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Erster Blatt
M. Jahrgang
Lmmtag. 25. August [9\l
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Neue erfolgreiche Kämpfe bei Verdun.
Ein neuer §iege§tag am Isonzo.
wochenrülkblick.
Werm die ftplzen Drohrrrrg^n und Vernichtungsplüne urrserer Gegner von den Hoffnungen auf ihre Angriffsschlachten sich herleiten, dann ist Aussicht vorhairden, daß sie, wie Argen, kurze Berne haben werden. Die Feinde haben in den letzten Tagen all ihre Kräfte eingesetzt und nichts erreicht. Es ist klar geworden, daß sic diese Angrifss- schlachten brauchten, daß sie nicht einfach die Zeit für sich wirken lassen durften, von der besonders England am Anfang annahm, daß sie den Dushungerungstod in Deutschland mnsühren werde. Wie würden Engländer und Franzosen jetzt diese enormen Opfer dransetzen, wenn sie hoffen könnten, das bloße Warten auf unsere innere Verelendung werde ihnen den Sieg bringen! Nein, damit ist's vorbei! In ihren eigenen Ladern sehen sie die Zeit sich mit der Todessichel bewaffnen. Die vielgerühmte englische Zähigkeit hat sich mit einer anfaepeitschten Tollkühnheit Kusammentun müssen. denn das britische Weltreich beginnt in seinem Fundament zu krachen. Der schärfere lEoob-Krieg hat irr seiner halbjährigen Dauer b 1 /* Millionen Tonnen ferndlichm Schiffsraunrs hinweggeschasst! Eng frmb fühlt heute auf das schmerzlichste, wie trügerisch die Kalkulation war, mit der Sir Edward Grey es in den Krieg geführt hat.
Die ErrgLndec sowohl wie die Franzosen haben in dieser Woche schwere NiK>erlagen erlitten. Ihre „Ueber- materials ch lachtat" beginnen sogar die Wirkung zu versagen, die deutsche Front schrittweise znrückzudrängen. Die erneuerten Anstürme der Engländer in Flandern haben den Mrsrtgen rricht einmal die ersten Gräben ernstlich streitig machen können. Die Franzosen dagegen durften sich größerer Anfangserfolge rühmen; sie nahmen uns in der Schlacht Bei Verdun einige Hohen« und Waldsdellungen. Wenn jedoch «ni« Aeugftliche unter uns geneigt sind, darüber die besorgten Köpfe zu wiegen, so ist ihnen zu sagen, daß die Franzosen nicht gerade etwas BesrnLeres vollbracht haben. In langer Rrchezett haben sie im Angriffs gebiet von Verdun chre Vorbereitungen treffen können, während die deutschen Streitkräfte ihre Hauptaufgabe wieder einmal nach dem Osten verlegt hatten. Dort ist uns denn doch m e h r gelungen, als der französischen Offensive dieser Woche. Bald genug wird auch bei Verdun wieder der Ausgleich gefunden sein.
Ist es verwunderlich, daß der Reichskanzler, bevor er den päpstlichen Friedensbries beanworten korrnte, auf die militärische Lage hinwies, die der Politik die Wege 'Lahrren muß? Wir brauchen wahrlich nicht als Friedensbettler zu erscheinen Mit größeren: Rechte als der Feind, der noch -nichts erreicht hat, dürfen wir triumphieren. Wir sehen stolze Siege und unerschütterliches Standhalten nn unseren Fronten überall, aber was der Laie nicht sehen und beurteilen form, das stellt sicher und ruhig die Oberste Heeresleitung fest: auch die Zukunft gehört uns! Nach Hindenbprgs Telegramm an Dr. Michaelis ist die militä- rische Lage Deutschlands jetzt besser als je zuvor! Ein stolzes Wort, das uns keinen schlechten Frieden einläutet! Und nach dem im .Hauptausschuß des Reichstags abgegebenen Urteil des Herrn v. Kühlmann, des neuen Staatssekretärs unseres Auswärtigen Amtes, soll das vierte .Kriegsjahr das letzte sein. Er denkt dabei nicht an den Frieden, den uns Lu>yd George auszwingen möchte. Wenn die volle Einheitlichkeit der Auffassungen besteht unter den Männern, die an der Spitze des Reiches stehen, so rechnet Kühlmann mit einem entscheidenden Sieg über unfern Hauptfeind England. Dem: der Kaiser hat in seiner Ansprache an die .Truppen in Flandern am Dienstag betont, daß es eine zwingende Notwendigkeit sei, die Engländer niederzu- wersem unsere un v e r s ö hm lich en Gegner. Er scheint sich kaum eine Wirkung des päpstlichen Briefes auf die Londoner Politik zu versprechen, sonst hätte er wohl mit größeren Zurückhaltung gesprochen. Noch energischer klang seine Ansprache als die des Reichskanzlers, der zwar auch in gehobenen: Tone erklärte, an ein Friedensangebot sei nicht zu denken, solange die Gegrrer an ihren: Vernichtungsmittel: festhalten.
Welche Aussichten hat nun der päpstliche Friedensvorschlag? 97vch keines der am'Kriege beteiligtem: Länder hat bisher darauf amtlich geantwortet. Nach! der vorläufigen 'Erklärung unsere > Reichlanchers an: letzten Dienstag müßte man eigentlich annelpnen, daß er jetzt zunächst den Gegnern das Wort lassen will. Die Entente hat ans Friedensvor- schläge immer langsam und zögernd geantwortet. Sie ließ sich drei Wochen Zeit, bis sie den Vorschlag der Mittelmächte vom 12. Dezember beantwortete, und sie wartete mit ihrer Entgegnung aus die bekcnrnte Friedensnote Wilsons vom 21. Dezember ebenso lauge, nämlich bis zum 12. Januar, »nährend Deutschland seine Erklärung dazu schon am 2t). Dezember ab gab. Wir wissen nicht, ob Herr Dr. Michaelis es für zweckmäßig und bedeutsan: hält, nun so lange zu schweigen, bis die Gegner gesprochen haben. Seine Entschließungei: werden von unseren Bundesgenossen und sehr wahrscheinlich auch von der Mehrheit des Reichstags beeinflußt, die sich in dessen Hauptausschuß äußert. Unsere nächsten Bunde-.genossen stehe:: zwar unter dem Eindruck ihres neuen großen Erfolges an der Jsouzo-Fvont, wo sie Mn 22. und 23. D0. Mts. über 40 anMrmen.de italienische Divisionen zurückgeworfen haben, allein die Wiener Regie
rung wird sich bei ihren guten Beziehungen zum Vatikan vermutlich beeilen wollen, ihn: zustimmend zu antworten Die Zentrumspartei im Reichstag wird gleichfalls alle Zweckmäßigkeitsftagen beiseite stellen und dem Papst die schuldige Reverenz beweisen. Die Mehrheit im Hauptans- schuß 'wird in dieser Frage zweifellos fest Zusammenhalten, (ftnen Vorgeschmack an dem Kommenden haben wir in dieser Woche schon erhalten. Zentrum und Sozialdemokratie und der kleinere Anhang, der sich ihnen zugesellt, Haber: den Reichskanzler bereits fest ins Gebet genommen. Dr. Michaelis soll nichts als ihr Geschäftsführer sein. Er wurde, um mit Mephisto zu sprechen, karechisiert urrd sollte aus die bekannte Glaubensforme: der Mehrheit in Sachen der Fried ensfra ge verpflichtet werden. Wie er dabei sichtlich um Selbständigkeit und Spielraum kämpfte, sich wohl einen Rahmen anpassen, nicht aber sich auf Worte festlegen lassen wollte, das wurde ihm von der Mehrheit in der Sitzung am Mittwoch schwer verdacht. Schon soll ihn, wie Wallenstein, der „Doppelsinn des Lebens" verklagen, schon wird, was er „im tteberfluß des Herzens" sagte, „zu künstlichem Gewebe ihm vereint". Der „Vorwärts" sprach über diese unerquickliche Sitzung des Hanptausschusses spöttisch von einen: „Tröpfchen Fegefeuer", was ja bedenklich an die Sprache der Ketzerverfolger erttrnert. Am Donnerstag wurde die Einsetzung eines Unterausschusses beschlossen, der sieben Mitglieder haben soll: zwei Sozialdemokraten, zwei Zentrumsabgeordnete, einen Konservativen, einen 9äatio- nalliberalen und eir«n Fortschrittler. Was sich daraus noch alles entwickeln mag, daran kann mm: nur mit Unbehagen denken, Hindenburg und seine Heere werden mit den Feinden schon fertig werden, Herr v. Capelle urtb unsere IMBoote auch mit der schwimmeichen.Macht Englands — aber ob Dr. Michaelis auf die Dauer mit dem Siebener- Airsschuß fertig werden kann, daS bleibt eine sinstere Frage.
(WTB.) Großes Hauptquartier, 24 . August. (Amtlich.)
W eftlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe K ron Prinz Ru pp recht.
. In Flandern flaute die heftige Artillerietätigkeit im Kampfabschnitt zwischen Langemarck und Hollcbekc nur vorübergehend ad. Stellenweise erreichte sie wieder die Stärke von Trommelfeuer, ohne daß bisher größere Angriffe folgten. Nur bei Westhoek führten die Engländer einen Teilvorstoß, der erfolglos blieb. Heute um frühen Morgen enttisfen wir dem Feinde südlich der Straße Kpern—Menm den von ihm in den letzten Kämpfen errungenen Gewinn. Der verlorene Graben wurde zurückerobert u»d behauptet.
Bei den ergebnislosen Angriffen am 22. August verloren die Engländer 21 Parrzerkraftwagen, die zerschossen vor unserer Front liegen. Ein Teil der am Leben gebliebenen Besatzung wurde gefangen genommen.
Kanadische Truppen versuchten erneut in Leus und in unsere anschließenden Stellungen einzudringen. In hartnäckigen Nahkämpfen hielten wir restlos die bisherigen Linien. Auch an der Bahn Arras^-Douai scheiterte ein feindlicher Angriff.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Beiderseits der Maas steigerte sich der Artilleriekampf im Walde von Avocourt, bei der Höhe 304, bei Beaumont, in dem Fvsseswald zu einzelnen Tagesstunden wieder zu beträchtlicher Stärke. Gegen Höhe 304, die wir in der Nacht vom 21. zum 22. August planmäßig unter Zurücklassung einer schwachen Besatzung geräumt batten, führten die Franzosen heute einen starken Angriff. Sie wurden von unserem Artilleriefeuer empfangen.
Nördlich von Louvemont kamen bereitgestclltc feind liche Sturmtruppen in unserem Vernichtungsfeuer nicht aus ihren Gräben heraus.
Oe st licher Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern.
An der .Mste wurde die Aa an einigen Stellen von unferm Truppen erreicht. Am Dryswjaty-See, bei Brody. am Sereth und am Zbrucz lebte die Gefechtstätigkeit zeitweise ans.
Front des Generalobersten Erzherzog Josef.
Unsere Stellungen bei.Soveja und am Susita-Tal waren erneut das Ziel ergebnisloser feiildlicher Vorstöße.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.
Westlich von Corbul am Sereth brachten uns erfolgreiche Stvßtruppen-Unternehmen Gefangene imd Bellte ein.
Mazedonische Front.
Bei allhaltender Hitze nur stellenweise geringes Feuer.
Der Erste Generalguartlermeister Ludendorsf.
*
Der Abendbericht.
Berlin. 24. Aug., abends. (WTB. Amtlich.)
In Flandern verliefen bei St. Julien und südlich der Straße Ypern—Ateniil örtliche Kämpft für uns erfolgreich.
Westlich der Maas wurden die über Höhe 304 him aus angreifenden Franzoftn unter scwveren Verlusten abgeschlagen.
Vom Ofterr nichts Neues.
»
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien, 24. Aug. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlantbart.'
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.
Keine besonderen Ereignisse.
Heeresgruppe des Generalobersten Erzherzog Josef.
Be: Soveja und nördlich der Susita griff der Feind abermals vergeblich an. In den letzten Kämpfen an der Susita und bei Okna haben sich unsere Flieger bei Führer und Truppen durch erfolgreiche Arbeit gegen einen an Zahl überlegenen Feind die grüßte Anerkennung erworben.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Nördlich des Dnjestr fühlten die Russen mir stärkeren Erkmrdmrgsablejlnngen vor. Sonst nichts von Belang.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die 11. Isonzo sch lacht dauert an. Nach einem verhältnismäßig riMgen Vonmittag brachen bald nach Mittag neuerlich hfftige Kämpfe an. Ans der Hochfläche Bam- siPa-Hciligegeist richteten die Italiener, nnunrerbrochen Verstärkungen heranziehend, wieder schwere Angriffe gegen unsere Linien südlich von Vrh. Sie vermochten nirgends Erfolge zu erringen. Unftre tapferen Truppen, unter ihnen dir seit Tagen im schwersten Kämpft stehenden Braven der 106. Landsttrrrttdiviswn und das Infanterie-Regiment Nr. 41, behaupteten sich in allen Gräben. Mit besonderer Wucht griff die italienische dritte Armee abermals zwischen der Wippach und dem Meere an. Nach mehfftün- digem Artillerieftuer ging um 4 Uhr nachmittags dft feind liche Infanterie zum eiicheitlichen Massen sturm über Während die feindlichen Kolonnen am Nordflügel stelftn- weise schon durch unsere Batterien niedergeschmettert wur den, kam es anderen Ortes, nanrentlich zwischen Costagne- viz^za rmd der Küste, fast überall zu stundenlang währendem Nahkampfe. Tank ihrer über jedes Lob erhabenen Tapfer teil m:d Ausdauer schlugen unftre Karstverteidiger alle an Kraftaufgebot vielfach überlegenen Angriffe des Gegners siegreich zurück. An unvergleichlicher Einigkeit haben Söhne der Gauen beider Staaten der Monarchie und Bosniens Anteil an den stolzen Erfolgen. Waren es gestern die Infanterie Regimenter 11, 47, 51, 52 und 63, die besonderen Ruhm ernteten, so werden inorgen andere mit dem gleichen Opfer mnt an ihre Stelle treten. Das Dorfttd unserer Karsttinie ist mit ungezählten italienischen Leichen bedeckt--
Balkan kriegsschau platz.
Nichts von Belang.
Der Chef des Generalstabes.
Der yauptausschuß -e§ Reichstags
verhandelte am Freitag über die Kohlen- und Rohstost- Frage. Er hat wegen der Abreise des Kanzlers nach dem Gwßen Hauptquartier die allgemeine politische Aussprache unterbrochen, die aber am Samstag nach der Rückk'chr des Kanzlers fortgesetzt werden soll. Sie soll getrennt weitergesührt werden imd z:oar naäi folgenden Gebieten: Neubesetzung der Regierungsämter, Lage in den besetzten Larwesteilen und Zensur- und Versammlungsrecht. Au den beiden letzteren Fragen haben die Albgg. Prinz zu Schoenaich-Carolath (na&), Erzberger (Ztr.). von Payer (Vp.), Scheidemann (Sc^.) den Autrag gestellt, die politische Zensur möge alsbald be)eitigt urerbeit. Die Sozial demokrat cn allein lxrben ifrrat bereits mehrfach abgelehnten' Antrag nach Aufhebung des Belagerungszustandes wieder ein- gebracht.
Tie Aussprache über
die Kohlenftage
leitete Staatssekretär Tr. Helfferich mit euren: allgeniemen! lleberblrck über die Lage des Kohlenmarktes ein. Er machte ziffern mäßige Angaben über die Kohlenproduktion. Nach den: Tiefpnnki des letzten Muters hat dank der energische:: Maßnahn:e:: die För dernng der Steinkohle wieder zugenominen, von 12 Millionen Tonnen im Februar auf 14 Millionen Tormen im Juni. Gegen über diesen 14 Millionen Tonnen Förderung im Juni 1917 sind rn den Vergleiäisnronaten der beiden Vorjahre 12 b^w. 13 Millio neu Toirnen gesöttrett worden. Trotzden: wolle er, um uw glichst Ücker M gehen, nicht damit rechnen, das; das Jahr 1917 höhere Ertrage brurgerr werde als das Icchr 1916. Tie Förderung der Braunkohle se: im Kriege über die Friedensnrerrge hinaus ge stiegen. Die Junr-Fördermrg betrug 1917 rurid 8 Millionen Tön neu gegen 6,9 imd 7,2 Millionen Tonnen in den Jahren 1918 rmd 1914 Die Auftechterhaltung der Produktion in den: jetzigen Umfange habe aber zur unbedingten Voraussetzung, daß die Arbcn Ungestört und angespanut weitergehe, daß vor allem Streiks wie wrr fte lerder rm vormen Monat in Obeffchlesien erlebt Härten unterbleiben. Jeder Streik entziehe dem Frontsoldaten MUnitrmr unb her Hermat den wotwendigften Hausbrand. Meim an sich die Gestaltung der Prodicktwn unter den schwerer: Verhält:::,sen txs> bezeichnet mccöcit koimc, so nrüßten wir aiwrer chten, daß die Ausr:ütz:urg der Kohle infolge schlechterer Olualckat rocht durchaus brtriedi<re:w und daß der Bedarf für d:e


