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16.7.1917 Zweites Blatt
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llr. m Weites VM M. Jahrgang

Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Beilagen:Gtetzrner ZamillenbMter" und Ureisblatt für öeu Ureis Ziehen".

xofiichrcNants: L.aeffttrl am Main Nr. \\m. vanwerkehr: 6er»erdebank Gieße«.

General-Mzeiger

Dr Gberheßen

Montag, ,s>. Zil!i mr

ZwillingSrundorrrck und Verlag: Brühl'scheUniversitäts-Buch-u.Stttndruckcin.

R. Lange, Gießen.

5christteitnng, Geschäftsstelle und Druckerei:

Schulstraße?. Geschäftsstelle u. Verlag:

Schriftleitung: &&& 112.

Anschrift für Dru htaachrichkenr AnzeigerGießen.

Aus Stsrdt rsttd LernH.

Sieben, 16. Juli 1917.

tte-er die Ernteaussichten.

Äußerte sich der Präsident des Kriegsernähriingsamtes in seiner Reichstag srede am 10. Juli folgendermaßen:

Ich mochte zum Schluß festftellen, daß bic jetzigen Schwieri.^- ?ettai mit dein Jnischgemn.se nur vorübergehende sind, daß das neue Wirtsck>aftsj,rhr im August einsetzt, und daß die Aussichten für dieses keineswegs so schlecht und trüb sind, wie es mir in der letzten Zeit wiederholt als Ansicht begegnet ist. Ich kann im vollen Be­wußtsein der mir obliegenden Verantwortung erklären, daß wir nach menschlichem Ermessen einer Brotgetreideernte ent­gegensehen, die so gut sein wird wie die des Jahres 1915, wo wir glatt mrsg-ekvinmen sind. D<m schlechten dürren Gegenden stehen wette Bewirte gegenüber, wo die Ernte besser als 1915 ist. Die Ernte 1916 schien ja glänzend, hat uns jedoch schwer enttäuscht: wir hiel­ten sie für weit besser, als es sich nachher herausstellte. Die Ernte 1.915 hat schlechte Aussichten geboten, schließlich abier auch genügt, und deswegen können wir, rvas.das Brot alllaugt, der nächstjäh­rigen Versorgung mit voller Ruhe entgcgense'hen. Die Kartoffel­ernte wird, soweit man es jetzt Voraussagen! kann nach dem Stande -der Felder, erheblich besser werden als im Jahre 1916; es liegt keinerlei Grund zu der Annahme vor, daß wir wieder eine so schwere Mißernte haben werden. Damit sind die beiden Hauptgrund-- lagen für unsere Ernährung gegeben. Unsere Viehbestände haben sich trotz der starken Llbschlachtnngen nicht wesentlich vermindert, die Fleischversorgung ist also in dem durch die Futterknappheit be­dingten Umfange weiter völlig gesichert.

*

** Heidel beeren. Vom Leben-smittekamte wird mitge- ttik. lltech vielen Bemühungen ist es nun dem Lebensmittelamt gelungen, gestern die erstem Httdelbeer« für die Stadt zu erhalten. Trotzdem im Vogelsberg und im Odenwald die H-eidelbeerernte reiche sich iss, Tonnte der legale Handel gast keine ans den hessischen Markt bringen. Jli groß« Scharen ziehen die Leitte ans den Städten in die Wälder, sammeln die Heidelbeec« und verschleppen sie trotz aller Aussicht. «us dem Siegerland komm« sie in den Vogelsberg, fahren mit ihren gesammelten Frücht« an kleinen Stationen ab Und geben dann in den Dörfern und Städten/ hausieren, wo sie die Heidelbeeren teuer verkaufen oder gegen Kartoffeln und Brat vertauschen. Da in Bctden und anderen benachbarten Ländern der Meis der Heidelbeeren von Anfang an höher cmgesetzt war, als in Hessen, so war man auch« %itt zur Heraufsetzung der Höchstpreise gezwungen. Sie kosten-jetzt im Erzeugerpreis 35 und im Klein­handelspreis 50 Pfennig das Pfund. Auf diese Weise ist es jetzt den Organisation« gelungen, größere Mjengen auf legalem Wege in den Handel zu bringen. In den nächsten Tagen werden wir jetzt auch in Gießen ntchr Heidelbeeren in den Obstgeschäften haben. Die Kirschenernte -geht zu Ende, das Bedürfnis in Gießen ist « befriedigt. Nach den 'letzten Sauerkirschen, guten Llmorell«, \vat Twnttg Ncrchftage. Auch die Himbeeren, die-sich aller­dings mich schlecht 'halten und leicht der Verderbnis ausgesetzt sind, werden wenig mehr verlangt. Jetzt komm« die. ersten Apri­kosen Und Pfirsich«, die aber ritvm hohen Preis haben, weil für die Frühfrüchite dieser -Gattungen keine Höchstpreise bestehen. Di-e erfterr Frühbirnen sind schon vor einigen Tagen ein ge­troffen, und bald giibt es auch die ersten Frühäpfel.

** Vertilgt die Kohlweißlinge. Von zustän­diger Stelle wird uns geschrieben: Mit Rücksicht ans die cmßervrdentlich große Bedeutung, die der Kohl als mensch­liches Ernährnngsmittel ttrsbesondere bei der augenblick­lichen Nahmngsrnittelcknappheit hat, ist die Vertilgung der Kohlweißlinge bzw. deren Raupen von der allergrößten Be­deutung. Die Rcmperi, die an Weißkohl, Rotkohl, -Wirsing und (anderen Kohlarten aürftreten, müssen durch Ablesen be­seitigt und die Schmetterlinge müssen möglichst rasche in größtem Umfange gefangen werden. Wo die Schmetterlinge besonders stark auftreten, dürfte es sich empfehlen, um die Bertilgrlng wirksamer zu gestalten, auf das Mlesen der Rauperi Prämien aus den Gemeindekassen zu setzen. Die erngesponnenen Puppen der Kohlweißlinge, die namentlich im Herbst cm Gebäuden aufgehängt sich finden, müssen ab gelesen werden.

WS»*. IWKB&imafWa&BPa&s aga«gagi^Bai«aZgr-7TO

Dke UunftgewerbeausftellLNg.

Von Paula Messer-Platz.

(Schluß.)

Es handelt sich weder in der Kunst noch im Kunstgewerbe um eine möglichst treue Wiedergabe der Natur. Die Ansicht eines Gegenstandes ist noch lange nicht der Gegenstand. Erst im Weglassen, Abwägen und Konzentrieren beginnt die eigentlich künstlerisch« Tätigkeit. Das Auge des Künstlers ist das Auge mir einer Vergangenheit. Es muß versuchen, von vielen Einzel- erscheinungeir das Charakteristische zn nehmen und daraus Den Typus zu formen, der nie in der Natur vor kommt und doch in der Natur steckt. Und wiederum: das Auge des Künstlers muß ganz ohne Vergangenheit sein. Es darf nicht wissen, rate sehen; es darf nicht denken, nur aufttehm«; es darf nicht die Vorstel­lung sondern die Erscheinung reden lassen. Die Plaketten von Bruno Eyermann (Leipzig Fockestr. 10)) besitzen diesen Dualismus von Wahrheit und Dichtung und 'gefallen darum. Aus vielen ge- seherven und studierten menschlichen Körpern wird der Körper geschaut und unter Verzicht aus Teilformen zu einer Gesamt- wirrung modelliert. Das freiwillig gewählte Material erhebt sich dabei zum Gesetz; denn was für Bronze gedacht ist, muß anders entworfen sein, als was etwa in Eisen oder Silber ausgeführt werden soll. Der Kreis der Medaille erhöht die Geschlossen­heit der Komposition besser, als das Quadrat oder das Dreieck dies vermag.

Wendet mau sich in der Ausstellung von diesen ernsteren Gegenst«rden wieder der Handarbeit zu, so werden gewiß die Batikorbetten von Nellie Obermeyer (zurzeit Gießen, Wetz- larer Weg 15) besonderes Jirteresse erregend Die Blusen sind in der Farbe seiner abgewogen als die Deckchen, sie sind kleidsam geschnitten^ imb originell ausgedacht, wie das bunte Jäckchen zu einem weißen Kleid. Leider schließen sie fast alle rückwärts, was die schöne RücLmkvrie beeinträchtigt. Sehr gelungen ist der rote Bucheinband ünd die kleine Schreibmappe mit Ledereinfassung.

Nicht immer glücklich sucht die Waldecks che Volkskunst (Arolsen) ihre ULberliefecimg mit den Anforderungen der Gegenwart, Schönheit und PraktiftUeit, zu vereinen. Die blauen Leinenbluseu sind zu kühl für den Muter und zu warm und steif für den Sommer. Dagegen zeigt ihre Weißsttckerei guten Geschmack, ein­zelne Stücke wie die große aufgelegte Tischdecke, sogar besondere, stilvolle Schönheit.

Die ausgestellten keramischen Arbeiten vvnTheodorKeerl, (Landshüt, Dtafonjem) scheinen rvoW manchen wogen ihres meist kbencen Formats nur Spielereien. Diese mögen sich, an den großen, bemalten Glasbafcn von Olga H a s s e l m a n n - K ü r tz (Wies­baden, Friedrichstraße 4) erfreuen, die sehr dekorativ wirten, aber Blumen aufzunehmen weniger geeignet sind. Wer sich dagegen in das Wunder einer einzelnen Blüte, in die sanfte Biegung

** Kr ie gs teue-ru ng s bei hälfen an Staats- beumrte, Volks schullehrer, Staatsdienst-An­wärter usw. Wie derDarmst. Ztg." mitg-eteilt wird, ist die Großh. Regierung zurzeit mit der Sammlung und Be­arbeitung des Materials für eine neue Vorlage Ivegen Gewährung von Ksittegstenerungsbeihilfen an Staatsbeamte, Volksschulehrer, Staatsdienstanwärter usw. beschäftigt. Die Regierung wird voraussichtlich entsprechend der fort­gesetzten Verteuerung der gesamten Lebienshaltutlg Vor­schlägen, die zurzeit über KriegsteuevmrgsbeiHilfen bestehen­den Vorschriften in der Richtung einer Erhöhung der Bezüge nnd einer Erweiterung des Krei ses der b e zngs berech ti g ten Persone n zu ändern. Die Vor­lage soll den Landständen so zeitig zugehen, daß sie in der schon wegen der Verlängerung der Landtagsmairdate nöti­gen Herbsttagung der Landstände verabschiedet werden kann.

** Vom Verschöner n n g s verei n. Der Verschönernngs- verem für die Stadt Gießen 'hat auck) während des Krieges seine Tättgkeit fortgesetzt. Seine Mittel sind freilich stark beschuittcst worden, da «er mit Rückfickft wrf die Kriegslage den Vereinsbeitrag, iur Vorjahre auf 1 MV. ^hevabfetzte und da ferner ein starker R'ick- gang der BeremsmitgLeLeezahl emgetteten ist. In nächster Zett soll der Beitrag für 1917 .eingezogen werden? Soll der Verein seine ge­meinnützigen Ziele auch künftig erfolgreich verfolgen können, so ist dringend zu wüarschm, daß die Mitglieder ihre Beiträge bereit­willig abliesern. Die ?)teldnug Neuer Mitglieder wird an den Herrn Veveinsvechiner Fr. Kühn, Seltersweg 36, erbeten.

** Die Lage in Rnßland. Für den tapferen Vorkämpfer der Sack;e des baltischen Deutschtums, Silvio B roe dri ch, der am Mittwoch, den 18. d. Mts in der Neuen Aula über die Lage in Rußland sprechen wird, haben die Ereignisse der letz­ten zehn Jahre schwere Schicksale verhängt. Als Rittergutsbesitzer von Kurmahleic (bei Go-ldingen) trat.er beretts bei der Revolution von 1905 den letttschen Revolutionären, die Goldingen mit Plün­derung und Brand bedrohten, an der Spitze seiner Gutsleute un­erschrocken entgegen und wehrte so schweres Unheil von seinen deut­schen Landsleuten ab. In den nächsten Jahren hat er dann zu­sammen mit Manteusfel-Kaszdengen die Ansiedlung südrussischer Kolonisten in Kurland geleitet, was natürlich beide Männer bei den regierenden Kreisen verhaßt und verdächtig machte. Mantensfel wurde zn Beginn des Krieges nach Sibirien verschickt. Broedrich, dem das gleiche Schicksal drohte, gelang es im letzten Augenblicke zu flüchten und einen deutschen Reiterposten zu sistden, der ihn hinter die deutschen Linien brachte. Nachdem er einige Zeit im Dienste der deutschen Land-verivaltnng in Kurland gestanden, sie­delte er nach Berlin über, wo er sich nun ganz, der Sorge für das künftige polittsche Geschick seiner balttschen 5)eimat gewidmet hat. Besonders verdient hat er sich durch die DruckschriftDas neue Ostland" um die Verbreitung genauer Kenntnis der balttschen Verhältnisse in bei* deutschen Kreisen gemacht, unter denen er durch eine Reihe von Vorträgen in den größeren deutsck)en Städten um Teilnahme für die Sache des balttschen Deutschtums geworben hat.

- ** I m Schwarz-Weiß-Theater Seltersweg 81, wirkt ab Dienstag, 17. Juli, bi- cinschl. Freitag, 20. Juli, die aus der Bühnenwelt bestbekannte Leopoldme Konstanttn, mit Egede Nissen und Rudolf Schlldkraut in hem großen Gesellschaftsdraina Das Wiegenlied", einer Künsllertragödie in 4 Akten. Als zweites Stück ist ein zweiaktiges LiebesdraMaAnita" vorgesehen, sowie einige güte Einlagen. Vdtt dem üttevesfanten Leben und- Treiben in Tanger schließt der sehr gute Spielplan.

LKtsagt dem Tragen von Goldschmuck. Gebt ihn für den Sieg unserer Waffen!

in den Räumen der Vezirkssparkche Gießen ist morgen von 3 bis 5 Uhr geöffnet!

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Landkreis Gießen.

** A, lten - Buseck, 14. Juli. Das Eiserne Kreitz 1. Klasse erhielt Unteroffizier Friedrich Wagen bach, Sohn von Kaspers Wagen bach VIII.

** iD u e d b o r n , 16. Juli. Wehrmairn Heinrich Schmidt ist nach 34 monatiger Gefcvrgenschaft in die Heimat zurückgekehrt. Er war am 10. September 1914 infolge schnwrer Bein Verwundung in der Champagne ür französische Gefangenschaft geraten und int JUli vorigen Jahres in die Schweiz verbracht worden.

** Röthges, 16. Jluli. Bon den drei Brüdern Strack aus Billingen, die alte drei rm Westen kämpfen, erhielt nun auch der zweitätteste, der Schlitze Her manu Strack, das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Der Aielteste, Kanonier Otto Strack, hat es schon voriges Jcchr erhalten.

Kreis Büdingen.

# Ranst adt, 13. Juli. Das Eiserne Kreuz erhielt Karl Schneider.

# Sto ck'heim, 13. Juli. Daü Eiserne Kreuz erhielt der Füsilier Karl Müller.

Kreis Alsfeld.

G Lieder bach, 14. Jtlli. Durch eine Mine erlitt am 28. Jurliden Heldentod der Kompagnic-Ueldtvebek Viertzeller. Von hier gebürtig, verließ er im Jahre 1892 das Seminar zu Fricdbevg und tvirkte als Lehrer in Schwarz, Eifa und zuletzt in Hofheim im Ried.

Kreis Lauterbach.

z. Grebenhain, 14. Juli. Dem Pionier Karl Herchen- röder, welcher seit 1915 im Fickde steht, wurde wegen tapferen) Verhaltens in den Kämpfen bei Arvas das Eiserne Kreuz zweiter Klasse verkietzen.

Kreis Schotten.

ti Gedern, 13. Juli. Das Eiserne Kreuz erhielt der Land­sturm-Gefreite Karl Reichert.

O Gedern, 14.Juli. Der Kraftfahrer Petxr Sperking, der zurzeit bei einer Sarritätskraftwagen-Abtellrmg im Osten steht, wurde mit der Hessischen Tapferkeitsmedaillle ausgezeichnet. Dos Eiserne Kreuz besitzt er schon. Sperling kämpfte beretts früher auf dem westlichen Kriegsschauplatz, wo er dreimal verwmtdet wurde.

z. Aus dem südö stl i chen V ogeks berg, 14. Juli. Die Heuernte ist mit Ende voriger Woch!e beendet, von großem Futterreichtum unseres Gebirgs wie in sonstigen Jahren kann ge­rade keine Rede sein, jedoch übertrifft die diesjährige Ernte an Güte alle Erwartungen, da sie unberegnet eingebracht wicrde. Die 4lus- sicht auf eine Grunrmetmmte hat sich wieder ziemlich gebessert. Der verdorrte Grasbodett hat durchs den niedergegangeiten Regen, au- fangs dieser Woche, wieder frisches Grün erhalten und es scheint souttt keine Futternot zn befürchteir zu sein. Da auch inzwischen die Dilttnrirzpflanzen neues Leben erhatten haben und sich Vorzugsick) entwickeln, so ist es eben auch eine Pracht, innere Kartoffelfeldeo zu sehen, welche in voller Blüte stehen. Die Sommersnrcht ist kurz geblieben. Der .Kern bildet sich aber durch die bisherige FeuchtigLett gut aus. Das Korn geht seiner Reife entgegen.> Die Herdel - beeren-Ernte, welchje im> Lapse Reser Woche in den Fvei- tzerrlich Riedeselschen Waldungen, im Revier Stockhausen und Eisen­bach stattfand, hatte ein gutes Ergebnis. Von 3 bis 4 Stunden Entsermrug waren die Beerenftccher zu Fuß und per Bahn mnge­troffen und süMen ihre Körbe, Eimer usw., um gegen Abend wieder mit solchen heimzukehren. In dankenswerter Weise wurden ihn« von der Fvrstbehörde kerne Hiudemisie bereitet.

§ Aus dem oberen Vogels berg, 13. JuL. Cfthwj* schönen Stand und wunderbares Wachstcem Hab« die Kartoffel­felder angenommen. Ueberall stehen sie nujn in vvller Blütes es ist kein Strauchs der .nicht seine' Blnme hat. Der letzte Reg« hat sehr auf die Pflanzen eingewirkt und die Sträucher zuweilÄr bis zu 80 Zenttmeter aufwachsen heißen. Jedenfalls steht in diesem Jahre eine gute Kartoffelernte in Aussicht, denn zum Knoli^rr- am'atz haben die Fangwurzeln nun auch Feuchtigkeit genug er­halten. 'Auch auf den Wiesen hat der Regen feine Wirkung irichl verfehlt. Ein schöner Grummetan.satz und neues Wachstum >igt sich deutlich. Kraut, Kohlraben und M ckwirrzpflcmzen sind gut an­gewachsen und können bald gehackt werden. Saaten Hab« mw ihr Grün mehr verdunkelt und iv-acbslen iroch etwas nach.

Kreis FriedSer§.

fc. Friedberg, 45. Juli. Geste« wurde die hiesige Volks­küche, nachdem sie Mehrere Wollten bestand, bis auf weiteres geschlossen.

emes Grashalmes versenken wlll, der stelle solch ein schmales, schlankes Tongefäß aufs Fensterbrett und halte Zwiesprache mit seiner Ernfackcheit und Ausgeglichenheit.

Bedauerlich ist es, daß der sonst so vielseitigen Ausstellung kein Schmuck lzuging. Guter Schmuck gehört zum Seltensten, fteilich auch Frauen, die ihn zu trag« wissen. Ein Gesicht muß dazu Be­deutung Und Ruhe hüben, wie wir uns etwa die Frauen der Renais­sance vorstellen. Aber auch das Kleid muß Bedeutung und Ruhe haben Und llare Flächeir, die nicht überall durch Spitzen und Rüschen aufgelöst Werder:. Kleider gehören dazu, wie vielleicht Mrmr Eggert-Duvall^de Navarre (München, zurzeft Nosentzeim, Münchener Straße 51) sie entwerfen würde, wenn sie neben ihren .Kinderkleide« auch solche für Erwachsene gezeigt hätte. Ihre Arbeiten und die ihres Mannes sind wohl die wert­vollste!! der Ausstellung. Die Farben glühen in eigentümlicher, ttefer Leidenschaftlichkeit, rverden aber mental zügellos, da sie immer durch ein Gegengewicht gebändigt sind. Ist nicht das orangene Kinderküid ein Wagnis? Aber der Schrei wird im Ent- ftckhen schjoy zum Gesang, indem Milde, graue Seide das wilde Orange umfaßt. Die .Keuutnis alter Kulturen, besonders der byzanttnischen rnid gotischen, scheint sich in dieser .Künstlerin mit der FÄügkeit zu paareu, aus Natur und Phmrtasie Formen nnd Gedanken zu schöpfen. Auch ihre Battkkissen sind phantastisch, aber nickt willkürlich, der Zusamnumfluß der Lchien betoahrt immer Gesetzmäßigkeit. Eine neue Zuwendung findet die Batik­technik in ihren Buchcinbanden, die e«st und sachlich genug sind, urn Freunde in nuferer Gelehrtenwelt zu werben.

DerKampfflieger" von Benno Eggert ist aus dem Er­leben eines Väannes entsprungen, dev sett Beginn des Krieges selbst bei den Fliege« stützt. Sogar der Stein zu dieser Lillw- graphie wurde draußen gezeichnet. Der ganze herrliche Angriffs­geist, das Zupacken und Be«icht« ist Ger festgebannt und wird von der Not und der Größe unserer Zell erzählen, wenn sie längst versunken sein wird. Kraftvoll und ideenreich sind auch die Ex­libris. Entwürfe dazu wurden früher schon vom Weimarer Museum angekauft. Eb«so Holzschnitte durch das Münchener Kupfer- stichürbinett (PinaVokhek», das sich auch das erste Recht auf den Boccacio-Zyklus Vorbehalten hat, an dem der Künstler arbeitet.

Die Ausstellung wird noch bereichert durch Bilder von W. Thiel mann, dessenDämmerstunde" sehr farbig gesehen ist. Ein Araberkopf von O. 5)asselmann- Kurtz hebt sich warm und kontrastreich vom fügten Gran des Kartons. E. 'Bonin wirkt durch kräftigen Strich, und H. Giebel hält in seinem Waldinneru am ?Rorgen" das Flimmern und Zittmu von Hell und Dunkel fest, das so malerisch diese stunde verkhönt. Eich- lich zeigt G. Jahn eine Reihe seiner esfektvollen Radierungen, die lebendig und liebevoll Figürliches und Land^aflliches ver­binden. Der faßlichen Unkompliziertheit seiner Mvttve gelingt es immer, Genuß und Verständnis zu lningen.

Im allgemein« steht das Publikum derhohen Kunst" frem­der gegenüber als derangewandten". Das erklärt zum Teil den rasch« Eroberungszug unseres Kunstgewerbes und das all- gemerne Interesse dafttt. Wer auch das .Kunstgelverbe ist mchr als Augenblickswert, es ist unbewußte ästhettsche Erziehung durch dre schöne Umgebung. Der künstlerische Sinn hat mit dmr morali­sch« gememsam, daß er durch das bewußte Stadüim hindurch wieder zum Jnsttnkt werden muß. Erst was Instinkt ist. wirkt unfeylbar. Auch tm Aesthettsck>-Kunstgewerblichen 'ist wie im Ethi- fchen das Beispiel die Hauptsache. Auch hier heißt es: sage mir mit was du umge'hst, und ich null dir sag«, tver du bist.

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or iiu oniiuigsmiuH! in Leipzig.

Mts Leipzig wird uns geschrieb«: Unter Leitung des Natioual- okonomen GeheiniNat Prof. ^Dr. Karl Pucher ist nunmehr das Sttr- dmn) zur Vorbereitung für d« Jvurnallsimins iit großzügiger Werfe organisiert worden. G«ndlegend war hierfür die Ueber- zeugung, daß bei der ungewöhnlich« tulturetten Bedeutung der Presse eine gründliche akademische Durchbildung Erfordernis ist und daß du Anlage des Studi« planes den besonderen Bedürfnisf« des, künftigen Berufes angepaßt werden muß. Vor allem di«t daefem Zwecke das hierfür begründete Jnstitttt für Zeittmgskünde ist v-rmaM eine hrjtorische Abteilung, welche das gesamte für dre Entwicklung des Pressetves«s bed«tsame Material in übersicht­licher Gliederung saininelt. Dmi folgt eine Nummersammlwrg die emen fystemattsch« Ueberblick .über das moderne Zeitunqstves« erworlicht. Hier werden die Verzweigung« und ZUf'«mi»enhänge L ^^'chEMigsformen de-s l-euttgen Preßgewerbes anschaulich Eine Abteilung für Zeitungskorrespoudenz« zeigt die mannigfachen Arten der Stosfvermittlung an. Ferner liegen alle polttisckien ^rgeszertungen uick ZettsckMfteii aus, wodurch die versMedenen Behandlungen gleichen aktuellen Stoffs in erschöpfender Mse ver­glichen werden könn«. Schließlich wird noch eine besondere Samm­lung von ^'eldzettungen geführt, die sämtlich während' des Welt­krieges von^ einzelnen >rupp«verbänden herausgegebe«« Blättev vereinigt. Eine umsasf«de Biblivtliek gewähtt das allgemeine und spezielle literanfck>e Material und ist systematisch nach d« verschie- derl« Zweig« und Erscheinung« des Zeitungstoesens geordnet Die lAANFen deS^ Instituts gliedern sich nach 'den sft-Kiellen Be- durfnrff« des polittf chwi, des Handels- und Feuilletonredaktenrs ^m trbrigen beteilig« sich die Stndierend« nach einem besonderen Studien plan an den allgernein« Fachvorlesung«. Bvn einem Lei- tungsfachexam« ist indessen^ vernünftigerweise abgesehen worden. Diese von weitblickend« EGesicksisvuntten Mls imtemmmnene ^r- ganpieiung einer theorettsch« Vorbereitung wird ihre ftucktbäreü Wirkungen Ni der Praxis, deren Bedeutung dadurch nicht bvesiittäck- ttgt ist, mcht verfehl« können.