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29.9.1917 Erstes Blatt
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I6Z. Zohrgang

P»st s ch E »«tO:

Zrairkhut a.A. Uö8b

General-Anzeiger filr Gberhessen

ZrvMKs^i-Ldnuk h. Verlag: vrühl'sche Unw.-Such- u. Steii-ruckrrei R. Lange. Schrtstleitnng, Eeschästrstekle u. Druckerei- Schulftr. 7.

Samstag, 29. September M

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i. die lagt+mOTUHCx bis» zrunNachmütaa vorher.

-eUenpreife: für örtliche Anreisen 20 Pf., für auswär­tige Anzeigen SL Pf., b. Platzvoffchrffr 30 Pt^

für Reklamen 7b Pf., bei PiatzooffchttÜ 90 Pf. Hemntfchrittleiler: Aug. Boeq. Berank wörtlich für Politik u. Feuilleton: Auq. Goetz; Stadt und Land, Vermischtes u.Ge- richtsfaal: Fr. R. Zen-; Anzergenteü: H. Bea: sämtlich in Bietzen.

vM»r»«re-r:

Sewerbedsni Gießen

Regierungserklärungen im hWptausschch des Reichstags.

VschenrücSliÄ.

Die DnrrttttVttMg des PapstÄtt<?f«s Nnd bie Friedens- fvage fhntben noch tm Bordorgrwnde her Ereignisse unb Er- ttetenrngeit. Die natürliche Reife der Zeit in dein Ergebnis nearer Riesenschlachten im Westen schritt ftiu und gswaltig rteberüjeT. Der sich rntmer erneuende Frage- und Antwortwechsel, Offensive der Engländer, entgegercstür­mende Abwehr der llnsrrgen., wirkt auf manchen Zeitung s- leser vielleicht monoton und ermüdend, allein die Kriegs­geschichte wird dieseGroßkampftage" nicht weniger z-u den entscheidangs reichen Geschehnissen rechnen als die goo^n Schluchten des Bewegungskrieges. Der Angreifer, der nicht vorwärts kommt, erleidet die Niederlagen, weil feine Verluste höher steigen als die des Gegners, und tveil ferne sonstigen Mittel sich ebensv^ls erschöpfen. Die Wir­kung äußerte sich bereits rn der französischen Kammer. Da zeigte sich am Ntttttvoch ein sraicker llnmut der Sozialisten über die der Anzerilairer. Diese schicken Arbeiter

und Techniker, die die französischen Eisenbahnarbeiter auf ihrsn Posten hinter der Fron! abCofot sollOn Wenn Amerika wirklich das gwße ur^> das gleiche Interesse an der Besiegung der Mittelmächte hat, warum geht es da nicht mit in die Schlachtlinie? Soll Amerikas Hilfe sich nur in neue Menschenopfer umsetzen, die von Frankreich verlangt werden? Die französische Regierung blieb einst- toeüen die Atttwo-rt aus diese Frage der Abgeordneten schuldig. Aber in der protzen, von l^iglund ausgegebenen Porvle des Blufftms in der Frage des Friedens und der Kriogsziele machen die Pariser Blätter noch eifrig mit. Sie tun, als hätte die Entente schon das Knie auf unserer Brust, und als brauche sie nur die Faust an unsere Kehle m drucken, um ums das Lebenslicht ausprblaseu. Wütend. Uhrrend und prahlend hat der ganze Chor die Antwort der Mittelmächte an den Papst zurückgew-iesen, herunter- gmerrt, und ihr alte, maßlose Programm entgegen­gehalten, Es ist etwas Teuflisches in diesem Schauspiel und SrsttbniS, aber wenn wir Deutsche nicht abergläubig stn-, wird uus der HiLlenspuk nichts anhaben. Wilsons Mensclcherisoaterhaupt hat sich wieder hinter den Wo ttQ't-- h i n mve l der andern Weit Lnrückgezr-a-at; die zahllosen deut­schen Pfurruse werden ihm noch in den Ohren klingen, und der Reichstagspräschem Dr Kaempf haa ihm aus feierlicher Sitzung namens des dsttfchen Dolles nochmals eine AnILrort erteilt, die er sich hinter den Spiegel stecken kann. Wilson ist abFetrecen;da öffnet sich behend' ein Mettes Tor, daraus rennt mit wildem Sprunge ein Tiger hervor". Ern Komödiant, mit dem Tigerfell aufgeputzt $err Asquith, der frühere englisch Ministerpräsident, Wenn einzelne, allzu fest auf FriedenserrtschlieHnngen sitzende deutsche Zeitungen uns damit getröstet hatten, das nmnscherrswerte Echo aus die deutsch Antwortnote werde erst noch kommen, das wilde Getön der Presse sei nur das Stimmen der Instrumente zum eigentlichen Konzert ge­wesen, so haben sie damit nicht recht behalten. Asquith tveio-t keine andere Polittk als Herr Lloyd George, der diese Woche in Frankreich weilte, um dort von einer Art Feld- herrrchügel Ausschmr zu halten. Asquith übt dieselbe Taktik wie die Presse; sie geht darauf aus, unsere Demokraten immer aufs neue aufzurühren, den Reichstag zum Schwätzen und Raisonnieren, unsere Regierrmg aber zum Sprechen zu bringen. Dazu würde es auch passen, daß in verstecktem eng­lischer Auftrag bei unseren Aemtern sachte geforscht wird, ob Deutschland noch nicht bald bereit sei, England das bel­gische Zugeständnis in den Schoß zu werfen. Wenn an dem treuesten Gerücht irgend etwas Wahres ist, wonach unser Auswärtiges Amt neben der offiziellen Antwortnote an den Papst auch noch ein vertrauliches Schreiben, das die Be­dingungen einer Preisgabe Belgiens enthalten soll, an die­selbe Adresse hat adrehen lassen, so würde die Rede des Herrn Asquith bewerfen, daß der Reichskanzler und sein Staatssekretär darin zu weit gegangen sind. Denn Asquith präsentiert die alten Forderungen in fast noch verstärkter Auslage, urrd ist im Don und in der Sache so unversclchmt wie nur je. Er ersinnt Bedingungen, wie sie nur ein Sieger dem gründlich Besiegten und Zerschmetterten vorlegen kann, und er bettet sie in das bewährte Phrasennest von Menschen­recht und Völkerfreiheit. Selbst das Berliner Tageblatt be­lehrt ihn jetzt, daß die Deutschen keiu Volk sind, dem man auf diche Werse den Frieden diktiert. In Deutschland wird mtthr und mehr das Vollgefühl erwachen, daß es mit so unaufrichtigem Gerede über Wlkerfrieden der Zukunft und mit so herausfordernden Anmaßungen vorläuftg überhaupt keine Diskussion mehr gibt. '

Einen Beweis für die fortschreitende Erkenntnis haben die Nationalliberalen geliefert. Der Zentralausschuß ihrer Partei hat die Mehrheitsentschließung des Reichstags am Sonntag scharf verurteilt. Er hat weiterhin zwar das Be­kenntnis zu liberalen Reformen aufrecht erhalten, aber^doch dazu erklärt, daß dft Eilzüge der Demokratisierung in der Kriegszeit ausfalten müssen. An den interfraktionellen Be­sprechungen will die Partei sich beteiligen, weil sie damit inrmerhch den Mehrheitsparteien gegenüber ihrchi Einfluß geltend machen famt. So hat die nattonalliberale Fraktion mit allen gegen drei Stiirrmen beschlossen, für eine Streichung des Arttkels 9 Abschnitt II der Reichsver- fassung zu stimmen, wonach niemand zugleich Mitglied des Bundesrates und des Reichstages sein kann. Im Ver- sassungsausschuß ging derselbe Beschluß mit 15 gegen zwölf Stimmen durch. Die erwünschte große Klärung hat sich innerhalb des Reichstages noch nicht gezeigt. Nach einer Er­öffnungssitzung am Mittwoch, deren .Haupttnhalt die bereits erwähnte Ansprache des Präsidenten Dr. Kacmpf bildete, wurden die Bcratuilgen der großen polittschen Fragen einst- tanktt mbex Dguvtausschutz verlegt, und der Reichstag ver­

tagte sich bis zum 3. Oktober. Bis dahin kann sich also in vertraulicher Anssprache manche Erregtheit beschwichtigen lastm, ohne daß dem Auslande ein willkommenes Schau­spiel dargeboren wird. Beim Blick auf die auswärtigen Stim­men werden die Mehrheitsparteien den Kanzler wohl nicht öu hart angehen, ob er ihr Geschäftsführer sein wolle oder Nicht. Hindenburgs letzte Erklärung, in der er sich gegen die Unterstellung wendet, als hätten er und Ludeudorff geäußert, drohender wirtschaftlicher Zusammenbruch und Versiegen der militärischen Kraftquellen nötigten uns zu einem Frieden um jeden Preis, hat eine größere^Bedeutung als nur die­jenige erner bloßen Berichtigung. Es handelt sich hier um emen Aufruf gegen gefährliche Flaumachereien und Durch- kreuzungen der Auswirkung unserer militärischen Erfolge. Wir brauchen eine Politik des Schweigens und Handelns. Die Verhandlungen des Reichstags, so wesentliche Dinge da auch verhandelt werden mögen, sind bei weitem nicht so wich- ttg und ausschlaggebend als die Nottvendigkeit, der siebenten K r i e g s a n l e i h e zu einem durchschlagenden Erfolge zu verhelfen, vor dem das- feindlick)e Ausland an seiiren Er­wartungen und seinen heimtückischen Waffen verzweifeln muß.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 28. Sept. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupp recht.

Arff den;)1ack>tfe!de in Flandern steigerte sich von mittag an der Feuerkampf wieder. Abends lag Tronnnel- feuer auf dem Gelände östlich von Uperp. Dort schritten die Engländer zu starken Teilangriffen südlich von Frezenberg und an der Straße Menin. Auf beiden Angriffsfeldern wur­den sic drrrch Feuer und im Nahkampf zurückgeworfen. Am Wege Ypent-PaHsärendaele sitzt der Feind nackt in ciniMN Trichtern unserer Frvntlinren.

An der .Mste war abends die Artillerietättgkeit lebhaft. Auch an mehreren Absthnitten der Front im Artois nahm sie zeitweilig zu.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Nördlich der A i sn e und?'' t«er E ha m p a g n e schrünk- tnr schlechte Sickü und Sttickiregen die Gefechtstättgkeit tags­über ein. Wends lebtt stc auf An mehreren Stellen hatten rmsere Erkunduns^en guten Ersblg.

Vor Verdun wurde am Nachmittag der Ärttllerie- kampf stark.

*

Aus erfolgreichm Kampfflügen hat in den letzten Tagen Oberleutnant Berthild seinen 25.. Leutnant Wüsthof den 22., Leutnant von Bülmv den 21. Gegner abgeschossen. Oberleut­nant Waldhrnlsen gelang es gestern, ein Flugzeug und Mei Fesselballone zum Absturz zu bringen.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Nur m wenigen Abschnitten zwischen Ost ee und SckMar- zem Meer erhob sich die beiderseitige Feuertätigkeit über das gewöhnliche Maß.

Mazedonische Front.

Aufklärer-Geplänkel im Slhumbi- und Stnima-Tal-, stärkeres Feuer nur im Becken von Monaftir und südlich des Doiran-Sees.

Der Erste Generalguartiermeister Ludendorff.

*

^Ler Abendbericht.

B e r l i n, 28. Srpt., abends. (WTB. Amtlich.)

In Flandern lebhafter Artilleriekavrpf.

Sonst nichts von Belang.

Der österreichksch-ttngarische Tagesbericht. )

Wien, 28. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich witd verlautbart:

An der T i r o l e r F r o n t stelleiuveise erhöhte Kampf- tätigkeit.

Sonst nirgends besondere Ereignisse.

Der Chrf des Generalstabcs.

Die auswärtige Politik vor dem hauptaurschutz.

Rede des Reichskanzlers.

D-er Hauptausschuß des Reichstages begann heute vormittag mit der Beratung über die auswärtige Pvlittk. Reichs­kanzler Dr. Michaelis und Staatssekretär des Auswärtigen Amtes von Kühlmann such anwesend. Zunächst wird die Papstnote behan­delt. Dazu ergrifft

der Reichskanzler

das Wort zu einer Rede über die allgemeine Lage. Er begann mit warnen Dcmkeswotten an Heer urrd Heimat und mit einem Rück­blick mrf die glänzenden militärischen Erfolge der letzten Wochen. Sodann betonte er die volle E i n hei tlichkeit und Ueberein- ftimmung der politischen Führung bei uns und unseren Ver­bündeten und gedachte in herzlichen Ausdrücken des gemeinsamen Wasfenruhms rmd der Waffeubrüderschast der Vierbundmächte. Er besprach weiter den befriedigenden Stand unserer Beziehungen zu den Neutralen, die cnrch> durch die unerhörten Anstrengu7lgen der feindlichen Preßft'tze nicht gefrört werden konnten. Der Schweiz, den Ni^ederlanden und Spaarien wurde für ilne selbstlose Tätigkeit auf dem Gebiete der humanüären 5kriegsiicrsorge unser, besonderer Dank ausgesprochen. Der Reichskanzler hob hervor, daß wir die den Neutral en durch den Wittschafts krieg der Entente, an den sich neuerdings die Bereinigten Staaten mit besonderer Rücksichtslosig­keit b'tteiligten, zugefügten Lttden aufs lebhafteste bedauern und daß mir stets bereit sind, an der Versorgung der däeuttalen mit nvt- w-endigen Bedarssgüteril solveit tellzunehmeir, als die Anspannung unserer ecgcnen Kräfte ^und Hilfsquellen durch den Krieg dies zu­

läßt. In knappen Strichen zeichnete der Reichskanzler hierauf de»

Stand der Dinge in den feindlichen Ländern.

De wirtschaftlichen und ftuMtziellen Schwiettgkeiten Frank­reichs nehmen rasch zu.

Noch schärfer macht sich die wirtschaftliche Not mit ihnen inner- wlitischen Begleiterscheim^ngen in Italien fühlbar, wo Regie- ttNA und kttegsfteumdlichr Patteien die wachsende und immer ener- grscher vvrgehende Friedenspropaganda mit bat größten Anstren­gung an niederzuhalten suchen.

Ju England übt unser U-Boot-Krieg seine sichere und u n e r b i t t l i che Wirkung aus. Nur die trügerische Hoffnung auf einen Zwiespalt bei uns laßt die lei­tenden btttischeu StvatsMÄrner heute noch an.Kricgszielen ftst- haltm oder doch solche verkünden, die mit den politischen und witt- ichastlichen Lebensmittelirotwendigkeiten Deutschlands völlig unver­einbar sind.

In den Bereinigten Staaten sucht die Regierung mi: allen Mitteln, auch durch Nnerbötten TerrvrisTnus, die bisher in NANtesten .Kreisen fel>lende Krieasbust aufKustacheln. Wir sehen dem an gekündigten militättschen Kräfteeinsatz der Union ttchig und zuversichtlich entgegen.

In Rußland herrscht eine schwere Mttschaftskttse, ins­besondere sind die Transpvttntittel den Ausgaben, die der Friedens-, schluß bringen wird, in keiner Weise gaoachjen. De Frage einer künftigen Ternobilisierung liegt wie ein Mpdruck mtf der neust Regierung. De leiteirden Männer, zur Hälfte abhängig von den Arbeiter- und Soldatenräteir, zur anderen von ihren «rglischen und amerikanischen Geldgebern, scheinen so gut icke keine Be- wegungsMöglichkeit nach außen mehr zu besitzen. Zur Zeck gibt es in Rußland noch niemarchen,, der die Kraft findet, gegenüber dcnr Chaos und den Ententeeinflüssen die allgemeine Sehnsucht' nach Ftteden zu vettwirklichen.

Der Reichslan-zler kam dann auf unsere Antwort auf dre Papstnote und aus die Frage der Kriogs^iele zu sprechen.

Er fühvte dazu aus: ^

Die deutsche Note ist, soweit es sich bisher übersehen läßt, bn unseren Freunden :md Verbündeten beifällig, bei der Mehrzahl unserer Gegner mit offensichtlicher Verlegenhest ausgenommen wor­den. Soweit eine Kritik auch von befteundeter oder wohlmeirrender Seite versucht worden ist, ttchtet sie sich in effter Linie dagegen, daß posittve Erklürun^n über Einzelftogen in der Note nicht gegeben »varen.

Es ist schüoer verständlich, wie ein Kknawr der mterirationalen! Lage und der internationalen Gebräuche jemals daran glaubat könnte, wir rvürden in der Lage sein, in einer einseitig von uns gegebenen öffentlichen Erklärrrng die Lösung so wichtiger Fragen, die in unlösbarem Zujammeirhanse mir dem ganzen bei eventuellen Friedens Verhandlungen zu besprvchalden Fragen­komplex stehen, dirvch eine einseitige Erklärung zu unseren Un­gunsten festMlegen. Jede derartige öffentliche Erklärung im gegenwättigen Stadium könnte nur verwirretrd wirken und die deutschen Interessen schädigen. Wären wir mtf Einzelheiten ein­gegangen, jo würde (das läßt sich aus der Haltung der uüs feind­lichen Presse schon jetzt mit Sicherheit erkennen), die Parole im Lager der Gegner gewesen sein:Die deutschen Konzessionen sind als Zeichen der wachsenden Sckxväche Deutschlands auszulegen, sind vollkommen selbstverständlich und deshalb als rvertlos zu buchen." Wir wären dem Fttedon nicht um einen Scknitt nähcr- gekommen: im Gegenteil: die Ueberzeugun-auf Seiten der Gegner, daß nur die Ungunst unserer Zustände uns veranlaßt haben könnte, eine für jeden diplomatischen Techniker so. Vollkimmen unerklärliche Haltung anzunehmen, hätte bestimmt kriegsverlängcrnd gewirkt.

Ich nehme für die Reichsleitung das Recht in Anspruch, das die leitenden Staatsmätruer in allen feindlichen Staaten für sich in Anspruch genommen haben tmö noch bis in die neueste Zeit in Anspruch nehmen. Ich nruß den Standpunkt der Reickisleitung klar feststellen, von dem wir ims nicht abdrängen lassen werden, daß ich es zurzeit ablehnen muß, tmsere Kriegs'zielc z u präzi-^ sieren und unsere Unterhändler fest zu legen.

Wenn sich die Mitglieder des hohen Hauses und der Presse mit uns auf diesen Standpunkt stellen wollten, würde die Sitimtion unendlich erleichtett und gefördert und der Weg zum Ftteden würde von 'vermeidbaren Hemmnissen zürn Segen des Vaterlandes befteit werden."

Zum Schluß wandte sich der Reichskarrzler gegen die Wil­sons che Antwort auf die Papst-Note. Der Bettuch Wilsons, zwischen Volk und Regierung in Deutschlarrd Zwietracht zu säen, ist aussichtslos. Die Note hat das Gegenteil dessen erreich, was sie wollte: sie hat uns fester zusammengesügt in d«n hatten Willen, jeder ftemden Einmischung entschlossen und kraftvoll Trotz zu bieten. Die flammenden, aus tiefer Ernpörung heraus geboreneit Proteste, insbesondere. der des. Rttchstagspräsidenten, haben dies bestätigt. So wenig wie die Wilson-Note wird irgeird ein anderer feindlicher Versuch im deutschen Volke den Geist des 4. August üverwinden: dieser Gttst wird leben und siegen, solange uns der Ring der Gegner zur Verteidigung unseres Daseins irrtb unserer Zukunft zwingt.

Darauf nahm der Staatssekrttär des Auswärtigen Amtes

Herr von Kühlnmnn

das Wort. Er erklärte Mnächst, daß die in heutigen Morgenblätftenr ettchienene Nachttcht, es existiere eine deutsche Note über Belgien, ttne der dreistesten Erfindungen. n>ahrschein- lich ftanzösischen Ursprungs, und daß an der ganzen Sache kein wahres Wort ist. Auf die jürrgste Rede des Führers der Opposition im btttischen Unterhause, Mister Asquith. ernzu- gehen, lehnte der Staatssekretär nrsolange ab. als niebt ihr genmter Wottlaut vorliege Ein bcdattender polittscher englischer Sckwift- steiler hat ttnmal den gegenwättigen Zustmrd der europäischen Diplomatie dahin gekennzanhnet, daß leitende Staatsmänner ver­schiedener Nationen sich dort öffentlichen Rednertttbünen ans gcgenstttig anfchtteen. Wenn die Reutettchen Auszüge ein getreues Bild dessen geben, was Mister Asquith gesagt hat, dmm hat er uns auf dem Wege, der für Europa nütig ist, um kttnen Schritt gesött>ett. Wie immer msch das unmittelbare Ergebnis des päpstlichen Fttedenssckwittes sich gestalten möge, das ttne ist schon jetzt zu sagen, daß diese mutige Initiative des Papstes, der, gestützt Mir die ehrwürdige Tradition seines hohen Amtes, besonders zum Mittleoamte sich berufen fühlte, ttnen Alffchnitt in der ('kuhnl're dieses un<ncheuerlichen Völkttkanrpses bedeuten und als mrverwelk- liches Ruhmesblatt in den Annalen der päpstlichen Diplomatie er­scheinen wird. Es war ttne Tat, daß der Papst das Wort vom Frieden in das Getümmel eines Kampfes geworfen hat, der droht, Europa in ttne blutgetränkte TTÜmmerstätte zu verwandeln. Gerade das deuffche Volk und die deutsche Regierung, denen das Vermißt- fein ihrer Stärke und inneren Sicherheit es immer lttcht gemaäü hat, ihre Bertttwilligkeit zu «Mm Lbvgwollcn Frieden zu hüv-UQist