Ttt. 208 SNekter Blatt
Erscheint läßlich mit Ausnahme deS Sonntags.
$?. Jahrgang
Verlagen: „Giehener Zamttiendlätter" und „kreisblatt für den Kreis Giehen".
poftfchecklonts: Frantfurt am Main Nr. U686. Vankvertehr: Sewerbebank Siehe«.
.chener Anzei
General-Ameiger für Gberheßen
Mittwoch. 5. September OT
Zwillittgsrunddruck und Verlag:
Brüh l'sche Universitäts-Bnch-u.Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
rchnftlektung. Geschäftsstelle und Druckerei:
Schulstraße?. Geschäftsstelle u.Verlag: ^dbl, Schriftleitung: L-O 112.
Anschrift für Drahtnachrichten: AnzeigerTießen.
Lloyd George und die Unterseeboote.
Dem englischen Premierminister Lloyd Georg« seien folgende Ausführungen zur Lektüre empfohlen:
„Eine ganze Reihe von Tatsachen sind in den letztem Tagen über den Krieg gegen die Unterseeboote zn unserer Kenntnis gelangt, aber das, Mas den Kernpunkt der neuen Tatsachen für das Publikum bildet, ist in Gefahr, übersehen zu werden. Der Premierminister gab in mancher Hinsicht eine Beruhigung hinsichtlich der Lage. Er verglich Juli mit April, zeigte, daß unsere Verluste um 43 Prozent herabgingen, aber sie waren auch von NLärz bis April um 54 Prozent gestiegen. (Man vergleiche die wöchentlichen Ausweise.) Eine dknffvärtsbewie- gung darf nicht als Unmöglichkeit angesehen werden. In deni „besten" Monat — dem sechsten — der „Blockade" von 1915 verloren wir 12 Handelsschiffe, aber in den vier folgerrden Wochen, wurden 35 auf den ^Meeresgrund versenkt. Die bemerkenswerte Tatsache, welck-e uns Mr. Lloyd George mit- teitte, besteht darin, daß die Zahl der Untersoe- boote anwächst. Was bedeutet es, wem: man diese Tatsache mir den Versenkungen in Verbindung bringt? Es bedeutet, daß unser Krieg gegen die Unterseeboote in erster Linie ein Verteidigungskrieg ist — daß wir nämlich rurseren Handelsschiffen einen besseren Schutz gewähren, aber bezüglich der eigentlichen Aufgabe der Verteidigung, welche in der Zerstörung des Feindes; besteht, keine Fortschritte machen. Die Deutschen vermehren ihre Unterwasser-Schiffe schneller, als wir sie ihnen entreißen. Das heißt, sie verringern nicht nur unseren verfügbaren Schiffsraum nach einem Maßstabe von fast 3 Millionen Tonnen im Jahr (Mr. Lloyd George gab die monatliche Netto-Zisfer für das erste halbe Jahr „mit unter 250 000 Tonnen" an), soirdern sie zerstören auch noch die Schiffahrt unserer Alliierten und diejenige der Neutralen und baueil ihre Unterseeboot-Flottillen möglicherweise für einen noch unmittelbaren militärischen Zweck. Irr den letzten 12 Monateil haben feindliche Unterseeboote 5 Schlachtschiffe, 5 Kreuzer, 12 Zerstörer, 2 U-Boote, 7 Minensucher und 8 Hilfskreuzer, welche den Alliierten, gehörten, vernichtet. In derselben Zeit haben unsere Feinde, soweit bekannt, kein Schiff unter dem Typus eines Zerstörers hinaus verloren. Während das so weitergeht, ist es lächerlich, für uns einen Erfolg geltend zu machen!"
So zu lesen in der „Daich Mail" vom 22. August 1917.
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Bulgarische Stimmen zum U-Boot-Krieg.
Sofia, 4. Sept. (WTB.) Der Oberkommandierende der bnl- •larijcfv * Arm«, General .Jekow. äußerte sich über die Wirkungen des U-Boot-Krieges:
„Tic von: deutschen Admiralstabe gegebenen unanfechtbaren Sälen über den Frachtraum der englischer Handelsflotte und die anderen feindlichen Transportschiffe, die sehr schwere Lage, in die diese Flotte durch die Unterseeboote versetzt ist, und die Wirkungslosigkeit der von seiten Englands lütb seiner Verbündete! getroffenen Abwehrmaßnahmen werden auch die größten Pessimisten von den Erfolgen des U-Boot-.Krieges überzeugen. Nachdem :nir die systematische und planmäßige Methode, mit der die unüber- trofdenen deutscher:, Seemannschaften den U-Boot-Krieg mit solch einer Opferwilligkeit führen, bekannt ist, habe ich mich von der entsclvidenden Bedeutung des U-Boot-Krieges für die Beendigung, des Krieges zu Gunsten Teutschlands und seiner treuen Verbündeten überzeugt. Folgen wir entschieden und rücksichtslos den bestimmten Weg mit Zuversicht, Geduld und Opferwilligkeit. ton: werden die Entscheidung des Krieges sicher zu unfern Gunsten herbei führen."
S o f ia , 3. Sept. (WTB.) „Dnewnik^^ veröffentlicht eine Unterredung init dem Kriegsminister Najderrow, der sich über die Wirkungen des Tauchbootkrieges äußerst zuversichtlich äußerte. Man müsse nur mit der nötigen Geduld und Ausdauer Lusharren, dann werde der U-Boot-Klrieg sicher den hartnäckigen Widerstand der Entente brechen. Tie Hoffnungen der Entente auf Amerikas Hufe leiert problematisch, da die Ueberfahrt der Hilfsarmee schwer durchiührbar sei und einen ungeheuren Aufwatrd an Mitteln und Zeit beanspruche. Zudem sei Amerikas Armee improvisiert und ermangele der Tradition. Die Entente bediene sich der amerika- ruschen Armee als eines bloßen Schreckgespenstes.
Rus Um Mche.
Preistreibereien beim Weinhandel.
Berlin, 4. September. Auf dem Gebiet des Weinhandels sind Preistreibereien beobachtet worden, die xnr bchördliches Einschreiten erforderlich machen. Zwar gibt schon die bestehende Gesetzgebung Handhaben, nur Ausschreitungen entgegenzutreten. Ins-, besondere kann auf Grund der Verordnung gegen übermäßige Preissteigerung. derjenige, der einen übermäßigen Gewinn beim Absatz von Wein erstrebt oder erzielt, vor dent Strafrichter zur Rechenschaft gezogen werdet:. Es erschien aber erforderlich, darüber hinaus auch durch Vetwallungsnntßnahmen den bestehenden Mißbräuchen entgegenMtreten.
Eine im R. G. Bk. Nr. 156 veröffentlichte Bekanntmachtmg des Reichskanzlers verbietet Weinvvrsdeigerungen, soweit es sich nicht um eigenes Gewächs handelt. Hierdurch sollen die wilden Per- steigerimgei: rrnmöglich gemacht weüren, die in letzter Zeit in steigendem Maße von Personen veranstaltet fviurdeu, die im Frieden mit dem WeinHandel nichts Al tun gehabt haben und die Versteigerungen zu dem Zwecke vevLN.staltQr, um sich Übermäßige Gewinne in einer schwer nachtzuprüfenden Meise zu verschaffen. Taneben wird den Lande^eutvalbehörde^: die Befugnis gegeben, nähere Bestimmungen auch über die Versteigerung eigenen Gewächses *u erlassen. Dabei ist nicht beabsichtigt, Versteigerungen dieser Art, wie sie int Frieden üblich waren, austzuschließeu.
Durch weitere Bestimmungen wird sodann der Weinhcmdel einer besonderen Erlaubnispflicht unterworfen, die vom 20. September ab gilt. Tiefer besonderen Erlaubnis bedürfen Personen, die auf Grund der sogenannten Kettetcharrdelsvewrdmrng eine! Erlaubnis zum Handel erhalten haben, nicht, wenn sich die erteilte Erlaubnis ausdrücklich auf Wern erstreckt. .Vom 10. September ab ist serirer für jeden Verkauf von Wein, Traubemnaische. Tranbeu- ntost Und von Trauben, die ftix Kellerung bestimmt sind, von den: Veräußerer dem Erwerber eine Bescheinigung über Art, Herkunft, Menge und Preis zu erteilen.
Tat: von vielen Seiten gemeldeten Svekulalionsverkäufeit in Erzeugnissen der neuen Eritte, die zu übermäßigen Preisen abgeschlossen sind und den Ausgang für wertere Ueberforderungeit abgeben, wird der Rechtsbvden entzogen, indem die vor Erlaß, der Verordnung abgeschlossenen Vorverkäufe für nichtig .erklärt worden sind. Kaufverträge über Weintrauben am Stock, Trauben- tnaische Und Traubenmost, sowie Wein aus der Ernte 1917 sind erst von einem bestimmten Zeitpunkte ab zulässig, der van der: zuständiger: Behörden für die einzelnen GemarÄrngen bestimntt wird.
Die Donau-Kommissionen.
Nürnberg, 3. Sept. (WTB. Nichtcrmtl.) Me Donan- Kvntmissivnen der mitteleuropäischen Wirtschaftsvereine in Deutschland und Oesterreichs-Ungarn pflogen in Nürnberg unter dein Vorsitz von Dr. Wolf über die Frage eines Donau-Oder>Kanals nebst Anschluß an die (We Und eines Donau-Rheiu-Main-Kanals eingeheirde Beratungen. Weiterhin wurden die Schiffahrtsteufe für die Donau, die Sch-iff- fahrtsgebühren, die Winterhäfen und die Schiffahrtsverhältnisse am Eisernen Tor zmn Gegenstand der Verhandlungen gemacht. In allen Teilen wurde nach langen Erörterungen Einhelligkeit der drei Kommissionen erzielt. Einem Unterausschuß wurde die Frage der Bildmrg einer internationalen Donan-M)rnmission Ujnd der Abfassung einer neuen Donauakte überwiesen.
Ahrweiler, 4. Sept. Amtliches Wahlergebnis bei der Reichstagsers atz wähl im Wahlkreis Ahrweiler- Mayen 5 am 30. August. Für Gymnasial-Oberlehrer Johann Schmitz-Andernach (Zentrum) wurden 5005 Stimmen, für Landrat Peters-Mayen Zentrum) 56 Stimmen abgegeben. Schmitz ist somit gewählt.
A«s Stadt and Land.
Gießen, 5. September 1917.
Sammelt Abfallstoffe und Wildfrüchte!
Immer von mrem muß darauf verwiesen werden, wie dringend notwendig es ist, daß alle Abfälle für die Volksernähruug und Rohstoffversorgirng unserer Kriegswirtschaft restlos aus genutzt werden. Zit dem Zwecke darf nichts, was nur irgendwie hierfür geeignet oder bei dem Vvrmrgegangen-en Gebrauche noch nicht völlig ausgenutzt wurde, achtlos unvetwertet gelassen lverden. Auch der geringste Abfall aus gewerblichen Betrieben oder Haushaltungen muß sorgfältig aufbewahrt werden. Nichts ist wertlos, selbst die kleinste Menge hat ihren Wert, selbst der unscheinbarste Gegenstand kann noch mit Nutzen irgendwie verbraucht werden. Die Abfälle, insbesondere die Küchenabfälle, dürfen aber nicht in einem schmutzigen Winkel oder in einem vorher für Kohle oder dergleichen bemrtzten Kasten aufbewahrt werden, sondern müssen so sauber wie möglich gehalten und gesammelt werden. Papier, Kohlen-, Holz- und Metallstückcken, Asche und dergleichen darf nicht mit ihnen vermischt werden. Getrennt von Kartoffel- und Gemüsen absällen ist auch der Kaffeesatz aufzubewaHveu, der eine wertvolle Ergänzung zu den Futtermitteln bildet: schon jetzt werden monatlich 3000 Zentner Kaffeesatz als Viehfutter verwendet. Auch Papievabfälle, für die durchschnittlich 8—10 Mark für 100 Kilo bezahlt werden,» sowie Giummiobsälle aus allen Gas- und Wasser- Mäuchenj, Gummiunterlagen, rflaschenscheiben ufw., für die eben-, falls ein guter Preis bezahlt wird, ferner Torfen, und Körck- abfälle, Frauenhaare (Preis 14 Mark per Kilo), für deren Herarr- schaffung sich namentlich die Schülerinnen der Lyzeen und Mädchenschulen verdient machen können, Weißblech- und Metallab fälle aller Art, wie sie in jedem Haushalt in Stadt und Land sich vor- finden, Glühlampenfockel ixm mwgebrannteu GlMampen, Knochen Mr Gewinnung von Speisefett, Knochenextrakt, Suppenwürze, Futtermehl usw., Obstckerne zur Hsbuitg der Oelwrrtschaft — alles das muß gesammell werden und wird auch von den Verwertungsstellen entsprechend bezahlt.
Indessen nicht aiff diese Abfälle darf sich der Sammeleifer allein beschränken, sondern er muß sich auch auf das GnsammelN von Wildfrüchten und WWgemüse erstrecken. Welch gar nicht voll gewürdigter Reichtum ist in unseren Wäldern, aus den Feldern und Fluren zu finden! Da gibt cs Wckßdornfrüchte als Kasst^rsatz,
Eicheln und Kastanien zur Vermehrung der Bestände an Nahrungs- und Futtermitteln, Pilze zur rvillkommenen Bereicherung unseres Küchenzettels, Brennesseln zur Verwertung für Gespinststoffe, aber auch begehrt als wohlschineckettder Salat, da bieten die Blätter des Brombeer- und Himbeerstrauches und der Erdbeerpslanzen willkommenen Ersatz für Tee, und welch' reiche Auswahl noch nicht gekannter, aber der Tafel nicht zur Unehre gereichender Wildgemüse und Salate setzt uns des weiteren die gütige Mutter Natur vior. Wir nennen nur Saueratnpfer, Melde, Wegerich, Schafgarbe, Hederich, Knopfkraut, wilder Hopfen, (Hundermann, Ochsenzunge, Löwenzahn, Pimpinelle, Rapimzel, Erdnuß, Nachtkerze, das sehr wohlschmeckende Wurzelstück von Rohrkolben, Pfeilkraut u. a.
Aber freilich, nur eine große, vielseitige und zielbewußte Sammeltätigkeit kann das erwünschte Ziel erreichen. Es ist die vaterländische t Pflicht jedes einzelnen von uns daheim Gebliebenrn, daran mitzuwirken. Niemand darf sich-davon aus schließe. Nicht eindringlich genug kann dies betont iverden. Vor allettt gehört auch eine wohldurchdachte Organisation daztl, wie eine solck-e schon ir vielen Städten und Dörfern besteht uitd dort die schönsten Ergebnisse erziell. An die Verwaltungen der Städte und Dorfgemeinden ergeht daher immer wieder der Mahnruf, solche Organisationen, wo sie nochl nicht bestehen, ins Leben zu rufen. Lehrern! Und Vereinsleitern bietet sich hier eine dankbare Gelegenheit, durch Veranstaltung von Ausflügen, die das Angenehme unt> Lehrreiche m(it dem Nützlichen verbinden, den Sammeleifer anzuregen. Nähere Anweisungen, wie solche Organisationett beschaffen sein sollen und am zweckmäßigsten ins Leben zu rufen sind, erteilt der Kriegs- mrsschuß für Sammel- und Helferdienst, Abteilung B, des Kriegsamts in Berlin.
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S- T^.- Verbandwirtichaftlicher Vereinigungen Kriegsbeschädigter für das D e u t ch' e Reich teilt uns mit: 8lls ein großer llebelstand mußte seither der in keiner Beziehung gerechtfertigte Rentenabzug unter 20 und über 60 Prozent bei den im Staats-undKom in unaldien st tätige n Krie gsbeschädigter fürd as Deutsche Reich teilt wtrts-chaftlrcher Vereinigungen Kriegsbeschädigter für das Deutsche Reich hat alsbald nach seiner Gründung Schritte wegen Abstellung dieser Härte unternommen Taranjhin hat nun der Herr Reichs- k a n % I c r verfügt, daß den im Staats- oder Gemeindedienst verwendeten oder angestellten Kriegsbeschädigten nebelt ihrem ungekürzten Einkommen die Rente voll a u s g e z a h l t werden soll. Auf Anregung des Verbandes hat das Kriegsernährung s a m t sämtliche KommunalVerwaltungen angewiesen, bei der Verteilung der Lebensmittel die Kriegsbeschädigten, die entsprechende ärztliche Zeugnisse vorlegen, besonders zu berücksichtigen. Diese Anordnung ist int Interesse der Herz-, lungen-, nerven- und magenkranken Kameraden sowie der Kiefersckmßverletztelt und Schwerverstümmelten mit Freude zu begrüßen. Um die Kohlen- versorgung für die schwerbeschädigten, arbeitsunfähigen und bedürfttgen Kameraden unö deren Familien für dert Winter sick)er- züstellen, hat sich der Verband an die zuständigen Stellen um Zuteilung der erforderlichen Mengen Hausbrand gewandt. Ten Unannehmlichkeiten, die die schwerversttimmelten Kameradeit bei Benutzung, der Staatsbahn namentlich durch Ruch'ichtslosigkeiten seitens des reisenden Publikums häufig ausgesetzt sind, hofft der Verband dadurch zu begegnen, daß in allen Zügen besortdere Abteile für Schwerkriegsbeschädigte reserviert werden. Wegen einer Rffhe weiterer wirtschaftlicher und sozialer Fragen fchwckben zurzeit Verhandlungen. Der Verbmtd geht bei all seineit Schritten von der Erwägung aus, daß es keinen Wert für die Kriegsbeschädigten hat, über bestehende Mängel und Härten in der Kriegsbesch ädigten-Gesetzgebung wie amtlicher Fürsorge M hadern und zu grollen und hierdurch sich schließlich auf Wege zu verlieren, auf die die Sache der Kameraden nicht gehört. Er wird offen aus- spvochen, Ivo und wie wirksant geholfen werden muß/sowie dafür Sorge tragen, daß auf dem kürzesten Wege schnellste Abhilfe der bestehenden Uebelstäude erfolgt. Im Großherzogtum Hessen werden jedenfalls die Vorarbeiten Mr Gründrtng eines Landesvereins Kriegsdienstbeschädigter in nächster Zeit Mm Abschlüsse kommen.
** Urlauber Auge für Zivilpersonen freige- gSben. Die seit einiger Zeit in nachjsippcnDen Fahrplänen ver- kehvendetr Mllckärurlcruber-S>cknellzüge 123 und- 124 Trier—Cob- lenz—Gießen—Cassel—Mordhausen—Scrngerhausen—Berlin Fr- Str. werden in beschränktent fUuHä:i.gi für den'Verkehr freigegeben t II 124 Berlin Fr.-S-tr. ab 7.02 vorm., Cassel ab 3.33 narhkm., Marburg ab 5.36, Gießet: ab 6.20, Wetzlar ab 6.36, Braunsels ab 6.52, Weilbrrrg ab 7.08, Limburg ab 7.42, Metz ab 7.51, Nassau ab 8.16, Bad Enks gb 8.30, Meder-Lcchnstiein ab 8.49, Eoblenz ab 9.05, Trier art 11.30 uttd E 123 ,Trier ab 8.25, Coblenz ab 11.05, Nieder-L-cchnstern ab 11.17, Bad Ems ab 11.36, Limburg ab 12,19 nachm., WstLbürg gh 12.53, ,Wetzlar ab 1.23, Gießen ab 1.52, Marburg ab 2.22, Gastsiel ab 4.30, Berlin Friedr.-Str. an 12.38 nachts.
Starkenburg und Nheinhessen.
ch. Alzey (Rheinhessen), 3. Sept. Seitens der Stadtverordnetenversammlung wurde der Beschluß gefaßt, einen großen landwirtschaftlichen Betrieb -unter städtischer Verwaltung einzurichten. Tie Stadt hatte bis jetzt etwa 160 ^Norgeir Ackerlaitd verpachtet, wenigstens zum großen Teile, mrd dieses Land will sie in eigene Bewirtschaftung nehmen. Die Lebensmittelversorgung der Einwohner unserer .Stadt soll mff diese Weise günstig beeinflußt werd«u
ch. Aus Rhein Hessen, 3. Sept. Me Weinberge werdet: jetzt allenthalben geschlossen. Dabei ist die Lese der Frühburgunder- traubetr in vollem Gange. Me Mostgewichte stellten sich auf 70 bis 80 sogar bis 100 Grad. Tie Preise für den Zentner Trauben betrugen 155—180 Mk. Ter Wein ist also gut und es' ist auch nicht M wenig.
Deutsche Kolouisatiorr irr Riga im 13. und 14. Jahrhundert.
Dr. Berger -Gießen.
Ein gewaltiges Schauspiel geistigen Ringens bietet sich uns dar m der Art und Weise, wie das Germanentum die östlich der Elbe gelegenen, ehemals von slawischen Völkern bewohnten Lände^ gewtitnt Bald mit der: Waffen in der Hand als stürmischer Er- voercr, bald als Apostel der christlichen Freiheit mit dem Kreuz, üoli) ruhig als spekulierender Kaufmann. Der schwer gewontrenej ^)den mußte nutzbar gemackü werden; dies war ein Gebot toirt- schairllcher Polttit, und das konnte nur gesckieher: durch deutsche d v.) t e D i it it q eit. Lieferten ursprünglich. Adel und Bauern hierzu! me Kräfte, ,o übernimmt im 13. Jahrhundert das deutsche Aurtu.m, das im deutschen Murterlaiü> um diese Zeit zur ^oelbstäud:gleit emporstrebk, die Aufgabe, am Osffeegesbade deul- la-es Leben zu verbreitet:.
Die Ostsee tmrr >tets der Schauplatz regen Handelsverkehrs
gewetcn. an dem iicll (ufctfcyi .Gothen imd Schweden, Dänen, Esthen und Finnen, auch deutsche Mufleute beteiligten. Me ersteu Au- Nedler von Riga find Deutsche gewesen: dem: wahreich Bischof cktoerr dre Anlape der in Livland net: zu gründenden Stadt be- svrgte, trrar sein Bruder Engelbert in Deutsckiland besänftigt.
nmttlgen Bürger für dei: neueir Ort Mtzuwerven. Im Frt'ih- Ktir°' w> traf er „cum primis civibus" in Riga ein. Diese töuburger waren Kausleute, die bereits vor Grüichung des neuen oüarttes mit )1rußllmd Handel getrieben hatten. Es waren Bürger oeutxfai Stabte, bk durch Gewährleistung besonderer Freiheitett
>an den neuen Ort gelockt waren, da dem Bischof Mbert besonders hiel daran lag, den Handel und Verkehr an der Righe zu heben. Der neue blühende Handelsort mit seiner städtischen Aristokratie tnsußte aber viele Landsleute dieser crffccat Neubürgxr anreizen) sich ebenfalls dorten anzusiedeln. Woher kamen die ersten An- siedler von Riga?
Ein Vergleich der Stadtgerichtsverfassung von Ri ga mit den RechtsgewohTtheiten der toestfälischM Städte Dort- tnund und Soest zeigt manche Uebereinstimmung, namentlich mit den RecküsanschammMtt im Handel-, Privat- und Strafrecht. Es haben zweifelsolme bei Festlegung des rigischen Stlchtrecksts interessierte westfälische Kaufleute mitgcwirkt. Was die Wahl- fähigkeit Mn: Rate aubelangt, so steht fest, daß rrur in Riga M der Rats würde wohlhabende Kaufherren und begüterte Bürger gelangten, eine Anschaumrg. die auch in der Zltsammensetzung des arisdokvattschett Rats 'in Soest vertreten war. Es haben also Soester Verhältnisse auf die Einrichtung des Stadtregimeuts in Riga Einfluß ausgeübt.
Früh war die Sitte ausgeöonnnen, dem Kalendernamen die Be- zeichmrng des Landes, des Volkes, der Stadt hinznMfügen, aus
Ä der Betreffende stammt. Die urkundliche ErwAprung von en, die diese Lo°kalnameu als d^achnamcn führen, setzen luns in den Stand, die HerLlrnstsverhWnisse der rvgischen Kolo- tristen zu prüstn. Noch den Quellen (H. I. BötMr, die rigischs rÄttslinre von 1226 bis,1876, R^«r lwÄ Odeffa 1877 und I. G. L. ILapiersky, die Erbebücher der Äiadt Riga 1384 bis 1579. Riga 1888) gehörten dem ratschen Rat im 13. und 14. Jahrhundert an: Bernowus de MjovvMrio ArMilLtzÄ de Soest, Hoho
de Sosato, Gevardus de Brilo (Brilon), Johann de Monasterio, Suerdus de Mvnasteriio, Johann de Arnesbergh (Arnsberg), Her- mjann de Arnesbergh, !Arnvldus de Osenbrugge (Osnabrück), Mey- üard Bvchem (Bochum), Everhardus de Essende (Essen) .und zahlreiche andere.
Neben idem rigischeu 5?audel stand das rigifche Gewerbe in hoher Blüte. Es liegt nahe, daß damals von den deutschen Großkausteutcn diejenigen Gewerbe besonders begünstigt wurden, die ihre HandelA- arttkel wie Stahl, Eisen, Leinwand, Tuch und Leder verarbeiteter:, für welche Zweige der Industrie besonders tüchtige Arbeiter in Westfalen zu finden waren. Die rigiichie deutsck-e Bevölkerung hat im 13. und 14. Jahrhundert zun: größten Teil aus Kolonistet: be- ftanben, die ihren Ursprung aus Westfalen herleiteten. Daß aber deutsche Stanrmesgenossen im weitesten Sinne in Riga danmls das Uebergewicht hatten, geht daraus l-ervor, daß imter drei Versammlungsorten M gottesdienstlichen Zwecket: trur ein Gotteshaus der Russen ,chc Rußsche Kerke" genannt tvird
Die deutsche Städte-.Kolonisation an der Ostsee ist für die Er- Mtung und Entfaltung deutscher Kraft von hoher Bedeutung gewesen. Nicht nur, dich die aju der Koloursatwin beteiligten deutschen Städte M einem Glanz sich erhoben, den sie später nie mehr erreichten, das gesamte Deutschland hat aus' jener Entwickllmg unschätzbaret: Gewirtn gezogen. Hier im Osten wurden auf kolonialem Boden durch das aufftrebende deutsche Bürgertum die Grundlagen gewomren, auf dener: unser moderner, unser nationale» 'ioteoai beruht.
Riga ist gefallen; wir Deutsche hatten ein historisches Recht auf die «Henvals von deutschen Kulttrrträgern besiedelte baltische Stadt.


