Ausgabe 
14.8.1917 Erstes Blatt
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Basel, 13. Aug. Nack einer Mitteilung der Agence Havas hat der Berbandslag der sozialistischen Vereine von Paris und Umgebung mit 8897 gegen 4 Stimmen beschlossen, an der Stockhol m e.r Konferenz festzuhalten, und die Ein­berufung eines LanLxsparteitages zu verlangen für den Fall, daß die Regierung sortsährt, die Passe zu verrvcigern.

DaS Kabinett Lloyd George und die Arbeiterpartei.

Loncko n, 13. Aug { WTB.) Nach einer Meldung des Reiiter- fchen Bureaus schreibt dieDaily SReruö": Wenn die Arbeiter- konseren; am 21. August sich sür Henderson entscheidet» müssen die anderen Mnister, dle aus der Arbeiterpartei h.noorge- gangen sind, sich oon der Negierung zurückzieheu. Es verlaufet., daß in diesem Falle der Premierminister an das Land appellieren und allgemeine Neuwahlen ausschreiben würde.

Der Brotpreis in England.

Bern, 13. Aug. (WTB.> Der Parlamentssekretär im ?cah- rungSmittelamte El y n e S erklärte auf eine Anfrage im Unter- Hause am 8. August, die Zuschüsse der Regierung, um den Verkaufspreis des Bierpfundb-rotes auf neun Pence zu halten, würden jährlich etwa vierzig Millionen Pfund betragen, vorausgesetzt. daß die amerikanischen Weizeupreije nicht höher steigen und die anderen, dieser Berechnung zugrunde, liegen­den Faktoren sich nicht in ungünstiger Weise veränderten. Das NahrungSmittclamt macht übrigens bekannt, daß die fragliche Brot- vreiSverorduung am 13. August noch nicht in Kraft tteten kann, daß aber alles getan wird. sie baldmöglichst in Kraft zu setzen.

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Cure amerikanische Verleumdung.

Berlin, 13. Aug. (WTB.) Nach ebner Reütermeldnng auS New Pork veröffentlicht das amerikanische Ministerium sür öffent­liche Gesundheit eine Warnung vor dem Gebrauch d e u t sch e r B e r b a n d st o f s c. ES wird dabei die Aiffmerksanlkeu ans daS Gerücht gelenkt, daß deutsche Agenten int ganzen Lande infizierte Verbandstoffe verteilen, um Krankheiten wie TetanuS und Typhus zu verbreiten. Proben solcher von deutschen Krämern verkaufter Verbandstoffe sollen zur Untersuchung an die Reichslabvratorien ge­sandt werden. In den letzten Tagen l>atten die Blätter Telegramme veröffentlicht aus deni Süden und Westen Amerikas, rrach denen) infolge der Benutzung von Verband stoffen, die bei deutschen. Kaas- leuten gekauft wurden, Infektionen vorgekommen sein sollen. Auch unter den Viehherden vom Sübwesten seien Epidemien vorgekom- men. Auch diese werden aus Verbandstoffe zurückgesührt. Der Ge- neralanwalt Gregory gibt bekannt, die Untersuchung habe ergeben, daß in den englischen Verbandstoffen Tetanuskeime enthalten ge­wesen seien, die, wie man glaubt, von den Deutschen verkaifft worden seien. Soweit Reuter!

Wir weisen diese plumpen Verleumdungen und Lügen ans das nachdrücklichste zurück und überlassen sie dem Urteil der gesitteten Welt. Amerika bedient sich der gleichen Vdethode zur Aufhetzung der Volker, wie sie die Entente drei Jahre lang -vtll gewendet hch. Interessant dürfte es sein, daß sogar Vieh durch Ver­bandstoffe infiziert loorden sein soll.

ÄereuSki und der Arbeiter- und Soldatenrat.

Berlin, 13. Aug. (Priv.-Dck') DieB. Z. a. M." meldet auS Lugano: Der MailänderSecolo" berichtet ans Peters- Imrg: De/ Arbeiter ' und Soldatenra t I>iit den Antrag der provisorischen Regierung aus Uebertraguug besonderer Boll- ruachten an den Ministerpräfronten KerenSki mit großer Nkchr- heit verworfen. An der Sitzung nahmen zum ersten Male auch die rumänischen Soldatendelegierten als Gäste teil.

Rotterdam, 13. Aug. (Priv.-Tel.) Meldung derB. Z. a. M." DieMorning Post" meldet aus Petersburg: Der Ar­beit«^- und So Ida t cirtct Ijcri mit allen gegen 49 Stimmen für die Einstellung der Offen sive gestimmt..

Strafverfolgllng russischer Generale.

Lugano, 13. Aug. (Priv.-Tel.) Meldmrg derB. Z. a. M." Einer Petersburger Meldung des MailänderSeeold" zufolge wur­den in der Hochverratsafsäre des Generals Gurko außer diesem inzwischen fünf weitere Generale der Hanvtfrvnt in die Peter- und Panks-Festung eingeliefert.

Erkrankung der früheren Zarin.

Wien, 13. Aug. WieRuskoie Slowo" meldet, habe sich der Zustand der E x ä a r i n derart v e r sch l i m m e r t, daß mit deni Aergsteu gerechnet werden Müsse. Sie könne infolge geschwollener Füße schon nicht mehr gehen und werde fortgesetzt von heftigen Herzkrämpfen befallen.

Miegslmese aus dem Osten.

Bon unserem zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatter.

(Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.)

Der Vormarsch in Galizien und der Bukowina.

Czernowitz den 4. August 1917.

Man kann einen dicken Band mit den Geschehnissen in Ezerno- mitz während der 14 Mchnorbe Okkrrpationszeit füllen, wenn man sich auch nur an die größeren Ereigniffe hält," sagte mir gestern ein Magistrvtsmitglied von Czcrnowitz, als ich der Besprechung des Dankgottesdienstes aller Konseffiouen im' Ratssaal zufällig bei­wohnte. Die Div-ffionen sagen, daß sic kaum Zeit hätten, die Kriegs^ Tagebücher aus dem lausenden zil erhalten, mck daß trotzdeni bald Bände entständen. Jeder Dag dieses ununterbrochenen Vormarsches ist von Morgengrauear bis in drefe lveißen Vollmondn ächte dicht gepreßt voll von Ereigniffen, jede Stunde bringt rr-eue Bilder, neue Kirben. Jeder Tag hat neue Kämpfe, neue Landstriche, neue Far- hen, da kann man aus der lebendigen Fülle nur ein paar Bilder hevausirehmeu, imb schon Inährend man schreibt, versäumt -Ulan den Neuen Eindruck. Vielleicht läßt sich) später der große Befreiungs- so-mmer 1917 in gründlicher Folge schildern, für den klugen blick ''eien ein paar Augenblicksbrlder aus den Siegestagen gegeben.

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Am Sereth noch in der letzten Iirliwoche. Bei Sttusow war der Uebergang noch nicht zu erzwingen. Mit allen verfügbaren .Kräften ging die Division durch Mikulinoe, 'um! Strusaw von Norden zu öffnen. Am Tage vorher waren hier die Spitzen als erste deutsck>e Truppen über den Sereth gekommen. Ist dem. großen GesechtS- brld hatten sich die Kompagnien jenseits aus ixnt Hängen entwickett, die russischen ^ochrawrellS zerflatterten über den Weizen selbe nt. aus tem Wald schwangen sich die schwarzen Fahnen der deutschen Gra- natenernschläge. Darüber lag ein mächtiger Himmel mit jagenden Riesenwvlken, die dort oben ihren eigenen Kampf zu ftihren schimen. Ein Wolkenbrnch war dann niedergegangen, hinter den grauen Regenwanden woreu die Sttrrmkolmmen vorwärts gesprungen. Jetzt mären die Höhen von Mikulinoe unser.

MS ich «mi Morgen über den Marktplatz ritt, gingen nur noch einzelne russische Schrapnells über die Straßen. llnjere Leute mach­tet sich sehr wenig daraus. In jedem der kleinen jüdischen Häuser um den langgestreckten ^Marktplatz saßen die Infanteristen und rvar- teten aus den Beselst zum Ausbruch zum Einsatz. Eine kleine Wohnstube. Ein paar Stühle mit nachgemachtem Lederst Verzug, ein schwarzes Sofa, aus dem die Füllung an alten Seiten heraus­sieht, auf ovalem Ziertistl? cm halbes Dutzend .Teealäscr. .Eine Züdni. die sich lvohl in Angst der Tage das Waschen ab­gewohnt hat, bringt neuen Der Ein Oberleutnant an der Sosaecke lann vor Müdigkeit kaum die Mgen aufhalteri. Die anderen haben schmale, dunkelbraune Gesichter mit heißen Augen imter den Hellen Stirnen.Wie steht'S in Flandern?" Ihren großen Sieg, ihre Mühe des Vormarsches kennen sie. Mas ist darüber zu rebfi? Steigt auch der Ruhm' der Kameraden zu den Sternen. I'hr glaubt zu Hause nicht, wie still das steigt!"Sitta, bringen Sie Schei!"Sitta, kann Man 'hier Seife kaufen?"Ja, X. ist ge­fallen ..."

Es ist der frühere Regimentsadjntant, aktiver Marineoffizier, lfr nahm der Augen ivegen den Abschied, trat beim Kriegsausbruch in ca z Armee, wurde RegimentsadMutant und sollte in den General- sdab. Ms er auf der vorgeschrieüeneir Reise zu den roten Hosen,

ein paar Wochen eine .Kamipagnw führte, begann der Bormarsch. Er bat, bei der Konrvagnie bleiben ^u dürfen. Vor den Wäldern von Mikulinoe trafen ihn fünf Kugeln.Ein prachtvoller Kerl! Ein blendender Junge! ..." Sitta, bringen Sie endlich Tee!" In Flandern Artillerieschlacht?"Kennen wir, kennen wir . .

Der Oberleutnant schläft. Eine Ordomrauz ureldet. Man schnaltt die >l nppeln um. ,sLoS, fertig es gebt weiter!" Der schwere Stahlhelm schattet über die brennenden ?lugen; aus dem Marktplatz formieren sich die Kompagnien.

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Die Straße nach Ta r novo l. Wir reiten auf dem Ostufer des Sereths denn die Brücken bei Mvszkowice und bei Ostrow sind verbrannt. Ein schöner Wald rauscht kühl zu beiden Seiten dcS schmalen Weges, dann koinmt eine Dorfstraße, dann das geplünderte Herrenhaus von Myszkowice mit weitem Blick von der Höhe über das fruchtbare Serethtal. Der Landweg mündet hier auf die große Straße nach Tarnopol, die sich, ein breites, weißes Band, über die Höhen legt. 'Rieniand kami sagen, ob sie Ireitcr im Norden scho^ frei ist. Ueber den RegiiueniSabsckmitt 'hinaus weiß niemand etwas. Einen DiviswnSstab zu finden, bei so schnellen Veränderungen, ist ein ZufallStteffcr, an\ den man nicht rechnen kann. Die Straße ist rechts und links von alten iftäcbttgcn Pappelir eingefaßt, die Granaten haben Zweige. Aeste, halbe Bäume fortgerissen. Zwischen dem dunkelgläuzenden Laub sieht man auf die Höhen zur Rechten, die sich weit und langsam steigeird in den Horizont heben. In einer Senke biwakiert ein Bataillon. Der Hauptmann spricht von dein gestrigen Tag.Bon 'der Höhe dort haben sic Gegenangriff gemacht. Mit roten Fahnen. 'Ganz sch'i'^rdig. Sechsmal. An der Brücke von Ostrow kam es zum Bajonettkümpf. Wir l>aben zwei Fahnen erbeutet. Ein schwerer Kamps."' Der Haupimann trocknet sich die Stirn.Aber soir haben es geschmissen."Kann uran weiter?"Wahrscheinlich, grüßen Sic Tariwpol, wir l>aben auch darum mitgeblutet."

Dfe Straße hebt sich und senkt sich in gleichen Wellen. Nimmt sie kein Ende? Endlich hinter einer Waldnase sieht man Türme ailffauchen. Der Weg ist frei. Ordentlicher Trab. Noch vor vier Tagen sah ich die Fenster von Tariwpoljenseits" glänzen, da- tziw-i^chen lag der Sereth und der graue Tod. Jetzt wehen Fahnen in der Vorstadt. O, über daS Hineinkommcn in befreite Städte! Iede^.Leid und jedes Erwartunqssieber des Krieges, Blumen und Dränen, Zorn und Freude sind in der einen Stunde. Ein preußi­sches Bataillon marschiert über den Misciewitz-Platz. Musik dröhnt. Hurras....

Der Pfarrer hat einen Stall für die Pferde.

Kolo mea. Der Name klang mir imaner wie Trvmpeterlton', fetzt, da ich in der ©tato geschlafen hecke, mischt sich eine weh- müttge Geigenstimme darein. Der Sprrmg vom Sereth zum Pruth ist unvermittelt. 'Tage in Galizien, in Horodeuka. am Dniester, in Stmiislau liegeii dazwifcheii. Aber es soll lster um Bilder gehen, und ich möchve daS Gegenspiel zeigen: die. Russerc.

Kotomea wurde von deutschen Reitern und österreichischer In­fanterie etwa gleichzeitig erreicht. Sie fanden eine ausgeplünderte! halbverbrannte Stadt. In irgendeinem der erhaltenen Häuser in der grünen Vorstadt quartiere ich nun. Die Frau hat tiefe Trauer. Sie haben meinen Mann, der städtischer Jngeniercr war, des Nachts auS dem Hause geholt. Er solle die Straßen besser reinigen. MHin Gott, wir l-atten in Kolomea drei Pferde. Was war da zu machen? Sie haben ihn wohl geschlagen in dieser Nach. Er:var von da au krank. Er konnte iwch den Einzug der Qest-erreicher ünd Deutschen sehen, das hat Gott ihm noch geschenkt, dann starb er." Ein kleines elfjähriges Mädchen mit eiirem bloirden süßeir Kindergesicht steht dabei.Ihr lrabeu sie die Puppe genomnien."

Es ist» lächerlich, in diesem Meer voit Greueln von einer geraubten Puppe zu reden, aber cs geht nicht um die Puppe allein. Ern russischer Offizier kam in das Haus, spielte mit dem Kind. Gib mir die Puppe!"Bitte, Herr Ofsizier, lassen Sie mir meine Puppe."Krieg ist Krieg, ich habe meiner Nichte eine Puppe versprochen. (Äck sie her!" DaS Kind weinte. Der Offizier nahm ihr die Puppe fort.Es war eine Blondinka," sagt das kleine?Nädckxu.

Jur Prutti haben sic zusammen gebadet, Mamrer und Frauen," sagt die 'Mutter.Die Näche waren laut von ihrem Lochen. Ihre Frauen gingen in kurzen Kleidern, ihre Männer machten ihnen Geschenke, die man uns nahm. Mein Mann war Pole. Meine Kinder sollen eins lernen: Haß gegen Rußland! Haß gegen Rußland, das Polen verdirckt." Es war ein süd­ländischer Zorn der Worte unter dem schwarzen, wehenden Witwen­schleier .

Die Russen sind Euch unbegreiftich, weil Ihr Kinder nicht versteht," sagte mir ein alter Manu vor den Tiünwiern seines Goldwärerlladens.Sie treiben die Revolution, mic Kinder spielen, sie sind zutraulich wie Kinder und grausam wie Kinder. Kinder reihen Schmetterlingen die Flügel aus, und sic zerstüreir Städte." Ich meinte, der Vergleich hinke denn doch etwas sehr.Ihr werdet die Russen nie verstehen," wiederholt; der alte ?Nann ruhig. .Sic versteheii sich ja selber nicht mrd wisseil nicht, waS sic in sder rrächsten Stunde wollen imd noch weniger, was sie tun. .

Rolf Brandt, KriegsberichterstattLr.

Zeekrleg.

Reue U-Boot-Erfolge.

Berlin. 13. Aug. (Amtlich.) Durch eines unserer U- Bootc wurden neuerdings in der Biscaya und im At­lantischen Ozea:^ 29 000 Bruttoregisterton- nen versenkt. Unter den vernick>teten Schiffen befanden sich ein schwer bewaffneter, großer Dampfer, allem An­scheine nach der Wilsonlinie, ferner ein Dampfer von an­nähernd 10000 Tons sowie ein unbekannter Frachtdampfer mit Munition, beide mit östlichem Kurs.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

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Washington, 13. Aug. (Reuter.) Das Marinede- partement teilt mit, daß der amerikanische Tankdampfer Cirmbana am 6. ds. Mts. bei Jste de Re versenkt wurde. 47 Ueberlebende wurden gelandet. Man glaubt, daß der Kapitän des bewaffneten Dampfers und vier Mann sich als Gefangene an Bord des Unterseebootes befinden.

Aus dem Reiche.

Kleine Viehzählungen.

Berlin, 12. August. «W. B. Amtlich.^ Nach einer Ver­ordnung des Bundesrals vom 9. August dieses Jahres haben sich die seit 1. Mävz 1917 stctttffndcnden sogenannten kleinen Viehzählungen vom 1. September- 1917 an auch aus Ziegen und Federvieh (Gänse, Enten und Hühner) zu erstrecken. Bisher lvnr lediglich die statistische Erfassung der Be­stände an .Pferden, Rindvieh, Sck:-ascn unb Schtoeinen vvrge- schrieben. Ntehrere Bundesstaateir haben für ihr Gebiet schon bisher Ziegen,-ervieh, 'teilweise auchl Kaninchen, in die Zählung ein­bezogen.

Die Ausdehnung der Erhebung ist im .Jntcreffe nmöglichst reichlicher und gleichmäßiger Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch und Eiern erforderlich. Die Feststellung der Bestände rock Bestandsveränderungen an Federvieh lvird auch! erleichtern, den Preistreibereien auf dem Geflügelmarkbe entgegenzutretcn.

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Bcrlin, 13. Aug. (WTB.) Das Kriegsernährungsamt teilt mit: Die in der Presse verbreitete Nachricht, daß im September und Oktober im ganzen Reiche zwei fleisch­lose Wochen eingesührt werden, entbehrt jeglicher Begründung.

Berlin, 13. Aug. Nach derTLgl. Rundschau" ist der natwnalliberale Landtagsabgeordnetc F u h r m c n u seit einiger Zeit erkrankt und hat sich in ein Sanatorium begeben.

Berlin, 14. AuA. Ter Verkauf der 'Norddeut­schen Allgemeinen Zeitung, der noch vor wenigen Monaten energisch bestritten wurde, ist inzwischen, wie laut B. T. die Freisinnige Zeitung erfährt, zur Tatsache gewor­den. Eigentümerin des Blattes ist jetzt die Firma Neimar Hobbing, die anscheinend versuchen will, das Zeitungsunter- nehmen auf eine breitere Basis zu stellen.

Aus Stabt und Land.

Kietzen. 14. August 1217.

Trauerkleidung bei Todesfällen.

DenMitteilungen der ReichSbekleckungSstelle" entnehmen 1?(r; Tie Zeitverhältnilsc sind heute stärker als alttckerlieferte Ge­brauch' und Sitten. Es kann kaum emeni Zweitel umerliegen- vatz die behördlichen Streckungsmaßnahmeu auf dem Gebiet der Web-, Wirk und Srrichvarcn eine wesentliche llmerstützung er­nähren wiirden, rvcnn die einzelnen bei Todesfällen in ihrer lim- -gebung auf eine besondere Trauerkleidung verzichten würden. Tie sckpvarze Kleidmrg bei Trauerfällen ist eine Aeußer- lichteit, die im Grimde mcr aus die Fernerstehenden berechnet lN. und mit der inneren Trauer nichts zu schaffen l)at. Will man am ent äußeres Zeichen nicht verzichten, so genügt ein schwarzer olor um den Arm. Scksticßlich bestellt ja auch die Möglichkeit.

Helle Kleider schoarz särlu'n zu lassen. ?lber schon aus Rücksicht -aus die. allgemeine VolkSstimnrung erscheim es angebracht, mit dieler Gepflogenheit frül-erer Zeit gegerrwärtig zu brechen. Gna l^-oße Anzahl von Volksgenossen hat sich auch bereits zu dieser ttnpckü bekannt. Wir erinncarn daran, daß die Familie unseres kmoßen Fliegers Jmmelmanri rrach dem Tode ihres Sohrres und Bruders öffemlich bekmntt gegeben hat. daß sie keine äußere Trauer anzulegen gedentt. Dieses Beispiel verdient Nachahmung rn wei- teitert Kreisen. Ter Krieg hat uns gelehrt, den Wert äußerer Dingo gering zu schätzen. Mohr als je sind »vir heute im Stande, deml .^.csen der Dinge ins Llntlitz zu sckMlen. Es ist gewiß nicht im ^mne unserer Ges-allcncn. wenn^ wir die Trauer uni sie durch lleußerlichkeiten betonen M müssen glauben, die geeigrret sind> unsere Kriegswirtschaft zu schädigen.

Lebensmittel.

m n{? ^ Cr Brotmenge. Mit Wirkung vom

Id. d .'.'tts. ab ist die wöchenlliche auf deii Kopf der Bevölkerung! enttallende Brotmenge auf vier P fun d erhöbt. Die Ausgabe der Zeit vom. 16. bis 19. August entikalelnden Zu^a^^Inarken^^ (2c>0 Gramni Bwt oder 200 Gramm Mehl' erfolgt Mitttvoch. den Io. August 1917 in den zuständigen Brotuiarkenbezirken. in der -o^^3?n vormittags 8 bis 12 und nachmittags tw>n 2 bis 6 Uhr.

TD ^ ufvon Wurst aus unter wertigem Vieh.

^.cr Berkaus von Wurst aus unterivertigem Vieh findet bis auf weiteres nack> Bezirken in der int Anzeigenteil bekamrtgegcbenen: Ese svahrend der üblichen GcschästSsttmde,i statt. Die ?lbgabc von ^ckmt erfolgt nur gegen Vorlage der LebenSmittel-Ausweiskartc; und Abgabe der vorgrschriebenen Markeii für die 33. und 34 Wvckx Werden Äcnrken nur evier Woche vorgezeigt, so wird Wurst nicht abgegeben, den soleuden Wochen wird jeweils die Hälfte sämt- Bezirke beliefert: eS sind dabei jeweils die Marken für smet Wochi'n abziigeben. Die Mengen au Wirrst, die auf die ein­zelnen ll>carll'»l entfallen, Norden jeweils nach Maßgabe der vor-< imnueuen Vorräte bestimnit und besonders bekannrgegeben. Es ist dadurch die Sick>erheit gegeben, daß alle Marken in der be-' - sttmnrten Höhe beliefekt werden können. Papier zmn Emwickeln oer Wurst wird m beit Verkaufsstellen nicht abgegeben.

^ Versa nd scheine für Ob/t und Gemüse. 'JUsd) dem

4" . 9t die Eiusührnng von Vcrsmckscheincn siir Gemüse und ^bst, ime sie bereits rn deii süddeutsckften Staaten libluh sind, für das ganze Reich als Ab-vehrmittcl gc.gvnl die Hamster beabsichtigt. J T a chs c und Forelleii_ Ta es wünschenswert ist, putz, anstelle voii Nahrungsmitteln, die für weite Volkskreise wegech ihres Preises unerreichbar sind, andere Waren zur Einfuhr ge-- langen, iverden srrsck>e Lachse und Forellen aus dem Auslände vom 1. -L^ptember 1917 ab nicht mehr zur Einfuhr zugelassen werden^

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. ** Aiiszcichnungcn. Grenadier Aug. Römer oon hier^ erhielt das Eiserne Kreuz zweiter Klaffe. HanS Tauster von hier, in einem Gardc-Insaitterre-Regimenl, wurde, nachdevi er erst drei Monate im Felde steht, mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet. Wegen hervorragender Betätigung in der Behandlung nerven- und geisteskranker Soldaten erhielt MediztnaL- rat Tr. Mhert Wagner, Oberarzt der Heil- und Pslegeanstalt, das Eiserne Kreuz am iveißen Bande. Das Hessische Ehrenzeichen' für Kriegsfürsorge wurde folgenden 'Angestellten der Medizinischen Klinik verliehen: Oberköchm Sophie Pnth. WeißzeugbeschließliHrn ?luguste Schäfer, Oberwäscherin .Helene Braun. Mit dem M llftärsanitätskreuz wurde der Oberpfleger und Haiismeister Karl Krebs in der Lupusheilftätte ausgezeichnet.

*'* Der Herbst scheint mit aller Gewalt schon jetzt dre Herrschaft des Sommers brechen zu wollen. Seine Zeit ist noch nicht gekommen, aber alle Anzeichen deuten auf sein Nahen. Nun haben wir sck^n tagelang bedeckten Himmel und lacht einmal ein Fleckchen Blau hervor, so zieht gleich, wie gestern abend wieder, ein Gewitter herauf und schickt seine Regengüsse herab. Die Tage und Nächte sind bereits septem- bcrhaft kühl irnd morgens haben wir den echten kühlen Herbsd- nebel.

** Notstandsserien. Tie Ungunst der Witterung wacht es im Verein mit dem durch den Krieg bedingten ArbeitermangÄ notwendig, daß in diesem Jahr weit mehr als sonst in den Land- - genreinden von den, durch die oberste Schulbehörde zugebilligten- Reckst der Ferienverlängerung Gebrauch gemacht lvird. EsiiAlne Gcmeiicken habcii die Ernbeserien um 814 Tage verlängert während für andere Gcmemdeii der Bescheid erteilt wurde, daß bei Regenwetter der Unterricht zu erteilen sei lind bei schömmj' Wetter aussallen dürfe. In sehr vielen Gemeinden fällt übrigens! schwi infolge des Lehrermangels der Nachmittagsunterricht sür die oberen Schulklassen gänzlich aus.

** Unlautere Kohlenpraktiken. Die Städtische Nach^ ricktenstelle der Stadt F-ranffurt teilt mit:DasMollebasch-, Machen" ist schon bisher eine Me Angewohnheit mancher Kohlen- sahrer gewesen. .Es scheint nun, daß jetzt hieMr noch eine Art unlauterer Kohlenhausierhandel kommt, indem einzelnen Haus- 1-aaltungen unbestellt Kohlen in Sacken von Koblensahrern airgeboten iverden. Preis und Gewicht unterliegen dabei will­kürlichster Bestimmung Die sür die diesmalige .Kohlenversorq-ung notwendige Zufuhr kleinerer Mengen kann zu einer verderbüchen Ausdehmmg dieser nnlauteren Praktiken führen, wenn ihnear nicht rechtzeitig entgegen getreten wird. Soweit die geschilderten Fälle zu behördlicher Kennttiis kommen, tritt selbstverständlich Straf­anzeige ein, und zwar nicht nur gegen den Kohlensahrer, sonders auch gegen den ?llmehmer. Die Bevölkerung sollte sich auf der­artigen Handel nicht einlassien, zumal die Preise hoch sind und man nieist erhebtick^es ?Nrndergewicht erhAt. Iür Interesse geregEr Kohlenversorgung liegt es, aus die angedeuteten Urlauterkeiten ein wachsames Auge zu haben." Es fchettrt Beranlassimg zu sein, den Warnruf der Frankfurter Stelle auch in Gießen bekannt zu geben.

** Ken nz eichnu ngdes Reisegepäcks. Vom 15. Aug. ds. Is. ab nürd durchs eine vrml Reichseisenbahn amt an geordnete Aenderuug des § 31 der Eisenbahn-Verkehrsordnung den Reisenden zur Pflicht gemacht, ^jedes Gepäckstück mit der genauen und dauer­est befestigten Adreffc des Reisenden (Name, Wohnort, Wvhnungf sowie dem Namen der Mfgabe- 'und Bestimmungsstation zu ver­sehen. Nickt derartig gekennzeichnetes Gepäck kann zurückgewiesen: -*1 nrerden. Aeltere Bezeichnungen find, wie bisher, vorher zu ent-' fernen. Die Lleiiderung ist nötig geworden, um die intntcu mehr zunchineirden Verschleppungen des Reffegeväcks im Jntcreffe dcä Reisenden und der Eisenbahn zu verhütQr. Bei der letzt nicht zu be- > seitigenden schlechten Bcfchrffenhert des KlÄsttvffs für die EistNi'