Ausgabe 
5.9.1917 Erstes Blatt
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Ar»» Stadt «nd Land.

Gießen, 5 . September 1917 .

Lebensmittel.

^ Kartoffel-Versorgung. Wie rmS v-omLebears- Errrtdelamt mügetaift wird, weroen auf die KurLoffelmurkei i

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für die laufende und die nächste Woche (36. und 37. Woche)! Pfund Kartoffeln auf jede Karbosfelmarke abgegebeni Obst-Versorgung. Wir verweisen auf die Äekannt- .iung des Oberbürgermeisters im heutigen Blatte über die Aus- Mbnrg von Befördernngsscheinen für Obst. Danach können von Dormerstag ab Befördernngsscheine auf den Markenansgabestellen während der üblichen Geschäftsstunden täglich ausgestellt werden. CS besieht daher kein Grund zur Ueberstürzung, jeder hat Zeit, neu Antrag zu stellen. Dies ist deshalb wichtig, weil bei ders .zsstelluug des Beförderurrgsscheines der Name und Wohnort Oanöwirves, von dem das Obst bezogen werden soll, anzugeben ist, und da weiter die Mförderungs scheine innerhalb 10 Tagen nach ihrer Ausstellung die Gültigkeit verlieren. Es empfiehlt 'sich, daher, den Antrag erst M stellen, wenn der Verbraucher ftch beij einem Obsterzeuger vergewissert hat, daß er die gewünschte Mtzngcr Obst auch tatsäckckick erhalten kann. Jeder Beförderungsschein kostet SO Pfennig Aus stell u ngsgebühr. Nach. Bestimmung der Landesobst- HeQe sind die zu beziehenden Mengen beschränkt auf höchstens 50 Pfund Kernobst und 25 Pfund Steinobst auf je£*$ H-cru2- iLchltungSnntglieh. Es sei davauf ^aufmerksam gemacht, daß Be- fördernugsscheine nicht notwendig sind, wenn Erzeuger und Ber- 'k-rauch'er' in derselben Geiweinde wohnen oder totettn die z»n be« -stchenbe ?)< ?nge nicht mickhr als 1 Kilogvanrm beträgt. Der Verkehr auf den öffentlichen Märkten, jn den Läden und im Kleinhandel ist keinerlei Bestinmrungen mllerworfen.

** Obst- und Gemüsetrocknung. Um ein Uebersüb- ng der Trockenanlage im stäjdtischen EbeDwMtÄs-werk zu ver- weiden, ist die vorherige Anmeldung der zur Anlieferung vorge­sehener Waren, erforderlich. Die AnmeldüMg hat drei Dage vv? Ainliefeiuirg zu erfolgen. Anliesernngsizeit vormittags von 810 Uhr, Ablwllrugszeit nachmittags von 23 Uhr.

** Jung wehr. Mittwoch, 5. Septt, Antreten: 8 Uhr an der Universitäts--BKUiothek. 'ölbmarfch 8.10 Uhr, Rückkehr 9V* Uhr

** Eine Sitzung der Stadtverordne ten ist auf Freilag, den 7. September nachmittags 5 Uhr, anbe- räumt. Auf der öffentlichen Tagesordnung steht zur Beratung: 1. Beitritt zur SredlnngsgesellsdfxiftHeimatdank": 2. Bangesuch der Firma Bänninger für den Erdkanterweg: 3. Baugesuch Gäbe! Lc Appel: 4. Verwendung der Zinsen aus der Stiftung der Peter- Wilson-Kinder: 5. Betrieb des Stchdtll-eaters: 6. Die Maßnahmen Mer Einschränkung des Gasverbrauchs: 7. Festsetzung der Preise füm Gas und Elektrizität: 8. Gesuch der Deutsch-Türkischen Ver­einigung um Bewilligung von Freistellen für türkische Schüler an höheren Schulen.

** General-Pferde-Depot, I. A.: R. Schwartze, A'.rktionator. So untclyeichnet, erschienen in vielen Z ei taugest der näheren und weiteren Umgebung Gießens- Anzeigen über eine Pferde-Bersteigerung, die am 4. September in Gießen (Gast­haus,Deutscher Hoff', L. Flamme), äbgehalten iverden sollte. Es sollten angeblich versteigert werden: 27 kriegsunbrauchbare Pferde, 19 französische Fohlen und 2 trächtige Stuten. Da trotz der hohen Preise Pferde jetzt sehr gesucht sind, waren Pferde­liebhaber herbeigeströmt aus dem Taunus, Westerwald, Sauertand.

ja selbst aus dem Hannoverschen, etwa 150 Landwirte wollten sich diese günstige Gelegenheit zunutze machen mrd scheuten selbst die weiteste Reise nicht. Doch welche Enttäuschung, als der Wirt auf Befragen ein erstauntes Gesicht machte. Mm war nichts von einer Versteigerung bekannt und es waren auch keine Pferde vorharrden. Welchen Zweck die sonderbare Ankündigung hatte, muß die Untersuchung ergeben Vielleicht sollten die Landwirte von irgendeiner woanders tatsächlich abgehaltenen Versteigerung, abgelenkt werden. Darauf deutet vielleicht auch die Tatsache, daß in den Giehener Blättern nicht inseriert wurde. Das beste Geschäft mackste natürlich der Wirt des Gasthauses. Er hatte ein vollbesetztes Haus und war mit Speise und Trank (es war zwar fleischloser Tag) bemüht, die Erschienenen über denReinfall" hiirwegzutrösten. Und so zogen sie wieder von dannen, die da ge­kommen waren, nachdem sie ein Schriftstück verfaßten, das sämtliche Gefoppten" Unterzeichneten, um gegen den rmbekannten Auktio- nator gerichtlich vorzugehen. k.

Kreis Schotten.

Geheimer Regierungsrat Karl Theobald Schönfeld

Von maßgebender Stelle geht uns zum Tode Regierungsrat SchönseldS folgender Nachruf zu:

Am 1. September 1917 starb zu Schotten im Alter von 81 Jahren der längs afytige Kreisrat des Kreises Schotten, Herr Geh. Regierungsrat Sck>önseld. Mit ihm ist ein Berwaltungs- beautter ins Grab gefunken, der sich in der Prvvin- weil und breit einer unaewöhnlichen Verehrung irttb Anhchrglichkeit erfreute und dessen Andanken bis m ferne Zeiten im Segen ksteiben wird. Schönfeld wirkte als Kreis-Asseffoc in Gründers und Bübingen und später als Kreisvat in Lauterbach und von Dezember 1887 bis Oktober 1911 als Kreis rat in Schotten. Von der Natur mft reichen Geistesgabeu liebe coil ausgestattet, stellt sich der Ver- walttmgsbscmtte Schönfeld in seiner langjährigen, reichgesegneten Wirksamkeit als eine besonders glückliche Vereinigung einer äl­teren, mehr patriarchalischen Periode mit der des modernen und rasch pulsierenden, großzügigen StaatÄebens unserer Zeit dar. Die große Zahl von Beamten, die mit und unter ihm gearbeitet haben, erkennen ihn, den mit praktischem Blick Begabten, dessen Menschenkenntnis nur selten versagte, den Kenntnisreichen, ju­ristisst Tnrchgebildeten, der Mann von sttengstem Nechtsgefühl, den gewissenhaften und sorgfältigen Arbeiter stets und gern als ihren verdienstvollen Lehrer an. Die Gemeinden werden ihn nie vergessen, wieviel sie seinen vorzüglichen ftnanztechnischcn Grund­sätzen und seiner Mensck)enfteundlichkeit zu verdanken haben, und wie er, der mit Glücksgütern gesegnete, aus eigenen Mitteln edel-' fftmig und opferwillig dazu half, manche von ihnen auf eine so­lide ftnanzielle Grundlage empvrzuheben. Der Politiker und Pa­triot wird das Andenken des kerndeutschen, reicl-s treuen Mannes, des gMhendcm Bismarckverehrers in Ehren halten und dem tat­kräftigen, zielbewußten und bededten Fördeer der Krieg ervereinK- sache unauÄöschlichen Dank Nüssen. Der große Kreis^ derjenigen endlich, die ihnr 'im persönlichen Verkehr menschlich naher ttaten, wird sich gerne des gastfreundlichen, heiteren, liebenswürdigen Rheirchessen aus dem Pfarrhause in Wöllstein erinnern, dessen heiterer Sinn und goldener Humor und dessen tiefes, edles Ge­müt und reick>e Literaturkermtnis der Geselligkett einen anmutigen, behaglichen Zauber verlieh. Friede seiner Asche.

--- Schotten, 5. Sept. Tie Verehrung für den verstorbenen Geheimrat'S ch ön seid kam bei seinem heute auf dem hiesigen Friedhof erfolgten Begräbnis zu beredtem Ausdruck. Hunderte von Personen aller Stände gaben dem Toten das letzte Geleit. Jede Gemeinde des Kreises war vertreten, die Kriegervereine, deren besonderer Freund Schöuseld gewesen war, hatten sich voll­zählig am Grabe eingesuuden. Dazu kamen die Vertreter der zahl­

reichen VehtstHen und Mrverschaften. Die Dvauerrett am Grab»

hielt Dekan Münch-Schotten. Ferner sprachen Kretsdcvektor Muhl- Schotten für den Kreis Schotten und die Staatsregtermrg, Provinzialdirektor Geh.-Rat Dr. llsinger-Gießen für die Pro­vinz Oberhessen, Geineinderat S chlit t-Schotten für die Statt Schotten, deren Ehrenbürger der Verstorbene war, und Bürger­meister Ritter-Lanbach für den Mttgermeistev-Verband dies Kreises Schotten. Schließlich legten noch die Vertreter zahlreicher Vereine und Körperschaften, denen der Geheimrat zeitlebens nahe gestanden hatte, Blumenspenden am Grabe nieder.

Kreis Friedberg.

** Bad-Nauheim. Donnerstag, 6. Sept., abends 8y 4 Uhr, im Konzerthaus: Richard-Wagner-Abend der Kurkapekve. Solistin: Frau Kammersängerin Lauer-Kottlar. Leitung: Hofrrll Professor Hans Winderstem. Zum ersten Male sett ihrer Wirk­samkeit an der Frankfurter Oper singt die gefeierte Sängerin iw unserem Korrzertl-aus und zwar die Arie der ElisabethDich teuze Halle grüß ich wieder"' aus Tannhäuser,Schme^en" und ^Drämne" ans den fünf Wefendvnit^edvch^en und ,^Isoldens Liebestod" aus Tristan und Isolde. Das Orchester spielt: Ouv. und Bach anale (nachkomponierte Szene- aus Tonnhäuser, das Meistersinger-Vorspiel, Siegfrieds Trauernrusik aus Götterdäm­merung und das Vorspiel aus Tristan und Isolde.

vermischtes.

Waldbründe bei Tüulo«.

* Bern, 4. Sept. (WTB. Nichtamtlich.) Der ^emM" mel­det : Trotz des Eingreifens zahlreick>er Tneppen war es infolge des starken Nordweststurmes unmöglich, der Aiksbrettnng des Feuers, das gegenwärtig die schönsten Waldbestände des TepartemruV Var verwüstet, Einhalt zu tun. Der Brand nähert sich Toulon. Er dauert rinn schon den dritten Tay an. Ein neuer Waldbrand ist zwischen dem Fort Peyras und dem Semaphor Gans ausgebrochw. Ter Festungsgürtel von Toulon ist nunmehr vom Feuer umgeben.

WitterungsHerrcht.

(Oesfentlicher Wetterdienst.)

Zieinlich Hefter, meist trocken. Temperatur unverändert.

Letzte 2 Iad?ridf?tcir,

Deutsche Fliegercrsvlge in der Rrg-aer Bucht

Kopenhagen, 3. 'Sept. Ans Petersburg wird halbamt­lich gemeldet: Tie deutschen. Flieger Ovaren in den letzten Wochen an der Ostseeküste sehr tätig. 40 Bombenfüyger und M.gdsliescr unternahmen Flüge über der Ostfeeküste, der Rigaer ML

dem finnischen Moerbufen und warfen 90 Bomben ab auf Schiffe, Seebatterien, Fliegerstationen, Hasenaulagen usw. Es fanden eine Anzahl Luftkämpfe statt, bei denen die russischen Flieger keinen Verlust zu verzeichnen li»cttten. Deutsche Kriegsschiffe, ZerstÄver, U-Boote, Torpedoboote -und größere Schiffe waren am Eingang des Rigaischen Meerbusens tätig, wo sick> auch deutsche Minenschiffe zeigten. Ein .russischer Osffeedampwr wurde van den Deutschen verserttt. .Ein russischer Trawler flog bernr MineNlegen in die Luft, ^wbei 11 Meirschen untkamen.

Keine zweite Papstnote.

Lugano, 4. Sept. (Voss. Ztg.) Wie von kirchlicher Seite erklärt wird, ist die Nachricht, der Papst bereite eine zweite Friedensnvte vor, völlig erfunden. Ebenso erfurchen ist die Nachricht desJournal de Geneve", daß der Papst die jetzige Note ohne Verständigung mit den Kardinalen ver­faßt mrd abgesandt hat.

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