Ausgabe 
27.8.1917 Erstes Blatt
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M§ dem Reiche.

Berlin, 25. Anrg. (WTBi) DerReichsrur^eiger" ver­öffentlicht das Gesetz über die Fürsorge für Kriegsgefan­gene, ferner Betanntmachnngen betr. die Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern in Glashütten n.sw., ferner betr. die Verlängerung der Prioritätsfrist in Schweden, sowie zu der Verordnung über den Rohtabak, werter die Verordnung über Höchstpreise für .vülsenfriichte, die Betanntrnachung der Reichs-bekleidungsstelle über die Beschlagnahme von Wasche in Hotels usw., sowie die Be­kanntmachung betr. die Reichsbekleidungsstelle über die Ver­sorgung entlassener Krieger mit bürgerlicher Kleidung.

Ans Heften.

Erleichterung des Kleinwohnungsbaues und der .Herstellung von Haus möbeln.

Abg. Köhler stellt folgenden Antrag:

Zurzeit sind seitens des Reichs Erwägungen im Gange, in welcher Weise dem nach Beendigung des Kriegs vor­aussichtlich auftretenden Bedürfnis nach Kleinwohnungen eine Förderung zu teil werden, und insbesondere eine Ver­billigung der jedenfalls dann sehr hohen Baukosten herbei- gesührt werden könnte. Auch das Verlangen nach Möbeln für neue Haushaltungen wird ein bedeutendes sein, wobei aber jedenfalls mit erheblichen Preisen zu rechnen fein wird. Ich beantrage daher: Grotzh. Regierung zu ersuchen, aus denstaatlichen Forsten Holz zu mäßigen Prei- s e n zum Wohnungsbau und zur Herstellung von Möbeln bereit M stellen.

Dreschen der Ernte und Einlagen! der Kartoffeln.

Abg. Kiorell-Jrrgelheim hat in der Zweiten Kammer Zfolgende Anfragen, gestellt:

Ist es der Großh. Regierung bekannt, daß in Ge?wettr- den nicht gedroschen toerden kann, weil keine Kohlen zu erlangen frnd, trotz aller Bemühungen (Bretter ist allä:- dings nicht geliefert worden) und trotzdenr von den Ge- meiriden oder (Genossenschaften schon seit Wochen Dresch­maschinen bchchafft worden sind ?

Ist es ihr bekannt, daß in andere?: Gemeinden sich dcks Ausdreschen verzögert, weil die vom Koinmunalverband zugewiesene Maschine schadhaft ist, lvährend gute Ma­schinen, die ihren Bezirk gedrosche?: haben, nicht kommen dürfen, weil sie nicht zuständig sind?

Derselbe Abgeordnete stellte ferner folgenden Antrag:

Hält man sich auch von jeder Uebertreibung der Schä­den, welche durch nicht sachgemäße Einlagerung von Kar­toffeln und anderen leicht verderblichen Nahrungsmitteln ' entstanden sind, fern, so ist es doch unumgänglich notwendig, für die kommenden Monate Vorsorge zu treffen, daß die Schäden auf ein Mindestmaß beschränkt bleiben. Dazu ist die Heranziehnug sachverständiger und verantwortlicher Per­sonen durch die Gemeinden und Verbände notwendig. Ne­ben der Oberaufsicht der zuständigen Behörden könnte mit dieser Aufgabe der organisierte, sachverständige Handel be­traut werden. Tie entstehenden Kosten werden si'ir die Ge­meinden nicht größer sein als die Schäden durch Verderb, für die kein Ersatz zu leisten ist. Ich beantrage: die Kammer wolle ein Ersuchen in diesem Sinne an die Großherzogliche Regierung richten.

Gießener Ferien-Strattammer.

Gießen, den 21.August 1317.

Ter 16 Jahve alte Schlosserlehrlmy August Sch. in Gießen und dessen 12jähriger Bruder Erich hatten sich wegen Diebstahls zu verantworten. Sie sind geständig, am 7. Wwil l. Js., während ihre Mutter die Reinigung der Raume der hiesigen Ortskrankenkasse besorgte, dem (Äesä^ästsführer dieser iDassse aus dem Schreibvult 10 Mark, bestehend in 2 Fünfmarffcheinen, entwendeten haben. Sie hoben das Pult es handelt sich um ein Sonnecken-- iSchveibpult gn -einer Seite hoch und zogen die an seiner Rück­wand befindliche Berschlußfeder nach bunten, so daß sich alle Kasten von selbst öffnellm. Auf dieselbe Weise stahlen sie am 26. Mai l. Js. chnen Hundert-iMarkschein und zwar aus! her in einer der Sckßublftden besjchjdllchen Geldkassette, die sie mittels Nachschlüssel öffneten. jSie ikanften sich dafür je 1 Uhr, 2 Messer mit Ketten, 2 Paar Wickelgamaschen, 1 Kragen, 3 Ringe, 1 Brustbeutel, 2 Feuerzeuge, 1 Msundhannonibl und 2 Spazier­stöcke für züsammen >71,80 Mark, für den Rest kauften sie Speisen Und Getränke. Das Gericht verurteilte den August Sch. zn einer Msanttgefängnisstrasc von 3 Wochen und j3 Dagen und seinen, Bruder zu einer solchen von 16 Tagen. ^

Dem Landwirt Otto Sch|. in Hungen wurden -in der Nacht vom- 10. bis 11. Juni d. Js. aus seinem unter der Scheuer gekegenen '.Keller 5,66 Zentner.Kartoffeln im Werte von 28 Märk entwendet. Der Verdacht lenkte sich -alsbald auf den Taglöhner Heinrich Ai. in! Hungen, der früher bei dem BestvWenen gearbeitet hat und! dem -deshalb^die -Oertlichkeitcn bekannt waren. Eine bei M. vor- gmoutmsene HaUssuch?mg förderte einen Teil der gestohlenen Kar­toffel?: zutage, wahrend der andere Tsell bei seinem Schwieger-' sohn vorgefimdcn rvurde. Heute hatten sich deshalb M.. seine beiden Söhne (Lnu Mer lpjon 17 !nnd 15 Jjahren, sowie sein! -Schwiegersohn wegen s ch we r e n Diebstahls zu verarrtivorten. Anführer des Diebstahls iH der alte M., der die Wegnahme der Kartoffeln als einen dtotdiebstahl hinzuftell-en versucht, was aber durch die Angaben des als Zeugen vernonimenen Bürgermeisters widerlegt wird. Das Gericht billigte den geständigen Angeklagten mildernde Umstände zählurid verurteilte de?r,alten M. z?l 5 Monaten, seinen Schw5sgersvhi: z-N 3 IMionnten jmrd feilte beiden Söhne zu je zwei Wochen Gefängnis.

Das 18 Jahre alte Dienstmädchen Enrnm P. von Burkhards hatte sich we^n Batrugs und Urkundenfälschung zu verantworten. Um sich ein Paar Schuhe z?: verschaffen, zu deren Ankauf sie ta&er selbst Geld hatte, noch von ihrem Vater erhielt, ging die Angeklagte mich Gedern in den Laden des Schuhwaren- sabrikanten Vs , kaufte dort -ei?: Paar Schuhe für 16,50 Alk., indem sie der bedienenden Verkäuferin vorspiegelte, sie sei Berta St., das Dienstmädchen bei Johannes E., eines guten Kunden von V., und erreichte so, daß sie die Schuhe ohne Bezahlung erhielt u?rd der Betrag lauf das Konto E. eingetragen wurde. Am 27. Dezember 1916 ließ sie sich von der Bi'wgermerstierei B. einen auf den Namen ihres Vaters lautenden Bezugsschein über 2 Meter.Schürzenstvff und eine Druckzeugbluse ausstelle?:. Da sie kein Geld hatte, ver­fiel sie 'aut de?: Gädianten, es hier ebenso zu machen wie mit den; Schuhen. Sie änderte den Namen P. -aus dem Bezugsschein in E. und 'die erwähnten Gegenstände in 2 Meter Blusen- und 7 1/2 Ellen Rockstoff um. Mit dem Bezugsschein ging sie in das Geschäft von Kausmann V. in Gedern, gab sich wieder als Dienstmädchen des E. aus übergab den Bezugsschein und ließ den gekaufte?: Stoff wieder für E. auffchreiben. Hier wie in de?N ersten Fall hätte sic die Ware?: nicht -erhalten, wem: sie die Währheit gesagt hätte. Der Schaden ist später durch ihren Vater ersetzt worden. Das Gericht r-erurteilte die geständige Angeklagte nrtter Zubilligung mil­dernd, r Umstände zu einer Gesa?ntgesäng?:isstrase von einer Woche und einen Tag.

Der Fabrikarbeiter Adolf Sch. von Messenbach, der bei der diesigen Fettverwerlungsg-esellschaft beschäftigt )var, hat dem Schneider W. dc-lhier eine gelbe Weste im.Werte von 15 Mk. ?>nd fivis Rollen schw-arze Seide tmrcki Erbreche?: eines Behättnisses, soivic. den: Gemüsehändler K. dahier 2 Pfm:d Zucker entwendet. Weiter hat er seinem Mitarbeiter ein Paar schwarte Schnürschuhe

und das Vesperbrot, sowie seiner Lögierfran eine Lampe im Werte von 10 Mt. gestohlen. Der Angeklagte bat die Weste und Seide zu 2,50 Mk. ?md die Schuhe zu 6,50 Mk. <nt einen hiesigen Alt­händler vertäust. Dieser harte sich deshalb wegerr Hehlerei zu ver­antworten. Ans Grund der Belocisanmalme konnte sich das Gericht von der Schuld des angeklagten Althändlers nicht überzeugen^ so -daß dessen Freisprechung erfolgte, während der Angeklagte Sck>. zu einer (stesam tgesäagnis-strase von 4 Monaten und 2 Wochen ver­urteilt winde, tvelche Strafe er alsbald anerkannte.

Lpielplan des Grohh. üurcheaters Sad-Nauheim.

Montag, 27. ?lug.:Unter der blühenden Linde". Mittwock), 29. Aug.:Die selige Exzellenz". Freitag, 31. Aug.: Unter Mitw. d. Kurkap Einm. Gastsp. d. Tanzkünstlerin Hamrelore Ziegler vom Großh. Hof- u. Natio?:attheater Acannhein:. Dazu:Wenn wir albern". Sonntag, 2. Sepr. Gastsp. Rud. Posfin u. Tilde Lipsk: M. d. Wiesbadener Residenz-Enseinble.Wenn Frauen, schweigen", hi-eraus:Durchs Ohr". Mo?ttag, 3. Sept.:Perlen".

Uönigl. Kurtfyeater vad-Lms.

, Dienstag, 28. Aug.: Unter Mitw. d. Kurkap. Einm. Gastsp. b. Tanzkünstlerin Hannelore Ziegler. Dazu:Wenn wir albern". Dienstag., 4. Sept.:Das Dreimäderlhaus".

Spielplan der vereinigten HranNurter Ltadttheater.

Gpernhaus.

Montag, den 27. August, abemds 71V Uhr: Letztes.Auftreten v. Rob. Hntt.Der Troickadour". Die?rstag, 28. Aug., abds. 6: ZU Goethes Gebnttstag. Prolog von I. W. v. Goethe. Hieraus: Egw.ont". Mitttvvch', 29. 2lug., abds. 7Zürn Besteck d. Wohl- fahrtskassen d. Gen. Deutsch. Bühnenangeh. Gastsp. v. Fritz: Mas- sary vom! ?Retropol-Theater in Berlin.Die Fledermaus". Don­nerstag, 30. Aug., abds. .7: Letztes A?rftr. v. Melitta Heim. ^,Vio- letta". Freitag, 31. Aug.. abds. 71 2 : Volksvorst, b. kl. Preffe?:. Der Barbier von Sevilla". Samstag, 1. Sept" abds. 7:Die lustigen Weiber von Windsor". Sonntag, 2. Sept.. nachin. 51 / 2 : Tristan irnd Isolde".

5 chauspielhauz.

Samstag, 1. Sept.. abds. 7y 2 : Eröffnu ngs - B 0 rstel -« lung. Zum ersten Mal.Florian Geyer". Sonntag, 2. Sep< abds. 71 / 2 : Könige".

vernrischtes.

Bon der Leipziger Messe.

* Leipzig, 27. Aug. Der erste Meßtag zeigte bereits einen recht lebhaften Geschäftsverkehr. Die -aus allen Teilen des RHches sowie aus dem verbimdeten und neuttalen Auslande eingetroffenen Einkäufer standen in rege:: geschäftlicher: Verhandlungen mit.den Aussteller?:. Besonders großes Interesse wandte sich der Nahrungs­mittel inesse init ihre?: zahlreichen Ersatzsabrikaten z::. Ferner den aus Ersatzstoffen erzeugten Textilwaren. Viele Jndusttiezwerge wer- >den gut vertrete::. Etwa 40 000 Meßfrem'de wurden in Leipzig gezählt.

HotelbranÄ in Leipzig.

* Leipzig, 27. Aug. Nach einer Meldung derVoss. Ata." brach in dem jetzt bis zur Herbstmesse bis unter das Tack ^setzten Hotel ..Stadt Rom" ein Brand aus, der sich mit größter Gewalt ausbrertete und in kurzer Zeit den ganzen Dachstuhl des in un­mittelbarer Nahe des Hauptbahnhoses befindlichen Hotels ergriff. Trireb de?: Brand wurde die in dem ziemlich weit von der Brand- stttte liegende:: alten Stadttheater stattfindende Jnbiläumsvorstel- lung derBrarrt von Messina" empfffchlich gestört, da der Brand­geruch in das Theater drang und die Besucher zun: ^.eil erschreckt flüchteten. Die Ursache des Feuers ist unbekannt.'

ärztlich

bevorzagt.

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Beginn desllnterrichts Montag,den 3. September.

Bekanntmachung

Laut Schreiben des Einberufungs-Ausschusses für den Zivildienst dürfen Backwaren von Dienstag, 2H. d. M., ab an Vrivatkundschaft nicht mehr ausgctragen werden. Zuwiderhandlungen werden mit der Srhliehung der Be­triebe geahndet. Wir bitten unsere verehrliche .Kundschaft, 'sich den jetzigen Berhällntssen anzupassen und ihre Waren bei ihrem seitherigen Lieferanten abholen zu lassen. ^

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Winterschafweide.

Die Gemeinde Inheiden beabsichtigt, ihre Wlnterschafweide für den kommenden Winter zu verpachten. Da die Feldgemarkung Feldheim mit gehütet werden darf, bietet die zu behütende Fläche, bei normaler Witterung, vollständige Nahrung für -,ne Schafherde. Pächtliebhaber wollen sich an die Bürgermeisterei wenden. 62 °o

Biruenverkauf.

Mittwoch, den 29., und DouuerStag, den 39. ds. MtS. Von 8 V 2 Uhr an kommen in der Turnhalle, Steinstt. 3, Frühbirnen (Gute Graue), zun: Verkauf. Es gelangen am ersten Tage die Nummern von 1250 und am zweiten Tage von 251500 zur Ausgabe.

Noch vorhandene Nummern können am 29. Aug. von 8 81/4 Uhr an genannter Stelle in Empfang genommen werden. Preis der Birnen 20 Pfennig für das Pfund.

Gießen, den 25. August 1917.

Der Großh. Kreisbauinspektor des Kreises Gießen.

I. V.: Haag.

Bekanntmachung.

Am Dienstag, den 28. ds. Mts., werden in den Brot markenansgabestellen

vorrnittags von 812 Uhr und nachnnttngs 26

Wurst- nnb Kariosselmarken auögegeben.

Gießen, den 25.'August 1017. 63166

Der Oberbürgermeister (Leberts??:ittclamt).

Betrifft: Die Abgabe von Ficktendeckreisern.

Von den in diesen: Jahr der Stadt zur Verfügung stehenden Fichtendeckreisern können eine beschränkte Anzahl Wellen an Private abgegeben werden. Wer solche zn beziehen wünscht, wolle dies alsbald, spätestens aber bis zum 1. Oktober ds. Js. aus dem Stadthaus. Garten- straße 2, Zimmer 9ir. 15, anzeigen. Der Preis für die Welle beträgt 30 Ps. und ist bei der Bestellung z?: ent­richten. Schriftlichen Bestellungen ist der Betrag beizu- fügen. Eine Erhebung des Betrags kann nicht staitftnden. Die Lieferung erfolgt frei vor das Hans. Weniger als 5 Welle?: werden nicht abgegeben, auch kann eine Gewähr für die Lieferung von inehr als 50 Wellen nicht über- nonunen werden.

Gießen, den 23. August 1917. 63126

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