Nr. 2\2 Zweites Blatt
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167. IahrgMg
ietzener Anzei
General-Anzeiger für Gberheßen
Montag, JO. September 19X7
Zwillingsrunddruck und Verlag: Brühl'scheUniversttäts-Bnch-u.Steindrnckerei.
R. Lange, Gießen.
5chriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei:
Schulstraße?. Geschäftsstelleu.Verlag:
Schriftleitung: 112.
Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerGießen.
Uriegsbrieft aus dem Osten.
Von unserem zum Oftheer entsandten Kriegsberichterstatter.
(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)
Der Kaiser in Riga.
Riga, 6. Sept.
Heute rrnorgen gegen 11 Uhr stieg der Kaiser von der Fähre, die ihn vo?: der Mitcmer Vorstadt herüber brachte, in Riga ans Land. Ihn begrüßte die Gemeralität und General v. Hutier. Der Führer der siegreichen 8. Arrnee Und sein Chefgeneral Sauberzweig empsingeu persönliche vom Kaiser den „Pour le merkte". Darauf führ der Kaiser durch das Dri^ipenspalier und die Menge der freudig bewegten Bürger von Riga zum Platz vor der russischen! Kirche. Hier hielt er inmitten des Vierecks der Truppen und im Beisein der Stadtväier und hervorragenden Bürger von Riga eine Ansprache, in der die Freude über die Befreiung der alten deutschen Stadt zst starkem Ausdruck kam:
„Riga ist frei! Als diese Kunde alle Gaue des deutschen Baterurndes durchdrang, erhob sich im Baterlande und bis in die äußersten Schützengräben in Feindesland an allen Orten ein Lckurin des Jubels Und der Begeisterung. Eine von altem deutschen Hanseatengeist gegründete Stadt mit deutscher Geschichte, die stets bestrebt war, ihr altes Deutschtum aUsrechtzuerhalten, hat schwere Zeiten durchgemacht. Durch das deutsche Heer, das in sich alle deutschen Volksstckmme verkörpert, ist diese Stadt wiederum befreit worden von langem Drucke. Die auf Befehl der Obersten Heeresleitung von Feldmarschall Prinz Leopold von Bayern angelegte Operation, welche unternommen wurde mit dem Selbstvertrauen auf die> Leistungsfähigkeit der Truppen, die sich über drei .^triegsjahre so glänzend/ bewährt hat, ist von allen Waffen noch schneller, noch energischer durchgeführt worden, wie es erwartet wurde.
kam dem Feind ganz überraschend. Ein schmetternder Schlag traf ihn so, daß er seinen Brückenkopf verlor, daß Riga frei tvurde. Diese Tat der achten Armee und ihres bewährten Führers hat von neuem unseren st ah lh arten Siegcswrllen bewiesen. Wir werden uns unserer Haut wehren, und wenn es noch so lange dauert. Solche Schläge, wie die Schlacht bei Riga, erhöhen aber die Aussicht, daß'es bald M Ende geht, sie erhöhen unfern Wafsenruhm und heften neuen Lorbeer an die Fahnen aller beteiligten' Truppenteile. Darum spreche ich euch meinen Dank aus für diese glänzende Waffeutat, den Dank des deutschen Vaterlandes, den begeisterten Dank auch von den Eurigenj daheim, die betend hinter euch eure Taten Verfolgerl, die daheim aber auch schaffen Und arbeiten mit ihren Händen unb mit ihrem Fteiße die Felder bestellen, auf daß' Unser tägliches Brot geschaffen werde. Die Ernte ist gut herein und wird uns ernähren. Auch hier hat der Herr der.Heerscharen unsere Gebete erhört und durch das tägliche Brot dieses Heer und daheim die Gurigen vor Rot bewahrt. Darum, was auch noch kommen mag, und wie lange es auch nock) dauern mag, frisch an den Feind mit fröhlichem Herzen und eisernem Willen zum Siege über alte Feinde Deutschlands."
Nach der Ansprache, nach Ordensverteilung Und Parade ließ sich der Kaiser die rigensischeu Herren vorstellen uub erkundigte sich teilnahmsvoll nach ihren Schicksalen. Darauf Nchr der Kaiser durch den alten Schloßhof, an dem Standbild von Livlands großem Ordensmeister Walter von Plettenberg und der Statue der heiligen Jungfrau, der Beschützerin des Ordens, vorbei zuni Dom, wo ihn der Archidiakonus feierlich in dern alten Gotteshause, in dem bis zuletzt das Wort Gottes in deutscher Sprache verkündet nmrde, empsing. Vom Dom ging es durch die jubelnde ?Renschenmenge zum Schwarzhäupterhaus, das die Wappen von Riga, .Hamburg, Lübeck und Bremen trägt. Dann fuhr der Kaiser entlang der großen Rückzugsstraße Riga-Weirden zu den Truppen hinaus und sprach t^uert den Dank des Vaterlandes für die siegreiche große Schlacht bei Riga aus. Inmitten der Zeichen des russischen Rückzuges trat der Kaiser an vielen Stellen, zwischen die Truppen, die Karree um ihn bildeten, und sprach ein paar kurze herzliche Worte. In Riga hörte man inzwischen den Ruf „Unser Kaiser ist zu uns gekommen!" und schien das „unser" als selbstverständliches Glück dieses großen Kaisertages aufzufassen.
Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.
Der Kaiser in Riga und Dünamünde.
Berlin, 9. Sept. (WTB. Mchtamtl.) Kaiser Wilhelm be- ftckb sich gestern ans die Schlachtfelder von Riga und besichtigte besonders die Uebergangsstelle bei Uexküll. Tort begrüßte er eine Anzahl von Regimentern. Hierauf setzte sich seine Fahrt längs des Neinm ^Fägelbaches nach Ansing fort. Die Rückfahrt erfolgte über Riqa. In Begleitung des Kaisers befanden sich Prinz Heinrich ustd Prinz Joachim von Preußen. Letzterer hatte an den Kämpfen bei einer Kavalleriedivision teil genommen. Ter Weg, den der Kaiser mit der Fährt nahm, führte an verschiedenen Waldlagern und einer Reihe stark und sorgsam ausgebauter russischer Stellungen vorüber, die zum Teil unter unseren: Artilleriesener stark gelitten hatten, teus kampflos geräumt worden waren. Bielen russischen Gefangenen Flüchtlingen, die mit ihrer geringen Habe nach Riga zurückkehrte?:, wurde uMerwegs begegnet.
..Berlin, 9. Sept. lWTB.) Bei schönem Wetter begab sich Kanter Wrlhelm gesterr: über Riga-West nach Dünamünde. Er be- 6ruMetArtdre Truppen, die ander Einnahme teitgeuomiueu hatten. Um) besichtigte ^»tellungsanlagen und die von beu Russen zerstörte
Eine Rede Lloyd Georgen
London, 7. Sept. lWTB.) Meldung des Reuterschen Bureaus. -loyd George hat eine Rede in Birkenhead gehalten, in der er mgle: Es ist nutzlos, darüber zu streiten, daß die Berichte aus -'VPAv cntnuitigcitb sind. Ich habe es immer für nchtig gehalten, dre Wahrheit, die ganze Wahrheit zu sagen. Ich habe stets angenommen, daß, wem: es zur Revolution käme, sie die Folge haben Wierde, den Krieg zu verlängern. Die unvermeidlich-e Folge der Revolution ist eine große Desorganisation.. Ich habe eure schnelle.Wiederherstellung erwartet, aber wir müssen Geduld üben. Die russischen Führer sind sehr fähige und patriotische Mümnr miö sehr loyal gegenüber den Verbündeten. Ich rj.’in sehr gut. was aus dem Spiele steht, wem: Rußland unter Führung der revotmi naren Regierung geschlagen wird. Dcu^ russische Gebiet würde ?v.> Belgien unter die Füße getreten werdem Die Deutschen bezuchner: bereits Riga, ein
paar Stunden, nachdem sie es besitzen, als deutsche Stadt. Ich bin überzeugt, daß die russischen Führer wsvsstn, daß die demokratische Regierung in Rußland und anderwärts bedroht ist. Klein Volk wird es einem Regierungsshftem verzeihen, toenn es das Heimatland nicht gegen den Angriff verteidigen kann. Es ist kein geringer Teil der Glorie der französischen Revolution, daß ihre Söhne bei schlechter Ausrüstung, halb' verhungert und verlumpt, die Heere der Feinde zUrückgeworsen haben. Die Rüsten wissen sehr gut, daß, wem: die Armee des Kaisers Petersburg nimmt, sie nicht dahin kon:mt, um eine freiheitliche Regierung zu begrmiden. Die. französischen revolutionären Führer wußten es im 18. Jahrhundert, als der Kaiser von Oesterreich »Und der König von Preußen, dieselben autokvattschen Burchesgewossen von heute, in Frankreich einsielen. Sie wußten es ebenso gut, daß es nicht genügte, die Freiheit in Frankreich zu proklamieren, sonder?: daß sic verteidigt werden müßte. Ick bin nicht allein in Sorge über den Einfluß, den die russische?: Zustände auf die Kriegführm:g a?lsübeu, sonder?: in Sorge, daß das Mißlingen in Rußlaiw- der Sache der Demokratie in der ganzen Welt enormen Schaden zufügen würde. Eines ist eine große Ermutigung für mich: Deutschlands Bestrebten, Zwietracht unter den Verbündeten im Westen und Osten zu säen, ist mißglückt. Warum ist Deutschland nicht vor Monaten in Rußland eingerückt? Tatsächlich hat es das wohl getan, aber nicht nrit den Armeen so?ll>ern init Agenten. Bataillone von ihnen haben sich über das Land verbreitet. Warum? Um in ganz Rußland Mißtrauen, Argwohn und Haß gegen die Bundesgerwssen zu säen. Weim jetzt Teutschlarü) mit Kanonen in Rußland einrückt, so geschieht es,' weil es weiß, daß die arideren Methoden mißglückt si?rd. Aus der großen Konferenz in Moskau bestand bei den Parteiei: kein Unterschied in der Entschlossenheit, mit der die Männer aller Richtungen erklärt haben, an der Sache der Verbündeten u?ü> den Vertrags- pstichter: Rußlands treu festhalten zu wollen. Ter ganze Versuch Deutschlands, in Rußland den Eindruck zu erwecken, daß der 'Krieg die Folge von englischen Machenschafte?: war, blieb erfolglos. Sie wissen selbst, daß es eine Verleumdung und deutsche Unwahr- heit ist. Ter Krieg hat i??r Osten und nicht im Westen begönne?:. Rußland wurde hineingezogen, weil es sich, zum Vorkämpfer der Sache Serbiens machte. Frankreich wurde hi?:eing-ezogen, weil es durch einen bindenden Vertrag verpflichtet war. Belgien kam dazu, well es auf dein geraden Weg imch Frankreich lag. England hat am Krieg teilgeno?nmen, well cs sein Wort gegeben hatte, Belgien zu schützen. Rußland war der erste im Kampfe, nicht der letzte. Tie Führer der russischen Demokratie wußten, daß, wenn -Rußland 1914 eine Demokratie gewesen wäre, es ebensowenig zugegeben haoen würde, daß ein kleines La??d durch eine Kombination militärischer Autokratie?: zertreten würde. Gleichviel, Tatsache ist, daß die Maschinerie in Rußland zusammengebrochen. ist. Ktzrensk: und seine Kollegen stehe?: vor der furchtbarsten Aufgabe, die Mißwirtschaft von Jahrhunderten wieder gut zu machen, u?id das unter dem Feuer der deutschen Kanonen. Ich glaube, daß die russischen Minister ihrer Aufgabe gewachsen sind. Was England tun kam:, um Rußland zu Helsen und seine Kraft wieder zu belebe?:, tverden wir alle gern tm:. Lloyd George fuhr fort: Wenn dmckle Wolken über Rußland hängen, so liegt der Sonnenschein auf den Fahnen der Verbündeten auf den anderen Kriegssäiauplätzen. Lloyd George feierte dann die angeblichen Triumphe der Italiener, den Widerstand der Rumänen und die „Siege" der Alliierten an der Westfront. Zun: Schlüsse wies Lloyd George auf die bevorstehende Hllfe Amerikas hin, das noch, niemals besiegt worden sei, und bat seine Zuhörer, guten Muts zu sein und durchzuhalten.
Die Spionage in Belgien.
Berlin, 8>. Sept. W. 93.) 'Tie „^Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Die Spionage in Belgien. Aus Brüssel wird uns U'itter dem 6. September geschrieben: Die feindliche Presse u?:d geioisse niückrale Blätter erstrecke?: ihren Lügenfeldzug gegen Deutschland immer wieder auch aus die deutsche Verwaltung Belgiens. Neuerdings wird ?mausgesetzt ?nll der Behauptung gearbeitet, der Geueralgouoerueur, Generaloberst Freiherr von Falkenhansen, führe ein Schreckensvegimient in Belgien. Er ließe täglich Maffenerfchießungeu vornehmen mrd schrecke ?:icht davor zurück, Frcnre?: und Kinder unter entsetzliche?: Martern hinzu- richben. Es genügt, diesen böswllligen Verleumdungen die folge?cken zahlenmäßigen Tatsack-en gegenüberzustellen. Es wurde?: seit der Ernennung .Falkenhausens zum Generalgouverneur Belgiens an: 1. Mai 1917 84 der Spionage überführte Belgier zum Tode verurteilt imd an 19 das Todesurteil vollstreckt. Nicht weniger als 65 Spione Wurde?: begnadigt. Tie fünf zun: Tode verurteilten. Fräuen wurde?: säuttlich begnadigt. Alle Personen, a?: denen die Todesstrafe vollstreckr iviurde, hatten das zivanzigste Lebensjahr überschritten. Schon die Zahl der Belgier, die ?vegen erwiesener Spionage zun? Tode verurteilt ivnrdcn, beweist, in welchem Umfange sich dieses Verbreche?? verbreitet. Das besetzte Gebiet Belgiens ist das herv>orragerck>ste Arbeitsfeld der feirrdlichen Spia?iage. Glicht wrr der belgisck-e, sonder?: auch der ftanzösische und englische Nach- ?üchtondienft versuchen hier iminer von neuen!, weitverzweigte Spionageorganisationen ins Werk zu setzen, wobei es ihnen durch die Aufwendung großer Geldmittel und durch Versvrechrmgen und Tr>oh?mgen gelingt, auch ?:?cker der belgischen Bevölkerung Mitarbeiter zu gewinnen. Jedes Mittel ist ihnen ^reckst; selbst sicher vor Gefahr, kümmert es sie wenig, ob sie Fämilienäirer, Fräuen und Kinder ins Verderben stürzen. Eiirc der ?vichtigstcn Pflichten des Generälgouverneurs ist eg ohne Zweifel, die in erbittertem Ringen stdhenden de?ckschen, Armee?? in ihrem' Rücken zu sichern. Hier steht an erster Stelle der Kampf gege?: das gefahrbringende Wirken der Spionage. Angesichts der Hartnäckigkeit, ???it der ftch unsere Feinde bemühen, ihren ?:msangreichen Späher- dienst in Belgien zu unseren: Schaden a?:szube?llen, ist cs ei?: dringendes Gebot der Selbsterhaltung, mit energische?: Mitteln dagegen vorzUgehe?:. Dabei kan?: ?mturgen:äß auch von der An- tvendung der Todesstrafe in den schwerst'ei: Fällen nicht abgesehen werden. Tie obe?:angeführte?r tatsächlichen Feststellungen zeigen aber voi: ne?:em, in welcher skrupellose?: Weise sich unsere Feinde für ihre?: LügenfeldzUg ihre Waffen schmieden.
Aus dem Uskche.
Eine Unterredung mit dem Kanzler.
Der 9i>eichs8ai:zler Dr. Michaelis enft)ffug in Stuttgart drei Vertreter der Presse. In -einer Unterredung mit dem Chefredakteur Dr. A. Elben vo?i: „Schwäbische?:Merkur" wurde von der För-- deruirg der imtionale?: Bestrebunge?: gesprvä)en und im Zusa?umen- hang damit vo??: Partikularismus int allgemeine?:, feiner Entstehung und seinen: Verschwinde??. Der Reichskanzler hob hervor, wie ^berechtigt bis zu einen: gervissen Grade der Partikularismus sein könne, ?venn die Jnter-ffser: des Reichsgmrzen nicht Not darunter litten. Dias De?cksche Reich habe wahrlich seit seinen?! Bestehe?: für die einzelne?: Bundesstaaten keinerlei »Anlaß, zu Besorg?rissen irge?:d-< welcher Art »geböte?:, daß sie in ihreim Recht verkürzt Nmrden. Bestrebungen z?:r Vercmheftlichung, die über die Reichsverfass?:ng hin- ausgiugen, jtat nicht zu Tage getrete?:. In:' Anschluß daran kan: das Gespräch lauf die Entwickln?:g des
deutschen Eiseubahulwiesens u?:d auf die bis heute ungelöste Frage der Vereinheitlichu?:g der deutschen Eiseilliahnen nach Artikel 42 der Reichsvmchasswrg/ Der Reichskanzler betonte znsbeich, daß diese Frage heute immerhll: in
den Hintergrund getreten sei. Das Deutsche Reich habe, nachdem nun eiirnwl die Regelung des deutsche?: E:senbalMvese::s in andere geordnete Baihuen gelenkt sei, heute inmittei: der schrecklich??: .Kwiegs- zeit /und ebenso auch ::: der nächsten Zukunft, wenn eimnal Friede geschlossen sei, wohl kann: die Möglichkeit, an die Weiterbeha??dlung der 'Frage der Reichseisenbah?:en heranzutreten. Die preußische Re- gierimg, ebenso der pre?:ß:sche Landtag hätte?: zurzeit keine Nei- gn?:g, der genannten Frage näherzutreten. Es bestände?: insbesondere Bedenken wege?: der vielerlei Berwaltungsschwierigteiten, die bei etrretmf Einheitssysten: zu Tage treten müßten, ebenso aber auch Bedenken finanzieller Art. Zunächst habe das Deuffch? Reich in seinem Jüneren gewaltige Aufgaben anderer Art zu lösen. Es handle sich nimi
wirtschaftliche Aufgaben o ; o?x tief emschneidender Bedeutung, wie sie heute vielfach woM noch gar nicht geahnt würden, insbesondere ?:m die Frage der Gewährung neuer Mittel ftcr dei: sinanziellen Bestand des Reichs und uw die Fragen der R o hsto fsg v?vm.w?:?:g u?rd -Verwert?:ng zum Besten des Reiches. Tie Durchführung dieser 9lusgaben, die flir de?: Bestand des Reiches uirerläßlich seien, werde, obgleich sie teilweise i?: das Leben ider emz.elnen B?:ndesstaaten eingreise, doch verhälrnisnMig leicht vor sich >gehen. Ohne iveiteres iverde bei alle?: Bundesgliedern das Bewußtsein sich einstellen., daß wir, rvenn es gelte, das deutsche Vaterland auf starker Grundlage zu erhalten, zusammenhalten und Opfer bringff: Müssen.
In -emi* daran sich anschließenden llnterredimg mit dem Ehes- redakteur Ernst Keil vom „Stirttgarter Neue?: Tagblatt" rmirden versch:ede?:e Tagesfragen erwähnt. Keil fragte zuerst, ob ?md wann die preußische Wahlrechtsvorlage ei?:gebracht ?:?:d ob das pre?rßischc Wahlrecht dem Reichstägswahlrecht gleiche?: rverde. Der Kanzler erklärte, die Vorlage werde zu Beginn der nächsten Tagung im Preußischen Landtag eingebracht rverden. ^Sie werde von deM! Geist des deutschen Reichstagswahlrechts beherrscht fein. 93ezüglich Elsaß- Lothringens erklärte der Kanzler, daß ihn der Haupta?:sschuß ersucht habe, die elsaß-lothringische Angelegenheit zu regeln. Es sei aber noch »nicht entschieden, ob ei?:e Teilung Elsaß-Lothringens oder eine Un:wa?idlu?:F in ei??en selbständigen Bu?:desstaat das Ergebnis der Arbeiten sei?: werde, bei de-:m er de?: Staatssekretär von Rödern und den ftüheren Bürger?neister von Straßbnrg glücklicheriveise als MitarbesWr 'habe, lleber Belgien, Kurland u?id Litauen sprach sich der Reichska?:zler nicht aus. Er erklärte, die Dinge seien iist Werden u?ü> in nicht langer Zeit werde
De utschlandseineFriedensbeding ungen wohl abfassen kö?:nen. Ferner erklärte der Reichskanzler, die Abschaffung der Zwangssy?ck>izierung der Zud?:strie?: sei nicht beabsichtigt, sie werde auch ?:ach dSn: Kriege >ve:ter besteheu müssen.
Schließlich änipfing der Reickskanzler noch de?: Chesredalteur der „Württembergische?: Zeitung", A. Ke in per. 'Jln der Unterhaltung w??rde?: besonders Preßftagen berührt, tvvbei der Reichskanzler wiederholt betonte, daß es ihm fernliege, die Presse zu beeinflussen oder in der Kritik zu behindern: es sei ibM vielmehr darum zu t??u, ein festes Z?ffan:men?virken herbeizuführen und der Presse eine Grundlage für die fachgeM-äße Behandlung von Vorgängen imd Frage?: zu verschaffen. So z. B. könne die Presse in mirffckaftlicke?: Fragen weitgehend ins Vertraue?: gezogen werden. Man Mache fick vielfach noch nicht klar, daß in diesem Sinne ein Staatsmann durch den Zwang !der Verhältnisse jetzt zu Schritten gedrängt ?verde, die er sonst nicht tun würde und an die er sonst nicht gedacht hätte. Ich bin am und für sich, sagte der Kanzler, kein Freund von
MoNlopole/N',
kveil sie teuer arbeiten ?md die Qualität der Waren beeinträchtigen^ aber man ?rürd ge?wtigt sein, sich darüber hirvvegzusetzen. Nur ?nuß nm?: .'sich fragen, ob sie ohne zu. große Schnnerigkeiten dirrchgeftrhrl werde?: können und ob sie ergiebig sind. Wenn d?rrch- M?ck?linium — die Frage ist ?:och?:icht d?rrchgearbeitet, ich erwähne sie nur als Beispiel -— Kupfer ersetzt wird und vielleicht Millione?: erspart iverden kömren, die sonst ins Ausland gehen, so wird man zugreisen körmen. Auch in
Steuer fra gen
werden künftig ?mter denl Z^vang der Umstände andere Wege be- schritten werde?? inüssen, i?:des bedürfe?: die Steuerguellen der Ei?:zelstaaten Scho??ung. Ueberhaupt?vird das Verhältnis ztvische?: den: Rckiche »und den 93rtndesstaaten sorgfältig gepflegt weichen Müssen.
Djemal Pascha.
Berlin, 8. Sept. (WTB Nichtamtlich.) Exzellenz Djemal Pascha ist, vo-?: der Westfront kommend, in Berli?: eingetroffen. Am 6. Septembllr wurde die Seesroitt in Flandern besichtigt. Bei dem Mittagsessen in Oste??de, zu dem auch der Kommandierende Admiral des Mari?:ekorps erschieiterr lvar, wurde in herzlichen Worten der Waffeu- brüderschast der verbülidete?: Nationen gedacht. Am folgenden Tage lvurde im Hauptquartier einer Armee der 'Besichtigung eiries Stur-lnbataillons beigewohnt, über die der hohe Gast sich i?: Worten höchsten Lobes äußerte. Gelegentlich der Rückfahrt wurde Brüssel besucht. Das zufriedene, sieundliche Aussehen der Bevölkerung fiel Exzelle?^ Djemal Pascha besonders auf.
*
Berli?:, 8. Sept. Der „Reichsanz." enthält Bekannt- ?nachuugei: über die Abgrenzung der Zuständigkeit der Reichsbekleiduirgsstelle einerseits uitb des Ueberwachungs- ausschusses der Schuhindustrie sowie des HanpWerteilungsausschusses des Schuhhaudels andererseits auf de?n Gebiete der Bewirtschaftung der Schuhwaren, sotvie über die Abgrenzuirg der Zuständigkeit der Reichsbekleiduugsscelle und der Ersatzsohlengesellschaft rn. b. H. auf dem Gebiete der Bewirtschaftung der Schuhwaren und des Altleders.
Asrs Stadt nnd Land.
Dieben, 10. Septernbec 1917.
Dem stillen Heldentum sei Dank!
Llus vielen Kreuzern werde?: Kronen, i aus vielen Talern auch Millio?ien,
aus euerm Geld
blüht?wch der Friede der ganzen Welt.
Man sckreibt uns: Drei .Jahre tobt der ftrrckstbarste aller Kriege. Fest stehen unsere eisernen Mauen: in Ost ?:?w.T9est, Ruß- la?:ds Schlagkraft ist d?:rch das getoälttge ?:n<rushaltsame Vordringen myerer Tapfere?: und d??rch die i?meren Wirren geläl>mt. Engla??ds Hilfe beginiirt d?:rcb die ivachsendear Erfolge imserer beldeichaftei: H-Boots-Lerrte zu persageu. Die englisch-ttMpzösiscbe Offensive ist lütter de?: furchtbarste?: Opfer?: Kusam?ne?:gebwche?:. A??^rika ä?:dert ??ichts mehr, uiw der Weg zu einem de?:tscheu Frieden ist frei. Es geht der Eutsck^eid?mg e?:tgegen ?md der Tag ist nicht inebr fern, an den? unsere Feinde rufen müssen: ..Wir könne?: ?:icht inehr!" Nur ein Gedanke bestuv'schc !>eute die Rtll- l?oi:en, die Tag ?nü> diacht in unerinüdliä-er Arbeit aut den: La?w, in den Fabriken, an: An:boß ?md Sch>ra?:bstock stehe?:, init dem gleichen Ziel unserer tapferen Väter, Söhne imd Brüder:
«b u rd> I) a 11 e n u n b f i e ge Tt".


