Nr. 182
Tcr Srchener Anzeiger
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^ Erstes Blatt > 16?. Jahrgang
Montag. 6. August 191?
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(WTB.) Großes .Hauptquartier, 4. August. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Ru pp recht.
An der flandrischen Schlachtfront ruhte auch gestern der Kampf unter Einwirkung starken Regens.
Während der Nacht steigerte sich zeitweise das Feuer zu großer Heftigkeit: es fanden keine größeren Angriffe statt.
Fm Artois Aieb es bis auf lebhaftere Feuertätigkeit bei HulLuch und Lens, sonne Vorfeldgefechten östlich von Monchy ruhig.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Nichts Wesentliches.
Heeresgruppe Herzog Albrecht.
Süddeutsche und rheinische Sturmtrupps brachen in die feindliche Stellung südwestlich von Lemtrey ein und kehrten mit einer größeren Anzahl schwarzer Franzosen zurück
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Front des Generalfeldmarschalls
Prinz Leopold von Bayern.
Heeresgruppe des Generalobersten vonBöhm-Ermolli.
Nördlich von C z e r n o w i tz ist die r u s s i s ch e R eichsgrenze überschritten.
In vierzehntägigem Feldzüge, der einen ununterbrochenen Siegeslauf der deutschen, österreichisch-ungarischen und osmanischen Truppen darstellt, ist bis jetzt der besetzt? Teil Galiziens außer einem schmalen Streifen von Brody bis Zbaraz dem Feinde entrissen worden.
Front des Generalobersten Erzherzog Josef.
Die Befreiung der Bukowina macht schnelle Fortschritte. In den sich nach Osten zu erweiternden Flußtälern drangen die verbündeten Korps über die Linie Czernowitz—Petroutz—Bilka—Kimpolung dem weichenden Gegner mich.
An der Mo lb a u - F ro n t versuchten die Rumänen wiederum ohne jeden Erfolg, sich durch starke Angriffe in den Besitz des Mgr. Casinului zu setzen.
Front des Generalfeldmarschalls vonMackensen
Am unteren Sereth nahm die Gefechkstätigkeit gegen die Vortage zu.
Mazedonische Front.
Keine größeren.Kampfhandlungen.
Der Erste Generalguartiermeister Ludendorff.
(WTB.) Großes Hauptquartier, 5. August. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupp recht.
Nrrr in einzelnen Abschnitten der flandrischen Front war der Feuerkampf stark: Angriffe sind nicht erfolgt.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz
Bei schlechter Sicht blieb die Gefechtstätigkeit gering.
Arff dem nördlichen AiSne-Ufer bei Iuvinrourt drangen Stoßtrupps niederschlesischer und posener Regimenter in die französisthe Stellung ein und brachten nahezu 100 Gefangene zurück.
Heeresgruppe Herzog Albrecht.
Nichts Neues.
Ocstlicher Kriegsschauplatz.
Am nördlichen Teil der
Front des Generalfcldmarschalls
Prinzen Leopold von Bayern lebte an mehreren Stellen das Feuer auf.
Heeresgruppe des Generalobersten von Böhm-Ermoli.
Bei Brody mrd am Zbrucz kam es zeitweilig zu heftigen Artilleriegefechten.
Richtung auf (5hotin sind unsere Truppen durch das Waldgebiet südlich des Dnjestrs im Vordringen.
Oestlich von Czernowitz nahmen deutsche und ö st erreicht s ch - u n g arische Divisionen Ra- rancze und den Westteil von Bojan am Pruth.
Front des Generalobersten Erzherzog Josef.
An der rumänischen Grenze südösttich von Czernowitz besteht Gefecktsberührung.
Fm Suczawa-Tal drängten wir die Russen nach Kampf in die Ebene von Radautz zurück.
Wama an der Moldawa ist genommen, die Bistcitza zwischen Lunga und Brostcni ostwärt 6 ü b e r s ch r i 1 t e n.
Am Mgr. Casinului blieben auch gestern nc manische Angriffe ohne Ergebnis.
Bei der
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen
und an der
Mazedonischen Front ist die Lage unverändert.
Der Erste Generalguartiermeister Ludendorff.
-p
Die Abendberichte.
Berlin. 4. Auq., abends. (WTB. Amtlich.) In Flandern Feuerttunpf wechselnder Stärke. In der B u -
rowina und im Nordwestzrpsel der Moldau günstige ^»rtschritte.
reutzens.
Berlin, 5. Aug., abends. (WTB. Amtlich.) Kampftage in Flandern ist unverändert.
In der Bukowina sowohl in der Ebene wie im Gebirge erfolgreiches Vordringen der verbündeten Truppen.
Es bleibt bei Beamtenministerien im Reiche und in Preußen. Bon der Parlamentarisierling wollen Kaiser Und Kanzler nichts wissen. Die neuernannten Männer in Regierungsstellen des Reiches und Preußens sind znm größten Teil Beamte, darunter zwei Bürgerin erster großer Städte, die sich in die innere Politik des Reiches teilen sollen. Wir sind davon überzeugt, daß z. B. diese Oberhäupter großer Städte als Lenker der obersten Aemter im Staate sicher ein ebenso großes Vertrauen des Volkes genießen werden als erwählte Parlamentarier, die von den in Deutschland so zahlreich und beharrlich auseinänderstrebenden Parteien erkoren werden. Sachkenntnis und Tüchtigkeit haben vor allem andern zu entscheiden. Eine ganze Parlarnentarisierung gestatten die Parteiverhältnrsse bei uns nicht, und eine halbe hat gar keinen Zweck. Es gibt wahrlich noch aridere gediegene Schulen, um in hohe Aemter zu gelangen, als die einer Partei oder des Parlaments. Dazu brauchen ja Abgeordnete von solchen Berufungen nicht etwa grundsätzlich aus geschloffen zu werden, und die neuen Stellenwechsel nennen uns ja auch zrvcn Parlamentarier. Das eine dürfen wir uns alle zum Tröste vorhatten: in bureauiratischer, Volts fremder Abgeschlossenheit kann heute fein Minister oder Staatssekretär mehr thronen. Volt und Parlament werden noch häufiger als bisher in die Amtsstuben hin ein leuchten. Wie der Reichstag in den wichtigsten Lebensfragen des Volkes mehr nnd mehr ins Vertrauen gezogen werden kann, davon haben uns ja die Ereignisse der jüngsten Zeit Belreise gegeben. Auf der anberu Seite stellt auch die Politisierung des Voltes an den Reichstag neue Anforderungen. Die Mehrheiten sind wirklich nicht unfehlbar, und rvenn sich eine Entscheidung hinterher etwa als ein verderblicher Schaden Herausstellen sollte, so darf sich unter Umständen, wie es bisher üblich war, auch das Gewölk der Auflösung und Neuwahl über dem Parlament entladen. Womit nicht etwa vergessen werden soll, daß gegen ein solches Experiment in der Kriegszeit die allerschwersten Bedenken sprechen.
-Die neuen Mitarbeiter des Herrn Dr. 'Michaelis im einzelnen zu würdigen, geht heute schwer au. Es genügt, daß sie aus prüsnngs- und arbeitsreichen Sphären kommen und sich als tüchtige Männer vom besten Können bewährt haben sollen. Dem Wechsel rin Auswärtigen Amt hatte, mau mit ganz besonderem Interesse entgegengesehen. Der neue Staatssekretär auf diesem Posten, .Herr v. Kühl- mann, war als Anwärter schon vor einigen Tagen genannt worden imb hatte einen heftigen Streit über seine politische Vergangenheit in der Presse hervorgernfen. Alldeutsche Kreise widerstrebten seiner Ernennung, weil er früher eifrig die Annäherung an England befürwortet habe. Seit 1908 hat er bis zum Kriegsausbruch als erster Botschaftsrat in London gewirkt, während des Krieges ist er erst in Stockholm und Konstanttuopel tätig gewesen, um dann Gesandter tttt Haag und späterhin Botschafter in Konstantinopel zu werden. Auch die holländische Presse bringt es heute zum Ausdruck, daß Kühlmann ein Anhänger einer Annäherung an England gewesen sei. Der „Nieuwe Courant^ gibt eine Aeußeruug wieder, die Kühlmann als Gesandter tm Haag getan haben soll, als Tirpitz und der 'Reichskanzler im Hauptquartier einen Beschluß herbeizu- sühren suchten, der das. Bleiben eines ober bes anderen Staatsmannes im Amte gewährleisten sollte. Kühlmann soll gesagt haben: „Ich bin neugierig, wer morgen krank wird: Bethmann oder Tirpitz. Wird Bethmann krank, daun steht es auch lim meine Gesundheit schlecht." Der „Tdle- graaf" sagt, es sei bezeichnend, daß der Kaiser diesen Staats- mcutu zum Leiter der auswärtigen Politik erwählt, der bis zum Tage der Kriegserklärung die Ueberzeugung gehabt haben soll, daß die Staatsmänner in London nicht daran dächten, Deutschland den Krieg zu erklären. Die Ernennung geschehe offenbar deshalb, weil Kühlmann der geeignete Mann sei, um die Brücke nach England zu bauen. Haben aber die Ereignisse der drei letzten Jahre nicht alles so gründlich umgestürzt, daß die folgerichtigen „Neuorientierungen^ unserer Staatsmänner gar nicht so einfach mit ein paar Redensarten abgetan werden können? Aus einem Saulus kann ein Paulus werden. In der Politik verhält es sich zudem so, daß „Glaube", Liebe oder Haß eine viel kleinere Rolle im Geiste eines Staatsmannes spielen sollen als sicherer Blick für die Wirklichkeit, scharfe Logik der Entschlüsse. Warum sollten wir, wenn England von seiner weltbeherrschenden Stellung gestürzt ist oder gestürzt werden soll, beim Friedensschluß durchaus einen fanatischen Feind des englischen Volkes als Staatssekretär haben? Die Hauptsache ist: Der U-Booü-.Krieg geht weiter. So lange Lloyd George sich noch in Tönen gefällt, wie er sie jetzt wieder bei der Gedenkfeier in London angeschlagen hat, ist eine friedliche Annäherung ja ausgeschlossen. Mit welchen bombastischen Reden umschreibt Lloyd George das Bestreben Englands, das deutsche Reich nickst groß und mächtig werden zu lassen! Er dichtet ihm immer noch Welteroberungspläne an, statt festzustellen, daß Frankreich seit 1871 nicht aufgehört hat, die Revanchepolitik gegen uns zu treiben, ebenso wie es zu den russisch-englischen Plänen gehörte, Oesterreich-Ungarn zu zerstückeln. Unser Kriegsziel ist in der großen Versammlung im Reichstag am Samstag noch einmal kraftvoll ausgesprochen worden. Wir wollen nach, des Reichskanzlers Wort einen
„kraftvollen weisen Frieden, damit deutsches Wesen einen sicheren Boden, gesunde und kräftige Entwicklung behält sür alle Zeiten".' Wie ein Rütlischwur klingt dies gegenüber dem Haß und .Hohn der Gegner, die ihre Pläne indessen mit jedem neuen Tag mehr zuschanden werden sehen.
Die österreichisch-ungarischen Tagesberichte.
Wien, 4. Aug. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird vcrlautbart:
O e st l i ch e x Kriegsschauplatz.
Feindliche Entlastungsvorst-ßr nördlich des Casinu- Tales und auf den Toelgycs-Paß scheiterten an der tapferen Gegenwehr unserer Truppen. Die Brfreiung der Bukowina schreitet erfolgreich vonvärts. Oesterreichffch-unga- rische Kräfte haben sich nördlich von Umpolung den Neber- g a n g über die neue M o l d a w i tz a erzwungen. Westlich und nordwestlich von Radautz lösen sich die Kolonnen der Verbündeten aus dem Gebirge. Oestlich von Czernowitz stehen wir an der Reichsgrenze, südlich des Dnjestrs wurde diese überschritten. All der Zbrucz-Mrndnng wiesen unsere Sichernngsabteffungen russische Kompagnie-Angriffe ab.
I t a l i e n i s ch e r K r i e g s s ch a n p l a tz.
Am Rombon-Hang erfolgreiche Patrouillen-Unterneh- men, glgen den Monte Santo sehr- starkes italienisches Geschützftuer.
Balkankriegsschauplatz.
Unverändert.
Der Chef des Generalstabes. Ereignisse z u r S e e.
In der Nacht vom 2. auf den 8. August haben etwa 16 bis 20 feindliche Flugzeuge die Stadt und den Haftn von Pola mit rund 80 Bomben, darunter viel Brandbomben, belegt. In der Stadt wurden mehrere Schäden an Privat- häusern verursacht, nwbei von der Zivilbevölkerung 2 Personen getütet und 12 verletzt worden sind, darunter hauptsächlich Frauen und Kinder. An militärischen Objekten ist Lein nennenswerter Schaden zu verzeichnen. Bomben fielen auf das Marinespital und den Marineftiedhof. Von Milftär- personen wurden 2 Mann leicht verletzt.
Wien, 5. Aug. (WTB. Nichtamtlich) Amtlich wird verlautbart:
O e st l i ch e r Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des G e ner a l f e l d m a r s ch a l l s vo n M acke nse n.
Nichts von Belang.
Heeresfront des Generalobersten Erzherzog Josef.
Nördlich des C a s r n n - T a l e s erneuerte vergebliche russ i sch -rumäni fche Angriffe gegen unsere Gebirgstruppen. In der Dreilanderecke wurden dem Feinde die Orte Brosteni und Holdata entrissen. In der südlichen Bukowina dringen wir über Wama und Moldawitza Watra hinaus. An der Suezawa wichen die Russen über Radautz zurück. Südöstlich von Czernowitz gewannen wir die Grenze.
Heeresfront des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Nördlich des Pruth wird um die Kanrpfftätten der Neujahrssthlacht tttt 7 gerungen. Bis gestern abend war der Feind aus Teilen von Bojan, aus dem Dorfe Rarancze und dem Westhang des Bolzok geworfen. Nördlich des Dnjestt ‘ vielfach erhöhte Geschützkämpfe.
I t a l i e n i s ch e r K r i e g S s ch a u p l a tz.
Auf dem Mont San Gabriele und auf der Karsthoch- fläche lag gestern nrehrere Stunden hindurch schweres ita 1 ienisches Geschützseuer.
B a l k a n k r i e g s s ch a u p l a tz.
Nordwestlich von Korcza versuchten feindliche Abteilungen den Bevoli zu überschreiten: sie wurden abgewiesen.
Der Chef des Generalstabes. Ereignisse zur See.
In der Nacht vom 3. aus den 4. August warfen feindliche Flugzeuge auf Stad, und Umgebung von Pola neuerdings etwa 100 Bomben. In der Stadt wurden einige Häuser beschädigt. Militärische Sch öden sind nicht verursacht worden. Eine Zivilperson wurde verletzt.
Flottenkommando.
* * 55
Englischer Heeresbericht
Vom 3. August, abends: Heute setzten sich unsere Truppen uviebcu int Dorfe St. Julien fest. Nördlich bei Bahn Ppern —RoulerS wurden deutsche Infanterieansarumlungen für einen netten Gegenangriff durch unser Artilleriefeuer zerstreut. Der Faiud konnte seine Angriffe nicht zur Entwicklung bringen. In der Nächst gewannen wir südlich von Hollebeke imd östlich von Monchn ic Preux Gelände. Der Feind ist jetzt von fast allem des von ihm bei dem Angriff in der Nacht gewonnenen Geländes wieder ver trieben. .Feindliche Angriffe wurden nachts nordöstlich von Gvnzean eourt, südwestlich von Fontaine und les Croiselles abgewiesert Abteilungen unserer Truppen stießen erfolgreich in feindliche Gräben südlich von Lombartzyde vor. Am 31 Juli machten die Mliierten 6122 deutsche Gefangene, darunter 132 Offiziere, vom 4. August, nachmittags.
In der därcht uabmeu wir den rtbriqen Teil des Schützengrabens westlich von Mönchy le Freux wieder, in den der Femd am 2. August nachts emgedrnngen war. Unsere Stelluitgen gegen die der Feind ant 2. Mrgust in etwa einer Stärke vmt einem Bataillon emgedrungen war, sind wieder ganz tu unserer Hand. An der Front von Bpern drangen die Franzosen östlüü der Schenke von Körte« kamt weiter vor. In der Nacht siel starker Regen.
, Vom 4. August, abends ^ ,
Das Wetter ist andanenr d naß und stürmisch. Wir gewannen weiter Boden nordwestlich St. Julien.


