Lloyd Storger Netze.
Wir konnten gestern den Schluß der Rede Lloyd Georges nicht vollständig Mitteilen: er lautet folgendermaßen:
Sic wagen, :vie es stellt. Nun, lvie &e: allen Straßen, die je gebaut worden sind, gibt es Berg und Tal, und der russische Zusammenbruch ist ohne Zweifel eine recht tiefe Schluckst, durch die nur hstidurchgeheir. Ich bin nicht sicher, ob wir ihren dunkelsten Grmft erreicht l-abeu, ober jenseits des Tales sehe ich einen Aufstieg, und ich will Ihnen meine Gründe dafür sagerr. Rußland selbst hat durch diesen ZuscnnMenbruch die nötige Lehre gewonnen, daß eure Armee ohne Disziplin >uir ein Hause ist, in dem der Tapfere für den Schutz der Feiglinge geopfert wird. Tie französische Revolution hat dies schnell gelernt, sonst würden die Preußen und Oesterreicher die französische Freiheit im Blute il rer Söhne erstickt haben. Es gibt Leute in unseren: Lande, die zersetzende Methoden in die britische Armee einsübrcn möchten und Ausschüsse einsetzen 'wollen, um den Krieg zu bestiunuen und Mi suchen. Die Nation hat ihren eigenen Arbeiter- und Soldaten- rat cr^ickstetg das ist das Unterhaus. Wenn das zn irgend einer Zeit aushört, wird sie cm anderes errichten, aber wir wollen die Autorität nicht in Verwirrung bringen, indem wir gestatten^ daß zwei rivalisierend und sich trndcrstreitendc Regierungen im Staat errichtet iverden. Wir können nicht zulassen, das; Teilorganisationen den Krieg leiten oder den Frieden diktieren. Die Natioir als Ganzes sticht den .Krieg, und die Opfer sind ziemlich gleichmäßig imter alle Klassen verteilt. Tie Natron als Gmrzes führt den Krieg, und die diation als Ganzes ntarf; den Frieden schließen . . . Ich sehe, daß die Deutschen Mit der letzten S chl acht sehr zufrieden sind. Nun, das einzige, was ich sage:: kann, ist, daß der ausgezeichnete Oberbefehlshaber unserer Artstee an^der Westfront sagte, daß er alle seine Ziele in preser Schlacht erreicht hat. 3$ spreche nicht von etwas, was er mir nach denr Kampf gesagt hat. Er war gütig genug, uns davon z'U unterrichten, was diese Ziele waren lÄ sie sind erreicht, ^lber der deutsche Bericht sagt, daß wir nur eckre Trichterlrnie besetzt lstitten. Und in Berlin wird geflaggt. Eirre Trtcksterlinie . . . Wer l?at die Trichter gemacht? .Haben sie die Trichter ausgegraben? O nein, trotz der U-Boote, die, wie Man uns vor etwa sechs Wochen erzählte, verhindern sollen, daß die britische Apniec ihre Munition erhielt, hatten wir genug Geschütze und Muni tion , eine gut aus- gebaute Linie, die sie in drei Fallen mit freiwilliger und erzwungener Arbeit errichtet haben, in eine Reihe von Trichtern zu verwandeln. Zlnd der Kaiser beglückwünschte den Armeekommmidanten zu seinen machtvollen Maßnahmen und befahl, in Berlin zu flaggen. Sie sind Mit der Sckstacht zufrieden, mrd wir lindes a u ch. Nun, solche Schlachten müssen wir haben: sie mack-en beiden Seiten Freude. Wir sind zwei Meilen weit gegangen, llns gefällt es, vorzugehen, ihnen, sich zurückzuziehen. Uns gefällt es. Gefangene zu tnachen, ihnen, sich zu ergeben. Uns gefällt es, ihre Gräben zn zerstören, und sie sind noch immer -mehr entzückt. Nun, lassen ^wir das zu unserer gegenseitigen Befriedigung so weitergehen. Jede Preisgabe von Befestigungen, deren Erbauung ihnen drei Jahre kostete,/wird des .Kaisers Herz von neuem erfreiren und wird neue Glückwünsche an den Krcmprrnzen von Bayern bringen und mehr Fahnen in Berlln. Ich glaube, der Feldmarschall hat die Llbsicht, des Kaisers Hckrz wieder und »nieder zu erfreuen. Aber lassen sie sich nickst durch diese deutschen Berichte rrresühron. Es ist die. britische Methode des Vorgehens, mit möglichst geringen Verlusten an Menschenleben, indent man die deutschen Gräben und ihre Stacheldrähte und ihre Maschinmgewehrposttn zerstört und daun sofort vorgeht, sobald die Beschießung mckhört, und dann! ivieder vorwärts drück:. Das erfordert Zeit, aber es ist sicher. Und obgleich die Deutschen ihr Entzücken ausdrücken, erzählen uns die eirlgebracksten Gefangenen eine ganz andere Geschichte. Aber wahrend die Armee so totster kämpft, solle die ?tttion rnderHei - Mat geduld: g, stark und vor allem einig sein. Die Anspannung ist groß für die Nation wie für den Einzelnen, und wenn die Männer überanstrengt werden, werden sie schwach. Kleine Beschwerden werden übertrieben, kleine Mißverständnisse und Miß- gritse wachsen zu Bergen an. Lange Kriege sind wie lange Reisen, kehr anspannend für die Stimmung. Ein weiser Manu ist aus der Öirt und Macht Zugeständnisse. Es gibt einige, die mehr darauf aus sind, der: Krieg zu beenden, als den Krieg zu gewinnen. Die Pläne, die zum Siege führen, erregen ihr Mißfallen, wenn sie den Kamps verläivgern. Die Leute, die für diese Pläne verantwortlich sind, werden von ihnen verdammt. Wtr wollen unsere Augen fest daraus richten, den Krieg zu gewinnen. Laßt uns unsere beide:: Augen daraus richten. Einige ließen ihre Augen abirren, und während das eine Auge fest auf den Sieg gerichtet ist wandert das andere nach ihre:: Zielen umher oder starrt nur :rach Lieblings- oder 'barteiprojekten. Passen Sie auf, daß sie nicht schielen. Sichten Sie beide Augen aus den Sieg, lassen Sie.^ein Auge rechts oder links schveisen. Wem: in dieser Stunde irgend jemand Mißtrauen und Uneinigkeit in -der Nation verbreit^, so hilft er dem Feinde und schadet fernem Vaterlande. Es macht dabei nichts a::s, ob er für oder gegen den .Krieg ist. Beshalten Sie alle den ctirteU Gedanken im Köpf: wenn Sie Mißtrauen intb Unzufriedenheit in die Nation säen, werden wir eine Niederlage ernten, ^lndererseits, roenn wir dm: Samen der lbeduld, des Vertrauens und der Einheit säen, werden wir den Sieg und seine Früchte ernten. Die letzten Mhänge des Aufstieges sind immer die anstrengendsten für Nerven und Herz, aber die wahre Probe, für die Ausdauer und den Mut des Bergsteigers sind die letzten paar hundert Fuß beim Klimmen nack: oben. Nientand hat eine Idee, niemand in England, Frankreich, Italien, Rußland, Deutschland oder Oesterreich, wie inrtze am Gipfel wir sein mögen. Nur ein Vorsprung verbirgt ihn vielleicht unseren Blic^n. Es gibt auch Unfälle: Rußland mäg für einen Augenblick in einen Spalt gestürzt sein, aber es hängt :roch am Seil uich rvird ivieder hinan skttmmen mit starken Gliedern und dem festen Entschluß, und zusammen werden wir den Gipfel unserer Hoffnungen erreichen.
( *
Eine Anfrage im englische» Unterhaus über die französischen Kriegsziele.
Bern, 6.Clug. lWTB.) Der Abgeordnete Lees Smith befragte im Unterhauseam 1. August den Staatssekretär des Aeußern, ob das Ministerium amtlich oder nicht amllich von der zwischen Frankreich und Rußland bestehenden Abmachung oder Verständigung Kenntnis habe, nach der Deutschland im Falte des Sieges der Ententemächte, abgesehen von Elsaß-« Lothringen, irgendwelcher Gebietsteile auf dem Westufer des Rheins beraubt werden solle. Balfour antwortete: Ich habe keine Nachricht von dem, was in der Presse erschienen ist. Lees Smith fragte werter: Die Richtigkeit der von Mibot gestern in der Deputiertenkammer abgegebenen Erklärun- gen angenommen, würde das trickst bedeuten, daß die Absicht besteht, Gebietsteile zü nthmen, die durch Generationen hindurch von Leuten bewohnt wurden, welche. . . Der R^mer wurde hier von dem Vorsitzenden mit der Bemerkung unterbrochen, daß das Sache der französischen Kammer sei.
Die NrlaubSdauer im französischen Heer.
P a r: s, 5. Aug. sWTBh Meldung der Agence HavaS. Kricgs- mllstster Parnleve ^tzte die Dauer deS Urlaubs vom 1. Oktober an auf zehn Tage für vier Monate fest.
Äerensti als Diktator.
Petersburg, 6. Aug. (WTB.) Meldung der Petersburger Telegcaphen-Agentur. KerenSki hat folgende Erklärung veröffentlicht:
Angesichts der offenbaren.llnmöglichteil mittels einer gegenseitige:: Verständigung zwischen den verschiedener: politischen Strb- mirmren, sowohl den )ozstilistischen wie den nichtsoziälistischen, eine f^rr.-olte revolutionäre Macht ^u sckwffm, wie sie der gegenwärtige Au gl u blick erfordert, sah ich mich gezwungen, znrückzutreten. Eine fl on .nenz von Vertretern der hauptsächlichen, sozialistischen, demv- f" i öym und liberalen Parteien E 3. August hatte nach langen / eternnge» das Ergebnis, daß in dieser Konferenz die Vertreter
der Parteien beschlossen havün. m)ir di« Btßgpbe der llmSöldung des
Kabinetts zu übertragen. Da ich es für unmöglich Halle, unter den gegenwärtigen Umständen, wo äußere Niederlage :md innerer Zer- ftrll das Lcmd bedrohe::, mich der mir cmpertvauten, schweren Pslickck zu entziehen, betrachte ich diese Pflicht als anÄmucklichen.Befehl des Landes, in nröglichst kurzer Frist und alle:: etwa sich erhebenden Hirrdernissen zuM Trotz eine kraft volle revolutionäre Macht z u s ch a f f e n. Ich gedenke die Lösuirg dieser Ausgabe aus meine unabänderliche Ueberzeugung zu stützen, daß das Wohl des Vaterlandes und der Republik den Verzicht aus Par Leistreitigkeiten und die volle Selbstverleugnung aller russischen Bürger verlangt unter Bedingurrgen und Verhältnissen, die durch die harte Not- :veudigkeit, Krieg zu führe::, dre Kcttnpffähigkeit des Heeres zu er- lLlten mrd die wirtschaftliche Stärke des Staats wtederheczustellen, gebieterisch vorgeschriebe:: siud. Da ich zrrr der Regierung gehöre von der ersten Stunde an, wo die Fülle der Macht in die .Hände des Volkes übergegangen ist, IxtLte ich es für unerläßlich, bet der Umbildung der Regierung inich guf die nach irnd nach von ihr alirSgearbeiteten, in ihren Erklärungen ausgesprochenen Grundsätze zu stütze,:. Gleickizeitig halte ich es in n:einer Eigensckmst als Ober- hmrpt der Regierurrg für unvernwidlich eine Aenderung in der Ordnung und Verteilung der Regierungsarbeit e i n z n f ü h r e n , da ich es nicht für am Platze haltch mich durch Erwägungen hinden: zu lassen, daß diese dlendermigen meine Vermrlw-ovtlichieit lpnsichtlicb der höchsten Ausgabe:: des Staates erhöhen wnben. #
*
Die Konferenz in Stockholm
S t o ck h o l m , 6. Aug. (WTB.) Soe:wka Telegrambyran :nel- det, daß die internationale S o z: a l i st e n k o n f e r e n z endgültig aus den 9. September festgesetzt ist.
beekrieg.
Neur- U-Boot-Erfolge.
Bcrlrn, 6. Aug. (WTB. Amtlich.) 1. Ftn nördlichen Sperrgebiet wurden durch die Tätigkeit unserer U-Boote neuerdings 2 2 OOOBruttoregistertonnen vernichtet. Unter den versenkten Schiffen befanden sich ein großer Pa s sagte rdampfer, allem Anscheine nach der englische Hilfskreuzer „Otway" (12 077 Tonnen), ferner ein großer, schtver beladener Frachtdanrpfer, der aus Sicherung herausgeschossen wurde. In letzter Zeit sind die Verluste der neutralen Handelsschisfahrt, die in 'früheren Monaten des uneingeschränkten U-Boot-Krieges etwa 7& der Gcsamt- verluste betrugen, erfreulicherweise hinter diesem Durchschnitt zurückgeblieben. — 2. Unsere Flugzeuggeschwader an der kurländ ischen Küste belegten in der letzten Woche militärische Fabrikanlagen bei Dünamünde, sowiä befestigte Hasenplätze an der Südküste der Insel Oesel mik Spreng- und Brandbomben. Guter Erfolg wurde beobachtet. Tro'tz Parker Gegenwehr sind alle Flugzeuge ohne Verluste und ohne Beschädigungen zurückgekehrt.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Aus dem Nekche.
Ein Telegramm des Reichskanzlers.
ck- Friedberg. 6. Ang. Auf eine Drahttrug der band es an den Reichskunzler Dr. Michaelis hat dieser Ortsgruppe Friedberg des Alldentschen Ver- mit folgendem Telegrannn geantwortet:
„Euer Hochwohlgeboren danke ich für die Mitteilmig der Kundgebung vorn gestrigen Tage. vertraue fest darauf, daß die glänzende Kriegslage uns zu einen: Frieden verhelfen wird, der die Lebensbedingungen des Deutsche:: Reick-es ans dem Kontinenl und über L»ee dauernd gewährleistet. Michaelis, Reichskanzler."
*
Berlin, 6. Aug. (WTB. Nichtamtlich.) Der „Reichsanzeiger"' rrreldet: Dem Reichskanzler Dr. Michaelis wurde das Großtreuz des Roten Adlerordens, dem Staatssekretär des Innern Dr. Hekfferich und dem Staatssekretär des Reichsschatzamts (strafen Rödern der Rote Adlerorden 1. Klasse verliehen.
Konzessivnspflicht und Aufsicht über den privaten, gewerb lichen und kaufmännischen Fachunterricht.
Berlin, 5. Aug. Ber Binchesrat hat in seiner Sitzm:g vom 2. August eine reichSrechtlichc Regelung der Konzessions- Pflicht mtb der lleberwachung des privaten, gewerbliche:: und kaufmännischen Fachunterrichts verordnet. Aus dem Gebiete des gewerblichen und kaufmännischen Unterrichts waren auch schon vor dem Kriege erhebliche Mißstände zallage getreten, und eS war aus den Kreisen Beteiligter, namentlich des Kaufmannsstandes, wiederholt angeregt worden, diese Mißstände durch einheitliche gesetzgeberische Maßnahme deS Reiches zu bekämpfen.
Tie Kriegsverhältnisse haben ein Bedürfnis zu solchen: Vorgehen in besonders verstärktem Maße hervortreten lassen. Privat- schulen und Privallehrer haben ihre Tätigkeit in 9ürsnntznna der tmrch den Krieg geschaffenen Verhältnisse weit über den früheren Umfang hinaus ausgedehnt, ohne däb^i ans das wirklich vorhandene Bedürfnis nach gewerblichen und kaufmännischen Hilfskräften Rücksicht zu nehmen. Als reine Erwerbsuutev- nehmen stellen solche privaten Unterrichtsanstalten vielfach hinsichtlich) der Vorkenntnifse und Fälligkeiten sowohl ihrer Lehrer, als auch insbesondere ihrer Schüler nicht die sachlich gebotenen Anforderungen. Tic AuÄnldtMg wird nicht selten m sogenanntest „Schnellkursen" betrieben uro in Räumen erteilt, die für entert Schulbetrieb nicht geeignet sind. Dementsprechend ist auch oft das Maß der vermittelten Klenntnisse so gering, daß die Aus-gebildeten, selbst vämn fte unter den jetzigen BerhLlttrissen eine Stellung! finde::, auf eine dauernde, einigermaßen lohnende Beschäftigung nicht :oerdei: rechnen können. Dabei sind die NnterrichtShonorare oft unverhältnismäßig hoch. Von diesen Nachteilen werden auch zahlreiche Kriegsbeschädigte und .Kriegerwitwen bedroht, die oft durch eine marktschreiende Reklame angelockt, sich solchem Unterricht in der Erwartung anvertrauen, dadurch für Stellungen befähigt zn werden, die ihnen mindestens auskömnllichen Unterhalt gewähren.
Un: diese Uebelstände während der Kriegszeit zu beseitigen, ist nunmehr Folgendes verordnet. Wer künftig eine private Fach- oder Fortbildungsschule betreiben oder leiten will, in der Unterricht in gewerbliche:: oder kaufmännischen Fächern erteilt werden sott, oder wer in einer solchen Schule unterrichten will, bedarf oazu der Erlaubnis der von der Lande^entralbehorde dazu bestimmten Behörde. Wer in den genannten Fächern Privatunterricht zu erteile:: beabsichtigt, bedarf dieser ErlaubmS ebenfalls, wem: den Umständen nach anzunehmen ist, daß der Unterricht gewerbsmäßig an Persone:: erteilt werden soll, die ihre Kchrntnisse als gewerbliche oder kaufmännisch«: Angestellte verwerten wollen. Die Erlaubnis ist *u versagen, wem: die sittliche Zuverlässigkeit des Nachsuchenden Bedenken berechtigt erscheinen läßt, oder we:m die erforderliche Befähigung nicht nachgewiesen iveöden kann, und schließlich, wem: dm Besitz der zu::: eirstvandsreien Betriebe der Schule ersorderlickM Mittel oder Räumlichkeiten nicht Vorhände:: ist. Die Erlaubnis kann mich versagt :verden, lvenn kein Bedürfnis für die Unterrichtsertelluna besteht. Außerdem kann die Erlaubnis unter Bedingungen und aus Widerruf erteilt :verde,u Als Bedingung kam: insbesondere die Überlassung des gleichzeitige:: Betriebs des Gewerbes eines Stellenvernrittters austrlcgt werden. Tic Erlaubilis gilt nur für den Nachsuchenden und für den be
stimmt zu bezeichnenden Ort oder Bezirk. Inwieweit der Bescheid,
d:rrch den die Erlaubnis versagt oder unter Bedingungen erteilt oder zurückgenommen ivird, durch Rechtsmittel angesochten werden kann, bestimmt die Landeszentralbehörde. Auch die bestehe:ü)en Schulen bedürfen nach dem Inkrafttreten der Verordnung zu: Fortsetzung des Betriebes über den 31. Dezember 1917 hinaus der Erlaubnis. Das Gleiche gilt von der Fortsetzung eines kon> zessionsps l i ch Ligen Pri vat Unterrichts.
Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen der Verordnung sind mit Gefängnis bis zu seck^ Monaten und mit Gellwafei: bis zehntausend Mark bedroht. Daneben können im Verwaltungswege Zwaugsstraseu angeordnet werden. Die Verordnung tritt mit der Verkündung in Kraft. Sie ist aber nur eine Kriegs-Maßnahme und deshalb ist dem Reichskanzler die Befugnis Vorbehalten, den ZeitMnkt ihres Außerkrafttretens zn bestimmen. Wesentlich an der neuen Verordnung ist, daß die ErluubniSerteiluug auck von der Bedürftiissrage abhängig gemacht werden ka::n, und daß sich auck die bestehenden Schulen um Erlaubmserleilung zu bemühen haben.
Au» Stadt r»nd Land.
Gießen. 7. August 1917.
Landesobftsiekle und Rotes Kreuz.
Die Hessische Landesobststelle schreibt uns: Durch die Obstpreise, die in den benachbarten Städten Frankfurt und Wiesbaden behördlich festgesetzt worden sind, und die auch in diesem Jahre die hessischen Preise übersteigen, wird viel Obst aus Hessen abgezogen. Die höheren Obstpreise gefährden die Ver sorgung der hessischen Städte. Um dem Anreiz zu begegnen, den der höhere Gewinn in Frankfurt und Wiesbaden dem hessischen Erzeuger bietet, erhebt die Landesobstftelle eine Abgabe von 10 Psg. vom Pfnrrd desjenigen Obstes, das der Erzeuger auf die Märkte bringt. Die Abgabe, abzüglich einer geringen Schreibgebühr für den Kommissionär, fließt der Verwaltungsabteilung der Landesvb st stelle zu. Die eingehende SuTwme soll zur Förderung des hessischen O b st b a u e s Verwerft)ung sinden. Die durch verschiedene Zeitungen gegangene Nachricht, die Gebühr fließe an das Rote Kreuz, ist nicht richtig. Die Landes- obststellc hat niemals dem ^Roten Kreuz eine Zuwendung aus diesen Mitteln:wch sonstwie in Aussicht gestellt. Bei dieser Gelegenheit darf erwähnt werden, daß der bis jetzt aus obiger ''Abgabe eingegangene Betrag verschwindend gering ist.
Wie wir hören, haben einige Abgeordnete sich vorgenommen, die wichtige Angelegenheit in der nächsten Kammer- sitzung zur Sprache zu bringen. Dann wird hoffentlich end lich Klarheit geschaffen werden, die in dieser merkwürdigen R^htfertigung der 'Landesobststelle in keiner Weise zu sinden ist.
Lebensmittel.
** N ährmittel-A'USgabe. Die bei den Kleinhändlern der Stadt Gießen bestellte:: Waren können von dm Bestellern vor: Mittwoch, den 8. b». MtS. ab in Empfang genommen iverde::. Es cnrfallm auf die Nährnnittelkart A (gelbe Karte) auf Mschjnitt 4 100 Gramm Suppensabrikate. Auf die Nährmittelkart B Trat Karte > aus Abschnitt 9 750 Gramm Gries, auf Abschnitt 10 125 Gramm Haferslocken, auf Absckmitt 11 125 Gramm Graupen. Aus die Nährinittelftrrre 6 blaue Karte) auf Abschnitt 13 200 Gramn: Teigwaren, aus Lllsichnitt 14 250 Gramm Graupen, auf Abschnitt 15 250 Gramm Haferslocken, aus Abschnitt 16 250 Gramm Zuppenfabrikate. Mit de::: l ; e. August ds^ IS. verlierm diese Marken ihre Gültigkeit. Die Ausgabe von Sago aus dm Abschnitt 12 der Nätz: nrittelkarte B (rote Karte) kam: nicht erfolgen, da die War enoch nicht eingetvo ftm ist . Näheres siehe Bekanntmachung.
** Kartosselverbraiuchsregelung. Mit den .Kar- toffelmarken für die 33., 34. und 35. Woche kommen gleichzeitig, besondere Kartoffel-Bestellausweise zur Ausgabe: jeder Verbraucher, den: Kartofselmarken zustehen, erhält auch einen Kartoffelbestell^ answeis. Der Verbraucher bat auf dem Bestellansweis seinetz Namen und seine Wohnung ernzutrage:: und den Scher:: bei der Kartosseloerlaussstelle, bei der er in der 33., 34. und 35. Wvchc feine Kartoffel:: zu beziehen beabsichtigt, vorziulegm. Die Kar- :osselverkaufsstelle ttägt ihre Firma auf dem Bestellausweis ein und gibt ihn dem Verbraucher als Ausweis über die erfolgte Bestellurw zurtick, während sie den dazugehörigen Konttwllabschnrtt aftarcnl und zurückbehält. Der Verbraucher ist verpflichtet, in dm Wochen, für die der- Bestcklausweis gültig ist, feine Kartoffeln von der ü artofsc lv er kau fsstelle zu beziehen, bei der die Bestellung erßolgt ist. Die Kartoffel-B e ste l l a u s w e i s e für die 33., 34. und 35. Woche sind in der Zeit vom 7. bis 10 . AUgust 191^7 bei einet der im Anzeigenteil verzeicknretm Kartoffelverkaufsstellen zur Bestellung vorzu legen.
*
** Amtliche Personalnachrichten. In den Ruhestand versetzt wi:rde am 28. Juli der Hauptlehrer Hermann Weyl an der Vollsschule zu Wickseck, im Kteise Öftesten, auf sein Nach- sucheu unter Anerkmnung seiner langjährigen trmen Dimste von: 1. Oktober 1917 an. A:^ Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand ttnrrbe ihm der Titel „Rektor" verliehen.
** Be förd erung. Schlltzmamr H o sm an n, der a.1s Kvmpagnie-Aeldwebel an der Westfront steht, wurde zum Offizier-Stellvertreter ernanart.
L. II. Vo n d er La n d e sn n iv ersi tä t Der außerordentliche Professor Dr. Fritz Vigener in Freiburg B. hat einen Ruf als Ordinarius für das Fach der Geschichte erhalten mrd angenonnnen.
** Aus dem Stadttheater-Bureau. Auf vielseitiges Verlmrgen, und um allen denen Gelegenheit zu geben, die keine Zeit für eine Abendvorstellung haben, wird das reizende Singspiel „D a s D r e i m ä d e r l h a u s" am nächsten Sonntag, den 1.2August, in einer Nachmittagsvorstellung gegeben. Da der Andrang zu den bisherigen Vorstellungen außerordentlich war, so ist allen denjenigen, die auf einen Platz rechnen, anz:rraten, eine Vorbestellung zu machen. Postkarte au die Theaterkasse oder Einwurf eines Zettels in den Thealerbrieflasten genügt. Die Theaterkasse wird für diese Vorstellrnrg am Freitag vormittag geöffnet.
** Dieb stähle. In der Nacht zum 4. August sind aus einer außerhalb der Stadt gelegenen verschloffenear Schauer zwei Sack Roggen im Gewickft von 4 Zentnern entwendet worden. Zu dem gestern gemeldeten Zi- garren-Dieb stahl sei noch mitgeteilt, daß die Zigarren aus folgenden Marken bestellen: Markgraf mit Ring, Markgraf ohne Ring, Idyll, von Falkenhagen, Liebelei, Rheingold, Rosilta, Feierabend, Mephisto mtb Sieger. Sachdienliche Mitteilungen über die Täter mtb das gestohlene Gut nimmt die hiesige Kriminalpolizei entgegen.
** Oeffentli che Bücherhalle. Fm Juli ivurden 2196 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Literatur 1312, Zeitschriften 147, Jugendschriften 281, Literaturgeschichte 15, Gedichte und Dramen 27, Länder- und Völkerkunde 40, Kulturgeschichte 27, Geschichte und Biogra> phien 111, Kunstgeschichte 11, Naturwissenschaft Und Äch- uologie 103, Heer- und Seewesen 22, Haus- und Landwirt schaft 17, Gesundheitslehre 13, Relichou und Philosophie 34. Staatswissenschaft 7, Sprachwissenschaft 13, Fremdsprach liches 16 Bände. Nach answäcts kamen 27 Bä:ft>e.
** Staatliche Leimversorgung Am Sonntag fand im Gewerbelwnse dahier die Organisation für die Leirn- Versorgung des Bezi rksv erba udes Gießen statt Es wurden zunächst 4 Fachgruppen (Maler-, Wagner- und Stell- nmcherBuchbinder- uitö Holzgeiverbe) gegründet und beschlossen.


