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18.8.1917 Erstes Blatt
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Sernsprecö - )lnsch!»rsj«: 'iu dieSchrntleiNkngI12 Berlag.GeichQttsfteNeöl AuschriltsürDradrnach- rechten: Anzeiger Gießen.

$7. Jahrgang

Samstag, 18. August 1917

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euer Anzeiger

General-Anzeiger für Gberheffen

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Der .peile Grohkampstag im Westen zu unseren Gunsten

entschieden!

wochenrückbrrü

Die letzten Tage redeten ein besonderes Wort von englischer Hartnäckigkeit. Wir müssen uns diese etwas naher betrachten, denn mancher unter rms läßt sich noch durch sie blenden und cin- schüchtent. Bor beinahe 100 Jahren hat Heine den englischen Geist treffend beschrieben. Während wir Deutsche, so sagte er in einem seiner Pariser Briefe, immer denken und vor lauter Denken zu keinem Urteil kommen, haben die Engländer, wo es Handeln gilt, den Vorteil, daß sie, als freie Menschen immer befugt, ftcfy frei auszusprechen, über jede Frage ein Urteil in Bereitschaft haben.Sie ur­teilen gleichsam mehr, als sie denken. Die Engländer sind so bestimmt, praktisch, alles Geistige verfestigt sich bei ihnen, so daß ihre Gedanken, ich Leben und sie selbst eine einzige Tatsache werden, deren Rechte unabweisbar. Ja, sie sind bru­tal wie eine Tatsache und widerstehen materiell." AZir sehen das auch heute in ihrer Taktik bestätigt. Während' wir und imsere Bundesgenossen den Frieden vorschlugen, gab Eng­land die Losung von unserer Schwäche aus und wählte schnell entschlossen das gegenteilige Kennwort: unerbittlichen Krieg bis^ zum Sieg. Nichts Geistiges, kein Denken kann es aus dieser Bahn bringen, und wir haben gesehen, wie schnell ge­einigt binrer seiner Regierung auch das Volk in dieser Taktik war. Auch der Arbeirerminister Henderson und die Arbeiter­partei standen nicht beiseite. Sie gedachten, indem sie nach Stockholm gehen wollten, nur auf einem anderen Wege dem­selben Ziel entgegenzuarbeiten. Lloyd George aber will nicht fackeln: er will das zündende Schlagwort, das den Kämpfen­den der eigenen Partei so viel verspricht, nicht, von des Ge­dankens Blasse angekränkelt haben, und so wurden die Pässe für Stockholm verweigert. Mit eisernem Griff wurde auch die provisorische Regierung Rußlands in diese Front ge­zwungen, und die neueste Erklärung Kercnskis über die Stock­holmer Tagung bedeutet in zappelnden Ausdrücken nur die Unterstützung des englffchen Standpunktes. Den russischen Sozialtsten wird die Reise nach Stockholm erlaubt, aber die dortige Konfererrz, die jetzt also von Engländern, Ameri­kanern, Franzosen und Italienern nicht besucht wird, soll nach Kerenski nur beratenden, keinesfalls irgendwie ent­scheidenden Charakter haben. Unsere deutschen Sozialdemo­kraten sind ob dieses Fiaskos ihrer Bestrebungen und Ziele stark verblüfft. Sie sind jetzt zwar auch dasür, daß Deutsch­land nichts übrigbleibe, als sich seiner Haut zu wehren, wollen aber lautVorwärts" als prinzipienfeste Männer trotz allem Ungemach ihre Reise nach Stockholm antreten ...

Die Hartnäckigkeit der Engländer hat sich in ganz ähu- licher Weise früher schon einmal gezeigt, als sie sich ver­maßen, die Dardanellen zu erobern. Auch da war bei ihnen schnelles Urteil und .Handeln eins. Zweifler ließen sich auf die Seite stoßen, unerschütterliche Entschlossenheit wurde in die Welt posaunt, und wirklich gingen die Engländer auch mit aller Energie zu Wasser und zu Lande vor. Allein, da scheiterte ihr Wille, an einer härteren Tatsache, nämlich an dem unbeugsamen Widerstand der türkischen und deutschen Verteidiger.

Was an den Dardanellen geschah, wiederholt sich jetzt in Flandern. Am Mittwoch ist dort die zweite große An g r i ffs sch l acht entbrannt. In 18 Kilometer Breite stürmte, wie der deutsche Tagesbericht sich ausdrückt,der zähe Gegner" gegen unsere Front vor, in elsmal wiederholten An-- griffen wurde er unter schwersten Verlusten abgewiesen. Das war ein stolzer Siegestag für uns Deutsche, zumal gleich­zeitig auch im Osten unsere Erfolge weiter ausgedehm wur­den. Die Engländer werden, wie vor den Dardanellen, ihren Eroberung^- und Vernichtnngswillen aufgeben, sobald ihnen eine noch härtere Entschlossenheit und unüberwindliche Aus­dauer begegnet! Es hieß einmal: Der U-Boot-Krieg wird England dem Frieden geneigt machen. Wir sind davon über­zeugt, daß die Schlachten in Flandern das ihrige gleichfalls kräftig dazu beitragen werden.

Der neueste Friedensbrief des Pap st es art die Staatsoberhäupter redet eine Sprache, die man wirklich einmal gerne hört nach dem rauhen Weltgassenton der Ententesührcr. Mit einem feier­lichen Kirchengeläute ruft der Vatikan zu einer Verständigung der Menschl>eit im Dome des Friedens. Alles, was er in allgemeinen, ergreifenden Sätzen sagt, ist ja so natürlich und menschlich, bas Allgemeingut alter ver­nünftigen Sterblichen.Soll die zivilisierte Welt nichts mehr als ein Totenfeld bilden? Geht das so blühende und so ruhmreiche Europa, wie gepackt von einer allgenrcinen Ver­rücktheit, dem Abgrunde entgegen?" In der Tat, das sind Erwägungen, die auch der nationale Politiker nicht von sich weisen kann, und das ist ja ungefähr auch die Sprache des ersten Friedensvorschlages der Mittelmächte gewesen. Unsere Feinde sprechen immer heuchlerisch anklagend von der großen Verantwortung, die auf die Kriegsurhebcr falle, und sie for­dern die Beantwortmng der Schuldsrage, Bestrafung. Run, für irns ist die Schuldfrage ja gelöst. War haben aus neuen Aussagen und Veröffentlichungen unseres früheren Peters­burger Botschafters, des Grafen Pourtales, wieder gesehen, wie gerade Frankreich den Krieg gewollt, bat Konflikt vor fr ment Ausbruch geschürt hat. Aber abgesehen davon: lastet ungeheure Verantwortung nicht in gleichem Maße auf der­jenigen Mächtegruppe, die den &rtcg zweck- und ergebnislos

verlängert? Es ist das Verdienst des Papstes, daß er in diesem Punkte zu der vermessenen Parole der Feinde seinen Zwischenruf macht. Das von ihnen zu verantwortendeun­nötige Blutvergießen" würde zu nichts führen, weil sie gar nicht die Kraft besitzen, uns niederzuwerfen. Es wird beson­ders England nicht leicht fallen, im Anschluß an die An­regung des Papstes aus dem Tone des verblendeten Vernich­ters in die Sprache der Vernunft zurückzufallen. Eher als an­deren Einweichungen gehorchen sie den wuchtigen neuen Tat­sachen. Wenn der Papst wirklich, vor seinem Friedensschritt Umfrage bei beiden Mächtegruppen gehalten hat, wenn er auch in London eine entgegenkommende Haltung gefunden haben sollte, so begreift man freilich nicht, warum Lloyd George bis in die letzten Tage hinein die alte Zerschmette­rungsfanfare so heftig angewcndet hat. Sicherlich wird Englands Antwort auf den päpstlichen Brief, wenn nicht direkt abweisend, so doch hochmütig und überspannt sein. Wenn aber die flandrischen Schläge ihre Wirkung getan haben, so wäre es nicht unmöglich, daß dennoch der erste Ver­such einer Friedensbesprechung zustande kommt. Ein inter­essantes Thema würde es dann bleiben, warum England und Frankreich dem Rufe des Papstes entgegcnkommen, der internationalen Demokratie jedoch in einer so unerwarte­te!: Weise nicht die Pässe für Stockholm, sondern in der schlechtesten Absicht den Laufpaß erteilt haben.

In was unterscheiden sich aber denn die konkreten und praktischen Vorschläge des Papstes von den Grundzügen des Friedens, die von den Einberufern der Stockholmer Kon­ferenz aufgestellt worden sind? Da fällt es auf, daß der Papst alsgrundlegenden Punkt in erster Linie" nicht etwa die annexions- und entschädigungslos^" Formel auftischt, son­dern daß er an die Spitze seines Vorschlags ein langes Ka­pitel über Abrüstung und schiedsgerichtliche Einrichtungen setzt. Man weiß es, wie sehr solche Dinge dem Präsidenten Wilson am Herzen lagen! Der Vorschlag schmeckt ein wenig nach der anglo-amerikanischen Methode, die darauf ausgeht, Hephaistos in seinem eigenen kunstvollen Netzwerk zu fesseln und zu fangen. Da ist englischen Listen und Phrasen, der Mehrheit, die England und Amerika aus den Völkern der Erde bilden können, eine freie Bahn gegeben. Das ist die Lockung, die Lloyd George und Wilson verführerisch erschei­nen könnte. Der Standpunkt der deutschen Regierung war es bekanntlich, daß Deutschland sich nicht weigern würde, über diese Dinge zu verhandeln, wenn erst die Nächstliegen­den konkreten Friedensfragen gelöst seien. Für die deutschen Wünsche hält Benedikt einen Ausgleich hin, der das Wort Freiheit der Meere" einschließt. Die Losung würde nicht mehr nach einem seststehendar und dauernd begrenzten Ver­hältnis der Flottenstärken lauten, sondern England müßte seine große Flotte ebenso preisgeben wie Deutschland seine Heereseinrichtung. Wahrscheinlich würde John Bull ein Haar in der Sache finden und einwenden:Ja, Bauer, das ist ganz was arideres!"

Die übrigen Vorschläge des Papstes ähneln stark denen, die der Stockholmer Konferenz vorgelegt werden sollten. Nur haben sie die geschicktere, vorsichtigere Formulierung, die den in gegnerische Lager gespaltenen Sozialisten nicht möglich war. Elsaß-Lothringen ist mcht einmal genannt: der Papst spricht nur diskret vonterritorialen Fragen, die zwischen Deutschland und Frankreich in der Schwebe sind". Aehnlich wie in der Entschädigungsfrage für die von Deutschland zu räumenden Gebiete, scheint der Papst hier den Franzosen und Engländern zu einem Entgegenkommen zu raten, indem er sie auf dieungeheuren Vorteile eines dauerhaften Friedens nnt Abrüstung" hinweist! So hat der kluge Nachfolger Petri geschickt die Handhaben verteilt, die jeder der beiden Mächte­gruppen helfen könnten. Aus dem umrötigen Blutvergießen soll nach seiner Anweisung ein Rängen der diplomatischen und staatsmännischen Fähigkeiten werden.

Könnten wir hoffen, daß deutsche Staatsmänner von Rung und Fähigkeiten am Werke sein werden, so wäre es nicht ausgeschlossen, daß die Ereignisse der abgelaufenen Woche uns der beftiedigendcn Lösung der Friedensfrage einen Schritt näher führen.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 17. August. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe KronprinzRupprecht.

Ein unter, der,zweite Großkampftag derFlaüdern - sch lacht, ist zu unsercn Gunsten entschieden. Dank der Tapferkeit aller Waffen, dank der nie versagenden Angriffskraft unserer unvergleichlichen deutschen Infanterie.

Nach einstrindigem TrÄrmnelseuer brach am Morgen de§ 16. August die Blüte des englischen Heeres auf dem nörd­lichen Flügel, begleitet von französischen Kräften, tiefgestaf­felt zum Angriff an. Auf 36 Kilometer Front von der Pser bis zur Lys tobte tagsüber die Schlacht.

Der an dem Mr-Kanal bei Drie-Grachten vorgescho­bene Posten wurde überrascht: der Feind erkämpfte sich auch das nördlich und östlich rwn Birsthoote von unseren Siche­rungen schrittweise mrsgegebene Borftld der Kampfstellung am Martje-Vaart.

Die Engländer durchstießen bei Langemarck unsere Linien und drängten. Verstärkungen nachschievend. bis Poel-

kapellc vor. Hier traf sie der Gegenangriff unserer Kamps­reserven. In unwiderstehlichem Ansturm wurden bhc vor­deren Teile des Feindes überwältigt, seine hinteren Staffeln zurückgeworfen. Am Abend war nach zähem Ringen auch Langemarck und unsere ver­lorene Stellung wieder in unserer Hand.

Auch bei St. Julien und au zahlreichen Stellen weiter südlich bis nach Warnewn drang der Gegner, dessen zerschla­gene Angriffstruppcn durch immer neue Kräfte ergänzt wur­den, in unsere Kampfzone ein. Die Infanterie hielt den ge­waltigen Sturm überall auf und warf den Feind unter enger Mitwirkung der Artillerie und Flieger wieder zu­rück. An den von Muckers und Menin auf Ypern fichren- den Straßen drangen sie vis über unsere alte Stel -> l u n g h i n a u § i n e r fo l g r e i ch e m A n g r i f f v o r.

In allen anderen Abschnitten des weiten Schlachtfeldes brach der englische Ansturm vor unseren H i n- dernissenzusammen. Trotz schwerster Opfer haben die Engländer nichts erreicht! Wirhaben in der Abwehr einen vollen Sieg errungen. Unerschüttert in ge­hobener Stellung stcht unsere Front zu neuen Kämpfen bereit!

. *

Im Artois griffen die Engländer gegen Mend bei Loos wiederum heftig an: örtliche Einbrüche wurden durch kraft­volle Gegenstöße wettgemacht.

St. Quentin lag weiter unter ftanzösischem Feuer: der D^chstuhl der Kathedrale ist eingestürzt, das Innere des historischen Bauwerkes ausgebrannt.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

An der Arsnc scheiterten Teilangnffe der Franzosen öst­lich von Eerny.

Bei Verdun entwickelte sich die Artillerieschlacht nach­mittags wieder zu höchster Stärke: der Feind griff bisher nicht an. Auf dem Ostufer der Maas brachen krnnpsbewährte badische Regimenter überraschen- in den Courrirrewald vor, zerstörten feindtu^ Angriffsarbeiten und kchrten mit mehr als 600 Gefangenen von drei französischen Divisio­nen zurück.

*

16 feindliche Flugzeuge wurden abqeschossen: Rittmeister Freiherr von Richtyofen hat den 58., Oberlerttnant Dostler den 25. Luftsieg davongetragen.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Front des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.

Keine größeren Kanrpfhandlungen: vielfach auflebende Artillerietätigkeit und Vorfeldgefechte.

Front des Generalobersten Erzherzog Joses.

Nördlich von Holda an der Bystriza und südlich des Trotus-Tales spielten sich für rms erfolgreiche Teilkämpfe ab.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.

Rumänisch-russische Vorstöße nördlich von Focsany und am rmteren Sereth schlugen verlustreich fehl.

Mazedonische Front.

Nichts Neues.

Der Erste Generalguarttermeister Ludendorff.

Der Abendbcricht.

Berlin, 17. Aug., abends. (WTB. Amtlich.)

In Flandern und bei Verdun nur Artillerie- kampf in wechselnder Stärke.

In St.Quentin stehen die Häuser in nächster Um­gebung der .Kathedrale noch in Brand. Die anhaltende Be schießimg durch die Franzosen erweitert den Feuerherd.

Fm Osten nichts Bestinderes.

*

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

Wien, 17. Aug. (WTB. NichtanttliM Amtlich wird vrrlanwart:

In Rumänien keine Aenderung Die Gesa mtbeut« seit Beginn der Kümpfe iwrdlich 0 Sl?U ^trügt 200 gefangene Offiziere, über 11000 Mann. 118 Maschmengewehre und 35 Geschütze , , ^udlich twn Grozesci warfen Honvedtmvpen >md k. und k. .Kavallerie zu Futz den Feind in schneidigen An­griffen weiter zuruck. Es wurden hierbei 45 Offiziere 1600 Mm««. 18 Maschinengeniehre und 1 Geschütz eingebracht Die 8.K-amva»nie des Trenczener Sanveü-RcgimentS Nr. 15 fichrtr allem 600 Gefangene al>.

Auf der Sähe nördlich von Holda an der Bistritza schlu­gen Abteilungen des Szegeder Honved-RegimentS Nr. 302 nn angre, enües rufusches Bataillon in di« Flucht, wobei viel Kriegsgerat m imsere Hände siel.

Italienischer und Balkan-Kriegsschauplatz Unverändert.

Der Ehef des Generalstabes.