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Vlatt t67. Jahrgang
General-Anzeiger für Gberhesjen
5amstag. 8. September W
Zwillingsrunddruck und Verlag:
Br ü hl'scheUnrVerfüäts-Buch-u.Stnizdrnckerei.
R. Lang e, Gießen.
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Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerGießen.
Die erste Masurenschiacht.
(Goldap — Angerburg — Gerdauen.)
8. bis 12. September 1914.
Warum Renueutampf, der Oberbefehlshaber der Njenienarm.ee, sich während der Schlackst von Tannenberg nirtätrg verhielt und dem Untergang der 'N'<crav-Armee teilnahmslios Msab ist bis jesst raxft rmauftlärt. Daß er überhaupt nichts von der Schlacht vernommen übet gar aus Eifersucht gegen Ssamsonow, den Oberbefehlshaber der Vcarcn^Armee, sich ferttgehalten habat soll, ist nicht anzunehneit, um -so weniger, als Großfürst NiLolai Nikolaje- witsch als höchste Stelle aller gegen Ostpreußen angeseßten rnsfi- scheu Kräfte bei der 'Armee Rennenkampf anwesend war. ES sei erwähttt, daß nach dem russischen Umsturz (März 1917) von einem kriegsgerichrlick>en Vorgehen gegen den Großfürsten die Rede war, weil er sich in den Tagen v.m Tannenberg völlig tatenlos verhielt. Im Getümmel der Wirren.wurde die LLngelegenheit wieder
Tatsache' ist, daß am 26. Augttst 1914, als Mser XVII. Kvrps und I. Reservetdrps den rechten.Flügel der 2earew- Armee bei Groß-Bössail schlugen, R-enneNkampfs Armee bei Leng heim nur 27 Kilometer vom Kampfplatz entfernt war, also sehr wohl balle erngreifen könnat. Am 29. stand die Armee mit den H-aupt- fräftat zwisclnn Labiau-Tapiau-Angerburg, Brottup-pen bei Kreuzburg, Preußisck-Evlau, Bartenstein, Rastenburg, vor Lötzen. Ihre Reiterei streifte bis vor Königsberg, ja bis gegen Braunsberg- Heilsbera. Vermutlich ist es die russische Uubehvlfeuheit garesen, das- Renmn'kamps der Meinung war, statt derctscher Heeresreiterei, Lani sturm, Königsberger Besatzung Struppen noch immer die Hauptmasse der deutschen 8. Armee vor sich zu haben. Daß uns die Armee Retrnenkampf höchst unbequem hätte werden kötmen, it>arrt sie lväb- rend der Schlacht bei Tannarberg etwa twrdlich Mlenstem in unserem Rücken erschienen Wäre, ist klar. Darin aber lag ja gerade die Großzügigkeit und die überrageiche Gewalt der Entschlußkraft Hindenburgs, daß er trotz dieser Gefahr mit voller Wucht aus die Narew-Armee lvsging uttd sie vernichtete, indan er Rennenkampf rick'llg einschätzte und des Eingreifens für unfähig hielt. Hier äußert sich in gerade die Sicherheit, das Selbstbewußtem des rvahren Feldh.crn.
Hiudenburg durchschaute, nachdem am 30. August die Narew- f>lrmee in den Sümpfen bei Neidenburg-Ortelsburg geendet hatte, mit klarem Mick die neue Hage. Jetzt galt es, auch die Njemen- Arvve anzugreifen und ilw das .gleiche'Schicksal wie der Narew- Armee zu bereiten. Durch vorzügliche Aufklärung \mx erlcmrtt worden, daß unter dem Eindruck der Taunenberger Ilnglücks- b^U^chafl die Narew-Armee zurückgegangen war und sich in einer über 100 Kilomctcr langen Linie von Tapiau über Gerdauen— lllvrdenburg - Llngenburg hinter bat ffcarfat Flußabschnitten der Alle und des Omet zur Verteidigung eütgerichtet hatte. Aus der Ricktung von Lpck war mit dem Vormarsch der russischen Grvdno- gruppe M rechnen.
5?fttdenüurg ließ die siegreichen Truppen zunächst einige Tage ruhen, um so wehr als die ^tauordnung der Tinge und das schwierige Herimkwerfen der Front Zeit .forderten. Auf Hind-mburgs Antrag hatte die 8. Arniee bedartende Verstärkungen erhallen, die aus dem Westen herangeführt wurden: Garde-Reservekorps, XI. Karp^b 12. Kavalleriedivrsivu, dazu inehrere Landwehr verbände. Hierdurch kam, die Armee trotz der Verluste in der Tannen berget Schlacht auf etwa 215 000 Mann, von denen 170 000 gegen die ^llentcn-Armee eingesetzt werden konnten. Ter Rest wurde zur Beobachtung der west-' und vstpreußischen Südgrenze, sowie zum Schutz gegen die Eftvdnogruppe gebraucht. Rennenkampf verfügte über 260 000 Mann, nicht gerechnet die Grodnogruppc, die noch bis auf zwei bis drei Divisionen zu schätzen ivar. >
Hindenburg entschloß sich, den feindlichen lllkken (südöstlichen) Flügel zu umfassen, um die Njemen-Armee vou Lüdosten her auszurollen, ihr den Mmarsch über Jnsterbirrg—Gumbinnen zu verlegen und sie nach yfiotbat hin »in das Wald- und Sumpfgelände zwischen Insterburg und Tilstt abzudrängen. Hierzu wurde angeordnet, >daß die Hauptteserve Königsberg den Raum zwischen dem Kurt scheu Haff und dem Pregel deckte, das Garde-Reser v eko rps aiff .Allatburg, das I. Reservekorps auf Gerdauen augriff. Zur Umfassung setzten sich in Bewegung: XI. Korps aus Nordenburg, XX. auf 'Angerburg, XVII. über Lötzen, I. mit 12. Kavallerie- divisiou über Widminnai auf Goldap- ^Wir -sehen hier eine ge- iraltige, halbkreisförmige Schlackt!inte, deren allgemeine Rickttmgs- littic auf Insterburg wies. Hinter dem äußersten Südostflügel folgte eine aus Reservettuppen bestehende Gruppe Morgen, die 'Rickäung aus Lock die sehr wichtige Deckung gegen etwaig? Unternehmungen der russischen Grodnvgruppe zu übernehmen hatte.
Man kann Hindettburgs Entwurf einen ülieraus kühnen nennen. Er zog seine Kräfte gegen einen zahlenmäßig überlegenen Feind aus einen Bogen von 130 Kilometer (Widminnen—Wehlau) auseinander. Trotzdem war der Erfolg als sicher zu bettachten, dam die Russen wurden an der entscheidenden Stelle zwischen Angerburg Goldap mit Ueberlegenheit angefaßt, während sie gegen den sckflvächereu linkett deutschen Flügel von ihrer eigenen Ueber- mach-, des Geländes hrlbw, keinen .Gebrauch machen konnten.
eine llare Abwägung der Lage, die den Sieg verbürgte.
So vollzogen sich Ml'fmarsch und Dirrchsührung genau im Sinne Hindenbnrgs, gcttagen von einer bewumderungswüttngen Marschleistung der deutschen Truppen, deren Ausdauer namentlich beim I. und XVII. Kvrps auf dem Umfaffungsflügel die höchsten Schwierigkeiten überwand.
Runnmkanlpi stand vor der Frage, ob er ffch bis zutn Aaißer- sten in seinen beseftigten Stellungen schlagen oder den Riick- zug «'treten sollte, bevor die Umfassung des Süvostflügels zur Wirkung kam und es vietl-eicht zu ssrät ivar. um dem gleichen Schicksal 'zu entgehen, das die -Icarew-Armee betroffen hatte. Er ver- suäste allerdings noch, alle verfügbaren Kräfte twn dem ivatiger gefährdete reckten Flügel zu verschieben, um den Deutschen das Vorgehen im Waldgelände Mischen Angerburg und Goldap zu verlegen. Allein die Nargliedertmg kam nickst mehr zur Durch- sührunq, dam die Schrrelligkeit und Angriffs kraft der deutschen Umsajmugstruswen gestatteten keinen gevttnteten Widerstand mehr. In den. Tagen vom 6. bis 10. September ivarseu das XX. Korps bei Augerburg, das XVII. bei Possessern—Kruglanken, das I. bei Wigminnen die Russat von Stelltmg zu Stellung. Ter ganze linke russiich? Flügel wurde über die Linie Goldap—Darkehmen huausgedrückt. Tie Gvodnvgruppe schritt am 7. bei Bialla—Trv- d vllen (zwischen Lpck—Iohcmnisburg) zinn Gegarstoß. (Tie Gruppe Miorgen.warf sich ewtschbossat auf den well überlcgetum Feind, ll(ic'b ihn auf Lyck zurück und setzte die Berso-lguug in russisches Gebt ec hinein bis Suuxckki fort.
Unter dem Eindruck der Niederlage des Südvstflügels gab Nennakkamps den Kamps ans und itahm bereits in der stacht zum 10. LXptentber bat reckstat Flügel und die Mitte v-on der Me und vom Omet gegen Insterburg zurück. Sv gab er den Ostflügel, der beträchtliche Verluste erlittai httte, preis, um Mitte und ^ordflttgel zu rett^en. Want sich Remtenkamps aus diesat Gründen emes geschicktest, ja meisterhaften Rückzuges gerühmt und behauptet yrtf Hindenbnrgs Einkreiffmgspläne zunichte machen konnte, sv peht dieser Meinung die Tatsache entgegen, in welchem Zustand dw- N^mat-Aane-e ihrem Geschick entgangen ist. Freilich, das 0 emmtheer bnmte noch gerade eben der Vernichtung entzogen ^Eiden. Aber die Versüße betrugat 30000 Tote und Verwundete,
- GefQtgene, WO Geschütze. Der Zustand des Heeres umckste tu absehbarer Zell eine größere Angriffshandluttg itnmöglick
Das Hauptergebnis lag darnt, daß ganz Ostpreußen vom Feinde frei war, der seinen Rückzug durch den Faterschein der brennenden ostpreußisck-en Dörfer beleuchtete. Ms weiterer Gesichtspunkt kontmt in Betrackst, daß es höchste Zell wurde, die versüg- barat Kräfte der 8. Armee nach .Südwestpolen zu werfen. Unsere österreickisch-ungarischen Kameraden hatten einen schweren Stand in Galizien ^gegen die russische Uebcrmacht. Daher utußte Hindenburg nach Südwestpvlen eilen, um den grvßat Erttlastuugsstoß zu begimten, der ihn mit .seinen tapferen Truppen bis vor Iwangovvd—Warschau führen sollte. ^Hierzu waren die .Sieges- uttd Kanrpftage an den Masurischat 'Heen die Borbedinguitg gewesen.
Schatzanweisungen, aurlosdar mit HO bis $20%.
Tie siebente Kriegsanleihe itxixb, wie kürzlich an dieser Stelle mitgeteilt, aus bpr-ozentigen Schuldverschwibiungen trnd aus 4i/2prozetttigeu Schatzanwersunigen bestehen. Beachtenswert ist besonders, daß der Erwerb der Schatzanwei- smtgen die Möglichkeit der Erzielung eines erheblichen Ms- l-o-sirnigsgewännes in sich, schließt. Gleich den mit der sechsten Kriegsanleihe aus-gegebenen Schatz anweisun gen werden näntlich die Schatzanwersunigen der siebenten Kriegsanleihe nach einern festen Platt mit einent hohen Aufgeld durch zweinial im Jahre sbattfindende Ziehungen getilgt, und zwar gelarrgen nicht einzelne Nunrmern, sondewr immer ganze Grrrppen zur Auslosung. Der erste Auslosungstermin ist der 1. Juli 1918, und da der Dilgungsplan der mit der sechsten .Kriegsatlleihe ausgegebenert «Ähatzanweisungert auch fiir die der siebenten Ztzriegsanleihe gelterc soll, die erste Auslosung der srüher aus^egebenen Schatzanweisungen aber bereits am 1. Januar 1018 erfolgt, so rvird von den Schatz amveisnugen der siebenten Kriegsanleihe -einmalig, rrämlich am 1. Juli 1918, ein entsprechend grö'ßer-er Betrag aus gelost. Die Rückzahlung der u^ogenen Gruppen erfolgt mit 110 Prozent, so daß der Eigentümer im Falle der Auslosung außer der hohen Verzinsung einen Kursgewinn von 12 Prozent (der Zeichnungspreis beträgt 98 Dozent-) erzielt. In späteren Jahren ist der durch die Auslosung entstehende Gewinn unter Umstätiden noch größer, weil das Aufgeld auf 15 und 20 Prozent steigen kann. Das Reich ist nämlich berechtigt (nicht verpflichtet), am 1. Juli 1927 oder später alle bis dahin tricht ausgelosten Schatzunweisungen zur Rückzahlung zum ^ieituwert zu kündigeu. Die Eigentümer der voit der Kündigung berroffeneu Sch-atzanweisungen haben jedoch dann das Recht, statt der Barzahlung 4prozentige, mit 115 Prozent auslosbare Schcchanweisungen zu fordern. Sind toettere 10 Jahre nach der ersten Kündigung (wohl zu Unter- scheidert von der Auslosung) vergangen, so kann das Reich alle bis auf die mit 115 Prozent cvttsgelosten, nunmehr 4prv- zentigen Schatz amoeisungen gart* Rückzahlung zum Nennwert bringen. Aber wiederum hat der Eigentümer der Schatzartweisnngen das Reckst, statt der Barzahlung die Aus- folgnng von SchatzanweisUngen zu verlangen, die dann noch 31/2 Prozent Zinsen tragen rcnd mit 120 Prozent ausgelost werden
Der Auslosungsaeroiwr Mstß also, mindestens 12 Prozent betragen, er kann inoes auf 17 trab 22 Protz-ent steigen Das sind so günstige Aussichten, daß bei oielen Eigentümern der älteren 5prozentigen Schuldverschreibuttgen und siül)er ausgegebenen 5prozentigert Schatz-crnweisUngert der Wunsch rege werden wird, ihren Besitz in neue 4p2prozeurige Schatzanweisungen umzutauschen Dem kommt die Mnanzverwal- ttrng entgegen. Sie hat bestimmt, daß den Zeichnern neuer 41 / 2 prozentiger Schatz anweisungen gestattet sein soll, daneben 5 prozen tige ältere Schttldverschreibungen und die Schatzanweisungen der ersten, zweiten, vierten und fünften Kriegsanleihe in neue 4si2proFentige auslosbare Schgtz- amoeisuugen umzutauschen Jedoch kann jeder Zeichner höchstens doppelt soviel alte Anleihen (nach dem Nennwert) zürn Umtausch anmelden, wie er ueue Schatzanweisungen gezeichnet hat. Wer also z. B. 5000 Mark SchckzMrweistcngen gegen Barzahlung zeichnet, kann dMieben 10 000 Mark Schutz- attweisuugett durch Umtausch alter Anleihen erwerben.
Der letzte Tilgungstermitt für die auslösbaren Schatz- anweisnngen ist der 1. Juli 1967. An diesem Tage müssen die bis dahin nicht ausgelosten Schatzanweisungen mit 110. 115 oder 120 Prozent (je nachdem, ob der Zinsfuß der Schatzanrreisüugen dann 4y 2 , 4 oder 3V g Prozent beträgt) zurückgezahlt werden. Freilich wird nur ein Test der Schatz- anweisuttgen ttt nähMr Zeit, der andere erst später mit einem hohen Aufgeld ausgelost: indessen übt schon an sich die regellnäßige Tilgung erfahrungsgemäß auf den Kurs- statrd eines Wertp apreres eine günstige Wirkung aus. Das Material verringert sich, was nach deni Gesetz von Angebot uttd Nachsiage eirt Vorteil ist. Zudem werden die Besitzer ausgelofter Schatzanweisungen stets geneigt sein, sich Ersatzstücke zu beschaffen, um den Auslosungsvorteil in der Folge v«on neuenl zu genießen. Es ist zu erwarten, daß die neuert Schatzattweisungen der siebenten Kriegsanleihe um so größere Beachtung der Zeichner finden werdeuj, j emehr das Publikunr die Vorteile dieses Enverbs fid^ llarmacht.
Sitzung der SLaStverordneten,
m. Gießen, 8. September.
Für gestern nachmittag 5 Uhr war eine Stadtverordnetenversammlung anberauntt, zu der erschienen waren die Beigeordneten: Emmclius und Grüncwald, sowie die Stadtverordneten: Ebel, Eichenauer, Faber, Heichelheim, Helferich, Huhn, Jann, Krumm. Letb,Löber, Orbig, Plank, Urstadt, Vetters. Wimmenaner, Winn,
NackHem die Stadtverordneten Huhu und Heichelheim zn Ur- kirndspersonen gewählt sind, eröffnet Oberbürgermeister Keller die Sitzung und geht sofort zur Tagesordnung üb?r, die 8 Punkte umßißt.
Pimkt 1: Beitritt zur SLedlungsgesellscüaft „Heimatdank" wird vertagt.
Einan Baugesuck)e (Ptmkt 2) der Firma Bänninger zur Errichtung eines Schuppens am Erdkauterweg wird entsprochen.
Auch dem Bauxesuch der Firma Göbel 6c Appel (Punkt 3) für ein Wertstüttengebäude an der Müesttaße wird statt- gegeben. Die Einwilligung der Stadtverordneten ist erforderlich, da das angrenzende GebÄcke ein städttsches ist uttd die Fensteranbringung und Lichtvertellung eine wichttge Rolle spielt.
Stadtverordneter Eichenauer bemerkt noch, daß es angebracht wäre, die Regelung der Baugesuche gänzlich der städtischen Baarkommission Nt überlassen.
lieber die Verwendung der Zinsen auS der Stif
tung d e r Pet er-Wil son-Ki nd er (Punkt 4), die in einer Höhe von 800 Mk. jährlich vertellt wurdat, daß der 5lüabenhorL 500 Mk., der Mädchenhort 300 Mk. zugewiacn erhielt, folgt man einem Llnttage, wonach die Zinsen in der früheren Att und Weise verwandt werden sollen.
(lieber den Betrieb des S t a d t t h e a t e r s (Punkt Ä) gibt Oberbürgermeister Keller bekannt, daß die von der StaNt übernommene Garmttie von 10 000 Mk. in der Spielzeit durch die guten jährlichat Wschlüsse bisher nicht beatffprucht zu werden brauchte. Inzwischen l>at sich jedoch die Lage durch die, infolge des Krieges für die Theaterleitung eingetretenen schwierigen Verhältnisse, wie namenllich erhöhte Betriebskosten, so verschoben, dsß die Stadt, um die Sicherstellung der Spielzell zu geivahrleistac, sich genötigt sehe, dem Anttage verschiedener Ausschüsse uachzu- kommen, und die Garanttesumme von 10 000 Mk. auf 20 000 Mk. zu erhöhen. Die Stadtverordneten erklären sich einverstanden.
Nachdem dieser Punkt der Tagesordnung seine Erledigung gesund eit hat, wird die Frage der Aufrechterhaltung des Theaterbetriebes durch den Stadtv. U r st a d t, der er.st später in die Sitzung ellttritt, nochntals angeschnitten. Er weäft darauf hin, daß vor Wöchen, als der Beschluß, dem Stadttheatrr die Eröffnung der Winterspielzeit freizugeben, gefaßt wurde, weder die Kohlen- noch die Gas-Frage brennenv war, daß aber nun durch die Unsicherheit über deren befriedigende Lösung er es' doch für angebrack^ halte, mit der Zustimmung nock) zu warten itnd diese erst zu erteilen, wenn die Kohlen Versorgung einer jeden Haushcil- tung sichergestellt sei.
Oberbürgermeister Keller weist auf den schon vorliegenden Mschluß der Theaterfrage sowie den Wunsch des Kriegsamtes Äu, die Theater möchten durchspielen, und macht bekannt, daß die Lieferung der Hansbrandkohlen im Betrage von 90 Prozent des bisherigen Konsums bestimmt zugesagt sei.
Unterstützung in seinen Aussührungat stndet der Redner in dem Stadtv. Krumm, der sich dahin äußert, daß die Erhaltung der Theaterspielzell im Interesse der Allgemeinheit, zur Vermeidung der dnrch eine Schließung des Theaters erfÄgendeu Unterstützung der Lichtspiel-Konkurrenz und mcht zuletzt zugimsten der Urlauber und Arbeiter in Käiegsbettieben erfolgen müsse.
Tie Maßnahmen zur Einschränkung des Gasverb r a u ck^; (Punkt 6) fanden lebhafte Erötterung. Nach- einem Erlasse des Reichskvmmiffariats für Gas und Elektrizität soll den Kohlenabnehmern nur ein ntonatliches dNaximum von 60 Prozent des bisherigen Verbrmtches zugestanoen iverden. Oberbürgermeister Keller zeigt an .Hand verschiedater Beispiele, die ea anführt, wie ttngeroch>t die genaue Durchführung der Bestitnmnng wirken müsse, da damit der Sparsame im Vergleich zu dem starkett Verbraucher sehr benachlelligt wt'irde, ja, es sei ihm geradezu un- nwglich, mll seinem nun noch geringeren Prozetttsatz auszutommen. Oberbürgermeister Keller stellt daher den Antrag, von seiten der Stadtverordneten einen Protest an das Reichskommissartat für Gas und Elektrizität nach Berlin abgehen zu lassen.
Stadtv. Ei che naue r stimmt dem Ui und hält ein beruhigendes Wort über die Beschaffung der Steinkohlen für den Winter für erforderlich.
Swdtv. Krumm schließt sich dem Vorredner an, mit dem Hinweis auf die in Berlin beschlossene Erhöhung des Vrozent- sützes auf 90 Prozent. Des weiteren führt er ebenfalls Beispiele an, für die notwendigerlveise aus der Verordnung sich ergebetiden Mßstande und gibt die Anregung, zur Sparung sowohl an Licht wie an Brand, für die Durchführung der durchgehendst Arbellszett zu wirken. Weiter beanstandet er, daß jetzt erst der Geldbettag für das im Februar und März verbrauchte Gas erhoben wird. Es müsse dafür gesorgt werden, daß tricht mehr wie ein Monat Rückstand zu verzeichnen sei.
lOberbürgermeister Keller erwidert, daß dies tmter den gegenwärttgeu Verhältnissen sick nicht ermöglichen lasse.
Beigeordn. Grüne Wald greift auf die Aeußeruug des Stadtv. Eichenauer zurück, macht beruhigende Mlltellungeu bezügl. der Versorgung mll Koks und stellt die ausführliche Besprechung der Kohlenftage für die nächste Sitzung in Aussicht. Hinsichtlich der durchgehenden Arbeitszeit teilt er mit, daß bereits voriges Jahr ein detnentsprechender Antrag von chm in Tarmftadt ein- gebrachjt, jedoch abgelehnt worden sei, mit der Begründung des Ministeriums, die Behörden, welche allein die alles verändernde Einteilamg nicht vollziehen könnten, hätten jede Sttmde Arbeitszell nöttg, auch könne man niemand zumuten, bei der heutigen Ernährung von morgens bis nachmittags durchzuarbeiten. Des weiteren madfi Beigeordu. Grüncwald bekannt, daß er die Schtvierig- keiten wohl anerkenne, trotzdem aber den Anttag ernall vorgelegt habe.
Beigemckn. E m m e l i u s erwähnt die Schritte, die von der Jndttstrie zur Einführung der durckZgehenden Arbeitszell utller- nommen ivurden, die jedoch an den fiir die Arbeiter ausschlaggebenden Zugverbindungen scheiterten.
Eine Anfrage des Stadtv. Vetters über die Holzver- sorguug findet ihre Erledigung durch die Ausführungen der Beigeordneten Emmelius und Grünewald. Der Holzbedarf wird auf jeden Fall gedeckt.
Der Anttag, den vorgeschlagenat Protest nach Berlin abzusenden, wird einstimmig angenommen.
Bei der Festsetzung der Preise für Gas und Elektrizität (Punkt 7) werden die Darlegungen des Obcrbürger- Meisters Keller, der die unumgängliche Erhöhung b?qründetIga billigt. Die ursprünglich nllt 3Pfg. für den Kubikmeter geplantt Steigerung des Gaspreises tvird, da die Nebenvrodutte der Gasgewinnung ebenfalls im Preise gesttegen sind, auf 2 Pfg. für den Kubikmeter festgesetzt, mit Wirkung vom 1. September 1917 ab. Es steigt darnach: Lerrchtgas von 18 aus 20 Pf., Kraft- uttd Heizgas von 13 auf 15 Pf. Gasautvmaten sind von der Erhöhung befteit. Beim elekttischen Licht trllt eine Erhöhung ein: für Beleuchtung von 48 aus 55 Pf., für Kraft von 18 aus 23 Pf. Mit den Großabnehmern soll besonders verhandelt werden.
In der Frage des Gesuchs der Deutsch-Türkischen Bereinigung um Bewilligung von Freistellen für türkische SckMer (Punkt 8) ergibt sich fölgatder Sachverl-alt und Besckstuß: Die jungat türkischen Schüler, die bisher m Frankreich und England ihre Ausbildung hatten, solleit diese nun in Deutschland erhalten können. Auf Anttag des Finanztmtllsteriums hat daher auch die Stadt Gießar eüt jährliches Stipendium von 2000 Ddark bewilligt, das an türkische Schüler zur Verteilung gelattgai soll. Die ztt vergebatden Freistellen sollen jedoch tmabdängig von datjenigen der eritl-einttschen Schüler, also so, daß der hierfür bestimmte Prozentsatz nicht geschmälert tvird, verteilt werden. Die Festsetzung des Stipendiums von 2000 Mk. erfolgt für das Jrrhr 1918, rückwirkend auch für 1917 unter der Voraussetzuttg, daß ge- nügend Schüler anwesend sind. Die Regelung der Frage wird der Schuldeputatton überwiesen.
^ Außerhalb der Tagesordnung findet zunächst ein Kouzeffions gesnch des Wirtes Heitrrich Genner zur Ueberttahme der Kantitte in der Kaserne I zustimmendc Erledigung.
Eine schriftliche Anfrage des Stadtv. Vetters: „Waruni sind die Pächter städtischer Pachtgärten u 111 5 0 Prozent gesteigert worden?" wird durch L^igeordneten Grünetvald llar- gclegt. Den Pächtern städttsckter Pachtgärtat, die diese noch zu beu alten Preisen in Pacht ltcrtten, war bei Ablauf des Pachtvertrags fteigestellt tvorden, enttoeder auf das betreffende Grundstück zu ver- zichtat, oder das Pachtstück mit einem Ausschlag vmt 50 Prozent auf iweitere sechs' Jahve in Pacht zu behalten. Der Grund ^ür dieses


