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31.8.1917 Zweites Blatt
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Nr. 204 Zweiter Blatt 167. Jahrgang

Erscheint ILglich mit Ausnahme deS Sonntags.

Verlagen:Sietzener ZomUlenblSttett' und ..ttreisblatt für den Breis Gießen".

-ostjchecttonto: Zrantfurt am Main Nr. 11686. Banfrerfebr: Gewerbebank Sietzen.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Sberheffen

Kettag, 31. August 1917

ZwillingSrundoruck und Verlag:

B r ü hl'scheUniversitäts-Bnch-u.Steindruckerel.

R. Lang e, Gießen.

Zchriftleitung. Geschäftsstelle und Druckerei:

bchulstraße?. Geschäftsstelle u. Verlag: öl,

Schriftleitung: »L-sK 112.

Anschrift für TrahtirachrrchtenrAnzergerGießen.

Der Uvoot-Gptimismus" der englischen Presse.

Die englischen Zeitungen vom 17. August 1917 bringen einen Kommentar der Rede von Lloyd George im Unter-' Hause, der im allgemeinen die gleiche Inspiration auf- lveist. Mit großerFreude" werden dieberuhigenden" An­gaben und Ziffern, des Preliiiernrinisters über die englischen Nahrungsmittelvorräte, die abnehmende Unterseedootgefuhr, den gesteigerten Schiffbau usw>. begrüßt. Nachdem dies ge­schehen ist, lassen es sich alle Zeitungen wie man merkt, wiederum auf ein einheitliches Signal hin angelegen sein, zu betonen, daß man auf Grund diesererfreulichen" Ergebnisse nun aber doch in England keineswegs Nachlassen dürfe, sich einzuschränkeil, zu sparen und die notwendigen; Entbehrungen ans sich zu nehmen. Zwischen jenen beiden Leitmotiven aber, von denen das eine optimistisch ist, um zu beruhigen und aus das Ausland Eindruck zu machen, das andere pessimistisch, um ja nicht die zur Kriegsnot notige Energie einschlafen zu lassen, ist genügend Spielraum vor­handen für Betrachtungen, welche mehr oder weniger eine wirkliche Erkenntnis und ein wirtliches Bekenntnis der Sachlage darstellen. Man merkt, ganz deutlich, daß einzelne Zeitungen den Fanfcrren-Optimismms von Lloyd George nicht mitmachen können. Nur dieTimes" und dieMor- ning Post' halten sich streng an die obeli gekennzeichnete, der Presse anscheinend gegebene Richtlinie. Dagegen find folgende Bemerkringen andrer Blätter benierkenswert:

Daily Mail".Es ist ermutigend, lvenn man hört, daß wir in den letzten sechs Monaten'nur halb soviel Ton-, nage verloren haben, wie die Deutschen behaupten, und daß wir die Hoffrrung hegen dürfen, vor Jahresschluß 1900 ONO Tonnen neuer Fahrzeuge zu bauen oder zu kaufen. Aber es bleibt die Talsache, daß unser monatlicher Netto­verlust d. h. die Differenz zwischen dorr versenkten Schiffen und den neuer bauten im Durchschzritt im letzten halben Jahre 250 000 Donnen gewesen ist; daß also die Unter- s e e bo 0 t g e f a hr n v ch u n ü b er w u n d e 11 i st; und daß die Schätzrmg der neuen Tonnage, welche zu Ende des Jahres verfügbar sein wird, tme die meisten anderen Schätzungen, wahrschernlich sich mehr in der Zuver­sicht als in der Praxis erweisen wird. Ein großer Teil der Reden von Mr. Lloyd George gehörte der Zu­kunft an mid weder er noch irgend jemand kann garan­tieren, daß seine Pvophezeiungen in Erfüllung gehen werden."

Daily News".Die gestern veröffentlichten Sta­tistiken zeigen, daß unsere Verluste in den sechs RLouaten) durchschnittlich 250000 'Tonnen betragen haben, wobei der Neubau von den Versenkungen in 'Abzug gebracht ist. Man kann nicht behaupten, daß ein solcher Rekord Sicherheit ansstrahlt. Die Schläge, tvelchc das deuffche Uitterseeboot unseren Seetransporten beibringt, sind heftig. 'Aber diese Tatsache braucht ihrerseits nicht Aushungerung zu bedeuten. Wenn die Versenkungen weiter abnehinen und der Neubau durch die Beihilfe der' Vereinig­ten Staateil von Amerika zu der gemeinsamen Anstrengung erweitert wird, so wird sich die Sachlage stündlich ver- vessern. Aber das ist notwendigerweise eine Vorbedingung, auf welche man s ichnich t v erlassen kann. Sowohl im lb-Boot-Krieg wie im Luftkrieg schwingt das Pendel der Ueberlegenheit bald nach dieser bald nach teuer Richtung."

Daily Chr-onicte"Die Zahlen des Premier­ministers befassen sich nur mit der britischen Tonnage; wir haben keine solche Zahlen für die Verluste der Schiffe von Verbündeten und Neutralen, Ver­luste, welche uns fast ebenso durch ihre Einwirkung auf die gesamte Transportfähig beit der Welt treffen. Aber da er gleicherweise keine Ziffern für den ausländischen Schiffs­bau gab, welcher in den Vereinigten Staaten rrnd Japan sehr wichtig zu werden verspricht, so muß seine Angabe als eine im allgemeinen annehmbare Grundlage zur Einschätzung der Sachlage betrachtet werden."

Manchester Guardian".Die Ziffer find frei­lich erschreckend hoch, aber sie werden durch Neubau ausgeglichen. Der Premiernrinister vermindert dadurch, daß er Neubau und Zukauf mitrechuet, die Netto-Verluste für August auf 175 000 Tonnen oder ungefähr ein Drittel der deutschen Behauptungen. Wir sind nicht sicher, inwie­weit er ber e cht ig t ist, Schiffe, welche hrnzugekauft worden sind, abzuziehen, denn schließlich ist es doch nicht das Eigen­tum an dem Schiff, welches den Ausschlag gibt, nachdem der uneingeschränkte Unterseebootkrieg ernges-^t hat, sondern die Gesamttonnage der Welt. Auch befriedigen uns nicht die Ziffern über den Neubau, da dieselben sehr stark gesteigert werden müssen. Denn wir leben nicht vom Brot allein, sondern (immerhin bis zu einein gewissen Grade) von den Gewinnen des SchiffahrtsgewerbeS. Die ernsteste Frage in dem Unterseebootkrieg ist nicht die Lage, welche während des Krieges durch denselben hervor gerufen wird, sondern die Lage nach dem Kriege."

Diese Äußerungen müssen genügen, irm zu zeigen, daß die englische Presse, so willig sie der vor gezeichneten Linie Optimismus, aber gleichzeitig unabsässige Energie zum D>urchh alten" folgt, ihre eigenen Zweifel und Bedenken hat, rvelche Lloyd George durch seine Rede lricht beseitigte. Er konnte diese nicht beseitigen, denn selbst nach seinen eigenen beschönigenden und irreführenden Angaben bleiben die Wirkungen der Unterseeboote immer noch' für England erschreckend genug. Was an Abhilfe versprochen wird, liegt, wie es einzelne englische Matter mehr oder weniger deutlich anssprechen, in der Zukunft Mes in allem kann man den Eindruck, welchen man aus der englischen Presse ge­winnt, dahin zusammenfassen, daß die Rede von, Lloyd George ihr wohl den Anlaß zu Bechchigungsarttkeln, nicht aber eine wirkliche Beruhigung gegeben hat.

Arrs Stadt und Land.

Gießen, 31. August 1917.

Landwirte, erntet Kleesaat!

Die Futtermittel bfickafsung ist, eine der schwierigsten Ausgaben der Landwirte. Sie ist durchs die Beschlagnahme der Kartoffeln und Kohlrüben noch verschärft worden, und die Verteilung dej Rübenschnitzel urid Qelknchen hat die Lage derjenigen Landnnrte erschwert, deren Viehhaltung auf dem Zuckerrüben u. Qelfruchtban beruhte. Die auf Grund des Kriegsllnstungsgesetzes angefordertenj Heu- und- Strohlieferungen tun ein übriges, um die Lage der Viehhaltung zu erschweren.

Der Landwirt ist im weftntlicknen aus die selbsterzeugten Futter­mittel angewiesen, und- er hat dafür keine sicherere Grundlage als den Kleebau.

Nun ist ja hinlänglich bekannt, wie groß der Mangel an Klee­saat iit und welch« Schwierigkeiten der Einfuhr entgegenstehen. Man darf aber annehmen, daß in diesem trockenem Sommer der Ansatz

der Kftfirückte günstig verlausen ist. Wenn auch die Kleeernte an grüner Masse in vielen Gegenden sehr zu wünschen übrig ließ, so hat doch! die heiße Witterung! die Blütenbildung begünstigt. Neben der Möglichkeit, mit Sicherheit Kleefarnen und damit jm kommen­den Jahre auch! ausreichende Mengen eines eiweißreichen Futter­mittels zu besitzen, wird aller Voraussichst nach die Wertung des Saatguts in diesem Jahre sehr vorteilhaft sein. Das gleiche gilt vom Luzernescmren. 4

Kein Landwirt sollte es daher versäumen, sich die Grund­lagen zur.Produktion dieser .Kulturpflanzen, die heute mehr denn je zu den wichtigstem der Landwirtschaft gehören, in ausreichendem! Maße zu sichern und eine genügende Fläche Herbstklee zur Saurem- gewinnung ausreifen zu lassen.

*

** Auszeichnung. (Gefreiter Earl Ranft, Sohn der Witwe Ehr. Ranft, hier, erhielt am 26. ds. Mts. das Eiserne .Kreuz zweiter Klasse, nachdem. er ungefähr vor Jahresfrist die hessische Tapserkfitsüredaille bekam. Ranft steht fett Anfang des Krieges int Felde.

** Invalidenversicherung. Ter Kriegsbeschädigte H. Sch in Saasen wurde am 8. Februar 1915 verwundet und lag längere Zeit in einem auswärtigen Lazarett. Am 10. April I917 r also mehr als 2 Jahre nadf seiner Verwundung, stellte er Antrags aus Invalidenrente. Da nach § 1253 der Reichsversicberungsorb- nnng die Reifte nicht länger als ein Jahr rückwärts vom Tage des Eingangs des Anttages an gerechnet, gezahlt wird, wurde der Anspruch des Vorgenannten, soweft er die Zeit vom Februar 1915 bis April 1916 bettai, abgcwiesen, zumal Sch. nicht nackweisen konnte, daß er durch außerhalb seines Willens liegende Umstände an der rechtzeitigen Antrag st ellung verhindert war. Auch der Kriegsbeschädigte E. F. in Gießen hat, obwohl er schon bereits seit dem Jahre 1914 verwundet war, erst jetzt Antrag ans Invalidenrente gestellt und muß, da die Reute mir für ein Jahr rückwärts gezahlt wird, wegen nicht rechtzeitiger Geltendmachung seiner Ansprüche aus einen Teil seiner Rente verzichten. Der Kriegsbeschädigte H. S ch. von M ü n st e r erkrankte am 9. August 1916 infolge eines Nervenleidens und wurde dem Rfietmlazavett B. lim Rheinland« überwiesen. Er kam später nach Gießen, ver­säumte aber infolge seftres Zustandes, rechtzeitig Anttag auf In­validenrente zu stellen. Da Sch aber durch außerhalb seines Willens liegende Verhältnisse an der recht­zeitigen Geltendmachung des Anspruches verhindert worden ist, so besteht in diesem Falle die Mögliclckfit, daß die Rente vom Tage des Eintritts der Invalidität auch wefter als ein Jahr rück­wärts gewährt wird. Aus alte Fälle kann aber allen verwunde­ten und erkrankten Kriegsteilnehmern röcht dringend' genug ans Herz gelegt rverden. sich wegen der recht z eitigeni Geltendmachung ihrer Ansprüche an die Verwnndeten-Be- ratungsstelle lSprechstunden: Dienstag und Freitag von 2 1 / 23V 2 Uhr im Sol da t e nhe i m) zu wenden.

Kreis Büdingen.

44 Boden hausen I., 30. Aug. Tie Hessische Tapferkfits» Medaille erhielt der Obergewefte Otto 5) e n l h e ck.

4t Düdelsheim, 30. Aug. Das Ritterkreuz ziun Hohen- zollernschen Hansorden erhielt der Leutn. der Reserve Fritz Nos.

4t Orleshausen, 30 Aug. Fürs Vaterland starb der Mus­ketier Karl S ch r 0 t h , Inhaber der Hessischen Tapiettfitsmedaille. Kreis Schotten.

4t Ulrich ft ein, 30. Aug. Das Eiserne Kreuz erhiell den Minenwerfer Albert Reiß

4t Wingershausen, 30. Aug. Die Hessische Tavserkfits- medaille erhielt der Musketier Otto Lust.

Vessen-Nassarr.

ntr. Frankfurt a. M., 28. August. Um dem zunehmenden Mangel an Leucht- und Heizstvssen zu steuern, plmft der Riagistvat die.Wiederemführmrg der durchgehenden Arbeitszeit, nachdem man solche angeAich wegen Persoanlmangels abgeschafft hatte.

rkunst und weftenfchaft.

Neue Methoden zur Prüfung der Arbeitsleistung.

Da die kommende Friedenswirtschaft ans allen Gebieten und bi ieder Beziehung geioalttge stllffordernngen stellen wtrd, wird rnian viel mehr als früher daraus achten müssen, daß die einzelnen Kräfte je nach ihren besonderen Fähigkeiten an die richtigen Plätze gestellt werden. Es eröffnet sich daher ein umfassendes Wirkung6 gebiet für die experimentelle Wirtscliaftspsychologie, deren Aufgabe es ist, die einzelnen Zusanimenhänge bet einer Arbeit oder bei einem Arbeiter zu beobachten. Diese junge Wissenschaft wird seit einigen Jabren besonders eifrig in Llmerika geübt, wo lull heute bereits die meisten großen Fabrikbetriebe einen eigenen Wirffchaftspsychologeu halten, hiircl] dessen .Hilfe die ganze Bettrebsorganisation möglichst ökonontffch gestaltet wird. Die svstematische Feststellung der Kräfte, die für eine Arbeit notwendig sind, und> der Arbeitsleistungen der einzustellenden Menschen soll also dazu fühven, daß mit möglichst geringen Mitteln das Höchstmaß an Leistungen erreicht ivird. Bei alken hierbei, in Betracht kommenden ist von Hanse aus

zu berücksichtigen, daß die Hanptantcile an jeder Arbeit Ermüdung, Auftuerksamkeft, Uebnng nud Hrudfcrttgkeit sind. Um das eingangs crufgestelltt Ziel zu erreichen, iTvnß für jeden eftrzelnen dieser ?ln- teile ein geeignetes Prüsungserperintent angewandt werden. Die EvmMvmg beispielsweist Kann man an der Masse der Arbeit messen, die in einer bestimmten Zeit von verschiedenen Menschen geleistet wird. Unter den neuen Methoden der Wirtschaftspsycholögie, über die Wilhelm Hrinitz intPrometheus" berichtet, ist vor allein ein Versuch beachtenswert, der von ben Wittsäxrftspsyckwlogen Dr. E. Mschofs und Jnirc eutwvrfezr wurde, um die Bedingungen einer einfachen Arbeitsleistting wtederzugcbcn. Ms Arbeitsaufgabe gilt dabei das Hineinstechen in eine Anzahl von Löchern, die in eine Metuklscheibe gebohtt sind und von Reihe zu Reihe kleiner werden. Bei dem mft ein?er spitzen Nadel vorzunehmenden Einsttch bäirfnt die Ränder des Loches nicht berühtt lvett>en, Berühncng sowie Vor­beistechen werden als Felflec angenwrtt. Das Braß ftcr die Arbeits- leffttrng bei diesem Versuch berechnet man aus der Zalst der Fehler und der für die Ausgabe verbrauchten Zeit. Da es nicht möglich erscheint, inrrch.bloßes Zusehen jeden FeUer sestzustelle'n, erfolgt die Registtrerung auf mechanffchem Wege. Die LöckZerplatte und die Nodellr find mit einer elel'ttisckzen Leitung verbinden, und der Sttom dieser Leitung wird jedesmal durch Berührung der Platte mit der Nadel geschlossen. Dadurch wird eine über einen rollenden Papier- stteifen befestigte Schreibfeder in Beiveguug gesetzt. Wenn die illadel m eines der Löcher gesteckt astrd, durchsticht sie gleicktzeitig ein dar unter liegendes Blättchen Staniol, wodurch ein zweiter Strom ge- schloffen wird, der einen anderen Schreibhebek ans derselben Papier ­rolle in Tätigkeit versetzt. Ein dritter Schreibhebel endlich verzeich net die Ausschläge eines Sekmtdenpende'ts, aus deren Berechnung die Zeft zwi'sihen den etirzelnrm Einstichen bestimint w^mden kann. So erzielt inan ans dem Papierstveisen durch Berbindiuig der Merk reichen für Fester, Einstiäze und Zeit fine Kurve, die aus den ersten Blick Bergünt -e zwischen den Letsttnunvt der versästernsten Men ichen gestattet sofern eine Prüfung der allgemeinen Arbeitsleistung erwünscht ist. Andere Methoden dienen zur Feststellung dessen, was zur Erle >iyung einer bestinrmten Arbeit erforderlich ist. Es soll beispielsnxnse nnteffuckst werdeit. ivelche Arbfit in dem Kör re sponbenzbetri«' ei-ner großen Fabrik zus leisten ist, um 1 danach die ÄHiertben Arb ftskräfte auszuwählon. Zum Durchlfien finer großen Reihe von Briefen gehüreu .Ä^mZerksamkett, fließaides Lfienkönncur

der Briehchrift, Beherrschen der Fachsprache, Spi'achlemttnisst, schnelle Auffassung, gittes Gedächtnis nsw. "Andere Fähigkeiten sind wiedermn für .das Einordnen und Registrieren erforderlich, iwch andere für die Beantworttong, für die Portokassenverivaltung usw. Me drfie Bedingt!ngen. kötrnen durch geeignete Methoden plan­mäßig bcstimint werden. Als Beispiel fi die Bestftnmnng der Aus- merksamkfit herartsgegrifstn, die zum standen laugen Lesen von Brie­fen gehött. Die Ausmerksamkeft selbst wird beeinflußt von der Rftus- kelarbeit beim Lesen, die deit M.gen zutomntt. Geprüft wird sie an einer größeren Anzahl von Personen, um Vergteichszahlen zu erhalten. Ist dies gfichehm, so nruß der Wirtschaftspspchvloge ver- luchen, durch enffpreckzeitde llmgfitalttmg der betreffenden Arbeit das Maß^der dazu erforderlichen Energie nach Möglichkeit ferab- znietzen. Im vorliegenden Falle ginge eine Frage dahin, welche Art von Schriftzeichen sich am fließendsten lesen läßt. Beim Sortieren von Brifien müßte erforscht werden, ob die arbeitenden Personen' dabei einander gegenübersitzen oder ob ihre Plätze nebeneinander angeordnet sem sollen nsw. Man sieht an diesem^ kleinen Beispiel, daß die nroderne Wittschcrftspsnchologie nacki dem Kai ege als fin wichtiger Helfer für die Friederrsarbeft in Betracht kommen wird.

*

Wi e Ln the rs Bibe l gedruckt wurde. Jm Mtcr 1>at Luther einmal von seiner Bibelübersetzung geäußert: ,,l§s glaubt niemand, was für eine Arlreft sie uns gekostet btt." Er hat sich die Sache aber auch wahrhaitig nicht leicht gemacht. So nah­men er utrd Melanchlhon die Hilfe ihrer nächsten Freunde in An­spruch,um die dlusdrüeke richtig zu ttefferft', ferrrer erkundeten sie sorgfältig den Wert der alten Münzen inib ließen sich durch Spolatins Vermittlung eine Anzahl Edelsteine ans der kurfürstlich sächsischen Sckatzkanrmer zur Ansicht kommen, um die dtameri und Farben der in Offeiürarung 21 genannten .Neinodien genau zu bezeichnen. Große Sckisvierigkeiten bereitete sodann der Druck, zu­nächst des Neuen Testaments. Eitrgehend spricht darüber Getr Kon- sistoriakrat Pros. Dr. Wilh. Waltlier in seiner in den nächsten Tagen bei E. S. Mittler nird Sohn in Berlin erschenrenden Fest­schriftLuthers deutsckie Bibel". Sckwu vor dem 5. Atai 1522 konnte Litther euren Teil seiner Niederschrift dem Drucker Mel­chior Lotther in Wittenberg übermitteln, ^opalatin erhielt am 10. Mai schon den Aiffang des Druckes und Ende des Monats den ganzen Mattbäirs" Der Freund sollte die Bogen dem Kur­fürsten Friedrich zeigen, denn mir ihm und dem Fürsten Johann gehe fin Exemplar zu. ..Nickt einmal die in der Drnckerfi Ar- bfitenden bekamcir ein Blatt ausgehändigt." weil man unter alten Umständen verhindern wollte, daß einzelne Tfile vielleicht in rm- berrffene Hände gelmrgen und von betfiebfamen Naclzdmckeni so- glfich benutzt »pürden. Aus äußeren Zeichen kann man schließen, daß glfichzfitig in drfi Mteftungert gesetzt und gedruckt imirde, nämlich an den Evangelien niit der Apvstelgfichichte, den Briefen amd der Offenbaruirg. Ende Juli ivaren drei Druckerpresseu m Tättgkfit, und täglicki wurden von ihnen l0 000 Blatt also 5000 Bogen) abgezogen, von jeder einzelnen also -4333 Blätter. Diese Lfistnng erschfiztt tnstannlich, ist jedoch nicht unmöglich, tvenn hinrficlzend für Arbfitstfilnng und für Ablösung der Arbefter ge­sorgt und an jetten hellrn ^ageu vom frühclir NSorgen lnsl zum späteir 9kb<md unausgfietzt gesck-afft tmrrde. lind ans größte Beschlemrigung kain es allen sehr an. So gelmrg es, deil Drück bis zum 21. Septtnnber zu vollenden. Wie viele Exemplare abgezogen wurden, läßt sich nicht mehr errechnen. Der Dftcl, den Luther seinem Werke, für das er kein Hammar nahni, gab, lautete so eftr-

fach wie nur nröglich:Das neue Testament. Deutsch. Wittenberg". Seinen 3drmen gab er nicht an. 'Der Prfis betrug für fin Exemplar difies neuen Testammtts andetthalb Gillden, fin hoher Betrag, der finem heutigen Gcldimtt von ettva 40 Riark entspricht. Trotz­dem war die ganze Auslage so schnell vcrgfiffen, daß schon im Dezember fine neue ausgegeben werden konnte.

Ein großes vaterländisches Gejchichts- unternehmen. Eine für die vaterländisch.' Geschichtswrschung bocherftsuliche Meldung komutt ans München. Die dortige Histori­sche Kommission ber der Mademie, an boten Gründung noch Ranke nritgewirkt und die sich durch fine Rfih? hochbedeutendcr Unter­nehmungen, wie z. B. die Chroniken deutscher Städte, sehr ver­dient gemacht hat, hat den Entt'chluß ^rfiaßt. erne Samnrlung von Quellen zur deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts zu ver- arrstalten. Bekanntlich ist das große Werk der Ndonnmenta E^r- maniae Histofiea^nn späteren Mittfialter steckengeblieben: ivfiter ftchrerr andere Sarnmekwerke. wie die Rfichstagsabschiede, die Hause-Rezesse , die Quellewschfiften des Reforin a tton sz fitalterS; und auch für eftrzelne spätere Zeiträume der' deutscher: Geickichte! rrüe z. B. die Zeit Ffiedfichs des Großen, sind unriangrenchg -Sammlungen ins Wert gesetzt worden. Mi der Schrvellc des 19 Jährlm^rderts aber hat bisher die Tättgkfit der großen Sammel­werks Halt gemacht. Ms Gervinus sfiirerzeft die Geschichte des 19. Jahrhunderts zu schreiben unternahm, nnrßte er irch an die fin-zigc Quelle, arr die Zeitungen, halterr: später haben Werke, wie die von Svbel, Treitschke, FrmDirrng den Schleier, der über denr Quell ^msvosse der E^schichbe des 19. Jahr Hunde', ts lieg r nur stellemvfise gelüftet. Aufgaben größten Stiles lwrm, also hier dlw Forsckmng: der Entschluß der- Mümbtmer Kommission ist daher auf das freudigste zu begrüßen, und die 'Namen der mft der Lfittrng der Arbeiten betrarrten Mämwr. der Professoren Brandenburg, Rtarcks rcnd Meinecke, bürgen bafitv. daß das Werk voll der- rechten Lette angfiaßt ward. Es ist Mich darum bedenk mm. weil ^5 .zeigt, daß die derttscke Gfichichtssorschung nicht gesonnen ist, fick in die graue Vorzeü einznspftrnen. sondern daß sie aut die Erhaltung frischer Fühlrrng mft dem Leben rmd den ^rrteresstm der steattvn Wett legt.

- Nemes Leben im Dom zu Fritzlar. Uns ivird geschnoben: Jm ehrwürdigen Dom tzri Fritzlar, der nt r«''^ dm Stätte erhebt, an der Bom.'aziris 721 die Donnerers. in 1 (jntfc in dem fin rfichar Dorrrßhatz an gfidenen und knoierneil lEiesäßerk von uneffetzlicherrr .Krmstwnt ruht, inrd rrn- des Nnemn- (mnib der Ban schwirr igknten Ernenn 11 ngsa, betten großen 2-nIs vor genommen worden, dre sittt 'ittile uns gfichfiebrn wird, rrnfi ihrrrn Abschttrß rrälrern Bekamrlliä^ sind lwr den Erneuel nng-ündfi tan im Dome irvrwolle Mtertumssurrd? .mmaä ' -oord--' ?as Jlunere des Doms, das bis vor einigen O'iiy. jt durch einen rück­sichtslos ans alte Schönheiten geworfenen türtchüberwirr, »ii.tkeril ivittle. erstem sich irav* *r firres sarlwnreickir., Bildes Die ,rohen Pfeiler und aiffstrefimd,nr Säulenbündel sind m kr-aftigem ->',un gehalten und heberi sich vordfilhaft von den ch'llenir Wend7fid«t, Iimd den mit Farlumoriurrnrntcir geschnnickten Oüttbrmeir und SiiTv* ivu ab Die Bniralung 'hat «reßj'-ickl inu Reste zurnckgegriitzmI dre nmuufltd;, arrs dem 15. Jabrhundm t stammen. und benutzte diese rn vottfilhafter Weift. Am glücklichste» gelrnrgen ist die Ausnmlung de> »ochchov^ uird der b'id'N Clhordürftr Die Fobw dreier Eo* NOierrmgen ist. das: N*- HöherrverbÄttrrste N\- i^ottosl^ruies ledeutenb gefftütz-tt wirken.