kest halber sei eiwähnt, daßi nach den derzeit gültigen Bestim­mungen, deren Aenderung nicht zu erwarten ist, .Kaniucheuhaltern weder Fleisch- naib .Fett- oder ^blutterkarten entzogen werden^ können. Es besteht pxcher nicht die geringste ViOMllasftrng zur Abschaffung oder Schlachtung dieser Tiere.

** Regeln für de n Poftschalt er verkehr. Der immer nrehr zunehmende Mangel an geschulten Beamten erheischt, den Postschalterdrenst nicht selten ton sachlich nicht torgebildeten Per­sonen wahrnehmen zu lassen. Vaterländische Pflicht ist es, die glatte und rasche Abwicklung des Schalter Verkehrs zu erleichtern. Dazu trägt viel bei wenn nachstehende Regeln beachtet werden: Fertige AufschriftQr, Telegramme usw. recht deutlich aus ; wähle für Deine Postgeschäfte möglichst nicht die Hauptoerkehrsstunden; tritt an den richtigen, durch Inschriften bezeichneten Schalter von rechts heran; kaufe Marken, Postkarten usw. nicht in einzelnen Stücken, sondern in Deinem Verbrauch angemessenen Mengen, namentlich auch in Mcrrkenhestchen -oder Kartenblöcken. Für kleinen Bedarf bediene Dich der Posboertzcichengeber: klebe auf alle sreizulnachenden Sen­dungen die Marken vorher auf, auch auf Postanweisungen; halte das Gew abgezählt bereit, liebergib größere Mengen Papiergeld stets geordnet; oermeDe unnötige Fragen an die Beamten; belehre weniger gewandte Personen und hilf ihnen; fege gewöhnliche Brief- sendrmgen in Briefkasten, Briefsendungen in größerer Zahl gib ge­ordnet mn Schalter ab; fördere den bargeldlofen Zahlungsausgleich durch Arrschluß an den Postscheck- und den Bankverkehr; 'benutze bei eigenem stärkeren Verkehr die ÖefaabcDat Ernrichürwgen lPoft-

einlieferungsbüster und -Verzeichnisse, Selbstvorbereitung von Pa­keten und Einschreibbriefen >,

Landkreis Gießen.

fc. Lich, 13. Sept. Dern Prinzen Ludwig zu Solms- -^ohensolMs-Lich, Hauptmann im Jägerbataillon 11, wurde dos -Kreuz der Ritter des .Königlichen Hausordens von Hohenzvllern verlrehen. Gefreiter Richard .Heller Regt. 110 erhielt dre Herrsche Tapferkeitsmedaille.

** dd i n gs hau sen , 13. Sept. Im hiesigen .Orte ent­stand das Gerücht, daß sämtliche schulpflichtigen Mädchen'ihr Haar dem Vaterlande opfern müßten, und daß dies bereits in manchen Orten der Umgegend geschehen sei. Als nun am vergangenen Samstag 3 Feldgendarmen hurch den Ort gingen, verbreitete ein halbwüchsiges^ Bürschck>en das Gerücht, die 3 Wacher des Gesetzes ieren in dre schule, um derr Haarschnitt vorzunehmeu. In luenigen Augenblicken war eine große Anzahl Frauen vor dem Schulhaus veriammelt und itießeii heftige Drohungen aus, so daß der Unter­richt recht empfindlich gestört irmrdc. Mehrmals versuchten einige m die höchste einzudringen. Wie beschämt zogen sie aber ab, als ihre gefährdeten Töchter" woMebalten um 12 Uhr aui der Straße erschienen und ihre besorgten Mütter auslachten.

Kreis Büdingen. 9

ck« rtHhausen, 13. Sept Nachdem die Grummelernte vQ dem herrlichen Wetter in verhältnismäßig kurzer Zeit in den ^vchSunen geborgen werden konnte, sind die Lmidleute nun mit der Obsternte beschäftigt, die in ujwierer Gegend einen Ert g ergibt, wre er tatsächlich seit vielen Jahrzehnten nicht zu verzeichnen gc- we>e u Ist. Im großer^Mengen ziehen Wagen auf Wagen, .mit den yerrUchsten, toU>aftlgsten Früchten beladen, in die Törser ein. Be - vMs rüstetülpn sich auch schon zur Kartoffelernte, die voraus [idyt* t^Sn m. ^ühster Woche ihren Anfang nehmen wird, und die eben- wSs ern gutes Ergebnis verspricht.

Kreis Schotten.

O Schotten, 13. Sept. Am vergangenen Montag fand im hresrgen Rathaussaal eine Sitzung des Kreisausschussr? üir Kriegs- fürftrge statt. Zur Verhandlung standen verschiedene Gegenstände der -KriegÄeschädigten-Fürsorge.

Hessen-Nassau.

chr. Frankfurt a. M., 12. Sept. Ter Magistrat ^suchte m erner Vorlage die Stadtoerordneteüversammtung, zu genehmigen daß der Gaspreis vereinheitlicht wird, d. h. die besondere Berech- Nung für Koch- und Leuchtgas wegfällt. Der künftige Einheitspreis für ^amtliche Gasarten.soll 16 Pfennig, ernschließtuö 2 Pfennig Tenerumgszuicbllag für den Kubikmeter betragen Außerdem ftl! die .Konzessionsgebühr, welche die Gasanstalt vertraglich an s ic Lckadtveavaftung M zahlen hat, beträchtlich erhöht werden. Alle bisher gewahrten Rabatte werden aufgehoben.

Frankfurt a. M, 12. Sept. Euvem sehr wohlhabenden, aber auch ebenfosehrknickrigen" Villenbesitzer' im Stadtteil Nieder­rod war wiederholt Obst aus dem mehrere Mvrgeu großen Obst­garten gestohlen worden. Um endlich einen ^der Diebe zu fassen, stellte sich der Besitzer die ganze diacht 'hindurch mit gefabenem Ge­wehr nt den Garten. ?kber es ließ sich kein Obstdieb sehen. Dafür hatte man ihm aus dam Hühnerhofe etwa 6 0 Hühner gestohlen. Neben dem Eingang lag ein Zettel mit der vom Bestobleneti armen Bitptellern gegenüber oft angewendeten Redensart:Durch batten mjuß man!"

® E s, 12. Sept. Der neue Oberpräsideut unserer Pro­vinz, Staatsincknister a. D. von Trott zu Solz, hat heute verfügt, um auf Kohlenersparnis im nächsten Winter einzuwrrken, ^daß bve diesjährigen Herbstferien für sämtliche Schulen der Provinz Hessen- Nassau aufgeboben und die Weihnvchtsferien entsprechend verlängert werden. Die Befugnis zur Bmrlaubung von Schülern zur Teil­nahme an dringenden wirtschoMchen Arbeiten bleiben im bis­herigen Umgang bestehen.